1. Zu der Zeit, als Antiochus Epiphanes mit Ptolemaeus dem Sechsten wegen des Besitzes von Gesamt-Syrien im Streite lag, entstanden unter den vornehmen Juden Zwistigkeiten über den Machtvorrang, da niemand von denen, die in Würden standen, sich seinesgleichen unterordnen wollte. In diesem Zwiste gewann Onias, einer von den Hohepriestern, die Oberhand und vertrieb die Söhne des Tobias aus der Stadt (Jerusalem). Letztere nahmen nun ihre Zuflucht zu Antiochus, den sie baten, in Judaea einzurücken und dabei ihre Dienste als Heerführer anzunehmen. Der König liess sich um so leichter hierzu bereden, als er sich schon lange mit dieser Absicht trug. Er drang daher mit grosser Streitmacht ins Land ein, nahm die Stadt mit stürmender Hand, liess eine grosse Menge der Anhänger des Ptolemaeus niedermachen, verstattete seinen Soldaten uneingeschränktes Plündern, beraubte selbst den Tempel und brachte die Abhaltung der täglichen Opfer auf die Dauer von drei Jahren und sechs Monaten zum Stillstand. Der Hohepriester Onias aber floh zu Ptolemaeus und erhielt von ihm einen Platz im Bezirke von Heliopolis, wo er ein Jerusalem ähnliches Städtchen und einen Tempel nach dem Muster des zu Jerusalem befindlichen erbaute. Hierüber werde ich an passender Stelle noch näheres mitteilen.
2. Dem Antiochus indes genügte weder die unverhoffte Einnahme der Stadt, noch die Plünderung, noch das gewaltige Blutbad, sondern im Taumel seiner Leidenschaft und im Andenken an seine während der Belagerung bestandenen Strapazen zwang er die Juden, im Widerspruch mit den heimischen Gesetzen ihre Kinder unbeschnitten zu lassen und Schweine auf dem Altar zu opfern. Gegen diese Verordnungen lehnte sich das ganze Volk auf; die angesehensten Bürger aber erlagen dem Richtschwert. Bakchides vollends, der von Antiochus geschickte Kommandant der Besatzungstruppen, verschärfte die gottlosen Befehle noch durch seine natürliche Grausamkeit und überschritt jedes Mass des Frevels, indem er die vornehmen Juden der Reihe nach foltern liess und der gesamten Bürgerschaft tagtäglich mit Zerstörung der Stadt drohte, bis endlich das Übermass seiner Greuel die Bedrängten zu einem Rache versuch trieb.
3. Matthias nämlich, der Sohn des Asamonaeus, ein Priester aus dem Dorfe Modein, bewaffnete sich und die Seinigen (er hatte fünf Söhne) und erdolchte den Bakchides, worauf er aus Furcht vor der zahlreichen Besatzung zunächst sich ins Gebirge zurückzog. Als aber eine Menge Volkes sich um ihn scharte, fasste er Mut, stieg von den Bergen herab, schlug die Heerführer des Antiochus in förmlicher Schlacht und vertrieb sie aus Judaea. Dieses sein Waffenglück verschaffte ihm Macht und Ansehen, und gern wählten ihn seine Landsleute aus Dankbarkeit für die Befreiung vom Joche der Fremden zum Herrscher. Bei seinem Tode hinterliess er den Oberbefehl seinem ältesten Sohne Judas.
4. Dieser setzte nun in der V oraussetzun g, dass Antiochus nicht ruhig bleiben werde, aus seinen Landsleuten ein Heer zusammen, schloss — der erste, der dies that — ein Freundschaftsbündnis mit den Römern und schlug den Epiphanes, als derselbe wiederum ins Land einfiel, mit grossem Verlust zurück. Im frischen Vollgefühl seines Sieges stürzte er sich alsdann auf die in der Stadt befindliche Besatzung, die noch nicht vernichtet war, warf sie aus der oberen Stadt und drängte sie nach der unteren — Akra genannt — zusammen, bemächtigte sich des Tempels, reinigte den ganzen Platz, umgab ihn mit einer Mauer, liess, weil die früheren gottesdienstlichen Geräte unrein geworden, neue anfertigen und in den Tempel schaffen, errichtete einen anderen Altar und liess die Opfer wieder ihren Anfang nehmen. Kaum erfreute sich die Stadt wieder ihres feierlichen Gottesdienstes, da starb Antiochus, und Erbe seines Thrones wie seines Judenhasses ward sein Sohn Antiochus.
5. An der Spitze eines Heeres von 60000 Mann zu Fuss, ungefähr 5000 Reitern und 80 Elefanten drang dieser nun durch Judaea in das Bergland ein, eroberte das Städtchen Bethsura und stiess in dem Engpass bei dem Orte Bethzacharia mit Judas und seinen Truppen zusammen. Bevor jedoch die Heere handgemein wurden, erspähte des Judas Bruder Eleazar den Elefanten, der merklich über die anderen hervorragte und mit grossem Turm und vergoldeter Schutz wehr geschmückt war. In der Meinung nun, auf diesem Elefanten befinde sich Antiochus, eilt er den Seinen weit voraus, durchbricht den Haufen der Feinde und dringt bis zu dem Elefanten vor. Wegen der Höhe des Tieres vermochte er indes den vermeintlichen König nicht zu erreichen, verwundete aber den Elefanten am Bauch, sodass er über ihm zusammenbrach und ihn zu Tode drückte. So vollbrachte er eigentlich nichts weiter, als dass er, ein Leben für den Ruhm in die Schanze schlagend, sich an eine Grossthat heranwagte. Der Führer des Elefanten war übrigens ein gemeiner Soldat. Wäre es jedoch auch zufällig Antiochus gewesen, was hätte der kühne Krieger wohl anderes erreicht als den Ruhm, in der blossen Hoffnung auf eine herrliche That sich dem Tode freiwillig preisgegeben zu haben? 'Für seinen Bruder war übrigens dieses Ereignis eine Vorbedeutung des Ausganges der Schlacht Denn die Juden hielten zwar tapfer und lange Zeit stand; doch die Königlichen gewannen, an Zahl überlegen und vom Glücke begünstigt, endlich die Oberhand. Nach schweren Verlusten floh Judas mit dem Rest des Heeres in die Toparchie von Gophna. Antiochus aber marschierte nach Jerusalem; indes zog er nach einem Aufenthalt von nur wenigen Tagen aus Mangel an Lebensmitteln wieder ab unter Zurücklassung einer, wie ihm schien, hinreichend starken Besatzung. Sein übriges Heer führte er. dann nach Syrien in die Winterquartiere.
6. Nach dem Abzug des Königs blieb Judas nicht unthätig. Mit der zahlreichen Menge seiner Landsleute, die sich an ihn anschloss, und dem Überrest derer, die sich aus der Schlacht gerettet hatten, lieferte er bei dem Dorfe Adasa den Heerführern des Antiochus wieder ein Treffen, in welchem er aber, nachdem er Wunder der Tapferkeit verrichtet und viele Feinde niedergemacht hatte, seinen Tod fand. Wenige Tage nachher wurde sein Bruder Joannes von den Anhängern des Antiochus hinterlistigerweise überfallen und getötet
1. Dem Judas folgte sein Bruder Jonathas, der das Interesse seiner Landsleute sehr umsichtig wahrnahm, durch ein Bündnis mit den Römern seine Herrschaft befestigte und sich mit dem jungen Antiochus aussöhnte. Doch alles dies gewährleistete ihm keine genügende Sicherheit Der Tyrann Tryphon nämlich, der Vormund des jungen Antiochus, stellte diesem nach dem Leben und suchte daher zunächst dessen Freunde aus dem Wege zu räumen. So nahm er auch Jonathas, der sich mit nur schwacher Bedeckung nach Ptolemais zu Antiochus begeben hatte, h interlistigerweise gefangen und legte ihn in Fesseln, worauf er gegen die Juden zu Felde zog. Von Simon, dem Bruder des Gefangenen, zurückgeschlagen, liess er dann den Jonathas aus Zorn über die erlittene Niederlage umbringen.
2. Nun ergriff Simon mit grosser Energie die Zügel der Regierung, eroberte die Nachbarstädte Gazara, Joppe und Jamnia, schleifte die Akra und machte deren Besatzung zu Gefangenen. Später verbündete er sich mit Antiochus gegen Tryphon, den dieser vor seinem Feldzuge gegen die Meder in Dora belagerte. Obgleich er nun zur Niederwerfung Tryphons seinen Beistand geleistet, vermochte er damit doch nicht die Habgier de| Königs zu beschwichtigen. Denn bald darauf sandte Antiochus seinen Feldherrn Kendebaeus an der Spitze eines Heeres, um Judaea zu verwüsten und Simon zu unterjochen. Dieser aber, obwohl bereits ein Greis, führte den Krieg mit jugendlicher Kraft, schickte seine 'Söhne mit dem Kern seiner Truppen gegen Kendebaeus ins Feld voraus und griff selbst mit einer Heeresabteilung von der anderen Seite an. An vielen Stellen und auch im Gebirge legte er Hinterhalte und beherrschte auf diese Weise die sämtlichen Zugänge. Nach einem glänzenden Siege wurde er zum Hohepriester erwählt und befreite so die Juden von der Herrschaft der Macedonier, unter der sie hundertundsiebzig Jahre lang gestanden hatten.
3. Aber auch er fiel heimtückischen Nachstellungen zum Opfer, die sein eigener Schwiegersohn Ptolemaeus bei Gelegenheit eines Gastmahles ins Werk setzte. Dieser hatte auch seine Gattin und zwei seiner Söhne eingekerkert und sandte nun Meuchelmörder aus, um den dritten, der gleichfalls Hyrkanus hiess, zu töten. Der Jüngling ajjer erhielt von deren Ankunft Kunde und eilte in dem festen Vertrauen, dass das Volk der ruhmreichen Thaten seines Vaters gedenken und das freventliche Beginnen des Ptolemaeus verabscheuen werde, in die Stadt. Durch ein anderes Thor suchte nun auch Ptolemaeus in Jerusalem einzudringen, wurde aber vom Volke, das den Hyrkanus bereits aufgenommen hatte, sogleich zurückgewiesen. Darauf zog er sich nach Dagon, einer der Jericho beherrschenden Burgen, zurück; Hyrkanus aber, der das hohepriesterliche Amt seines Vaters angetreten hatte, opferte Gott und brach eiligst gegen Ptolemaeus auf, um seiner Mutter und seinen Brüdern Hilfe und Rettung zu bringen.
4. Obgleich er nun bei der Belagerung der Festung im Vorteil war, beugte ihn doch schweres Leid, und daa mit gutem Grund, darnieder. Ptolemaeus nämlich Hess, so oft er bedrängt wurde, des Hyrkanus Mutter und Brüder auf die Mauer führen und sie vor seinen Augen geissein, drohte auch, sie hinabstürzen zu lassen, wenn er nicht alsbald abziehe. Mitleid und Furcht ergriffen bei diesem Anblick jedesmal den Hyrkanus und erwiesen sich mächtiger als sein Zorn. Seine Mutter aber, die weder die Geisselung noch der ihr angedrohte Tod einzuschüchtern vermochte, streckte die Hände aus und beschwor ihren Sohn, doch nicht aus Mitleid mit ihrer Qual des Ruchlosen zu schonen, denn der Tod durch des Ptolemaeus Hand sei ihr süsser als Unsterblichkeit, wenn der Frevler nur für die Schandthaten, die er gegen ihre Familie verübt, büssen müsse. Bedachte nun Joannes die Standhaftigkeit seiner Mutter und hörte er ihr Flehen, so liess er mit Ungestüm den Angriff erneuern; sah er aber, wie man sie schlug und zerfleischte, so wurde es ihm weich ums Herz und er zerfloss in Wehmut. Während hierdurch die Belagerung sich in die Länge zog, kam das Sabbatjahr heran, welches bei den Juden in jedem siebenten Jahre, wie in jeder Woche der siebente Tag, gefeiert wird. Auf diese Weise wurde Ptolemaeus von der Belagerung befreit, tötete nun die Brüder und die Mutter des Joannes und floh zu Zeno mit dem Beinamen Kotylas, dem Tyrannen von Philadelphia.
5. Mittlerweile rückte Antiochus, noch immer voll Erbitterung über das, was er durch Simon gelitten hatte, in Judaea ein, setzte sich vor Jerusalem fest und belagerte den Hyrkanus. Dieser aber öffnete das Grabmal Davids, der alle Könige an Reichtum übertroffen hatte, entnahm der Gruft über dreitausend Talente und bewog durch Zahlung von dreihundert Talenten den Antiochus zur Aufhebung der Belagerung. Der Rest des Geldes ermöglichte ihm, fremde Söldner zu halten, und zwar war er der erste Jude, der dies that.
6. Als in der Folge Antiochus gegen die Meder zu Felde zog und ihm dadurch Gelegenheit zur Rache bot, fiel er sogleich über die syrischen Städte her, die er wie es auch wirklich der Fall war, von streitbarer Mannschaft verlassen zu finden hoffte. So eroberte er Medaba und Samaea nebst den umliegenden Städten, dann auch Sikim und Garizin, und brachte die Chuthäer, die um ein dem Tempel zu Jerusalem nach gebildetes Heiligtum herum wohnten, unter seine Botmässigkeit. Auch nahm er nicht wenige Städte Idumaeas ein, darunter Adoreon und Marissa.
7. Alsdann rückte er vor Samaria, wo jetzt die vom Könige Herodes gegründete Stadt Sebaste liegt, schloss sie rings mit einem Walle ein und übertrug die Leitung der Belagerung seinen Söhnen Aristobulus und Antigonus. Diese betrieben die Belagerung mit allem Eifer, und bald wütete in der Stadt eine solche Hungersnot, dass die Einwohner selbst die ungewöhnlichsten Nahrungsmittel zu sich nahmen. Sie riefen deshalb den Antiochus mit dem Beinamen Aspendius zu Hilfe, der ihrem Verlangen zwar bereitwillig nachkam, aber von Aristobulus geschlagen wurde. Die Brüder setzten ihm bis Skythopolis nach; doch er entkam, und seine Verfolger wandten sich nun wieder gegen Samaria, schlossen dessen Bewohner abermals gänzlich ein, eroberten alsdann die Stadt, zerstörten sie und verkauften die Bürger als Sklaven. Und da ihnen das Glück so günstig war, liessen sie ihren Eifer nicht erkalten, sondern rückten mit ihrem Heere bis vor Skythopolis, berannten die Stadt und verwüsteten das ganze Land diesseits des Karmelgebirges.
8. Aber der Neid über das Glück des Joannes und seiner Söhne rief unter den Einheimischen eine Empörung wach. In Menge rottete man sich gegen sie zusammen und ruhte nicht, bis es zum förmlichen Kampfe kam, in welchem die Aufrührer jedoch geschlagen wurden. Den Rest seiner Tage verlebte dann Joannes im Glücke, und nachdem er volle dreiunddreissig Jahre hindurch aufs trefflichste regiert hatte, starb er mit Hinterlassung von fünf Söhnen. Er war in der That selig zu preisen; denn sein Lebensgang giebt nicht die geringste Veranlassung, dem Schicksal Vorwürfe zu machen. Drei der höchsten Würden vereinigte er in seiner Person, die Herrschaft über sein Volk, das Hohepriestertum und die Propheten würde, und so innig verkehrte mit ihm die Gottheit, dass ihm nichts Zukünftiges verborgen blieb. Daher sah und sagte er auch von seinen beiden ältesten Söhnen voraus, dass sie nicht lange an der Spitze des Staates bleiben würden. Übrigens verlohnt es sich der Mühe, deren Untergang zu schildern, da er so himmelweit von dem Glücke ihres Vaters verschieden war.
1. Nach dem Tode seines Vaters, vierhunderteinundsiebzig Jahre und drei Monate nach der Rückkehr des jüdischen Volkes aus der babylonischen Gefangenschaft, änderte Aristobulus, der älteste der beiden Brüder, die Regierungsform in eine Königsherrschaft um und setzte sich — der erste Asamonäer, der dies that — die Krone auf. Dem Antigonus, seinem nächstjüngeren Bruder, dem er augenscheinlich sehr zugethan war, vergönnte er die gleiche Ehre, während er die übrigen in Fesseln und strengem Gewahrsam hielt. Auch seine Mutter, die mit ihm wegen der Regierungsgewalt in Streit lebte, weil Joannes sie zur eigentlichen Herrscherin bestimmt hatte, liess er ins Gefängnis werfen und trieb sogar seine Grausamkeit so weit, dass er sie im Kerker Hungers sterben liess.
2. Es ereilte ihn aber die Rache in der Person seines Bruders Antigonus, den er liebte und an seiner Seite mitregieren liess. Dieser fiel nämlich als Opfer von Verleumdungen, welche ruchlose Höflinge ersonnen 106 v. Chr. Jos«phu9, Geschichte de9 Jüdischen Krieges. hatten. Anfangs zwar schenkte Aristobulus dem Gerede keinen Glauben, teils weil er seinem Bruder wirklich zugethan war, teils weil er die Anschwärzungen vielfach auf Neid zurückführte. Als aber einst Antigonus von einem Kriegszug zurückkehrte und mit glänzendem Gepränge zu dem Feste kam, an welchem man nach väterlicher Sitte Gott zu Ehren Laubhütten errichtet, traf es sich, dass Aristobulus gerade krank darniederlag. Antigonus begab sich nun in Begleitung seiner Leibgarde am Schlüsse des Festes mit denkbar grösstem Prachtaufwand nach dem Tempel, um für seinen Bruder von Herzen zu beten. In diesem Augenblick traten die Känkestifter vor den König hin und schilderten ihm den pomphaften Aufzug der Bewaffneten und das für einen Privatmann gar zu stolze Gebaren des Antigonus, der mit einer so grossen Schar nur gekommen sei, um ihn zu ermorden. Es sei ihm eben unerträglich, einfach nur Mitregent zu sein, da er sich des Thrones selbst bemächtigen zu können glaube. •
3. Fast wider seinen Willen schenkte Aristobulus diesen Vorstellungen Glauben, und um einerseits seinen Argwohn nicht offenkundig werden zu lassen, anderseits aber auch für alle Fälle gesichert zu sein, beorderte er seine Leibwache in eines der unterirdischen und dunklen Gelasse der Burg, in welcher er lag (diese hiess früher Baris, erhielt aber später den Namen Antonia), und gab Befehl, den Antigonus, falls er unbewaffnet komme, passieren zu lassen, wenn er dagegen bewaffnet sei, ihn niederzumachen. Zugleich liess er seinen Bruder auffordern, ohne Waffen zu ihm zu kommen. Daraufhin entwarf die Königin mit den Feinden des Antigonus einen sehr verschmitzten Plan. Sie beredeten nämlich die Abgesandten des Königs, dessen Befehl zu verschweigen und dem Antigonus zu melden, sein Bruder habe vernommen, eine wie herrliche Rüstung er sich in Galilaea habe anfertigen lassen; weil aber seine Krankheit es ihm bisher unmöglich gemacht habe, dieselbe in Augenschein zu nehmen, so sei es jetzt, da Antigonus u ivcnsitfftf cuihcm a abzureisen gedenke, sein dringender Wunsch, ihn in diesem Waffenschmuck zu sehen.
4. Kaum hatte Antigonus das vernommen, so zog er, da die bisher von seinem Bruder ihm entgegengebrachte Gesinnung keinen Argwohn in ihm aufkommen liess, in seiner Waffenrüstnng wie zur Parade einher. Als er aber bis zu dem dunklen Gelasse, welches Stratonsturm hiess, gekommen war, wurde er von den Soldaten der Leibwache niedergestossen, ein deutlicher Beweis dafür, dass Verleumdung alle Bande des Wohlwollens und der Natur zerreisst, und dass keines der besseren Gefühle stark genug ist, um der Missgunst die Spitze bieten zu können.
5. Verwundern muss man sich hierbei über einen gewissen Essener Judas, dem in seinen Weissagungen noch nie ein teilweiser oder gänzlicher Misserfolg begegnet war. Als dieser damals den Antigonus durch den Tempelraum schreiten sah, rief er seinen vertrauten Schülern, deren nicht wenige um ihn weilten, zu: „Ach, nun wäre es mir besser, ich schiede von der Welt, da die Wahrheit vor mir gestorben und eine meiner Weissagungen falsch befunden worden ist! Ist doch Antigonus noch am Leben, der heute hätte sterben sollen. Beim Stratonsturm — so wollte es sein Schicksal — hätte Meuchelmord ihn dahinraffen sollen; doch der liegt sechshundert Stadien von hier entfernt, und schon ist die vierte Stunde des Tages. Wahrlich, die Zeit straft die Prophezeiung Lügen!“ Nach diesen Worten versank der Greis lange in wehmütiges, gedankenvolles Schweigen, bis eine Weile nachher die Ermordung des Antigonus in dem unterirdischen Gelasse gemeldet wurde, das, gleichwie Caesarea am Meer, Stratonsturm hiess. Hierdurch war der Seher verwirrt worden.
6. Die Reue über diesen Frevel verschlimmerte übrigens sogleich des Aristobulus Krankheit. Die beständigen Gewissensbisse wegen des Mordes liessen ihn mehr und mehr dahinschwinden, bis endlich das Übermass des Grams seine Eingeweide zerriss und er Blut in Strömen von sich gab. Als nun einer der ihn pflegenden Pagen dasselbe forttrug, stolperte er nach göttlicher Fügung gerade an der Stelle, wo Antigonus ermordet worden war, und verschüttete das Blut des Mörders über die Flecken vom Blute des Dahin geschlachteten. Sogleich erhoben die Zuschauer ein Jammergeschrei, als wenn der Page das Blut absichtlich dort verschüttet hätte. Der König aber hätte das Geschrei kaum vernommen, als er sofort nach der Ursache sich erkundigte, und da niemand ihm dieselbe mitteilen mochte, bestand er. um so mehr darauf, sie zu erfahren. Doch erst als er mit Zwangsmassregeln drohte, gestand man ihm die Wahrheit, und nun füllten sich seine Augen mit Thränen, und er sprach unter tiefem Aufseufzen so laut, als seine Schwäche es zuliess: „So konnte ich also mit meinen Frevelthaten dem allsehenden Auge Gottes nicht verborgen bleiben, und schnell ereilt mich die Strafe für die Ermordung meiner Verwandten. Wie lange denn noch, schändlicher Leib, willst du die Seele zurückhalten, die dem Bruder und der Mutter verfallen ist? Und wie lange soll ich ihnen mein Blut tropfenweise als Opfer spenden? Lieber mögen sie es gleich auf einmal nehmen, und nicht treibe fürder die Gottheit ihren Spott mit dem Leichenopfer aus meinen Eingeweiden!“ Kaum hatte er diese Worte gesprochen, so verschied er, nachdem er nur ein Jahr regiert hatte.
1. Des Aristobulus Gemahlin befreite nun dessen Brüder aus der Kerkerhaft und ernannte zum Könige den Alexander, der sowohl seines Alters als seiner Herzensgüte wegen dieses Vorzuges wert zu sein schien. Kaum aber war er auf den Thron gelangt, so liess er den einen von seinen Brüdern, der Herrschgelüste zeigte, umbringen, während er dagegen den anderen, der sich mit einem Leben fern von Staatsgeschäften begnügte, in Ehren hielt.
2. Alsdann lieferte er dem Ptolemaeus mit dem Beinamen Lathurus, der die Stadt Asochis eingenommen hatte, ein Treffen. Aber obgleich er eine Menge Feinde niedermachte, neigte sich der Sieg doch auf des Ptolemaeus Seite. Bald indes, als dieser, von seiner Mutter Kleopatra verfolgt, sich nach Aegypten begeben hatte, bekam Alexander durch eine Belagerung Gadara in seine Gewalt sowie ferner Amathus, die wichtigste Festung jenseits des Jordan, in der auch die kostbarsten Schätze des Theodoros, Sohnes des Zeno, aufbewahrt wurden. Plötzlich jedoch erschien Theodoros, nahm seine eigenen Schätze samt dem Gepäck des Königs und tötete gegen 10000 Juden. Alexander aber erholte sich von diesem Schlage wieder, wandte sich nach der Meeresküste und eroberte Raphia, Gaza und Anthedon, welch letzteres später vom Könige Herodes Agrippias genannt wurde.
3. Als er diese Städte eben unterjocht hatte, brach an einem Feste ein Aufstand der Juden gegen ihn aus, wie denn überhaupt Empörungen meist bei der Feier von Festen entstehen. Diesen Aufruhr niederzuwerfen, wäre ihm wohl nicht gelungen, w r enn ihm üicht die fremden Söldner geholfen hätten: Pisider nämlich und Cilicier, denn Syrer nahm er wegen ihres angestammten Hasses gegen die Juden nicht in Sold. Nachdem er nun über 6000 von den Empörern getötet hatte, fiel er in Arabien ein, unterwarf dieses Land sowie die Galaditer und Moabiter, die er tributpflichtig machte, und kehrte alsdann nach Amathus zurück. Da übrigens Theodoros, durch Alexanders Kriegsglück in Schrecken versetzt, die Festung verlassen hatte, traf dieser sie ohne Besatzung an und machte sie dem Eidboden gleich.
4. Bald darauf hatte er ein Treffen mit dem Araberkönig Obedas zu bestehen, der ihm bei Gaulana einen Hinterhalt gelegt hatte. In dieser Schlacht verlor er sein ganzes Heer, das in eine tiefe Schlucht gedrängt und hier von der Menge der Kamele erdrückt wurde. Er selbst entkam nach Jerusalem. Dort aber nahm das Volk, das ihn schon längst hasste, aus der Grösse des ihm zugestossenen Unglückes Anlass zur Empörung gegen ihn. Doch auch diesmal siegte er und metzelte in schnell aufeinanderfolgenden Schlachten nicht weniger als 50 000 Juden nieder. Indes gereichten ihm diese Siege, durch welche er die Kräfte seines eigenen Reiches aufrieb, so wenig zur Freude, dass er die Waffen niederlegte und auf gütlichem Wege sich mit seinen Unterthanen zu verständigen suchte. Doch erreichte er durch diese Sinnesänderung und sein wenig folgerichtiges Handeln nichts weiter, als dass das Volk ihn nur noch mehr hasste. Als er nun nach der Ursache dieser Abneigung sich erkundigte und fragte, was er denn thun müsse, um die Juden zu besänftigen, entgegneten sie: sterben, wiewohl selbst sein Tod sie kaum mit ihm aussöhnen werde, da er so viele Schandthaten auf dem Gewissen habe. Zugleich riefen sie den Demetrius mit dem Beinamen Eukaerus zu Hilfe, der denn auch in der Hoffnung, besondere Vorteile erlangen zu können, dem Ruf bereitwillig Folge leistete und mit einer Streitmacht heranrückte. Bei Sikim vereinigten sich die Juden mit ihren Bundesgenossen.
5. Aber auch mit dem zweifachen Gegner nahm Alexander es auf. Stand ihm doch ausser 1000 Reitern und 8000 gedungenen Fusssoldaten auch noch der ihm wohlgesinnte Teil der Juden, gegen 10 000 Mann, zu Gebote, während die feindlichen Truppen 3000 Reiter und 14000 Mann zu Fuss zählten. Ehe es nun zum Handgemenge kam, versuchten beide Könige durch Herolde gegenseitig ihre Truppen zum Abfall zu bewegen: Demetrius hoffte die Söldner Alexanders, dieser hingegen die zu Demetrius haltenden Juden auf seine Seite zu bringen. Da aber weder die Juden ihre Erbitterung noch die Griechen ihre Treue verleugneten, blieb nichts anderes übrig, als das Schwert entscheiden zu lassen. Der Sieg fiel sodann dem Demetrius zu, obwohl Alexanders Söldner sich heldenmütig schlugen. Das Endergebnis der Schlacht gestaltete sich übrigens für beide Teile gleich unerwartet. Denn einerseits blieben dem Demetrius, obwohl er gesiegt hatte, die Juden, die ihn herbeigerufen, nicht treu, und anderseits gingen zu Alexander, der ins Gebirge geflohen war, aus Mitleid mit seinem Unglück 6000 Juden über. Diese Wendung der Dinge vermochte Demetrius nicht zu ertragen, und in der Meinung, Alexander sei jetzt wieder kampfbereit und das gesamte Volk stehe zu ihm, zog er alsbald ab.
6. Doch gab nach dem Abmarsch der Bundesgenossen die übrige Menge die Feindseligkeiten nicht auf, sondern lag ohne Unterlass mit Alexander im Kriege, bis die meisten niedergemacht, die übrigen aber in die Stadt Bemeselis gedrängt und nach deren Zerstörung gefangen in Jerusalem eingebracht waren. Alexanders Zorn kannte nun keine Grenzen mehr, sodass er seine Grausamkeit bis zur Gottlosigkeit trieb. Er liess nämlich gegen 800 von den Gefangenen mitten in der Stadt ans Kreuz schlagen, ihre Weiber und Kinder aber vor ihren Augen hinschlachten, während er selbst mit seinen Kebsweibern zechend und schmausend zusah. Infolgedessen ergriff das Volk ein solcher Schrecken, dass in der Nacht darauf 8000 seiner Gegner aus ganz Judaea flohen, die erst nach dem Tode Alexanders zurückzukehren wagten. Nachdem er durch solche Massnahmen seinem Reiche, freilich spät und mühsam genug, Ruhe verschafft hatte, legte er die Waffen nieder.
7. Abermals aber wurde er aus seiner Müsse aufgestört durch des Demetrius Bruder Antiochus mit dem Beinamen Dionysus, den letzten Seleukiden. Als dieser nämlich zu einem Feldzug gegen die Araber aufbrach, liess Alexander die ganze Strecke zwischen dem Gebirge bei Antipatris und der Küste bei Joppe mit einem tiefen Graben durchziehen und vor dem Graben eine Mauer mit hölzernen Türmen erbauen, um die leicht zugänglichen Angriffsstellen zu schützen. Doch vermochte er dadurch den Antiochus nicht abzuwehren. Denn dieser verbrannte die Türme, füllte den Graben aus, marschierte mit seinem Heere durch Judaea und wandte sich sogleich gegen die Araber, indem er die Rache an Alexander, der ihn hatte aufhalten wollen, auf eine spätere Zeit verschob. Der Araberkönig aber zog sich in eine für ihn günstigere Gegend zurück, machte dann mit seiner 10000 Mann starken Reiterei eine plötzliche Schwenkung und griff das Heer des Antiochus an, noch ehe es in Schlachtordnung aufgestellt war. Es entspann sich nun ein heisser Kampf, in welchem des Antiochus Streitmacht, so lange er selbst am Leben war, wacker standhielt, obwohl die Araber ihr gewaltig zusetzten. Sobald er aber gefallen war (er scheute nämlich, um den Bedrängten Hilfe zu leisten, selbst vor der offenkundigsten Gefahr nicht zurück), wandte sich alles zur Flucht. Der grösste Teil seines Heeres kam in der Schlacht oder auf dem Rückzuge um, während der Rest, der sich in das Dorf Kana flüchtete, bis auf wenige Überlebenden dem Hunger erlag.
8. Hierauf riefen die Daraascener aus Hass gegen Ptolemaeus Mennaei den Aretas herbei und ernannten ihn zum König von Coelesyrien. Dieser zog alsdann gegen Judaea zu Felde und schlug den Alexander in einem Treffen, kehrte aber nach Abschluss eines Vergleiches wieder heim. Alexander eroberte darauf Pella und rückte, nach des Theodoros Schätzen lüstern, vor Gerasa, schloss die Besatzung mit einer dreifachen Mauer ein und erstürmte die Stadt. Ferner verwüstete er Gaulana, Seleukia und das sogenannte Antiochusthal, nahm dann die starke Festung Gamala, entsetzte den Kommandanten derselben, Demetrius, wegen vieler gegen ihn erhobener Anklagen seines Amtes und kehrte, nachdem er volle drei Jahre im Felde gelegen, nach Judaea zurück, wo er um seiner glänzenden Kriegsthaten willen vom Volke begeistert empfangen wurde. Doch kaum rastete er von seinen Kriegsstrapazen aus, als eine Krankheit sich bei ihm einstellte, und weil das ‘Leiden, ein viertägiges Wechselfieber, ihm arg zusetzte, glaubte er es durch Wiederaufnahme kriegerischer Thätigkeit von sich abschütteln zu können. Als er aber in dieser Absicht zur Unzeit einen Kriegszug unternahm und den Mühen desselben über seine Kräfte hinaus sich aussetzte, fand er seinen Tod. Er starb mitten im Kriegsgetümmel nach 27 jähriger Regierung.
1. Die Herrschaft hinterliess er seiner Gemahlin Alexandra, da er überzeugt war, dass die Juden ihr noch am willigsten Gehorsam leisten würden, einmal weil sie von seiner Grausamkeit weit entfernt war, dann aber auch, weil sie durch ihren Widerstand gegen Ungesetzlichkeiten sich die Zuneigung des Volkes erworben hatte. In dieser Erwartung hatte er sich auch nicht getäuscht: das schwache Weib wusste sich in der That durch die günstige Meinung, die sie von ihrer Frömmigkeit verbreitete, die Herrschaft zu sichern. Denn die väterlichen Gebräuche des Volkes beobachtete sie aufs peinlichste und entsetzte gleich anfangs die Übertreter der heiligen » 79 y. Chr. Gesetze ihrer Ämter. Von den beiden Söhnen, die sie dem Alexander geboren hatte, ernannte sie den Hyrkanus, weil er der ältere und ausserdem zu träge war, als dass er ihr in der Regierung Schwierigkeiten hätte bereiten können, zum Hohepriester; den jüngeren aber, Aristobulus, verwies sie wegen seines feurigen Temperamentes ins Privatleben.
2. Innigen Anteil an ihrer Regierung nahmen übrigens die Pharisäer, eine jüdische Sekte, deren Angehörige für besonders fromm und gesetzeskundig gelten. Ihnen war Alexandra als gottesfürchtige Frau überaus zugethan. Sie aber bethörten allmählich die Einfalt des Weibes und waren bald die eigentlichen Herrscher, die nach Gefallen verbannten und zurückriefen, lösten und banden, wen sie wollten. Alles in allem genommen, hatten sie den Genuss vom Königtum, während Alexandra die Kosten und Beschwerden desselben zur Last fielen. Übrigens war sie der Leitung eines grösseren Staatswesens wohl gewachsen. Ihr Hauptaugenmerk richtete sie auf die Vermehrung ihrer Truppenmacht, wodurch sie dieselbe bald auf die doppelte Stärke brachte, und sie nahm auch nicht wenige fremde Söldner in ihren Dienst, sodass sie, indem sie die Wehrkraft des Volkes steigerte, den auswärtigen Fürsten die nötige Furcht «einzuflössen vermochte. So über ihre Unterthanen herrschend, stand sie selbst unter der Herrschaft der Pharisäer.
3. Ihnen war es auch zuzuschreiben, dass ein gewisser Diogenes, ein vornehmer Mann und Freund Alexanders, hingerichtet wurde. Sie beschuldigten ihn nämlich, dem Alexander die Kreuzigung der 800 angeraten zu haben. Ebenso wussten sie es bei der Königin durchzusetzen, dass auch die übrigen Männer, die Alexander dazu veranlasst hatten, mit dem Tode büssen mussten. Aus religiöser Scheu beugte eben Alexandra sich völlig vor den Pharisäern, und so überantworteten diese dem Henker, wen sie wollten. Die Angesehensten von denen, die der Gefahr ausgesetzt waren, nahmen nun ihre Zuflucht zu Aristobulus, und dieser brachte denn auch seine Mutter dahin, die Männer ihrer hohen Stellung wegen zu schonen und, wenn sie dieselben nicht für unschuldig halten könne, es wenigstens bei der Verweisung aus der Stadt zu belassen. Nachdem ihnen also Straflosigkeit bewilligt worden war, zerstreuten sie sich im Lande hierhin und dorthin. Hierauf schickte Alexandra unter dem Vorwand, Ptolemaeus bedränge fortwährend Damaskus, ein Heer aus und bemächtigte sich der Stadt, ohne dass sie dabei auf besondere Schwierigkeiten gestossen wäre. Dann suchte sie den Armenierkönig Tigranes, der vor Ptolemais lag und Kleopatra belagerte, durch Verträge und Geschenke zum Abzug* zu veranlassen l. Doch entfernte sich derselbe alsbald aus freien Stücken infolge der in seinem eigenen Lande herrschenden Unruhen. Denn Lucullus war in Armenien eingefallen.
4. Um diese Zeit erkrankte Alexandra, und ihr jüngerer Sohn Aristobulus hatte nun nichts eiligeres zu thun, als mit Hilfe seiner zahlreichen und ihm wegen seines jugendlichen Feuers ohne Ausnahme treu ergebenen Anhänger sämtliche Festungen in Besitz zu nehmen. Mit dem Gelde, das er in denselben vorfand, warb er dann Söldner an und warf sich zum Könige auf. Darüber jammerte Hyrkanus gewaltig, und aus Mitleid mit ihm gab seine Mutter den Befehl, die Gattin und die Kinder des Aristobulus in der Antonia einzukerkern. Es war dies eine im Norden an den Tempel stossende feste Burg, die, wie bereits erwähnt, früher Baris hiess, später aber zur Zeit der Herrschaft des Antonius nach diesem benannt wurde, wie denn auch die Städte Sebaste und Agrippias diese Namen statt ihrer früheren dem Sebastos und Agrippa zu Ehren erhielten. Bevor jedoch Alexandra gegen Aristobulus
1. Der eigentliche Erbe des Reiches war nun freilich Hyrkanus, dem auch seine Mutter noch vor ihrem Tode die Königs würde übertragen hatte; doch an Energie und Geist überragte ihn Aristobulus. In einem Treffen bei Jericho, wo sie miteinander um die Herrschaft stritten, verliessen denn auch den Hyrkanus die meisten seiner Anhänger und gingen zu Aristobulus über. Hyrkanus floh mit dem Rest seiner Getreuen und vermochte noch rechtzeitig die Antonia zu erreichen, wo er sich der Gattin und der Kinder des Aristobulus als Geisel für seine Rettung versicherte. Bevor es indes zu einem unheilbaren Zerwürfnis kam, verglich er sich mit seinem Bruder dahin, dass Aristobulus König sein und er selbst dem Throne entsagen, im übrigen aber alle Ehren gemessen solle, die dem Bruder des Königs gebührten. Unter diesen Bedingungen söhnten sie sich miteinander im Tempel aus, umarmten sich vor den Augen des sie umgebenden Volkes und vertauschten ihre Wohnungen: Aristobulus bezog den Königspalast, Hyrkanus aber das Haus des Aristobulus.
2. Als nun Aristobulus so unverhofft auf den Thron gelangt war, beschlich auch seine übrigen Gegner bange Furcht, darunter ganz besonders den Antipater, der ihm schon längst ein Dorn im Auge war. Von Geburt Idumäer, war er infolge seiner Abstammung, seines Reichtums und seiner sonstigen Macht der Bedeutendste seines Volkes. Dieser Antipater nun beredete einerseits den Hyrkanus, zu dem Araberkönige Aretas zu fliehen, um sich die Königswürde wieder zu erringen, anderseits den Aretas, Hyrkanus aufzunehmen und ihn auf seinen Thron zurückzuführen. Und um Aretas zur Gewährung von Gastfreundschaft besonders geneigt zu machen, schmähte er den Charakter des Aristobulus ebenso sehr, als er den des Hyrkanus lobte, fügte auch hinzu, es stehe dem Beherrscher eines so glänzenden Reiches wohl an, seine schützende Hand über den zu halten, dem Unrecht widerfahren sei. Unrecht aber sei Hyrkanus in der That geschehen, da er des Thrones beraubt worden sei, der ihm seines höheren Alters wegen zukomme. Nachdem er in dieser Weise auf beide eingewirkt hatte, verliess er bei Nacht in Begleitung des Hyrkanus die Stadt und gelangte in eiliger Flucht wohlbehalten nach Petra, der Hauptstadt Arabiens. Hier übergab er den Hyrkanus dem Aretas, suchte diesen mit einem Schwalle von Worten und durch reiche Geschenke zu ködern und brachte ihn schliesslich dahin, dass er seinem Schützling ein Heer zur Verfügung stellte, um ihn in seine Herrschaft wieder einzusetzen. Dieser Truppenmacht, fünfzigtausend Mann zu Fuss und zu Pferde, vermochte Aristobulus nicht standzuhalten, sondern er wurde gleich beim ersten Zusammenstoss geschlagen und nach Jerusalem gedrängt, wo er zweifellos in die Hände seiner Feinde geraten wäre, hätte nicht der römische Feldherr Scaurus die günstige Gelegenheit sich zunutze gemacht und die Stadt entsetzt. Letzterer nämlich war von Pompejus Magnus, der gegen Tigranes Krieg führte, aus Armenien nach Syrien geschickt worden. Als er nun nach der soeben von Metellus und Lollius eroberten Stadt Damaskus gekommen war und diese beiden anderswohin beordert hatte, erfuhr er den Stand der Dinge in Judaea und eilte sogleich dorthin, wie wenn er ein besonderes Geschäft zu machen gedächte.
3. Kaum hatte er das Land betreten, so stellten sich auch sogleich Gesandte beider Brüder bei ihm ein, von denen jeder für sich Hilfe erbat. Doch schwerer als Recht und Billigkeit wogen dreihundert Talente, die Aristobulus mitgegeben hatte. Nach Empfang dieses Geldes liess Scaurus dem Hyrkanus und den Arabern durch Herolde mit dem Einschreiten der Römer und des Pompejus drohen, falls sie von der Belagerung nicht Abstand nähmen. Daraufhin marschierte Aretas voller Bestürzung aus Judaea nach Philadelphia ab, während Scaurus nach Damaskus zurückkehrte. Dem Aristobulus aber genügte es nicht, der Gefangenschaft entgangen zu sein, sondern er setzte nun mit seiner ganzen Streitmacht den Feinden nach und lieferte ihnen bei dem Orte Papyron ein Treffen, in welchem er über sechstausend Mann niedermachte, darunter auch Antipaters Bruder Phallion.
4. So des Beistandes der Araber beraubt, setzten Hyrkanus und Antipater ihre Hoffnung auf die Gegner, und da Pompejus auf seinem Marsche durch Syrien eben in Damaskus angelangt war, nahmen sie zu ihm ihre Zuflucht. Ohne Geschenke, nur auf die schon bei Aretas geltend gemachten Rechtsgründe sich beziehend, baten sie ihn, das gewaltsame Vorgehen des Aristobulus zu missbilligen und den auf den Thron zu setzen, der seinem Alter und Charakter nach Anspruch darauf habe. Doch auch Aristobulus liess nicht auf sich warten, sondern fand sich im Vertrauen auf die Bestechung des Scaurus ebenfalls ein, und zwar mit allem möglichen königlichen Gepränge. Da er es aber für unwürdig hielt, den Unterwürfigen zu spielen, und es nicht über sich bringen konnte, sich um seines Vorteils willen tiefer zu erniedrigen, als es ihm seinem Stand gemäss zieme, zog er sich an der Stadt Dion vorbei zurück.
5. Hierüber ergrimmte Pompejus, und da ihn gleichzeitig auch Hyrkanus und dessen Anhänger mit Bitten bestürmten, brach er mit dem römischen Heere und vielen syrischen Hilfstruppen gegen Aristobulus auf. Als er nun an Pella und Skythopolis vorbei nach Koreae gekommen war, wo landeinwärts Judaea beginnt, vernahm er, Aristobulus habe sich nach Alexandrium, einer aufs beste ausgerüsteten und hoch auf dem Gipfel eines Berges gelegenen Festung, geflüchtet. Er liess ihm daher befehlen, herunterzusteigen. Dieser herrischen Aufforderung gegenüber hatte Aristobulus nicht übel Lust, es lieber aufs äusserste ankommen zu lassen als Folge zu leisten. Da er aber die Seinen von Furcht ergriffen sah, und seine Freunde ihm zuredeten, er möge doch die unwiderstehliche Kraft der Römer bedenken, liess er sich umstimmen und stieg zu Pompejus hinab. Hier setzte er weitläufig seine Rechtsansprüche auf den Thron auseinander und kehrte dann in seine Festung zurück. Später kam er auf Ersuchen seines Bruders abermals herab, besprach sich mit diesem über die Rechtsfrage und begab sich, unbehindert von Pompejus, wieder hinauf. Zwischen Furcht und Hoffnung schwebend, verliess er seine Veste, um den Pompejus durch Bitten zur Bewilligung seiner Forderungen zu veranlassen; zurück aber ging er, um nicht den Anschein zu erwecken, als gäbe er schon zum voraus seine Sache auf. Als jedoch Pompejus ihn aufforderte, die Festungen auszuliefern, und ihn zwang, den Kommandanten derselben, die die Weisung hatten, nur schriftlichen Befehlen ihres Königs zu gehorchen, durch eigenhändige Briefe den Befehl zum Abzug zu erteilen, fügte er sich zwar diesem Ansinnen, zog sich aber alsdann voll Erbitternng nach Jerusalem zurück und rüstete sich zum Kampfe gegen Pompejus.
6. Der indes folgte ihm, ohne ihm Zeit zu Vorbereitungen zu lassen, auf dem Fusse nach und wurde in seinem Kriegseifer noch wesentlich bestärkt durch die Kunde vom Tode des Mithradates, die er bei Jericho erhielt. Hier ist die fruchtbarste Gegend Judaeas, und es gedeihen daselbst die Palme und der Balsam in Menge. Letzterer wird gewonnen, indem man mit scharfen Steinen den Schaft der Stauden in seinem unteren Teile ritzt und die aus den Einschnitten fliessenden Thränen sammelt. Dort schlug Pompejus für eine Nacht sein Lager auf und rückte in der Morgenfrühe gegen Jerusalem vor. Durch sein Erscheinen in Schrecken versetzt, ging Aristobulus ihm als Bittsteller entgegen, und es gelang ihm auch, durch Geldversprechungen und die Zusage, dass er sich selbst nebst der Stadt in seine Hände geben wolle, den Zorn des Pompejus zu beschwichtigen. Doch hielt er keine seiner Zusagen, und als Gabinius erschien, der zur Empfangnahme des Geldes geschickt war, liessen ihn die Anhänger des Aristobulus nicht einmal in die Stadt ein.
1. Hierüber entrüstet, liess Pompejus 'den Aristobulus in Gewahrsam nehmen und sah sich, als er der Stadt nähergekommen war, nach einem günstigen Angriffspunkt um. Dabei fand er, dass die Mauern ihrer Festigkeit wegen und weil sie aussen von einer furchtbaren Schlucht umgeben waren, schwer einnehmbar seien, sowie dass das jenseits der Schlucht gelegene Heiligtum derartig starke Befestigungen aufwies, dass selbst nach dem Falle der Stadt die Feinde an ihm einen zweiten Zufluchtsort haben würden.
2. Während er nun geraume Zeit zu keinem rechten Entschluss kommen konnte, brach unter den Einwohnern der Stadt ein Streit aus, indem die Anhänger des Aristobulus für den Krieg und die Befreiung de9 Königs, die auf des Hyrkanus Seite stehenden Bürger aber dafür sich erklärten, dass man dem Pompejus die Thore öffnen solle. Übrigens bewirkte die Furcht vor dem wohlgeschulten Heere der Römer, dass die letztere Partei immer stärker wurde. Als nun die Anhänger des Aristobulus sich in der Minderheit sahen, zogen sie sich in den Tempel zurück, brachen die denselben mit der Stadt verbindende Brücke ab und rüsteten sich zum äussersten Widerstand. Die andere Partei aber nahm die Römer in die Stadt auf und übergab ihnen den Königspalast, worauf Pompejus einen seiner Unterbefehlshaber, Piso, mit einer Heeresabteilung hineinsandte. Dieser besetzte die Stadt, und da es ihm nicht gelang, auch nur einen der in den Tempel Geflohenen durch gütliches Zureden zum Übertritt zu veranlassen, richtete er alles ringsum zur Belagerung ein, wobei die Leute des Hyrkanus ihm bereitwilligst mit Rat und That zur Hand gingen.
3. Pompejus selbst liess auf der Nordseite den Graben und die ganze Thalschlucht ausfüllen, wozu die Soldaten das Material herbeitrugen. Die Ausfüllung war übrigens recht schwierig, einmal wegen der bedeutenden Tiefe, dann aber auch, weil die Juden von oben her auf alle mögliche Weise die Arbeit zu verhindern suchten. Die Römer wären mit derselben auch wohl nicht zu Ende gekommen, wenn nicht Pompejus jeden siebenten Tag, an welchem die Juden aus religiösen Rücksichten sich aller Arbeit enthalten, zur Erhöhung des Dammes benützt und den Soldaten an diesem Tage das Handgemenge untersagt hätte; denn zu ihrer persönlichen Verteidigung dürfen die Juden sich auch am Sabbat wehren. Als nun die Thalschlucht ausgefüllt war, liess er hohe Türme auf dem Damm errichten und die von Tyrus mitgebrachten Belagerungsmaschinen herbei sch affen, mit denen er einen Versuch gegen die Mauer unternahm, während Steinschleuderer diejenigen zurücktrieben, welche dies von oben her zu vereiteln trachteten. Übrigens hielten die gerade an dieser Seite durch Grösse und Schönheit sich auszeichnenden Türme sehr lange stand.
4. Obwohl nun die Römer viel Ungemach zu erdulden hatten, konnte doch Pompejus nicht umhin, sich über die mutige Ausdauer der Juden im allgemeinen wie auch besonders darüber zu verwundern, dass sie mitten im Hagel der Geschosse nicht das mindeste von ihrem Gottesdienst aufgaben. Als wenn nämlich die Stadt sich des tiefsten Friedens erfreute, wurden die täglichen Opfer, die Reinigungen und der ganze heilige Dienst Gott zu Ehren aufs genaueste vollzogen. Ja, selbst bei der Erstürmung der Stadt, als tagüber die Leichen der Ihrigen sich um den Altar auftürmten, liessen sie von dem gesetzlichen Gottesdienst nicht ab. Im dritten Monat der Belagerung nämlich drangen die Römer, nachdem sie mit vieler Mühe einen der Türme zerstört hatten, in das Heiligtum ein. Der erste, der die Mauer zu überspringen wagte, war Cornelius Faustus, der Sohn des Sulla, dem zwei Centurionen, Furius und Fabius, gefolgt von ihren Abteilungen, sich anschlossen. Von allen Seiten umzingelten sie die Juden und töteten die einen auf der Flucht nach dem Tempel \ die anderen nach kurzer Gegenwehr.
5. Da nun blieben viele Priester, obwohl sie die Feinde mit gezückten Schwertern auf sich zukommen sahen, unerschrocken beim heiligen Dienste, und während der Darbringung von Trank- und Rauchopfern wurden sie dahingemordet, sie, denen die Verehrung der Gottheit alles, ihre eigene Rettung aber nichts galt. Die meisten fielen übrigens unter dem Schwerte ihrer eigenen, ihnen feindlich gesinnten Volksgenossen; unzählige stürzten sich die steilen Schluchten hinab; einige auch steckten, rasend vor Verzweiflung, die Anbauten der Mauer in Brand und fanden in deren Flammen ihr Ende. Zwölftausend Juden kamen auf diese Weise um, während die Römer nur vereinzelte Töte, dagegen mehr Verwundete hatten.
6. Nichts aber konnte das Volk in dieser schrecklichen Lage so schwer treffen, als dass das bis jetzt nie gesehene Allerheiligste von Fremden enthüllt wurde. Pompejus nämlich ging mit seinem Gefolge in den Teil des Tempels, den nur der Hohepriester betreten durfte, und betrachtete, was darin war: den Leuchter mit den Lampen, den Tisch, die Opferschalen und Räuchergefässe, alles von gediegenem Golde, die Menge des aufgespeicherten Räucherwerkes und den gegen zweitausend Talente betragenden Tempel schätz. Doch rührte er weder diesen noch irgend eines der heiligen Geräte an; vielmehr liess er gleich am Tage nach der Erstürmung den Tempelraum durch die Tempeldiener reinigen und die üblichen Opfer darbringen. Dann ernannte er den Hyrkanus wieder zum Hohepriester, einmal weil er sich bei der Belagerung als sehr hilfsbereit erwiesen, dann aber ganz besonders, weil er das Landvolk, das sich anschickte, für Aristobulus zu den Waffen zu greifen, davon abgehalten hatte. Also gewann er, wie es einem guten Feldherrn ziemt, das Volk mehr durch Wohlwollen als durch Furcht.. Unter den Kriegsgefangenen befand sich auch der Schwiegervater des Aristobulus, der zugleich dessen Oheim war. Die Haupturheber des Krieges nun liess Pompejus mit dem Beile hinrichten; den Faustus aber und die, welche an dessen Seite heldenhaft gestritten hatten, beschenkte er mit herrlichen Kampfpreisen. Dann legte er dem Lande und der Stadt Jerusalem eine Steuer auf.
7. Eine weitere Folge des Krieges war, dass Pompejus dem Volke die Städte, die es in Coelesyrien erobert hatte, wieder abnahm, sie dem damaligen römischen Legaten unterstellte und die* Juden auf ihre eigenen Grenzen beschränkte. Das von den Juden zerstörte Gadara baute er einem seiner Freigelassenen, Demetrius, der von dort gebürtig war, zu Gefallen wieder auf. Sodann befreite er von ihrer Oberherrschaft alle Städte im Binnenland, die sie nicht vorher zerstört hatten, nämlich Hippos, Skythopolis, Pella, Samaria, Marissa, ferner Azot, Jamnia und Arethusa, desgleichen die Küstenstädte Gaza, Joppe, Dora und die Stadt, die früher Stratonsturm hiess, später aber von dem Könige Herodes aufs prächtigste umgebaut und Caesarea genannt wurde. Alle diese Städte gab er ihren eingeborenen Bürgern zurück und teilte sie der Provinz Syrien zu. Nachdem er nun noch die letztere samt Judaea und dem Gebiet bis nach Aegypten einerseits und dem Euphrat anderseits dem Scaurus, dem er zwei Legionen zur Verfügung stellte, zur Verwaltung übergeben hatte, eilte er selbst durch Cilicien nach Rom, wohin er den Aristobulus und dessen Familie, zwei Töchter und zwei Söhne, als Gefangene mitführte. Von den Söhnen entwich der eine', Alexander, unterwegs, während der jüngere, Antigonus, mit seinen Schwestern nach Rom gebracht wurde.
Des Aristobulus Sohn Alexander bekriegt Hyrkanus, wird aber von Gabinius geschlagen. Aristobulus entflieht aus Rom, sammelt ein Heer, wird besiegt und wieder nach Rom gebracht. Weiteres von Gabinius. Crassus und Cassius.
1. Unterdessen war Scaurus in Arabien eingefallen. 0 Dort hielt ihn zwar von Petra das schwer passierbare Terrain ab; dagegen verwüstete er die Umgegend von Pella, wiewohl er auch hier viel Ungemach auszustehen hatte, da sein Heer durch Hunger litt. Hyrkanus säumte nicht zu helfen, indem er durch Antipater Lebensmittel schickte. Da übrigens Antipater auch mit Aretas befreundet war, sandte Scaurus ihn zu diesem, damit der Araber durch Geld den Frieden von ihm erkaufe. Wirklich verstand sich auch Aretas zur Zahlung von dreihundert Talenten, worauf Scaurus sein Heer aus Arabien zurückzog.
2. Nun aber bereitete dem Hyrkanus schwere Sorge der dem Pompejus entwichene Sohn des Aristobulus, Alexander, der im Laufe der Zeit eine starke Truppenmacht zusammengebracht hatte und jetzt verheerend in Judaea einfiel. Es schien sogar, als ob es ihm schnell gelingen würde, Hyrkanus zu stürzen; denn bereits stand er vor Jerusalem und machte sich daran, die von Pompejus zerstörte Mauer wieder aufzubauen. Doch Gabinius, der Nachfolger des Scaurus in Syrien und ein Mann von vielfach erprobter Tapferkeit, zog sogleich gegen Alexander zu Felde, der vor Bestürzung über des Gabinius Anmarsch seine Truppenmacht so vermehrte, dass sie zehntausend Fusssoldaten und fünfzehnhundert Reiter zählte. Ausserdem befestigte er passende Plätze, wie Alexandrium, Hyrkanium und Machaerus in der Nähe des arabischen Berglandes.
3. Gabinius sandte nun den Marcus Antonius mit einem Teile seiner Truppen voraus und folgte selbst mit der Hauptmacht nach. Mit des Antonius Unterbefehlshabern vereinigten sich sodann Antipaters auserlesene Leute und die übrigen Streitkräfte der Juden unter Anführung von Malichus und Pitholaus und rückten dem Alexander entgegen. Bald darauf traf auch Gabinius mit seinen Truppen ein. Diesem vereinten feindlichen Heere hielt sich Alexander nicht gewachsen und zog sich deshalb zurück, wurde aber in der Nähe von Jerusalem zu einem Treffen gezwungen, in welchem er sechstausend Mann verlor, nämlich dreitausend, die fielen, und dreitausend, die in Gefangenschaft gerieten. Er selbst floh mit dem Reste nach Alexandrium.
4. AJs Gabinius vor dieser Festung anlangte und eine Menge Juden daselbst gelagert fand, versuchte er, indem er ihnen Verzeihung für das Vorgefallene in Aussicht stellte, sie ohne Kampf zu gewinnen. Da sie aber von einem gütlichen Vergleich nichts wissen wollten, machte er viele von ihnen nieder und schloss die übrigen in die Festung ein. In diesem Treffen that sich der Truppenführer Marcus Antonius sehr hervor; zwar benahm er sich auch sonst stets tapfer, doch so heldenhaft wie diesmal nirgends. Gabinius liess nun eine Abteilung zur Eroberung des Kastells zurück und brach selbst auf, um diejenigen Städte, die nicht so viel gelitten hatten, in besseren Zustand zu bringen, die gänzlich zerstörten aber wieder aufzubauen. So wurden auf seinen Befehl wieder wohnlich eingerichtet die Städte Skythopolis, Samaria, Anthedon, Apollonia, Jamnia, Raphia, Marissa, Adoreos, Gamala, Azot und viele andere, und mit Freuden strömten die Einwohner in dieselben zusammen.
5. Nachdem er das besorgt hatte, zog er wieder vor Alexandrium und betrieb die Belagerung so nachdrücklich, dass Alexander voll Verzweiflung Gesandte mit der Bitte um Verzeihung seiner Vergehen zu ihm schickte, ihm die noch in seinem Besitz befindlichen Festungen Hyrkanium und Machaerus übergab und bald auch Alexandrium selbst auslieferte. Alle diese Plätze schleifte Gabinius, damit sie nicht zu Brutstätten neuer Kriegswirren würden, und zwar auf Anraten der Mutter Alexanders, die sich aus Besorgnis um die Gefangenen in Rom, ihren Gatten und ihre übrigen Kinder, zu Gabinius begeben hatte, um ihn zur Milde zu stimmen. Hierauf führte Gabinius den Hyrkanus in Jerusalem ein, wo er ihm die Obhut des Tempels übertrug und im übrigen die Verfassung so einrichtete, dass die Angesehensten an der Spitze standen. Das ganze Volk teilte er sodann in fünf Gemeinschaften und bestimmte, dass der eine Teil auf Jerusalem, der zweite auf Gadara, der dritte auf Amathus, der vierte auf Jericho, der fünfte aufSepphoris in Galilaea angewiesen sein sollte. Zu ihrer Freude waren die Juden somit von der Herrschaft eines Einzigen befreit und für die Folge einer aristokratischen Regierung unterstellt.
6. Nicht lange danach entstanden neue Unruhen durch Aristobulus, der von Rom entwichen war und eine Menge teils neuerungssüchtiger, teils von früher her ihm ergebener Juden an sich gezogen hatte. Zunächst machte er den Versuch, Alexandrium, das er besetzt hatte, wieder zu befestigen. Als er aber erfuhr, dass Gabinius ein Heer unter Sisenna, Antonius und Servilius gegen ihn gesandt habe, zog er sich auf Machaerus zurück. Dabei entledigte er sich des unnützen Haufens und behielt nur die Bewaffneten bei sich, etwa achttausend an der Zahl, unter denen sich auch der Unterbefehlshaber aus Jerusalem, Pitholaus, befand, der mit tausend Mann zu ihm übergegangen war. Die Römer aber folgten ihnen auf dem Fusse nach, und es kam zur Schlacht, in der des Aristobulus Leute zwar wacker stritten und lange standhielten, endlich aber von den Römern überwältigt wurden. Fünftausend von ihnen fielen, gegen zweitausend flüchteten sich auf eine Anhöhe, die übrigen tausend aber durchbrachen mit Aristobulus die Reihen der Römer und wurden nach Machaerus gedrängt. Hier bezog der König am ersten Abend Nachtquartier in den Ruinen und befestigte alsdann den Platz notdürftig in der Hoffnung, noch ein Heer zusammenbringen zu können, wenn der Krieg vielleicht etwas lässiger geführt würde. Als nun die Römer angriffen, leistete er ihnen zwei Tage lang fast über seine Kräfte Widerstand, wurde aber dann gefangen genommen und samt seinem mit ihm aus Rom entflohenen Sohne Antigonus gefesselt vor Gabinius und von diesem weg wieder nach Rom geführt. Dort liess der Senat ihn selbst einkerkern, seine Kinder aber nach Judaea bringen, weil Gabinius in einem Schreiben mitgeteilt hatte, er habe dies der Gattin des Aristobulus für die Auslieferung der Festungen versprochen.
7. Als nun Gabinius gegen die Parther zu Felde ziehen wollte, trat ihm die Angelegenheit des Ptolemaeus hindernd in den Weg. Seinetwegen musste er am Euphrat umkehren, um ihn in Aegypten wieder einzusetzen, wobei Hyrkanus und Antipater ihm in allem zur Hand gingen. Antipater insbesondere verschaffte ihm Geld, Waffen, Getreide und Hilfstruppen; er beredete auch die Juden, welche bei Pelusium wohnten und den Zugang zu Aegypten zu bewachen hatten, den Gabinius passieren zu lassen. Nach dem Abzüge des Gabinius geriet übrigens ganz Syrien in Bewegung, und auch die Juden wurden zu erneutem Abfall verleitet durch Alexander, des Aristobulus Sohn, der eine ansehnliche Truppenmacht zusammenbrachte und nichts geringeres im Schilde führte, als sämtlichen Römern im Lande den Garaus zu machen. Hierüber geriet Gabinius, der wegen der Unruhen bereits wieder aus Aegypten herbeigeeilt war, in Besorgnis und sandte deshalb den Antipater zu einigen der Empörer, die sich denn auch wirklich umstimmen liessen. Immerhin aber blieben dem Alexander noch dreissigtausend Mann treu, zu deren Bekämpfung Gabinius nun sogleich ausrückte. Ihm entgegen zogen die Juden, und es kam beim Berge Itabyrium zur Schlacht, in welcher zehntausend Juden fielen, während der Rest in wilder Flucht auseinanderstob. Gabinius zog nun nach Jerusalem und richtete' die Verfassung nach Antipaters Willen ein. Von dort brach er alsdann auf, schlug die Nabatäer und liess die parthischen i P. XI. (Auletes). Flüchtlinge Mithradates und Orsanes heimlich entwischen, während er seinen Soldaten sagte, sie seien entflohen.
8. Des Gabinius Nachfolger in der Verwaltung von Syrien war Crassus. Dieser entnahm zu dem Feldzuge gegen die Parther dem Tempel in Jerusalem ausser allem übrigen Golde auch die zweitausend Talente, die Pompejus nicht angetastet hatte. Er hatte übrigens kaum den Euphrat überschritten, als er mit seinem Heere umkam. Doch das gehört nicht weiter hierher.
9. Nach dem Tode des Crassus versuchten die Parther in Syrien einzudringen, wurden aber von Cassius, der sich in diese Provinz- geflüchtet hatte, zurückgeschlagen. Nachdem Cassius also sich Syriens versichert hatte, eilte er nach Judaea, eroberte Taricheae und schleppte gegen dreissigtausend Juden in die Sklaverei. Dann liess er auf Antipaters Rat den Pitholaus töten, der die aufrührerischen Anhänger des Aristobulus gesammelt hatte. Was übrigens Antipater anlangt, so hatte er eine vornehme Araberin Namens Kypron geheiratet, die ihm vier Söhne gebar, Phasael, Herodes (den nachmaligen König), Joseph und Pheroras, sowie ausserdem noch eine Tochter Salome. Mit allen Machthabern ringsum bereits in gastfreundlichen Beziehungen stehend, trat er durch Verwandtschaft in ein besonders enges Verhältnis zu dem Araberkönige, dessen Obhut er auch, als er den Krieg gegen Aristobulus begann, seine Kinder an vertraute. Cassius nun, um auf diesen zurückzukommen, nötigte den Alexander zu dem Versprechen, Ruhe halten zu wollen, und wandte sich alsdann wieder nach dem Euphrat, um den Parthern den Übergang über denselben zu wehren, wovon noch an anderer Stelle die Rede sein soll. Ihr Reich, dessen Hauptstadt Petra war, endigte zur Zeit des Trajanus. Das Land gehörte später zu Palaestina tertia (vergl. Schenkel, Bibellexikon, IV, S. 269 ff.').
1. Als Pompejus mit dem Senat über das Ionische Meer geflohen und Caesar Herr über Rom und das ganze Reich geworden war, entledigte er den Aristobulus seiner Fesseln, übergab ihm zwei Legionen und wollte ihn schleunigst nach Syrien senden in der Hoffnung, durch ihn diese Provinz und ganz Judaea leicht für sich gewinnen zu können. Doch der Neid machte des Aristobulus guten Willen wie Caesars Hoffnung zu Schanden. Denn Aristobulus wurde von den Anhängern des Pompejus durch Gift aus dem Wege geräumt, und lange Zeit entbehrte sein Leichnam sogar der Bestattung in heimischer Erde, lag vielmehr in Honig einbalsamiert, bis er später von Antonius den Juden zugeschickt wurde, um in den Königsgräbern beigesetzt zu werden.
2. Auch sein Sohn Alexander musste den Tod erleiden, denn Scipio liess ihn zu Antiochia mit dem Beile hinrichten und zwar auf Befehl des Pompejus und nachdem ihm vorher wegen der den Römern zugefügten Unbilden förmlich der Prozess gemacht worden war. Seiner Geschwister nahm sich Ptolemaeus Mennaei, der Beherrscher von Chalkis am Fusse des Libanon, an, der seinen Sohn Philippion nach Askalon sandte, um dieselben abzuholen. Letzterem gelang es denn auch, Antigonus und dessen Schwestern ihrer Mutter, der Witwe des Aristobulus, zu entreissen und zu seinem Vater zu bringen. In die jüngere der Schwestern, Alexandra, verliebte er sich und heiratete sie, wurde aber ihretwegen von seinem eigenen Vater getötet, der nun selbst die Alexandra zur Ehe nahm und um dieser Verbindung willen den Geschwistern seiner Gemahlin sein besonderes Wohlwollen zuwandte.
3. Nach dem Tode des Pompejus wechselte Antipater die Farbe und trat auf Caesars Seite. Als nun der pergamenische König Mithradates mit seinem Heere, das er nach Aegypten führen wollte, bei Askalon halt machen musste, weil er den Weg über Pelusium nicht erzwingen konnte, bewog Antipater nicht nur die ihm befreundeten Araber zur Hilfeleistung, sondern rückte auch selbst mit etwa dreitausend Mann jüdischer Fusstruppen heran. Ferner veranlasste er zur Unterstützung des Kriegszuges die syrischen Grossen und die am Libanon wohnenden Fürsten Ptolemaeus und Jamblichus, durch deren Einfluss dann auch die Städte dieser Gegend bereitwilligst ihren Beistand zusagten. Nachdem auf diese Weise dank Antipaters Eingreifen die Streitkräfte des Mithradates sich bedeutend vermehrt hatten, eilte er vor Pelusium und machte sich, als man ihm den Durchmarsch verwehrte, an die Belagerung der Stadt. Bei der dann folgenden Erstürmung bedeckte sich Antipater mit Kriegsruhm, indem er in den ihm zugewiesenen Teil der Mauer Bresche legte und allen übrigen voran mit seiner Schar in die Stadt eindrang.
4. So fiel nun freilich Pelusium; doch beim weiteren Vorrücken ward das Heer abermals aufgehalten, und zwar durch die aegyptischen Juden, die den sogenannten Bezirk des Onias bewohnten. Da war es dann wieder Antipater, der dieselben bewog, nicht nur ihren Widerstand aufzugeben, sondern auch die Truppen mit den nötigen Lebensmitteln zu versehen. Infolgedessen enthielten sich auch die Bewohner der Umgegend von Memphis der Feindseligkeiten und schlossen sich freiwillig an Mithradates an. Dieser umging nun das Delta und lieferte den übrigen Aegyptiern eine Schlacht in der Gegend, die „Judenlager“ genannt wird. Hier geriet er ßelbst und sein ganzer rechter Flügel in Gefahr; doch Antipater kam ihm am Ufer des Flusses entlang zu Hilfe und befreite ihn aus der Klemme, nachdem er bereits zuvor mit dem von ihm befehligten linken Flügel die ihm gegenüberstehende feindliche Abteilung geworfen hatte. Alsdann drang er auf die Verfolger des Mithradates ein, tötete viele von ihnen und setzte den übrigen so weit nach, dass er auch noch ihr Lager in seine Gewalt brachte. Dabei fielen von den Seinen nur achtzig Mann, während Mithradates auf der Flucht gegen achthundert verloren hatte. Letzterer erstattete übrigens, nachdem er so unverhofft der Gefahr entgangen war, dem Caesar einen neidlosen Bericht über Antipaters Heldenthaten.
5. Daraufhin spendete Caesar dem Antipater reichliches Lob und verfehlte auch nicht, besondere Hoffnungen in ihm rege zu machen, wodurch er ihn anreizte, noch weiteren Gefahren für ihn sich auszusetzen. In solchen Wagnissen bewies Antipater stets eine ausserordentliche Kühnheit, und bald war fast sein ganzer Körper mit Narben, den Denkzeichen seiner Tapferkeit, bedeckt. Als nun Caesar in Aegypten Ruhe und Ordnung hergestellt hatte und nach Syrien zurückgekehrt war, beschenkte er ihn mit Steuerfreiheit und dem römischen Bürgerrecht, erwies ihm auch noch sonstige Ehren- und Gunstbezeugungen und machte ihn dadurch zum Gegenstand des Neides. Auch dass Hyrkanus von Caesar in seiner hohepriesterlichen Würde bestätigt wurde, war lediglich dem Einfluss Antipaters zu verdanken.
Caesar ernennt Antipater zum Landpfleger von Judaea. Phasael wird Befehlshaber von Jerusalem, Herodes Statthalter von Galilaea. Herodes von Hyrkanus vor Gericht geladen. Auf Sextus Caesar, der von Bassus ermordet wird, folgt Murcus.
1. Um dieselbe Zeit traf es sich merkwürdigerweise, dass des Aristobulus Sohn Antigonus, der sich bei Caesar befand, das Ansehen Antipaters noch vermehrte. Denn statt das Schicksal seines Vaters, der, wie man glaubte, wegen seiner feindseligen Gesinnung gegen Pompejus vergiftet worden war, zu bejammern, statt über Scipios Grausamkeit gegen seinen Bruder zu klagen, statt sich frei von aller Gehässigkeit zu halten und sich auf Erregung von Mitleid zu beschränken, trat er vielmehr als förmlicher Ankläger gegen Hyrkanus und Antipater auf Er beschuldigte sie nämlich, ihn selbst und seine Geschwister aller Billigkeit zum Hohn aus dem Vaterlande vertrieben und in frechem Übermut ihr Volk vielfach drangsaliert zu haben. Und was den Feldzug nach Aegypten angehe, so hätten sie dazu nicht aus Ergebenheit gegen Caesar Hilfstruppen gestellt, sondern nur aus Furcht wegen ihrer früheren Feindseligkeiten und um ihre Freundschaft für Pompejus wett zu machen.
2. Da riss Antipater sein Gewand auf, zeigte seine zahlreichen Narben und erklärte, es bedürfe doch wohl keiner Worte, um seine gute Gesinnung gegen Caesar darzuthun; denn wenn er auch schweige, so lege doch sein Leib lautes Zeugnis ab. Wundern aber müsse er sich über die Anmassung des Antigonus, der als Sohn eines den Römern entlaufenen und denselben feindlich gesinnten Mannes an Neuerungssucht und Empörungsgeist nur das echte Ebenbild seines Vaters sei, und der sich jetzt unterfange, bei dem römischen Machthaber andere zu verklagen, während er doch froh sein könne, dass er überhaupt noch lebe. Denn nicht etwa aus Josephns, Jüdischer Krieg. Dürftigkeit wolle er jetzt teil an den Staatsgeschäften haben, sondern nur, um die Juden zum Aufruhr zu verleiten und seine Macht zum Schaden derer, die sie ihm verliehen, zu missbrauchen.
3. Kaum hatte Caesar das vernommen, so erklärte er den Hyrkanus für besonders wert, Hohepriester zu sein; dem Antipater aber liess er die Wahl eines einflussreichen Postens frei. Als letzterer nun das Mass der Ehrung dem Spender derselben anheimgab, wurde er zum Landpfleger von ganz Judaea ernannt und erhielt ausserdem noch die Erlaubnis, die zerstörten Mauern seiner Vaterstadt wieder auf bauen zu lassen. Die Urkunde über diese Vergünstigungen sandte Caesar nach Rom, damit sie dort auf eherne Tafeln eingegraben und als Denkmal seiner Gerechtigkeit und der Verdienste Antipaters auf dem Kapitolium aufgestellt werde.
4. Antipater gab hierauf dem Diktator bis zur Grenze Syriens das Geleit und kehrte dann nach Judaea zurück. Hier stellte er zunächst die von Pompejus zerstörten Mauern Jerusalems wieder her und bereiste sodann das Land, um den Unruhen ein Ende zu machen, wobei er es weder an Drohungen noch an guten Ratschlägen fehlen liess. Jeder, der dem Hyrkanus wohlgesinnt sei, so erklärte er, solle sich eines glücklichen und ruhigen Lebens erfreuen, sein Eigen tnm geschützt sehen und vom allgemeinen Frieden Nutzen ziehen. Wer dagegen von den eitlen Spiegelfechtereien der Empörer sich blenden lasse, die nur auf ihren persönlichen Vorteil bedacht seien, der werde an ihm statt eines fürsorglichen Beraters einen strengen Herrn, an Hyrkanus statt eines milden Regenten einen Tyrannen, an den Römern und Caesar statt Führeren und Freunden bittere Feinde haben. Denn die letzteren würden natürlich nie den Sturz eines Mannes zulassen, den sie selbst eingesetzt hätten. Während er so seine Meinung kundgab, ordnete er zugleich nach eigenem Ermessen die Angelegenheiten des Landes; denn Hyrkanus, das sah er wohl ein, war nicht nur zu träge, sondern auch viel zu energielos, um seine Herrscherpflichten erfüllen zu können. Er ernannte also seinen ältesten Sohn Phasael zum Befehlshaber von Jerusalem und Umgegend, den nächstfolgenden aber, Herodes, der noch sehr jung war \ sandte er in derselben Eigenschaft nach Galilaea.
6. Herodes nun, ein entschlossener Charakter, fand in seinem Wirkungskreise alsbald Gelegenheit, seine Thatkraft zu beweisen. Er setzte nämlich den Räuberhauptmann Ezechias, der mit einer starken Bande die Grenzgegenden Syriens unsicher machte, gefangen und liess ihn nebst vielen seiner Spiessgesellen hinrichten, wodurch er sich die Syrer zu ganz besonderem Dank verpflichtete, sodass man ihn in Dörfern und Städten als Bringer des Friedens und Retter des Eigentums feierte. Hierdurch wurde er auch dem Sextus Caesar, der ein Verwandter des grossen Caesar und Statthalter von Syrien war, bekannt. Phasael seinerseits mochte hinter seinem berühmten Bruder an Edelmut nicht zurückstehen und legte es daher besonders darauf an, sich die Einwohner Jerusalems geneigt zu machen, indem er, obwohl unabhängiger Herr der Stadt, sich jedes anstössigen und übermütigen Auftretens enthielt. So kam es, dass Antipater vom Volke wie ein König geachtet und von jedermann als wirkliches Staatsoberhaupt geehrt wurde. Doch änderte er selbst seine Ergebenheit und Treue gegen Hyrkanus nicht im mindesten. 6. Aber niemand vermag im Glücke der Missgunst zu entgehen. Schon längst war dem Hyrkanus der Ruhm der jungen Leute ein Dorn im Auge; ganz besonders aber ärgerten ihn die Heldenthaten des Herodes und das protzige Ausposaunen derselben durch eine Menge von Herolden. Auch reizten ihn manche neidische Höflinge, denen die Klugheit Antipaters oder seiner Söhne im Wege stand und die dem Hyrkanus vorstellten, er habe recht eigentlich dem Antipater und dessen Söhnen die Regierung abgetreten und sitze nun da mit dem blossen Titel eines Königs ohne alle Macht. Wie lange er denn noch in der Täuschung verharren und sich Gegenkönige gross ziehen wolle? Denn da sei doch von Statthaltern nicht mehr die Rede, sondern offen geberdeten sie sich wie die thatsächlichen Herrscher, die ihn als Null betrachteten. Habe doch Herodes, ohne von ihm schriftlich oder mündlich beauftragt worden zu sein, eine Menge Juden auf gesetzwidrige Weise ums Leben gebracht. Noch aber sei der Übelthäter nicht König, sondern Privatmann; somit müsse er vor Gericht gestellt werden, um sich vor Hyrkanus und den heimischen Gesetzen zu verantworten, die es nicht gestatteten, jemand ohne rechtskräftige Verurteilung hinzurichten.
7. Derartige Vorstellungen zündeten allmählich bei Hyrkanus, und so lud er denn endlich im höchsten Zorn den Herodes vor Gericht. Auf Zureden seines Vaters und im Vertrauen auf die Lage der Dinge reiste dieser auch wirklich nach Jerusalem, doch nicht ohne zuvor Galilaea durch militärische Posten gesichert zu haben. Auch nahm er eine Leibwache mit, die zwar nicht so stark war, dass sie dem Hyrkanus hätte gefährlich werden können, immerhin aber genügte, ihn seinen Neidern gegenüber nicht unbewehrt erscheinen zu lassen. Sextus Caesar indes sandte aus Besorgnis, es möchte dem jungen Manne infolge der von seinen Widersachern gesponnenen Ränke etwas Schlimmes zustossen, an Hyrkanus den gemessenen Befehl, die gegen ersteren erhobene und auf Mord lautende Anklage fallen zu lassen. Daraufhin sprach Hyrkanus den Herodes frei, wozu er auch ohnedem schon neigte, da er ihm im Grunde genommen sehr zugethan war.
8. Herodes begab sich nun in der Meinung, wider den Willen des Königs der Verurteilung entgangen zu sein, nach Damaskus zu Sextus Caesar, entschlossen, einer abermaligen Vorladung nicht mehr Folge zu leisten. Wiederum aber suchten ränkesüchtige Menschen den Hyrkanus aufzustacheln, indem sie Vorgaben, Herodes sei im Zorn davongegangen und rüste nun wider ihn. Diesen Einflüsterungen schenkte der König Glauben, und da er wohl einsah, dass sein Gegner ihn; überlegen sei, wusste er vor Ratlosigkeit nicht aus noch ein. Als nun aber Sextus Caesar den Herodes auch noch zum Statthalter von Coelesyrien und Samaria ernannte, geriet Hyrkanus nicht nur wegen der Sympathie des Volkes für ihn, sondern auch wegen seiner nunmehr wirklich angsterregenden Macht in die äusserste Beklemmung und erwartete nichts anderes, als dass Herodes in Bälde mit einem Heere gegen ihn anrücken werde.
9. Diese Vermutung erwies sich auch als richtig. Denn Herodes, erbittert über die ihm zugedachte Verurteilung, sammelte in der That ein Heer und zog vor Jerusalem, um Hyrkanus zu stürzen. Er hätte diesen Plan auch wohl ausgeführt, wenn nicht sein Bruder und sein Vater ihm entgegengeeilt wären und seinen Groll beschwichtigt hätten, indem sie ihn beschworen, er möge in seinem Rachedurst es bei der furchterregenden Drohung bewenden lassen und den König schonen, unter dem er zu so grosser Macht gelangt sei. Wenn er über die Vorladung vor Gericht sich entrüstet habe, so solle er anderseits auch dankbar anerkennen, dass er losgekommen sei, und seine Rettung nicht damit vergelten, dass er hartnäckig bei seinen Racheplänen verharre. Übrigens möge er bedenken, dass die Gottheit es sei, die das Kriegsglück in der Hand habe, und dass somit der ungerechten Sache kein Erfolg winke, wenn auch ein Heer für sie streite. Er dürfe deshalb nicht gar so zuversichtlich auf den Sieg hoffen, zumal er im Begriff stehe, gegen einen König zu Felde zu ziehen, der ihm sehr zugethan sei und ihm viele Wohlthaten, nie aber Feindseligkeiten erwiesen habe. Denn der Schatten von Unrecht, der jetzt scheinbar auf Hyrkanus laste, sei doch nur darauf zurückzuführen, dass er schlechte Ratgeber gehabt habe. Diesen Vorstellungen gabHerodes nach, besonders da er der Meinung war, für seine Zukunftspläne.genüge es schon, dass er dem Volke einmal einen Begriff von seiner Macht habe beibringen können.
10. Mittlerweile brachen bei Apamea Unruhen unter den Römern aus, und es kam zum Bürgerkriege dadurch, dass Caecilius Bassus, ein Anhänger des Pompejus, den Sextus Caesar meuchlings ermordet und sich den Oberbefehl über dessen Heer zugelegt hatte, die anderen Offiziere Caesars aber, um den Mord zu rächen, mit ihrer gesamten Streitmacht Bassus zu Leibe rückten. Dem letzteren sandte Antipater sowohl um des getöteten als um des noch lebenden Caesar willen, die beide seine Freunde waren, durch seine Söhne Hilfstruppen zu. Während nun der Krieg sich in die Länge zog, kam Murcus als Nachfolger des Sextus aus Italien an.
1. In eben diese Zeit fiel auch der Anfang des grossen römischen Bürgerkrieges, dessen nähere Veranlassung darin zu suchen war, dass Brutus und Cassius plötzlich den Caesar meuchlings ermordeten. Dieser Mord rief die grösste Aufregung hervor. Die Machthaber gerieten miteinander in Streit, und jeder schlug sich in der Hoffnung, seine persönlichen Zwecke erreichen zu können, zu der Partei, die ihm den grössten Vorteil zu versprechen schien. Da machte sich Cassius nach Syrien auf, um die bei Apamea stehenden Truppen für sich zu gewinnen. Hier söhnte er Murcus mit Bassus aus, stiftete Frieden zwischen den einander feindlichen Legionen und befreite so Apamea von der Belagerung. Dann durchzog er selbst an der Spitze eines Heeres das Land und legte den Städten fast unerschwingliche Kriegssteuern auf.1
2. Als er nun auch die Juden zur Zahlung von siebenhundert Talenten verpflichtete, verteilte Antipater aus Angst vor den Drohungen des Cassius die schleunige Eintreibung des Geldes auf seine Söhne und einige andere Verwandten, unter denen sich auch der ihm wenig freundlich gesinnte Malichus befand — so sehr drängte ihn die Not Der erste, der den Römer zufriedenstellte, war Herodes; denn er lieferte alsbald seinen Anteil aus Galilaea im Betrage von einhundert Talenten ab und kam dadurch in grosse Gunst bei Cassius, der nun die übrigen wegen ihrer Saumseligkeit mit Schmähungen überhäufte und auch den Städten selbst gewaltig zürnte. Die Einwohner von Gophna, Ammaus und zwei anderen Städten zweiten Ranges schleppte er in die Sklaverei und ging sogar so weit, dem Malichus mit Hinrichtung zu drohen, weil er die Eintreibung so lässig vornehme. Von ihm jedoch und von den übrigen Städten wandte Antipater das Verderben dadurch ab, dass er in aller Eile den Cassius durch Zahlung von einhundert Talenten beschwichtigte.
3. Malichus erwies sich indes nach dem Abzüge des Cassius gegen Antipater keineswegs dankbar, sann vielmehr gegen den, der schon wiederholt sein Retter gewesen, auf Hinterlist und suchte ihn aus dem Wege zu räumen, weil er seine Frevelthaten zu verhindern wusste. Antipater, den die Macht und Verschlagenheit des Mannes beunruhigte, begab sich auf die andere Jordanseite, um dort zur Abwehr tückischer Anschläge ein Heer zu sammeln. Als nun Malichus auf seinen Schlichen ertappt war, suchte er die Söhne Antipaters durch Frechheit zu berücken, indem er sowohl Phasael, den Befehlshaber von Jerusalem, als auch Herodes, dem die Waffenkammer unterstellt war, durch Ausflüchte und Eidschwüre dahin brachte, dass sie ihn mit ihrem Vater wieder aussöhnten. Ja, als Murcus, der damalige Statthalter von Syrien, sich anschickte, den Malichus wegen seiner aufrührerischen Umtriebe hinrichten zu lassen, trat Antipater sogar für Malichus ein und rettete ihm das Leben.
4. Als sodann der Krieg zwischen dem jungen Caesar und Antonius einerseits, Cassius und Brutus anderseits ausbrach, warben Cassius und Murcus in Syrien ein Heer, und da sie sahen, wie Herodes einen grossen Teil der dazu erforderlichen Mittel beisteuerte, ernannten sie ihn zum Statthalter von ganz Syrien und gaben ihm eine Abteilung Truppen zu Fuss und zu Pferde. Cassius versprach ihm auch noch obendrein, er wolle ihn nach Beendigung des Krieges zum König von Judaea machen. Dem Antipater aber kostete die Machtstellung seines Sohnes und die demselben eröffnete glänzende Aussicht das Leben. Denn Malichus, der eine solche Stärkung des Einflusses Antipaters sehr ungern sah, bestach einen der königlichen Mundschenken, dem Antipater Gift zu reichen. So starb denn dieser thatkräftige und in der Leitung wichtiger Angelegenheiten so kundige Mann, dem Hyrkanus die Wiedergewinnung und Befestigung seiner Herrschaft verdankte, während eines Gastmahles als Opfer von Malichus’ Bosheit.,
5. Malichus verstand übrigens die Erbitterung des Volkes, das ihn im Verdacht des Giftmordes hatte, dadurch zu beschwichtigen, dass er die That schlankweg leugnete. Zugleich aber war er darauf bedacht, seine Macht zu vergrössern, indem er sich Truppen sammelte; denn er nahm an, dass Herodes nicht ruhig bleiben würde. Dieser erschien auch in der That alsbald an der Spitze eines Heeres, um seinen Vater zu rächen. Doch da sein Bruder Phasael ihm riet, den Mann nicht offen zu verfolgen, weil derselbe sonst das Volk aufwiegeln würde, liess Herodes sich herbei, die Rechtfertigung des Malichus anzuhören, that, als wenn er weiter keinen Argwohn mehr gegen ihn hege, und veranstaltete seinem Vater ein glänzendes Leichenbegängnis.
6. Sodann wandte er sich nach Samaria, das von Unruhen zerrüttet war, und stellte daselbst die Ordnung wieder her, worauf er mit seinen Soldaten zu einem Feste nach Jerusalem zurückkehrte. Auf Anraten des Malichus, dem der Anmarsch des Herodes Furcht einflösste, sandte nun Hyrkanus dem letzteren den Befehl entgegen, keinen Fremden zu den Eingeborenen hereinzubringen, da dieselben sich zur Festfeier geheiligt hätten. Herodes aber achtete weder diesen Grund noch die Person desjenigen, der den Befehl erlassen hatte, und rückte bei Nacht in die Stadt ein. Alsbald kam Malichus wieder zu ihm und jammerte über Antipater. Herodes seinerseits verstellte sich ebenfalls, obwohl er seinen Zorn kaum zu bemeistern vermochte, richtete aber dann ein Schreiben an Cassius, der so wie so auf Malichus nicht gut zu sprechen war, und führte über die Ermordung seines Vaters bittere Klage. Cassius schrieb ihm zurück, er solle an dem Mörder Rache nehmen, und erteilte zugleich den ihm unterstellten Tribunen insgeheim den Befehl, Herodes bei diesem Akte der Gerechtigkeit zu unterstützen.
7. Eben hatte Cassius Laodikea eingenommen, und von überall her kamen die Grossen zu ihm mit Kränzen und sonstigen Geschenken. Diesen Zeitpunkt bestimmte Herodes zur Rache. ‘Malichus aber, der sich im Gebiete von Tyrus befand, schöpfte Verdacht, beschloss, seinen bei den Tyriern als Geisel lebenden Sohn heimlich von dort wegzuschaffen, und schickte sich an, selbst nach Judaea zu entfliehen. Seine verzweifelte Lage gab ihm sogar noch grossartigere Pläne ein. Er dachte nämlich, da Cassius gerade von dem Kriege gegen Antonius in Anspruch genommen war, das Volk zum Abfall von den Römern verleiten, den Hyrkanus mit leichter Mühe stürzen und selbst König werden zu können.
8. Doch das Schicksal spottete seiner Hoffnungen. Herodes nämlich, der seine Absichten durchschaut hatte, lud ihn mit Hyrkanus zu einem Gastmahl ein. Dann rief er einen der in seiner Nähe befindlichen Sklaven zu sich und schickte ihn weg, dem Anschein nach, um die Zurüstungen zum Mahle zu treffen, in Wirklichkeit aber, um den Tribunen sagen zu lassen, sie möchten sich vor der Stadt in einen Hinterhalt legen. Diese gingen denn auch, eingedenk der Befehle des Cassius, mit Schwertern bewaffnet zur Stadt hinaus bis ans Ufer, wo sie den Malichus umringten und durch zahlreiche Stiche töteten. Hyrkanus ward darob vor Schrecken ohnmächtig, kam aber dann langsam wieder zu sich und erkundigte sich bei Herodes, wer den Malichus umgebracht habe. Als ihm darauf einer der Tribunen entgegnete: „Ein Befehl des Cassius“, rief er aus: „So ist also Cassius mein und meines Vaterlandes Retter, indem er den aus dem Wege schaffen liess, der beiden gefährlich war!“ Ob nun Hyrkanus wirklich so dachte, oder ob er nur aus Furcht seine Worte dem stattgehabten Vorfall entsprechend einrichtete, mag dahingestellt bleiben — genug, Herodes hatte auf diese Weise seine Rache an Malichus befriedigt.
1. Als Cassius aus Syrien abgezogen war, brachen zu Jerusalem abermals Unruhen aus. Ein gewisser Helix nämlich trat an der Spitze eines Heerhaufens dem Phasael entgegen, um Herodes in der Person seines Bruders für die Ermordung des Malichus zu züchtigen. Herodes, der sich damals bei Fabius, dem Kommandanten von Damaskus, aufhielt, schickte sich alsbald an, seinem Bruder Hilfe zu bringen, wurde aber durch eine Krankheit daran gehindert Mittlerweile hatte Phasael bereits aus eigener Kraft den Helix überwunden und warf nun dem Hyrkanus Undankbarkeit vor, weil er es mit Helix halte und die Festungen in die Gewalt von Malichus’ Bruder habe gelangen lassen, der bereits eine ganze Anzahl derselben, darunter auch die stärkste von allen, Masada, weggenommen hatte.
2. Gegen des Herodes Macht vermochte er indessen nichts auszurichten. Denn kaum war dieser genesen, als er ihm auch seinen Raub alsbald wieder abjagte. Da er sich übrigens aufs Bitten verlegte, liess ihn Herodes aus Masada frei abziehen. Alsdann vertrieb er aus Galilaea den Tyrann von Tyrus, Marion, der bereits drei der dortigen Festungen erobert hatte. Die auf diesem Kriegszug gefangenen Tyrier liess Herodes am Leben und schickte einige von ihnen sogar mit Geschenken heim, wodurch er sich bei der Bürgerschaft von Tyrus ebenso beliebt, als bei dem Tyrannen verhasst machte. Obwohl nun Marion seine Herrschaft von Cassius erhalten hatte, der ganz Syrien in dergleichen kleine Fürstentümer teilte, unterstützte er dennoch aus Hass gegen Herodes den Sohn des Aristobulus, Antigonus, und das um so lieber, als letzterer auch den Fabius durch Geld dazu vermocht hatte, ihm bei seiner Wiedereinsetzung behilflich zu sein. Die sämtlichen hierzu nötigen Mittel gewährte dem Antigonus der mit ihm verwandte Ptolemaeus.
3. Gegen diese Feinde zog nun Herodes zu Felde, besiegte sie an den Grenzen Judaeas, verjagte den Antigonus und kehrte dann nach Jerusalem zurück, wo man ihn um dieser Kriegsthat willen allseitig willkommen hiess. Denn auch diejenigen, die ihm sonst nicht gewogen waren, traten ihm jetzt wegen seiner verwandtschaftlichen Beziehungen zu Hyrkanus freundlich entgegen. Nachdem nämlich Herodes bereits früher au» den Eingeborenen des Landes eine Gattin von nicht unedler Abkunft, Doris mit Namen, sich erwählt hatte, die ihm einen Sohn Antipater gebar, verlobte er sich nunmehr mit Mariamne, der Tochter von Anstobulus* Sohn Alexander und Enkelin des Hyrkanus, und wurde dadurch mit dem Könige verwandt.
4. Als aber nach der Niederlage des Cassiua bei Philippi Caesar nach Italien, Antonius nach Asien sich begab, erschienen unter anderen Gesandtschaften, welche die einzelnen Staaten an Antonius nach Bithynien abordneten, auch vornehme Juden, um über Phasael und Herodes Klage zu führen, dass sie die gesamte Macht in Händen hätten, während Hyrkanus nicht mehr als der Träger eines ehrenvollen Titels sei. Doch auch Herodes fand sich ein und hatte den Antonius durch reiche Geschenke bald derart für sich eingenommen, dass seinen Gegnern nicht einmal mehr das Wort verstauet wurde. Und so mussten sie denn für jetzt wieder abziehen.
5. Wiederum aber kamen hundert der angesehensten Juden nach Daphne bei Antiochia zu Antonius, den damals bereits die Liebe zum Sklaven der Kleopatra gemacht hatte, und liessen ihre vornehmsten und beredtesten Genossen als Sprecher auftreten, um die beiden Brüder zu verklagen. Ihnen gegenüber verfocht Messala die Sache der Beschuldigten, wobei er von Hyrkanus als dem nunmehrigen Verwandten derselben unterstützt wurde. Nachdem nun Antonius beide Teile angehört hatte, fragte er den Hyrkanus, wer wohl am meisten sich zum* Regenten eigne. Und da dieser dem Herodes und seinem Bruder den Vorzug gab, freute sich Antonius sehr, weil er, als er mit Gabinius nach Judaea kam, bereite bei ihrem Vater Antipater gastfreundliche Aufnahme gefunden hatte. Er ernannte sodann die Brüder zu Tetrarchen und übertrug ihnen die Verwaltung von ganz Judaea.
6. Als nun die Gesandten hierüber ihren Unwillen kundgaben, liess er fünfzehn von ihnen festnehmen und einkerkem und hatte auch im Sinne, sie hinrichten zu lassen; die übrigen jagte er mit Schimpf und Schande davon. Dadurch aber wuchs die Gärung in Jerusalem nur nocfc mehr, und abermals ordnete man Gesandte, diesmal sogar tausend an der Zahl, nach Tyrus ab, wo Antonius, auf dem Zuge nach Jerusalem begriffen, sich aufhielt. Als nun diese Gesandten ein lärmendes Geschrei erhoben, schickte Antonius den Kommandanten von Tyrus gegen sie hinaus mit dem Befehl, alle, deren er habhaft werden könne, niederzumachen und dadurch die Herrschaft der ' von ihm ernannten Tetrarchen zu befestigen.
7. Vorher aber hatte Herodes in Begleitung des Hyrkknus hinaus ans Ufer sich begeben und die Juden eindringlich ermahnt, nicht durch unvernünftige Widersetzlichkeit sich selbst den Untergang und ihrem Vaterlande den Krieg zuzuziehen. Als jedoch ihr Unwille trotz dieser Vorstellungen sich noch steigerte, sandte Antonius Bewaffnete hinaus, die eine Menge von ihnen niedermetzelten oder verwundeten. Das Begräbnis der Gefallenen und die Pflege der Verwundeten liess übrigens Hyrkanus sich angelegen sein. Diejenigen aber, die dem Blutbad entronnen waren, hielten sich gleichwohl nicht ruhig, sondern reizten die Bevölkerung der Umgegend dergestalt auf, dass Antonius in gewaltige Erbitterung geriet und nun auch die Gefangenen noch hinrichten liess.
1. Zwei Jahre darauf, als der parthische Satrap Barzapharnes und Pakorus, des Partherkönigs Sohn, Syrien innehatten, beredete Lysanias, der seinem Vater Ptolemaeus Mennaei nach dessen Tod in der Regierung gefolgt war, den Satrapen durch das Versprechen von eintausend Talenten und fünfhundert Weibern, Antigonus wieder auf den Thron zu setzen und Hyrkanus zu stürzen. Pakorus ging hierauf ein und zog selbst der Meeresküste entlang, während er Barzapharnes durch das Binnenland vorrücken hiess. Von den Küstenbewohnern schlossen die Tyrier vor Pakorus ihre Thore, während die Bürger von Ptolemais und Sidon ihn aufnahmen. Er übergab sodann einem königlichen Mundschenk, der mit ihm gleichen Namens war, einen Teil der Reiterei und befahl ihm, in Judaea einzufallen, die Lage der Feinde auszukundschaften und dem Antigonus, soweit erforderlich, Hilfe zu leisten.
2. Während nun diese Truppenabteilung verheerend das Karmelgebiet durchzog, strömten viele Juden bei Antigonus zusammen und erklärten sich bereit, an dem Einfall teilzunehmen. Antigonus schickte sie in den sogenannten Eichwald voraus, um diese Gegend zu besetzen. In dem Kampf, der sich dort entwickelte, schlugen sie die Feinde zurück, setzten ihnen nach, eilten nach Jerusalem und gelangten, unterwegs durch Zuzüge noch verstärkt, bis vor den Königspalast. Hier aber rückten ihnen Hyrkanus und Phasael mit ansehnlicher Truppenmacht entgegen, und auf dem Marktplatz kam es zum Treffen, in welchem Herodes mit seinen Kriegern die Feinde zur Flucht nötigte und in den Tempel einschloss, wo er sie durch sechzig Mann starke, auf den nächstgelegenen Häusern aufgestellte Posten bewachen liess. Der den beiden Brüdern feindlich gesinnte Teil des Volkes aber griff die Häuser an und verbrannte sie samt den Soldaten. Über diesen Verlust erbittert, drang Herodes auf seine Gegner ein und machte viele von ihnen nieder. So fielen sie sich täglich rotten weise einander an, und es war des Mordens kein Ende.
3. Um diese Zeit fiel das Fest Pentekoste ein, und es füllte sich infolgedessen die Umgebung des Tempels sowie überhaupt die ganze Stadt mit einer Menge meist bewaffneter Landleute. Phasael hatte die Mauer, Herodes mit einer kleinen Schar den Königspalast besetzt» Letzterer machte nun auf der Nordseite Ausfälle gegen die ungeordneten feindlichen Haufen, metzelte einen grossen Teil derselben nieder, trieb die übrigen in die Flucht und schloss die einen in die Stadt, die anderen in den Tempel, wieder andere in die äussere Umwallung ein. Da schlug Antigonus vor, den Pakorus als Vermittler in die Stadt einzulassen. Phasael ging darauf ein und nahm den Parther nebst fünfhundert Reitern gastfreundlich auf, wie, wohl derselbe nur dem Anschein nach zur Beschwichtigung der Unruhen, in Wahrheit vielmehr zur Unterstützung des Antigonus kam. Pakorus beredete sodann heimtückischerweise den Phasael, behufs Beilegung des Zwistes als Gesandter zu Barzapharnes zu gehen, obgleich Herodes seinem Bruder eindringlich davon abriet und ihn aufforderte, lieber den Arglistigen aus dem Wege zu räumen, als sich seiner Tücke preiszugeben; denn die Barbaren seien von Natur treulos. Phasael aber ging trotzdem mit Hyrkanus hinaus, und Pakorus liess, um weniger Verdacht zu erregen, bei Herodes einige von den Reitern zurück, die man die Freien nannte, während er mit den übrigen dem Phasael das Geleit gab.
4. Als Hyrkanus und Phasael in Galilaea anlangten, trafen sie die Bewohner des Landes in bewaffnetem Aufruhr. Ihre Begleiter planten nun mit Barzapharnes tückische Anschläge und redeten diesem zu, er solle den Verrat hinter Freundschaftsbezeugungen verdecken. Infolgedessen machte der Satrap ihnen zunächst Geschenke; kaum jedoch waren sie abgezogen, so setzte er seine Ränke ins Werk. Die beiden aber kamen hinter die Schliche, als man sie an einen Küstenort Namens Ekdippon führte. Dort nämlich hörten sie von den versprochenen tausend Talenten und vernahmen auch, dass unter den fünfhundert Weibern, die Antigonus den Parthern zugesagt, der grösste Teil ihrer eigenen Frauen sich befinden solle. Ferner erfuhren sie, dass die Barbaren ihnen jede Nacht Hinterhalte gelegt hätten, und dass ihre Gefangennehmung wohl schon längst zur Thatsache geworden wäre, wenn man damit nicht hätte warten wollen, bis Herodes in Jerusalem verhaftet und so daran gehindert sei, auf die Kunde von ihrem Schicksal Vorsich tsmassregeln zu ergreifen. Und dass es sich bei alledem nicht etwa nur um leeres Geschwätz handelte, ging daraus hervor, dass sie in der Ferne bereits die ihretwegen aufgestellten Wächter erblicken konnten.
5. Obwohl nun ein gewisser Ophellius, der von Saramallas, dem reichsten Syrer der damaligen Zeit, den ganzen Anschlag erfahren hatte, dem Phasael dringend zur Flucht riet, konnte dieser es doch nicht über sich bringen, Hyrkanus im Stich zu lassen. Er begab sich vielmehr geradeswegs zu dem Satrapen und machte ihm ins Gesicht hinein Vorwürfe wegen seines Verrates und ganz besonders wegen seiner Geldgier, die ihn dazu verleitet habe. Sodann bot er ihm für seine Rettung eine grössere Summe, als Antigonus sie ihm für die Wiedergewinnung des Thrones versprochen hatte. Der Parther aber in seiner Verschmitztheit suchte durch Ausflüchte und Eidschwüre den Verdacht von sich abzuwälzen und begab sich zu Pakorus. Alsbald nun nahmen einige der zurückgebliebenen Parther, die hierzu Befehl erhalten hatten, Phasael und Hyrkanus gefangen, die ihrerseits es an Verwünschungen wegen des gegen sie verübten Treubruches und Meineides nicht fehlen liessen.
6. Unterdessen bemühte sich der von den Parthern gesandte Mundschenk, auch den Herodes in seine Gewalt zu bekommen, indem er ihn dem erhaltenen Auftrag gemäss vor die Mauern herauszulocken suchte. Wie aber Herodes von Anfang an gegen die Barbaren Verdacht geschöpft hatte, so auch jetzt, als er erfuhr, dass ein Brief, der ihm die gegen seine Person gerichteten Anschläge zur Kenntnis bringen sollte, den Feinden in die Hände gefallen sei. Er hütete sich deshalb, die Stadt zu verlassen, obwohl Pakorus ihm in unverfänglichster Weise hatte sagen lassen, er solle nur getrost den Überbringern des Briefes en tgegen gehen; denn die Feinde hätten das Schreiben keineswegs aufgefangen, auch entbaltf dasselbe nichts von einem heimtückischen Anschlag, sondern nur Nachricht über das, was Phasael zuwege gebracht habe. Zufällig aber hatte Herodes schon von anderer Seite die Gefangennahme seines Bruders erfahren. Auch fand sich des Hyrkanus Tochter Mariamne, eine sehr verßtändige Frau, bei ihm ein und beschwor ihn, in der Stadt zu bleiben und sich nicht den Barbaren anzuvertrauen, die ihm doch offenbar nach dem Leben trachteten.
7. Während nun Pakorus und seine Leute noch überlegten, wie sie insgeheim ihre Absichten verwirklichen könnten, da man mit offener Gewalt einem so schlauen Manne wohl nichts anzuhaben vermöge, kam Herodes ihnen zuvor und entfloh in der Nacht, ohne dass die Feinde es gewahr wurden, mit seinen nächsten Angehörigen auf Idumaea zu. Kaum hatten die Parther dies erfahren, als sie ihm sogleich nachsetzten. Herodes liess nun seine Mutter, seine Schwester, seine Braut nebst deren Mutter und den jüngsten von seinen Brüdern vorausziehen, während er selbst mit seinen Kriegern zum Schutze seiner Verwandten die Barbaren aufhielt und bei jedem Angriff eine Menge von ihnen niedermachte. So erreichte er endlich wohlbehalten die Festung Masada.
8. Mehr noch als die Parther machten ihm übrigen» auf seiner Flucht die Juden zu schaffen, die ihn beständig bedrängten und ihm, als er sechzig Stadien von der Stadt entfernt war, sogar ein regelrechtes Treffen von ziemlich langer Dauer lieferten. Herodes aber schlug sie und richtete ein grosses Gemetzel unter ihnen an. Später gründete er an dieser Stelle zum Andenken an den Sieg eine Ortschaft, die er mit den prächtigsten Palästen schmückte, durch eine sehr starke Burg befestigte und nach seinem Namen Herodium nannte« Auf seiner damaligen Flucht nun hatten sich täglich eine Menge Leute an ihn angeschlossen, so dass, als er nach Thresa in Idumaea kam, sein Bruder Joseph > der ihm bis dahin entgegen gezogen war, ihm den Rat gab, die meisten seiner Begleiter zu entlassen, da Masada eine solche Menschenmenge nicht fassen könne. Es waren ihrer nämlich über neuntausend an der Zahl. Herodes befolgte den Rat, entliess diejenigen, welche ihm mehr lästig als nützlich waren, mit Reisegeld in verschiedene Gegenden Idumaeas und gelangte mit den vertrautesten und rüstigsten seiner Leute, die er bei sich behielt, glücklich in die Festung. Dort liess er zum Schutze der Frauen achthundert Mann mit allen Vorräten für den Fall einer Belagerung zurück und begab sich selbst nach Petra in Arabien.
9. In Jerusalem ergaben sich unterdessen die Parther der Plünderung, brachen in die Häuser der Entflohenen und in den Königspalast ein und liessen nur den Schatz des Hyrkanus unangetastet, der jedoch nicht mehr wie dreihundert Talente betrug. Im übrigen fiel ihnen nicht so grosse Beute in die Hände, als sie wohl erwartet hatten; denn Herodes, der schon längst einer Treulosigkeit von seiten der Barbaren sich versah, hatte seine grössten Kostbarkeiten bereits früher nach Idumaea bringen lassen, und das nämliche hatten auch seine Anhänger gethan. Nach dieser Plünderung gingen die Parther in ihrem Übermute so weit, dass sie ohne förmliche Kriegserklärung das ganze Land verheerend durchzogen, die Stadt Marissa zerstörten und nicht nur den Antigonus als König einsetzten, sondern ihm auch Phasael und Hyrkanus in Fesseln zur Peinigung überantworteten. Dem Hyrkanus nun, der vor ihm auf die Knie gesunken war, biss Antigonus selbst die Ohren ab, damit er in Zukunft bei einer etwaigen Staatsumwälzung nie wieder das Hohepriesteramt bekleiden könne; denn nur körperlich Fehlerfreie dürfen dieser Würde teilhaftig werden.
10. Was Phasael anlangt, so kam dessen Charakterstärke dem Antigonus zuvor. Da er nämlich weder ein Schwert erfassen konnte noch sonst seiner Hände mächtig war, zerschmetterte er sich den Kopf an einer Steinwand. Sein heldenmütiger Tod erwies ihn als echten Bruder des Herodes und liess den Hyrkanus nur um so erbärmlicher erscheinen. Übrigens entsprach das Ende, das er sich selbst erwählte, ganz den Thaten, die er während seines Lebens vollbracht hatte. Es wird auch behauptet, er habe sich von der Verwundung wieder erholt, und erst ein Arzt, der von Antigonus unter dem Schein, ihm Hilfe an gedeihen lassen zu wollen, geschickt worden sei, habe die Wunde mit einem todbringenden Gift gefüllt und ihn so ums Leben gebracht. Mag nun das eine oder das andere der Wahrheit entsprechen, jedenfalls war die zuerst erwähnte That die eines Helden. Kurz vor seinem Verscheiden soll er, als er von einem Weibe die Kunde erhielt, dass Herodes entkommen sei, noch gesagt haben: „Nun gehe ich frohen Mutes von hinDen, da ich denjenigen lebend hinterlasse, der mich an meinen Feinden rächen wird."
11. So endete Phasael. Die Parther aber verschafften, obwohl ihnen die Weiber, nach denen es sie am meisten gelüstete, entgangen wareD, dem Antigonus dennoch den vollen Besitz der Herrschaft in Jerusalem und führten den Hyrkanus gefangen mit sich nach Parthien fort.
1. Herodes beschleunigte nun in der Meinung, sein Bruder sei noch am Leben, seine Reise nach Arabien, um vom Könige Geld zu erhalten, das einzige Mittel, wodurch er die Habsucht der Barbaren zu gunsten Phasaels beeinflussen zu können hoffte. Für den Fall aber, dass der Araber die Freundschaft seines Vaters vergessen haben und zu kleinlich sein sollte, ihm das Lösegeld zu schenken, gedachte er dasselbe von ihm zu leihen und den siebenjährigen Sohn Phasaels, den er mit sich genommen, ihm als Pfand zu belassen. Dreihundert Talente war er gewillt als Lösegeld den Parthern zu zahlen, und zwar beabsichtigte er, sich dabei der Vermittlung der Tyrier zu bedienen. Das Schicksal aber war seinem Eifer zuvorgekommen: Phasael war tot, und des Herodes liebevolles Eintreten zu gunsten seines Bruders somit zwecklos geworden. Zudem fand er auch, dass von der alten Freundschaft der Araber keine Spur mehr vorhanden war. Ja, ihr König Malichus sandte ihm sogar den Befehl entgegen, das Land schleunigst zu verlassen, wobei die Parther als Vorwand herhalten mussten. Dieselben sollten nämlich durch eine Gesandtschaft an Malichus das Ersuchen gerichtet haben, Herodes aus Arabien hinauszu weisen, während es doch in Wirklichkeit dem Könige nur darum zu thun war, das, was er Antipater sohuldete, zu behalten, ohne sich durch dessen Geschenke veranlasst zu fühlen, nun auch seinen in Not befindlichen Söhnen Hilfe zu leisten. Den Rat zu diesem unverschämten Benehmen erteilten ihm solche Menschen, die gleichfalls Lust hatten, das von Antipater in Verwahr gegebene Geld zu unterschlagen, und es waren das gerade die mächtigsten seiner Höflinge.
2. Als Herodes merkte, dass die Araber aus eben dem Grunde, der ihn bewogen hatte, auf ihre gute Freundschaft zu rechnen, seine Feinde geworden waren, antwortete er dem Boten, wie sein Schmerz es ihm eingab, und wandte sich nach Aegypten. Hier bezog er am ersten Abend sein Nachtquartier in einem Tempel auf dem Lande, wo er mit seinem Gefolge, das er verlassen hatte, wieder zusammentraf. Als er nun tags darauf in Rhinokorura anlangte, erfuhr er daselbst den Tod seines Bruders, und obwohl ihn einerseits die Trauer darüber niederbeugte, fühlte er sich anderseits doch auch von einer drückenden Sorge befreit und setzte seine Reise fort. Dem Araber war mittlerweile sein Benehmen leid geworden, und so sandte er eiligst Boten hinter dem Gekränkten her, um ihn zurückrufen zu lassen — doch zu spät, denn Herodes war ihnen schon weit voraus und in Pelusium angekommen. Hier verweigerten ihm die vor Anker liegenden Schiffe die Überfahrt, weshalb er sich an die Vorsteher der Stadt wandte, die aus Achtung vor dem berühmten und hochstehenden Manne ihn nach Alexandria geleiten liessen. Daselbst ward er von Kleopatra glänzend empfangen, weil sie an ihm einen Feldherrn für den Krieg, zu dem sie gerade rüstete, zu gewinnen hoffte. Herodes indes wies die Anträge der Königin zurück und schiffte sich, ohne die Strenge des Winters oder die Unruhen in Italien zu fürchten, nach Rom ein.
3. In der Nähe von Pamphylien aber. geriet er in einen gefahrvollen Seesturm, musste den grössten Teil der Ladung über Bord werfen und rettete sich nur mit genauer Not nach Rhodus, das im Kriege gegen Cassius gewaltig gelitten hatte. Hier wurde er von seinen Freunden Ptolemaeus und Sappinius aufgenommen und liess, obwohl er sich in Geldnot befand, einen sehr grossen Dreiruderer erbauen, in welchem er mit seinen Freunden nach Brundusium fuhr. Von da begab er sich sogleich nach Rom; suchte mit Rücksicht auf die freundschaftlichen Beziehungen seines Vaters zu Antonius den letzteren auf, berichtete ihm sein und seiner Familie Missgeschick und stellte ihm besonders vor, wie er jetzt seine nächsten Angehörigen in einer Festung unter den Gefahren der Belagerung habe zurücklassen müssen und trotz Winter und Meeressturm als Hilfesuchender zu ihm geeilt sei.
4. Solchem Unglück vermochte Antonius sein Mitleid nicht zu versagen, und in dankbarer Erinnerung an die Gastfreundlichkeit Antipaters sowie in Anerkennung der vortrefflichen Eigenschaften des Herodes beschloss er, den früher von ihm ernannten Tetrarchen nunmehr zum Könige der Juden zu machen. Nicht minder wie sein Wohlwollen für Herodes veranlasste ihn hierzu sein Hass gegen Antigonus, den er für einen Aufrührer und Römerfeind hielt. An Bereitwilligkeit that es ihm übrigens Caesar (Octavianus) noch zuvor. Denn dieser gedachte des Kriegszuges, den Antipater mit seinem Vater in Aegypten unternommen hatte, sowie seiner Gastfreundschaft und seines gegen jedermann gefälligen Wesens. Zudem hatte er auch seinerseits die Thatkraft des Herodes wohl erkannt. Er berief also den Senat, in Welchem Messala und danach Atratinus den Herodes vorstellten und die gute Gesinnung seines Vaters wie auch seine eigene Ergebenheit gegen die Römer hervorhoben. Zugleich bezeichneten sie den Antigonus als Feind, nicht nur seiner früheren Vergehen wegen, sondern auch deshalb, weil er mit Umgehung der Römer von den Parthern seinen Thron sich habe an weisen lassen. Diese Ausführungen machten schon ersichtlichen Eindruck auf den Senat; als nun aber auch noch Antonius auftrat und zeigte, wie wichtig es für den Krieg gegen die Parther sei, wenn Herodes König werde, stimmte man allseitig zu. Nach Schluss der Senatssitzung nahmen sodann Antonius und Caesar den Herodes in die Mitte und begaben sich unter Begleitung der Konsuln und der übrigen Würdenträger hinaus, um zu opfern und den Beschluss auf dem Kapitolium niederzulegen. Antonius aber bewirtete den Herodes am ersten Tage seiner Königswürde mit festlichem Mahle.
1. Während dieser Zeit belagerte Antigonus die in Masada Eingeschlossenen, die zwar sonst mit allen Lebensmitteln reichlich versehen waren, aber Mangel an Wasser hatten. Aus diesem Grunde beschloss Joseph, der Bruder des Herodes, mit zweihundert seiner Leute zu den Arabern zu entfliehen, zumal er gehört hatte, dass Malichus sein Benehmen gegen Herodes bereue. Er hätte auch wirklich die Festung verlassen, wenn nicht gerade in der Nacht, da der Ausmarsch stattfinden sollte, ein sehr starker Platzregen gefallen wäre. So füllten sich die Cisternen wieder mit Wasser, und die Flucht* war zwecklos geworden. Die Belagerten unternahmen nunmehr Ausfälle gegen Antigonus und machten teils in offenem Kampfe, teils aus Hinterhalten heraus viele von dessen Leuten nieder. Freilich hatten sie nicht jedesmal Glück, sondern es kam auch [hier und da vor, dass sie sich mit Verlust zurückziehen mussten.
2. Unterdessen rückte der römische Feldherr Ventidius, der den Auftrag hatte, die Parther aus Syrien zu vertreiben, diesen nach und in Judaea ein, angeblich um Joseph und dessen Leuten Hilfe zu bringen, in Wirklichkeit aber, um von Antigonus Geld zu erpressen. Dicht vor den Mauern Jerusalems schlug er sein Lager auf, und als seine Geldgier befriedigt war, liess er, während er selbst mit dem grössten Teile seiner Truppen abzog, den Silo mit einer kleineren Abteilung zurück, um nicht durch den Abmarsch des gesamten Heeres seine schmutzige Habsucht offenkundig zutmachen. Antigonus nun gab die Hoffnung nicht auf, dass die Parther ihm wieder zu Hilfe kommen würden, wollte es aber anderseits auch mit Silo nicht verderben, damit dieser seine Pläne nicht durchkreuze.
3. Schon aber war Herodes von Italien her inPtolemais gelandet, hatte ein nicht unbeträchtliches Heer von Fremden und Einheimischen gesammelt und zog eilends durch Galilaea gegen Antigonus heran, unterstützt von Ventidius und Silo, welche Dellius, der Abgesandte des Antonius, beauftragt hatte, dem Herodes bei seiner Einsetzung behilflich zu sein. Ventidius war eben im Begriff, in den einzelnen Städten die durch die Parther hervorgerufenen Unruhen zu dämpfen, während Silo, von Antigonus bestochen, in Judaea verblieb. Herodes bedurfte übrigens keiner fremden Ver-Stärkungen; denn im Vorrücken vergrösserte sich seine Streitmacht tagtäglich, und bald war ganz Galilaea mit wenigen Ausnahmen auf seiner Seite. Als wichtigste Aufgabe lag ihm zunächst die Einnahme Masadas am Herzen, die seine Verwandten von der Belagerung freimachen sollte. Hierbei war ihm aber Joppe im Wege, und er musste diese ihm feindliche Stadt jedenfalls nehmen, bevor er auf Jerusalem zu weitermarschierte, weil sonst den Feinden eine seinen Rücken bedrohende Festung verbleiben würde. Nun schloss sich auch Silo bereitwillig an ihn an, da er hierin einen willkommenen Vorwand zum Aufbruch fand. Die Juden aber verfolgten den Römer und setzten ihm hart zu. Da warf sich Herodes mit einer kleinen Schar ihnen entgegen, schlug sie schnell in die Flucht und rettete so den Silo, der sich übrigens schlecht verteidigte.
4. Nachdem er nun Joppe genommen, eilte er nach Masada, um seine Angehörigen zu befreien. Von den Einheimischen schlossen sich jetzt die einen aus alter, noch von seines Vaters Zeit herrührender Freundschaft, die anderen aus Begeisterung für seinen eigenen Ruhm oder aus Dankbarkeit für die von Vater und Sohn erhaltenen Wohlthaten an ihn an; die meisten freilich führte ihm die Hoffnung zu, die für sie darin lag, dass er des Thrones so gut wie sicher sein konnte. So hatte er denn bald eine gewaltige Streitmacht um sich versammelt. Als er nun vorrückte, stellte Antigonus ihm zwar nach, indem er an passenden Plätzen Hinterhalte legte, konnte ihm aber damit wenig oder gar keinen Schaden thun. Herodes entsetzte sodann mit leichter Mühe die Seinen in Masada, nahm auch noch die Festung Resa und rückte auf Jerusalem zu, begleitet von Silos Truppen sowie von vielen Einwohnern der Stadt, welche die Furcht vor seiner Macht veranlasst hatte, gemeinsame Sache mit ihm zu machen.
5. Kaum hatte er an der Westseite der Stadt sein Lager errichtet, als die dort aufgestellten Wachen die Seinigen mit Pfeilen und Wurfspiessen angriffen und einzelne Scharen sogar Ausfälle gegen seine Vorposten unternahmen. Daraufhin liess Herodes zunächst der Mauer entlang ausrufen, er sei zum Heile des Volkes und zur Rettung der Stadt gekommen und wolle deshalb nicht einmal seinen erklärten Gegnern etwas zuleide thun, sondern selbst seinen bittersten Feinden Verzeihung für die gegen ihn begangenen Fehler an gedeihen lassen. Des Antigonus Anhänger aber veranstalteten Gegenkundgebungen und sorgten dafür, dass weder jemand auf die Herolde hörte noch zu Herodes überging. Unterdessen gab Antigonus den Seinen Befehl, die Feinde von der Mauer wegzujagen, und alsbald hatte denn auch ein Pfeilregen alles von den Türmen vertrieben.
6. Da zeigte nun Silo recht deutlich, dass er bestochen war. Auf sein Anstiften fing nämlich eine Menge seiner Soldaten an, sich laut über Mangel an Proviant zu beklagen, Geld zum Lebensunterhalt zu fordern und zu verlangen, dass man sie in ordentliche Winterquartiere führe, da die Umgebung der Stadt von den Leuten des Antigonus gänzlich ausgeplündert sei. Er brach auch in der That auf und schickte sich zum Abzug an. Herodes aber wandte sich an den Unterbefehlshaber Silos und dessen sämtliche Soldaten mit dem Ersuchen, sie möchten ihn, der von Caesar (Octavianus), Antonius und dem Senat hergesandt worden sei, doch nicht im Stiche lassen; denn noch am selben Tage werde er ihrer Not ein Ende machen. Und sogleich, nachdem er diese Bitte ausgesprochen, zog er aufs Land hinaus und brachte ihnen eine solche Menge Proviant mit, dass dem Silo jeder Vorwand benommen war. Damit aber auch für die folgenden Tage die Zufuhr gesichert sei, liess er den Samaritanern, deren Stadt zu ihm hielt, die Weissagung zugehen, Getreide, Wein, öl und Vieh nach Jericho zu schaffen. Sobald Antigonus dies vernahm, schickte er Truppen ab teilungen in die Umgegend, welche die Proviantkolonnen anhalten und abfangen sollten. Seinem Befehl gemäss wurde nun eine grosse Menge Bewaffneter um Jericho herum aufgeboten und in den Bergen verteilt, um die Züge mit Lebensmitteln zu erspähen. Doch auch Herodes. blieb nicht unthätig, sondern erschien mit zehn Kohorten, fünf römischen und fünf jüdischen, sowie einer Anzahl Soldner verschiedener Nationalität und einigen Reitern vor Jericho. Die Stadt selbst fand er verlassen; in die Burg dagegen hatten sich fünfhundert Mann mit Weib und Kind geflüchtet, die er gefangen nahm, aber alsbald wieder freiliess. Nun stürzten sich die Römer in die Stadt, um zu plündern, und fanden die Häuser voll von Schätzen aller Art Sodann liess der König eine Besatzung in Jericho zurück, kehrte um und liess das römische Heer in den ihm ergebenen Städten Idumaeas, Galilaeas und Samarias Winterquartiere beziehen. Auch Antigonus erlangte übrigens von Silo durch Bestechung die Erlaubnis, einen Teil des römischen Heeres in Lydda aufnehmen zu dürfen, wodurch er sich die Gunst des Antonius zu erwerben gedachte.
1. So liessen sich’s denn die Römer während der Waffenruhe recht wohl sein. Herodes aber blieb nicht unthätig, sondern liess seinen Bruder Joseph mit zweitausend Fusssoldaten und vierhundert Reitern Idumaea besetzen, um das Land vor einem Handstreich des Antigonus zu schützen. Er selbst brachte seine Mutter nebst den andern aus Masada befreiten Verwandten nach Samaria in Sicherheit und machte sich dann auf, um die noch übrigen Plätze Galilaeas zu erobern und die von Antigonus dorthin gelegten Besatzungen zu vertreiben.
2. Im heftigsten Schneegestöber kam er vor Sepphoris an und nahm die Stadt mit leichter Mühe ein, da die Besatzung bei seinem Anmarsch entflohen war. Nachdem er hierauf seine vom Unwetter hart mitgenommenen Krieger an den reichlich vorhandenen Lebensmitteln sich hatte gütlich thun lassen, brach er gegen die in Höhlen wohnenden Räuber auf, deren häufige Streifzüge den Bewohnern des Landes ebenso lästig geworden waren, wie ein förmlicher Krieg. Drei Kohorten Fusssoldaten und eine Reiterabteilung schickte er bis zu dem Dorfe Arbela voraus und folgte selbst am vierzigsten Tage mit dem Rest seiner Truppen nach. Die Feinde aber fürchteten seinen Angriff nicht, sondern setzten sich mit den Waffen in der Hand zur Wehr; besassen sie doch ebensowohl die Erfahrung von Kriegern, als die Kühnheit von Räubern. So kam es zum Treffen, in welchem zunächst der feindliche rechte Flügel den linken des Herodes zum Weichen brachte. Schnell aber machte Herodes mit seinem rechten Flügel eine Schwenkung, kam den Seinen zu Hilfe, hielt sie von weiterer Flucht ab und brach, über die Verfolger herfallend, deren Andrang, bis er sie endlich nach hitzigem Kampfe in die Flucht schlug.
3. Unter stetem Gemetzel setzte er ihnen nun bis zum Jordan nach und rieb den grössten Teil von ihnen auf, während der Rest sich auf der anderen Flussseite zerstreute. So war denn Galilaea von seinem Hauptschrecken befreit, und es blieb nur noch das Gesindel in den Höhlen übrig, dessen Bekämpfung freilich längeren Aufenthalt verursachte. Herodes verteilte deshalb zunächst unter seine Soldaten Belohnungen für die ausgestandenen Strapazen, indem er ihnen Mann für Mann hundertfünfzig Silberdrachmen, den Hauptleuten aber noch viel mehr zahlen liess. Hierauf schickte er sie in die Winterquartiere und gab seinem jüngsten Bruder Pheroras den Auftrag, ihnen Proviant zu verschaffen und Alexandrium zu befestigen, was derselbe denn auch besorgte.
4. Um diese Zeit hielt Antonius sich in Athen auf. Ventidius aber entbot Silo und Herodes zum Kriege gegen die Parther, jedoch mit dem Auftrag, zuvor die Ordnung herzustellen. Herodes liess nun mit Vergnügen den Silo allein zu Ventidius stossen, während er selbst sich gegen die Räuber in den Höhlen aufmachte. Diese Höhlen lagen in steilen Bergabhängen und waren von keiner Seite her zugänglich; nur ganz schmale und schiefe Pfade führten zu ihnen hinauf, und die Felsmasse, an der sich ihre Eingänge befanden, fiel in sehr tiefe Schluchten ab, aus denen sie sich fast senkrecht und wild zerklüftet erhob. Geraume Zeit liess dieses schwierige Terrain den König zu keinem rechten Entschluss kommen, bis er endlich auf eine höchst gefährliche Erfindung verfiel. Er befahl nämlich, die stärksten seiner Leute in Kästen bis zu den Höhlenöffnungen hinabzulassen. Diese Krieger machten dann die Räuber samt deren Familien nieder und schleuderten Feuerbrände auf die, welche sich zur Wehr setzten. Gern hätte nun Herodes einige von ihnen lebend in seine Gewalt bekommen und liess sie daher durch einen Herold auffordern, sich zu ihm zu verfügen. Niemand aber ergab sich freiwillig, und von denen, die dazu genötigt wurden, zogen viele den Tod der Gefangenschaft vor. Ja, ein greiser Räuber, Vater von sieben Kindern, tötete sogar diese seine Söhne nebst ihrer Mutter, als sie ihn baten, auf Treu und Glauben hinausgehen zu dürfen, in folgender Weise. Er stellte sich selbst an den Eingang der Höhle, hiess seine Söhne einzeln hervorkommen und stiess dann jeden, wie er bei ihm anlangte, nieder. Herodes, der das von fern sah, streckte, von Mitleid bewegt, dem Greise seine Rechte entgegen und beschwor ihn, doch seiner Kinder zu schonen. Der Alte aber mochte davon nichts hören, sondern ergoss sich in Schmähungen gegen Herodes wegen dessen niedriger Herkunft, tötete dann auch noch sein Weib, warf* die Leichen in den Abgrund und stürzte zuletzt sich selbst ihnen nach.
5. Auf diese Weise bemächtigte sich Herodes der Höhlen und ihrer Bewohner. Sodann liess er einen Teil des Heeres, der ihm zur Niederwerfung etwaiger Empörungen stark genug zu sein schien, unter dem Kommando des Ptolemaeus zurück und zog selbst mit dreitausend Fusssoldaten und sechshundert Reitern nach Samaria gegen Antigonus. Kaum aber war er fort, so fassten diejenigen, die auch früher die Unruhen in Galilaea gestiftet hatten, wieder Mut, töteten den Ptolemaeus bei einem plötzlichen Überfall, verwüsteten das Land und zogen sich dann in Sümpfe und unwegsame Gegenden zurück. Auf die Nachricht von diesem Aufruhr eilte Herodes schnell zur Hilfe herbei, machte eine Menge Empörer nieder, entsetzte alle belagerten Festungen und trieb von seinen Feinden zur Strafe für die Ruhestörungen hundert Talente ein.
6. Inzwischen waren die Parther aus dem Lande vertrieben und Pakorus getötet worden, und nun sandte Ventidius auf Antonius' Befehl dem Herodes tausend Reiter nebst zwei Legionen gegen Antigonus zu Hilfe. Letzterer aber richtete an Machaeras, den Befehlshaber der Truppen, die schriftliche Bitte, er möge auf seine Seite treten. Dabei führte er bittere Klage über des Herodes Gewaltthätigkeit und dessen anmassendes Benehmen gegenüber dem Königshause, und versprach ihm zugleich ein Geldgeschenk. Machaeras jedoch hütete sich, es mit dem zu verderben, der ihn gesandt hatte, und da Herodes auch besser zahlte, war er für den Verrat nicht zu haben, trug aber eine freundliche Gesinnung zur Schau und ging trotz der Warnung des Herodes hin, um des Antigonus Lage auszukundschaften. Antigonus indes durchschaute seine Absicht, verschloss ihm die Stadtthore und wehrte sich von der Mauer herab gegen ihn wie gegen einen Feind, so dass Machaeras schliesslich beschämt zu Herodes hach Ammaus zurückkehren musste. Unterwegs liess er aus Zorn über seinen Misserfolg sämtliche Juden, die ihm in die Quere kamen, niederhauen und schonte dabei nicht einmal die Anhänger des Herodes, sondern behandelte sie, als hielten sie alle zu Antigonus.
7. Hierdurch aufgebracht, beschloss Herodes, gegen Machaeras wie gegen einen Feind zu Felde zu ziehen. Doch bezwang er seinen Groll und eilte zu Antonius, um ihn wegen seines nichtswürdigen Benehmens zu verklagen. Machaeras aber hatte unterdessen seinen Fehler eingesehen, reiste dem Könige eilends nach und versöhnte ihn durch eindringliche Bitten. Gleichwohl gab Herodes seine Beise zu Antonius nicht auf, sondern da er vernommen hatte, derselbe belagere mit einem starken Heere die Festung Samos ata am Euphrat, beeilte er sich nur um so mehr in der Erkenntnis, eine gute Gelegenheit erwischt zu haben, um seine Tapferkeit zeigen und sich dem Antonius noch gefälliger beweisen zu können. Wirklich ging auch nach seiner Ankunft die Belagerung rasch zu Ende. Weil er nun eine Menge Barbaren niedergemetzelt und reiche Beute eingebracht hatte, ward Antonius, der schon zuvor ein Bewunderer seiner Tapferkeit gewesen, in noch höherem Grade für ihn eingenommen; er fügte daher zu den früheren Ehrenbezeugungen viele neue hinzu und steigerte seine Hoffnung auf den Königsthron. Der König Antiochus aber war genötigt, Samosata zu übergeben.
1. Unterdessen aber erlitt des Herodes Sache in Judaea selbst einen empfindlichen Schlag. Er hatte nämlich seinen Bruder Joseph als Oberbefehlshaber zurückgelassen mit der Weisutig, bis zu seiner Rückkehr sich jeder kriegerischen Bewegung gegen Antigonus zu enthalten, da Machaeras seinem bisherigen Benehmen zufolge ein durchaus unzuverlässiger Bundesgenosse sei. Sobald jedoch Joseph seinen Bruder in weiter Ferne wusste, rückte er unter Missachtung jenes Befehls mit fünf von Machaeras ihm mitgegebenen Kohorten gegen Jericho aus, um das bereits zur Ernte reife Getreide zu rauben. In dem gebirgigen und unwegsamen Terrain aber griffen ihn die Feinde an, und nach heldenmütigem Kampfe fiel er selbst sowie die gesamte römische Heeresabteilung. Die Kohorten bestanden nämlich durchweg aus syrischen Rekruten und ermangelten der sogenannten Veteranen, die imstande gewesen wären, ihren noch unerfahrenen Kameraden einen festen Halt zu geben.
2. Dem Antigonus indes genügte der Sieg allein noch nicht, sondern er verstieg sich in seiner Erbitterung sogar dazu, sich an Josephs Leichnam zu vergreifen. Nachdem er nämlich die Gefallenen hatte sammeln lassen, befahl er, ihm das Haupt abzuschlagen, obwohl Josephs Bruder Pheroras fünfzig Talente Lösegeld dafür geben wollte. Auf diesen Sieg des Antigonus folgte eine Empörung in Galilaea, die so weit ging, dass die zu Herodes haltenden Grossen von den Anhängern des Antigonus an den See geschleppt and ertränkt wurden. Auch in Idumaea, wo Machaeras eben ein Kastell mit Namen Gittha wieder befestigte, fing es gewaltig an zu gären. Von all diesen Vorgängen wusste übrigens Herodes noch niehts. — Nach dem Falle von Bamosata hatte Antonius den ßosius zum Statthalter von Syrien ernannt und ihm aufgetragen, Herodes gegen Antigonus zu unterstützen, während er selbst sich wieder nach Aegypten begab. Daraufhin schickte ßosius für Herodes Hilfstruppen in der Stärke von zwei Legionen nach Judaea voraus und folgte selbst mit dem übrigen Teile seines Heeres ihnen auf dem Fusse nach.
3. Herodes befand sich gerade zu Daphne bei Antiochia, als ihm durch deutliche Träume der Tod seines Bruders verkündet wurde. Voller Bestürzung darüber war er eben aus dem Bette gesprungen, da traten die Unglücksboten bei ihm ein. Nur kurze Zeit indes überliess er sich seinem Schmerz, schob vielmehr die weitere Trauer hinaus und eilte dem Feinde entgegen. In fast unglaublichen Eilmärschen erreichte er den Libanon, wo er achthundert von den Gebirgsbewohnern anwarb und auch eine Legion Römer vorfand. Mit dieser Streitmacht fiel er nun, ohne auch nur den Anbruch des Tages abzuwarten, in Galilaea ein und warf die ihm entgegenrückenden Feinde wieder in die Festüng, aus der sie sich hervorgewagt hatten. Unverzüglich bestürmte er nun den Platz, wurde aber, ehe es zur Eroberung kam, durch ein fürchterliches Unwetter gezwungen, in den benachbarten Dörfern Quartier zu beziehen. Als dann nach wenigen Tagen auch die zweite von Antonius gesandte Legion zu ihm stiess, räumten die Feinde aus Furcht vor seiner Übermacht bei Nacht die Festung.
4. Hierauf eilte er durch Jericho, um sobald wie möglich an den Mördern seines Bruders Rache zu nehmen. Dort erlebte er ein seltsames und wunderbares Ereignis, das ihn, weil er wider Erwarten wohlbehalten daraus hervorging, in den Ruf brachte, ein besonderer Liebling der Gottheit zu sein. An jenem Abend nämlich waren viele vornehme Gäste bei ihm zur Tafel geladen. Kaum hatten nun nach Beendigung des Mahles alle Teilnehmer das Haus verlassen, als dasselbe plötzlich zusammenstürzte. Herodes erblickte darin ein Vorzeichen der Gefahren sowohl, die ihn im Kriege erwarteten, als auch seiner Rettung aus denselben, und brach beim Morgengrauen auf. Alsbald stiegen etwa sechstausend Feinde von den Bergen herab und plänkelten gegen seine Vorhut, und wenn sie es auch nicht wagten, mit den Römern handgemein zu werden, so schleuderten sie doch aus der Ferne Steine und Wurfspiesse und verwundeten damit viele ihrer Gegner. Auch Herodes selbst wurde im Vorbeireiten von einem Speer in die Seite getroffen.
5. Um sich nun den Anschein zu geben, als wären die Seinen nicht nur an Kühnheit, sondern auch an Zahl ihren Gegnern überlegen, schickte Antigonus einen seiner Freunde, Pappus, mit einer Heeresabteilung nach Samaria. Dort sollten sie es mit Machaeras aufnehmen. Herodes aber durchzog unterdessen das feindliche Gebiet, zerstörte fünf kleine Städte, tötete zweitausend ihrer Bewohner und kehrte nach Einäscherung ihrer Häuser ins Lager zurück, das er bei einem Dorfe Namens Kana aufgeschlagen hatte.
6. Täglich strömten nun eine grosse Menge Juden aus Jericho selbst und anderen Gegenden teils aus Hass gegen Antigonus, teils aus Begeisterung für seine eigenen Kriegsthaten ihm zu. Die Mehrzahl freilich beseelte dabei ein unbewusstes Verlangen nach Änderung der bestehenden Verhältnisse. Herodes brannte übrigens vor Begierde, sich mit dem Feinde zu messen; aber auch die Leute des Pappus zogen ihm, ohne sich vor seiner Übermacht und Kampfeslust zu fürchten, mutig entgegen. In der sich nun entspinnenden Schlacht setzte ihm ein Teil der feindlichen Reihen für kurze Zeit stark zu. Herodes aber, der im Gedanken an den Tod seines Bruders vor keiner Gefahr zurückbebte und sich schlug, als hätte er es mit den Mördern selbst zu thun, ward bald Meister über die, welche sich ihm entgegengeworfen hatten, wandte sich dann auch gegen die, die noch standhielten, schlug sie sämtlich in die Flucht und setzte ihnen nach. Unter stetem Blutvergiessen drängte er sie hierauf in das Dorf \ aus dem sie hervorgebrochen waren, wobei er besonders ihrer Nachhut entsetzliche Verluste beibrachte. Schliesslich drang er zugleich mit den Feinden in das Dorf ein, wo jedes Haus mit Bewaffneten gefüllt und dazu auch noch die Dächer mit Verteidigern besetzt waren. Sobald er nun die aussen Stehenden überwältigt hatte, liess er die Häuser niederreissen und suchte dadurch die innerhalb Befindlichen zum Verlassen derselben zu nötigen. So wurden die meisten von den einbrechenden Dächern erdrückt; was aber den stürzenden Trümmern entging, fiel unter dem Schwert der Soldaten, und die haufenweise aufgeschichteten Leichen versperrten zuletzt den Siegern selbst den Weg. Ein solches Blutbad nahm den Feinden allen Mut, und wenn sich auch hier und da wieder eine Schar zusammenthat, der Anblick der im Dorfe liegenden Toten trieb sie doch gleich in wilder Flucht auseinander. Herodes wäre nun in seiner Siegesfreude am liebsten sogleich nach Jerusalem geeilt, hätte ihn nicht der überaus strenge Winter daran gehindert. Hierin allein lag also der Grund, weshalb Herodes von der völligen Ausnutzung seines Sieges und der gänzlichen Niederwerfung des Antigonus, der bereits die Stadt zu verlassen gedachte, für jetzt absehen musste.
7. Gegen Abend liess Herodes seine ermatteten Krieger sich erquicken und begab sich selbst noch heiss vom Kampfe nach Soldatenart zum Bade, wobei nur ein einziger Page ihn bediente. Bevor er nun in den Baderaum eintrat, lief vor seinen Augen ein feindlicher Soldat mit dem Schwerte in der Hand heraus, ihm nach ein zweiter, dritter und noch mehrere. Sie hatten sich nach dem Gefecht bewaffnet in den Baderaum geflüchtet und hier vor lauter Angst sich verborgen gehalten. Der Anblick des Königs aber weckte sie aus ihrer Erstarrung, und zitternd liefen sie an ihm, dem Unbewaffneten, vorbei und suchten die Ausgänge zu erreichen. Zufällig war niemand von den anderen Kriegern da, der sie hätte festnehmen können, und so entkamen sie alle.
8. Am folgenden Tage liess Herodes dem Feldherrn des Antigonus, Pappus, der im Treffen gefallen war, das Haupt abschlagen und schickte es seinem Bruder Pheroras zum Zeichen, dass die Ermordung ihres Bruders gesühnt sei; denn Pappus war es gewesen, der Joseph den Tod gegeben hatte. Sobald nun die Strenge des Winters nachliess, rückte er gegen Jerusalem, führte sein Heer bis an die Mauern heran und schlug, als sich eben das dritte Jahr schloss, seit er in Born zum Könige ernannt worden war, gerade vor dem Tempel sein Lager auf. Hier nämlich war die Stadt erstürmbar, und von dieser Seite 2 aus hatte auch Pompejus früher sie eingenommen. Nachdem sodann Herodes die Belagerungsarbeiten unter seinen Truppen verteilt und die nächste Umgebung >ler Stadt hatte abholzen lassen, ordnete er das Aufwerfen dreier Wälle sowie die Erbauung von Türmen auf denselben an. Zu diesen Arbeiten liess er die emsigsten seiner Leute zurück und ging selbst nach Samaria, um sich mit der Tochter von Aristobulus’ Sohn Alexander zu vermählen, mit der er, wie schon oben erwähnt, verlobt war. So machte er die Hochzeit zu einer Nebenhandlung der Belagerung; denn bereits fing er an, seine Gegner zu verachten.
9. Sobald die Vermählungsfeierlichkeiten zu Ende waren, kehrte er mit bedeutenden Truppenverstärkungen nach Jerusalem zurück, da inzwischen Sosius mit einem ansehnlichen Heere von Reitern und Fusssoldaten zu ihm gestossen war. Letzteres sandte er durch das Innere des Landes voraus, während er selbst seinen Marsch durch Phoenicien nahm. Die gesamte Truppenmasse, gegen elf Legionen Fusssoldaten und sechstausend Reiter, wozu noch die. nicht unbedeutenden Hilfstruppen aus Syrien kamen, lagerte sich nun in der Nähe der nördlichen Stadtmauer. Herodes selbst verliess sich bei diesem Vorgehen auf den Senatsbeschluss, durch den er zum Könige ernannt worden war, Sosius aber auf Antonius, der das unter seinem Befehl stehende Heer dem Herodes zu Hilfe geschickt hatte.
1. Nun aber bemächtigte sich der in der Stadt eingeschlossenen Menge von Juden eine Aufregung mannigfacher Art. Die Schwächeren sammelten sich um den Tempel und priesen den glücklich, der in solcher Zeit sein Leben endige, weil das als besondere Gunst der Gott> heit angesehen werden müsse. Die Verwegenem dagegen verübten rottenweise vielfältige Räubereien und plünderten besonders die Umgegend der Stadt aus, weil es an Lebensmitteln für die Menschen und Futter für die Pferde gebrach. Der besser disciplinierte Teil der
2. Gegen die Räubereien legte der König Hinterhalte, wodurch es ihm auch gelang, den Ausfallen ein Ende zu machen, und dem Mangel an Lebensmitteln steuerte er durch Zufuhren aus der Ferne. Mit den kriegsgewandten römischen Truppen war er übrigens gegen die Belagerten stark im Vorteil, obwohl die letzteren an Kühnheit nicht leicht übertroffen werden konnten. Sie vermieden es zwar, im offenen Felde sich mit den Römern zu schlagen, da das für sie gleichbedeutend mit sicherem Untergang sein musste; dagegen erschienen sie aus ihren unterirdischen Gängen oft unerwartet mitten unter den Feinden, und ehe noch ein Teil der Mauer zerstört war, hatten sie schon wieder eine andere aufgeführt — kurz, es ermatteten weder ihre Hände noch ihre Erfindungskraft, und offenbar waren sie zum äussersten Widerstand entschlossen. So hielten sie trotz der Stärke des sie einschliessenden Heeres fünf Monate lang die Belagerung aus, bis endlich einige auserlesene Leute des Herodes sich daran machten, die Mauer zu ersteigen, und, gefolgt von den Centurionen des Sosius, in die Stadt einbrachen. Zuerst wurde die Umgebung des Tempels genommen; dann ergoss sich das Heer in die Stadt, und es entstand allenthalben ein fürchterliches Blutbad. Denn die Römer waren durch die lange Dauer der Belagerung aufs höchste erbittert, und die zu Herodes haltenden Juden thaten das ihrige, um keinen von der Gegenpartei am Leben zu lassen. Ganze Haufen wurden so in den engen Gassen, in den Häusern, wo sie sich zuammengedrängt hatten, und auf der Flucht nach dem Tempel niedergemetzelt. Weder Kinder, noch Greise, noch schwache Frauen konnten auf Mitleid rechnen, und obwohl der König überall herumschickte und Schonung anbefahl, hielt doch niemand den Arm ein, sondern die Soldaten wüteten wie rasend gegen jedes Alter. Währenddessen kam Antigonus, der weder für sein früheres noch für sein jetziges Geschick eine Empfindung hatte, aus der Burg herab und warf* sich Sosius zu Füssen. Der aber brach, ungerührt durch solchen Glückswechsel, in ein unbändiges Gelächter aus und schalt ihn Antigone. Doch liess er ihn nicht wie ein Weib frei ausgehen, sondern befahl, ihn gefesselt aufzubewahren.
3. Nach Niederwerfung seiner Feinde war es des Herodes erste Sorge, dem Ungestüm der Hilfstruppen zu wehren. Das fremde Volk nämlich drängte sich in Masse heran, um den Tempel und die Heiligtümer zu sehen. Der König jedoch hielt sie teils durch Bitten, teils durch Drohungen, teils sogar mit Waffengewalt zurück, überzeugt, dass sein Sieg schimpflicher als eine Niederlage sein würde, wenn die Fremden etwas sähen, was nicht angeschaut werden darf. Ebenso verhinderte er die Plünderung der Stadt, indem er Sosius ein über das anderemal fragte, ob denn die Römer die Stadt von Geld und Menschen völlig entblössen und ihn als König einer Einöde zurücklassen wollten, während er die Herrschaft über die ganze Welt nicht mit dem Blute so vieler Bürger erkaufen möchte. Als Sosius hierauf entgegnete, man müsse den Soldaten für die Strapazen der Belagerung billigerweise die Plünderung zukommen lassen, erklärte Herodes, er wolle aus seiner eigenen Kasse jedem einzelnen eine Belohnung anweisen. Dadurch gelang es ihm, den übrigen Teil der Stadt loszukaufen, und sogleich erfüllte er nun auch sein Versprechen, indem er jeden Soldaten glänzend, die Offiziere entsprechend reicher, Sosius selbst aber wahrhaft königlich beschenkte, sodass niemand ohne Geld von ihm schied. Sosius weihte alsdann Gott dem Herrn eine goldene Krone und verliess Jerusalem, um den Antigonus gefangen zu Antonius zu bringen. Dem Leben des Antigonus, das er in eitler Hoffnung bis zum letzten Augenblick geliebt hatte, machte übrigens, wie sein unedler Sinn es verdiente, das Beil ein Ende.
4. Der König Herodes nahm nun unter den Bürgern der Stadt eine Sichtung vor, indem er seine eigenen Getreuen durch Verleihung von Ehren stellen sich noch gewogener machte, die Anhänger des Antigonus dagegen hinrichten liess. Aus Mangel an barem Geld liess er sodann aus allen Kleinodien, die er besass, Münzen prägen und schickte dieselben dem Antonius und dessen Vertrauten zu. Doch vermochte er damit allein sich noch keine dauernde Sicherheit zu erkaufen; denn bereits war Antonius, von seiner Leidenschaft für Kleopatra fast verzehrt, ganz der Sklave seiner Sinnlichkeit geworden. Nachdem nun Kleopatra mit ihrer eigenen Familie dergestalt aufgeräumt hatte, dass keiner ihrer nahen Verwandten mehr übrig war, kehrte sich ihr Blutdurst fortan nach aussen, und indem sie die syrischen Grossen bei Antonius verleumdete, suchte sie ihn zu deren Ermordung zu bewegen, um sich alsdann mit leichter Mühe ihrer Besitzungen bemächtigen zu können. So hatte sie in ihrer Habgier den Blick auch bereits auf Judaea und Arabien geworfen und arbeitete nun im geheimen daran, die Könige der beiden Länder, Herodes und Malichus, aus dem Wege zu räumen.
6. Obwohl nun Antonius bis jetzt alle ihre Forderungen bewilligt hatte, vermochte er doch in der Ermordung so wackerer Männer und bedeutender Könige nichts anderes als einen Frevel zu erblicken. Immerhin aber löste er seine engen freundschaftlichen Beziehungen zu denselben und nahm ihnen bedeutende Gebietsteile ab, die er der Kleopatra zuwies, so den Palmen wald bei Jericho, wo der Balsam gewonnen wird, und sämtliche diesseits des Flusses Eleutherus gelegenen Städte mit Ausnahme von Tyrus und Sidon. Nachdem sie also deren Gebieterin geworden, begleitete sie den Antonius auf seinem Kriegszug gegen die Parther bis an den Euphrat und kam dann über Apamea und Damaskus nach Judaea. Hier besänftigte Herodes durch grosse Geschenke ihre üble Laune und pachtete ihr die von seinem Königreich weggenommenen Ortschaften für zweihundert Talente jährlich ab, worauf er ihr unter allen möglichen Ehrenbezeugungen bis Pelusium das Geleit gab. Bald nachher kam Antonius aus dem Lande der Parther an und führte den Sohn des Tigranes, Artabazes, gefangen mit sich, den er samt den Kleinodien und allen übrigen Beutestücken sogleich der Kleopatra zum Geschenk machte.
1. Beim Ausbruch des Krieges von Actium rüstete sich Herodes, mit Antonius zu Felde zu ziehen, da jetzt die Unruhen in Judaea überhaupt aufhörten und auch die Festung Hyrkania, die des Antigonus Schwester bis dahin noch gehalten hatte, in seinen Händen war Kleopatra aber verstand es, ihn arglistiger Weise von der Waffen Verbrüderung mit Antonius abzuhalten. Sie hatte es nämlich, wie schon erwähnt, auf ihn und den Araberkönig abgesehen und beredete deshalb den Antonius, dem Herodes den Krieg gegen die Araber anzu vertrauen, um im Falle seines Sieges Arabien, im Falle seiner Niederlage Judaea in ihre Gewalt zu bekommen und so den einen der beiden Fürsten durch den anderen zu vernichten.
2. Der Anschlag fiel jedoch zum Vorteil des Herodes aus. Zuerst nahm er den Feinden Geiseln ab, griff sie sodann mit einer von ihm angeworbenen beträchtlichen Reiterschar bei Diospolis an und schlug sie trotz tapferer Gegenwehr. Diese Niederlage rief eine grosse Bewegung unter den Arabern hervor: sie sammelten sich alsbald wieder bei Kanatha in Coelesyrien und erwarteten in grosser Anzahl die Juden. Als Herodes mit seinem Heere dort anlangte, gedachte er den Krieg mit aller Vorsicht zu führen und liess daher ein befestigtes Lager errichten. Doch seine Leute versagten den Gehorsam und stürzten sich, durch den ersten Sieg kühn gemacht, auf die Araber, die sich denn auch gleich beim ersten Angriff zur Flucht wandten. Bei der Verfolgung aber wurde dem Herodes ein schlechter Streich gespielt. Athenion nämlich, einer der Feldherren Kleopatras, der mit ihm von jeher in Feindschaft lebte, reizte die Einwohner von Kanatha gegen ihn auf. Ihr Angriff machte auch den Arabern wieder Mut, sodass sie umkehrten, sich zusammenschlossen und auf felsigem, unwegsamem Terrain die Leute des Herodes in die Flucht schlugen, wobei sie ein schreckliches Blutbad unter ihnen anrichteten. Was aus der Schlacht entkommen war, flüchtete sich nun nach Ormiza. Die Araber jedoch umzingelten das Lager, eroberten dasselbe und machten die Mannschaft zu Gefangenen.
3. Bald nach dieser Niederlage traf Herodes mit Hilfstruppen ein, jedoch zu spät. Schuld an dem Unfall war lediglich der Ungehorsam seiner Offiziere; denn wäre das Gefecht nicht so überstürzt begonnen worden, so hätte Athenion keine Gelegenheit zum Verrat gefunden. Übrigens rächte sich Herodes durch häufige verheerende Einfälle in das Gebiet der Araber, sodass sie für den einmaligen Sieg recht oft büssen mussten. Während er nun seinen Feinden zusetzte, traf ihn im siebenten Jahre seiner Regierung, als eben der Krieg von Actium seinen Höhepunkt erreicht hatte, ein anderes Unglück. Zu Beginn des Frühlings nämlich richtete eine Erderschütterung eine zahllose Menge Vieh und dreissigtausend Menschen in seinem Reiche zu Grunde; nur das Heer blieb unbeschädigt, weil es unter freiem Himmel lagerte. Das Gerücht nun, das traurigen Vorfällen immer noch etwas Schlimmeres anhängt und jetzt eine Verwüstung von ganz Judaea meldete, stärkte den Mut der Araber gewaltig. Sie fielen daher in der Meinung, das entvölkerte Land leicht in Besitz nehmen zu können, in dasselbe ein, nachdem sie zuvor die Gesandten der Juden, welche sich gerade bei ihnen befanden \ als Opfer geschlachtet hatten. Als nun das Kriegsvolk durch diesen Einfall in den grössten Schrecken geriet und infolge der Schlag auf Schlag ein tretenden Unglücksfälle völlig niedergebeugt war, rief Herodes dasselbe zusammen und suchte es durch folgende Ansprache zur Standhaftigkeit anzufeuern.
4. „ Widersinnig scheint es mir, dass ihr euch jetzt so in Furcht jagen lasst. Dass freilich die von Gott gesandten Plagen euch ängstigen, ist natürlich; wenn aber ein Angriff von Menschen denselben Eindruck bei euch erzeugt, so ist das unmännlich. Was mich betrifft, so bin ich so weit entfernt, nach dem Erdbeben vor meinen Feinden mich zu fürchten, dass ich vielmehr glaube, Gott habe mit demselben den Arabern gewissermassen eine Lockspeise hin werfen wollen, damit sie über uns herzufallen veranlasst würden. Denn nicht sowohl im Vertrauen auf ihren starken Arm und ihre Waffen, als vielmehr im Hinblick auf die unglücklichen Naturereignisse, von denen, wir heimgesucht wurden, haben sie uns angegriffen. Eine Hoffnung aber, die sich nicht auf eigene Kraft gründet, sondern auf fremdes Missgeschick, trügt gar sehr. Ist denn etwa das Unglück oder sein Gegenteil von Bestand unter den Menschen? Oder schwankt nicht vielmehr das Glück, wie die Erfahrung zeigt, hin und her? Beispiele dafür braucht ihr wahrlich nicht weit zu suchen. Denn seht, der Feind hat uns, die wir in der früheren Schlacht Sieger waren, überwunden; aller Wahrscheinlichkeit nach aber wird er jetzt, obwohl er sich mit Siegeshoffnungen schmeichelt, unterliegen. Allzu grosses Selbstgefühl macht un behutsam, Furcht dagegen lehrt Vorsicht: daher ist es eben eure Ängstlichkeit, die mir Mut einflösst Denn da ihr euch mit mehr Ungestüm, als geboten war, den Feinden entgegen warft und wider meinen Willen sie an griffet, fand Athenion Gelegenheit zu seinem Verrat. Jetzt aber verbürgt eure Zaghaftigkeit und scheinbare Mutlosigkeit mir die Gewissheit des Sieges. Bis die Stunde des Kampfes gekommen ist, mag ja diese Stimmung am Platze sein; in der Schlacht selbst aber müsst ihr euren Mut entflammen und jenen gottlosen Horden beweisen, dass weder eine von Menschen noch eine von Gott kommende Drangsal die Tapferkeit der Juden, so lange noch ein Fünkchen Leben in ihnen ist, zunichte machen kann, und dass keiner von euch den Araber, den ihr so oft schon fast als Gefangenen wegführtet, Herrn seines Eigentums werden lässt Lasset euch also durch Naturerscheinungen nicht bange machen und haltet nur ja die Erderschütterung nicht für ein Anzeichen weiteren Unheils. Denn was in den Elementen vorgeht, vollzieht sich nach natürlichen Gesetzen und bringt den Menschen keinen weiteren Schaden, als eben das Naturereignis an sich zu erzeugen pflegt. Freilich können Hungersnot, Pest und Erdbeben durch besondere Vorboten sich ankündigen; die Plagen selbst aber sind doch durch ihre eigene Grösse begrenzt Bedenkt doch nur: wie könnte uns denn selbst ein siegreicher Feind schlimmeren Schaden zufügen, als das Erdbeben gethan hat? Dagegen aber haben unsere Feinde ein gewaltiges Vorzeichen ihrer Vernichtung erfahren, das weder die Natur noch irgend eine andere Macht ihnen kundgethan hat. Haben sie doch dem Völkerrecht zum Hohn unsere Gesandten auf grausame Weise ermordet und ihrer Gottheit als Opfer für den Ausgang des Krieges dargebracht! Aber sie werden Gottes allsehendem Auge und seinem unbesiegten Arm nicht entrinnen. Und allsogleich werden sie uns Genugtuung geben müssen, wenn wir noch eine Spur vom Sinne unserer Väter in uns haben und zur Bestrafung der Treulosigkeit uns erheben. So ziehe denn nun ein jeder nicht für sein Weib und seine Kinder, auch nicht für das* gefährdete Vaterland, sondern um Rache für die Ermordung der Gesandten zu nehmen, in den Kampf. Denn bessere Heerführer als wir, die Lebenden, sind die Schatten dieser Männer. Ich aber werde, wenn ihr mir den Gehorsam nicht versagt, euch voran den Gefahren entgegengehen. Und unbezwinglich, das wisset ihr, ist eure Tapferkeit, wenn ihr nicht durch Überstürzung euch selbst schadet“
5. Als er durch diese Ansprache seine Soldaten ermuntert hatte und ihre Kampfesfreudigkeit bemerkte, opferte er Gott und überschritt nach Beendigung der heiligen Handlung mit seinem Heere den Jordan. Bei Philadelphia schlug er nicht weit von den Feinden sein Lager auf und versuchte in der Hoffnung, dass es bald zu einer förmlichen Schlacht kommen werde, zunächst durch leichte Scharmützel ein zwischen den beiden Heeren liegendes Kastell in seinen Besitz zu bringen, zu dessen Eroberung auch der Gegner eine Abteilung vorgeschoben hatte. Des Königs Truppen aber schlugen sie alsbald zurück und besetzten die befestigte Anhöhe. Herodes selbst rückte nun tagtäglich mit seiner Streitmacht aus, stellte sie in Schlachtordnung auf und suchte die Araber dadurch zum Kampfe zu reizen. Da sich aber niemand ihm entgegen stellte — denn ein gewaltiger Schrecken hatte sie ergriffen, und ihr Befehlshaber Elthemus war beim Anblick des feindlichen Heeres vor Furcht fast erstarrt —, rückte er endlich vor und fing an, ihre Verschanzungen zu durchbrechen. Auf diese Weise zur Gegenwehr gezwungen, zogen sie ohne alle Ordnung, Fusssoldaten und Reiter durcheinander, zum Treffen aus. An Zahl waren sie den Juden überlegen, an Kampflust aber standen sie ihnen nach, obwohl auch sie aus Verzweiflung wie wahnsinnig fochten.
6. So lange sie standhielten, hatten sie demnach keine grossen Verluste. Kaum aber hatten sie den Kücken gekehrt, als eine Menge von ihnen teils durch das Schwert der Juden, teils durch ihre eigenen Leute, die sie zertraten, umkam. Fünftausend Mann fielen so auf der Flucht, während die übrigen in dichtgedrängten Haufen sich hinter die Verschanzungen retteten. Hier schloss Herodes sie ein und belagerte sie; aber noch ehe sie durch Waffengewalt zur Übergabe genötigt wurden, zwang sie der Durst dazu, da ihnen das Wasser ausgegangen war. Ihre Abgesandten empfing der König mit stolzer Verachtung, und als sie sich mit fünfzig Talenten loskaufen wollten, setzte er ihnen nur um so heftiger zu. Da aber der Durst sie mehr und mehr quälte, kamen sie endlich scharenweise hervor und ergaben sich freiwillig den Juden. So wurden in fünf Tagen ihrer viertausend gefesselt; am sechsten rückte alsdann die übrige Menge in heller Verzweiflung zum Kampfe aus, in welchem Herodes wiederum gegen siebentausend Mann niedermachte. Durch diese schweren Schläge rächte er sich an den Arabern und demütigte ihren Stolz in solchem Grade, dass sie seine Oberherrschaft anzuerkennen sich bequemen mussten.
1. Gleich darauf aber ward Herodes mit banger Sorge um seine Herrschaft erfüllt, und zwar wegen seiner freundschaftlichen Beziehungen zu Antonius; denn soeben hatte Caesar Octavianus bei Actium gesiegt. Seine JiMÄSIl i ÖF C/W.ÖRNI. Angst war indes grösser, als die wirkliche Sachlage berechtigt erscheinen Hess. Caesar nämlich hielt den Antonius noch nicht für überwunden, so lange Herodeg demselben treu blieb. Der König fasste nun den Entschluss, der Gefahr mutig ins Auge zu schauen. Er schiffte sich daher nach Rhodus ein, wo Octavianus sich damals aufhielt, und erschien vor ihm ohne Diadem, in Kleidung und Gebaren ein einfacher Privatmann, doch an Gesinnung ein echter König. Ohne also seine wahren Gedanken zu verheimlichen, sprach er freimütig folgendermassen: „Caesar, ich bin von Antonius zum Könige der Juden gemacht worden und habe, ich gestehe es offen, als solcher alles gethan, wodurch ich ihm nützen konnte. Imgleichen verhehle ich nicht, dass du mich jedenfalls auch im Kampfe an seiner Seite gesehen haben würdest wenn die Araber mich nicht daran gehindert hätten. Nach besten Kräften habe ich ihm Bundesgenossen verschafft und viele tausend Scheffel Getreide ihm geliefert. Ja, selbst nach seiner Niederlage bei Actium habe ich meinen Wohlthäter nicht im Stich gelassen. Denn da ich ihm als Kampfgenosse nicht mehr zu nützen vermochte, ward ich sein bester Ratgeber, indem ich ihm als einziges Mittel, seine verzweifelte Lage zu bessern, den Tod der Kleopatra bezeichnete. Für den Fall, dass er dieses Weib aus dem Wege räumen lassen wolle, versprach ich ihm Geld, schützende Festungen, ein Heer und meine persönliche Teilnahme am Kriege gegen dich. Aber die sehnsüchtige Liebe zu Kleopatra und die Gottheit selbst, deren Gunst du deinen Sieg verdankest, machten ihn taub gegen meine Vorstellungen. So bin ich denn also mit Antonius besiegt und lege, weil ich auch im Unglück sein Gefährte sein will, die Krone nieder. Zu dir aber kam ich in der Hoffnung, mein männlich offenes Benehmen werde mir deine Gunst erringen, und in dem Gedanken, man werde untersuchen, was für ein Freund, und nicht, wessen Freund ich gewesen bin,“
2. Hierauf entgegnete Octavianus: „Sei gutes Muts und herrsche von nun an mit noch grösserer Sicherheit als König. Denn du bist wert, über viele Menschen zu gebieten, da du so treu die Freundschaft pflegtest Suche nun aber auch dem ergeben zu bleiben, der mehr Glück als sein Gegner hatte und der auf deinen Edelsinn die glänzendsten Hoffnungen setzt Wahrlich, Antonius hat wohl daran gethan, dass er lieber auf Kleopatra hörte als auf dich; denn durch seinen Unverstand habe ich dich gewonnen. Übrigens hast du dich, wie ich sehe, bereits um mich verdient gemacht Quintus Didius nämlich schreibt mir, du habest ihm gegen die Gla-' diatoren Hilfe gesandt Ich will dich daher durch förmlichen Beschluss in deiner Königs würde bestätigen und dir auch weiterhin meine Gunst zu beweisen suchen, damit du den Antonius nicht vermissest“
3. Nach diesen freundlichen Worten setzte Octavianus dem Könige das Diadem auf und machte die ihm erwiesene Gunstbezeugung durch einen Erlass bekannt, in welchem er hochherzigerweise das Lob des Herodes laut verkündete. Dieser suchte ihn nun durch Geschenke auch noch zur Freilassung eines gewissen Alexander zu bewegen, der ein Freund des Antonius war und Herodes um seine Vermittlung angefleht hatte. Doch der Zorn des Caesars behielt die Oberhand, da er dem Manne, für den Herodes sich ins Mittel legte, viele und schwere Vergehen vorzuwerfen hatte, und so schlug er denn die Bitte ab. Später empfing Herodes den Caesar, als derselbe durch Syrien nach Aegypten marschierte, mit dem ganzen Gepränge, das einem König zu Gebote steht, ritt, als er bei Ptofemais Heerschau hielt, zum erstenmal an seiner Seite, gab ihm wie seinen sämtlichen Freunden ein Festmahl und liess auch dem Heere alles, was zi» einem Schmause gehört, verabreichen. Ferner sorgte er dafür, dass die Römer auf ihrem Zuge durch die wasserarme Gegend bis Pelusium und ebenso auf dem Rückmarsch reichlich mit Wasser versehen wurden und dass sie auch an allen übrigen Lebensmitteln keinen Mangel litten. Ganz von selbst drängte sich dabei dem Caesar und den Soldaten der Gedanke auf, dass das Reich des Herodes im Verhältnis zu seinen Leistungen viel zu klein sei. Sobald daher Octa vianus nach Aegypten gekommen war — wo er übrigens Kleopatra und Antonius bereits nicht mehr am Leben fand —, verlieh er ihm nicht nur eine Reihe weiterer Auszeichnungen, sondern vergrösserte auch sein Königreich, indem er das ihm von Kleopatra früher entrissene Gebiet und ausserdem Gadara, Hippos, Samaria, sowie die Küsten6tädte Gaza, Anthedon, Joppe und Stratonsturm hinzufügte. Obendrein schenkte er ihm auch noch eine Leibwache von vierhundert Galliern, welche früher die persönliche Garde der Kleopatra gebildet hatten. So reiche Zuwendungen hatte Herodes vorzugsweise seiner eigenen Hochherzigkeit zu verdanken.
4. Nach Ablauf der ersten Aktiade vergrösserte der Caesar das Königreich des Herodes noch weiter durch die Landschaft, die Trachon genannt wird, sowie die daran grenzenden Landschaften Batanaea und Auranitis, und zwar aus folgender Veranlassung. Ein gewisser Zenodorus, welcher daß Gebiet des Lysanias gepachtet hatte, hetzte unaufhörlich die in Trachon hausenden Räuberbanden gegen die Damascener. Diese nahmen nun ihre Zuflucht zu Varro, dem Statthalter von Syrien, und baten ihn, den Caesar von ihrer schlimmen Lage in Kenntnis zu setzen. Daraufhin erging von Rofn der Befehl, das Kaubgesindel auszurotten. Varro brach also mit Heeresmacht auf, säuberte das Land von den Banditen und nahm es dem Zenodorus ab. Damit dasselbe nun später nicht wiederum den Schlupfwinkel bilde, von dem aus die Räuber Damaskus beunruhigen könnten, schenkte der Caesar es dem Herodes. Als nach weiteren zehn Jahren Augustus abermals in die Provinz kam, ernannte er ihn sogar zum Statthalter von ganz Syrien, sodass die unter ihm stehenden Landpfleger keinerlei Anordnungen treffen durften, ohne vorher seine Zustimmung einzuholen. Nach dem Tode des Zenodorus belehnte der Caesar ihn dann auch noch mit dem ganzen Gebiet zwischen Trachon und Galilaea. Grösseren Wert indes als alle diese Vergünstigungen hatte für Herodes der Umstand, dass er dem Augustus nach Agrippa und dem Agrippa nach Augustus der liebste Freund war. Nachdem er so den Gipfel äusseren Glückes erklommen hatte, gab er auch seinem Geiste höheren Schwung und verlegte sich vorzugsweise auf Werke der Frömmigkeit, wozu er wirklich grossartige Pläne entwarf.
1. Im fünfzehnten Jahre seiner Regierung nämlich liess er den Tempel umbauen, den Tempelbezirk um das doppelte erweitern und eine feste Mauer ringsum aufführen, alles mit unermesslichen Kosten und unübertrefflichem Prachtaufwand. Davon zeugten insbesondere die grossen, den Tempel umgebenden Säulenhallen und die im Norden an denselben stossende feste Burg. Die Hallen richtete er von Grund aus neu auf, die Burg aber baute er mit grossen Kosten um, sodass sie einem Königsschlosse in nichts nachstand, und nannte sie dem Antonius zu Ehren Antonia. Seinen eigenen Königspalast legte er in der oberen Stadt an und benannte die zwei grössten und schönsten Flügel desselben, mit denen nicht einmal der Tempel den Vergleich aushielt, nach seinen hohen Freunden Caesareum und Agrippeum.
2. Doch nicht bloss einzelne Gebäude weihte er dem Gedächtnis und Namen dieser Männer, sondern er ging noch weiter und that, um sie zu ehren, dasselbe mit ganzen Städten. So umgab er im Samariterlande eine Stadt mit einer hervorragend schönen Mauer im Umfang von beiläufig zwanzig Stadien, versetzte sechstausend Einwohner dahin, wies denselben die fruchtbarsten Ländereien an, erbaute mitten in der neugegründeten Stadt einen gewaltigen Tempel mit einem freien Platze von anderthalb Stadien zu Ehren des Caesars und nannte die Stadt Sebaste K Ihren Bewohnern aber gab er eine ausgezeichnete Gemeindeverfassung.
3. Als sodann der Caesar ihm noch weitere Landstriche schenkte, erbaute Herodes ihm auch dort einen Tempel von weissem Marmor, und zwar an den Quellen des Jordan; der Ort heisst Panium. Hier erhebt sich ein Berggipfel zu ungeheurer Höhe,’ und an der Seite der unter dem Berge befindlichen Schlucht öffnet sich eine schattige Grotte, in deren Innerem eine abgrundartige Vertiefung sich in eine unermessliche Kluft senkt, die mit stehendem Wasser gefüllt und für das Senkblei unergründlich ist. Aussen am Rande dieser Grotte sprudeln die Quellen hervor, und hier befindet sich, wie einige meinen, der Ursprung des Jordan. Genaueres darüber werde ich später mitteilen.
4. Auch zu Jericho liess der König zwischen dem Kastell Kypron und dem früheren Königspalast ein neues, besseres und bequemeres Gebäude aufführen, das er nach seinen Freunden benannte. Kurz, es gab keinen Ort in seinem Reiche, den er nicht, falls er sich sonst dazu eignete, mit Bauwerken zu Ehren des Caesars versehen hätte. Nachdem er nun sein eigenes Land mit Tempeln angefüllt hatte, liess er es auch in der Provinz nicht an Ehren denk malen für Augustus fehlen und errichtete in vielen Städten Caesareen.
5. So erschien ihm auch eine Stadt an der Meeresküste mit Namen Stratonsturm, die damals ini Verfall begriffen war, wegen der Schönheit des Geländes so recht geeignet zur Bethätigung seines Vorhabens, den Caesar zu ehren. Er baute sie daher ganz aus weissen Steinen wieder auf, schmückte sie mit prächtigen Palästen und zeigte hier in besonders hohem Masse seinen angeborenen Sinn für grossartige Unternehmungen. Stratonsturm lag nämlich mitten zwischen Dora und Joppe, und auf der ganzen Strecke zwischen diesen beiden Städten war die Küste ohne Hafen, sodass mancher, der an Phoenicien vorbei nach Aegypten zu segelte, auf offenem Meer umtreiben musste wegen der Gefahren des Südwindes, der selbst bei mässigem Wehen eine solche Brandung an den Felsen erzeugt, dass die zurückgeworfenen Wellen auf weite Strecken hin das Meer in Aufruhr bringen.» Der König jedoch besiegte durch seinen Ehrgeiz und unter Aufwendung bedeutender Kosten die Natur und schuf einen Hafen, der den Piraeus an Grösse übertraf, sowie im Innern desselben eine Reihe vortrefflicher Ankerplätze.
6. Obwohl nun die Örtlichkeit recht ungünstig war, reizte doch gerade die Schwierigkeit den Eifer des Königs, ein Werk herzustellen, dessen Festigkeit dem Anprall der Meereswogen Widerstand leisten könnte und dessen Schönheit die darauf verwendete Mühe nicht im entferntesten ahnen lassen sollte. Zunächst also liess er den für den Hafen bestimmten Raum in der bereits erwähnten Grösse abstecken und alsdann gewaltige Felsstücke, von denen die meisten fünfzig Fuss lang, neun Fuss hoch und zehn Fuss breit waren, zwanzig Ellen tief ins Meer versenken. Nachdem so die Tiefe ausgefüllt war, liess er den über die Oberfläche des Wassers hervorragenden Teil des Dammes auf eine Breite von zweihundert Fuss bringen. Hundert Fuss davon waren vorgebaut, um die Gewalt der Meeresfluten zu brechen, weshalb diese Hälfte den Namen Prokymia erhielt. Der übrige Raum diente einer steinernen, rings um den Hafen laufenden Mauer als Unterlage und war mit sehr hohen Türmen versehen, deren grösster und schönster nach Drusus, dem Stiefsohn des Caesars, Drusium genannt wurde.
7. Zahlreiche Gewölbe dienten den Schiffern zur Herberge, und eine vor denselben befindliche, rund um den Hafen sich hinziehende Plattform bot den Ankömmlingen reichlichen Raum zu Spaziergängen. Die Hafeneinfahrt lag gegen Norden, weil der Nordwind dort der mildeste von allen Winden ist. Zu beiden Seiten der Einfahrt befanden sich drei auf Sockeln ruhende kolossale Standbilder, die links von einem massiven Turm, rechts von zwei miteinander verbundenen aufrechten Säulen getragen wurden; diese Säulen waren übrigens grösser als der ihnen gegenüberliegende Turm. Die an den Hafen stossenden Gebäude waren ebenfalls von ‘wei6sem Marmor, und die Strasßen der Stadt liefen in gleichen Abständen voneinander alle auf den Hafen zu. Dem Hafeneingang gegenüber stand auf einem Hügel ein durch Grösse und Schönheit ausgezeichneter Tempel des Caesars, und in demselben seine Kolossalbildsäule, die ihrem Muster, dem Olympischen Zeus, nichts nachgab, sowie eine solche der Roma nach dem Vorbild der Here zu Argos. Die Stadt nun weihte Herodes der Provinz, den Hafen den ihn benutzenden Seefahrern, die Ehre der ganzen Anlage aber dem Caesar, nach welchem er die Stadt Caesarea benannte.
8. Auch die übrigen von ihm dort errichteten Gebäude, ein Amphitheater und ein Theater, sowie der Marktplatz waren des Beinamens, den sie trugen, wohl wert. Sodann stiftete der König fünfjährige Kampfspiele, die er gleichfalls nach dem Caesar benannte, und setzte fürs erste in der hundertzweiundneunzigsten Olympiade selbst bedeutende Kampfpreise aus, wobei nicht nur die eigentlichen Sieger, sondern auch die zweit- und drittbesten nach ihnen seine königliche Freigebigkeit erfuhren. Weiterhin baute er die in den Kriegen zerstörte Seestadt Anthedon wieder auf und gab ihr den Namen Agrippium. Ja, aus übergrosser Ergebenheit gegen seinen Freund Agrippa liess er dessen Namen sogar über dem von ihm erbauten Thore des Tempels eingraben.
9. Auch in kindlicher Liebe liess er sich von niemand übertreffen. So gründete er zum Andenken an seinen Vater in der schönsten Ebene seines Reiches, die gut bewässert war und Überfluss an Bäumen hatte, eine Stadt, die er Antipatris nannte. Seiner Mutter aber weihte er ein von ihm neu befestigtes, überaus starkes und schönes Kastell oberhalb Jericho, indem er ihm den Namen Kypron gab, und seinem Bruder Phasael den Phasaelsturm zu Jerusalem, dessen Gestalt und grossartige Pracht ich später noch schildern werde. Gleichfalls Phasael zu Ehren gründete er die Stadt Phasaelis seitwärts von der Thalschlucht, die von Jericho aus in nördlicher Richtung sich erstreckt.
10. Nachdem er so das Andenken seiner Verwandten und Freunde verewigt hatte, sorgte er auch für sein eigenes, indem er auf dem Gebirge gegen Arabien hin eine Festung erbaute, die er nach sich selbst Herodium t nannte. Den gleichen Namen gab er einem in Gestalt einer weiblichen Brust von Menschenhand aufgeworfenen, sechzig Stadien von Jerusalem entfernten Hügel, den er aber mit grösserer Pracht ausschmückte. Seine Kuppe nämlich umgab er mit runden Türmen, und die von diesem Festungsring eingeschlossene Fläche besetzte er mit herrlichen Palästen, die nicht nur im Innern glänzend anzuschauen, sondern auch aussen an Wänden, Zinnen und Dächern mit verschwenderischer Pracht ausgestattet waren. Mit ungeheurem Kostenaufwand liess er sodann aus weiter Feme Wasser in reichlicher Menge herleiten und einen Aufstieg von zweihundert aus blendend weissem Marmor bestehenden Treppenstufen herstellen; denn der Hügel war ziemlich hoch und durchweg ein Werk von Menschenhand. Auch am Fusse desselben errichtete er noch weitere Paläste zur Aufnahme seiner Hofhaltung und seines Gefolges und gab ihnen eine so reiche Ausstattung, dass die ganze Anlage wie eine Stadt mit dem Umfang einer Königsburg aussah.
11. Als er diese grossartigen Bauwerke vollendet hatte, bewies er auch einer Anzahl auswärtiger Städte seine fürstliche Freigebigkeit. So versah er Tripolis, Damaskus und Ptolemais mit Ringschulen, Byblus mit einer Stadtmauer, Berytus und Tyrus mit Säulen gängen, Hallen, Tempeln und Märkten, Sidon und Damaskus mit Theatern, die Seestadt Laodikea mit einer Wasserleitung, Askalon mit prachtvollen Bädern und Brunnen und ausserdem noch mit Säulenhallen von staunenswerter Grösse und Arbeit. Anderen Städten schenkte er Haine und Wiesen, und viele erhielten sogar Ländereien von ihm, als ob sie zu seinem Reiche gehörten. Vorsteherämter fremder Ringschulen dotierte er mit festen jährlichen Einkünften, wobei er, wie zum Beispiel in Kos, zur Bedingung machte, dass es nie an Kampfpreisen fehlen dürfe. Weiterhin spendete er Getreide allen, die in Not waren; den Rhodiern gab er oft und bei verschiedenen Anlässen Geld zur Ausrüstung ihrer Flotte; den abgebrannten Tempel des Pythischen Apollo baute er auf eigene Kosten und schöner wieder auf. Wozu soll ich noch die Schenkungen erwähnen, die er den Lykiern und den Samiern zukommen liess, oder die Freigebigkeit, mit der er in ganz Ionien so manche Not linderte? Sind nicht Athen und Lakedaemon, Nikopolis und die mysische Stadt Pergamos voll von Weihgeschenken des Herodes? Und hat er nicht die wegen ihres Schmutzes gemiedene Hauptstrasse von Antiochia in Syrien in der Länge von zwanzig Stadien mit geglättetem Marmor gepflastert und zum Schutz vor dem Regen mit einem ebenso langen Säulengang geschmückt?
12. Kamen nun, wie man wohl sagen könnte, diese Wohlthaten zunächst nur den einzelnen Gemeinden zugut, denen sie erwiesen wurden, so bedachte er dagegen Elis mit einem Geschenk, an dem nicht nur Griechenland, sondern die ganze Welt Anteil hat, soweit der Ruf der olympischen Spiele gedrungen ist. Als er nämlich sah, dass diese Spiele aus Mangel an Geld dem Verfall nahe waren und somit das einzige Überbleibsel des alten Hellas zu verschwinden drohte, trat er nicht nur in dem Olympiadenjahr, in welches seine Seereise nach Rom fiel, als Preisrichter auf, sondern stiftete- auch für alle kommenden Zeiten bestimmte Geldeinkünfte, wodurch er das Andenken an seine Thätigkeit als Kampfrichter verewigte. Doch ich würde wohl nicht zu Ende kommen, wollte ich auch noch alle die Schulden und Abgaben herzählen, die er nachliess; als Beispiel erwähne ich nur die Städte Phasaelis und Balanea sowie eine Reihe von Städtchen an der Grenze von Cilicien, denen er durch Herabminderung ihrer jährlichen Abgaben Erleichterung verschaffte. Was übrigens seine Freigebigkeit am meisten hemmte, war die Furcht, dadurch Neid zu erregen oder in den Verdacht zu geraten, als ob er, indem er den Städten grössere Wohlthaten erwies wie ihre eigenen Gebieter, weiter ausschauende Pläne verfolge.
13. Den geistigen Vorzügen des Herodes entsprach sein Körper. Von jeher war er ein vortrefflicher Jäger, wobei ihm seine Geschicklichkeit im Reiten besonders zu statten kam. So erlegte er einst an einem Tage vierzig Stück Wild. Das dortige Land nährt nämlich auch Wildschweine; reicher jedoch ist es an Hirschen und wilden Eseln. Als Krieger War Herodes unwider stehlich, und auch bei den gymnastischen Übungen fürchteten sich gar viele vor ihm, da sie sahen, wie gerade er die Lanze warf und wie sicher er mit dem Bogen schoss. Bei all diesen «geistigen und körperlichen Vorzügen war er auch noch vom Glücke begünstigt. Denn selten stiess ihm im Kriege ein Unfall zu, und wenn er einmal einen solchen erlitt, war nicht er selbst, sondern irgend ein Verräter oder die Unbesonnenheit seiner Soldaten daran schuld.
1. Sein äusseres Glück indes verleidete ihm das Schicksal durch häusliche Widerwärtigkeiten, und zwar ward eben das Weib, das er so innig liebte, die Ursache seines Unglückes. Nachdem er nämlich zur Regierung gelangt war, hatte er die Gattin, die er als Privatmann geheiratet hatte, eine Jerusalemerin mit Namen Doris, entlassen und Mariamne, die Tochter von Aristobulus’ Sohn Alexander, geehelicht. Schon früher zwar war diese Verbindung für ihn die Quelle häuslicher Zwistigkeiten geworden; als er aber von Rom zurückgekehrt war, wurde sie dies mehr denn je. Zunächst verwies er um der Söhne Mariamnes willen seinen Sohn Antipater, den er von der Dotfs erhalten hatte, aus der Stadt und erlaubte ihm das Betreten derselben nur an Festtagen. Sodann räumte er den Grossvater seiner Gattin, Hyrkanus, der aus Parthien zu ihm gekommen war, aus dem Wege, weil er ihn im Verdacht einer Verschwörung hatte. Hyrkanus war bekanntlich von Barzapharnes bei dessen Einfall in Syrien gefangen genommen worden; seine Volksgenossen jenseits des Euphrat aber hatten aus Mitleid mit ihm seine Freilassung erbeten. Hätte er nun ihre Warnungen, nicht zu Herodes zu reisen, beachtet, so wäre er nicht ums Leben gekommen. Die Heirat seiner Enkelin aber ward die Verlockung, die ihm den Tod brachte. Denn im Vertrauen auf diese Verbindung und aus übergrossem Heimweh war er zurückgekehrt. Herodes war ihm übrigens nicht etwa deshalb feind, weil er wirklich seine Hand nach der Krone ausgestreckt hätte, sondern weil ihm dieselbe von Rechts wegen gebührte.
2. Mariamne gebar dem Herodes fünf Kinder, zwei Töchter und drei Söhne. Von den Söhnen starb der jüngste in Rom, wo er sich zu seiner Bildung äufhielt. Den beiden älteren liess er teils wegen der vornehmen Abkunft ihrer Mutter, teils weil sie ihm während seiner eigentlichen Regierungszeit geboren waren, eine königliche Erziehung angedeihen. Noch mehr freilich veranlasste ihn dazu die Liebe zu Mariamne, welche von Tag zu Tag heftiger in ihm entbrannte, sodass er für das Herzeleid, das ihm die heissgeliebte Frau bereitete, noch nicht einmal eine Empfindung hatte. Denn so gross seine Liebe zu Mariamne, so gross war ihr Hass gegen ihn. Und da sie für diese Abneigung ihre guten auf Thatsachen beruhenden Gründe hatte, und die Überzeugung, geliebt zu sein, ihr Freimütigkeit verlieh, warf sie ihm unverhohlen vor, was er gegen ihren Grossvater Hyrkanus und ihren Bruder Aristobulus verbrochen hatte. Denn auch den letzteren hatte er trotz seiner Jugend nicht geschont, sondern, nachdem er ihn mit siebzehn Jahren zum Hohepriester ernannt, gleich nach seinem Amtsantritt getötet. Als nämlich Aristobulus an einem Feste in der heiligen Gewandung zum Altäre trat, weinte das versammelte Volk, und das war der Grund, weshalb der junge Mann noch in der Nacht nach Jericho geschickt und dort von einigen dazu bestellten Galliern beim Baden in einem Teiche ertränkt wurde.
3. Wegen dieser Schandthat also machte Mariamne dem König Vorwürfe und überhäufte auch seine Schwester und seine Mutter mit argen Schmähungen. Herodes in seiner leidenschaftlichen Liebe schwieg still dazu; bei den Frauen dagegen setzte sich ein heftiger Groll fest, und um den König so recht in Wallung zu bringen, beschuldigten sie seine Gattin des Ehebruchs. Zum Beweise dieser Behauptung brachten sie unter anderem die Angabe vor, sie habe ihr Bild dem Antonius nach Aegypten gesandt und sich so in übermässiger Sinnlichkeit abwesend einem Manne gezeigt, der als Wüstling bekannt und auch imstande sei, Gewalt zu gebrauchen. Wie ein Blitz traf diese Nachricht den Herodes, den ohnehin seine Liebe im höchsten Grade eifersüchtig gemacht hatte, und da er ausserdem auch an die Grausamkeit der Kleopatra dachte, der zulieb der König Lysanias und der Araber Malichus ihr Leben hatten lassen müssen, fürchtete er nicht nur, seine Gattin möchte ihm entrissen werden, sondern hielt auch sein eigenes Leben für gefährdet.
4. Im Begriff, zu verreisen, vertraute er daher dem Gemahl seiner Schwester Salome, Joseph mit Namen, einem zuverlässigen und schon aus verwandtschaftlichen Rücksichten ihm wohlgesinnten Manne, seine Gattin an und gab ihm insgeheim_den Auftrag, sie zu töten, falls Antonius ihn, den König, ums Leben bringen würde. Joseph aber verriet das Geheimnis, nicht in böser Absicht, sondern um Mariamne die Liebe des Königs zu beweisen, der nicht einmal im Tode von ihr getrennt sein wolle. Als nun Herodes nach seiner Rückkehr ihr im vertraulichen Beisammensein wieder und wieder seine Liebe beteuerte und versicherte, dass er nie ein anderes Weib mit solcher Innigkeit werde lieben können, entgegnete sie: „Allerdings hast du deine Liebe zu mir glänzend bewiesen, indem du Joseph den Befehl gabst, mich zu töten!“
5. Kaum hatte Herodes das gehört, als er, seiner Sinne nicht mehr mächtig, die Worte hervorstiess: „Joseph würde wohl niemals den Befehl verraten haben, wenn er dich nicht geschändet hätte!“ Rasend vor Zorn sprang er sodann vom Lager auf und rannte in seinem Palast hin und her. Diesen für Verleumdungen so günstigen Augenblick erhaschte seine Schwester Salome und verstärkte den Verdacht gegen Joseph. Ausser sich vor Wut und Eifersucht gab Herodes nun den Befehl, die beiden auf der Stelle hinzurichten. Doch der leidenschaftlichen Aufwallung folgte sogleich die Reue, und kaum hatte der Zorn sich gelegt, so flammte die Liebe wieder auf. Ja, so stark ward die Glut seiner Sehnsucht, dass er an Mariamnes Tod durchaus nicht glauben wollte, sondern in seinem Gram sie anredete, als sei sie noch am Leben, bis er endlich, von der Zeit belehrt, die Dahingeschiedene mit derselben Inbrunst betrauerte, mit der er sie im Leben geliebt hatte.
2. Diese Veränderung aber war für die Söhne der Mariamne unerträglich, und da sie den Sohn der Mutter aus bürgerlichem Stande in so hohem Grade begünstigt sahen, vermochten sie als Sprösslinge eines edlen Geschlechtes ihren Unwillen nicht zu unterdrücken, sondern liessen bei jeder neuen Kränkung ihren Groll offen hervortreten. Während nun die beiden Prinzen von Tag zu Tag aufsässiger wurden,' suchte Antipater seine eigenen Interessen zu fördern, indem er seinen Vater mit grossem Geschick umschmeichelte, gegen seine Brüder allerlei Ränke schmiedete und teils selbst sie anschwärzte, teils durch seine Freunde Verleumdungen ausstreuen liess, bis er ihnen endlich alle Hoffnung auf den Thron abgeschnitten hatte. Denn nicht nur war er im Testament bereits als erklärter Thronfolger aufgeführt, sondern er wurde auch mit königlichem Gepränge und Gefolge zum Caesar geschickt, sodass ihm zum Könige eigentlich nur das Diadem noch fehlte. Ja, allmählich stieg sein Einfluss so sehr, dass er seine Mutter in Mariamnes Ehebett zurückbrachte. Den König aber wusste er durch zwei Waffen, die er zum Nachteil seiner Brüder gebrauchte, Schmeichelei nämlich und Verleumdung, so zu bearbeiten, dass dieser bereits den Gedanken fasste, die beiden hinrichten zu lassen.
3. Den Alexander wenigstens schleppte Herodes nach Rom und beschuldigte ihn vor dem Caesar, seinem Vater mit Gift nach dem Leben getrachtet zu haben. Hierauf wusste Alexander zunächst vor schmerzlicher Bestürzung kaum etwas zu erwidern. Da er sich aber einem Richter gegenüber sah, der erfahrener war als Antipater und vernünftiger als Herodes, fasste er sich und verschleierte zwar die Fehler seines Vaters voll Ehrerbietung, wies aber um so entschiedener dessen falsche Beschuldigungen zurück. Nachdem er darauf auch die Unschuld seines mit ihm in gleicher Gefahr schwebenden Bruders dargethan hatte, beschwerte er sich über Antipaters Arglist und die ihnen widerfahrene Zurücksetzung, wobei ihm nicht nur sein reines Gewissen, sondern auch seine machtvolle Beredsamkeit zu Hilfe kam; denn er war ein ausgezeichneter Redner. Und als er dann schliesslich noch ausrief, ihr Vater möge sie immerhin töten, da er nun einmal die Beschuldigung gegen sie vorgebracht habe, rührte er alle Anwesenden zu Thränen und versetzte auch den Caesar in eine solche Gemütsbewegung, dass dieser die gegen die Prinzen erhobene Anklage verwarf und Herodes sogleich mit ihnen aussöhnte. Zur Bedingung wurde dabei gemacht, dass die beiden ihrem Vater in allen Stücken gehorsam sein sollten, letzterer aber zu seinem Nachfolger ernennen könne, wen er wolle.
4. Hierauf kehrte der König von Rom aus heim und gab sich den Anschein, als lege er den gegen seine Söhne vorgebrachten Beschuldigungen kein Gewicht mehr bei, während er doch in Wirklichkeit von Argwohn durchaus nicht frei war. Dafür sorgte schon der Ränkestifter Antipater, der ihn begleitete, wenn derselbe auch au Furcht vor dem hohen Vermittler es nicht wagte, seine Feindschaft offen zu zeigen. Als sie nun an der Küste von Cilicien d ahin segelten, landeten sie auf Elaeusa, wo Archelaus sie freundlich bewirtete, für die Rettung seines Schwiegersohnes dankte und sich über die Versöhnung hocherfreut zeigte, zumal er selbst sogleich an seine Freunde in Rom geschrieben hatte, sie möchten Alexander bei der Führung seiner Sache behilflich sein. Alsdann gab er seinen Gästen bis Zephyrium das Geleit und verehrte ihnen Geschenke im Betrage von dreissig Talenten.
5. In Jerusalem angelangt, versammelte Herodes das Volk, stellte ihm seine drei Söhne vor, gab über seine Reise Rechenschaft und sprach seinen innigen Dank gegen Gott aus sowie gegen den Caesar, der den Zwistigkeiten in seinem Hause ein Ende gemacht und seinen Söhnen ein Gut verliehen habe, grösser als die Herrschaft, nämlich die Eintracht. „An mir", fuhr er fort, „soll es gelegen sein, dieses Band noch fester zu knüpfen. Der Caesar hat bestimmt, dass ich der alleinige Herrscher in meinem Reiche sein und das Recht haben soll, über meinen Nachfolger zu entscheiden. Indem ich nun, ohne mein eigenes Interesse hintanzusetzen, in seinem Sinne zu handeln suche, ernenne ich diese meine drei Söhne zu Königen und bitte nächst Gott auch euch, diesem Beschluss zuzustimmqn. Denn bei dem einen lässt sein Alter, bei den anderen ihre edle Abkunft den Anspruch auf die Thronfolge gerechtfertigt erscheinen, und das Königreich ist ja auch so gross, dass es noch für mehrere zureichen würde. So wollet denn das Recht derer, die der Caesar in Eintracht verbunden und ihr Vater eingesetzt hat, anerkennen und einem jeden von ihnen die gebührende Ehre rückhaltlos erweisen, und zwar nach dem Vorrang des Alters; denn die Freude dessen, der mehr geehrt würde, als ihm seinem Alter gemäss zusteht, würde wohl nicht so gross sein, wie der Schmerz des dadurch Zurückgesetzten. Welche Verwandten und Freunde nun die Umgebung der einzelnen Prinzen bilden sollen, werde ich bestimmen. Dieselben werden mir zugleich dafür bürgen müssen, dass die Eintracht unter meinen Söhnen aufrecht erhalten wird. Denn ich weiss recht wohl, dass Hader und Streit vielfach nur durch ränkesüchtige Höflinge hervorgerufen werden, dass aber auch anderseits nichts geeigneter ist, die gegenseitige Zuneigung zu fördern, als eine rechtschaffene Umgebung. Ferner ist es mein Wille, dass nicht nur diese meine Söhne, sondern auch die Offiziere meines Heeres für jetzt noch an mir allein ihren Rückhalt suchen. Denn nicht das Königtum selbst, sondern nur dessen Ehre übertrage ich meinen Söhnen, sodass also sie die Annehmlichkeiten davon gemessen, während ich selbst die Lasten, freilich ungern genug, zu tragen habe. Bedenke doch ein jeder von euch mein Alter, meine Lebensweise und meine Frömmigkeit. Wahrlich, ich bin weder so alt, dass man schon bald mein Ende zu erwarten hätte, noch fröne ich der Üppigkeit, die selbst junge Leute dahinzuraffen pflegt, und die Gottheit habe ich stets so verehrt, dass ich mich wohl auf eine recht lange Lebensdauer freuen darf. Wer also in der Hoffnung auf mein baldiges Ableben meinen Söhnen den Hof macht, der wird mir auch um ihretwillen dafür büssen müssen. Denn nicht etwa aus Eifersucht will ich übertriebene Ehrenbezeugungen gegen die, die ich gezeugt, vermieden wissen, sondern weil ich weise, dass Schmeichelei für junge Leute leicht eine Anreizung zum Trotze wird. Wenn daher jeder, der mit ihnen verkehrt, erwägt, dass nur der Gutgesinnte auf meinen Dank rechnen kann, der Störenfried dagegen nicht einmal von dem, welchem er schmeichelt, eine Belohnung für seine Schlechtigkeit zu erwarten hat, so werden, glaube ich, alle meine Unterthanen mein Interesse wahrnehmen, das ja auch zugleich das meiner Söhne ist; denn diesen kann es nur Nutzen bringen, wenn ich an der Spitze und in gutem Einvernehmen mit ihnen bleibe. Ihr aber, meine braven Söhne, denkt an die heiligen Bande der Natur, die selbst beim wilden Tier die Fortdauer der Liebe sichern, an den Caesar, der die Versöhnung zwischen uns zustande gebracht, und dann endlich auch an mich, der ich da bitte, wo ich befehlen könnte, und bleibet Brüder! Ich gebe euch nun königliche Gewänder und königliche Hofhaltung und flehe zu Gott, dass er dieser meiner Entscheidung seinen Schutz nicht versagen möge, wofern ihr nur einig bleibt“ Nach dieser Ansprache umarmte er liebevoll jeden seiner Söhne und entliess dann das Volk, von welchem der eine Teil seinen Worten den besten Erfolg wünschte, während die Neuerungssüchtigen sich stellten, als hätten.sie nichts gehört.
1. Die Brüder aber liessen von ihrer Zwietracht nicht ab, und als sie sich trennten, war ihr Argwohn gegeneinander schlimmer denn zuvor. Alexander und Aristo-Josephas, jüdischer Krieg. bulus fühlten sich dadurch gekränkt, dass dem Antipater sein Altersvorrang nunmehr förmlich bestätigt worden war; dieser hingegen missgönnte seinen Brüdern selbst das noch, dass sie die nächsten nach ihm sein sollten. Während aber Antipater seine Gedanken für sich zu behalten verstand und als äusserst verschmitzter Mensch seinen Hass gegen die Brüder geschickt verbarg, hatten die letzteren, wie es ihre edle Abkunft mit sich brachte, stets das Herz auf der Zunge. Zudem gaben sich viele ihrer Freunde eifrig Mühe, sie aufzuhetzen, und noch grösser war die Zahl derer, die sich als Späher bei ihnen eingeschlichen hatten. So kam es, dass jedes Wort Alexanders schon im nächsten Augenblick bei Antipater war, von wo es dann mit Zusätzen zu Herodes wanderte. Selbst ganz harmlose Äusserungen des jungen Mannes wurden in verleumderischem Sinne verdreht und» als schuldvoll ausgelegt; hatte er aber einmal auch nur ein klein wenig freier gesprochen, so that die Phantasie das ihrige, um die Kleinigkeit ins ungeheuerliche aufzubauschen. Dabei schickte Antipater unter der Hand stets Leute ab, die Alexander aufhetzen sollten, damit die Lüge durch wirkliche Vorgänge wenigstens in etwa gestützt würde. Denn wenn selbst nur ein Körnchen von dem, was das Gerücht meldete, sich als wahr erwies, fand das übrige um so eher Glauben. Seine eigenen Freunde dagegen waren entweder von Natur sehr verschwiegen oder durch Geschenke soweit bearbeitet, dass sie nichts von dem verlauten liessen, was geheim gehalten werden sollte. Ganz treffend könnte man Antipaters Leben einen Geheimdienst der Bosheit nennen.. Denn auch diejenigen, welche mit Alexander verkehrten, hatte er durch Bestechung oder arglistige Schmeichelei, seine Hauptlockmittel, zu Verrätern gemacht, die alles, was vorging oder geredet wurde,* ihm insgeheim zutrugen.. Er selbst gab dabei den richtigen Schauspieler ab und wusste mit grosser Schlauheit seine Verleumdungen bei Herodes anzubringen, indem er selbst die Maske als Bruder trug und andere Leute als Angeber vorschob. War nun über Alexander etwas hinterbracht worden, so kam er scheinbar zufällig zu Herodes, verwarf anfangs das Gesagte, wusste es aber dann doch unvermerkt glaublich zu machen und den Unwillen des Königs zu erregen. Alles musste auf Nachstellungen bezogen werden und den Anschein erwecken, als ob Alexander die Ermordung seines Vaters plane; nichts aber vermochte den Verleumdungen mehr Glauben zu verschaffen, als Antipaters Auftreten in der Rolle des Verteidigers.
2. So verbitterte sich denn des Herodes Gemüt mehr und mehr, und in dem Masse, wie er tagtäglich seine Liebe den jungen Leuten entzog, wandte er dieselbe Antipater zu. Mit ihm zog sich übrigens auch die Hofgesellschaft von den Prinzen zurück, die einen freiwillig, die anderen auf Befehl, wie Ptolemaeus, der angesehenste Freund des Königs, ferner des Herodes Brüder und seine ganze übrige Familie. Denn Antipater galt alles, und allvermögend war zum grossen Leidwesen Alexanders auch Antipaters Mutter, deren Rat stets gegen ihn und seinen Bruder Aristobulus sich richtete, und die, weil sie schlimmer wie eine Stiefmutter war, die Söhne der Königin auch bitterer denn als blosse Stiefsöhne hasste. Von allen Seiten wurde nun Antipater um seiner glänzenden Aussichten willen der Hof gemacht, während anderseits ein Befehl des Königs den Vornehmen jeden Verkehr mit Alexander und seiner Umgebung untersagte und dadurch die beiden jungen Leute vollends aller ihrer Freunde beraubte. Denn das vom Caesar dem Herodes verliehene, sonst noch keinem König zugestandene Recht, flüchtige Personen selbst aus einer ihm nicht gehörenden Stadt herausholen zu dürfen, schreckte nicht nur die einheimischen, sondern auch die auswärtigen Freunde der Prinzen ab. Von allen diesen Ränken nun hatten die beiden nicht die geringste Ahnung, und so konnte es bei ihrer Unvorsichtigkeit nicht ausbleiben, dass sie mehr und mehr in dieselben verstrickt wurden. Ihr Vater nämlich machte ihnen niemals offene Vorwürfe, und nur seine Kälte und sein rasches Aufbrausen bei unangenehmen Vorfällen liess sie den Sachverhalt vermuten. Unterdessen hatte Antipater auch ihren Oheim Pheroras gegen sie eingenommen sowie ihre Tante Salome, mit der er so vertraulich, als wäre sie seine Gattin, verkehrte, um sie aufzuhetzen. Die Feindseligkeit der Salome erhielt übrigens noch besondere Nahrung durch die Prahlerei der Gemahlin Alexanders, Glaphyra, die gern ihre vornehmen Ahnen aufzählte und als Sprössling des Temenos von väterlicher und des Darius Hystaspis von mütterlicher Seite sich als Gebietern sämtlicher im Königshaüse befindlichen Frauen geberdete. Auch schmähte sie gar häufig nicht nur des Herodes Schwester wegen deren niedriger Herkunft, sondern auch seine Gattinnen, von denen sie behauptete, der König habe sie doch nur um ihrer körperlichen Schönheit, nicht um ihres Adels willen zur Ehe genommen. Herodes hatte nämlich eine ganze Anzahl Frauen, einmal weil den Juden nach ihrem Gesetze Vielweiberei gestattet ist, und dann auch, weil er sein Vergnügen daran fand. Alle diese Frauen wurden nun infolge von Glaphyras Grossthuerei und Lästerreden zu erbitterten Feindinnen Alexanders.
3. Aber auch Aristobulus zog sich, obwohl er Salomes Schwiegersohn war, deren Feindschaft zu, und das um so mehr, als sie bereits durch Glaphyras Lästerungen in Zorn versetzt war. Er warf nämlich seiner Gattin beständig ihre unedle Abkunft vor und beklagte sich darüber, dass, während sein Bruder Alexander eine Königstochter geheiratet habe, er selbst mit einer Frau aus bürgerlichem Stande sich habe begnügen müssen. Unter Thränen hinterbrachte sie dies ihrer Mutter Salome und fügte hinzu, Alexander und Aristobulus hätten gedroht, sie wollten, wenn sie nur erst am Ruder wären, die Mütter ihrer übrigen Brüder wie Sklavinnen an den Web6tuhl schicken und die Brüder selbst zu Dorfschreibern machen, da dieselben ja, wie sie spöttelnd hinzugefügt, eine so vortreffliche Ausbildung genossen hätten. Salome vermochte ihren Ärger hierüber nicht zu bemeistern, sondern teilte alles ihrem Bruder Herodes mit, und da sie gegen ihren eigenen Schwiegersohn auftrat, fand sie leicht Glauben. Noch ein anderes Gerede trug dazu bei, den Zorn des Königs zu entflammen. Es ward ihm nämlich zu Ohren gebracht, die Söhne der Mariamne riefen häufig unter Schluchzen und Verwünschungen gegen Herodes den Namen ihrer Mutter aus, und jedesmal, wenn ihr Vater ein Kleid der Mariamne einer der später geehelichten Frauen zuteile, verstiegen sie sich zu der Drohung, statt königlicher Gewänder würden diese Weiber wohl bald härene anlegen müssen.
4. So sehr nun auch dieses stolze Gebaren der jungen Leute den König beunruhigte, gab er doch die Hoffnung, sie auf bessere Wege zu bringen, nicht auf. Im Begriff, nach Rom zu reisen, berief er sie daher zu sich und stiess zunächst einige Drohungen in seiner Eigenschaft als König gegen sie aus; dann aber sprach er ihnen als Vater zu, ermahnte sie, ihre Brüder zu lieben, und verhiess ihnen Verzeihung für die bisher begangenen Fehler, wenn sie sich in Zukunft bessern wollten. Die beiden wiesen hierauf das gegen sie vorgebrachte Geschwätz als lügenhaft zurück und betonten, dass doch schon ihre Handlungen dazu angethan seien, ihrer Verteidigung Glauben zu verschaffen. Nun solle der König aber auch den Klatschereien einen Riegel vorschieben und nicht mehr so leichtgläubig sein; denn an Lügen gegen sie werde es wohl so lange nicht fehlen, als es jemand gebe, der sie glaube.
5. Indem sie sich mit.diesen Vorstellungen an das Vaterherz des Königs wandten, beseitigten sie zwar für den Augenblick die Gefahr; um so trauriger aber gestalteten sich ihre Aussichten für die Zukunft, da sie jetzt von der feindseligen Stimmung der Salome und ihres Oheims Pheroras Kenntnis erlangten. Beide waren erbitterte und gefährliche, Pheroras aber dazu auch noch ein mächtiger Gegner; denn er war Mitregent desHerodes, nur ohne Krone, hatte hundert Talente Einkünfte von eignem Besitz und genoss den Ertrag des ganzen Landes jenseits des Jordan als Geschenk seines Bruders, der ihn auch mit Einwilligung des Caesars zum Tetrarchen gemacht und der Ehe mit dem Spross eines Königshauses gewürdigt hatte, indem er ihm die Schwester seiner eigenen Gattin vermählte. Nach deren Tod hatte der König ihm seine älteste Tochter nebst einer Mitgift von dreihundert Talenten zugedacht, doch war Pheroras aus Liebe zu einer Sklavin der Heirat mit der Königstochter aus dem Wege gegangen. Aus Ärger darüber vermählte nun Herodes seine Tochter mit einem seiner Neffen, der später im Kriege gegen die Parther fiel, liess aber doch bald seinen Zorn gegen Pheroras aus Nachsicht mit dessen Liebeskrankheit fahren.
6. Schon früher, als die Königin noch lebte, war Pheroras beschuldigt worden, dem Könige mit Gift nach dem Leben getrachtet zu haben. Jetzt aber häuften sich die diesbezüglichen Anschuldigungen wieder in dem Masse, dass Herodes, so innig er seinen Bruder auch liebte, doch endlich dem Gerede Glauben schenkte und in Angst geriet. Nachdem er nun dieserhalb viele von den als Mitwisser verdächtigten Personen hatte foltern lassen, kam schliesslich die Beihe auch an des Pheroras Freunde. Von diesen gestand zwar keiner einen förmlichen Mordanschlag ein, wohl aber vernahm man, dass Pheroras Anstalten getroffen habe, seine Geliebte zu entführen und mit ihr zu den Parthern zu fliehen, ferner dass Kostobar, der Gatte der Salome, mit dem sie der König vermählt hatte, nachdem ihr erster Gemahl wegen Ehebruchs hingerichtet worden war, jenen Plan und die Flucht habe unterstützen wollen. Aber auch Salome blieb nicht frei von Beschuldigungen; denn ihr Bruder Pheroras klagte sie an, sich mit Syllaeus, dem Verwalter des gegen Herodes äusserst feindlich gesinnten Araberkönigs Obedas, in ein Verlöbnis eingelassen zu haben. Obwohl sie nun dieser wie aller übrigen von Pheroras wider sie erhobenen Anklagen überführt ward, erhielt sie dennoch Verzeihung, und auch den Pheroras sprach der König von dem ihm zur Last gelegten Vergehen frei.
7. So zog sich denn das Gewitter über Alexander allein zusammen und entlud sich gänzlich auf sein Haupt. Unter seinen Verschnittenen hatte der König drei, die er sehr schätzte, wie schon aus den ihnen obliegenden Dienstverrichtungen hervorging. Der eine nämlich versah das Amt eines Mundschenken, der andere trug bei Tische auf, und der dritte bediente ihn, wenn er zur Ruhe ging, und schlief in seiner nächsten Nähe. Diese drei nun machte Alexander durch grosse Geschenke seiner Wollust dienstbar. Der König aber erhielt Kenntnis davon und liess sie peinlich verhören. Hierbei gestanden sie den unzüchtigen Umgang sogleich ein und gaben auch die Versprechungen an, wodurch Alexander sie verführt habe. Von Herodes, habe er gesagt, dürften sie nichts mehr erhoffen; denn er sei ein alter Narr, der sich das Haar färbe, um für jung gehalten zu werden. Sie sollten sich vielmehr zu ihm halten, da er in Bälde selbst wider den Willen seines Vaters zur Herrschaft gelangen, seine Feinde züchtigen und seine Freunde, vor allen sie selbst, reich und glücklich machen werde. Schon seien im stillen die Grossen des Reiches auf seiner Seite, und die hohen wie niederen Offiziere hätten geheime Zusammenkünfte mit ihm.
8. Diese Aussagen erschreckten den König in solchem Grade, dass er für den Augenblick nicht einmal offenen Gebrauch davon zu machen wagte. Er schickte vielmehr unter der Hand bei Nacht wie bei Tage Späher aus, durch die er alles erfuhr, was vor sich ging und gesprochen wurde; wer in Verdacht geriet, musste auf der Stelle sein Leben lassen. Voll von schrecklichem Frevel ward nun der Königspalast. Jeder nämlich erdichtete Verleumdungen, wie Feindschaft und Hass sie ihm eingaben, und viele missbrauchten den mordgierigen Zorn des Königs zum Nachteil ihrer Gegner. Die Lüge fand augenblicklich Glauben, und fast schneller, als die Beschuldigung ausgesprochen werden konnte, vollzog sich die Strafe. Ja, manchmal wurde jemand, der eben noch Ankläger gewesen, selbst angeklagt und zugleich mit seinem Opfer hingerichtet. Denn die Sorge um sein eigenes Leben verleidete dem König langwierige Untersuchungen. Schliesslich verbitterte sich sein Gemüt derart, dass er auch die Unschuldigsten nicht mehr gnädig ansah und sogar seine Freunde im höchsten Grade abstossend behandelte. So verbot er vielen von ihnen den Palast, und an wem seine Hand sich nicht vergreifen durfte, den beleidigte er mit Worten. Um nun auf Alexander zurückzukommen, so machte Antipater sich dessen unerquickliche Lage zunutze und liess, indem er seine Verwandten wie eine festgeschlossene Rotte um sich scharte, alle möglichen Verleumdungen gegen ihn los. Der König aber wurde durch Antipaters Blendwerk und Erdichtungen in solche Angst gejagt, dass er beständig Alexander mit gezücktem Schwert vor sich zu sehen wähnte. Er liess ihn daher plötzlich ergreifen und in Fesseln legen und schritt sodann zur Folterung seiner Freunde. Die meisten von diesen starben schweigend, ohne etwas wider besseres Wissen ausgesagt zu haben; diejenigen aber, welche durch die Folterqualen sich zu Lügen treiben liessen, sagten aus, Alexander trachte im Verein mit seinem Bruder Aristobulus dem Könige nach dem Leben und warte nur auf eine Gelegenheit, ihn auf der Jagd zu ermorden und dann nach Rom zu fliehen. Solchen unwahrscheinlichen, weil in der Todesangst hervorgestossenen Geständnissen schenkte der König nur zu gern Glauben und tröstete sich über die Einkerkerung seines Sohnes mit der scheinbaren Gerechtigkeit dieser Massregel.
1. Als Alexander einsah, dass es unmöglich sei, seinem Vater eine andere Überzeugung beizubringen, beschloss er, der Gefahr kühn die Stirn zu bieten. Er verfasste daher vier Bücher gegen seine Feinde, worin er zwar den verbrecherischen Anschlag eingestand, zugleich aber auch die meisten seiner Gegner, besonders Pheroras und Salome, als seine Mitverschworenen bezeichn ete. Letztere, behauptete er, habe sich sogar einmal des Nachts bei ihm eingedrängt und ihn wider seinen Willen zum Beischlaf genötigt. Diese Bücher voll schwerer Anklagen gegen die mächtigsten Personen waren schon in den Händen des Königs, als Archelaus aus Angst um seinen Schwiegersohn und seine Tochter eilends in Judaea ankam — ein sehr gewandter Helfer in der Not, da er die von seiten des Königs drohende Gefahr durch List abzuwenden verstand. Kaum nämlich war er bei Herodes eingetreten, als er in die Worte ausbrach: „Wo ist doch mein verruchter Schwiegersohn, und wo finde ich den Vatermörder, dass ich ihm das Haupt mit eigener Hand zerfleische? Auch meine Tochter will ich ihrem sauberen Gemahl beigesellen; denn wenn sie auch an seinen Anschlägen nicht teilnahm, so ist sie doch durch die eheliche Verbindung mit einem solchen Menschen entehrt. Wundern muss ich mich nur über die von dir, dem Gefährdeten, bewiesene Langmut, und dass Alexander überhaupt noch am Leben ist. Denn als ich von Kappadocien hierher eilte, nahm ich als selbstverständlich an, dass ich ihn schon längst hingerichtet finden und mit dir nur noch meine Tochter zur Verantwortung zu ziehen haben würde, die ich ihm aus Hochachtung vor dir und deinem Stande zur Ehe gegeben hatte. Nun aber müssen wir über beide beschliessen, und wenn du zu sehr Vater sein solltest und zu weichherzig, um den Sohn, der dir nach dem Leben trachtete, zu bestrafen, so wollen wir die Rollen tauschen und einer des anderen Zorn übernehmen.“
2. Durch diese hochtönenden Worte wusste Archelaus den Herodes, wiewohl derselbe sich anfangs recht zurückhaltend benommen hatte, doch etwas zutraulicher zu machen. Und alsbald gab Herodes ihm die von Alexander verfassten Bücher zum überlesen, blieb bei jedem Hauptabschnitt derselben stehen und ging den Inhalt mit ihm durch. Diese Gelegenheit nahm Archelaus wahr, um seinen schlau ersonnenen Plan auszuführen, und schob unvermerkt alle Schuld auf die in der Schrift genannten Personen, besonders aber auf Pheroras. Sobald er nun merkte, dass der König anfing, seinen Worten Glauben zu schenken, fuhr er fort: „Wir müssen untersuchen, ob nicht vielmehr dem jungen Manne von diesen vielen Bösewichtern Fallen gelegt werden, statt dass er dir Nachstellungen bereitet. Denn es liegt doch eigentlich gar kein Grund vor, weshalb er sich eines solchen Frevels schuldig machen sollte, da er schon jetzt könig-. liehe Ehren geniesst und Aussicht auf die Thronfolge hat, es müssten denn Verführer dagewesen sein, die seinen jugendlichen Leichtsinn ausgebeutet hätten. Solche Menschen pflegen ja nicht bloss jungen, sondern auch alten Leuten gar oft den Kopf zu verdrehen und vornehme Familien wie ganze Königreiche ins Verderben zu stürzen.“
3. Diesen Ausführungen zollte Herodes Beifall, und in dem Masse, wie sein Groll gegen Alexander nachliess, verstärkte sich seine Erbitterung gegen Pheroras, von dem die vier Bücher vornehmlich handelten. Als letzterer nun die gereizte Stimmung des Königs und den mächtigen Einfluss des Archelaus bemerkte, setzte er zum Zweck seiner Rettung, die er auf ehrenhafte Weise nicht zu erreichen vermochte, all seinen Mannesstolz beiseite. Ohne sich nämlich weiter um Alexander zu kümmern, nahm er seine Zuflucht zu Archelaus. Dieser erklärte ihm, er sehe keine Möglichkeit, der Gefahr zu entrinnen, da so viele Beschuldigungen gegen ihn vorlägen, aus denen klar hervorgehe, dass er dem Könige nach dem Leben gestellt und den jungen Mann in seine jetzige schlimme Lage gebracht habe; es sei denn, dass er sich entschliessen könne, aller Arglist und Lüge zu entsagen, die ihm zur Last gelegten Schandthaten einzugestehen und Herodes im Vertrauen auf dessen Bruderliebe um Verzeihung zu bitten. In diesem Fall wolle er seinerseits alles aufbieten, um ihm beizustehen.
4. Pheroras ging auf diesen Vorschlag ein, legte, um einen recht erbarmenswerten Eindruck zu machen, ein schwarzes Gewand an und fiel Herodes zu Füssen. Unter Thränen bat er ihn sodann, wie das früher schon manchmal geschehen war, um Verzeihung und bekannte sich als den ruchlosen Menschen, der alle die ihm vorgeworfenen Schlechtigkeiten sich habe zu schulden kommen lassen, jammerte aber zugleich darüber, dass die Leidenschaft für ein Weib ihn in Geistesverwirrung und Wahnsinn gestürzt habe. Nachdem nun Archelaus dergestalt es fertig gebracht hatte, Pheroras zum Ankläger und Zeugen wider sich selbst zu machen, da erst legte er sich aufs Bitten und suchte den Zorn des Herodes zu beschwichtigen, indem er ein Beispiel aus seiner Familie anführte. „Auch ich,“ sprach er, „hatte einen Bruder, von dem ich noch weit schlimmere Unbilden erfuhr, und doch habe ich das Gebot der Natur höher geachtet als das der Rache. Denn auch in Staaten entstehen leicht, wie in grossen Leibern, infolge der Schwere einzelner Teile entzündliche Auswüchse, die man nicht abschneiden, sondern durch gelinde Mittel heilen muss.“
5. Durch solche und ähnliche Vorstellungen gelang es Archelaus, den Herodes gegen Pheroras milder zu stimmen. Er selbst jedoch hielt an seinem scheinbaren Zorn gegen Alexander fest und erklärte sogar, er wolle seine Tochter von ihm trennen und mit sich nehmen, bis er endlich den Herodes so weit brachte, dass dieser sich für den jungen Mann ins Mittel legte und Archelaus bat, er möge doch Glaphyra ihrem Gatten belassen. Mit gewinnendster Freundlichkeit stellte nun Archelaus dem Könige frei, Glaphyra mit irgend einem beliebigen Manne zu vermählen, nur nicht mit Alexander; denn nichts liege ihm so sehr am Herzen, als die Aufrechterhaltung der guten Beziehungen, in denen er zu Herodes stehe. Letzterer jedoch versicherte, er werde seinen Sohn wie ein Geschenk aus Archelaus’ Hand annehmen, wenn dieser die Ehe ungelöst lassen wolle, die ja bereits mit Kindern gesegnet sei. Auch erfreue sich Glaphyra der zärtlichsten Liebe ihres Gatten und werde, so lange sie bei ihm bleibe, ihn gewiss vor ähnlichen Verirrungen bewahren. Werde sie ihm aber entrissen, so könne das leicht den jungen Mann zur Verzweiflung treiben; denn wo die angenehm zerstreuenden häuslichen Freuden fehlten, da sei das Ungestüm der Jugend nicht mehr in Schranken zu halten. Hierauf gab denn Archelaus, wiewohl zögernd, endlich nach, liess von seinem scheinbaren Unwillen gegen Alexander ab und söhnte den jungen Mann mit seinem Vater wieder aus. Doch, fügte er hinzu, müsse man ihn jedenfalls nach Rom schicken, damit er den Caesar sprechen könne; denn er selbst habe dem Augustus bereits über alles brieflichen Bericht erstattet.
6. Damit hatte Archelaus die Rolle des Verstellers zu Ende gespielt und seinen Schwiegersohn gerettet. Gelage und Freudenfeste folgten nun der Versöhnung, und als Archelaus abreiste, verehrte Herodes ihm siebzig Talente, einen goldenen, mit Edelsteinen verzierten Thronsessel, mehrere Verschnittene und ein Kebsweib Namens Pannychis; auch das Gefolge ward entsprechend beschenkt. Weitere prächtige Gaben erhielt Archelaus auf Befehl des Königs von dessen Verwandten. Alsdann gaben Herodes und die Grossen ihm das Geleit bis Antiochia.
1. Bald darauf landete in Judaea ein Mann, der in listigen Kunstgriffen noch erfahrener war als Archelaus, und der nicht bloss die von letzterem zu gunsten Alexanders bewirkte Aussöhnung wieder zunichte machte, sondern auch dazu noch den Untergang des Prinzen verschuldete. Es war dies ein Lakedaemonier mit Namen Eurykles, den schnöde Geldgier ins jüdische Königreich geführt hatte, nachdem Griechenland für seine Verschwendungssucht zu klein geworden war. Dem Herodes brachte er als Lockmittel glänzende Geschenke, um dadurch seine Zwecke zu fordern, und erhielt auch wirklich sogleich Gegengeschenke von weit höherem Wert Doch nicht zufrieden mit dieser reinen Gabe, glaubte er vielmehr, die Gunst eines Königs auch noch mit Blut erkaufen zu müssen. Zunächst also schlich er sich bei Herodes durch Schmeicheleien und gleissnerische Lobeserhebungen ein, die er mit beredten Worten anzubringen wusste, und als er, was schnell der Fall war, des Königs Charakter durchschaut hatte, redete und that er alles nur ihm zu Gefallen. Auf diese Weise wurde er bald einer der vertrautesten Freunde des Herodes und als Spartaner von diesem wie dem ge- eamten Hofe schon um seines Vaterlandes willen mit grösster Auszeichnung behandelt.
2. Kaum nun hatte dieser Mann die wunden Punkte der königlichen Familie, nämlich die Feindseligkeit zwischen den Brüdern und die ungleichartige Gesinnung des Vaters seinen Söhnen gegenüber bemerkt, als er unter dem Vorgeben, ein alter Freund des Archelaus zu sein, Wohlwollen für Alexander heuchelte, während er doch bereits bei Antipater gastliche Aufnahme gefunden und bei dieser Gelegenheit sich in dessen Vertrauen eingeschlichen hatte. Von Alexander ward er übrigens aus dem erwähnten Grunde sogleich wie ein erprobter Freund aufgenommen, und auch bei dessen Bruder Aristobulus wusste er sich alsbald zu empfehlen. In allen Rollen bewandert, verstand er jedem auf eine besondere Art beizukommen; vorzugsweise jedoch ward er Antipaters Söldling und Alexanders Verräter. Dem ersteren machte er Vorwürfe darüber, dass er als der älteste Prinz Leute neben sich dulde, die nur darauf ausgingen, seine Anwartschaft auf den Thron zunichte zu machen, dem Alexander aber darüber, dass er, der Sohn einer Königin und Gemahl einer Königstochter, ' der noch dazu an Archelaus einen so trefflichen Rückhalt habe, es zulasse, dass der Sohn eines bürgerlichen Weibes zur Thronfolge gelange. Weil nun Eurykles sich lügenhafterweise auf die Freundschaft des Archelaus bezog, glaubte Alexander an ihm einen zuverlässigen Ratgeber zu haben und beklagte sich deshalb nicht nur offenherzig bei ihm über Antipater, sondern liess auch die Bemerkung fallen, Herodes, der ihre Mutter ermordet habe, werde sich wohl auch kein Gewissen daraus machen, ihnen den Thron zu entreissen, auf den sie als die Söhne eben dieser Mutter ein Anrecht hätten. Auf diese Äusserungen hin verfehlte Eurykles nicht, Mitleid und Bedauern zu heucheln. Sobald er aber auch dem Aristobulus ähnliche Klagen entlockt uiid beide zu unzufriedenen Auslassungen über ihren Vater verleitet hatte, hinterbrachte er schleunigst das Geheimnis dem Antipater, nicht ohne die rein erfundene Behauptung hinzuzufügen, die Brüder hätten es auf seine Ermordung abgesehen und seien drauf und dran, ihn mit blanker Waffe zu überfallen. Reich beschenkt für diese Mitteilungen, strich er sodann Antipater bei Herodes gehörig heraus und arbeitete endlich geradeswegs auf Aristobulus’ und und Alexanders Untergang hin, indem er sie bei ihrem Vater anklagte. Alsbald nämlich begab er sich zu Herodes und erklärte ihm, er wolle ihm als Gegengeschenk für die empfangenen Wohlthaten und zum Dank für die genossene Gastfreundschaft das Leben retten. Schon lange sei das Schwert zur Ermordung des Königs geschärft und Alexanders Rechte gegen ihn ausgestreckt. Doch habe er, Eurykles, die Ausführung des Anschlages aufzuhalten gewusst, indem er der Verschwörung zum Schein als Genosse beigetreten sei. Alexander pflege zu sagen, Herodes sei nicht zufrieden, auf einem Thron zu sitzen, der ihm nicht gehöre, und nach der Ermordung ihrer Mutter deren Reich zu zerstückeln, sondern er stelle auch noch einen Bastard als Thronfolger auf, diesen verwünschten Antipater, dem er ihr angestammtes Königreich zugedacht habe. Er aber, Alexander, werde den Schatten des Hyrkanus und der Mariamne ein Sühnopfer darbringen; denn aus der Hand eines solchen Vaters dürfe er die Herrschaft nicht ohne Blutvergiessen annehmen. Übrigens vergehe kein Tag, an dem er nicht durch vielfache Anlässe gereizt werde, und kein Wort komme über seine Lippen, das man unverdreht lasse. Sei von der edlen Abkunft anderer Menschen die Rede, so schmähe man ihn ohne Grund, und besonders Herodes pflege dann zu bemerken: „Alexander allein ist edelgeboren, darum missachtet er auch seinen Vater, der von geringer Herkunft ist.“ Auf der Jagd stosse man sich daran, wenn er schweige; thue er aber seinen Mund auf, um eine Anerkennung auszusprechen, so wolle man einen Spott heraushören. Bei jeder Gelegenheit fahre sein Vater ihn rauh an, und nur gegen Antipater erweise derselbe sich liebreich. Gern wolle er deshalb sterben, wenn der Anschlag gegen Herodes fehlgehe. Gelinge dagegen die Ermordung des Königs, so erwarte er Rettung in erster Linie von seinem Schwiegervater Archelaus, zu dem er leicht werde entkommen können, und nächst ihm vom Caesar, der bis jetzt den wahren Charakter des Herodes noch gar nicht kenne. Denn nicht wie früher werde er ihm dann gegenüberstehen, zitternd vor dem mitanwesenden Vater, noch sich auf die seine Person allein betreffenden Klagen beschränken, sondern vornehmlich wolle er dann das Elend seines Volkes schildern und darthun, wie man demselben durch Steuerdruck das Mark ausgepresst, für welche Schlemmereien und Schandthaten man das Blutgeld verschleudert, was für Menschen es seien, die sich vom Eigentum seiner Landsleute bereichert, und denen man ganze Städte zum Geschenk gemacht; da endlich wolle er auch um Rache rufen für seinen Grossvater und seine Mutter und alle Greuel der jetzigen Regierung ans Licht bringen. Dass man ihn aber dann noch als Vatermörder verurteilen werde, glaube er nun und nimmer.
3. Als Eurykles mit diesen seinen abenteuerlichen Lügen über Alexander zu Ende war* überhäufte er Antipater mit Lobsprüchen und hob hervor, wie dieser allein seinen Vater liebe, und wie deswegen an ihm allein bisher der Anschlag gegen des Königs Leben gescheitert sei. Herodes, der die früheren Vorfälle noch nicht ganz vergessen hatte, geriet nunmehr in rasenden Zorn. Antipater aber nahm, wie auch früher, die günstige Gelegenheit wahr, um andere Ankläger gegen seine Brüder vorzuschieben, welche aussagten, die Prinzen hätten heimliche Zusammenkünfte mit Jucundus und Tyrannus gehabt, zwei ehemaligen königlichen Reiteroffizieren, die jüngst wegen gewisser Verfehlungen ihres Dienstes enthoben worden waren. Dadurch ward Herodes in die äusserste Wut versetzt und liess die letzteren augenblicklich der Folter unterwerfen. Sie bekannten jedoch nichts von dem, was man ihnen fälschlich zur Last gelegt hatte. Nun wurde auch noch ein Brief Alexanders vorgebracht, in welchem er den Kommandanten einer Festung des Königs ersuchte, ihn nach der Ermordung seines Vaters mit seinem Bruder Aristobulus in die Festung aufzunehmen und ihm die Benutzung der Waffen und anderen Kriegsgeräte zu gestatten. Diesen Brief erklärte Alexander für eine Fälschung des Diophantos, eines königlichen Schreibers, der ein frecher Mensch und in der Nachahmung von Handschriften äusserst geschickt war. Nachdem er übrigens eine Menge derartiger Fälschungen begangen hatte, ward er endlich wegen einer gleichen Frevelthat hingerichtet. Herodes liess darauf den Festungskommandanten ebenfalls foltern, vermochte aber auch aus ihm nichts herauszubringen, was auf die Anklage Bezug hatte.
4. Obwohl nun der König die Beweise schwach fand, liess er doch seine Söhne verhaften, vorläufig indes ohne sie zu fesseln. Den Eurykles aber, der das Verderben über sein Haus gebracht und den ganzen schändlichen Plan ersonnen hatte, nannte er seinen Retter und Wohlthäter und beschenkte ihn mit fünfzig Talenten. Bevor übrigens sein Frevel ruchbar wurde, eilte Eurykles nach Kappadocien und entlockte auch dem Archelaus ein Geldgeschenk, indem er ihm mit frecher Stirn vorlog, er habe Herodes mit Alexander ausgesöhnt. Alsdann setzte er nach Griechenland über und verwandte das Sündengeld zu ähnlichen Schurkenstreichen, ward aber endlich, nachdem er zweimal beim Caesar wegen aufrührischer Umtriebe in Achaja und Betrügereien gegen städtische Kassen verklagt worden war, mit Verbannung bestraft. So fand die von ihm an Aristobulus und Alexander begangene Unthat ihre Sühne.
5. Diesem Spartaner verdient der Koer Evaratus einer der besten Freunde Alexanders, gegenübergestellt zu werden. Er war um dieselbe Zeit wie Eurykles nach Judaea gekommen, und als der König ihn wegen der von letzterem gemachten Angaben befragte, versicherte er eidlich, nichts dergleichen von den Prinzen gehört zu haben. Dieses Zeugnis half freilich den Unglücklichen nichts; denn nur für böse Einflüsterungen hatte Herodes ein offenes Ohr, und beliebt bei ihm war nur derjenige der mit ihm daran glaubte und mit ihm sich darüber ereiferte.
1. Auch Salome that das ihrige, um Herodes gegen seine Söhne aufzustacheln. Um nämlich seine Schwiegermutter und Tante mit in die ihm selbst drohenden Gefahren zu verstricken, hatte Aristobulus ihr die Warnung zugehen lassen, sie solle auf ihre Rettung bedacht sein,, denn der König treffe Anstalten zu ihrer Hinrichtung auf Grund der bereits früher gegen sie erhobenen Anklage, dass sie, um den Araber Syllaeus als Gemahl zu gewinnen, demselben die Geheimnisse des mit ihm verfeindeten Königs verrate. Das aber ward gewissermassen die Sturzwelle, die den vom Sturm bereits hart mitgenommenen jungen Leuten vollends den Untergang bereiten sollte. Salome nämlich hatte nichts eiligeres zu thun, als zum Könige zu laufen und ihm die ihr zugegangene Warnung mitzuteilen. Herodes vermochte sich nun nicht mehr zu halten, liess die beiden Söhne fesseln und voneinander trennen und schickte eiligst den Obersten Volumnius nebst seinem Freunde Olympus mit einem schriftlichen Bericht zum Caesar. Als diese Männer in Rom an gelangt waren und das Schreiben des Königs überreicht hatten, empfand der Caesar zwar inniges Mitleid mit den Prinzen, glaubte aber ihrem. Vater die Gewalt über seine Söhne nicht nehmen zu dürfen. Er erwiderte demnach, Herodes sei ja Herr in seinem Hause; dennoch werde er wohl daran thun, aus seinen Verwandten und den obersten Beamten der Provinz einen Gerichtshof zu bilden und die Verschwörung untersuchen zu lassen. Stelle sich dann die Schuld der jungen Leute heraus, so verdienten sie den Tod; hätten sie aber nur die Absicht gehabt, zu entfliehen, so sei eine mildere Strafe am Platz.
2. Dieser Aufforderung kam Herodes nach, begab sich der Anordnung des Caesars zufolge nach Berytus und berief den Gerichtshof. Den Vorsitz in demselben führten laut der vom Caesar ihnen erteilten schriftlichen Anweisung die obersten Beamten, Saturninus und Pedanius mit seinen Legaten. Ausserdem hatten sich eingefunden der Finanzverwalter Volumnius, die Verwandten und Freunde des Königs, darunter auch Salome und Pheroras, sowie die sämtlichen syrischen Grossen mit Ausnahme des Königs Archelaus; denn diesem traute Herodes nicht recht, weil er Alexanders Schwiegervater war. Seine Söhne selbst liess der König übrigens aus wohlerwogenen Gründen dem Gerichte nicht vorführen; wusste er doch, dass ihr blosser Anblick allseitiges Mitgefühl wachrufen und dass, wenn sie das Wort erhielten, Alexander mit Leichtigkeit die Anklage entkräften würde. Sie wurden vielmehr in Platana, einem Dorf im Gebiete der Sidonier, gefangen gehalten.
3. Nunmehr erhob sich der König und fuhr gegen seine Söhne los, als ob sie wirklich anwesend wären. Zwar die Anklage wegen des Mordplanes berührte er nur obenhin, da diese, wie er wohl selbst fühlte, auf sehr schwachen Füssen stand. Dagegen zählte er dem Gerichtshof eine Menge von Schmähungen, Spottreden, Kränkungen und sonstigen Vergehen gegen seine Person her, für welche die Todesstrafe noch viel zu gelinde sei. Und als niemand darauf erwiderte, erging er sich in Klagen darüber, dass er selbst schwer genug gestraft sei, und dass der Sieg, den er über seine Kinder davontrage, io* für ihn nur die Quelle bitteren Grams sein werde. Sodann befragte er jeden der Anwesenden um seine Meinung. Saturninus, der zuerst ab6timmte, erachtete die jungen Leute für schuldig, doch nicht des Todes; denn es zieme sich nicht für ihn, eines anderen Mannes Kinder dem Untergang zu weihen, während seine eigenen drei Söhne ihm zur Seite ständen. Derselben Ansicht waren auch die beiden Legaten, denen dann noch einige andere Stimmen sich anschlossen. Volumnius war der erste, der sich für eine härtere Strafe entschied, und nach ihm verurteilten auch alle übrigen Beisitzer des Gerichtes die Prinzen zum Tode, die einen aus Liebedienerei, die anderen aus Hass gegen Herodes, keiner aber aus Entrüstung über die Angeklagten. Ganz Syrien und Judaea war übrigens auf den Ausgang des Trauerspiels gespannt, doch glaubte niemand, Herodes werde die Grausamkeit bis zur Hinrichtung seiner Söhne treiben. Er aber schleppte die beiden nach Tyrus, fuhr von da zu Schiff nach Caesarea und überlegte nur noch, auf welche Weise er sie vom Leben zum Tode bringen lassen sollte.
4. Mittlerweile geschah es, dass ein alter Soldat des Königs mit Namen Teron, dessen Sohn ein sehr vertrauter Freund Alexanders war und der auch selbst die beiden Prinzen aufrichtig liebte, vor übergrossem Unwillen über die Verurteilung derselben wahnsinnig wurde. Anfangs lief er umher und schrie, das Recht sei zu Boden getreten, die Wahrheit zu Grunde gegangen, die Natur verkehrt und die Welt voller Frevel, und was sonst der Schmerz einem Menschen eingeben kann, der sein Leben in die Schanze geschlagen hat. Endlich wagte er dann auch vor den König selbst hinzutreten und ihm die Worte entgegenzurufen: „Du bist, wie mir scheint, von einem bösen Dämon besessen, dass du den verruchtesten Menschen Glauben schenkst gegen diejenigen, die dir am teuersten sein sollten. Denn einem Pheroras und einer Salome, die du schön so oft des Todes schuldig erkennen musstest, traust du, wenn sie wider deine Kinder auftreten. Und doch bezwecken diese Bösewichter nichts anderes, als die rechtmässigen Thronfolger aus dem Wege zu räumen und dir Antipater allein übrig zu lassen, damit sie einen König bekommen, der ihnen in allen Stücken zu willen ist. Überlege indes, ob ihm nicht der Tod seiner Brüder den Hass der Soldaten zuziehen könnte. Denn im ganzen Heere giebt es niemand, der nicht Mitleid mit den beiden Prinzen empfände, und von den Offizieren machen gar viele aus ihrem Unwillen durchaus kein Hehl.“ Alsdann nannte Teron auch die Namen der Unzufriedenen. Der König aber Hess dieselben auf der Stelle samt Teron und seinem Sohne verhaften.
5. Nun kam auch ein Hofbarbier Namens Tryphon in einem Anfall von Verrücktheit daher und gab sich selbst an. „Denke dir,“ sprach er, „dieser Teron wollte mich beschwätzen, dich beim Barbieren mit dem Schermesser umzubringen, und er stellte mir dabei ein grosses Geschenk von Alexander in Aussicht.“ Kaum hatte Herodes dies vernommen, als er sogleich Teron und dessen Sohn sowie den Barbier auf die Folter spannen liess. Die ersteren jedoch leugneten hartnäckig, und da auch der Barbier nichts weiter aussagte, liess er diesen noch empfindlicher quälen. Nun aber versprach des letzteren Sohn, von Mitleid überwältigt, dem Könige, alles angeben zu wollen, wenn er seinen Vater begnadige. Und als Herodes ihm dies zugestanden, sagte er aus, sein Vater habe auf Alexanders Anstiften den König ums Leben bringen wollen. Diese Angabe hielten einige für eine Erdichtung, die der Sohn vorgebracht habe, um seinen Vater von den Folterqualen zu erlösen, andere hingegen für Wahrheit.
6. In einer Volksversammlung erhob hierauf Herodes Anklage gegen Teron und die Offiziere und hetzte das Volk dergestalt gegen sie auf, dass sie sogleich mitsamt dem Barbier von der Menge durch Steinwürfe und Stockschläge getötet wurden. Seine Söhne aber sandte er nach der unweit Caesarea ‘gelegenen Stadt Sebaste und Samaria. gab Befehl, sie daselbst zu erdrosseln, was unverzüglich geschah! Die entseelten Leiber liess er nach der Festung Alexandrium bringen, wo sie neben Alexander, ihrem Grossvater von mütterlicher Seite, beigesetzt wurden. Ein solch trauriges Ende nahmen Alexander und Aristobulus.
1. Antipater war nun freilich unbestrittener Thronfolger, aber fast unerträglich lastete auf ihm der Hass des Volkes; denn allseitig ward es bekannt, dass er der eigentliche Urheber aller gegen seine Brüder gerichteten Verleumdungen war. Übrigens beschlich ihn keine geringe Furcht, wenn er sah, wie die Nachkommenschaft der Gemordeten mehr und mehr heranwuchs. Alexander nämlich hatte von der Glaphyra zwei Söhne, Tigranes und Alexander, Aristobulus aber von Berenike, der Tochter Salomes, die Söhne Herodes, Agrippa und Aristobulus sowie die Töchter Herodias und Mariamne. Nach Alexanders Hinrichtung sandte Herodes die Glaphyra samt ihrer Mitgift nach Kappadocien zurück, des Aristobulus Gattin Berenike aber Vermählte er mit Antipaters Oheim von mütterlicher Seite 1, und zwar hatte Antipater selbst diese Heirat zustande gebracht, um Salome, mit der er verfeindet war, sich geneigt zu machen. Auch den Pheroras suchte er durch Geschenke und sonstige Aufmerksamkeiten auf seine Seite zu bringen, desgleichen die Freunde des Caesars, denen er beträchtliche Geldsummen nach Rom schickte. Ferner überhäufte er den Saturninus in Syrien und dessen ganze Umgebung mit Geschenken. Je mehr er aber spendete, desto verhasster wurde er; denn man wusste wohl, dass er nicht freigebig war aus Hochsinn, sondern verschwenderisch aus Furcht. So kam es, dass die Empfänger seiner Gaben ihm um nichts gewogener, die nicht Beschenkten aber um so erbittertere Feinde von ihm wurden. Immer glänzender ward seine Freigebigkeit, als er auf einmal ganz wider Erwarten bemerken musste, dass der König den Waisen seine Sorge zuwandte und durch Mitleid mit den Nachkommen seiner Söhne der Reue über deren Hinrichtung Ausdruck gab.
2. Eines Tages nämlich versammelte Herodes seine Verwandten und Freunde um sich, stellte ihnen die Kinder vor und sprach thränenden Auges wie folgt: „Ein trauriges Geschick hat mir die Väter dieser Kinder entrissen; sie selbst empfiehlt darum die Stimme der Natur und das Mitgefühl mit ihrer Verlassenheit meiner Fürsorge. So will ich denn versuchen, nachdem ich als Vater so unglücklich gewesen, als Grossvater um so liebreicher zu sein, und ihnen, sollt’ ich von hinnen scheiden, meine besten Freunde als Beschützer hinterlassen. Deine Tochter, Pheroras, verlobe ich daher mit dem ältesten Sohne Alexanders* damit du als sein Vormund mit ihm in engste Verwandtschaft tretest, und mit deinem Sohne, Antipater, verlobe ich die Tochter des Aristobulus — mögest du der Waise ein Vater werden! Ihre Schwester aber soll mein Herodes zur Ehe nehmen, der mütterlicherseits einen Hohepriester zum Grossvater hat. Wer mich nun liebt, der trete dieser meiner Entscheidung bei, und niemand versuche dieselbe umzustossen, wofern ihm meine, Freundschaft etwas gilt. Zu Gott aber flehe ich, dass er diese Verbindungen zum Heile meines Reiches und meiner Enkel segnen und diese Kinder mit gnädigerem Auge anschauen möge, als er ihre Väter angeschaut hat.“
3. Während dieser Ansprache weinte er und legte die Hände der Kinder ineinander. Dann umarmte er jedes von ihnen herzlich und entliess die Versammlung. Antipater aber geriet in die äusserste Bestürzung, und jedermann konnte ihm seinen Ärger am Gesicht ablesen. War er doch der Meinung, die von seinem Vater den Waisen erwiesene Auszeichnung sei gleichbedeutend mit seinem eigenen Sturz, und es stehe für ihn abermals alles auf dem Spiel, wenn die Kinder Alexanders ausser an Archelaus auch noch an dem Tetrarchen Pheroras einen Beschützer haben sollten. Ferner zog er in Erwägung den Hass des Volkes gegen seine Person, desselben Volkes Mitleid mit den Waisen, die Anhänglichkeit, welche die Juden den durch seine Schuld umgekommenen Brüdern während ihres Lebens bewiesen hatten, und das ehrenvolle Andenken, das sie denselben nach ihrem Tode noch bewahrten. Das alles brachte in ihm den Entschluss zur Reife, die Verlobungen um jeden Preis rückgängig zu machen.
4. Listige Kniffe zu gebrauchen, hielt er indes nicht für ratsam, da er seines Vaters Strenge und grosse Reizbarkeit bei argwohnerregenden Anlässen fürchtete. So fasste er sich also ein Herz, ging geradeswegs zum König und bat ihn, er möge ihn doch der Ehre, der er ihn gewürdigt, nicht wieder berauben, indem er anderen die wirkliche Gewalt, ihm selbst aber nur den Titel eines Königs überlasse. Denn er werde wohl niemals zur Regierung gelangen, wenn der Sohn Alexanders ausser an seinem Grossvater Archelaus auch noch an Pheroras als seinem Schwiegervater eine Stütze finde. Er bitte daher inständigst, die Heiratspläne abzuändern, was ja bei der grossen Zahl der Mitglieder des Königshauses nicht schwer fallen könne. Der König war nämlich mit neun Frauen vermählt, von denen sieben ihm Kinder geboren hatten. Antipater selbst war von der Doris, Herodes von der Hohepriesterstochter Mariamne, Antipas und Archelaus sowie die Tochter Olympias, welche seinen Neffen Joseph zum Manne hatte, von der Samariterin Malthake, Herodes und Philippus von der Jerusal ernenn Kleopatra, Phasael von der Pallas. Ferner hatte er zwei Töchter Roxane und Salome, erstere von der Phaedra, letztere von der Elpis, und ausserdem noch zwei Töchter von Alexanders und Aristobulus* Mutter Mariamne. Zwei seiner Frauen, Nichten von ihm, waren kinderlos. Auf diese zahlreiche Nachkommenschaft also stützte Antipater seine Bitte um Abänderung der Verlobungen.
6. Der König aber, der aus diesem Gesuche Antipaters dessen wahre Gesinnung gegen die Waisen erkannte, geriet in heftigen Zorn, und schon stieg die leise Ahnung in ihm auf, es könnten auch die Väter derselben den Intriguen Antipaters zum Opfer gefallen sein. Er erteilte ihm daher eine höchst ungnädige Antwort und wies ihn ab; später jedoch liess er sich durch seine Schmeichelreden umstimmen und gab ihm selbst die Tochter des Aristobulus, seinem Sohne aber die Tochter des Pheroras zur Frau. 6. Wieviel hierbei Antipater durch seine Schmeicheleien vermochte, kann man an Salome ersehen, die mit einem ähnlichen Anliegen beim Könige nicht durchzudringen imstande war. Als sie nämlich im Vertrauen auf die mächtige Fürsprache der Gattin des Caesars, Julia, die Bitte vorbrachte, den Araber Sy 11 aeus heiraten zu dürfen, schwur Herodes ihr, er werde sie, obwohl sie seine leibliche Schwester sei, für seine ärgste Feindin halten, wenn sie von ihrem Verlangen nicht Abstand nehme. Zuletzt vermählte er sie wider ihren Willen mit einem seiner Freunde, Alexas, und von ihren Töchtern die eine mit dem Sohne des Alexas, die andere mit Antipaters Oheim von mütterlicher Seite. Von Mariamnes Töchtern hatte die eine den Sohn seiner Schwester, Antipater, die andere seinen Neffen Phasael zum Gemahl.
1. Nachdem Antipater so die Aussichten der Waisen zunichte gemacht und die ehelichen Verbindungen seinem Interesse gemäss ins Werk gesetzt hatte, glaubte er am Ziel seiner Wünsche zu sein. Das zu seiner Bosheit sich gesellende Selbstgefühl aber machte ihn nun unerträglich, und ausser stände, den allgemeinen Hass von sich abzuwälzen, suchte er sich dadurch Sicherheit zu verschaffen, dass er Schrecken um sich verbreitete. Pheroras, der schon den künftigen König in ihm erblickte, ging ihm dabei hilfreich zur Hand. Obendrein bildete sich am Hofe auch eine Weiberclique, welche die Zerwürfnisse noch vermehrte. Die Gattin des Pheroras nämlich betrug sich im Verein mit ihrer Mutter und ihrer Schwester, an welche sich Antipaters Mutter anschloss, höchst übermütig im Königspalast und erkühnte sich sogar, zwei Töchter des Königs zu beschimpfen. Sie zog sich deswegen den heftigsten Unwillen des Herodes zu, wusste aber trotzdem mit ihren Genossinnen die anderen zu beherrschen. Salome allein störte das Einvernehmen der Clique, indem sie dieselbe beim König an schwärzte, als führe sie nichts Gutes gegen ihn im Schilde. Sobald nun die anderen Frauen erfuhren, dass sie verdächtigt waren und der König über sie ungehalten sei, gaben sie die offenen Zusammenkünfte und den freundschaftlichen Verkehr auf und stellten sich, wenn der König zugegen war, als ob sie in Feindschaft miteinander lebten. An dieser Verstellerei nahm auch Antipater teil, der einmal sogar dem Pheroras eine öffentliche Beleidigung zufügte. Insgeheim jedoch hielten sie auch fernerhin Zusammenkünfte und nächtliche Schmausereien, und das Bewusstsein, beobachtet zu werden, befestigte ihr Einvernehmen nur um so mehr. Salome aber erlangte von ihrem ganzen Treiben Kenntnis und hinterbrachte alles dem Könige.
2. Da entbrannte des Herodes Zorn, und zwar am heftigsten gegen die Gattin des Pheroras, die von Salome in erster Linie verdächtigt worden war. Er berief daher seine Freunde und Verwandten zusammen und brachte unter vielen anderen Klagen über diese Frau auch deren beleidigendes Verhalten gegen seine Töchter zur Sprache, sowie dass sie die Pharisäer durch Geldgeschenke gegen ihn aufgehetzt und durch Zaubertränke ihm das Herz seines Bruders entfremdet habe. Schliesslich wandte er sich in seiner Rede an Pheroras und stellte ihm die Wahl, ob er seinen Bruder oder seine Gattin aufgeben wolle. Als Pheroras darauf erklärte, lieber wolle er sein Leben lassen als sein Weib, wandte sich Herodes, unschlüssig darüber, was er thun sollte, an Antipater, und befahl ihm, jeden Verkehr mit dem Weibe des Pheroras, diesem selbst und seinem Anhang aufzugeben. Dieses Verbot übertrat Antipater von jetzt an zwar nicht offen, brachte aber insgeheim ganze Nächte in Gesellschaft der genannten Personen zu. Da jedoch Salomes Spioniererei auf die Dauer ihm Angst einjagte, veranlasste er durch Vermittlung seiner Freunde in Italien, dass er mit einer Reise nach Rom betraut wurde. Dieselben schrieben nämlich, es sei nötig, dass Antipater binnen kurzem zum Caesar geschickt werde. Daraufhin sandte Herodes ihn unverzüglich mit glänzendem Gefolge und reichlichen Geldmitteln ab, um dem Caesar sein Testament zu überbringen, in welchem als künftiger König Antipater und als dessen Nachfolger Herodes, der Sohn der Hohepriesterstoch ter Mariarane, bezeichnet war.
3. Zur selben Zeit fuhr auch der Araber Syllaeus Dach Rom, der den Befehlen des Caesars nicht nachgekommen war und jetzt von Antipater wegen derselben Dinge verklagt werden sollte, die schon früher Nikolaus gegen ihn vorgebracht hatte. Ausserdem aber hatte Syllaeus auch mit seinem eigenen Könige Aretas sich überworfen, weil er mehrere von dessen Freunden, darunter Soemus, den mächtigsten Mann in Petra, ums Leben gebracht hatte. Mit vielem Gelde hatte er nun des Caesars Verwalter Fabatus auf seine Seite zu bringen versucht und gedachte an ihm auch gegen Herodes eine Stütze zu finden. Herodes aber zog durch ein noch reicheres Geldgeschenk den Fabatus von Syllaeus ab und wollte mit seiner Hilfe die dem Araber vom Caesar auferlegte Geldbusse eintreiben. Syllaeus jedoch verweigerte nicht nur die Zahlung, sondern verklagte auch den Fabatus noch bei Augustus, indem er ihm vorwarf, er versehe sein Verwalteramt nichtfim Interesse des Caesars, sondern in dem des Herodes. Das erbitterte den Fabatus, der bei Herodes noch immer in besonderer Gunst stand, so sehr, dass er die Geheimnisse des Syllaeus verriet und dem König mitteilte, derselbe habe seinen Leibwächter Korinthus bestochen; er solle den Mann nur verhaften lassen. Dieser Angabe schenkte der König um so eher Glauben, als Korinthus im Palast aufgewachsen und Araber von Geburt war. Alsbald nun liess er nicht nur den Korinthus festnehmen, sondern auch noch zwei andere Araber, die man bei ihm vorfand, einen Freund des Syllaeus nämlich und einen Stammeshäuptling. Diese gestanden auf der Folter, den Korinthus durch das Versprechen einer grossen Belohnung zur Ermordung des Herodes verleitet zu haben. So wurden denn auch sie, nachdem Saturninus, der Statthalter von Syrien, sie verhört hatte, mit nach Rom geschickt.
4. Herodes Hess übrigens nicht nach, dem Pheroras wegen Scheidung von seiner Gattin zuzusetzen; denn so viele Gründe er auch hatte, sie zu hassen, so wusste er doch kein anderes Mittel, sich an ihr zu rächen, bis er endlich im Überm ass des Unwillens seinen Bruder samt dessen Gattin von seinem Hofe verwies. Diese Kränkung nahm Pheroras indes gleichmütig auf und zog sich in seine Tetrarchie zurück, schwor aber dabei, dass erst mit dem Tode des Herodes seine Abwesenheit vom Hof ihr Ende erreichen solle und dass er während seines Bruders Lebzeiten nie mehr dahin zurückkehren werde. Getreu diesem Schwur weigerte er sich denn auch, zu Herödes zu kommen, als dieser krank wurde, obwohl derselbe ihn dringend darum bitten liess, weil er in Bälde sterben zu müssen glaubte und ihm noch einige Aufträge hinterlassen wollte; doch genas er unverhofft. Bald nachher erkrankte auch Pheroras, und nun benahm Herodes sich versöhnlicher, reiste zu seinem Bruder und pflegte ihn sorgsajn. Pheroras aber überstand die Krankheit nicht, sondern starb nach wenigen Tagen, und obwohl Herodes ihn bis an sein Ende geliebt hatte, munkelte man doch, er habe auch ihn, und zwar mit Gift, ums Leben gebracht. Seinen Leichnam liess er nach Jerusalem bringen, schrieb dem ganzen Volk die tiefste Trauer vor und hielt dem Toten ein prunkvolles Leichenbegängnis. Einer der Mörder Alexanders und seines Bruders Aristobulus hatte somit sein Ende gefunden.
1. Bald aber ereilte auch den eigentlichen Urheber des Frevels, Antipater, seine Strafe, und zwar gab der Tod des Pheroras dazu den Anlass. Einige Freigelassenen des letzteren nämlich kamen tief betrübt zum Köüig und teilten ihm mit, sein Bruder sei durch Gift ums Leben gekommen. Seine Gattin habe ihm ein ganz ungewöhnlich zubereitetes Gericht auftragen lassen, nach dessen Genuss er sogleich erkrankt sei, und zwei Tage vorher seien deren Mutter und Schwester mit einem kräuterkundigen Weibe aus Arabien an gekommen, um dem Pheroras einen Liebestrank zu bereiten. Statt dessen aber habe das Weib auf Anstiften des Syllaeus, mit dem sie bekannt gewesen, ihm ein todbringendes Gift gereicht
2. Erschüttert von den vielen sich ihm aufdrängenden argwöhnischen Gedanken, liess nun der König eine Anzahl Sklavinnen und mehrere freie Dienerinnen der Folter unterwerfen, wobei eine der letzteren in Ihren Qualen ausrief: „Möge Gott, der Herr des Himmels und der Erde, die Urheberin dieser unserer Leiden, Antipaters Mutter, zur Strafe ziehen!“ Diese Äusserung gab dem König einen Anhaltspunkt, von dem aus er zur weiteren Erforschung des Sachverhaltes übergehen konnte. Die Gefolterte enthüllte darauf den vertrauten Verkehr der Mutter Antipaters mit Pheroras und seinen Frauen sowie ihre heimlichen Zusammenkünfte, berichtete auch, wie Pheroras und Antipater, wenn sie vom Könige gekommen seien, mit den Weibern ganze Nächte unter Ausschluss aller männlichen und weiblichen Dienerschaft gezecht hätten. Diese Aussagen machte eine der freien Dienerinnen.
3. Alsdann liess Herodes auch die Sklavinnen einzeln foltern, und alle machten dieselben Angaben wie die zuerst verhörte Dienerin, fügten auch noch hinzu, es sei zwischen Antipater und Pheroras verabredet gewesen, dass ersterer nach Rom reisen, letzterer nach Peraea sich zurückziehen sollte. Denn zu wiederholten Malen hätten sie geäussert, Herodes werde wohl jetzt, nachdem er Alexander und Aristobulus beseitigt habe, auch gegen sie und ihre Frauen wüten; vor dem, der eine Mariamne und deren Kinder habe umbringen können, sei eben niemand mehr sicher. Es sei daher geratener, dieser Bestie soweit als möglich aus dem Wege zu gehen. Oft auch habe Antipater seiner Mutter geklagt, er sei jetzt schon ergraut, während sein Vater täglich jünger aussehe, und schliesslich werde er wohl noch aus dem Leben scheiden, ehe er zur wirklichen Regierung gelange. Aber selbst wenn Herodes vor ihm sterbe — und wie lange könne das noch dauern —, werde er sich nur kurze Zeit des Besitzes der Herrschaft erfreuen; denn die Köpfe der Hydra, Aristobulus’ und Alexanders Kinder, wüchsen nach, und seinen eigenen Kindern habe ja der König alle Hoffnung abgeschnitten, indem er in seinem Testament keines von diesen, sondern Herodes, den Sohn der Mariamne, als Thronfolger nach seinem (Antipaters) Tod in Aussicht genommen habe. Aber darin tausche sich der alte Mann doch sehr, wenn er meine, sein Testament sei keiner Änderung fähig; er (Antipater) werde Bchon dafür sorgen, dass keiner von des Königs Nachkommen am Leben bleibe. Kein Vater habe je seine Kinder so gehasst, wie Herodes, aber noch grösser sei sein Bruderhass. So habe er ihm jüngst hundert Talente gegeben, damit er mit Pheroras kein Wort mehr spreche. Auf dessen Frage, was er denn dem König zuleide gethan, habe Antipater erwidert; „Wir können schon zufrieden sein, wenn er, nachdem er uns alles genommen, uns nur das nackte Leben lässt. Aber es ist unmöglich, einem so mordgierigen Ungeheuer zu entrinnen, das es nicht einmal gern sieht, wenn man anderen offen seine Zuneigung beweist. Jetzt freilich kommen wir noch insgeheim zusammen, bald jedoch werden wir dies auch öffentlich thun können, wenn wir einmal das Herz und die Faust echter Männer besitzen/*
4. Also sagten die gefolterten Sklavinnen aus und fügten' noch hinzu, Pheroras habe beabsichtigt, mit ihnen nach Peraea zu entfliehen. Was nun dem Könige alle diese Angaben besonders glaubhaft machte, war die Erwähnung der hundert Talente; denn davon hatte er nur mit Antipater allein gesprochen. Zunächst entlud sich infolgedessen sein Zorn über Antipaters Mutter Doris. Ihr nahm er allen Schmuck im Werte von vielen Talenten, den er ihr früher geschenkt hatte, wieder ab und verstiess sie zum zweitenmal. Die Weiber des Pheroras dagegen begnadigte er und liess sie von den durch die Folterung entstandenen Verletzungen heilen. Von jetzt an war er übrigens vor Angst wie ausser sich. Der leiseste Verdacht versetzte ihn schon in Aufregung, und er liess eine Menge Unschuldiger zur Folter schleppen, um nur ja keinen Schuldigen zu übergehen.
5. So kam er auch an den Samariter Antipater, den Verwalter seines Sohnes Antipater. Auf der Folter sagte dieser aus, sein Herr habe durch einen seiner Freunde, Antiphilus, ein tödliches Gift zur Ermordung des Königs aus Aegypten kommen lassen. Von Antiphilus habe Antipaters Oheim Theudion dasselbe in Empfang genommen und es dem Pheroras eingehändigt, der von Antipater beauftragt worden sei, Herodes damit umzubringen, während er selbst in Rom ausser dem Bereich des Verdachtes sich befinde. Pheroras aber habe das Gift seiner Gattin zur Aufbewahrung gegeben. Die letztere liess nun der König sogleich rufen und befahl ihr, den ihr an vertrauten Gegenstand herbeizuschaffen. Sie ging, anscheinend um das Verlangte zu holen, hinaus, stürzte sich aber dann vom Dach hinab, um der Untersuchung und der vom Könige angeordneten Folterung zu entgehen. Hierbei jedoch fiel sie durch augenscheinliche Fügung Gottes, der den Antipater strafen wollte, nicht auf den Kopf, sondern auf andere Körperteile, und kam so mit dem Leben davon. Als man sie nun brachte, liess dier König ihr, weil sie vom Falle noch betäubt war, erquickende Mittel reichen und fragte sie dann, aus welchem Grunde sie sich hinabgestürzt habe. Wenn sie die Wahrheit gestehe, so wolle er, wie er eidlich versicherte, ihr alle Strafen erlassen; verheimliche sie dagegen etwas, so werde er ihren Leib auf der Folter derart zurichten lassen, dass nichts mehr davon zum Begräbnis übrig bleibe.
6. Hierauf entgegnete das Weib nach kurzem Bedenken: „Wozu soll ich noch das Geheimnis bewahren, da Pheroras tot ist? Und wozu soll ich Antipater schonen, der uns alle zu Grunde richten wollte? So höre denn, o König, und ausser dir sei Gott, den man nicht hintergehen kann, mein Zeuge, dass ich die Wahrheit sage. Als du, in Thränen gebadet, bei dem sterbenden Pheroras weiltest, rief er mich zu sich und sprach: „„Wahrlich gar sehr, liebes Weib, habe ich mich über die Gesinnung getäuscht, die mein Bruder gegen mich hegt. Gehasst habe ich ihn, der mich so innig liebt, und töten wollte ich den, der mich jetzt schon, da ich noch nicht gestorben bin, so tief betrauert. Ich freilich empfange nur den gerechten Lohn für meine Lieblosigkeit; du aber hole das für ihn bestimmte Gift, das Antipater uns hiergelassen hat und das du aufbewahrst, herbei und vernichte es sogleich vor meinen Augen, damit ich nicht den Rachegeist mit mir in die Unterwelt nehme. ““ Seinen Befehl vollzog ich, holte das Gift und schüttete den grössten Teil davon vor seinen Augen ins Feuer, den Rest aber bewahrte ich für mich aus Furcht vor dir und für den Fall der Not. auf.“
7. Mit diesen Worten langte sie die Büchse hervor, die noch etwas Gift enthielt Der König aber liess die Mutter und den Bruder des Antiphilus peinlich befragen, und diese bekannten denn auch, Antiphilus habe die Büchse aus Aegypten mitgebracht, wo er sie samt dem Gift von seinem Bruder, einem Arzt in Alexandria, erhalten habe. So brachten die im Palast umgehenden Geister der Brüder Alexander und Aristobulus verborgene Frevelthaten ans Licht und zogen diejenigen, auf die sich am wenigsten der Verdacht lenkte, zur Verantwortung. Denn auch die Hohepriesterstochter Mariamne ward überführt, um die Verschwörung gewusst zu haben; ihre eigenen Brüder hatten es auf der Folter ausgesagt. Für die Frevel that der Mutter aber liess der König den Sohn büssen, indem er den zum Nachfolger Antipaters bestimmten Herodes aus dem Testamente strich.
1. Schliesslich trat auch noch ein gewisser Bathyllus als Zeuge auf und lieferte die vollgiltigsten Beweise für die Anschläge Antipaters, dessen Freigelassener er war. Er brachte ein anderes tödliches Mittel zum Vorschein, Natterngift und Säfte von sonstigem Gewürm, womit Pheroras und dessen Gattin sich gegen den König waffnen sollten für den Fall, dass das erste Gift seine Wirkung versagen würde. Gewissermassen als Anhang zu den vatermörderischen Plänen legte er dann noch Briefe vor, deren Inhalt von Antipater zum Sturze seiner Brüder ersonnen war. Zwei Söhne des Königs nämlich» Archelaus und Philippus, die bereits im Jünglingsalter standen und voll hohen Strebens waren, hielten sich ihrer Bildung halber in Rom auf. Um nun diese Jünglinge, die seine Aussichten zunichte zu machen drohten, möglichst rasch aus dem Wege zu räumen, schrieb Antipater teils selbst falsche Briefe unter dem Namen seiner Freunde in Rom, teils bestach er andere mit Geld, Briefe zu schreiben, welche besagten, die beiden Prinzen schmähten häufig ihren Vater, beklagten offen Alexanders und Aristobulus, Geschick und seien sehr unwillig darüber, dass sie heimkehren sollten. Ihr Vater hatte sie nämlich soeben zurückberufen, was den Antipater im höchsten Grade beunruhigte.
2. Übrigens hatte er schon vor seiner Abreise, als er noch in Judaea weilte, dergleichen Briefe gegen sie für Geld von Rom aus schreiben lassen, ohne den Argwohn seines Vaters wachzurufen; denn er selbst trat als Verteidiger seiner Brüder auf, indem er bald das Geschriebene für falsch erklärte, bald ihre Vergehungen als jugendlichen Leichtsinn darstellte. Weil er aber auf diese Weise grosse Geldsummen für diejenigen aufzuwenden hatte, welche die Briefe gegen seine Brüder schrieben, suchte er etwaige Zeugen irrezuleiten und kaufte kostbare Kleider, bunte Teppiche, silberne und goldene Trinkgefässe sowie eine Menge anderer Gegenstände zusammen, um hinter der Grösse der Ausgaben für diese Sachen den Lohn für die Brieffälscher zu verstecken. Schliesslich betrug die Rechnung für seinen Gesamtaufwand an zweihundert Talente, die, wie er vorgab, grösstenteils der Prozess mit Syllaeus verschlungen habe. Da nun durch sämtliche Aussagen auf der Folter der Vatermord, durch die Briefe aber ein abermaliger Mordplan gegen seine Brüder laut bezeugt wurde, so waren damit alle seine Schandthaten, die kleineren wie die grösseren, völlig enthüllt. Dennoch teilte ihm niemand von denen, die nach Rom kamen, mit, wie schlimm die Sachen für ihn in Judaea standen, obwohl zwischen jenen Verhören und seiner Rückkehr sieben Monate verflossen: so gross und allgemein war der Hass, den man gegen ihn empfand. Vielleicht schlossen auch die Schatten der gemordeten Brüder denen den Mund, welche ihn gern benachrichtigt hätten. So kündigte er denn vergnügt in einem Briefe seine baldige Rückkehr von Rom an und berichtete zugleich, wie ehrenvoll er vom Caesar verabschiedet worden sei.
3. Der König nun, der vor Begierde brannte, den Ränkestifter in seine Gewalt zu bekommen, aber auch besorgt war, dieser möchte die Sache vorher erfahren und auf seiner Hut sein, spielte in seinen Briefen an ihn auch seinerseits den Heuchler, schrieb ihm recht freundlich und ermahnte ihn besonders zur Eile; falls er seine Heimreise beschleunige, werde er, Herodes, auch den Klagen gegen seine Mutter ein Ende machen können. Die Verstossung seiner Mutter war nämlich Antipater nicht unbekannt geblieben. Schon vorher hatte er in Tarent auch einen Brief erhalten, der Ihm den Tod des Pheroras meldete, und grosse Trauer um letzteren getragen. Manche wollten ihm dieses Verhalten als ein Zeichen besonderer Anhänglichkeit an seinen Oheim hoch anrechnen; doch scheint es, dass er im Grunde nur wegen des Misslingens der Verschwörung niedergeschlagen war und also in Pheroras nur den Helfershelfer seiner Schlechtigkeit beweinte. Übrigens beschlich ihn im Gedanken an seine Frevelthaten bereits die Angst, das Gift möchte entdeckt worden sein. Als er aber in Gilicien den erwähnten Brief seines Vaters erhielt, reiste er sogleich eiligst weiterund landete alsbald in Kelenderis, wo ihn der Gedanke an das Unglück seiner Mutter quälte und auch bereits seiner selbst wegen bange Ahnungen ihn erfüllten. Seine besonneneren Freunde rieten ihm nun, sich nicht eher vor seinem Vater blicken zu lassen, als bis er erfahren habe, aus welchem Grunde seine Mutter verstossen worden sei; dehn es stehe zu befürchten, dass die Anklage gegen sie auch ihn in Mitleidenschaft ziehen würde. Die Unvorsichtigeren hingegen, die nicht sowohl Antipaters Interesse im Auge hatten, als vielmehr möglichst bald ihre Heimat wiederzusehen wünschten, trieben ihn zur Eile, indem sie ihn ermahnten, er solle doch nicht durch Zögern den Argwohn seines Vaters erregen und den Verleumdern einen willkommenen Anlass bieten. Denn wenn bis jetzt etwas gegen ihn angestellt worden sei, so habe das nur seine Abwesenheit begünstigt, während in seiner Anwesenheit niemand sich dessen erdreisten würde. Unvernünftig handle er also, wenn er um eines unsicheren Verdachtes willen sicherer Vorteile sich begeben wolle. Er solle vielmehr so rasch wie möglich sich dem Vater in die Arme werfen und die Königskrone zu erlangen trachten, die auf des Herodes Haupt, so lange dieser allein sei, schwanke. Von seinem bösen Dämon getrieben, gab Antipater dem letzteren Rate nach, schiffte sich ein und landete alsbald in Sebastos, dem Hafen von Caesarea.
4. Hier aber fand er sich wider Erwarten einsam und verlassen: jeder ging ihm aus dem Wege, und niemand wagte es, sich ihm zu nähern. Allen nämlich war er in gleichem Masse verhasst, und dieser Hass durfte sich jetzt offen zeigen. Viele mieden ihn auch aus Furcht vor dem Könige; denn die ganze Stadt durchschwirrten bereits böse Gerüchte über Antipater, der allein keine Ahnung davon hatte, wie es um ihn stand. Nie ward jemand glänzender verabschiedet, als er bei seiner Abreise von Rom, nie aber auch jemand weniger ehrenvoll empfangen. Schon fing er übrigens an, das Unglück zu wittern, das ihn zu Hause erwartete; doch war er schlau genug, sich das nicht merken zu lassen. Innerlich halbtot vor Angst, zwang er sich, die Miene stolzer Zuversicht zur Schau zu tragen. Einen Weg zur Flucht gab es nicht, und auch sonst sah er keine Möglichkeit, sich aus der Schlinge zu ziehen. Etwas Sicheres über die Vorgänge zu Hause aber erfuhr er auch hier nicht, weil der König jede diesbezügliche Mitteilung aufs strengste verboten hatte. So blieb ihm denn nur noch der eine Hoffnungsschimmer, dass vielleicht nichts entdeckt worden sei, oder wenn auch, dass er durch unverschämtes Auftreten und listige Kniffe doch noch die Anklage entkräften könne; ein anderer Ausweg zu seiner Rettung war nicht denkbar.
5. In dieser Verfassung betrat er den Königspalast, jedoch ohne seine Freunde; denn diese waren am ersten Thore höhnisch zurückgewiesen worden. Im Inneren war zufällig Varus, der Statthalter von Syrien, anwesend. Antipater ging nun zu seinem Vater hinein, und all seine Dreistigkeit zusammennehmend, näherte er sich ihm, um ihn zu umarmen. Herodes aber streckte die Hände vor, wandte den Kopf weg und rief aus: „Dessen kann auch nur ein Vatermörder sich erfrechen, mich umarmen zu wollen, wenn er solche Schuld auf sich geladen hat! Zum Henker mit dir, ruchloser Mensch, und rühre mich nicht an, bis du dich von der Schuld gereinigt hast! Ein Gericht will ich dir jetzt geben, und einen Richter in der Person des Varus, der gerade zu gelegener Zeit gekommen ist. Fort nun, und besinne dich auf deine Verteidigung bis morgen; denn diese Frist will ich dir zu deinen Schlichen noch einräumend Vor Bestürzung unfähig, etwas darauf zu erwidern, zog Antipater sich zurück und erhielt alsbald den Besuch seiner Mutter und seiner Gattin, die ihn mit sämtlichen Beweisen bekannt machten. Allmählich fasste er sich dann wieder so weit, dass er an seine Verteidigung zu denken vermochte.
1. Am folgenden Tage berief der König eine Versammlung seiner Freunde und Verwandten, zu der er auch Antipaters Freunde einlud. Den Vorsitz führte er selbst in Gemeinschaft mit Varus. Er liess nun die sämtlichen Zeugen vorführen, unter denen sich auch einige erst kürzlich verhaftete Diener der Mutter Antipaters befanden, welche einen Brief von ihr an Antipater überbracht hatten. Dieser Brief hatte folgenden Wortlaut: „Da alles Bewusste zur Kenntnis deines Vaters gelangt ist, so hüte dich, in seine Nähe zu kommen, es sei denn, du könntest auf die Hilfe des Caesars rechnen.“ Als nun diese sowie alle anderen Zeugen vorgeführt waren, trat Antipateriein, fiel zu seines Vaters Füssen auf sein Angesicht nieder und sprach: „Ich bitte dich, Vater, du wollest mich nicht im voraus verdammen, sondern meiner Verteidigung gnädiges Gehör schenken; denn wenn du es gestattest, werde ich meine Unschuld beweisen.“
2. Herodes aber herrschte ihn an, er solle schweigen, und sprach dann, zu Varus gewandt: „Wie jeder gewissenhafte Richter, so wirst auch du, Varus, des bin ich sicher, in Antipater einen höchst verworfenen Menschen erkennen. Ich fürchte nur, du möchtest dich voll Abscheu von mir wenden und glauben, ich verdiente all dieses Unglück, weil ich solchen Söhnen das Leben gegeben habe. Und doch bin ich deswegen im Grunde bemitleidenswert, weil ich diesen Bösewichtern von Söhnen noch ein so liebevoller Vater war. Meinen früheren Söhnen habe ich schon, als sie noch Jünglinge waren, Königsrang zuerkannt, habe sie in Rom bilden lassen, sie zu Freunden des Caesars und damit zum Gegenstände des Neides für andere Könige gemacht. Aber ich fand, daBS sie mir nach dem Leben trachteten, und so mussten sie, vornehmlich Antipater zulieb, sterben; denn ihm, dem jungen Thronfolger, wollte ich in erster Linie Sicherheit verschaffen. Diese schreckliche Bestie jedoch missbrauchte meine Geduld und kehrte ihre ganze Wut gegen mich. Mein Leben dauerte Antipater zu lange, mein Alter ward ihm unbequem, und nicht anders als durch Vatermord wollte er König werden. Strafe sollte ich dafür verdient haben, dass ich den Verstossenen vom Lande wieder hereinholte, die Söhne, die eine Königin mir geboren, überging und ihn zum Thronfolger ernannte. Das war allerdings, ich gestehe es dir, Varus, arge Verblendung von mir. Jene Söhne habe ich gegen mich aufgebracht, weil ich ihre gerechten Ansprüche zu gunsten Antipaters unterdrückte. Wann aber habe ich denselben jemals solche Wohlthaten erwiesen, wie diesem hier? Obwohl selbst noch am Leben, habe ich ihm fast meine ganze Gewalt eingeraumt, habe ihn ausdrücklich im Testament als Thronfolger bezeichnet, habe ihm fünfzig Talente eigener Einkünfte zugewiesen, ihm noch reichliche Mittel dazu aus meiner Privatkasse bewilligt, ihm jüngst bei seiner Abreise nach Rom dreihundert Talente gegeben und ihn allein vor meiner ganzen Familie dadurch ausgezeichnet, dass ich ihn als den Retter seines Vaters dem Caesar empfahl. Was haben jene anderen sich zu schulden kommen lassen, das mit Antipaters Frevelthaten verglichen werden könnte? Und wann wurden jemals gegen sie solche Beweise vorgebracht, wie gegen diesen Bosewicht? Doch der Vatermörder hat sich ja erkühnt, hier noch etwas zu seiner Verteidigung anzuführen, und hofft abermals die Wahrheit durch trügerische Künste verhüllen zu können. Sieh dich also vor, Varus! Ich kenne das Ungeheuer, ich sehe schon voraus, wie er sich den Schein der Glaubwürdigkeit zu geben und durch sein heuchlerisches Gewinsel Eindruck zu machen versuchen wird. Er ist es, der mich warnte, vor Alexander, so lange dieser noch lebte, mich in acht zu nehmen und meine Person nicht jedermann anzuvertrauen. Er ist es ferner, der Zutritt zu meinem Schlafgemach hatte und aufpasste, dass niemand mir nachstellen möchte. Er ist es endlich, der meinen Schlaf bewachte, der für meine Sicherheit sorgte, der mich in meiner Trauer über die Hingerichteten tröstete, der die Gesinnung seiner noch lebenden Brüder zu beobachten hatte, kurz: er war mein Hüter und Leibwächter. Wenn ich nun, o Varus, seine Arglist und Heuchelei bedenke, so vermag ich kaum zu begreifen, wie ich noch lebe und einem so durchtriebenen Verräter entrinnen konnte. Aber da einmal, wie es scheint, ein böser Dämon mein Haus zu veröden und meine liebsten Angehörigen gegen mich aufzuhetzen trachtet, so kann ich nur die Ungerechtigkeit meines Geschickes beklagen und meine Vereinsamung beweinen. Niemand indes, der nach meinem Blute dürstet, soll mir entschlüpfen, und machte der Schuldbeweis auch die Runde dnrch alle meine Kinder!“
3. Hier vermochte der König vor Erschütterung nicht weiter zu reden und hiess daher seinen Freund Nikolaus die Beweise vortragen. Mittlerweile richtete Antipater, der bis dahin zu Füssen seines Vaters hingestreckt gelegen hatte, sich auf und rief: „Du selbst, Vater, hast meine Verteidigung geführt! Denn wie kann ich ein Vatermörder sein, da du an mir, wie du selbst gestehst, beständig einen Wächter hattest? Meine kindliche Liebe, sagst du freilich, sei nichts als Lug und Trug gewesen. Wie aber müsste ich, der ich sonst in allem so schlau sein soll, doch so unsinnig gewesen sein, um nicht einzusehen, dass, wer solche Schandthaten ins Werk setzt, nicht einmal vor den Menschen sich zu verbergen weiss, geschweige denn vor dem allsehenden und allgegenwärtigen Richter im Himmel! Oder war mir etwa das Ende meiner Brüder unbekannt, die Gott für den verbrecherischen Anschlag gegen dich so schwer gezüchtigt hat? Und was soll mich denn wider dich aufgebracht haben? Etwa die Aussicht, König zu werden? Aber ich war ja König! Oder der Gedanke, von dir gehasst zu sein? Ward ich denn nicht geliebt? Oder dass ich deinetwegen mich vor anderen fürchten musste? Aber ich war ja vielmehr anderen furchtbar dadurch, dass ich dich beschützte! Oder vielleicht Geldmangel? Wer durfte denn grösseren Aufwand machen als ich? Wäre ich aber auch der verworfenste aller Menschen und besässe ich die Tücke des wilden Tieres, hätten mich dann nicht, o Vater, deine Wohlthaten bezähmen müssen, da du mich, wie du selbst sagtest, in dein Haus wieder aufgenommen, deinen vielen übrigen Kindern vorgezogen, noch bei deinen Lebzeiten zum Könige ernannt und durch eine Menge anderer Auszeichnungen zum Gegenstände des Neides gemacht hast? O, welch ein Unglück ist diese verwünschte Reise für mich geworden! Wieviel Anlass habe ich dadurch der Missgunst, wie lange Frist meinen Verleumdern gegeben! Aber dir zulieb, Vater, und in deinem Interesse habe ich doch die Reise unternommen, damit nicht Syllaeus deines Alters spotte. Rom ist Zeuge meiner kindlichen Liebe, und nicht minder der Caesar, der mich oft den Vaterliebenden nannte. Nimm, Vater, dieses Schreiben von ihm, das glaubwürdiger ist als die hier gegen mich vorgebrachten Verleumdungen; es ist auch zugleich mein einziger Verteidiger und soll Zeugnis ablegen von meiner zärtlichen Liebe zu dir. Erinnere dich, wie ungern ich ahreiste, da ich die heimliche Feindseligkeit, die man im Reiche gegen mich hegte, wohl kannte. Du, Vater, hast, ohne es zu wollen, mich ins Verderben gestürzt, indem du mich nötigtest, dem Neide Zeit zum Anschwärzen zu lassen. Nun aber bin ich wieder da, bin da, um den Beweisen entgegen zu treten, und zu Wasser wie zu Lande ist der Vatermörder wohlbehalten geblieben. Freilich hilft mir dieses Zeugnis nichts, denn bei Gott und bei dir, Vater, bin ich verdammt. Als Verdammter aber bitte ich dich, du wollest nicht den Aussagen trauen, die andere auf der Folter gemacht — sondern gegen mich selbst bringe man das Feuer heran, und in meinen Eingeweiden mögen die Marterwerkzeuge wühlen I Schonet dann meiner nicht, wenn ihr das Jammern hört, das von dem verruchten Körper ausgeht I Denn wenn ich wirklich ein Vatermörder bin, so darf ich nicht ungefoltert sterben.“ Diese Worte stiess Antipater unter Weinen und Schluchzen hervor und rührte damit alle übrigen Anwesenden sowohl als auch den Varus zum Mitleid. Herodes allein in seinem Grolle blieb thränenlos, denn er wusste zu gut, wie begründet die Anklage war.
4. Auf Befehl des Königs nahm nun Nikolaus das Wort und richtete, nachdem er Antipaters Arglist besprochen und das ihm entgegengebrachte Mitleid wieder zerstreut hatte, eine scharfe Anklage wider ihn. Er legte ihm nämlich sämtliche Schandthaten zur Last, die im Königspalast vorgekommen waren, besonders aber den Untergang der beiden Brüder, der, wie er zeigte, Antipaters Ränken allein beizumessen war. Überdies, fuhr er fort, stelle derselbe auch noch den übrigen Mitgliedern des Königshauses nach, die ihm seiner Meinung nach die Thronfolge gefährdeten. Denn wer seinem Vater einen Gifttrank habe bereiten können, der werde auch vor der Ermordung seiner Brüder nicht zurückschrecken. Indem Nikolaus sich dann zu den Beweisen für den beabsichtigten Giftmord wandte, ging er der Reihe nach die Zeugenaussagen durch und gab insbesondere seiner Entrüstung darüber Ausdruck, dass Antipater auch den Pheroras zum Brudermörder gemacht und durch Verführung der besten Freunde des Königs den Palast in eine Verbrecherhöhle umgewandelt habe. So fuhr er noch eine Weile mit der Darlegung von Beweisen fort und schloss dann seine Rede.
5. Als Varus hierauf an Antipater die Frage richtete, was er zu seiner Rechtfertigung anzuführen habe, brachte dieser nichts weiter als die Worte hervor: „Gott ist Zeuge meiner Unschuld“, und blieb schweigend liegen. Varus liess nun das Gift bringen und es einem zum Tode verurteilten Gefangenen eingeben, der infolgedessen sogleich tot niederfiel. Nachdem sodann der Statthalter noch eine geheime Unterredung mit Herodes gehabt, erstattete er dem Caesar schriftlichen Bericht über die Verhandlung und reiste tags darauf weg. Der König aber liess Antipater in Fesseln legen und ordnete eine Gesandtschaft ab, um dem Caesar von seinem Unglück Nachricht zu geben.
6. Gleich nach diesen Vorgängen ward auch noch ein Anschlag Antipaters gegen Salome entdeckt. Von Rom nämlich war ein Diener des Antiphilus mit Briefen von Akme, einer *Kammerfrau der Julia, angekommen. Diese Akme schrieb dem Könige, sie habe in den Papieren der Julia Briefe von Salome gefunden und übersende ihm dieselben anbei insgeheim aus Ergebenheit gegen ihn. Die Briefe aber enthielten die bittersten Schmähungen und schwersten Beschuldigungen wider den König und waren von Antipater gefälscht worden, der auch die Akme durch Bestechung veranlasst hatte, sie dem Herodes zu senden. Überführt wurde nun Antipater durch einen an ihn selbst gerichteten Brief, in welchem Akme schrieb: „Ich habe deinem Aufträge gemäss an deinen Vater geschrieben und ihm die bewussten Briefe geschickt. Der König wird, des bin ich gewiss, seine Schwester nicht am Leben lassen, wenn er dieselben gelesen hat. Ist alles glücklich abgelaufen, so wirst du hoffentlich deine Versprechungen nicht vergessen.“
7. Als dieser sowie die gegen Salome gerichteten Briefe aufgefangen waren, da erst regte sich beim Könige der Verdacht, es möchten solche Fälschungen auch gegen Alexander begangen worden sein. Der Gedanke übrigens, dass Antipater ihn beinahe zum Mörder seiner Schwester gemacht hätte, erbitterte ihn so heftig, dass er denselben ohne weiteren Aufschub für alle seine Verbrechen büssen lassen wollte. Doch als er eben Anstalten dazu traf, ward er von einer schweren Krankheit befallen. Er gab nun in betreff der Akme sowie der gegen Salome geschmiedeten Ränke dem Caesar Nachricht, liess sich alsdann sein Testament bringen und änderte dasselbe dahin ab, dass er mit Übergehung seiner ältesten Söhne Archelaus und Philippus, die Antipater gleichfalls bei ihm verdächtigt hatte, den Antipas als Thronerben bezeichnete. Dem Caesar vermachte er ausser den nicht in Geld bestehenden Geschenken tausend und dessen Gattin, Kindern, Freunden und Freigelassenen etwa fün/hundert Talente; an viele andere Personen verteilte er Ländereien; mit den glänzendsten Geschenken aber bedachte er seine Schwester Salome. In dieser Weise änderte Herodes sein Testament.
1. Des Königs Krankheit aber verschlimmerte sich mehr und mehr, wozu besonders Kummer und Alter das ihrige beitrugen. Er war nämlich fast siebzig Jahre alt, und das Unglück, das er mit seinen Kindern gehabt, hatte sein Gemüt derart verdüstert, dass er nicht einmal in gesunden Tagen seines Lebens so recht froh geworden war. Eine weitere Steigerung erfuhr die Krankheit durch den Gedanken, dass Antipater noch lebe; doch wollte er ihn vorläufig noch nicht, sondern erst nach seiner Wiedergenesung hinrichten lassen.
2. Um das Unheil voll zu machen, brach nun auch noch ein Volksaufstand aus. Es lebten damals in der Stadt zwei Schriftgelehrte, die für besondere Kenner des väterlichen Gesetzes galten und darum beim Volke in sehr hohem Ansehen standen, Judas, der Sohn des Sepphoraeus, und Matthias, der feohn des Margalos. Wenn diese Männer das Gesetz erklärten, strömten die jungen Leute in Menge bei ihnen zusammen, und so lehrten sie tagtäglich vor einem ganzen Heere von Zuhörern. Als sie nun erfuhren, wie Gram und Krankheit den König allmählich verzehre, liessen sie ihren Schülern gegenüber die Worte fallen, jetzt sei es an der Zeit, die Ehre Gottes zu verteidigen und die dem Gesetz der Väter zuwider errichteten Bildwerke zu zerstören. Denn ungesetzlich sei es, an dem Tempel Standbilder, Büsten oder sonstige Bildwerke anzubringen, die den Namen lebender Wesen trügen. Herodes nämlich hatte über dem grossen Tempelthor einen goldenen Adler aufstellen lassen, und eben diesen rieten die Schriftgelehrten herunterzureissen, indem sie hinzufügten, wenn auch Gefahr damit verbunden sein sollte, so sei es dooh ehrenvoll, für das väterliche Gesetz zu sterben. Wer so ende, dessen Seele werde unsterblich sein und ewige Glückseligkeit gemessen, und nur unedle Menschen, die jeder wahren Weisheit bar seien und kein Verständnis dafür hätten, was ihrer Seele fromme, zögen den Tod durch Krankheit dem Heldentode vor.
3. Zugleich mit diesen Reden verbreitete sich das Gerücht, der König liege in den letzten Zügen, und nun gingen die jungen Leute um so dreister ans Werk. Mitten am Tage, während eine Menge Volkes in der Nähe des Tempels sich auf hielt, liessen sie sich an
4. Der übermässige Zorn, in welchen der König hierüber geriet, bewirkte eine Besserung seiner Krankheit, sodass er persönlich in eine Volksversammlung gehen konnte, wo er in langer Rede die jungen Leute als Tempelschänder anklagte, die unter dem Vorwand, das Gesetz zu schützen, weitergehende Absichten verfolgten. Sodann verlangte er, sie sollten als Gotteslästerer bestraft werden. Weil aber das Volk fürchtete, es könnten eine Menge Menschen in die Untersuchung verwickelt werden, bat es ihn zunächst, er möge nur die Anstifter bestrafen, und hernach, er möge nur gegen die bei der That Ertappten einschreiten, den übrigen dagegen Verzeihung gewähren. Der König, der nur ungern nachgab, liess nun die, welche sich an den Seilen herabgelassen hatten, samt jenen Schriftgelehrten lebendig verbrennen, während er die anderen Verhafteten dem Henker zur Hinrichtung überantwortete.
5. Von da an ergriff die Krankheit seinen ganzen Leib und erzeugte in dessen einzelnen Teilen verschiedenartige Leiden. Das Fieber war zwar nicht heftig, aber auf der ganzen Körperoberfläche empfand er unerträgliches Jucken und in den Eingeweiden beständige Schmerzen. An den Füssen bildeten sich Anschwellungen wie bei Wassersüchtigen, im Unterleib eine Entzündung und an den Schamteilen ein fauliges Geschwür, welches Würmer erzeugte. Ausserdem quälten ihn Atembeechwerden, die ihm das Liegen unmöglich machten, und Krämpfe in allen Gliedern.- Die Wahrsager erklärten, die Krankheit sei eine Strafe für die Tötung der Schriftgelehrten. Er selbst hing, wiewohl er so viele Qualen auszustehen hatte, dennoch mit Zähigkeit am Leben, erhoffte seine Genesung und sann auf Heilmittel. Und alsbald liess er sich über den Jordan bringen, um die warmen Quellen von Kallirrhoe zu gebrauchen, deren Wasser in den Asphaltsee fliesst und so süss ist, dass man es auch trinken kann. Dort hielten die Ärzte es für angezeigt, seinen ganzen Leib in warmem Oel zu baden. Als man ihn aber in eine mit Oel gefüllte Wanne setzte, wurde es ihm schwarz vor den Augen, und er verdrehte sie wie ein Sterbender. Das Geschrei jedoch, das seine bestürzten Diener erhoben, brachte ihn wieder zu sich, und nun gab er selbst alle Hoffnung, zu genesen, auf und liess den Soldaten Mann für Mann fünfzig Drachmen, den Offizieren und seinen Freunden aber noch weit grössere Geldgeschenke verabreichen.
6. Als er auf der Rückreise nach Jericho kam, ergriff ihn die schwarze Galle, und als wollte er dem Tode selbst noch drohen, verfiel er auf eine ruchlose Handlung. Er liess nämlich die angesehensten Männer von ganz Judaea aus den einzelnen Ortschaften Zusammenkommen und sie in dem sogenannten Hippodrom einschliessen. Sodann beschied er seine Schwester Salome nebst ihrem Manne Alexas zu sich und sprach zu ihnen: „Ich weiss, dass die Juden meinen Tod wie ein Freudenfest feiern werden. Doch es sollen mir schon andere dazu verhelfen, dass ich betrauert werde und ein glänzendes Leichenbegängnis erhalte, wenn ihr nur meinen Auftrag ausführen wollt. Alsbald naoh meinem Ableben nämlich lasset ihr die eingesperrten Männer durch Soldaten umzingeln und schleunigst niedermachen, damit ganz Judaea und jede einzelne Familie wider Willen meinen Tod beweine.“
7. Hierauf langten Briefe von den zu Rom befindlichen Gesandten an, welche meldeten, dass Akme auf Befehl des Caesars hingerichtet und Antipater zum Tode verurteilt worden sei; doch wenn der Vater, so hiess es weiter, ihn lieber in die Verbannung schicken. wolle, habe der Caesar nichts dagegen einzuwenden. Herodes zeigte nun auf kurze Zeit wieder etwas Lebensmut; als aber bald nachher mangelnde Nahrungsaufnahme und krampfhafter Husten ihn zermarterten, beschloss er im Übermass seiner Leiden, dem Geschick zuvorzukommen. Er nahm also einen Apfel und verlangte ein Messer dazu, um ihn seiner Gewohnheit gemäss zu zerschneiden, ehe er ihn verspeiste. Dann sah er sich um, ob vielleicht jemand ihn hindern würde, und erhob seine Rechte, um sich zu erstechen. Sogleich aber stürzte sein Vetter Achiab herbei, fiel ihm in den Arm und vereitelte den Selbstmord. Im Palast erhob sich nun ein gewaltiges Klagegeschrei, wie wenn der König schon gestorben wäre. Kaum hatte Antipater dasselbe vornommen, als er wieder Mut fasste und voller Freude seine Wächter bestürmte, ihn gegen ein Geldgeschenk seiner Fesseln zu entledigen und entwischen zu lassen. Der Wachkommandant jedoch, weit entfernt, dies zuzugeben, lief vielmehr zum Könige und machte ihm von dem Bestechungsversuch Meldung. Mit einer in anbetracht seines leidenden Zustandes ausserordentlich starken Stimme schrie Herodes auf und schickte sogleich einige Trabanten ab, um Antipater hinzurichten. Nachdem er sodann Befehl gegeben, den Leichnam in Hyrkanium beizusetzen, änderte er nochmals sein Testament und schrieb als Thronfolger seinen ältesten Sohn Archelaus, den Bruder des Antipas, hinein, während er den letzteren zum Tetrarchen ernannte.
8. Fünf Tage nach der Hinrichtung seines Sohnes starb auch Jlerodes. Seitdem er durch Ermordung des Antigonus sich der höchsten Gewalt bemächtigt hatte, waren vierunddreissig, seit seiner Ernennung zum Könige durch die Römer siebenunddreissig Jahre verflossen. Wie kaum ein anderer war er nach aussen hin vom Glücke begünstigt. Denn als Privatmann war er in den Besitz eines Königreiches gelangt und konnte es nach langjähriger Regierung eigenen Kindern hinterlassen; nur " in seinem Familienleben traf ihn Unglück über Unglück. — Bevor nun das Heer seinen Tod erfuhr, begab sich Salome mit ihrem Gatten hinaus und liess die Gefangenen frei, die der König umzubringen befohlen hatte, indem sie vorgab, er habe sich anders besonnen und sende sie jetzt alle wieder in ihre Heimat zurück. Erst nachdem diese fort waren, teilte sie den Soldaten den Sachverhalt mit und berief sie samt dem übrigen Volke zu einer Versammlung in das Amphitheater zu Jericho. Dort trat Ptolemaeus auf, dem Herodes seinen Siegelring an vertraut hatte, pries den König glücklich, tröstete das Volk und las das Schreiben vor, das der König den Soldaten hinterlassen hatte und in welchem er sie eindringlich ermahnte, seinem Nachfolger die Treue zu bewahren. Nach Verlesung des Schreibens eröflhete Ptolemaeus das Testament und machte seinen Inhalt bekannt. Philippus war darin zum Erben von Trachon und der angrenzenden Länder, Antipas, wie schön oben erwähnt, zum Tetrarchen und Archelaus zum Könige ernannt. Dem letzteren war zugleich aufgetragen, den Siegelring des Herodes und die versiegelten Akten über die Reichs Verwaltung dem Caesar zu überbringen; denn dem Caesar verbleibe die letzte Entscheidung über alle Bestimmungen des Testamentes, und er müsse dasselbe zunächst bestätigen. Im übrigen solle es bei den früheren Anordnungen sein Bewenden haben.
9. Sogleich wurde nun Archelaus unter lautem Zuruf beglückwünscht. Truppweise zogen die Soldaten samt dem Volke an ihm vorbei, gelobten ihm Treue und flehten Gottes Huld auf ihn herab. Hierauf traf man Anstalten zur Beisetzung des Königs. Archelaus liess es an keinem Aufwand fehlen und stellte, um ein prunkvolles Leichenbegängnis zu ermöglichen, den gesamten königlichen Schmuck zur Schau. Das Paradebett war ganz von Gold und mit Edelsteinen besetzt, die Decke von buntgesticktem Purpur, und der Leichnam, der auf ihr lag, gleichfalls mit einem Purpurgewand umhüllt. Auf seinem Haupte ruhte das Königsdiadem und darüber eine goldene Krone, und die Rechte hielt das Scepter. Das Paradebett umgaben die Söhne und die übrigen zahlreichen Verwandten des Königs; alsdann folgten die Soldaten der Leibwache, die thrakische Abteilung, die Germanen und die Gallier, alle in voller Kriegsrüstung. Voran schritt der übrige Teil des Heeres unter Führung seiner Obersten und Hauptleute, ebenfalls in vollem Waffenschmuek, und daran schlossen sich fünfhundert Diener und Freigelassene, welche köstliche Spezereien trugen. So zog man mit dem Leichnam zweihundert Stadien weit nach Herodium, wo er dem Befehle des Verstorbenen gemäss beigesetzt wurde. Das war das Ende des Herodes.
Deutsche Fassung: Übersetzung von Heinrich Clementz (1859–1946), Halle a. d. S., Otto Hendel, 1900 – gemeinfrei (Übersetzer vor über 70 Jahren gestorben). Text aus dem Digitalisat des Internet Archive (Texterkennung, automatisch bereinigt; gelegentliche Erkennungsfehler und die alte Rechtschreibung bleiben; ohne die Anmerkungen des Übersetzers und das Namenregister). Englische Fassung: William Whiston (1737) aus dem Project Gutenberg. · Titelbild schlicht selbst gestaltet