1956-1957
Wie seine Feldzüge in Deutschland und der Schweiz, war auch William Branhams Feldzug in Mexiko ein außerordentlicher Erfolg. Während seiner fünf Abende in Tacubaya hatten schätzungsweise 20.000 Menschen ihr Leben Jesus Christus übergeben. Es war für Bill leicht erkennbar, wie Mexiko den ersten Teil seiner Vision vom Dezember 1955 erfüllte, doch es erfüllte nicht alles. Die Babyschuhe und die Angellektion waren Sinnbilder, die er leicht begriff, der Teil der Vision mit dem Zelt hingegen, war nicht so leicht zu verstehen. Symbolisierte er bloß den „dritten Zug“ seines Dienstes, oder würde er tatsächlich in einem gigantischen Zelt bzw. einer Kathedrale predigen? Er wusste es nicht. Nur für den Fall, dass es buchstäblich passieren würde, bat Bill seine Manager, sich nach dem größten Zelt umzuschauen, das sie mieten oder kaufen konnten. Eine Sache hatte die Vision geklärt: Er wusste nun, dass Gott von ihm verlangte, sein evangelistisches Werk fortzuführen. Miner Arganbright wollte, dass Bill im Juli entweder nach Europa oder Afrika zurückkehrte. Nachdem er über diese Vorschläge gebetet hatte, gab er für keinen der beiden Kontinente seine Zustimmung. Der Heilige Geist nötigte ihn, auf amerikanischem Boden zu bleiben. Er fühlte eine Dringlichkeit, die er nie zuvor verspürt hatte, als wäre dies ein Entscheidungsjahr für das Evangelium in Amerika. Oftmals sagte Bill im Jahre 1956: „Ich sage voraus, dass die Vereinigten Staaten von Amerika in diesem Jahr entweder Christus annehmen oder beginnen, von der Gnade abzufallen. Der Herr hat mir das zwar nicht gesagt, aber dennoch glaube ich, dass Amerika Christus in diesem Jahr entweder annehmen oder rundweg verwerfen wird – und ich sage voraus, dass Amerika Ihn verwerfen wird.“
Im Januar hielt er in Jeffersonville eine Predigt, die er „Knotenpunkt der Zeit“ nannte, in welcher er sieben herausragende Zeitpunkte in der Geschichte aufzeigte, wo der Allmächtige Gott einen Kurswechsel vollzog und etwas Neues begann. Bei jedem dieser Knotenpunkte hatte Gott die Welt auf eine besondere Weise besucht. Das Wort „Knotenpunkt“ bedeutet „zwei Dinge kommen zusammen“ und in seiner Predigt bezog sich das Wort auf das Natürliche und das Übernatür liche. Bill bezeichnete die Zeit Noahs, die Zeit Abrahams, die Zeit Moses, die Zeit Elias und die Zeit Jesu als solche Knotenpunkte. Bill verweilte bei diesem fünften großen Knotenpunkt in aller Ausführlichkeit. Er sagte: „Johannes der Täufer war ein Prophet. Gabriel war der Engel. Sie erschienen etwa 33 Jahre vor einem Knotenpunkt der Zeit. Gott schickte eine Vorauswarnung an die Menschen, dass der Wendepunkt nahe war. Schaut einmal, was geschah: Wir sehen Johannes am Jordan stehen und predigen, und den Menschen von dem Mächtigen berichten, der da kommen soll. Nach einiger Zeit erschien kein Geringerer als der Allmächtige höchstpersönlich, von einem kleinen Bündel Fleisch umhüllt. Der große Gott Jahwe offenbarte sich selbst in Seinem Sohne Christus Jesus. Eines Abends schlief Jesus in einem kleinen Boot, ein Sturm schaukelte es hin und her. Es kümmerte Ihn nicht. Er war müde. Doch die Zeit war an einen Wendepunkt geraten, und etwas musste geschehen. Er stellte den Fuß auf die Reling des Bootes und sagte: „Friede, sei still.“ Ich sage euch, der Schöpfer des Himmels und der Erde lag höchstpersönlich in dem Boot und die Natur musste gehorchen. Wenn Allmacht spricht, geschehen Wunder. Amen!“
Auf unsere Zeit bezogen sagte Bill: „Ich glaube, dass wir vor dem baldigen Erscheinen des Zweiten Kommens des Herrn Jesus leben. Beim ersten Mal kam Er als Baby. Dieses Mal kommt Er als König der Herrlichkeit, um Rache zu nehmen an all jenen, die dem Wort des Herrn nicht gehorchen … Das Lehren des Wortes ist eine löbliche Sache. Wir wissen, dass der Glaube durch das Hören des Wortes kommt. Doch es bedarf stets des Übernatürlichen, um zu beweisen, dass der Allmächtige Gott immer noch lebt und herrscht. Wir brauchen das Übernatürliche. Und ich glaube, dass die Gemeinde heute an der Schwelle der größten Allmachtsbezeugung steht, die die Welt je gesehen hat … Wir stehen vor dem Knotenpunkt. Was steht als Nächstes an? Jesus Christus wird das zweite Mal kommen in Herrlichkeit, um all jene aufzunehmen, die tot in Christus und lebendig in Gott sind. Gott wird sie alle mit sich bringen; die Sanftmütigen werden das Erdreich ererben und das große Tausendjährige Reich wird anbrechen. Es wird keine Kriege mehr geben und ebenso wenig Krankheit, Schwierigkeiten oder Herzeleid. Wir werden hier in Seiner Gegenwart leben für immer und immer. Und all diese Zeichen und Dinge zeigen, dass wir am Knotenpunkt stehen.“
Nach seinem Feldzug in Mexiko betete er weiterhin in seinen Versammlungen für die Kranken, doch ging er mehr und mehr über zum Lehren. Der Engel hatte erklärt, dass göttliche Heilung der Köder auf dem Haken war, der die Aufmerksamkeit der Menschen einfing. Der Haken war das Wort Gottes. Und das war die eigentliche Sache. Christen mussten auf die grundlegenden Prinzipien ihres Glaubens gegründet werden, damit ihr Glaube nicht vergebens sei. In Sturgis (Michigan) lehrte er erneut über die drei Bereiche der Stiftshütte und betonte, wie wichtig es für Christen ist, hinter den Vorhang ins Allerheiligste zu gehen, was die Taufe des Heiligen Geistes symbolisiert. Er sagte: „Viele bekennende Christen haben stets und ständig ihre Mühe, kämpfen immer damit, durchzuhalten. Ich glaube es liegt daran, dass ihnen die richtige biblische Belehrung fehlt. So etwas wie das ,Durchhalten‘ eines Christen gibt es eigentlich gar nicht. Christus übernimmt das Halten. Der gesamte christliche Grundsatz basiert auf Ruhe. Jesus sagte: Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch Ruhe geben! Bemerkt, es ist nicht, was ihr tut; es ist, was Christus für euch getan hat, das Ruhe bringt. Jemand sagte mir mal, sie würden Gott suchen. Das ist ein Irrtum. Kein Mensch hat Gott je gesucht: Gott sucht den Menschen. Nachdem Adam im Garten Eden gesündigt hatte, hätte er durch den Garten eilen und rufen sollen: ,Vater, Vater, wo bist Du?‘ Statt dessen war es Gott, der durch den Garten ging und rief: ,Adam, Adam, wo bist du?‘ Adam versteckte sich. Das ist das Wesen des Menschen.“
Nicht nur auf seinen Feldzügen lehrte Bill vermehrt, sondern auch im Branham Tabernacle. Wann immer er an einem normalen Gottesdienst in Jeffersonville war, trat Reverend Orman Neville mit Freuden zurück, und ließ Bill zu der Versammlung sprechen. Diese Predigten in Jeffersonville waren nicht bloß eine Wiederholung dessen, was er woanders predigte. Während seiner evangelistischen Feldzüge setzte ihm die bunte Mischung der Zuhörerschaft bei seinen Ausführungen über ein Thema Grenzen. Im Branham Tabernacle hatte er die Freiheit des Geistes, in die notwendige Tiefe zu gehen, um gesunde Lehre gründlich klarzumachen. Die meisten seiner Predigten in Jeffersonville wurden auf Band aufgenommen. Er erkannte die weitreichenden Auswirkungen, die diese Predigten haben konnten. Jede Woche bestellten mehr und mehr Menschen seine Predigten auf Band. Viele behielten sie auf unbestimmte Zeit und hörten sie sich wieder und wieder an.
Am 27. Mai 1956 predigte er in Jeffersonville über Kadesch-Barnea, jener Oase in der Wüste Sinai, wo die Israeliten lagerten, während zwölf Männer das Verheißene Land ausgekundschafteten. Als die Kundschafter mit unter schiedlichen Berichten zurückgekommen waren, mussten die Israeliten eine Entscheidung fällen: Sollten sie vorwärts gehen und versuchen, das Land einzunehmen oder sollten sie zurück in die Wüste und nach einem anderen Ort Ausschau halten, wo sie sich niederlassen konnten? Wahrhaftig, gewaltige Hindernisse standen der Eroberung Kanaans im Wege, doch Gott hatte ihnen das Land verheißen. Die eigentliche Frage war geistlicher Natur: Sollten sie Mose glauben oder sollten sie es nicht? Schließlich war es Mose, der ihnen mitgeteilt hatte, dass Gott ihnen das Land verheißen hatte. Die meisten jener Israeliten entschlossen sich, Mose nicht zu glauben und als Konsequenz mussten sie die nächsten 40 Jahre auf Wanderschaft in der Wüste verbringen, bis sie alle weggestorben waren. Es waren ihre Kinder, die letztendlich das Verheißene Land Kanaan in Besitz nahmen. Bill sagte, dass die christliche Gemeinde in Amerika in derselben Situation war. Seiner Meinung nach lagerte Amerika 1956 bei ihrem eigenen Kadesch-Barnea. Amerikas Entscheidung stand noch aus. Am 3. Juni 1956 predigte Bill über „Das Lebensbuch des Lammes“. Da er in Jeffersonville war, konnte er über Vorherbestimmung mit größerer Freiheit predigen, als auf seinen Glaubensheilungs-Feldzügen. Anhand der Bibel belegte er, dass der Name eines jeden, der je errettet werden wird, in das Lebensbuch des Lammes geschrieben wurde, noch ehe die Welt erschaffen war. Am 17. Juni predigte er „Die Offenbarung, das Buch der Symbole“. Er stellte den Schauplatz aus Offenbarung Kapitel 5 vor, wo Gott auf einem Thron im Himmel saß und ein Buch hielt, das geschlossen und mit sieben Siegeln versiegelt war. Kein Mensch im Himmel oder auf Erden ward für würdig genug befunden, das Buch zu nehmen und dessen sieben Geheimnisse aufzubrechen. Dann trat das Lamm Gottes hervor. Er war würdig, und so brach Er die sieben Siegel auf. Der Prophet Daniel sah dasselbe Buch und sagte, es würde versiegelt sein, bis zu den letzten Tagen. Dann berührte Bill Offenbarung Kapitel 10: Wie ein Engel mit einem Regenbogen über seinem Haupt aus dem Himmel herabkommen würde. Dieser Engel würde einen Fuß auf das Land und einen Fuß auf das Meer stellen und bei Dem schwören, der da lebt von Ewigkeit zu Ewigkeit, dass in den Tagen des siebten Engels das Geheimnis Gottes vollendet sein wird. Bill las aus dem ersten Kapitel der Offenbarung: Offenbarung Jesu Christi, die Gott ihm hat zuteil werden lassen, um seinen Knechten anzuzeigen, was in Bälde geschehen soll; und er hat es durch die Sendung seines Engels seinem Knechte Johannes durch Zeichen kundgetan „Ein Engel! Wie wird Er es kundtun? Gott gab die Offenbarung Jesu Christi Seinem Knecht, einem Propheten und tat es durch einen Engel kund. Amen! Ich hoffe, ihr erkennt das.“ Er las weiter: Und dieser legt nunmehr Zeugnis ab von dem Worte Gottes und von dem Zeugnis Jesu Christi, von allem, was er gesehen hat. Selig ist der Vorleser und die Hörer der Worte der Weissagung und die das bewahren, was in ihr geschrieben steht; denn die Zeit ist nahe. „Schaut, wann ist die Zeit nahe? Wenn die Offenbarung Jesu Christi dem Leibe Christi geoffenbart worden ist und Christus geoffenbart worden ist als lebendig, nicht als tot, als lebendig in Seiner Gemeinde, dieselben Dinge tuend, die Er damals tat: Derselbe Dienst, dasselbe Evangelium, dieselben Zeichen des auferstandenen Christus. Wenn Er der Gemeinde durch Seinen Engel geoffenbart ist, dann ist die Zeit nahe. Und von jenem Tag bis zum heutigen ist das Geheimnis Jesu Christi nie geoffenbart worden – bis auf die vergangenen paar Jahre. Die Zeit ist nahe.“
Als William Branham einmal im Jahre 1954 in Kalifornien gepredigt hatte, hatte er erwähnt, dass es 1956 fünfzig Jahre her sein würde, seit der Heilige Geist eine Erweckung in der Azusa Street Mission in Los Angeles entfacht hatte, eine Erweckung, die der Gemeinde die Geistesgaben zurückerstattet hatte – insbesondere die Gaben der Zungenrede, der Auslegung der Zungenrede und der Weissagung. Die Erweckung hatte sich rasant um die Welt ausgebreitet und die Pfingstbewegung des 20. Jahrhunderts ausgelöst. 1954 hatte Bill vorgeschlagen, dass es schön wäre, wenn es eine Großversammlung zum Gedenken des 50. Jahrestages der ursprünglichen Erweckung der Azusa Street gäbe. Dieser Gedanke fand unter Pfingstpredigern hellen Anklang, so dass sie eine Jubiläums-Großveranstaltung für den 16. – 22. September organisierten. Im September 1956 nahm Bill einen Zug von Jeffersonville nach Los Angeles, um an dieser Azusa Street-Großversammlung teilzunehmen. Er war eingeteilt, zweimal im Laufe der Woche zu predigen. Um die 5.000 Menschen füllten den Angelus Temple an seinem ersten Predigtabend. Demos Shakarian, der Präsident der Geschäftsleute des vollen Evangeliums, stellte ihn der Zuhörerschaft vor. Während dieser Einleitung gab Shakarian in treffenden Worten das Vermächtnis der Azusa Street-Erweckung an, als er sagte: „Pfingsten ist keine Konfession, es ist ein Erlebnis.“
Bill führte dieses Thema in seiner Predigt „Azusa Halljahr“ weiter aus. Er erklärte, dass das Wort „Pfingsten“ der 50. Tag bedeutet, und das Wort „Halljahr“ das 50. Jahr meint. Für die Juden bezieht sich Pfingsten auf eines der Feste, die durch das mosaische Gesetz verordnet waren. Für die Christen bezieht sich Pfingsten auf den 50. Tag, nachdem Jesus von den Toten auferstanden war, auf den Tag, als der Heilige Geist der christlichen Gemeinde erstmals gegeben wurde. Wie schon das Wort „Pfingsten“, kommt auch das Wort „Halljahr“ aus der Zeit Moses, und ist sogar eine Satzung des mosaischen Gesetzes. Gott gebot den Israeliten, jedes 50. Jahr als Ruhejahr zu begehen. Während eines Halljahres durften die Felder nicht bestellt werden, übertragenes Besitztum wurde den Eigentümern zurückgegeben und Sklaven wurden freigelassen. Das mosaische Gesetz enthält einige interessante Vorkehrungen bezüglich der Freilassung von Sklaven. Wenn ein Freiheitsjahr kam, und ein Sklave bei seinem Herrn bleiben wollte, konnte er das. Einem solchen Sklaven wurde dann ein Loch durchs Ohrläppchen gestoßen, um anzuzeigen, dass er für alle Zeiten ein Sklave bleiben wollte. Letzten Endes fällte jeder Sklave im Laufe des Halljahres seine eigene Entscheidung.
Indem er das „Halljahr“ als Leitfaden verwendete, legte Bill jedem durch Sünde versklavten Mann, jeder Frau und jedem Kind dieselbe Wahl vor. Er sagte: „Dies ist ein wunderschönes Schattenbild, das noch auf den heutigen Tag angewendet werden kann, wo jeder Mensch sich zwischen der Annahme des Siegels Gottes oder des Malzeichens des Tieres entscheiden muss. Paulus sagte: „Glaube kommt aus der Predigt, das Predigen aber durch das Wort Gottes.“ Wenn ein Mensch hört, dass er frei sein kann und es ablehnt, seine Befreiung von Sünde anzunehmen, wird er versiegelt – hinweg von Gott – und empfängt das Malzeichen des Tieres. Wenn Männer und Frauen dieses herrliche Evangelium des Herrn Jesus Christus hören, das ihnen sagt, dass sie vom Heiligen Geist getauft werden müssen, müssen sie eine Entscheidung treffen. Wenn ihr es annehmt, empfangt ihr eure Freiheit in Christus. Wenn ihr es ablehnt, seid ihr gebrandmarkt und versiegelt – hinweg von Christus. Folglich macht es einen Unterschied, was eure Einstellung dem Worte gegenüber ist.“ Er sprach von den Männern und Frauen, die sich in der Azusa Street-Mission 1906 versammelt hatten: Gewöhnliche Menschen, die sich vor Gott gedemütigt und über Stunden im Gebet verharrt hatten, bis die Welt zur Bedeutungslosigkeit erloschen und das Wort Gottes zu einem Feuer in ihren Seelen erstrahlt war. Bill predigte, wenn Christen im Jahre 1956 dasselbe täten, würden sie auch dieselben Resultate bekommen.
Hunderte von Menschen, durch seine Predigt aufgerüttelt, kamen nach vorne, um Gott zu bitten, sie mit dem Heiligen Geist zu taufen. Dennoch gefiel nicht allen, was er predigte. Manche Leute fühlten sich angegriffen, als er sagte, dass Sünde in der Gemeinde einer Erweckung im Wege stand. Nach dem Gottesdienst sagte eine Frau zu einer anderen: „Branham irrt darin. Als Amerikaner haben wir ein Recht, Zigaretten zu rauchen und Shorts zu tragen, wenn wir das wollen. Wenn ich nahe einer Tür gesessen hätte, wäre ich dort rausgelaufen.“ Diese andere Frau war mit Bill befreundet und reichte die Bemerkung an ihn weiter.
Am nächsten Abend predigte Bill über „Das Lamm und die Taube“. Als Johannes der Täufer sah, wie Jesus auf ihn zuging, sagte Johannes: Seht, das Lamm Gottes, das die Sünden der Welt hinweg nimmt. Nachdem Jesus getauft war, sagte Johannes: Ich habe gesehen, dass der Geist wie eine Taube aus dem Himmel herabschwebte und auf ihm blieb. Bill stellte heraus, dass das Lamm und die Taube zwei der sanftmütigsten Geschöpfe auf Erden sind. Warum benutzte Gott sie als Symbole für sich selbst? Der Sohn Gottes gehorchte Seinem Vater immer. Jesus Christus hatte das Recht zu leben, doch als Lamm Gottes gab Er Seine menschlichen Rechte widerstandslos auf und gestattete, dass Er auf Golgatha geopfert wurde, damit all jene, die an Ihn glaubten, ewig leben konnten. Jesus war unser Beispiel. Wie Er dem Willen des Vaters gehorchte, so sollten wir es tun. Jesus verglich Sein Volk auch mit Schafen. Er nannte sich den Guten Hirten, der Seine verlorenen Schafe sucht. Ein Schaf gibt seine Wolle seinem Scherer bereitwillig ab. Und ebenso müssen Christen ihre Rechte an der Sünde bereitwillig aufgeben, damit sie überhaupt dem Guten Hirten in ein besseres Leben folgen können.
Das letzte Vierteljahr in 1956 predigte Bill – abgesehen von seiner gewöhnlichen Belehrung über Liebe, Gnade, Glaube und göttliche Heilung – über einige harte Themen wie Sünde und das Gericht Gottes. In Jeffersonville predigte er „Die Handschrift an der Wand“, eine Predigt, in der er die Einstellung vieler Amerikaner gegenüber dem Worte Gottes mit der Belsazars auf seiner Rauschfeier in Babylon verglich. (Daniel legte die übernatürliche Schrift an der Wand aus, als: „Du bist auf der Waage gewogen und für zu leicht befunden worden“.) Später predigte Bill über „Der errötende Prophet“ und bezog sich dabei auf Esras Beschämung beim Anblick all der Sünde und Verdrehtheit in Israel. Bill zog einen Vergleich zwischen Esras Tagen und 1956. Er sagte: „Dies ist kein leichtes Thema. Ich könnte an viele Dinge denken, über die es sich leichter sprechen ließe, doch, Bruder, wenn jemand nicht an diesem sündigen, ehebrecherischen Tag aufsteht und eine Warnung ausruft, was wird dann geschehen? Irgendjemand muss über diese Dinge sprechen. Vielleicht hat es Esra in seinen Tagen nicht tun wollen, doch er tat es trotzdem.“ Bill beschränkte solche Themen nicht auf Jeffersonville. Mehr und mehr predigte er während seiner evangelistischen Predigten gegen Sünde und rief zur Heiligung auf, indem er die Notwendigkeit für Christen deutlich machte, die Gewohnheiten der Welt zu meiden und ein geheiligtes und reines Leben vor Gott zu leben. Häufig zitierte er die Worte eines alten Gemeindeliedes:
Wir machten die Zäune niedriger, wir machten die Zäune niedriger.
Wir schlossen Kompromisse mit der Sünde.
Wir machten die Zäune niedriger und die Schafe sind nach draußen geraten.
Doch wie sind die Ziegen herein gekommen?
Dann beantwortete er diese Frage: „Die Ziegen sind herein gekommen, weil ihr die Zäune niedriger gemacht habt. Ihr habt mit der Sünde Kompromisse geschlossen.“
Am 5. Oktober 1956 predigte er eine Botschaft in Chicago, die er „Schminkgesicht Isebel“ nannte. Er benutzte die Geschichte Isebels, der niederträchtigen Frau des Königs Ahab, um zu zeigen, wie eine Frau nicht handeln sollte. Er zog eine Parallele zwischen Isebels Unmoral und dem moralischen Verfall der Frauen im modernen Amerika, einem moralischen Verfall, der sogar in christliche Gemeinden hineinsickerte. Er predigte gegen das Tragen von Shorts und Hosen der Frauen, gegen ihr Haareschneiden und Schminken und gegen das Zigarettenrauchen. Er lehrte, dass Frauen sich ihren Ehemännern unterordnen sollen, und nicht versuchen sollen, Zuhause über sie zu herrschen. Er sagte: „Wenn der Heilige Geist in mir ist, dann müsst ihr diese Dinge vor dem Jüngsten Tag in Ordnung gebracht haben. Und lasst euch nicht von eurem Pastor etwas anderes erzählen, weil dies ‚So spricht der Herr‘ in Gottes Wort ist.“
„Denkt daran, wenn solche Sünden unter dem Volk vor sich gehen, hat Gott immer jemanden, der aufsteht und sie ihnen vorhält. In Isebels Tagen hatte Gott einen Propheten mit Namen Elia, den Thisbiter, der direkt vor den König hintrat und sprach: ,Ahab, du bist verkehrt. Gott wird dich für diese Dinge zur Verantwortung ziehen.‘ Was tat Isebel? Sie hasste Elia, weil er ihr sagte, was richtig und verkehrt war. Sicher. Wenn ihr den Leuten die Wahrheit sagt, werden sie euch oftmals hassen, statt Buße zu tun. Sie sollten Buße tun und Gott dafür danken, dass Er sie wissen ließ, was die Wahrheit ist. Das stimmt.“ Bill schränkte seine Kritik nicht auf Frauen ein. Er sagte: „Ich schäme mich für euch schwache gläubige Brüder, die ihr euren Frauen erlaubt, solche Dinge zu tun. Es zeigt, aus welchem Holz ihr geschnitzt seid. Wenn ihr nicht Manns genug seid, in eurem Hause Ordnung herzustellen, dann möge Gott euch gnädig sein.“ Damit die Menschen keinen falschen Eindruck bekamen, stellte Bill klar, was er meinte. „Bitte versteht mich. Eure Frau ist kein Türvorleger, sie ist euer Schatz. Ihr solltet euch mit ihr hinsetzen und über diese Dinge sprechen; setzt euch einmal vernünftig mit ihr darüber auseinander; liest die Bibel und betet zusammen. Wenn mehr Brüder das täten, wären diese Sünden nicht in der Gemeinde.“
Er wusste, dass er manche Leute mit seiner unverblümten Rede verärgert hatte. Obgleich er hoffte, dass es als aufbauende Kritik verstanden werde, die mit Liebe ausgesprochen war, wusste er, dass nicht alle es auf diese Weise auffassen würden. Als sich das Jahr 1956 seinem Ende zuneigte und sich die Aussichten des Jahres 1957 auftaten, teilte Bill seinem Sekretär mit: „Bruder Cox, ich habe mir im Herzen fest vorgenommen, gegen Sünde zu predigen. Ich werde den Menschen einfach die Wahrheit vorlegen und wo immer es hingehört, kann Gott es an die rechte Stelle platzieren.“
Am Sonntag, dem 20. Januar 1957, saß William Branham in seinem Arbeitszimmer und machte sich die letzten Notizen zu einer Predigt, die er „Die Nachahmung des Christentums“ benannte, als ein alter Freund aus Kanada zu Besuch kam. Bill kam nicht umhin zu bemerken, wie sehr sein Freund gealtert war, seit er ihn das letzte Mal gesehen hatte. Es erinnerte ihn daran, wie sehr er selbst gealtert war. 1947 hatte dieser kanadische Prediger einen Schnauzbart getragen, der so schwarz war wie der Mutterboden in Indiana. Jetzt, mit 50, war sein Schnauzbart beinahe grau. Bill war 48 Jahre alt, und sein eigenes Haar – einst dicht, dunkel und wellig – dünnte sich aus und ergraute ebenfalls. Sein Freund sagte: „Bruder Branham, vor zwei Jahren dachte ich, der Herr beriefe mich zum Predigtdienst in den Vereinigten Staaten. Eine Zeit lang arbeitete ich als Evangelist. Auf meinen Reisen in eurem Land habe ich überwiegend zwei Arten von Gemeinden vorgefunden: Entweder sind sie kalt, formell und gleichgültig oder aber sie sind zügellos und fanatisch. Vor ein paar Monaten bat mich eine Gemeinde in den Staaten, ihr Pastor zu werden. Ich hatte so meine Zweifel, als ich sie aufs Klavier einhämmern und über die Stühle springen sah. Sie beruhigten sich, als ich zu predigen begann, und so hoffte ich, dass ich sie erreichen könnte. Am Ende meiner Predigt sagte ich: ,Lasst uns den Herrn anbeten und unser Leben Ihm weihen.‘ In dem Augenblick rannte ein junger durchgeknallter Bursche zur Kanzel und sagte: ,Amen! Prediger, schau dir meine Hände an: Den ganzen Vormittag ist Öl aus meinen Händen getropft. Halleluja! Wenn die Leute dann jetzt hier nach vorne kommen, gebe ich ihnen dieses gesalbte Öl für Heilung.‘ Ich sagte: ,Junge, such dir einen Platz und setz dich hin.‘ Bruder Branham, weißt du, was dann geschah? Die Ältesten kamen nach vorne und wiesen mich an, mir einen Platz zu suchen und mich hinzusetzen.“ Der Kanadier vergrub sein Gesicht in den Händen und weinte.
Bill fasste seinen Freund bei der Schulter. „Ich weiß, wie das ist. Ich sehe beide Gruppen überall, wohin ich gehe: Die intellektuellen Gemeinden auf der einen Seite und die emotionalen Gemeinden auf der anderen. Und manchmal ist jede Seite gegen die andere, so dass es schwer ist, einen Weg zu finden, beide mit dem echten Evangelium zu erreichen.“
„Bruder Branham, du selbst bist ein reisender Evangelist, wie schaffst du es, deinem Dienst zwischen diesen beiden Extremen ein Gleichgewicht zu geben.“ „Es ist nur die Gnade Gottes.“
„Nun denn, ich werde zurück nach Kanada gehen und versuchen, diesen bösen Geistern zu entkommen.“
Etwa zu der Zeit klopfte Bills Sekretär, Rhode Cox, an seine Eingangstür, bereit, ihn zur Gemeinde zu fahren. Auf ihrem Weg zum Branham Tabernacle dachte Bill: „Herr, mein kanadischer Freund hat recht. Seit dem Tag, an dem ich den Eckstein meines Tabernakels gesetzt habe, ist es ein langer, harter Kampf gewesen, bei dem beide Extreme an mir zerren, während ich in der Mitte des Weges stehe und versuche, das echte Evangelium vorzustellen. Letztes Jahr habe ich mit aller Macht versucht, den Menschen Halt zu geben, ihnen im Worte Gottes zum Gleichgewicht zu verhelfen, damit Gläubige ihre Unterschiede vergessen und als Einheit zusammenkommen. Letztes Jahr habe ich solch eine Dringlichkeit fürs Lehren verspürt, als wäre es Amerikas Entscheidungsjahr. Doch heute hat sich sehr wenig verändert. Was ist mit diesen amerikanischen Gemeinden, Herr? Was wird mit ihnen geschehen?“
So klar wie ein Baritonhorn hörte Bill eine Stimme sagen: „Was geht es dich an? Folge du mir nach!“
Rhode Cox bremste vor einer roten Ampel und betätigte den Blinker zum Abbiegen. Bill ließ seine Gedanken zu dem Morgen im Jahre 1933 zurückwandern, als er den Eckstein des Branham Tabernacles gelegt hatte. Nachdem Er ihm eine Vision des vollendeten Gebäudes gezeigt hatte, hatte ihn der Engel schockiert, indem er gesprochen hatte: „Dies ist nicht dein Tabernakel.“ Dann hatte ihn der Engel in einen Obstgarten getragen. Keine einzige Wolke hatte sich am blauen Himmel über ihm gezeigt. Der Engel hatte gesagt: „Dies ist dein Tabernakel.“ Der Obstgarten hatte nur zwei Baumreihen: Eine Reihe Pflaumenbäume und eine Reihe Apfelbäume. Am Ende einer jeden Reihe hatte sich ein leerer Kübel befunden. Der Engel hatte gesagt: „Du sollst diese beiden leeren Kübel bepflanzen.“ In der Vision hatte Bill einen Apfelbaumzweig abgebrochen und ihn in einen der Kübel gesteckt, dann hatte er einen Pflaumenbaumzweig abgebrochen und ihn in den anderen Kübel gesteckt. Augenblicklich war aus beiden Kübeln ein Baum gewachsen. Beide Bäume hatten Früchte hervorgebracht. Eine Stimme vom Himmel hatte gesprochen: „Du hast wohlgetan. Halte deine Hände auf und ernte!“ Ein kräftiger Wind hatte stark genug geblasen, dass die Früchte abgeschüttelt wurden. Bill hatte in einer Hand einen Apfel und in der anderen Hand eine Pflaume aufgefangen. Die Stimme hatte gesagt: „Wenn du aus dieser Vision herauskommst, lies 2. Timotheus 4!“ Seit dem Tag jener Vision hatte Bill dieses Kapitel öfters gelesen:
Predige das Wort, stehe bereit zu gelegener und ungelegener Zeit; überführe, weise zurecht, ermahne mit aller Langmut und Lehre! Denn es wird eine Zeit sein, da sie die gesunde Lehre nicht ertragen, sondern nach ihren eigenen Begierden sich selbst Lehrer aufhäufen werden, weil es ihnen in den Ohren kitzelt; Und sie werden die Ohren von der Wahrheit abkehren und sich zu den Fabeln hinwenden.
Du aber sei nüchtern in allem, ertrage das Leid, tu das Werk eines Evangelisten, vollbringe deinen Dienst.
1933 hatte ihm diese Vision Rätsel aufgegeben. Von 1957 zurückblickend, konnte er erkennen, was sie bedeutete. Der blaue Himmel versinnbildlichte seinen weltweiten Dienst. Als Gott ihn 1946 in einen internationalen Dienst gerufen hatte, war er als unabhängiger Evangelist ausgezogen und hatte sich keiner christlichen Konfession angeschlossen. Das hatte ihm die Freiheit gegeben, überall hinzugehen, wo er eingeladen wurde. Da jedoch Pfingstler geistliche Gaben annehmen und betonen, war es nicht verwunderlich, dass Pfingstgemeinden zu seinen größten Unterstützern wurden. Die beiden Baumreihen im Obstgarten symbolisierten die beiden größten Lager innerhalb der Pfingstbewegung: Die Trinitarier und die Unitarier. Obgleich beide Gruppen vieles gemeinsam hatten, trennten sie widersprüchliche Ansichten über die Gottheit. Einfach ausgedrückt: Die Einheits-Leute glaubten an einen Gott, und behaupteten, dass zwischen dem Vater, dem Sohn und dem Heiligen Geist kein Unterschied sei. Die Dreieinigkeits-Leute glaubten, dass der Vater, der Sohn und der Heilige Geist drei unterscheidbare Personen seien, die gemeinsam einen Gott ergeben.
Viele Jahre lang hatte Bill sich nun vorsichtig zwischen diesen beiden Lagern hin- und herbewegt und hatte versucht, keinem von ihnen vor den Kopf zu stoßen, damit er mit beiden Gemeinschaft haben konnte. Doch seitdem sich sein Schwerpunkt aufs Lehren der Grundwahrheiten des christlichen Glaubens verlagert hatte, konnte er das Thema der Gottheit nicht länger umgehen. Schließlich war das Wesen Gottes der Ausgangspunkt von Wahrheit. Wie können Christen näher an ihren Schöpfer heranwachsen, es sei denn, sie wissen zuallererst, wer Gott ist?
Im Wesentlichen sagte Bill, dass sowohl die Einheits- als auch die Dreieinigkeits-Leute verkehrt sind, und dass die Wahrheit zwischen diesen beiden Extremen liegt. Er lehrte, dass Gott tatsächlich nur einer ist. Der Vater, der Sohn und der Heilige Geist sind nicht drei verschiedene Personen in einem Gott, sondern eine Person, die sich in drei verschiedenen Ämtern kundtut. Im Alten Testament zeigte sich Gott als der Allmächtige Vater. Im Neuen Testament wurde Gott Mensch, damit Er Sein Volk erlösen konnte. Und schließlich wohnte Er in Seinem Volk in der Gestalt des Heiligen Geistes. Bill sagte: „Ach, was Pfingsten braucht, ist guten Bibelunterricht. Dann würde bei euch nicht so viel Unsinn vor sich gehen. Jesus Christus ist der Sohn Gottes. Er hatte den Geist in der ganzen Fülle. Gott wohnte nicht teilweise in Seinem Sohn, sondern Gott war ganz in Seinem Sohn Christus Jesus. Alles, was Gott war, wurde in Christus hineingegossen. Und alles, was Christus ist, hat Er auf Seine Gemeinde ausgegossen. Doch Pfingsten, ihr lehnt es in einem fort ab. Seht ihr? Jesus sagte: Wenn ich nicht die Werke meines Vaters tue, so glaubt mir nicht; wenn ich sie aber tue, so glaubt, wenn auch nicht mir selbst, so doch meinen Werken, damit ihr immer gewisser zu der Erkenntnis gelangt, dass der Vater in mir ist und ich im Vater bin.“ Am 3. Februar 1957 wohnte er einer Konferenz der Geschäftsleute des vollen Evangeliums in Evansville (Indiana) bei. Auf dieser eintägigen Konferenz übte Dr. Roy Weed, ein Presbyter der Assemblies of God Gemeinden in Indiana, öffentliche Kritik an Bills Standpunkt in vielen Glaubensfragen – vermutlich hinsichtlich Gottheit, Taufe, Beweis der Taufe des Heiligen Geistes und des Benehmens von Gläubigen, insbesondere während des Gottesdienstes. „Bruder Branham sagt, er versuche bei diesen Glaubensfragen in der Mitte des Weges zu gehen. Das ist keine gute Verhaltensregel. Ein Mensch, der in der Mitte der Fahrbahn läuft, wird überfahren werden.“ Als Bill die Gelegenheit gegeben wurde, ihm zu antworten, sagte er: „Dr. Weed, diese Straße, auf der wir reisen, ist eine Einbahnstraße. Man geht mit Gott entweder vorwärts oder man fällt zur einen oder anderen Seite runter. Wir brauchen all dieses formelle Zeug nicht; genauso wenig brauchen wir all diesen Fanatismus, den wir heute haben. Der Himmel ist voll des echten Heiligen Geistes, da gibt es keinen Grund, einen Ersatz zu nehmen. Weshalb versuchen, auf der Basis irgendwelcher Sinnesempfindungen in den Himmel zu gelangen, wenn Gottes Wort sagt, ihr erlangt es so nicht? Warum eine n Ersatz annehmen – wie das Beitreten zu einer Gemeinde oder Teil einer Gruppe zu werden, die sagt, ihr müsst hoch und runter springen oder müsst Öl von euren Händen oder Blut aus eurem Gesicht rinnen haben? So ein Zeug kommt aus der Hölle. Es ist nicht in Gottes Wort. Wenn ihr mir glaubt, ein Prophet Gottes zu sein, dann nehmt mein Wort auf und haltet euch von so einem Zeug fern.“
In letzter Zeit predigte er ziemlich viel gegen Fanatismus. Viele Jahre lang glich der christliche Fanatismus an der Westküste einer eiternden Wunde, doch jetzt schien er sich auszubreiten und andere Teile des Landes anzustecken. Ein Prediger in Los Angeles erreichte nationale Aufmerksamkeit, weil Blut auf seinen Händen erschien, wenn er für die Kranken betete. Dieser Mann behauptete, es sei das gesalbte Blut Jesu Christi. Erstaunlicherweise schwärmten tausende von Leuten zusammen, um sich diese Täuschung anzusehen. Es widerte Bill an und er verurteilte es öffentlich, indem er sagte, dass es das Blut Jesu nicht sein könne. Wenn es das wäre, würde es bedeuten, dass der buchstäbliche Leib Jesu zurückgekehrt war, und das war Unsinn. Da es also nicht das Blut Jesu war, war es bedeutungslos. Keine Bibelstelle verknüpfte die Tropfen menschlichen Blutes mit göttlicher Heilung. Wieder und wieder schalt Bill die Gläubigen dafür, Zeichen und Wunder anzunehmen, die mit Gottes Wort nicht übereinstimmten. Alles, was ein Christ denkt, sagt oder tut muss mit der Bibel übereinstimmen.
Vom 10. bis 17. Februar 1957 predigte er in Minneapolis (Minnesota). Der Beginn seines nächsten Feldzugs war für den 26. Februar im Madison Square Garden in Phoenix (Arizona) angesetzt. Er konnte eine Woche zu Hause sein, ehe er nach Phoenix aufbrach. Während dieser Woche erhielt er ununterbrochen Anrufe von Predigern, die sich über den Fanatismus Sorgen machten, der sich in ihre Gemeinden hineinschlich. Beständig baten sie um seine Hilfe. An einem Tag erhielt er 30 solcher Anrufe in weniger als zwei Stunden. Sinngemäß sagten die Prediger, jeder nur in anderen Worten: „Bruder Branham, der Fanatismus von der Westküste ist in meinem Teil des Landes eingetroffen. Lass Phoenix bleiben und komm hierher. Meine Leute werden sicher auf dich hören. Tun sie’s nicht, darf ich an die Folgen gar nicht denken.“
„Bruder, ich kann jetzt nicht kommen“, antwortete Bill. „Ich habe den Brüdern in Phoenix versprochen, dass ich dort hingehe. Du bist ein Mann Gottes. Stell dich hinter dein Pult, nimm das Wort Gottes und predige es klar und unmissverständlich. Jesus sagte: Meine Schafe hören meine Stimme und einem Fremden werden sie nicht folgen.“ Sein Feldzug in Phoenix dauerte zwei Wochen. An einem Abend erklärte er Fanatismus in einer Predigt, die er „Gott hält Sein Wort“ nannte. Er nahm seine Schriftstelle aus der Geschichte, wo Mose die Kinder Israel aus Ägypten herausführt. 2. Mose 12: 38 sagt, dass auch viel fremdes Volk mit ihnen zog. Dieses fremde Volk hatte sich den Israeliten angeschlossen. Das fremde Volk sah Mose in Ägypten übernatürliche Zeichen demonstrieren und sie scharten sich um seine übernatürliche Bestätigung, doch sie waren in ihren Herzen unbekehrt; sie versuchten lediglich die echten Gläubigen nachzuahmen. Dieselbe Sache geschieht heute.
Bill sprach über den einäugigen Farbigen in Los Angeles (Kalifornien), der die Taufe des Heiligen Geistes 1906 in der Azusa Street-Mission empfangen hatte. Er sagte: „Von dort aus steckte Gott Seine Fackel in die Hände von Menschen, die nach demselben Pfingsterlebnis verlangten, das in der Apostelgeschichte beschrieben wird. Gott erstattete die Gabe des Zungenredens zurück. Ihr Pfingstler habt sie angenommen. Doch was geschah? Ihr habt eine Lehre aufgestellt, dass der Urbeweis des Empfangs des Heiligen Geistes das Sprechen in Zungen sei und ihr sagtet, dass niemand den Heiligen Geist empfangen hat, ohne in Zungen zu sprechen, und dass jeder, der in Zungen gesprochen hat, den Heiligen Geist hat. Als ihr ein Dogma daraus machtet, nahm Gott die Fackel aus euren Händen.“
„Dann habt ihr Einheits-Leute angefangen, auf den Namen Jesu zu taufen. Das ist alles richtig, weil es in der Bibel ist. Doch was passierte? Ihr organisiertet euch und machtet dahinter einen Schlussstrich – und so nahm Gott Seine Fackel von euch fort. Dann begann Gott eine überkonfessionelle Heilungsbewegung. Was ist passiert? Zu viele Männer haben ihren Dienst auf absonderliche Sinneswahrnehmungen gebaut. Die Pfingstbewegung ist kopfüber auf Gefühle verfallen, die keine biblische Grundlage haben. Gottes Wort ist Sein Fundament.“ „Höre Bruder, du bist nicht durch ein Zeichen oder eine Gefühlsbewegung gerettet. Du bist gerettet, wenn du die Bedingungen des Wortes Gottes erfüllst. Ich bin nicht gerettet, weil ich mich fühle, als wäre ich gerettet. Ich bin gerettet, weil Gott die Verheißung gab und ich Gottes Bedingungen erfüllt habe. Und aufgrund Gottes heiligen Wortes kann ich Satan sieben Tage die Woche besiegen und ebenso viele Nächte, weil es Gottes Wort ist. Jesus sagte: ,Wer mein Wort hört und an den glaubt, der mich gesandt hat, hat das ewige Leben und kommt nicht in das Gericht, sondern ist aus dem Tode zum Leben hinübergegangen.‘ Das ist, was der König der Könige sagte. Glaubt ihr das?“ Wenn er in seiner Heimatgemeinde war, sprach er sogar noch direkter über dieses Thema. Er lehrte, dass Satan jede Gabe des Heiligen Geistes nachahmen kann. Natürlich gründete er dies auf die Schrift. Doch er machte auch deutlich, dass viele heidnische Kulturen satanische Dinge praktizierten, die mit dem vergleichbar sind, was Christen ein „geisterfülltes Erlebnis“ nennen würden. Wenn das Vorhandensein geistlicher Gaben nicht als Beweis für ein geisterfülltes Leben genommen werden konnte, dann kann das „Sprechen in Zungen“ nicht der Beweis der „Taufe des Heiligen Geistes“ sein. Er predigte: „Wenn ihr sagt: ,Oh, Halleluja!, ich habe in Zungen gesprochen‘, das bedeutet nicht mehr als wenn ihr eine Melodie auf der Gitarre gespielt hättet. Selbst wenn ihr in Zungen gesprochen habt, selbst wenn ihr laut gepriesen habt und die Gänge rauf und runter gelaufen seid und Tränen geweint habt, als hättet ihr Zwiebeln geschält, ist das ohne jegliche Bedeutung, es sei denn euer Leben steht dahinter. Nun, wenn ihr diese Dinge tut und zudem das Leben habt – Amen!, das ist wunderbar. Doch ihr könnt diese Dinge tun, ohne das Leben zu haben. Also ist keines dieser Dinge der Beweis der Taufe des Heiligen Geistes. Jesus sagte: ,An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen.‘ Und die Früchte des Geistes sind Liebe, Freude, Friede, Langmut, Gütigkeit, Sanftmut, Glaube, Freundlichkeit, Beständigkeit.“ Mit Äußerungen wie diesen schockierte und verärgerte er viele Pfingstler. Manche seiner Unterstützer gerieten ins Wanken.