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Übernatürlich

Übernatürlich – Buch 5

Der Engel lehrt ihn zu angeln

1955

Nach seinem Sommer-Feldzug in Europa setzte William Branham lediglich zwei weitere große Feldzüge im letzten Quartal von 1955 an. In den ersten beiden Wochen des Oktobers predigte er acht Abende in Chicago, direkt bevor er auf seinen gewohnten herbstlichen Jagdausflug in die Colorado Rockies ging.

Im November organisierte Miner Arganbright einen 11-tägigen Feldzug in San Fernando (Kalifornien). Diese Versammlungen wurden in einem Zirkuszelt abgehalten, das die Geschäftsleute des vollen Evangeliums auf einer Wiese aufgestellt hatten in der Hoffnung, dass neutrales Gelände die konfessionellen Trennungen überwinden würde, die Bills Anstrengungen im Orange County in den vergangenen zwei Jahren behindert hatten. Ein neutraler Ort half nichts. Am ersten Abend des Feldzugs füllte die Menschenmenge weniger als die Hälfte der Sitze im Großzelt. Zugegeben, es war ein Mittwochabend, doch hatten Gottesdienste mitten in der Woche die Teilnahme an seinen Feldzügen in anderen Teilen Amerikas nicht beeinträchtigt. Ungeachtet der kleinen Menge, predigte Bill mit so viel Ernsthaftigkeit zu den hunderten von Menschen im Zelt, wie er es vor tausenden getan hätte. Obwohl seine Versammlungen stets überk onfessionell gewesen waren, waren viele seiner Sponsoren Pfingstler, was schlicht daran lag, dass Pfingstler ausdrücklich an die Gaben des Heiligen Geistes glaubten wie Zungenrede, Weissagung, göttliche Heilung und Wunder. Am Freitagabend hatte Bills Predigt das Thema: Wo ich denke, dass Pfingsten versagte. Er wollte ein Umdenken in der Gemeinde erreichen. Er sagte: „Wenn wir wissen, wo wir unseren Fehler gemacht haben, dann ist es das Beste auf geradem Wege dorthin zurückzukehren und von jenem Punkt aus von vorne anzufangen.“

Er sprach über zwei Arten von Christen – Fundamentalisten und Pfingstler – und sagte, die Fundamentalisten wüssten, wo sie ihren Stand in der Bibel haben, hätten jedoch keinen großen Glauben, der ihre Erkenntnis begleiten würde. Die Pfingstler dagegen hätten sehr großen Glauben, würden jedoch zu oft ihren Stand in der Schrift nicht kennen. Es war wie mit zwei Männern, von denen einer Geld auf der Bank hat, jedoch nicht weiß, wie er einen Scheck ausfüllt, wohingegen der andere weiß, wie man einen Scheck ausfüllt, jedoch kein Geld auf der Bank hat. Wenn diese beiden Männer je zusammenkommen könnten, würden sie etwas kaufen können. Desgleichen meinte Bill, wenn fundamentale Lehre und pfingstlicher Glaube in den Herzen einer größeren Schar zusammenkämen, es das Hervorbrechen einer großen Erweckung bewirken würde. Er sagte: „Wenn ihr Gläubigen nur erkennen könntet, dass ihr jetzt (Gegenwart) die Söhne und Töchter Gottes seid, dann könntet ihr einen Blankoscheck für alles ausfüllen, das Gott verheißen hat. Stattdessen verlegt ihr die Segnungen weit weg irgendwohin in die Zukunft. Ihr werdet göttliche Heilung im Tausendjährigen Reich nicht brauchen. Ihr seid jetzt die Kinder Gottes und Miterben mit Jesus. Alles, für das Jesus auf Golgatha starb, ist euer Besitz. Satan möchte nicht, dass ihr das erkennt, doch wenn ihr einfach Gott bei Seinem Worte nehmt, ist eure Quelle unerschöpflich.“

Er erzählte eine Geschichte, um zu veranschaulichen, was im Leben so vieler Christen fehlte. Als Reverend Billy Graham eine Evangelisation in Louisville (Kentucky) hielt, füllten über 30.000 Menschen sogenannte Entscheidungskarten aus, auf denen stand, dass sie für Jesus leben würden. Ein paar Monate später kam Billy Graham zurück, um zu sehen, was aus diesen „Bekehrten“ geworden war und war überrascht, als sein Team lediglich wenige hundert Leute finden konnte, die noch immer für den Herrn Jesus lebten. Wie konnte das sein? Bill erklärte, dass es zwei verschiedene Wege gibt, wie man zu Christus kommt. Der eine ist über eine intellektuelle Entscheidung, der andere ist durch das Erlebnis der Wiedergeburt. Die eine Art ist eine Wahl des Verstandes, die andere ist eine Umwandlung im Herzen. Jesus sagte: Ihr müsset von neuem geboren werden. Das ist eine geistliche Geburt, kein verstandesmäßiges Konzept. Als Nächstes umriss Bill, was seiner Ansicht nach bei der Pfingstbewegung verkehrt gelaufen war. Er betonte nachdrücklich, dass er nichts gegen die Leute in den unterschiedlichen Organisationen habe, und verwies darauf, dass er in allen christlichen Glaubensgemeinschaften Freunde habe. Es war die Grundidee von organisierter Religion, die ihm Kopfzerbrechen bereitete. Er erklärte, dass die römisch-katholische Kirche die erste war, die das Christentum organisierte und ihre Ideen über hunderte von Jahren Millionen von ungebildeten Menschen aufgezwungen hatte. Martin Luther sagte sich vom Katholizismus los, indem er der Feuersäule folgte. Luther predigte, dass der Mensch sich die Errettung nicht erarbeiten könne, sondern dass sie als Gabe von Gott käme. Luther betonte die Schriftstelle: Der Gerechte soll durch Glauben leben. Bedauerlicherweise organisierten sich die Anhänger Luthers zu einer eigenen Glaubensrichtung. Die Feuersäule zog weiter, verbreitete mehr Licht auf Ihrem Wege, doch die Lutheraner konnten nicht mit Ihr ziehen, weil sie bereits Schriftstücke erstellt hatten, die besagten, was sie glaubten. Später folgte John Wesley der Feuersäule in eine Botschaft der Heiligung und Heiligkeit und nannte sie das zweite Werk der Gnade. Seine Predigttätigkeit rief in England eine Erweckung hervor, die um die ganze Erde ging. Bedauerlicherweise organisierten seine Anhänger die methodistische Kirche und gravierten ihre Lehren in Stein. Die Feuersäule zog weiter, doch die Methodisten konnten nicht mit Ihr ziehen, weil sie sich bereits um ihre Lehren herum organisiert hatten. Im Jahre 1906 warf die Feuersäule mehr Licht auf die Taufe des Heiligen Geistes und brachte Geistesgaben hervor wie etwa das Sprechen in Zungen und Weissagen. Die Menschen, die dieses Licht empfingen, nannten sich Pfingstler. Es wurde die am schnellsten wachsende christliche Bewegung der Welt. Was also hat der Teufel gemacht? Er redete den Pfingstlern ein, sich zu organisieren; so zogen sie Grenzlinien und errichteten Zäune. Auch sie meißelten ihre Lehren in Stein, genau wie es frühere Bewegungen getan hatten.

Bill warnte seine Zuhörerschaft: „Die Feuersäule zieht gerade wieder weiter, und die Pfingstleute sind so organisiert, dass sie nicht mit Ihr mitziehen können. Gottes Feuer wird fortfahren weiterzuziehen, wie Es das in allen Zeitaltern getan hat. Errichtet also niemals Grenzlinien. Es ist völlig in Ordnung zu sagen: ,Ich glaube dies‘, doch schließt es nicht mit einem Punkt ab, beendet es mit einem Komma, was bedeutet: ,Ich glaube dies, plus all das Weitere, das Gott meinem Herzen noch offenbaren wird.‘“

Für den Rest dieses Feldzuges in San Fernando predigte Bill seine gewöhnlichen Glauben aufbauenden Predigten, die dazu dienten, Menschen so weit zu inspirieren, dass sie Jesus Christus als ihren Retter und Heiler annahmen. Jeden Abend geschahen Wunder in der Gebetsreihe. Normalerweise schnellte die Teilnehmerzahl in dem Tempo in die Höhe, wie die Neuigkeiten von Mund zu Mund verbreitet wurden. In San Fernando (Kalifornien) funktionierte es nicht auf diese Weise. Die Menschenmengen blieben klein. Nach fünf Tagen Feldzug erwähnte Miner Arganbright, dass die Opferspenden weit hinter den Ausgaben zurückblieben. Er bat Bill, ihm zu erlauben, Druck auf die Menschen auszuüben, damit sie mehr Geld in den Kollektenbeutel legten, wenn er abends durch die Zuhörerschaft gereicht wurde. Wie stets lehnte Bill es ab, irgendjemandem zu erlauben, in seinen Versammlungen um Geld zu betteln. Er kannte andere Evangelisten, die lange und nachdrücklich zu größeren Spenden aufriefen. Bill hatte immer geglaubt, dass solche Taktiken die Glaubwürdigkeit schwächten. Als sein eigener Dienst begann, hatte er dem Herrn versprochen, dass er niemals um Geld betteln würde, und er war fest entschlossen, sein Versprechen zu halten. Nach dem letzten Gottesdienst am 20. November teilte Miner Arganbright Bill mit, dass der Feldzug in San Fernando mit 15.000 Dollar Schulden geendet hätte.

Bill fuhr zum Bungalow des Motels zurück, in dem er mit seiner Frau und seinem Sohn übernachtete. Es war zwei Uhr in der Früh. Obgleich sie vorhatten, um 4:30 Uhr nach Hause aufzubrechen, war Bill nicht nach schlafen zumute. Stattdessen verließ er den Bungalow, fand eine abgelegene Stelle und kniete nieder zum Gebet. Ein heller Mond nahm den Sternen den Schein. Bald kroch ihm die kalte Nachtluft durch den dünnen Stoff seiner Hose und ließ ihn frösteln. Er beachtete es kaum.

Er dachte an das Versprechen, das er Gott vor neun Jahren gegeben hatte, als er erstmals mit den Glaubensheilungs-Feldzügen begonnen hatte. Als der Engel des Herrn ihm aufgetragen hatte, eine Gabe der göttlichen Heilung den Völkern der Erde zu bringen, hatte Bill erkannt, dass ihn solch eine gewaltige Aufgabe großen Versuchungen aussetzen würde. In der Bibel hatte er drei Gefahren bemerkt, die einen Dienst ruinieren konnten: Geld, Frauen und Ehre. Bileam fiel, weil er habgierig war; Simson fiel, weil er nach Delila gelüstete; und König Saul fiel, als sein Stolz ihn dahin brachte, Gott ungehorsam zu sein, damit er beim Volk beliebt sein konnte. Bill hatte befunden, dass weder Frauen noch Ehre ihn großartig anfechten konnten, doch was das Geld betraf, da war er sich nicht so sicher. Ihm war klar geworden, dass es tausende von Dollar kosten würde, große Feldzüge auf der ganzen Welt zu halten. War es möglich, dass Satan diesen Geldbedarf benutzen könnte, um ihn zu Fall zu bringen? Um sicherzugehen, dass dies nie geschah, hatte Bill Gott gegenüber das Versprechen abgegeben, dass er so lange auf dem Evangelisationsfeld bleiben würde, wie Gott für seine Bedürfnisse sorgte und er nie um Geld betteln musste. Neuneinhalb Jahre lang hatte Gott für alle seine Ausgaben gesorgt – bis zu dieser Woche. In seinem Gebet rang Bill mit Unentschlossenheit. Er wusste, dass Gott ihn ausdrücklich berufen hatte, eine Aufgabe auszuführen, und er selbst hatte Gott versprochen, er werde diese Aufgabe so lange ausführen, wie Gott die Mittel bereitstellte. Gott hatte dies bis zu dieser Woche getan. Was sollte Bill also jetzt tun? Sollte er die Aufgabe fortführen, die Gott ihm zugewiesen hatte oder sollte er sein Versprechen Gott gegenüber halten und das Evangelisationsfeld verlassen? Zwei Stunden lang betete Bill um Leitung, rang mit jeder Möglichkeit, die er sich vorstellen konnte. Kurz nach vier Uhr erhob er sich, klopfte sich den Schmutz von den Knien und ging langsam zurück zum Bungalow. Seine Wahl schien klar: Er musste sein Versprechen Gott gegenüber halten und die Evangelisationsa rbeit verlassen.

Im Westen ging der Mond unter. Die heraufziehende Dämmerung erhellte den Himmel im Osten. Meda und Billy Paul beluden das Auto. Als sie die getrockneten Tränen auf dem Gesicht ihres Mannes sah, erkundigte sich Meda naturgemäß: „Bill, was ist los?“

„Ach, ich war bloß draußen und habe mit dem Herrn geredet.“ Er konnte es nicht über sich bringen, auszusprechen, dass er aufhörte. Er entschied, dass er es seiner Familie erst in Arizona sagen würde. Als sie die Grenze zu Arizona überquerten, konnte er es noch immer nicht ansprechen. Texas, er würde es ihnen in Texas mitteilen. Der texanische Landzipfel kam und ging und er blieb dennoch still, in Gedanken versunken … Was versuchte Gott ihm mitzuteilen? Es war nicht nur die kleine Menschenmenge in San Fernando, die ihm Fragen aufwarf. Während der letzten paar Monate hatte er überall im Land eine Veränderung bemerkt. Früher bekam er tausende von Briefen pro Woche, jetzt nur noch hunderte. Natürlich hatte dies seine Finanzlage nicht verändert. Diese Briefe enthielten selten Geld. Er verschickte die Gebetstücher schließlich kostenlos. Was ihm ein Rätsel aufgab, war das nachlassende Interesse an seinem Dienst. Konnte das im Zusammenhang mit seinem Entschluss stehen, mehr Lehre zu predigen?

Er fragte sich, was er jetzt tun sollte. Wie würde er für seine Frau und Kinder sorgen? Hier war er, 46 Jahre alt, mit wenig Bildung, minimaler Geschäftserfahrung und sehr geringen vermittelbaren Fähigkeiten. Vielleicht konnte er seine alte Arbeit bei den öffentlichen Versorgungsbetrieben Indianas zurückbekommen. Vielleicht konnten er und Banks Wood zusammen ins Geschäft einsteigen, Häuser zu bauen. Banks war ein guter Zimmermann. Bill überlegte sich, dass je eher er zurück ins Arbeitsleben ging, desto schneller könnte er die 15.000 Dollar bezahlen, die er schuldete.

Es schien aberwitzig, dass er plötzlich so tief verschuldet sein sollte. Wenn er auch nur ein Hundertstel des Geldes behalten hätte, das die Menschen ihm persönlich angeboten hatten, wäre er mittlerweile Multimillionär. Er hatte diese Spenden stets abgewiesen. Er hatte das Empfinden, dass wenn er ein großes Bankkonto besäße, er möglicherweise dem Geld vertraute anstelle dem Herrn. Seine Gemeinde zahlte ihm ein bescheidenes Gehalt von 100 Dollar pro Woche. Das meiste Geld, das während seiner Feldzüge eingenommen wurde, wurde für die Kosten der Feldzüge aufgewendet. Wenn Geld einmal übrig war, gab er es christlichen Missionaren oder für wohltätige Zwecke. Diese Vorgehensweise hielt sein Girokonto „Branham Feldzüge“ bei einem Stand nahe Null. Es mag nicht der geschäftstüchtigste Weg gewesen sein, mit seinem Dienst umzugehen, doch anderseits: Er hatte nie versucht, ein guter Geschäftsmann zu sein, er versuchte nur, ein guter Evangelist zu sein.

Kürzlich hatte das Finanzamt eine Prüfung seiner Feldzugsfinanzen angemeldet. Er machte sich um eine Prüfung keine Sorgen, doch schien es schon seltsam, dass sich das Finanzamt gerade diesen Zeitpunkt aussuchte, seinen Dienst zu überprüfen. Was versuchte ihm der Herr mitzuteilen? War da noch immer etwas mit seinem Dienst verkehrt? Musste noch etwas anderes geändert werden? Niemand konnte die einschlägige Wirkung verleugnen, die sein Dienst in den vergangenen zehn Jahren auf die christliche Gemeinde ausgeübt hatte. Neben den hunderten und tausenden von Menschen, die auf seinen Feldzügen gerettet und geheilt worden waren, hatte er hunderte von ähnlichen Diensten inspiriert. Viele dieser Emporkömmlinge waren echte Heilig-Geist-erfüllte Männer – jedoch nicht alle von ihnen, und darin mochte das Problem liegen. Einige dieser Trittbrettfahrer versuchten, einen Dienst nachzuahmen, den sie nicht verstanden und so säten sie geistliches Durcheinander unter den Menschen. Bill dachte an das 16-jährige Mädchen, das kürzlich zu einem persönlichen Gespräch zu ihm nach Hause gekommen war. Sie war in Angst und Schrecken versetzt, weil ein Prediger in Kalifornien, der den Anspruch stellte, die Gabe der Unterscheidung zu haben, ihr sagte, sie habe Krebs. Als Bill ihre rechte Hand in seine linke nahm, wusste er augenblicklich, dass sie keinen Krebs hatte. Erleichtert verließ das Mädchen sein Haus. Bill fragte sich, wie viele andere Menschen dieser bestimmte Prediger getäuscht hatte.

Einmal hatte Bill eine Versammlung besucht, in der ein Mann vorgab, die Gabe der Heilung in seiner rechten Hand zu besitzen. Jedes Mal, wenn er jemanden zum Gebet berührte, brüllte er: „Fühlst du’s? Fühlst du das?“ Nach dem Gottesdienst passte Bill ihn hinterm Zelt ab und sagte: „Es ist eine Lüge, und du weißt das ganz genau. Du kannst vielleicht ’ne Menge Leute an der Nase herumführen, doch einmal wirst du dafür Gott Antwort geben müssen, und was dann?“

Ein anderes Mal hatte Bill eine Versammlung besucht, wo eine Frau vorgab, die Gabe der Unterscheidung zu haben. Sie sagte Dinge wie: „Der Herr hat mir gesagt, dass jemand in der Zuhörerschaft zurückgefallen ist.“ und „Der Herr hat mir gesagt, dass irgendjemand hier ein Nierenleiden hat. Würden Sie bitte Ihre Hand erheben, wenn Sie derjenige sind?“ Bill dachte: „In jeder großen Zuhörerschaft sind zwangsläufig zurückgefallene Gläubige und Leute mit Nierenleiden. Das ist doch keine geistgewirkte Unterscheidung – sie wendet Psychologie an.“

In noch einem anderen Gottesdienst beobachtete Bill einen Prediger, der für einen Mann mit Herzleiden betete, indem er ihn hoch und runter riss, während die Frau des Predigers mit einem Stock auf den Boden schlug und brüllte: „Schuuu! Komm aus ihm raus, Teufel! Schuuu, schuuu!“ Noch schlimmer als dies war der Evangelist, der die Menschen mit seiner Faust in den Magen schlug und den Anspruch erhob, die Teufel damit hinauszuzwingen. Ein anderes Mal hörte Bill einen Mann sagen, er könne Krankheiten und Dämonen riechen. Warum würde jemand auf solch einen unbiblischen Mumpitz hören? Kein Wunder, dass die Welt den Begriff der göttlichen Heilung schmähte und verlachte. Kein Wunder, dass so viele Christen bezüglich göttlicher Gaben verwirrt waren. Bei so viel Falschheit ringsum, wurde das Echte verdeckt.

Ein weiterer Tag verging, während die Kilometer unter seinen Reifen dahin rollten: Oklahoma, Missouri, Illinois und schließlich Indiana. Als sie beinahe Zuhause waren, verkündigte Bill seiner Familie seine Entscheidung, mit dem Evangelisieren aufzuhören. Billy Paul sagte: „Papa, da solltest du sehr vorsichtig sein. Hat Paulus nicht gesagt: ,Wehe mir, wenn ich das Evangelium nicht predigte.‘?“ „Ich hab nie gesagt, ich würde aufhören, das Evangelium zu predigen. Ich sagte, ich werde die Evangelisations-Feldzüge beenden. Ich werde weiterhin im Tabernakel predigen. Vielleicht kann Bruder Neville die Gottesdienste am Sonntagmorgen machen und ich übernehme die Sonntagabende. Ich kann vielleicht sogar ab und zu eine Halle für eine internationale Versammlung mieten, wo ich für die Kranken beten kann.“

Die Nacht war hereingebrochen, doch zeigten die gedämpften Lichter des Armaturenbretts die Sorge auf Medas Gesicht. Sie sagte: „Bill, du weißt, dass es mir eine Freude wäre, dich bei mir und den Kindern Zuhause zu haben. Aber schau mal, was dein Dienst bewirkt hat. Er hat eine weltweite Erweckung ausgelöst. Ich kann nicht einsehen, warum Gott dich auf diese Weise abtreten lässt. Ich hoffe, du weißt, was du tust.“

„Ich weiß nur eines: Ich muss mein Versprechen Gott gegenüber einhalten.“ „Gott hat dir nie gesagt, das Werk zu verlassen“, sagte Billy Paul. „Das ist etwas, das du Gott gesagt hast.“

„Du hast recht, Junge. Wir erwarten von Gott, Seine Verheißungen uns gegenüber zu halten, und so sollten auch wir bemüht sein, unsere Versprechen Ihm gegenüber zu halten.“

„Papa, ich denke, du machst einen Fehler.“

„Wenn das stimmt, dann lass uns beten, dass Gott mich korrigiert.“ Gegen vier Uhr in der Früh kamen sie Zuhause an. Ehe Bill ins Bett schlüpfte, betete er nochmals, dass Gott ihm zeige, was er als Nächstes tun sollte. Dann, ungeachtet seines besorgten Gemüts, schlief er ein.

Meda stand um sechs Uhr auf, damit sie Becky für die Schule fertig machen konnte. Ihre Bewegungen im Zimmer weckten Bill auf. Er setzte sich auf die Bettkante und rieb sich die verschlafenen Augen. „Liebling, heute Morgen rufe ich die öffentlichen Versorgungsbetriebe an, um zu sehen, ob ich meine alte Stelle zurückbekommen kann. Wenn ich die nicht bekomme, werde ich schauen, ob Bruder Banks mit mir ein Geschäft gründen will. Ich muss Geld verdienen, damit ich anfangen kann, die Schulden abzuzahlen.“

„Bill, du hast mir erzählt, dass einige der Brüder in Kalifornien für den Feldzug gehaftet haben. So gesehen, ist die Schuld bezahlt.“

„Stimmt. Aber das war nicht mein Versprechen zu Gott. Aus meiner Sicht schulde ich diesen Brüdern 15.000 Dollar.“

„Bill, ich hoffe, du weißt, was du tust“, sagte Meda.

„Na, ich denke …“ Er beendete seinen Satz nicht. Etwas Seltsames vollzog sich gerade. Anstatt auf seine Frau zu blicken, beobachtete er zwei schmuddelige Jungen, die entlang einer unbefestigten Straße auf ihn zukamen. Ihre nackten Füße wühlten Staubwölkchen auf, die sich auf ihre abgerissenen Hosen legten. Sie trugen keine Hemden. Beide hatten struppiges, schwarzes Haar, dunkle Augen und braune, sonnengebrannte Haut. Einer der Jungen zog einen Wagen mit hölzernen Rädern. „Schatz“, sagte Bill, „schau mal, wer da kommt.“ „Wovon sprichst du?“, fragte Meda. Mittlerweile war Bill zu weit in der Vision, als dass er ihr antworten konnte. Dann verließ seine Frau das Zimmer und die Vision nahm ihn gänzlich ein.

Etwas Machtvolles trug ihn über die Kinder hinaus, bis er zu Miner Arganbright kam, der lächelnd sagte: „Bruder Branham, alles ist bereit. Wir haben alle Gebetskarten verteilt und wir haben einen Weg gefunden, dich hineinund wieder herauszubekommen. Die Versammlung hat bereits begonnen, gehe also hinein.“

„Danke, Bruder Arganbright.“ Bill ging an seinem Freund vorbei auf ein offenes Stadion zu, das mit tausenden von braunhäutigen Leuten gefüllt war. Die Menge hörte einem Prediger zu, der in der Mitte der Arena von einer Plattform aus sprach. Bill fragte eine Gruppe von Predigern: „Wer ist dieser Mann?“ Ein Prediger mit blondem Haar sagte: „Die haben ihn da oben hingestellt.“ „Wer ist die?“, fragte Bill.

Ohne ihm zu antworten, gingen die Prediger alle weg, mit Ausnahme des Mannes mit dem blonden Haar. In dem Moment sagte der Prediger auf der Plattform: „Ihr dürft gehen.“ Die Menge begann aufzubrechen.

„Das hätte er nicht tun dürfen“, protestierte Bill. „Er hat keinen Altarruf gemacht!“

„Das ist schon in Ordnung“, sagte der blonde Mann, indem er einen Sack voller Geld emporhob und ihn schüttelte, damit Bill die Münzen klimpern hören konnte. „Wir haben das Opfer bereits eingesammelt.“

Angewidert erboste sich Bill: „Seit wann ist ein Opfer wichtiger als Seelen, die man für Christus gewinnt?“

Die Frage unbeachtet lassend, sagte der Mann: „Du wirst heute später am Nachmittag predigen.“

Mittlerweile war das Stadion fast leer. Es begann zu nieseln. Bill erlaubte sich die Bemerkung: „Wir werden noch Glück haben, wenn heute Nachmittag zwölf Leute kommen.“

Der Mann zuckte mit den Schultern und sagte: „Hatte nicht Jesus nur noch zwölf Männer übrig, nachdem er den Menschen die Wahrheit gesagt hatte?“ Von irgendwo hinter Bills rechter Schulter sagte der Engel des Herrn: „Hieran wirst du erkennen …“ Dann nahm ihn der Engel tiefer in die Vision hinein. Das Nächste, was Bill mitbekam, war, dass er einen weichen Babyschuh in der einen Hand und einen Schnürsenkel in der anderen hielt. Er versuchte, den dicken Schnürsenkel durch die dünne Öse am Schuh zu ziehen, aber er bekam den Schnürsenkel nicht eingefädelt. Jedes Mal, wenn er ihn durch die Öffnung schieben wollte, franste er mehr aus und verhinderte das Einfädeln. Indem er die Endfasern zu einer engen Spitze zusammendrehte, versuchte er es weiter. Doch je mehr er es versuchte, desto mehr franste das Ende aus. Die Aufgabe schien unlösbar. Der Durchmesser des Schnürsenkels war schlicht zu groß, um durch die kleine Öse zu passen.

Der Engel des Herrn fragte: „Was machst du da?“

„Ich versuche diesen Schuh zu schnüren, aber ich schaffe es nicht. Der Schnürsenkel geht nicht durch das Loch.“

„Du machst das falsch. Nimm das andere Ende.“

Er hatte sich so fest darauf konzentriert, den Babyschuh zu schnüren, dass er nicht bemerkt hatte, wie lang der Schnürsenkel war. Er ging bis auf den Boden, wo er, Schleife um Schleife zu einem ansehnlichen Türmchen aufgehäuft, dalag. Er erblickte das andere Ende und sah, dass es schmal genug war, um mit Leichtigkeit durch die Öse zu passen.

Der Engel sagte: „Begreifst du nicht? Du kannst pfingstlichen Babys keine übernatürlichen Dinge beibringen. Wenn du es versuchst, wirst du nur fleischliche Nachahmungen hervorrufen.“

Dann nahm ihn der Engel weiter in die Vision hinein, bis er zu einem schönen, mit Bäumen umgebenen See kam. Das Wasser sah glasklar aus. Bill konnte Schwärme kleiner Fische nahe am Ufer schwimmen sehen. Und weiter draußen erblickte er ein paar große Regenbogenforellen. Eine Menge Fischer warfen vom Ufer die Angel aus, doch fingen sie bloß kleine Fische. Bill dachte: „Ich bin ein guter Angler. Ich denke, ich kann die großen Forellen weit da draußen fangen.“

Der Schnürsenkel war zu einer Angelschnur geworden und der Babyschuh war jetzt ein Haken mit Köder. Zu seinen Füßen lag eine Angel auf dem Boden. Bill hob die Angel auf und rollte die Angelschnur ein. Hinter ihm sagte der Engel: „Ich werde dir beibringen, wie man angelt, ich will aber nicht, dass du irgendjemand anderem mitteilst, wie man‘s macht. Behalte es einfach für dich.“ „Ich habe verstanden.“

„Zuerst, bringe einen Köder am Ende deiner Angelschnur an, und beködere den Haken. Wirf dann deine Schnur weit aufs tiefe Wasser hinaus. Lass den Köder etwas sinken und zieh dann vorsichtig an ihm. Das wird die kleinen Fische herbeibringen. Wenn du einen von ihnen am Köder knabbern spürst, ziehe wieder an der Leine, nur etwas stärker als beim ersten Mal. Das wird die kleinen Fische verscheuchen, was wiederum die Aufmerksamkeit der großen anziehen wird. Wenn du einen dieser großen Fische am Köder knabbern fühlst, gib einen kräftigen Ruck, um den Haken fest in seinen Kiefer zu verkanten. Dann kannst du ihn einrollen.“

Bill fing an, zu tun, was der Engel gesagt hatte. Während er seinen Haken beköderte, kamen die anderen Angler, um zuzusehen. All diese Angler waren Prediger und sie waren ganz aufgeregt, ihn dort anzutreffen und sprachen: „Preis dem Herrn, das ist Bruder Branham. Der ist ein echter Angler. Lasst uns zuschauen, wie er das anstellt. Der kann uns zeigen, wie man jede Menge Fische fängt.“

Sich in all dieser Aufmerksamkeit sonnend, sagte Bill: „Aber klar, ich werde euch zeigen, wie man das macht.“ Er warf die Leine weit auf den See hinaus und ließ den Köder sinken. „Nun, Brüder, diese kleinen Fische sind ja ganz schön, doch wir wollen auch die großen fangen. Und das macht man so: Zuerst gebt ihr einen leichten Ruck mit der Angelschnur. Das wird die kleinen Fische anziehen. Wenn ein kleiner Fisch am Köder knabbert, zuckt wieder an der Leine, nur ein wenig kräftiger, doch nicht zu stark. Die kleinen Fische werden sich zerstreuen und die großen herbeikommen, um zu sehen, was los ist. Einer dieser großen Kerle wird auf alle Fälle nach dem Köder schnappen.“

Bill führte seine Technik vor, indem er der Angelschnur den ersten vorsichtigen Ruck gab. Wie erwartet schwamm ein Schwarm kleiner Fische auf seinen schimmernden Köder zu. Die Prediger wurden ganz aufgeregt, klopften sich einander auf die Schulter und schwärmten: „Halleluja! Preis dem Herrn! Dies ist wunderbar.“ Ihre Begeisterung steckte Bill an. Als er dann das Anbeißen an seinem Köder spürte, war er dermaßen darauf aus, einen Fisch zu fangen, dass er zu stark an seiner Angel zog und dadurch die Leine aus dem Wasser riss, den ganzen Weg zurück zum Ufer. Die Angelschnur fiel in einem heillosen Durcheinander rings um ihn her. Er hatte tatsächlich einen Fisch gefangen, aber einen so kleinen, dass er sich fragte, wie er je sein Maul über den Köder bekommen hatte. Die Prediger verloren das Interesse und gingen weg. Jetzt trat der Engel des Herrn ins Blickfeld. Sein schwarzes Haar und seine dunkle Haut setzten sich scharf von seiner weißen Robe und seiner Kopfbedeckung ab. Er faltete seine Arme über der Brust und runzelte die Stirn: „Du hast genau das getan, wovon ich dir sagte, es nicht zu tun.“ Bill schämte sich. „Ich weiß, ich habe das nicht richtig gemacht“, schluchzte er, während er sich bemühte, das Durcheinander um sich herum zu entwirren. „Ich habe beim zweiten Mal zu stark gezogen.“

„In Zeiten wie diesen, darfst du nicht zulassen, dass sich deine Angelschnur verheddert“, ermahnte ihn der Engel. „Diese Angellektion symbolisiert deinen Dienst. Der erste Zug war, als du Menschen bei der Hand genommen hast und die Schwingungen ihrer Krankheiten spüren konntest. Der zweite Zug ist die Unterscheidung, die es dir gestattete, ihnen die Geheimnisse ihrer Herzen mitzuteilen. Ich habe dich zu einem Seher vor den Menschen gemacht, du aber hast immer versucht, es zu erklären. Das hättest du nicht tun sollen. Du hast eine übernatürliche Gabe genommen und sie zu einer öffentlichen Schau gemacht. Indem du das tatest, hast du verursacht, dass viele fleischliche Nachahmer aufgestanden sind und Verwirrung verbreitet haben.“

„Das tut mir sehr leid. Von jetzt an werde ich versuchen, vorsichtiger zu sein.“ Zu Bills großer Erleichterung bekam er schlussendlich seine Leine wieder entwirrt. Er rollte die Schnur ein und holte mit dem Arm aus, um einen weiteren Wurf zu machen. Ehe er den Wurf machen konnte, nahm ihn der Engel sogar noch weiter in die Vision hinein.

Jetzt stand er hoch in der Luft, aber nicht draußen, vielmehr schien er im Inneren irgendeiner Art Halle zu sein. Über ihm weitete sich eine kugelförmige Decke, wie die eines Doms oder eines riesigen Zeltes. Bill hatte nie zuvor eine solch gewaltige Überdachung gesehen. Unter ihm saßen tausende von Leuten in Reihen mit Blick auf eine Plattform, die an einem Ende des Zeltes stand. Hunderte von Leuten knieten vor dieser Plattform, weinten leise und beteten Jesus Christus an. Offensichtlich war dies ein evangelistischer Gottesdienst und der Prediger hatte gerade erst einen Altarruf gegeben. Bill sagte: „Das kommt der Sache schon näher.“

Ein freundlich aussehender Mann ging zur Kanzel hinauf und sagte mit besänftigender Stimme: „Während Bruder Branham gerade ruht, lasst uns die Gebetsreihe aufstellen. Alle mit einer Gebetskarte stellen sich bitte hier zu meiner Rechten auf.“

Bill blickte in dieselbe Richtung wie die Menge, also zur Kanzel auf dem Podium. Von seinem günstigen Aussichtspunkt über der Versammlung beobachtete er, wie diejenigen mit einer Gebetskarte aufstanden und sich, von ihnen aus gesehen, nach links bewegten und eine Reihe formten, die sich bis ganz zum hinteren Bereich des Zeltes fortsetzte und draußen weiter verlief. Dies unterschied sich deutlich von seinen jetzigen Versammlungen. Es waren nicht nur wesentlich mehr Leute in der Reihe als gewöhnlich, die gesamte Anordnung der Gebetsreihe war anders. Vor der Gebetsreihe hing ein leinener Vorhang, der den Menschen unten die Sicht auf das Podium versperrte. Auch oben auf dem Podium waren die Dinge anders. Zwischen der Gebetsreihe und der Kanzel stand ein viereckiger Bau, der etwa vier Meter breit und sieben Meter lang war, und zu beiden Enden Türen hatte. Eine Frau mit einem Notizblock stand an der Tür, den Blick auf die Gebetsreihe gerichtet. Eine weitere Frau stand an der Tür nahe der Kanzel.

Von all dem vor ein Rätsel gestellt, blickte Bill sich nach dem Engel des Herrn um, damit er ihn um Erklärungen bitten konnte. Der Engel stand rechter Hand in der Luft neben ihm. Über dem Engel kreiselte das Licht, warf kleine Feuerzungen aus und brauste mit dem pulsierenden Geräusch eines Wirbelwindes. Dann geschah etwas, das Bill nie zuvor gesehen hatte. Die Feuersäule verließ den Engel des Herrn und schwebte hinab durch das Auditorium, bis es zu dem kleinen Bau auf dem Podium kam. Einen Moment lang verharrte das Licht über dem kleinen Bau. Dann setzte es sich senkrecht durch das Dach in den darunter liegenden Raum hinab.

Kaum war die Feuersäule seinem Blick entzogen, sagte der Engel des Herrn: „Ich werde dir dort drinnen begegnen. Dies ist der dritte Zug.“ Jetzt setzte sich die Gebetsreihe in Gang. Die erste in der Reihe war eine Frau auf der Trage eines Krankenwagens. Zwei Männer trugen sie hinter den Vorhang, dann die Stufen hinauf und über das Podium zu dem kleinen Bau. Die Frau, die an der Türe stand, die der Gebetsreihe am Nächsten war, notierte den Namen und das Leiden der kranken Frau auf ihrem Notizblock, bevor die zwei Männer die Trage in den kleinen Raum brachten. Die Menge hielt den Atem an, die Aufmerksamkeit eines jeden war auf den viereckigen Bau auf der Plattform gerichtet. Plötzlich öffnete sich die Tür, die dem Pult am nächsten war, und die Frau trat hinaus, die Trage vor sich herschiebend und Gott so laut preisend, wie sie nur schreien konnte.

Die dunkelhaarige Frau, die an der Hintertür des kleinen Raumes stand, schien eine Reporterin zu sein. Sie fragte die geheilte Frau: „Was ist da drinnen passiert?“

„Ich weiß nicht, was passiert ist“, antwortete die Frau. „Ich war 20 Jahre lang gelähmt und jetzt schau mich an. Ich fühle mich, als wäre ich nie verkrüppelt gewesen.“

Der zweite in der Gebetsreihe war ein Mann mit Krücken. Humpelnd betrat er den kleinen Raum, doch bald hüpfte er zur Hintertür hinaus, laut preisend, seine Krücken hoch in der Luft erhoben. Wieder fragte die Frau: „Was ist da drinnen passiert?“

Der Mann antwortete: „Ich weiß es nicht. Doch schau mich an, ich kann gehen.“

Bill sagte zum Engel des Herrn: „Das begreife ich nicht. Was geht in dem kleinen Raum vor sich?“

„Hat nicht unser Herr gesagt: ,Wenn ihr betet, sollt ihr nicht sein wie die Heuchler. Denn sie lieben es, in den Synagogen und an den Straßenecken stehend zu beten, damit sie von den Menschen gesehen werden … Du hingegen, wenn du betest, geh in deine Kammer und nachdem du deine Tür geschlossen hast, bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist. Und dein Vater, der ins Verborgene sieht, wird es dir öffentlich vergelten.‘“ „Ja, das ist, was unser Herr uns geboten hat.“

„Ich werde dir in jenem Raum begegnen. Dies ist dein dritter Zug. Er wird keine öffentliche Schau sein.“

„Ich verstehe.“

Der Engel nahm ihn in jenen Raum hinab und sagte ihm ein drittes Mal, was er tun musste. Dann sagte ihm der Engel ein Geheimnis. Sich auf diese Unterredung beziehend, sagte Bill: „Gläubige Freunde, wenn ich diese Welt verlasse, wird jenes Geheimnis noch immer in meiner Brust ruhen. Doch lasst euch dies gesagt sein: Gebt acht, was als Nächstes geschehen wird.“

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