1955
Dr. Adolph Guggenbühl wertete William Branhams Glaubensheilungs-Feldzug in Zürich (Schweiz) als einen überwältigenden Erfolg. Die Größe der Zuhörermenge beeindruckte ihn, ebenso die Gebanntheit und Ehrfurcht, die er auf den Gesichtern all jener sah, die die übernatürliche Unterscheidung hörten und zusahen, wie Jesus Christus die Kranken heilte und andere Wunder wirkte. Kaum war der Zürich-Feldzug beendet, bat Dr. Guggenbühl William Branham um Erlaubnis, sofort einen anschließenden Feldzug in Europa für den Sommer zu arrangieren. Als Bill sein nochmaliges Kommen zusagte, setzte Dr. Guggenbühl zwei Versammlungswochen mitten im August des Jahres 1955 fest. Die erste Woche in Karlsruhe (Deutschland) und die zweite Woche in Lausanne (Schweiz). Als jedoch die Leiter der Schweizer Reformierten Kirche von diesen Plänen erfuhren, unternahmen sie, was sie nur konnten, um das Zustandekommen dieser Versammlungen zu verhindern. Als ihre Anstrengungen in der Schweiz fehlschlugen, überschwemmten sie den Deutschen Bundestag mit Beschwerden und setzten die Regierung dermaßen unter Druck, dass sie William Branham die Einreise nach Deutschland versperrte. Dr. Guggenbühl fuhr nach Bonn, um seine eigene Beschwerde einzulegen. Es nutzte nichts. Der Einfluss der Schweizer Reformierten Kirche schloss und verriegelte die Tür. Dr. Guggenbühl betete darüber, was er als Nächstes tun sollte und Gott zeigte ihm, wie das Schloss zu knacken war.
Nach Deutschlands Niederlage im Zweiten Weltkrieg war das Land in vier Sektoren unterteilt worden. Jeder Sektor wurde von einer der siegreichen alliierten Armeen überwacht: Der amerikanischen, britischen, französischen und russischen. Die Stadt Karlsruhe lag in der amerikanischen Besatzungszone. Dr. Guggenbühl entschloss sich, den Fall direkt vor den amerikanischen Oberst zu bringen, der für diesen Bezirk verantwortlich war.
Eine Sekretärin führte Dr. Guggenbühl in das Büro des Befehlshabers. Der Oberst grüßte ihn höflich und setzte sich dann hinter seinen Schreibtisch, um zuzuhören. Dr. Guggenbühl erklärte: „Ich vertrete einen amerikanischen Evangelisten, der glaubt, dass Gott ihm aufgetragen hat, diesen Monat in Deutschland zu predigen. Die Reformierten Kirchen stellen sich seiner Lehre jedoch entschieden entgegen, und so haben sie der Regierung eingeredet, ihm die Einreise zu verweigern. Mein Argument ist dieses: Wenn sie Billy Graham hereinkommen und predigen lassen, warum dann nicht auch diesen anderen Mann?“
Der Oberst lehnte sich in seinem Sessel zurück und fragte: „Was haben sie gegen diesen Menschen?“
„Er betet für die Kranken und bekommt Resultate, große Resultate, an Wunder gleichende Resultate. Ich denke, der Reformierten Kirche ist nicht wohl bei dem Gedanken an einen übernatürlichen Gott, bei dessen Wirken Menschen zusehen können.“
„‚Betet für die Kranken‘, sagen Sie. Wer ist dieser Evangelist?“ „Sein Name ist William Branham.“
„Bruder Branham!“, der Oberst fuhr in seinem Sessel hoch. „Meine Mutter wurde in einer Versammlung von William Branham in Virginia geheilt. Sie stieg aus einem Rollstuhl. Sagen Sie Bruder Branham, er soll herkommen. Ich werde mich persönlich darum kümmern, dass er hereinkommt.“
Auch wenn die Reformierte Kirche Bill nicht von Deutschland fernhalten konnte, so verweigerte der Stadtrat doch die bereits mündlich zugesicherte Schwarzwaldhalle in Karlsruhe, stellte aber später Sitzbänke und Liegen leihweise zur Verfügung. Der Sportverein vermietete freundlicherweise den Sportplatz, und aus Dürkheim erhielt man ein großes, langgestrecktes, rechteckiges Doppelzelt für 8.000 Personen. Dieser provisorische Kirchenbau bot Tausenden von Leuten Schutz vor Sonne oder Regen, doch ob er auch einem Sturm standhalten konnte, war fraglich.
Am Donnerstag, dem 11. August 1955, bestiegen Bill und Billy Paul Branham, Fred Bosworth und Miner Arganbright ein Flugzeug in New York und flogen nach Karlsruhe. Sie eröffneten ihren Glaubensheilungs-Feldzug am Freitagabend. (Die tägliche Besucherzahl wurde auf 12.000 geschätzt.) Gleich am ersten Abend war das Zelt gut besetzt. Siebenundsiebzig Busse und hunderte von Autos standen auf dem Parkplatz. Die nächsten zwei Tage öffneten Deutschland die Augen für das Übernatürliche. Am Sonntagnachmittag bot Bill jedem Mann, jeder Frau und jedem Kind die Ewigkeit an, wer immer das blutige Opfer Jesu Christi als Sühne für seine Sünden annahm. Tausende von Menschen nahmen es an. An jenem Abend bewies Jesus erneut, dass Er lebt: Zuallererst durch Seine vollkommene Unterscheidung, und zweitens durch Seine mächtigen Wunder. Nach dem Gottesdienst eskortierte ein Kommando der Deutschen Militärpolizei Bill und Billy Paul zu ihrem Auto. Kommunistische Terroristen hatten gedroht, den amerikanischen Evangelisten umzubringen, und so hatte die Regierung dieses Polizeikommando abgestellt, um ihn zu schützen. Als Bill sich der schwarzen Limousine näherte, mit der er zwischen den Versammlungen hin und her chauffiert wurde, scherte ein Auto von der Straße aus und raste über den Parkplatz direkt auf den Evangelisten und seinen Sohn zu. Bill sprang auf den Rücksitz, aber Billy Paul befand sich noch immer im Weg der Fanatiker. Gerade rechtzeitig zog Bill seinen Sohn aus der Gefahrenzone.
Am nächsten Morgen wünschte der Leiter einer spiritistischen Sekte ein Treffen mit dem amerikanischen Evangelisten. Dr. Guggenbühl verweigerte dem Mann einen Gesprächstermin. Der gekränkte Kultführer sagte zu Guggenbühl: „Heute werden ich und meine Leute einen Zauberspruch auf Branhams Versammlung legen. Wir werden einen so starken Sturm heraufbeschwören, der den ganzen Platz niederblasen wird. Wir werden ihm unsere Macht vorführen.“ Als Dr. Guggenbühl Bill von dieser Drohung berichtete, machte sich Bill keine Sorgen, weil er wusste, dass sich die Macht Jesu Christi gegen jeden Zauberspruch des Feindes durchsetzen konnte.
An jenem Abend predigte Fred Bosworth über Glauben und über Heilung durch den Namen Jesu, und legte damit ein Fundament für die anschließende Gebetsreihe. Den ganzen Tag über hatte ein sanftes Lüftchen Quellwolken über den Himmel getrieben, und so war die Sonne mal verdeckt, mal sichtbar. Kurz nachdem Bill die Stufen zur Plattform hinaufgestiegen war und seine Zuhörerschaft gegrüßt hatte, hob die Brise an, presste die Zeltplane nach innen auf ihr Gerüst, um sie sodann wie ein aufgeblähtes Segel nach außen zu stoßen. Wieder und wieder wurde die Plane eingedrückt und nach außen geworfen. Entferntes Donnergrollen warnte die Menge, dass noch schlechteres Wetter heraufzog. Bill knüpfte an das Thema Glaube und Heilung an, indem er die Geschichte des blinden Bartimäus erzählte, der an der Straße zu Jericho gesessen und geschrien hatte, Jesus möge anhalten und ihn heilen. Bald machte es der heulende Wind der Menge trotz Lautsprecher schwer, ihn zu verstehen. Die Donnerschläge kamen näher, grollten wie die Fronteinheiten einer nahenden Armee. Der Wind zerrte unnachgiebig an der Zeltkonstruktion, die nicht dafür gebaut war, solch eine Belastung auszuhalten. Er wirbelte an den Rändern der Türklappen herein und drohte, die Konstruktion wie einen Papierdrachen anzuheben. Bill wusste, dass dies kein gewöhnlicher Sturm war. Bereits seit dem ersten Donnerkrachen hatte er angefangen zu beten, dass der Herr ihm zeigte, was er tun musste. Jetzt sah er einen kleinen dunklen Schatten über den tausenden Menschen treiben. Er beobachtete diesen Schatten, bis er ihn über einer Gruppe von 15 Männern verharren sah, die in einer Reihe saßen. Sie zeigten mit Federn auf ihn und äußerten Worte, die er nicht verstehen konnte. (Später erfuhr er, dass sie im Sprechchor riefen: „Im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes beschwören wir einen Sturm herauf, um dich zu zerstören.“) Dann bemerkte er eine andere Reihe von Männern auf der anderen Seite des Ganges, die dasselbe taten. Alles in allem waren es vielleicht 30 Männer, die Federn schwangen und Sprechchöre sangen. Während Bill noch die Männer und ihr sonderbares Gebaren studierte, teilte eine Vision den Vorhang zwischen den Dimensionen und offenbarte, wie sich der Leiter dieses Kultes vor den entfesselten Dämonen um sich herum niederbeugte.
Bill wandte sich an den Übersetzer und sagte: „Bruder Lauster, übersetze dies jetzt nicht.“ Dann beugte er sein Haupt und betete: „Herr, Gott, Schöpfer des Himmels und der Erde, ich stehe auf deutschem Boden im Namen Jesu Christi. Du hast mich für die Errettung dieser Menschen hierher gesandt. Satan, ich gebiete dir im Namen Jesu, von hier zu weichen.“ Er hob den Kopf, blickte auf den Kultleiter und sagte ruhig: „Du Kind des Teufels, wie Jannes und Jambres sich gegen Mose gestellt haben, so hast du die Macht, Wunder zu vollbringen. Doch an den übernatürlichen Gott kommst du nicht heran. Weil du versucht hast, diesen Gottesdienst zu zerstören, wirst du einen Preis bezahlen müssen.“
Plötzlich sah Bill die Feuersäule vor sich, direkt vor der Kante der Plattform, wie sie über einer Frau schwebte, die an eine Krankenwagentrage festgeschnallt war. Durch Vision sah er etwas Wundergewirktes voraus. „Dort“, sagte er und zeigte hin, „die Frau, die dort auf dem Bett festgeschnallt ist, sie hat Tuberkulose und ihr Rückgrat ist entzwei gefressen. Jemand löse die Riemen.“ Ein vornehm aussehender Mann aus der ersten Reihe stand auf und widersprach. „Das können Sie nicht machen! Ich bin ihr Arzt. Sie muss absolut ruhiggestellt bleiben, ansonsten kann sie sterben.“
„Macht sie los!“, beharrte Bill, „denn so spricht der Herr: ,Sie ist geheilt.‘“ Jemand löste die Riemen und die Frau auf der Trage, durch Glauben empor gehoben, stand auf. Die Zuhörerschaft hielt gemeinsam die Luft an, als sie barfuß den Gang hinunterging. Dieses erste Wunder des Feldzuges in Karlsruhe entzündete in tausenden von Herzen ein Feuer der Erwartung und rüttelte viele Zweifler wach, doch nicht alle … Zehn Minuten waren verstrichen, seit Bill den Kultführer zurechtgewiesen hatte, dessen Zauberspruch den Sturm heraufbeschworen hatte. Während dieser Zeit war der Sturm zu einem Flüstern abgeklungen und die Wolken hatten sich aufgelöst, so dass die untergehende Sonne auf das Zelt schien. Bill beendete seine Predigt und rief dann 15 Gebetskartennummern auf. Während diese 15 Leute zu seiner Rechten eine Reihe formten, bemerkte Bill, dass der Mann, der ihn herausgefordert hatte, in seinem Sitz vornüber gesunken war. „Bruder Lauster, schau dir mal den Mann da an. Siehst du, wie sein Kopf nach vorne steht und seine Arme kraftlos runterhängen? Etwas ist mit ihm passiert. Schick bitte jemanden hin, um nachzusehen, was da nicht stimmt.“
Als sie nachsahen, stellten sie fest, dass der Kultleiter sich nicht bewegen konnte. Eine Gruppe von Ordnern musste ihn aus dem Gebäude tragen. Bill hat nie erfahren, was aus ihm geworden ist.
Während alle auf der Plattform zusahen, wie dieses kleine Drama zu Ende ging, führte ein Ordner ein blindes Mädchen die Stufen zur Plattform hinauf und ließ sie dort alleine stehen. Das war ein Fehler. Unruhig lief das blinde Mädchen auf der Suche nach dem Amerikaner weiter. Bill sah sie, als sie kurz davor stand, über die Kante der Plattform zu treten. Er packte sie und zog sie zurück.
Auf Deutsch sagte sie: „Ich möchte zu dem Mann, der für mich betet.“ Herr Lauster sagte: „Er hält dich an der Hand.“
Das Mädchen umarmte Bill so herzlich, dass sein Herz vor Mitgefühl dahinschmolz. Sie sah so unschuldig aus in ihrem blumengemusterten Kleid und mit ihrem mittig gescheitelten Haar, das in zwei langen Zöpfen zusammengeflochten war. Sie mochte etwa acht Jahre alt sein, im Alter seiner Tochter Becky.
Plötzlich schrumpfte eine Vision das Mädchen auf die Größe eines Neugeborenen. Bill sah sie in den Armen ihrer Mutter liegen. Ihre Mutter war groß gewachsen, dünn und blond, ihr Vater war untersetzt und hatte dunkles Haar. Als Nächstes sah Bill einen Arzt sich über das Baby beugen, ihre Augen untersuchen und sie für blind erklären. Als die Vision von ihm wich, erzählte Bill der Menge, was er gesehen hatte und suchte gleichzeitig in ihren Gesichtern nach den Eltern. Er sah die Mutter des Mädchens einige Reihen vor ihm sitzen. Bill sagte: „Natürlich habe ich keine Macht, sie zu heilen. Jesus Christus ist der einzige Heiler.“
Er blickte auf das blonde Mädchen hinunter, das ihn noch immer verzweifelt umklammert hielt. Während er noch schaute, schien sie sich in zwei Mädchen zu teilen, wobei sich ihr Zwilling wie ein Schatten löste und über die Kante der Plattform hinwegschritt, Freudensprünge in der Luft vollführte und auf vier verschiedene Gegenstände zeigte. Jetzt wusste Bill, was passieren würde. Er betete: „Himmlischer Vater, ich habe meine Tochter Becky weinend Zuhause zurückgelassen, damit ich hierher kommen und für dieses Kind beten kann. Heile sie bitte in Jesu Namen.“ Er hob ihren Kopf sanft von seiner Schulter. Sie schaute an ihm vorbei und starrte auf die Decke. Dann sagte sie etwas auf Deutsch. Lauster übersetzte: „Bruder Branham, sie fragt, was diese runden Dinger über uns sind.“ Sie konnte die elektrischen Lichter oben sehen. Bill hielt ihr zwei Finger vors Gesicht. „Wie viele Finger sind das?“, fragte er durch den Übersetzer. „Zwei“, erwiderte sie und hob dazu passend zwei von ihren Fingern. Ihre Mutter schrie auf und rannte so schnell zur Plattform, dass sie einen Schuh auf der Treppe verlor. Bald überschüttete sie ihre Tochter mit Küssen. Das kleine Mädchen fragte: „Bist du meine Mutter?“
„Ja, mein Schatz“, erwiderte sie.
Das Gesicht ihrer Mutter in ihre kleinen Hände nehmend, sagte das Mädchen wieder und wieder: „Ach, Mutti, du bist so schön … so schön.“ Später führte ein Ordner einen Mann mittleren Alters zum Podium hinauf. Als Bill dem Mann durch seinen Übersetzer eine Frage stellte, antwortete der Mann, indem er mit seinen Händen Zeichen gab. Es dauerte ein paar Minuten, ehe jemand gefunden war, der Zeichensprache verstand, doch schließlich erfuhr Bill, dass der Mann von Geburt an taubstumm war. Nachdem er für die Heilung gebetet hatte, wusste Bill, dass der einst Taubstumme jetzt hören und sprechen konnte. Da der Mann nie zuvor gehört oder ein Wort gesprochen hatte, war eine Sprache so gut wie die andere, um seine Heilung zu prüfen. Bill flüsterte seinem Übersetzer zu, den Übersetzer für die Zeichensprache zu bitten, dem Mann zu sagen, er möge wiederholen, was er Bill sagen höre. Dann sagte Bill: „Mama.“
Der Mann murmelte etwas, das sich entfernt nach „Mama“ anhörte. Bill sagte: „Ich liebe Jesus.“
Nuschelnd reihte der Mann Laute aneinander, die fast wie „I-liefe-Jesus“ klangen.
Bill sagte: „Preis dem Herrn!“
Ein wenig deutlicher sagte der Mann: „Preis dem Herrn.“
Wenngleich sich die Gewitterwolken draußen verzogen hatten, bebte die Luft im Inneren des Zeltes mit Lobpreis für Jesus Christus. An jenem Abend vollbrachte Gott mehr als nur einen Sturm zu stillen: Er brachte zugleich hunderte von Kritikern zum Schweigen.
Nach zehn Tagen in Deutschland reiste die Branham-Gruppe von Karlsruhe aus 350 Kilometer südlich nach Lausanne (Schweiz), einer Stadt am nördlichen Ufer des Genfer Sees unweit der französischen Grenze. Tausende französisch sprechende Menschen füllten ein riesiges Stadion, um den Mann zu hören, der sagte, dass ein Engel Gottes neben ihm stehe, wenn er für die Kranken bete. Am Ende der Woche waren selbst einige Prediger aus der Staatskirche schon fast davon überzeugt, dass dies der Wahrheit entsprach. Am Samstagmorgen, dem 27. August 1955, versammelten sich etwa 40 Prediger aus unterschiedlichen Glaubensgemeinschaften im Festsaal eines Lausanner Luxushotels zu einem Frühstück mit dem Gastevangelisten. Bill saß mit Guggenbühl, Bosworth, Arganbright und einem weiteren Mann, der als Sprecher und Übersetzer für die Schweizer Prediger diente, am Kopf der Tischreihen.
Nach dem Frühstück sagte der Sprecher: „Wir wissen, dass etwas Übernatürliches in Ihren Gottesdiensten vor sich geht, aber wir sind uns nicht sicher, was es ist. Wir verstehen nicht, wie Sie Visionen sehen können. Können Sie uns eine wissenschaftliche Erklärung geben, wie das funktioniert?“ „Ich kann es nicht erklären, weil es Gott ist, und Gott kann man nicht erklären, man muss Ihm glauben. Ich könnte euch eine Menge Schriftstellen bezüglich Visionen geben, doch ihr werdet die meisten davon bereits kennen. Was eine wissenschaftliche Erklärung anbelangt – ich habe keine. Am nahesten kommen dem vielleicht noch die Fotos, die vom Engel des Herrn gemacht worden sind, die wissenschaftlich beweisen, dass Er eine Realität ist.“ „Reverend Branham, wir haben einen professionellen Fotografen heute unter uns. Wenn der Engel heute Morgen käme, könnten wir dann versuchen, ihn zu fotografieren?“
„Das können Sie, wenn Sie keinen Blitz verwenden. Unter der Salbung sehe ich den Engel des Herrn als ein grelles Licht. Wenn ich den Engel beobachte und jemand einen Blitz auslöst, komme ich durcheinander und das kann sogar die Vision abrupt beenden. Deshalb lasse ich die Leute in meinen Versammlungen keine Fotos mit Blitz machen.“
Der Fotograf versicherte Bill, dass ein Blitz nicht nötig sei, weil die großen Fenster des Festsaales genügend Sonnenlicht in den Raum einfallen ließen. Während dieser seine Kamera auf ein Stativ stellte, sagte der Sprecher: „Reverend Branham, vergessen Sie nicht, dem Fotografen anzuzeigen, wenn Sie den Engel sehen.“
„Ich werde es euch wissen lassen, falls er kommt.“
„Danke. Manche von uns tragen sich mit dem Gedanken, Ihre Botschaft in unsere Gemeinden zu bringen, wenn wir nur beweisen könnten, dass es nicht Zauberei ist.“
„Zauberei?“ Bill war schockiert. „Brüder, ist das euer Ernst? Zauberei? Das ist lächerlich. Es ist für einen Dämon völlig unmöglich, etwas mit göttlicher Heilung zu tun zu haben. Jede Schriftstelle verneint das. Jesus selbst sagte: ,Wenn Satan den Satan austreibt ist sein Königreich uneins und hat keinen Bestand.‘ Seht ihr? Er kann es nicht. Heilung kommt von Jesus Christus allein.“ „Ihre Unterscheidung ist derjenige Teil, der uns Schwierigkeiten bereitet. Einige unserer Führer sagen, es sei ein Trick. Sie denken, Sie schauen sich im Laufe des Tages in der Stadt um und reden mit den Leuten. Dann geben Sie ihnen eine Gebetskarte und rufen sie am Abend auf, so dass Sie bereits über sie Bescheid wissen.“
„Dann fragt die Leute hinterher. Sie werden es euch sagen. Ich habe sie nie zuvor im Leben gesehen.“
„Vielleicht lesen Sie deren Gedanken.“
„Wie sollte ich deren Gedanken lesen können? Ich kann noch nicht einmal deren Sprache sprechen. Wenn ich die Visionen erzähle, muss ich deren Namen manchmal Buchstabe für Buchstabe angeben, weil ich sie nicht aussprechen kann.“
„Vielleicht verwenden Sie Telepathie, um das zu lesen, was sie auf ihre Gebetskarten geschrieben haben.“
„Kann Telepathie die Augen der Blinden öffnen? Brüder, seid vernünftig. Wer ist es, der die Kranken heilen und die Zukunft voraussagen kann? Glaubt ihr überhaupt an einen allwissenden, allmächtigen Gott?“
„Ach sicher glauben wir an Gott. Dies unterscheidet sich bloß so stark von dem, was uns gelehrt wurde.“
Bill wurde ihrer wankelmütigen Meinung müde. Er sagte: „Brüder, euer Problem ist, dass ihr geistlich blind seid und das ist ein schwerwiegenderes Übel als die körperliche Blindheit. Die Augen in euren Köpfen sehen Dinge, die Propheten und große Männer verlangt haben zu schauen und doch wollt ihr es nicht glauben. Trefflich hat Jesaja von euch gesagt: ,Ihr habt Augen und könnt doch nicht sehen; und Ohren und könnt doch nicht hören.‘“ Er sprach diese scharfen Worte in ruhigem Tonfall, weshalb sie wie eine gut gemeinte Warnung klangen, und von den Zuhörern auch gutmütig aufgenommen wurden. Die Befragung ging dann noch eine Weile weiter. Schließlich bat Bill alle aufzustehen und mit ihm zu beten. Plötzlich fühlte er die Gegenwart des Engels des Herrn. „Einen Augenblick, meine Herren. Der, von dem ich spreche, ist jetzt hier.“ Auf dieses Stichwort hin schoss der Berufsfotograf in schneller Abfolge eine Reihe an Fotos. Zur selben Zeit tat dem Evangelisten eine Vision ein Fenster der Offenbarung auf. Bill sagte: „Der grauhaarige Mann, der von mir aus gesehen auf der anderen Seite des Tisches steht, ist ein Italiener. Sie waren einmal der Führer von 32.000 Kommunisten. Sie sind katholisch erzogen worden, aber später haben Sie eine Bibel zur Hand genommen und die Stelle gelesen, wo Jesus Christus, der Sohn Gottes, gestorben ist, um Sie von Ihren Sünden zu erretten; und das haben Sie angenommen. Jetzt leiten Sie ein Waisenhaus und eine Schule hoch oben in den Bergen. Der Grund, weswegen Sie Ihr Frühstück nicht angerührt haben, ist, weil Sie ein Magengeschwür haben, das Sie oftmals daran hindert, selbst den kleinsten Bissen zu essen.“
Der Italiener bestätigte jedes Wort als wahr.
Bill sagte: „So spricht der Herr: ,Fang an und iss dein Frühstück. Dein Magen ist geheilt.‘“
Zaghaft probierte der Italiener von dem Ei. Als ihm der Bissen wohl bekommen war, machte er sich über das Essen her wie ein Mann, der gerade aus einem kommunistischen Gefängnis entlassen worden war. Bill fragte die Prediger im Festsaal: „Welche Art Gebetskarten-Telepathie hat dieser Mann benutzt?“ Als der Berufsfotograf die Negative entwickelte, zeigte er sie unverzüglich Guggenbühl, der daraufhin vier der Fotos Bosworth und Branham zeigte. Dr. Guggenbühl konnte seine Aufregung nur mit Mühe bändigen. Diese vier Serienfotografien fingen eindeutig den Engel des Herrn beim Herabkommen in den Festsaal ein.
Das erste Foto sah normal aus. Es zeigte 40 Prediger, die zum Gebet erhoben vor ihren Tischen standen. Die Hotelangestellten hatten die Tische zu einem großen Viereck zusammengeschoben, wobei die beiden längsten Tischreihen von Nord nach Süd verliefen. Die Prediger standen auf beiden Tischseiten, ihre gebeugten Häupter einander zugewandt. Die Kamera war auf der Südseite des Raumes auf einem Stativ fest arretiert. Da Bill der Kamera am nördlichen Ende des Saales mittig gegenüber stand, gab das Foto eine deutliche, wenn auch aus der Entfernung aufgenommene Sicht, auf seinen Kopf frei. Hinter ihm verlief eine komplette Wand aus Glasfenstern und Glastüren, die den Blick auf die Eingangshalle des Hotels gewährte. Die Fenster zur Außenseite befanden sich auf der rechten Seite des Fotos, weswegen die Morgensonne überall im Raum die nach Osten zugewandten Flächen erhellte und zugleich die nach Westen gelegenen Flächen ins Dunkel tauchte.
Im zweiten Foto waren die Schatten verflogen und neu angeordnet, jedoch nicht durch die elektrischen Deckenlichter (von denen das Foto zeigte, das sie ausgeschaltet waren), sondern durch einen sonderbaren Feuerball, der auf halber Höhe zwischen der hohen Decke und dem Fußboden hing und augenscheinlich direkt über der Stelle herabkam, wo Bill betete. Dieses übernatürliche Licht maß etwa einen Meter im Durchmesser und schien so schnell zu vibrieren, dass die Kamera seine Form nicht scharf abbilden konnte und seine Enden verschwommen und undeutlich blieben.
Das dritte Foto zeigte, wie der Feuerball Bills Kopf umgab und ihn vollständig den Blicken entzog.
Im vierten Foto hatten alle Prediger Platz genommen, mit Ausnahme von Bill und seinem Übersetzer. Das Licht war auf etwa einen halben Meter im Durchmesser zusammengeschrumpft und sah nun aus wie ein Lichthof hinter Bills Kopf – beziehungsweise wie ein schiefer Lichthof, der etwas mehr auf seiner rechten Schulter ruhte. Bill hatte seine linke Hand bis auf Augenhöhe erhoben, und betonte augenscheinlich gerade einen Punkt, während er sprach. Dr. Guggenbühl sagte: „Der Fotograf hat eine deutsche Kamera verwendet, die eine der besten der Welt ist. Er hat im Festsaal einige Dutzend Fotos geschossen, ehe er diese aufnahm, und er schoss noch einige Dutzend weitere, nachdem er diese gemacht hatte – alle von ihnen sind normal ausgefallen, so dass mit der Kamera nichts verkehrt sein kann.“
Bill untersuchte die Fotos sorgsam. „Das ist der Engel des Herrn, ganz klar. Seht ihr im ersten Foto, wo alle stehen? Das war, als ich die Gegenwart des Engels erstmals spürte. Dann, hier im zweiten Bild, könnt ihr den Engel wie einen Feuerball zu mir niederkommen sehen. Im dritten Bild seht ihr, wie er meinen Kopf vollständig verhüllt. Das war, als die Vision passierte. Hier im letzten Foto seht ihr, wie es mich verlässt. Bemerkt, wie es sich von meiner rechten Seite fortbewegte. Der Engel steht immer zu meiner Rechten. Deshalb lasse ich die Gebetsreihe in meinen Versammlungen auch immer zu meiner Rechten nach vorne kommen, damit die Menschen in der Nähe des Engels stehen.“ „Glaubst du, dies wird die Prediger überzeugen?“
„Wenn sie aufrichtig an Gott glauben, dann ja. Wenn sie keine echten Gläubigen sind, wird nichts sie überzeugen.“
Wie schon vor zwei Monaten in Zürich, war dieser zweite Europa-Feldzug in 1955 ein überwältigender Erfolg. Nach Auswertung der Reaktionen auf diese zwei Versammlungswochen, schätzte das Branham-Team, das insgesamt etwa 100.000 Menschen ihr Leben Jesus Christus übergeben hatten oder von Ihm geheilt worden waren.
Während seines letzten Gottesdienstes in Lausanne tadelte Bill die Schweizer Reformierte Kirche erneut bezüglich ihrer Lehrmeinung, Jesus sei nicht jungfräulich geboren. Er predigte: „Vor nicht allzu langer Zeit sagte eine Frau in Amerika zu mir: ,Bruder Branham, du machst zu viel aus Jesus und seiner Zeit auf dieser Erde. Du machst Gott aus ihm.‘ Ich sagte: ,Er war Gott.‘ Sie sagte: ,Er war ein großer Prophet, aber er war dennoch nur ein Mensch und ich kann das mit der Bibel beweisen.‘ Ich sagte: ,Auf den Versuch bin ich aber gespannt.‘ Sie schlug Johannes Kapitel 11 auf und las mir die Stelle vor, wo Jesus am Grab von Lazarus weinte. Sie sagte: ,Nur ein Mensch kann weinen.‘ Ich sagte: ,Gute Frau, Er war ein Mensch, als Er am Grab des Lazarus weinte. Doch als Er Lazarus befahl, herauszukommen, und ein Mann, der vier Tage tot gewesen war, sich auf die Füße stellte und wieder lebte, das war mehr als ein Mensch, das war mehr als ein Prophet: Das war Gott!‘“
„Jesus war ein Mensch, als er im Boot einschlief. Nachdem Er den ganzen Tag gepredigt und für die Kranken gebetet hatte, war Er so müde, dass sogar der Sturm Ihn nicht aufweckte. Das kleine Fischerboot wurde von den Riesenwellen wie ein Korken hin und her geschaukelt. Zehntausend Teufel der See hatten sich geschworen, Ihn an jenem Abend zu ertränken. Er war ein Mensch, als Ihn die Jünger aufweckten, doch als Er gen Himmel blickte und sagte: ,Schweig und verstumme‘ und der Sturm Ihm gehorchte, das war mehr als ein Mensch: Das war Gott!“
„Er war ein Mensch, als Er am Kreuz hing und für unsere Sünden starb, das allgenügende Opfer. Doch am Ostermorgen, als der Stein von Seinem Grab rollte und Er hervortrat, bewies Er, dass Er Gott war.“