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Übernatürlich

Übernatürlich – Buch 5

Auseinandersetzung in der Schweiz

Juni 1955 Auf seinem Flug über Frankreich blickte William Branham auf einen Flickenteppich von Feldern in den unterschiedlichsten Grünschattierungen. Flüsse schlängelten sich zwischen den Anhöhen dahin. Straßen durchzogen die Landschaft, liefen hier und da bei kleinen Ortschaften zusammen oder verloren sich in einem Wirrwarr an Gassen in den Städtchen. Schäfchenwolken warfen ein getupftes Schattenmuster auf die Erde. Die Anhöhen wurden größer bis aus ihnen Berge wurden. Schließlich sah er den Zürichsee wie eine grünlichblaue Schlange in einem langgezogenen, kurvenreichen Tal zwischen den Alpengipfeln ruhen. Eine Stadt drängte sich um das nordwestliche Ende des Sees. Bald kam der Flughafen ins Blickfeld. Sein Flugzeug begann den Anflug in ein augenscheinlich friedliches Tal. Tatsächlich jedoch schwebte er in einen Sturm der Auseinandersetzung hinab.

Bill landete in Zürich (Schweiz) am Samstag, dem 18. Juni 1955. Mit ihm reisten Billy Paul Branham, Fred Bosworth aus Florida, Miner Arganbright aus Los Angeles (Kalifornien) und George Gardner aus Birmingham (New York). Arganbright und Gardner hatten diese Versammlungen mit der Unterstützung der Internationalen Gemeinschaft der Geschäftsleute des vollen Evangeliums (fgbmfi) organisiert. Laut Terminplan sollte Bill neun Tage im größten Stadion Zürichs sprechen. Dr. Adolph Guggenbühl – ein Schweizer Rechtsanwalt, Hotelbesitzer und fgbmfi-Vorsitzender – oblag der organisatorische Teil in der Schweiz, und er diente der Evangelisationsgruppe aus Amerika auch als Übersetzer.

Die Auseinandersetzung hatte eigentlich bereits Anfang der Woche mit der Ankunft eines anderen bekannten amerikanischen Evangelisten, Billy Graham, begonnen, der seinen letzten Gottesdienst in Zürich am selben Tag hielt, an welchem Bill eintraf. Bill hatte vorgehabt, hinzugehen und Billy Graham an jenem Abend sprechen zu hören, jedoch legte er sich am Nachmittag, müde vom langen Flug, in seinem Hotelzimmer hin und erwachte zu spät, um es noch zu Grahams Versammlung zu schaffen. Glücklicherweise war es ihm möglich, ihn auf dem Zimmer über Radio zu hören. Als Billy Graham predigte, dass Jesus Christus Gott selbst war, kundgetan in menschlichem Fleisch, rief Bill so laut er nur konnte „Amen“, weil dies auch seine Botschaft war. In Zürich zeigte Gott ihm eine gewaltige Vision. Er zeigte ihm den deutschen Adler, der den englischen Reiter auf seinem Weg durch Afrika beobachtete. Und Er sagte: ,Alle haben gesündigt und ermangeln des Ruhmes Gottes.‘ 32 Die Vision ließ ihn schwach, taub und zittrig zurück.

Am Sonntagmorgen wachte er vom Geläut der Kirchenglocken auf, die über das Tal erschallten. In Zürich läuteten so viele Glocken gleichzeitig, dass Bill spaßte, das Tausendjährige Reich müsse angebrochen sein. Beim Frühstück zeigte Dr. Guggenbühl Bill einen bissigen Zeitungsartikel über den Feldzug Billy Grahams in der Schweiz, der gerade zu Ende ging. Der Artikel ließ an Reverend Graham kein gutes Haar. Sein Anzug war zu teuer, sein Gesichtswasser roch zu stark und sein Haar war so wellig, als hätte er Stunden in einem Schönheitssalon zugebracht, um es legen zu lassen. Dem Reporter gefiel auch der Predigtstil nicht. Er sagte, Herr Graham habe wild mit den Armen herumgefuchtelt und wie ein Marktschreier gebrüllt.

Angriffe der Nachrichtenmedien waren Bill nicht fremd, doch hatte er niemals zuvor erlebt, dass jemand aufgrund solch alberner Kleinigkeiten so heftig kritisiert wurde. Dr. Guggenbühl erklärte, dass es hierbei eigentlich gar nicht um Herrn Grahams Erscheinung und Verhalten gehe. Billy Graham predigte Jesus Christus als die höchste Gottheit, was der Lehre der Schweizer Reformierten Kirche widersprach, der ältesten, größten und einflussreichsten christlichen Konfession der Schweiz. Die Reformierte Kirche folgt der Lehre Huldreich Zwinglis, dem wichtigsten Reformator der schweizerischen protestantischen Reformation. Zwingli verwarf die jungfräuliche Geburt Christi und lehrte stattdessen, dass Jesus der natürlich geborene Sohn Josephs sei und lediglich Sohn Gottes genannt wurde.

Bill dachte: „Wenn die einen so geschliffenen Mann wie Billy Graham kritisieren, was werden sie dann erst über mich sagen?“

Am Montag, dem ersten Abend seines Feldzuges, sprach Bill für eine halbe Stunde zu seiner Zuhörerschaft und versuchte ihren Glauben zu wecken, und sie auf den Gebetsgottesdienst vorzubereiten. „Ich beanspruche nicht, ein Heiler zu sein. Jesus Christus ist der einzige Heiler. Ich missbillige Ärzte, Krankenhäuser oder die Medizin nicht. Sie sind Gottes Geschenk an uns. Genauso wenig beanspruche ich, einen Arzt zu ersetzen. Aber es gibt viele Dinge, die Ärzte nicht vermögen. Da das der Wahrheit entspricht, haben wir das Recht, Jesus zu bitten, uns zu helfen. Ich glaube, dass Er es tun wird. Seit jetzt fast zehn Jahren habe ich gesehen, wie Er in meinem Dienst zehntausende Menschen geheilt hat: Blinde, Krüppel, Verwachsene, Lahme und Krumme. Ich habe Ihn drei Menschen von den Toten auferwecken sehen; zwei von ihnen in den Vereinigten Staaten und einen in Finnland. Er ist heute derselbe Herr Jesus, der Er war, als Er auf Erden wandelte.“

„In Seinem irdischen Dienst erweckte Jesus auch drei Leute von den Toten: Jairus’ Tochter, den Sohn der Witwe aus Nun und Lazarus. Er hätte noch mehr auferwecken können, wenn der Vater Ihm noch weitere gezeigt hätte.“ „Denkt nur daran, als Jesus am Teich zu Bethesda war und bei einem Mann anhielt, der auf einer Pritsche lag. Der Mann war seit 28 Jahren krank gewesen, also hätte ihn seine Krankheit nicht umgebracht. Der Ort war mit Leuten überfüllt, die in schlimmerem Zustand waren als dieser Mensch. Jesus heilte nur diesen einen Mann. Warum? Er heilte ihn, weil er diesen Mann in einer Vision gesehen hatte. Als die Pharisäer Jesus diesbezüglich befragten, sagte Er: „Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Der Sohn kann nichts aus sich selbst heraus tun – sondern was Er den Vater tun sieht, das tut Er.“ „Lasst uns nun andächtig sein und die rechte Einstellung dem Herrn Jesus gegenüber einnehmen. Eure Einstellung einer göttlichen Gabe gegenüber – gleich welche es sei – wird das Ergebnis bestimmen, das ihr von ihr erhaltet. Die kranke Frau, die den Saum des Gewandes Jesu berührte, spürte Seine Kraft, doch der Soldat, der Ihm die Augen verband und Ihn schlug, als er sprach: ,Wenn du ein Prophet bist, sage uns, wer dich schlug‘, jener Soldat spürte gar nichts. Es hängt alles davon ab, mit welcher Einstellung du dich Ihm nahst.“

Bill fuhr in dieser Weise fort, und versuchte anhand von neutestamentlichen Beispielen seinen ungewöhnlichen Dienst zu erklären. Als er die Gebetsreihe aufrief, war die erste Person, die nach vorne kam, eine junge Frau. Bill sagte: „Es ist jedem klar, dass diese Wunder nicht von Menschen vollbracht werden können. Ich bin überzeugt, ihr Gläubigen schätzt meine Stellung hier. Ich repräsentiere euren Herrn und Heiland, Jesus Christus.“

„Hier steht jetzt eine junge Frau. Ich habe sie nie zuvor in meinem Leben gesehen. Wir leben tausende von Kilometern von einander entfernt. Doch Gott weiß alles über sie. Dies entspricht genau der Begebenheit, als Jesus an einem Brunnen in Samaria anhielt und lange genug zu einer Frau sprach, bis Er ihren Geist erfasste. Er sah eine Vision über ihre Schwierigkeit und sagte: ,Du hast fünf Ehemänner und der Mann, mit dem du lebst, gehört nicht zu ihnen.‘ Sie sagte: ,Herr, ich erkenne, du bist ein Prophet. Wenn der Messias kommt, wird auch Er uns solche Dinge sagen.‘ Jesus sagte: ,Ich bin es.‘ Ihr seht, das Offenbaren dieser verborgenen Dinge war das Zeichen des Messias. Er ist heute derselbe.“

Bill sprach in knappen Worten mit der jungen Frau. Dann sah er sie in eine Vision hineinschrumpfen und ihr Geheimnis wurde offenbar. Er sagte: „Diese Frau ist gläubig. Sie hat ein Halsleiden: Mandelentzündung. Ich höre wie ein Arzt ihr mitteilt, dass sie entfernt werden müssen. Sie hat auch Darmblutungen. Sie sprechen Englisch. Sie sind nicht aus der Schweiz. Sie kommen aus Deutschland. Sie sind mit dem Zug hergekommen und Sie müssen heute Abend wieder zurück. Zuhause haben Sie eine Großmutter, die an Krebs stirbt und Sie möchten, dass auch sie geheilt wird. Wenn dies die Wahrheit ist, heben Sie bitte die Hand, damit die Zuhörerschaft es sieht.“ Nachdem sie die Hand gehoben hatte, sagte Bill: „Gehen Sie und legen Sie Ihrer Großmutter die Hände auf, denn so spricht der Heilige Geist: ,Sie werden gesund nach Hause gehen, im Namen des Herrn Jesus Christus.‘“ Viele Visionen und Wunder folgten. Am nächsten Tag kritisierten Züricher Zeitungen Billy Branham schlimmer als sie Billy Graham kritisiert hatten. Die Reformierte Kirche nannte ihn einen Betrüger und Quacksalber und stellte seine Aufrichtigkeit und Absichten in Frage. Diese Kritik verringerte zwar nicht die Besucherzahl am Abend (das Stadion mit 20.000 Sitzplätzen war stets voll belegt), säte jedoch Zweifel in die Köpfe vieler Menschen.

Als Bill so weit war, um für die Kranken und Bedürftigen zu beten, kämpfte er unter der Last ihrer Zweifel. Auf der Plattform, wo er sich jeweils auf eine Person konzentrieren konnte, funktionierte seine Gabe tadellos – doch sie bewegte sich nicht hinaus unter die Zuhörerschaft, wie sie es sollte. Das stand dem gesamten Feldzug im Wege, weil der Zweck seiner Unterscheidung darin bestand, den Glauben der Menschen zu stärken, so dass jeder, der Heilung benötigte, sie von Jesus Christus empfangen konnte.

Als die erste Person aus der Gebetsreihe an jenem Abend vor ihm stand, sagte Bill: „Der Mann fängt an, von mir wegzugehen“, was bedeutete, dass er zusah, wie der Mann in eine Vision hineinschrumpfte. „Er hat Krebs, der in seiner Seite ausbrach und jetzt in seine Leber gelangt ist. Wenn Gott ihn nicht heilt, wird er bald sterben.“ Als er wieder aus der Vision herausgerissen wurde, sagte Bill zur Zuhörerschaft: „Jetzt gibt es nichts, das ihr verbergen könntet. Die Stimme, die vor einem Moment sprach, war nicht ich, euer Bruder. Es war Jesus Christus, der meine Stimme benutzte. Was als Nächstes passiert, hängt von der Einstellung dieses Mannes ab. Was er davon hält, wird festlegen, was er bekommt.“ Augenscheinlich glaubte der Mann, dass Jesus Christus dort war und fähig, zu heilen, denn nachdem Bill für ihn gebetet hatte, sagte er, er fühle eine Veränderung.

Die dritte Person in der Reihe war eine Frau. Bill sagte: „Ich weiß nichts über diese Frau. Je mehr ich zu ihr spreche, je mehr wird der Herr Jesus durch die Vision offenbaren. Wenn Gott mir sagt, weshalb Sie hier sind, werden Sie Ihn als Ihren Heiler annehmen? Ich sehe, wie Sie von einem Arzt untersucht werden, der Ihnen mitteilt, dass Ihnen die Gallenblase entfernt werden müsse. Sie wollen die Operation nicht, und deshalb sind Sie heute Abend hier. Ich sehe, wie Sie in einem Zimmer darum beten, diese Gelegenheit zu bekommen. Das stimmt. Ihr Glaube hat Sie gerettet. Im Namen Jesu Christi, seien Sie gesund.“ Bill spürte Wellen des Zweifels von überall aus dem Stadion herankommen. Viele Menschen schienen dieselbe Einstellung zu haben wie bei einem Fußballspiel. „Bitte stehen Sie nicht auf und gehen Sie nicht umher“, sagte Bill. „Das ist sehr respektlos. Sie hindern den Geist.“ Er unterschied die Schwierigkeiten von einigen weiteren Menschen aus der Gebetsreihe und wandte sich dann wieder der Zuhörerschaft zu. Indem er auf einen bestimmten Bereich mit Stühlen wies, sagte er: „Wie steht es mit euch dort drüben? Glaubt ihr von ganzem Herzen? Dies ist geheimnisvoll für euch, weil euch das Übernatürliche nie gelehrt wurde. Ihr versteht es nicht. Dasselbe Licht, das mich jetzt salbt, hat sich nun dreimal über diesen Teil der Zuhörerschaft hin- und herbewegt seit ich hier stehe – und ihr wollt euch dem einfach nicht nahen. Jeder von euch sollte in diesem Moment auf den Füßen sein, geheilt. Er ist hier! Ihr müsst es nur annehmen.“ Allmählich schwand die Skepsis und Glaube mehrte sich. Hunderte von Menschen in der Zuhörerschaft beanspruchten ihre Heilung in Jesu Namen. Als Bill einen Altarruf machte, standen 10.000 Leute auf, um ihr Leben Jesus Christus zu übergeben. Ein ähnliches Bild wiederholte sich an den anderen Abenden, so dass seine Sponsoren am Ende der Woche schätzten, dass 50.000 Menschen während dieses Feldzuges Jesus als ihren Retter angenommen hatten. Nicht alle diese Leute kamen aus der Schweiz. Während der ganzen Woche strömten tausende von Menschen aus ganz Zentraleuropa nach Zürich, um Bill sprechen zu hören. Miner Arganbright zählte auf dem Parkplatz des Stadions 180 Busse aus Deutschland. Tagsüber kamen so viele Fremde in die Stadt, dass auf jedem öffentlichen Platz ein reges Treiben herrschte. Um jeglichen Schwierigkeiten aus dem Wege zu gehen, die sein Erscheinen verursachen könnte, verbrachte Bill den größten Teil seiner Freizeit in seinem Hotelz immer – mit Ausnahme eines Vormittags gegen Ende der Woche, als der Engel des Herrn ihm unmittelbar auftrug:„Begib dich nach draußen und geh hinab an den See.“

Bill bat seinen Sohn mit ihm zu gehen. Billy Paul hielt es für eine schlechte Idee. „Papa, irgendjemand wird dich erkennen. Dann wirst du in einer Menschenmenge hängen bleiben und wir werden die Polizei rufen müssen, um dich herauszufischen.“

„Der Herr sagt mir, zum Ufer hinab zu gehen, und so muss ich es tun.“ Zögernd folgte Billy Paul seinem Vater. Die Schweiz war im Zweiten Weltkrieg nicht bombardiert worden, und so hatte Zürich seine historische Anmut in gutem Zustand erhalten mit all den vielen Kopfsteinpflaster-Straßen und aufwändig verzierten Backsteinbauten, die hunderte von Jahren alt waren. Der dem See zugewandte Stadtbereich hatte sich zu einem Touristenpark entwickelt mit Wiesen, Bäumen, Blumen und Springbrunnen, Promenaden vor den Hotels und sauberen Spazierwegen am Ufer. Bill spazierte am Ufer entlang und erfreute sich am Sonnenschein ebenso sehr wie an der malerischen Landschaft, die ihn umgab. Es tat gut, sich an der frischen Luft die Beine zu vertreten. Billy Paul machten die vielen Leute nervös, die zu hunderten am Strand waren, auf Bänken saßen, auf Decken lagen oder am Ufer hin und her spazieren gingen. Nach einer Weile, als niemand sie erkannte, entspannte sich Billy Paul. Vater und Sohn gingen eine lange Strecke zusammen. Schließlich näherten sie sich einem alten Mann, der auf einer Bank saß und sich über ein Buch beugte, das dem Anschein nach eine Bibel war. Tränen tropften von den Wangen des alten Mannes. Bill spürte die Gegenwart des Engels. Ein weiterer Schritt beförderte ihn in ein anderes Land, wo er sah, wie derselbe alte Mann ein Taschentuch von einer jungen Frau mit einem verkümmerten Arm entgegennahm. Fünf kleine Kinder hielten sich am Rock der Frau fest. Die Vision ging weiter, gab mehr Einzelheiten preis, ehe sie ihn wieder auf jenen Fußgängerweg am Zürichsee niederließ.

„Da ist er“, sagte Bill zu Billy Paul, „der Mann, für den Gott mich hier hinunter gesandt hat.“

„Du gehst doch nicht hin und sprichst den Mann an oder, Papa?“ „Nein, er wird zu mir kommen und mich ansprechen. Er kommt von weit her. Gib nur acht und sieh selbst, ob er nicht etwas für mich dabei hat, etwas, das mit dem Arm einer Frau zu tun hat.“

„Woher weißt du das?“

„Eine Vision hat mich getroffen. Da wären wir schon. Guck einfach auf den See hinaus und geh an ihm vorbei.“

Bill blickte auf das blaue Wasser hinaus. Der See machte einen Bogen und verbarg sein äußerstes Ende hinter einem mächtigen Berg, der von der Wasserkante steil aufschoss. Zahlreiche Bäume und Sträucher übersäten den Berghang und Wasserfälle ergossen sich über steile Felsen in die Tiefe. Die Erschütterungen eines vorbeiziehenden Motorbootes sandten Wellen gegen das Ufer. Billy Paul sagte: „Papa, der Mann folgt uns.“

„Das weiß ich. Wenn wir um die Kurve da gehen, werden wir eine Fußgängerbrücke überqueren, und er wird uns genau bei dieser Brücke überholen.“ Vor ihnen machte der Weg einen Bogen um ein Haus herum, das von einem kleinen Park umgeben war. Als sie dem Bogen gefolgt waren, kamen sie an eine Fußgängerbrücke, die über einen Bach führte, welcher in den See mündete. Als sie zur Hälfte über die Brücke gelangt waren, holte sie der Fremde ein. „Bruder Branham“, sagte er in einem stark akzentgefärbten Englisch. Bill wandte sich ihm zu. Der Mann nannte seinen Namen und sagte, er sei aus Russland. Auf wundersame Weise hatten es einige hundert Russen geschafft, für die Versammlungen in Zürich Visa zu erhalten. Der alte Russe holte ein weißes Taschentuch aus seiner Schultertasche und reichte es Bill. Er sagte, dass daheim eine Mutter sei, die sich so schlimm den Arm verletzt habe, dass er nicht heilen will. Jetzt sei der Arm verkümmert und unbrauchbar, was es ihr schwer mache, für ihre fünf kleinen Kinder zu sorgen. Der alte Mann wollte, dass Bill über dieses Taschentuch betete und es in sechs Streifen riss. Er glaubte, dass wenn er nach Russland heimkehrte, Gott diese sechs gesalbten Streifen benutzen würde, um jene verkrüppelte Mutter zu heilen und die fünf Kinder zu segnen. Bill betete über dem Taschentuch, schnitt es in Streifen und gab es zurück. Dann fragte er: „Woher wussten Sie, dass ich in der Schweiz sei?“ „Wir haben davon über das Schweizer Radio erfahren.“

„Haben Sie je zuvor von meinen Versammlungen gehört?“

„Ja. Sie haben einmal für einen toten Jungen in Finnland gebetet und Gott brachte ihn wieder ins Leben zurück. Dieser Bericht ist tief nach Russland hineingelangt. Seit Jahren habe ich Sie aufsuchen wollen, aber wie hätte ich durch den Eisernen Vorhang kommen sollen? Die Kommunisten hätten mir nie erlaubt, Amerika zu besuchen. Dann bekam ich mit, dass Sie in der Schweiz sein werden. Der heutige Tag ist ein Wunder.“

Bill dachte an den Mann am Teich zu Bethesda und an die Frau, die das Gewand Jesu berührt hatte. Wie jene beiden Menschen vor langer Zeit, hatte sich dieser ältere Russe den Verheißungen Gottes mit der richtigen Einstellung genaht.

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