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Übernatürlich

Übernatürlich – Buch 5

Wahre und falsche Weinstöcke

1955

Das Wetter in Indiana kann im Frühjahr ein launischer Begleiter sein. Manchmal erwärmt die Sonne die Kornfelder während ein, zwei Wochen linder und windstiller Tage. Dann gibt es einen Wetterumschwung und Sturmwolken türmen sich am Horizont, riesige Wolkengebilde mit bauschigen, weißen Bällchen obenauf, geflecktem Grau in ihrer Mitte und bläulich-schwarzen Sockeln, die wie Armeen über den Himmel ziehen, Donnerschläge krachen und Blitze zucken lassen und die schwarze Erde mit reinigendem Regen überströmen.

Auch in William Branhams Leben gab es im Mai 1955 stürmische Tage. Während Meda sich dem Ende ihrer dritten Schwangerschaft nahte, bliesen widrige Winde Bill so hart entgegen, bis es aussah, als drohe ein Tornado seine Familie zu zerstören. Eine Frau weissagte, dass Meda Branham bei dieser Geburt sterben würde. Sie behauptete, dass Gott sie gesandt hätte, William Branham zu führen, und da er ihre Führerschaft ablehne, werde Gott seine Frau wegraffen, um ihm heimzuzahlen, dass er ihr nicht gehorchte. Dies druckte sie auf Postkarten und schickte sie übers ganze Land.

Bedauerlicherweise hörte Meda von dieser Weissagung und das wühlte sie noch mehr auf, denn sie war bereits nervös. 1946 hatte sie ihre erste Tochter, Rebekah, per Kaiserschnitt entbinden müssen. Fünf Jahre später kam ihre zweite Tochter, Sarah, gleichfalls per Kaiserschnitt zur Welt. Beide Male hatte Medas Arzt sie gewarnt, dass ein weiteres Baby ihr schaden oder sie sogar töten könnte. Und jetzt diese furchtbare Weissagung! Eine Zeit lang versuchte sie es zu ignorieren, doch als ihre Operation herannahte, wankte ihr Mut. Am 18. Mai 1955, am Tag vor dem dritten Kaiserschnitt, fand Bill seine Frau in Tränen aufgelöst an. Er versuchte sie zu beruhigen.

„Ich möchte, dass Margie mich begleitet, Bill. Mir ist nicht danach, ins Krankenhaus zu gehen.“ Meda Branham und Margie Morgan waren Busenfreundinnen. Margie war bei der Geburt beider Kinder dabei gewesen, doch diesmal war sie bei einem Notfall und konnte nicht kommen.

Bill antwortete: „Schau, Liebling, wir lieben Margie, aber Margie ist nicht unser Gott. Margie ist unsere Schwester. Wir sind nicht auf Margie angewiesen, wir sind auf den Herrn Jesus angewiesen.“

„Bill, denkst du, ich werde sterben?“

„Ich weiß es nicht, aber das Baby wird geboren werden. Wir werden einen Joseph haben.“

„Ist er das?“

„Ich weiß es nicht, Schatz. Das kann ich nicht sagen, aber Gott hat gesagt, du würdest Joseph haben und wir werden Joseph haben. Mir ist es egal, was gesagt wird: Wir werden Joseph haben. Derselbe Gott, der mir all diese Offenbarungen mitteilte, hat mir das gesagt. Er hat bei jenen nie versagt, und Er wird auch bei dieser nicht versagen.“

Er tat sein Bestes, sie zu ermutigen, aber sie war so aufgewühlt, bis dass sie am Ende beide aufgewühlt waren. Bill setzte sich ins Auto und fuhr in Richtung Green’s Mill; er war auf dem Weg zu seiner Höhle, um zu beten. Er wusste, dass Gott ihm vor beinahe fünf Jahren mitgeteilt hatte, dass er noch einen Sohn haben werde … Im Juli 1950 hatte Bill einen Glaubensheilungs-Feldzug in einem Zelt in Minneapolis (Minnesota) gehalten. In seinem Hotelzimmer hatte er frohlockt, als er in der Bibel über das Leben des Patriarchen Joseph gelesen hatte. Bill war in den Wandschrank gestiegen, wo seine Kleidung hing, hatte die Schranktüre zugezogen und hatte weiter unter Tränen frohlockt.

Er sah, dass Abraham Erwählung repräsentierte, Isaak Rechtfertigung und Liebe, Jakob Gnade und Joseph Vollkommenheit – ein vollkommener Typ auf Christus. Joseph wurde von seinem Vater geliebt und von seinen Brüdern gehasst, weil er geistliche Träume hatte. Für 20 Silberstücke verkauften seine Brüder ihn in die Sklaverei, so wie Judas für 30 Silberstücke Jesus verriet. Nach viel Ungemach und sogar Gefangenschaft wurde Joseph in die Position eines Herrschers in Ägypten erhoben, dessen Rang nur von Pharao selbst übertroffen wurde. Von dieser Position aus war es ihm möglich, seine Familie während einer Hungersnot vor dem Hungertod zu bewahren. Ebenso wurde auch Jesus angeklagt, verurteilt und in das Gefängnis der Hölle geschickt. Doch Er stand von den Toten auf und wurde zur rechten Hand des Vaters erhoben, und alle Gewalt im Himmel und auf Erden wurde Ihm gegeben. Jetzt konnte Jesus seine Familie auf Erden vor dem ewigen Tod bewahren. „Ach“, jubelte Bill, „wie werde ich mich eines Tages freuen, wenn ich hinüber gehe und Joseph treffe und seine Hand schütteln werde. Wenn ich Daniel sehe und ihn frage, wie er sich fühlte, als die Feuersäule dort stand und die Löwen die ganze Nacht auf Abstand hielt. Wenn ich die Hebräerkinder treffe, und höre, wie sie aus dem Feuerofen herauskamen mit dem Pfingstwind, der sie umwehte. Welch eine wunderbare Zeit!“

„Gott“, betete Bill, „Ich möchte Dir für einen Mann wie Joseph danken. Ein Mann, der einst auf Erden lebte. Ein Mann im Fleisch wie ich. Ein Mann, der Dir glauben und Dein Wort aufnehmen konnte. Danke, Herr, danke für solch einen Mann.“ Bill konnte mit dem Patriarchen Joseph mitfühlen. Er konnte nichts dafür, dass er geistlich war. Er sah Visionen. Er legte Träume aus. Jeder hasste ihn deshalb. Daran konnte er nichts ändern, so war er einfach beschaffen. Als Bill weiterbetete, sagte er: „O Gott, falls Du mir je ein Kind, einen Sohn, schenkst, werde ich ihn Joseph nennen.“

Bill kannte die drei Bereiche, in denen Menschen leben. Der erste ist, wie wenn man für jemanden in menschlicher Weise betet, etwa: „Ich hoffe, du wirst gesund.“ „Ich glaube mit dir, ich versuche, all den Glauben anzuwenden, den ich kann.“ Das ist der menschliche Bereich. Der zweite ist göttliche Offenbarung, welche vorliegt, wenn dir etwas geoffenbart wurde. Du weißt in deinem Herzen, dass es geschehen wird, und doch ist außer der Offenbarung nichts weiter da. Der dritte ist eine Vision, die „So spricht der Herr“ ist, und das ist vollkommen und absolut gewiss.

Als Bill noch betete und weinte, sagte ihm Etwas (nicht eine Vision): „Du wirst einen Jungen haben und du wirst ihn Joseph nennen.“ Bill dachte: „Na, das ist schön. Ich danke Dir, Herr.“ Und er ging, in Hochstimmung versetzt, überglücklich von dort fort und fing an, jedem davon zu erzählen. Im Sommer 1950 wurde Meda schwanger. Bill fragte sich, ob dieses Kind ihr Joseph sein werde. Als das Kind im März 1951 geboren wurde, war es ein Mädchen. Sie nannten sie Sarah. Nach dem Kaiserschnitt erklärte der Arzt: „Herr Branham, die Beckenknochen Ihrer Frau bewegen sich während der Geburt nicht, wie es sein sollte; sie sind so starr wie bei einem Mann. Wirklich, sie sollte kein weiteres Kind mehr bekommen, ihr Mutterleib ist zu schwach. Es ist besser, Sie erlauben mir die Eileiter zu unterbinden.“ „Nein, die Erlaubnis kann ich Ihnen nicht geben, Doktor.“ „Sie sollte kein weiteres Kind haben. Falls sie je ein weiteres Kind trägt, könnte es sie töten. Wir hatten da eine schlimme Zeit. Sie hat es gerade so überlebt.“ „Ich kann dennoch nicht zulassen, dass Sie die Eileiter unterbinden. Gott hat mir gesagt, dass ich einen Sohn haben werde.“

„Nun ja, Sie werden vielleicht noch einmal heiraten und den Jungen dann immer noch haben.“

„Nein“, sagte Bill und schüttelte den Kopf, „Gott sagte, ich werde einen Sohn von Meda haben.“ Obgleich er es nicht in einer Vision gesehen hatte, war es durch Offenbarung, durch Glauben auf seinem Herzen geschrieben. Nicht jeder teilte diesen Glauben. Nachdem Sarah geboren war, rief ein Mann Bill an und machte sich über ihn lustig. „Sagen Sie mal, wissen Sie was? Sie haben Josephine gemeint.“

„Hören Sie, Gott hat mir gesagt, ich werde einen Sohn haben, und dass ich ihn Joseph nennen würde.“ (Der Mann starb.)

Drei Leute aus seiner Gemeinde (die eine gewisse christliche Glaubens gemeinschaft zuvor verlassen hatten) beschlossen, dass er ein falscher Prophet sei. „Einen Augenblick“, antwortete Bill, „Ich habe nie gesagt, wann, und auch Gott hat nie gesagt, wann. Gott sagte Abraham, er werde Isaak haben, und doch wurde Ismael dazwischen geboren. Das hat der Verheißung keinen Abbruch getan. Eines Tages werde ich einen Jungen von Meda haben und wir werden ihn Joseph nennen, genau wie Gott es gesagt hat.“

Vier Jahre waren seither vergangen und jetzt würde Meda ein weiteres Kind haben … Bill bog von der Hauptverkehrsstraße ab und fuhr nach Green’s Mill. Er stellte sein Auto ab und machte sich auf in Richtung seiner Höhle, um zu beten. Als er um die Biegung trat, sah er das Licht zwischen zwei Bäumen unter einem Busch hängen und sich umherbewegen … „Kehre um und geh zu deinem Auto zurück. Deine Bibel wird aufgeschlagen liegen.“

Als Bill zurück zum Auto kam und seine Bibel aufnahm, stellte er fest, dass der Wind die Seiten seiner Bibel dorthin umgeschlagen hatte, wo Nathan zu David sprach. „Tue alles, was in deinem Herzen ist, denn Gott ist mit dir.“ Dann erschien der Herr dem Nathan in jener Nacht und sagte: „Gehe hin und sage zu meinem Knecht, zu David: Habe Ich ihn nicht von der Weide hinter der Herde weggeholt? Und ihm einen Namen gemacht, wie ihn nur die Größten auf Erden haben? Habe nicht Ich seine Feinde vor ihm ausgerottet, wohin immer er auch losgezogen ist? Bin nicht Ich mit ihm gewesen?“ „Ich kann ihn nicht den Tempel bauen lassen, aber sein Sohn …“ Sobald es hieß „sein Sohn“ – da war es. Bill sagte: „Joseph?“ Das stimmte. Bill wusste, dass der Herr ihm mitteilte, unbesorgt zu sein. Bill fing an zu weinen.

Bill stieg ins Auto und fuhr heim. Als er zu Hause vorfuhr, sah er, dass Meda nach draußen ging, um den Müll zu leeren. Sie konnte kaum laufen, so schwer war sie. Ihr Gesicht sah fahl aus; sie weinte und war ganz und gar nervös. Bill lief zu ihr hin, umarmte sie und sagte: „Ich möchte, dass du frohen Mutes bist.“ „Warum?“

„Weißt du, wo ich gewesen bin?“

„Ich kann es mir vorstellen.“

„Ich habe das ‚So spricht der Herr‘. Liebling, Joseph kommt. Joseph ist auf dem Weg. Mach dir keine Sorgen, jetzt ist alles in Ordnung.“ Damit war es auf der Stelle erledigt.

Um sieben Uhr am nächsten Morgen (19. Mai 1955) fuhr Bill seine Frau zum Krankenhaus. Der Arzt sah, dass sich das Kind während der Nacht bereits gesenkt hatte und rief aus: „Ach du meine Güte!“ Bill küsste seine Frau und sagte: „Liebling, nicht mehr lange. Joseph wird da sein.“ Sie brachten Meda eilends auf die Entbindungsstation. Bill wartete und lief im Verein mit den übrigen bangen Vätern auf dem Flur hin und her und wetzte den Teppich ab. Ein paar Minuten verrannen und dann kam die Krankenschwester in den Warteraum zurück: „Reverend Branham?“

„Ja, bitte.“

„Sie haben einen prächtigen, 3.500 Gramm schweren Jungen.“ „Joseph, mein Schatz, du hast dir ja ganz schön Zeit gelassen, hierher zu kommen. Papa ist schon froh, dich zu sehen.“

Die Krankenschwester sagte: „Sie haben ihn Joseph genannt?“ „Ja, das ist sein Name.“

Ein paar Tage nachdem Joseph geboren war, besuchte Miner Arganbright Bill zu Hause. Miner war ein kleiner Mann. Bill hatte einmal im Spaß gesagt, dass Miner und seine Frau zusammen erst einen ausgewachsenen Menschen ergeben. Ungeachtet der schmalen Statur seines Freundes, hielt Bill Miner Arganbright für einen Glaubensriesen. Er war der Vizepräsident der Geschäftsleute des vollen Evangeliums. Er gab zudem die monatliche Zeitschrift der Organisation, Full Gospel Business Men’s Voice, heraus, welche regelmäßig Artikel über die Branham-Feldzüge brachte. Bill kannte Miner seit vielen Jahren und achtete den christlichen Charakter des Mannes: Demütig, sanftmütig, großzügig, und stets empfindsam für die Leitung des Heiligen Geistes. Auf der Kante seines Stuhles sitzend, sagte Arganbright: „Bruder Branham, ich habe eine große Offenbarung vom Herrn.“

Bill beugte sich vor. „Ja, bitte.“

„Der Herr möchte, dass ich nach Zürich in die Schweiz gehe. Möchtest du mit mir kommen?“

Bill lehnte sich in die Kissen seines Sessels zurück und sagte: „Ich habe einen Abend in Denver. Dann habe ich eine Woche in Macon (Georgia). Danach bin ich frei. Lass mich darüber nachdenken.“

Nachdem er die Schweiz im Gebet bewegt hatte, hatte Bill gemischte Gefühle. Gott hatte ihm nicht direkt aufgetragen, dass er gehen sollte. Dennoch, je mehr er darüber nachdachte, desto mehr hatte er das Gefühl, dass wenn Miner Arganbright eine Offenbarung über diese Reise hatte, so müsse es Gottes Wille sein.

Billy Paul Branham klopfte hartnäckig an die Hotelzimmertür seines Vaters. Es kam keine Antwort, nicht einmal eine Regung von innen. Billy Paul wusste, dass sein Vater tief im Gebet für die Abendversammlung war. An jedem anderen Abend wäre Billy Paul gegangen und hätte es 15 Minuten später wieder versucht – nicht jedoch heute. Er klopfte sachte weiter und rief: „Papa, du musst dich beeilen. Du wirst heute Abend wieder predigen müssen. Bruder Jack ist nicht da.“

Jack Moore, Bills gegenwärtiger Manager, hatte den Beginn der zehntägigen Versammlungsreihe in Macon (Georgia) auf Freitag den 3. Juni angesetzt. Terminüberschneidungen hielten Moore davon ab, während der ersten drei Versammlungen anwesend zu sein. Er hatte Bill jedoch versprochen, am Montag da zu sein. Jetzt war es Dienstagabend und Jack Moore war noch immer nicht erschienen. Das bedeutete, dass Bill wiederum predigen musste, ehe er für die Kranken betete. Er hätte es vorgezogen, wenn sein Manager eine vorbereitende, Glauben stärkende Predigt gehalten hätte. Damit hätte Bill sich auf den Gebetsgottesdienst konzentrieren können und seine Kräfte geschont. Die Salbung zum Predigen und die Salbung zum Sehen von Visionen waren gänzlich verschieden, wobei die Salbung zum Sehen von Visionen anstrengender war. Der Wechsel von der einen zur anderen bedeutete eine zusätzliche Anforderung an ihn, doch konnte er es tun, wenn es notwendig war.

Dieser Feldzug in Macon wurde im Freien in einem Fußballstadion gehalten. Klappstühle reihten sich auf dem Spielfeld. Nach vier Abenden voller Wunder, konnte nicht einmal eine Regenwarnung das Interesse der Menschen dämpfen: Jeder Klappstuhl auf dem Spielfeld war besetzt, und ebenso der Großteil der unüberdachten Zuschauertribüne. Die Bühne war nahe an einer Torauslinie aufgebaut. Als Bill die Stufen zum Podium hinaufging, wusste er noch immer nicht, worüber er predigen würde. Erst als er die Menschen begrüßte, fiel ihm sein Thema zu.

Er schlug die Bibel im Buch Joel auf, wo der Prophet über die Insektenplage sprach, die jeden Obstbaum und Weinstock im Lande Israel schädigte. Zuerst las er Joel 1: 4: Was der Nager übrig gelassen hatte, das fraß die Heuschrecke auf; und was die Heuschrecke übrig gelassen, das verzehrte der Fresser; und was der Fresser übrig gelassen, das verzehrte der Abschäler. Dann las er Joel 2: 25: Und ich will euch die Jahre erstatten, deren Ertrag die Heuschrecken, der Nager, der Fresser und der Verwüster verzehrt haben, mein großes Kriegsheer, das ich gegen euch gesandt hatte.

Seine Stimme hallte etwas, aufgrund der Zeitverzögerung zwischen einem Dutzend Lautsprecher, die um das Spielfeld herum auf Scheinwerfermasten aufgehängt waren. „Gott vergleicht seine Gemeinde mit einem Weinstock. Jesus sagte: ,Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben.‘ Darum muss das Leben, das in Christus war, in jeder Rebe sein. Wenn also Christus das Königreich Gottes predigte, indem er die Kranken heilte, wird jede Rebe, wenn sie hervorkommt, dasselbe tun müssen, weil sie dasselbe Leben in sich haben wird, das im Weinstock ist.“

Soweit bewegte er sich auf gemeinsamem Boden, doch von dieser Stelle an beging er einen neuen Pfad und säte neue Saat. Er sagte, es gibt zwei geistliche Weinstöcke auf Erden: Einen wahren und einen falschen. Diese zwei Weinstöcke wachsen Seite an Seite, so dass sich ihre Reben ineinander verschlingen, wodurch es manchmal schwer zu sagen ist, welche Rebe zu welchem Baum gehört. Doch Jesus sagte: „An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen.“ „Denkt daran“, unterstrich Bill, „der antichristliche Geist ist religiös. Jesus sagte, in den letzten Tagen würde es so nahe beieinander sein, dass es sogar die Auserwählten verführen würde, falls dies möglich wäre.“ Indem er auf das Erste Buch Mose Bezug nahm, zeigte Bill, wie sowohl Kain als auch Abel religiös waren. Beide waren gläubig, beide bauten Altäre und beide brachten Gott Opfer. Kain betete Gott genauso aufrichtig an wie Abel. Tatsächlich war Kains Opfer sogar schöner als das seines Bruders. Kain opferte Früchte und Blumen, Abel dagegen ein geschlachtetes Lamm. Kain kochte vor Wut, als Gott sein Opfer ablehnte, dasjenige seines Bruders jedoch annahm. Abel hatte eine geistliche Offenbarung, dass es nicht Früchte waren, die das Eintreten von Sünde in die Welt verursacht hatten; Sünde kam durch Blut. Abel erkannte, dass Sünde allein durch das Vergießen von Blut gesühnt werden konnte, was von dem Tag kündete, an welchem das Lamm Gottes Sein eigenes Blut für die Sünden der gefallenen Menschheit hingeben würde. Bill folgte diesen beiden Weinstöcken vom 1. Buch Mose bis 4. Mose Kapitel 23, wo die Kinder Moabs gegen die Stämme Israels kämpften. Jene Moabiter, welche die Nachfahren von Abrahams Neffen Lot waren, beteten denselben Gott an wie Israel. Genau wie Israel in Mose einen Propheten hatte, fand auch Moab in Bileam einen Propheten. Moab bot Bileam eine Menge Geld an, falls er Israel fluchen würde. Bileam nahm Moabs Angebot an. Um sich Gott zu nahen, opferte Bileam sieben Ochsen und sieben Widder auf sieben Altären. Gemäß dem levitischen Gesetz war das dem Buchstaben nach richtig. An dieser Stelle schockte Bill manche Leute in der Zuhörerschaft, indem er herausstellte: „Du kannst durch und durch buchstabengetreu und orthodox sein und dich doch auf dem Weg zur Hölle befinden.“ Er führte das aus: „Obgleich diese beiden Weinstöcke Seite an Seite wuchsen – beide religiös, beide fundamental – werden sie doch allein anhand ihrer Frucht erkannt. Vergleicht Judas mit den übrigen Jüngern! Über Jahre hinweg war Judas genauso fundamental wie der Rest von ihnen – doch kurz vor Pfingsten zeigte Judas seine Frucht: Er konnte nicht bis hin zu Pfingsten gehen und wiedergeboren werden. Viele Menschen glauben nicht, dass es ein Erlebnis der Wiedergeburt gibt. Sie denken, es spiele sich alles im Verstand ab. Nein, Bruder, es geschieht in deiner Seele.“ „Vergleicht Jesus mit den Pharisäern. Beide glaubten an Gott den Herrn, beide glaubten an die Grundsätze des Gesetzes, doch Jesus wurde durch übernatürliche Zeichen und Wunder bestätigt. Auch die Apostel hatten diese Bestätigung. Ebenso die Urgemeinde. Und ebenso wird der wahre Weinstock in jedem Zeitalter bestätigt werden. Jesus sagte: ,In meinem Namen werden sie die Teufel austreiben, ihre Hände auf die Kranken legen und sie sollen genesen.‘ Das ist der Unterschied zwischen diesen beiden Weinstöcken. Sie können beide die Grundwahrheiten glauben, jedoch hat nur der wahre Weinstock den Geist und kann das Licht für seinen Tag sehen. Bedenkt, Paulus sagte: „Der Buchstabe tötet, der Geist aber macht lebendig.“ 30 Bill wusste, dass dies eine auffällige Abkehr von seinen gewöhnlichen Glauben aufbauenden Predigten war. Aber darin bestand seine neue Verpflichtung, auf einem jeden Feldzug mehr Zeit dafür aufzuwenden, die biblischen Grundwahrheiten zu lehren. Heute Abend betonte er die wichtigste Grundwahrheit von allen: Ihr müsset von neuem geboren werden. Ohne Zweifel bereitete er manchen Leuten Unbehagen. Das ließ sich nicht vermeiden. Er konnte nur hoffen, dass diese Menschen, wenn sie die übernatürliche Unterscheidung in der Gebetsreihe sahen, erkennen würden, dass seine Lehre der Wahrheit entsprach. Später an jenem Abend, nachdem er im Gottesdienst zum Gebet für die Kranken übergegangen war, regneten die Visionen eine nach der anderen herab, wobei jede Unterscheidung zum Mark der Schwierigkeit der betreffenden Person vordrang. Die zweite Frau aus der Reihe stand vor ihm. Noch ehe sie etwas sagen konnte, sagte Bill: „Einen Augenblick.“ Er wandte sich der Zuhörerschaft zu, beobachtete, horchte. „Es ist ein böser Geist, der nach Hilfe schreit. Ich sehe einen dunklen Strahl zwischen dieser Frau hier neben mir und der Frau, die dort unten sitzt und ihren Fuß auf einem Stuhl aufgestützt hat. Sie haben beide Krebs. Die Frau hier oben hat Krebs in ihrer Kehle.“ Er sprach mit der Frau neben sich: „Versuchen Sie zu glauben! Sie sind sehr nervös. Man hat versucht, Sie zu operieren und jetzt kommt ihre Stimme aus einem Loch in ihrer Kehle. Sie sind nicht aus Georgia. Sie sind aus Melrose (Florida). Ihr Name ist Frau E. M. Robinson.“ Ein allgemeines Raunen wogte durch das Stadion. Bill legte seine Hände auf Frau Robinson und gebot dem Krebsdämon in Jesu Namen. Dann sprach er mit der anderen Frau, die in der Zuhörermenge saß. „Schwester, dein Krebs ist in der Brust. In der Vision kann ich die Untersuchung des Arztes sehen.“ Bill gebot auch diesem Krebsdämon im Namen Jesu.

Ein junger Methodistenprediger beobachtete dies von hoch oben auf der Zuschauertribüne. Willard Collins dachte: „Dies ist nicht wie in der Methodisten gemeinde. So etwas habe ich noch nie gesehen. Ich bin zu weit weg, um viel sehen zu können. Morgen muss ich näher heran.“

Am nächsten Abend hielt Willard nach einem leeren Stuhl nahe der Plattform Ausschau. Er fand keinen. Selbst der Raum zwischen der ersten Sitzreihe und der Plattform war mit Menschen zugestellt, die in Rollstühlen saßen und auf Tragen lagen. Willard blieb stehen und fragte einen älteren, farbigen Mann wie lange er schon krank sei. „Ich bin seit 17 Jahren bettlägerig“, erwiderte der Mann. Als Willard bemerkte, wie verkümmert der alte Mann aussah, glaubte er ihm. Da er weit vorne keinen Stuhl finden konnte, setzte sich Willard wieder auf die Tribüne.

Während des Gottesdienstes an jenem Abend sagte William Branham zu einer Frau in der Gebetsreihe: „Sie leiden an einer furchtbaren Sache, genannt Krebs. Ein Todesgeist hängt neben Ihnen. Doch es gibt eine Sache, die Sie nötiger haben als Heilung, und das ist Errettung für Ihre Seele. Sie sind ein Sünder. Wenn Sie jetzt Buße tun und Ihr Leben Jesus Christus übergeben werden, wird Er Sie heilen.“

Nachdem sie Buße getan hatte, war sie geheilt. Bill beobachtete, wie sie die Stufen zum Rasenplatz hinuntereilte. Der Engel folgte ihr. Während die Frau den Gang zwischen den Reihen an Klappstühlen entlangging, wich der Engel von ihr und bewegte sich über den Bereich der Tragen und Rollstühle. Plötzlich wies Bill auf den alten farbigen Mann, mit dem Willard Collins zuvor gesprochen hatte. „Sie, auf der Trage. Glauben Sie mir als Gottes Propheten? Sie haben keine Gebetskarte, oder? Sie brauchen keine. Werden Sie mich als Ihren Propheten annehmen und mir gehorchen? Dann stehen Sie von der Trage auf, gehen Sie nach Hause und essen Sie Ihr Abendessen. Jesus Christus wird Sie gesund machen. Amen!“

Der alte Mann schwang seine spindeldürren Beine von der Trage und stellte sich hin. Jemand stützte ihn einen Moment. Dann ging er selbstständig die volle Länge des Fußballfeldes hinab und lief direkt aus dem Stadion hinaus. Willard Collins fühlte sein Blut in der Halsschlagader pochen. „Dies ist echt!“, dachte er. „Ich will in die Gebetsreihe.“ Seit Jahren hatte Willard an einem Magengeschwür gelitten, das ihn zwang, sich streng von Schonkost zu ernähren. Zum ersten Mal seit Jahren glaubte er, dass er gesund werden konnte – falls er William Branham für sich beten lassen konnte.

In die Gebetsreihe zu gelangen, stellte sich als schwierig heraus. Lediglich 100 Gebetskarten wurden pro Abend ausgegeben und aus dieser Gruppe wurden nur 15 bis 30 Leute für die Gebetsreihe ausgewählt. Jeden Abend kamen hunderte von Leuten früh zum Stadion, um eine Karte zu erbitten. Am Dienstagabend erhielt Willard keine. Enttäuscht wanderte er für ein Weilchen umher, auf der Suche nach einem Platz, der so nahe wie möglich an der Plattform lag. Vorne war nicht nur ein Bereich für Rollstühle und Tragen eingerichtet, sondern auch ein Bereich für Leute, die Tonbandaufnahmen vom Gottesdienst machten. Willard entdeckte eine kleine, leere Stelle zwischen zwei Tonbandgeräten. Er lief zu seinem Pick-up, holte sich einen Klappstuhl, trug ihn ins Stadion zurück und quetschte sich zwischen die Tonbandgeräte.

Nachdem William Branham für ein Dutzend Menschen in der Gebetsreihe gebetet hatte, ging er die Stufen zum Rasen hinunter und bewegte sich zwischen den Tragen und Rollstühlen, indem er hier und dort für jemanden betete. Dann hielt er bei Willard inne, legte Willard eine Hand auf die Schulter und betete: „Vater, auch er ist krank. Heile ihn.“ Als er die Stufen zurück zur Bühne hinaufgegangen war, stand er vor dem Mikrofon und sagte: „Ihr habt es vielleicht nicht sehen können, doch der Engel des Herrn hat mich, als ich von hier fort bin, zu jeder Person geführt, zu der ich hingegangen bin.“

Willard Collins hatte den Engel nicht gesehen, jedoch seine Gegenwart gespürt. Nachdem der Evangelist ihn angefasst und gebetet hatte, durchströmte ein eigenartiges Empfinden Willards Körper. Es fühlte sich fast so an, als laufe kaltes Wasser über und durch ihn. Von jenem Tage an konnte er essen, was immer er mochte. Sein Magen bereitete ihm nie wieder Schwierigkeiten. Am letzten Abend des Feldzugs kam eine bestimmte Frau durch die Gebetsreihe. Bill sagte ihr genau, was ihre Not war und wie viele Operationen sie mitgemacht hatte. Dann sagte er ihr, sie lebe nicht in Macon, sondern in Augusta (Georgia) und fügte auch ihren Namen und Adresse hinzu, obgleich er angab, sie nie zuvor in seinem Leben gesehen zu haben. Obwohl Willard im Laufe dieses Feldzugs zugesehen hatte, wie Branham hunderten von Menschen die Geheimnisse ihrer Herzen unterschied, schmälerte diese Tatsache doch keineswegs sein Erstaunen auch bei diesem einen Mal. Dann geschah etwas, das ihm mächtig zu schaffen machte. Eine Frau hinter ihm sagte zu ihrer Nachbarin: „Diesmal hat Bruder Branham ganz klar daneben gelegen. Ich kenne die Frau, und sie wohnt dort gar nicht.“

Zweifel bohrten sich wie Krallen in Willards Glauben. Er hatte William Branham sagen hören: „Falls ich euch jemals etwas Verkehrtes unter der Unterscheidung sage, glaubt auch den Rest nicht, den ich sage, weil das bedeuten würde, dass ich nicht mehr vom Geiste Gottes geleitet wäre.“ Willard sah die Logik hinter der Aussage. Falls Branham ein Fehler während der Unterscheidung unterlaufen konnte, konnte er auch einen Fehler in der Lehre machen. Die Frage war nun: Hatte er wirklich einen Fehler gemacht? Collins musste es unbedingt herausfinden. Im Laufe der nächsten paar Tage spielte er Detektiv, fragte diese und jene Person, bis er schließlich hinter die Wahrheit kam. Es stellte sich heraus, dass die betreffende Frau zwei Tage bevor sie Dienstagabend in die Gebetsreihe kam, in ein neues Haus in Augusta gezogen war, und ihre Bekannte aus der Zuhörerschaft nicht mitbekommen hatte, dass sie umgezogen war. Sie wohnte tatsächlich bei der Adresse, die William Branham angegeben hatte.

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