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Übernatürlich

Übernatürlich – Buch 5

„Es entstehe Leben!“

1959

Im Frühjahr 1959, während er einen weiteren Glaubensheilungs-Feldzug in Chicago hielt, änderte sich William Branhams Dienst aufs Neue. An einem Abend rief er wie gewöhnlich die Gebetsreihe auf, sich zu seiner Rechten aufzustellen. Ein … zwei … drei Leute traten vor ihn hin und ein jeder zog eine Vision von seiner Gabe – und mit der Vision auch einen Teil seiner Kraft. Die vierte Person, die an jenem Abend vor ihm stand, war eine junge Frau mit schulterlangem, schwarzen Haar. Sie trug eine braune Kostümjacke mit einer passenden braunen Bluse und hielt ein Baby fest, das in eine rosa Decke eingewickelt war. Bill dachte: „Es scheint, als müsse ich diese Frau kennen. Sie kommt mir so bekannt vor.“ Als er das Gesicht des Babys betrachtete, konnte er anhand der eingefallenen Wangen und der blassen Haut erkennen, dass es sehr krank war. Eine Vision offenbarte noch weitaus mehr. Er sagte der Frau: „Ihr Baby ist sechs Monate alt und sie wiegt bloß drei Pfund. Sie können sie nicht zum Essen bewegen. Alles, was Sie ihr eingeben, kommt sofort wieder hoch. Sie haben sie zu vielen Ärzten gebracht, doch keiner von ihnen kann ihr helfen. Die Ärzte wissen nicht, was verkehrt ist. Sie wissen, dass ihr Baby stirbt. Sie sind Mitglied der Schwedischen Bundesgemeinde und Ihr Pastor hat Ihnen den Rat gegeben, das Baby zu mir zum Gebet zu bringen.“

„Das stimmt“, flüsterte sie mit bebenden Lippen.

Die Szene in der Vision wechselte. Bill sah das Baby lachen und spielen. Er sagte: „Schwester, so spricht der Herr: ,Dein Baby ist geheilt.‘“ Die junge Mutter verließ, vor Erleichterung weinend, die Plattform. Bill dachte: „Mit ihr hat es etwas auf sich.“ Dann entsann er sich. Vor vier Jahren, während er in der Wüste außerhalb von Phoenix (Arizona) gebetet hatte, hatte Gott ihm eine Vision von eben diesem Moment gezeigt und gesagt: „Wenn du dies geschehen siehst, wird sich dein Dienst ändern.“ Dies war die Frau in dem braunen Kostüm, die er in jener Vision gesehen hatte. Hier war sein Zeichen, dass er beim Gebet für die Kranken mehr Kraft empfangen würde.

Beginnend mit der nächsten Person aus der Reihe, fühlte er weniger Kraftverlust bei Visionen, die er während seiner Gebetsgottesdienste sah. Obgleich er nie in der Lage gewesen war, die Abfolge von Visionen zu kontrollieren, hatte er gelernt, wie er sich verhalten musste, damit Visionen möglich wurden. Zuerst sprach er zur Zuhörerschaft, bis er die Gegenwart des Engels des Herrn spürte. Dann redete er mit der ersten Person aus der Reihe, bis er mit dem Geist der betreffenden Person einen Kontakt hergestellt hatte. Stets folgte eine Vision. Nach der ersten Vision kamen die nächsten Visionen leicht. Sein Problem war nie gewesen, in den Geist der Unterscheidung hineinzukommen; sein Problem war stets gewesen, wieder herauszukommen. Bislang hatten die Visionen ihn während des Gebetsgottesdienstes immer kontrolliert, und ihn mit sich mitgezogen, bis er erschöpft war. An manchen Abenden benötigte er Stunden, um sich zu erholen; manchmal benötigte er Tage oder sogar Wochen, um seine Kräfte wiederzuerlangen. Am heutigen Abend änderte sich das. Jetzt war er in der Lage, sich aus einer Vision so leicht herauszureißen, wie er in sie hineingelangt war. Diese Fähigkeit gestattete es ihm, seine Kräfte zu schonen und bewusst eine Entscheidung zu treffen, für wie viele Menschen er beten wollte, bevor er aufhörte. Die Visionen entkräfteten ihn noch immer, jedoch nicht mehr so stark, wie sie es in früheren Zeiten getan hatten.

Als Bill vom Chicago-Feldzug nach Hause zurückkehrte, erfuhr er, dass Linda Kelly Smith in lebensbedrohlichem Zustand im Krankenhaus war. Die Familie Kelly hatte früher einmal das Branham Tabernacle besucht, doch waren sie zurück in die Welt abgeglitten und schon seit Jahren nicht mehr zur Gemeinde gekommen. Frau Kelly rief Bill an, um anzufragen, ob er zum Krankenhaus kommen und für ihre Tochter beten würde.

Als er beim Krankenhaus eintraf, fand er Linda Smith in einem Bett unter einem Sauerstoffzelt vor, umgeben von ihren Eltern, ihrem Mann, ihren Schwiegereltern und etlichen anderen Familienmitgliedern. Linda war mit ihrem dritten Kind im fünften Monat schwanger, doch war das Baby traurigerweise bereits in ihrem Mutterschoß tot. Zu allem Übel kam hinzu, dass ihr Arzt das tote Baby nicht operativ entfernen konnte, weil sich bei Linda Urämie entwickelt hatte, ein Zustand, bei dem ihr Blut Restsubstanzen zurückbehielt, die normalerweise durch den Urin ausgeschieden wurden. Eine Operation unter solchen Bedingungen würde fast sicher ihren Tod herbeiführen, und doch musste das Kind entfernt werden, sonst würde es schlussendlich für die Mutter tödlich verlaufen. Lindas missliche Lage schien hoffnungslos. Bill hob den Vorhang des Sauerstoffzeltes und sagte: „Linda, ich bin’s, Bruder Branham. Erinnerst du dich an mich?“

Ihre Stimme klang schwach, doch ihr Verstand war helle. „Ja, Bruder Bill, ich erinnere mich an dich.“

„Hast du verstanden, wie krank du bist?“

„Ja, aus diesem Grund habe ich Mutter gebeten, dich anzurufen.“ „Linda, wie steht es zwischen dir und dem Herrn?“

Traurig runzelte sie die Stirn. „Bruder Bill, ich bin nicht bereit, um zu gehen.“ Sich neben ihrem Bett hinkniend und ihre Hand unter dem Sauerstoffzelt festhaltend, betete Bill mit ihr. Linda sagte dem Herrn Jesus, dass ihr ihre Sünden leid täten, und versprach Ihm, dass sie Ihn von diesem Tage an lieben und Ihm dienen würde. Als sie mit ihrer Buße zu Ende war, betete Bill, dass Gott sie im Namen Jesu heilen möge.

Als der Arzt ihr am nächsten Morgen Blut abnahm, stellte er überrascht fest, dass ihre Urämie verschwunden war. Von dieser unerwarteten Wandlung ihres Zustands ermutigt, setzte er für den folgenden Tag eine Operation an. Falls ihr Blut 24 Stunden lang rein blieb, konnte ihr Arzt das tote Baby sicher entfernen. Als Lindas Familie die guten Neuigkeiten hörten, taten auch viele von ihnen Buße für ihre Sünden und versprachen Gott, dass sie Ihm für den Rest ihres Lebens dienen würden. Bill war aufs Tiefste zufriedengestellt. An jenem Abend konnte Linda nicht schlafen. Gegen Mitternacht sagte sie zu ihrer Mutter: „Ich bin jetzt so froh, dass ich Frieden mit Gott habe. Mutter, ich gehe heim.“

Frau Kelly tätschelte ihrer Tochter den Arm. „Ja, Linda, morgen früh wird der Doktor das Baby entfernen. Dann, in ein paar Tagen, kannst du zu deinem Mann und den Kindern nach Hause gehen und für Gott leben.“

„Nein, Mutter, du hast es nicht verstanden. Ich meine, ich gehe zu meinem himmlischen Heim. Dies ist das Ende meiner Reise.“ Ein paar Minuten später verschied Linda still.

Die Neuigkeit von Lindas Tod machte Bill sprachlos. Dann setzte sie ihm zu. In einem Moment der Schwäche sagte er: „Herr, Gott, Du schuldest mir eine Erklärung. Nachdem ich für sie gebetet habe, und Du sie von ihrer Urämie geheilt hast, und nachdem viele aus ihrer Familie aufgrund dieses Wunders zu Christus zurückgekommen sind – und dann nimmst Du ihr Leben? Ich denke, Du schuldest mir eine Erklärung.“

Die Erklärung, die er wollte, kam nicht auf der Stelle. Nachdem er ein paar Tage geschmollt hatte, vergaß Bill seine unbedachte Forderung. Gott vergaß sie jedoch nicht. Vier Monate später, während Bill angelte, sah er eine Vision, die ihm den Grund zeigte. Er sah, wie Linda und ihre Familie bei einem Flüsschen ein Picknick machten. Er sah, wie Linda am Rande des Baches von Stein zu Stein sprang. Dann sah er, wie sie ausrutschte und ins Wasser fiel, und wie sich ihre Beine und ihr langer Rock im Schilf und den Seerosen verhedderten. Ihre Familie bemerkte nicht eher, dass sie fehlte, bis es fast zu spät war. Als ihr Mann sie aus dem Flüsschen gezogen hatte, war ihre Haut vom Sauerstoffmangel schon blau. Verzweifelt blies ihr Mann ihr Luft in die Lungen und sie kam zu sich. Der Engel des Herrn sagte zu Bill: „Geh zu ihrer Mutter und sprich: ,Ist Linda nicht letztes Jahr bei einem Picknick beinahe in einem Flüsschen ertrunken? Sie hätte zu jener Zeit sterben sollen, doch sie war noch nicht bereit zu gehen. Gott musste warten, bis ihre Seele bereit war.‘ Darum ist das alles passiert, und darum bist du zum Krankenhaus gegangen, um für sie zu beten.“

Als die Vision ihn verließ, warf Bill seine Angel zur Seite und vergrub weinend das Gesicht in den Händen: „Herr Jesus, vergib mir meine Torheit. Ich hätte nie sagen sollen: ,Du schuldest mir eine Erklärung.‘ Du schuldest Deinen Kindern gar nichts. Wir sind es, die bei Dir in Schuld stehen.“

Er kehrte nach Jeffersonville zurück, fuhr zum Haus der Kellys auf der Market Straße und klopfte an die Tür. Frau Kelly machte auf. „Bruder Bill, was führt dich hierher?“

„Schwester Kelly, ich möchte dich etwas fragen. Ist Linda nicht letztes Jahr bei einem Picknick beinahe ertrunken?“

„Ja, Bruder Bill. Sie fiel in einen kleinen Fluss als es niemand sah. Ihr Mann zog sie dann heraus und hat mit einer Mund-zu-Mund-Beatmung wahrscheinlich ihr Leben gerettet. Woher wusstest du das?“

„Der Herr hat mir darüber eine Vision gezeigt. Schwester Kelly, der Tag jenes Picknicks war Lindas Zeit zu gehen. Doch Gott in Seiner Gnade verschonte ihr Leben, bis ihre Seele bereit war.“

Obgleich ihn seine Feldzüge nicht länger erschöpften, lasteten auf William Branham 1959 andere Bürden. Ohne Zweifel war die schwerste dieser Lasten die sich in die Länge ziehende Auseinandersetzung mit dem Finanzamt. Die behördliche Untersuchung seiner Feldzugsfinanzierung hatte bereits 1955 begonnen. Im Laufe der letzten vier Jahre hatten sie seine Finanzbuchhaltung etliche Male überprüft, ohne jedoch irgendwelches Fehlverhalten zu finden, und gewiss nichts, was ihn bezichtigen könnte, Gelder widerrechtlich verwaltet zu haben. Also änderten die Finanzbeamten ihre Taktik. Sie behaupteten, jeder auf den Namen William Branham ausgestellte Scheck sei sein privates Einkommen, obwohl das Geld direkt auf das Bankkonto des Branham Tabernacles eingezahlt wurde. Wenn Leute seinen Feldzügen Geld spendeten, stellten sie die Schecks gewöhnlich auf William Branham aus, anstelle auf William Branham Campaigns. Das Finanzamt sagte, er schulde für jeden Pfennig davon Einkommenssteuer. Indem sie über zehn Jahre zurückrechneten und Zinsen und Bußgelder einkalkulierten, erklärten sie, er schulde der Regierung der Vereinigten Staaten 355.000 Dollar.

Eines Tages forderten die Staatsanwälte Bill auf, sich mit ihnen auf ihrer Behörde in Louisville zu treffen. Bill stöhnte bei dem bloßen Gedanken daran, da diese Treffen nirgendwohin zu führen schienen. Die Anwälte stellten ihm wieder und wieder dieselben Fragen, nahmen dann seine Antworten und entstellten sie zu Aussagen, die er nicht zu sagen beabsichtigt hatte. Diese Verhöre ermüdeten und frustrierten ihn, doch da ihm in der Angelegenheit keine andere Wahl blieb, stimmte er zu, vorbeizukommen.

Roy Roberson begleitete ihn. Roberson war nicht nur Bills Freund, sondern auch Mitglied im Finanzvorstand des Branham Tabernacles. Etliche Anwälte des Finanzamtes saßen geschlossen auf einer Seite eines langen Tisches. Bill, Roy Roberson und Herr Orbison (Bills Anwalt) saßen auf der anderen Seite. Einer der Anwälte des Finanzamtes sagte: „Herr Branham, wir haben noch ein paar Fragen bezüglich einiger Ihrer Ausgaben. Da wir alle gutgeschriebenen Schecks des Branham Tabernacles haben, wissen wir, wo jeder Pfennig davon hingegangen ist. Bei einem Teil dieser Gelder zweifeln wir an, dass sie für berechtigte Gemeindeausgaben verwendet wurden. Ein Beispiel: Bei einer Versammlung in Alberta (Kanada) haben Sie ein Opfer von 3.000 Dollar empfangen. Am Sonntag darauf haben Sie das Geld einer Gemeinde aus der nächsten Stadt gegeben.“

„Sie brauchten ein neues Dach für ihr Gemeindehaus.“

„Hm. Hier sind ein paar Schecks für eine Frau in New Albany. Ein Scheck, um ihre 300 Dollar Lebensmittelrechnung zu begleichen und die anderen, um ihre Miete zu decken. Sind 500 Dollar für eine Miete nicht ziemlich hoch gegriffen?“

„Sie ist eine 80-jährige Witwe und wohnt zusammen mit ihren zwei Kindern, die beide an rheumatischer Arthritis leiden. Sie hat sehr wenig Einkommen und der Hausbesitzer wollte sie mitten im Winter aus dem Haus werfen. Ich beglich ihre Mietrückstände und zahlte dann ihre Miete bis Juni.“ „Hm. Hier ist noch ein Scheck, den wir anzweifeln. Sie haben einem Mann 1.500 Dollar als Unterstützung für seinen Hausbau gegeben.“ „Das alte Haus des Mannes ist abgebrannt. Was würden Sie tun, wenn Sie einen Vater sähen, der im Dezember mit fünf Kindern im Zelt wohnt, bei Schnee auf dem Boden und Minusgraden? Glauben Sie, ich könnte in meinem warmen Haus gemütlich sitzen mit dem Wissen, dass jene Kinder frieren, wo ich Zugang zu genügend Geld habe, um ihnen zu helfen?“

„Hm. Wussten die Kassierer, dass Sie diese Gelder weggaben?“ „Nein, sie wussten es nicht.“

„Warum haben Sie es denen nicht gesagt?“

„Weil Jesus sagte: ,Lasst eure linke Hand nicht wissen, was eure rechte Hand tut.‘ Es gibt kein höheres Gesetz als die Gesetze Gottes. Es war einfach nicht notwendig, dass die Kassierer es wussten.“

„Wir sind der Meinung, Sie hätten es ihnen sagen müssen. Gemäß unseren Unterlagen haben Sie über die Jahre zehntausende von Dollar an Einzelpersonen vergeben – das meiste davon, ohne dass Ihre Kassierer wussten, wohin das Geld ging.“

„Wollen Sie mich unredlich nennen?“

„Nein, Herr Branham, wir denken, Sie sind ehrlich. Was wir sagen, ist, dass Sie nicht wussten, wie man mit den Geldern hinsichtlich der Einkommenssteuer richtig umgeht. Als Sie die Schecks unterschrieben haben, ging das Geld in Ihren Besitz über, ehe es auf das Konto der Gemeinde gelangte, selbst wenn Sie es für weniger als eine Minute besaßen. Deshalb schulden Sie für das Geld Einkommenssteuer.“

„Natürlich ist meine Unterschrift auf der Rückseite jedes Schecks. Ich bin der Schatzmeister des Branham Tabernacle.“

„Die meisten Schecks wurden auf William Branham ausgestellt, nicht auf Branham Tabernacle. Das Branham Tabernacle besteuern wir nicht, weil es eine Gemeinde ist und Gemeinden sind von der Einkommenssteuer befreit. Dieses Geld war ihr persönliches Geld, ehe es auf das Gemeindekonto kam.“ „Aber es war ein Finanzbeamter, der mir mitteilte, dass ich diese Schecks so gegenzeichnen kann.“

„Der Mann ist nicht mehr im Staatsdienst.“

„Die Männer, die das Grundgesetz geschrieben haben, sind auch nicht mehr im Staatsdienst. Gilt das Grundgesetz?“ Bill war es müde, denselben Punkt wieder und wieder durchzudiskutieren. Er sagte: „Als ich ein junger Mann war und meine Frau krank wurde und starb, schuldete ich tausende Dollar an Arztrechnungen. Ich arbeitete schwer und zahlte jedes Bisschen davon zurück. Ich bin kein junger Mann mehr, doch wenn ich das Geld schulde, zahle ich es. Was mich bloß traurig stimmt, ist der Gedanke, dass all die Leute, denen ich Geld gegeben habe, dafür werden Einkommenssteuer zahlen müssen – wie jene arme 80-jährige Witwe.“

„Oh, da irren Sie, Herr Branham. Die müssen darauf keine Einkommenssteuer zahlen, weil sie das Geld als Geschenk bekommen haben, und freiwillige Geschenke werden nicht besteuert.“

„Tatsächlich? Dann schulde ich dem Staat gar nichts, weil alle Gelder, die ich eingezahlt habe, als freiwillige Geschenke eingingen. Ich habe nie in meinem Leben ein Opfer erhoben.“

Die Staatsanwälte sahen sich überrascht an. Einer fragte: „Können Sie das beweisen, Herr Branham?“

„Wenn Sie wollen, kann ich eine Million Leute Ihrer Behörde Briefe schreiben lassen, die das als wahr bestätigen. Ich habe nie in meinem Leben irgendjemanden um Geld gebeten. Die Gebetstücher, die wir rausschicken, sind kostenlos. Ich habe sogar etliche Feldzugsmanager entlassen, weil sie Spenden an Land ziehen wollten. Wann immer Leute Geld für meine Feldzügen gegeben haben, taten sie es aufgrund ihrer eigenen Wahl.“

Diese Information verstörte die Anwälte. Einige Minuten lang flüsterten sie hektisch untereinander und beendeten das Treffen daraufhin für den Tag. Bill verließ ihr Büro mit dem Gefühl, gewonnen zu haben.

Doch das Staatsverfahren gegen ihn war weit davon entfernt, vorüber zu sein. Im Laufe der letzten Juliwoche 1959 wurde Bill an fünf aufeinanderfolgenden Tagen von den Anwälten des Finanzamtes in ihrem Büro befragt. Nach der Sitzung am Freitagvormittag kam Bill erschöpft nach Hause, sein Kopf vom Beantworten der sich immer wiederholenden Fragen benommen. Er war durch den Druck der Finanzprüfung angespannt, zudem frustriert, weil sie ihn daran hinderte, Versammlungen anzusetzen. Darüber hinaus war er besorgt, weil so viele kranke Menschen ihn um Gebet baten und er keine Zeit hatte, für sie zu beten. Wenigstens würde er an diesem Nachmittag einigen Gebetsanfragen nachgehen können, weil die Anwälte des Finanzamtes gesagt hatten, dass sie für diese Woche mit ihm durch seien. An der Spitze seiner Besucherliste war ein Mann, der mit seinem kranken Baby in einem Motel wartete und 650 Kilometer nach Jeffersonville gefahren war.

Meda machte ihm ein Butterbrot zum Essen. „Wie ist es heute Vormittag gelaufen?“, fragte sie.

„Liebling, die Art, wie diese Anwälte mich ausfragen, macht mich schwindelig. Nach einer Weile fühle ich mich, als würde mir der Kopf abfallen.“ Er hatte sich gerade zum Essen hingesetzt, als das Telefon klingelte. Meda ging dran, hielt dann die Hand über die Muschel und flüsterte: „Billy, es ist unser Anwalt. Er sagt, die Anwälte vom Finanzamt wollen dich heute Nachmittag noch mal sehen.“

„Oh nein! Noch so einen dieser Nachmittage halte ich nicht aus. Sag ihm, ich bin gerade nicht da.“ Er stand vom Tisch auf und ging hinaus in den Garten hinterm Haus.

Meda runzelte die Stirn, tat aber, was ihr Ehemann ihr aufgetragen hatte. Als sie das Telefon auflegte, kam Bill ins Haus zurück, setzte sich an den Tisch und goss sich ein Glas Orangensaft ein. Meda fragte: „War das ganz korrekt?“ „Sicher“, begründete er. „Als du es sagtest, war ich nicht drinnen.“ „Aber du warst hier drinnen als er anrief.“

„Liebling, vergiss es einfach. Es ist in Ordnung.“ Tief innen wusste er, dass es nicht so war.

Nach dem Essen fuhr er zum Motel, wo der Mann mit dem kranken Baby wartete. Als er gerade für das Baby beten wollte, überfielen ihn Schuldgefühle. Er dachte: „Ich bin ein Heuchler. Wie kann ich für dieses Baby beten, wo ich gerade erst gelogen und meine Frau veranlasst habe, eine Lüge auszusprechen?“ Er sagte: „Ich bin momentan nicht würdig, für Ihr Baby zu beten. Ich habe etwas Falsches getan und mein Herz verurteilt mich. Wenn Sie nur etwas Geduld haben, werde ich später für Ihr Baby beten. Jetzt muss ich gehen und etwas in Ordnung bringen.“

Zuerst ging er nach Hause und entschuldigte sich bei seiner Frau. Dann fuhr er zum Büro seines Anwalts.

Herr Orbison arbeitete gerade an seinem Schreibtisch als Bill sein Büro betrat. „Herr Branham?“, sagte er und zog die Augenbrauen hoch. „Ich dachte, Sie wären nicht Zuhause.“

„Ich bin nur vor die Türe gegangen.“ Dann bekannte er, was er getan hatte und entschuldigte sich.

Herr Orbison ging um seinen Schreibtisch herum und schüttelte Bills Hand. „Herr Branham, ich hatte immer Vertrauen zu Ihnen, doch jetzt habe ich es mehr als je zuvor.“

Bill fühlte sich besser, aber er hatte noch eine weitere Entschuldigung zu leisten. Am Samstagmorgen fuhr er hinaus in die Gegend von Tunnel Mill und wanderte dann durch die Wälder zu seiner geheimen Höhle. Er betete von sieben in der Früh bis spät am Nachmittag und weinte seine Buße zu Gott hinaus. Als die Sonne gerade ihren Lauf abschloss, trat er aus seiner Höhle und stieg auf die Spitze eines großen Felsens, von wo aus er beobachten konnte, wie die Schatten im Tal länger wurden. Der Wald war still und die Luft schwül, ohne eine Brise, die die Laubblätter zu seinen Füßen aufgewirbelt hätte. Bill hob die Arme über den Kopf und pries Gott für die schöne Welt, die Er geschaffen hatte. Als er die Arme senkte, sagte er: „Herr, eines Tages verbargst Du Mose in der Spalte eines Felsens und gingst an ihm vorüber, so dass er Deinen Rücken sah. Wenn Du mir meine Sünde vergeben hast, würdest Du an mir vorübergehen, damit ich wissen kann, dass meine Ungerechtigkeit fort ist, und ich wieder zum Gebet für Deine kranken Kinder gehen kann?“

Er hatte das Gebet kaum beendet, als ein Wirbelwind durch einen Busch in der Nähe rauschte und den Pfad entlang auf den Felsen zuwirbelte, wo er stand. Der Wind stand ihm mit ausreichend starker Kraft entgegen, dass er so lange nach dem Hut griff und die Augen geschlossen hielt, bis er vorüber war. Bill hob erneut beide Arme und sagte: „Ich liebe Dich, Herr, von ganzem Herzen. Ich bin so froh, dass Du ein Gebete erhörender Gott bist und Du vergibst denen, die sich mit ihrem ganzen Herzen zu Dir wenden und Buße tun.“ Dann ging er den Pfad entlang, der ihn zu seinem Auto führte; und sein Auto brachte ihn zur Hauptstraße, und die Hauptstraße brachte ihn zum Motel, wo er mit Zuversicht für das todkranke Baby betete. Im Namen und durch die Kraft eines gnädigen Jesus Christus wurde das Baby geheilt.

Am Donnerstag, dem 8. Oktober 1959, nahmen William Branham, Banks Wood und Fred Sothman sich drei Tage frei, um nahe Salem (Indiana) auf Eichhörnchenjagd zu gehen, etwa 65 Kilometer nördlich von Jeffersonville. Jeden Morgen standen sie um vier Uhr auf, damit sie bei Tagesanbruch in den Wäldern sein konnten und noch Hoffnung bestand, dass sie schlafäugige Eichhörnchen auf der Futtersuche für ihr Frühstück überraschen konnten. Sie waren nicht erfolgreich. Es war spät in der Saison und ein Überaufgebot an Jägern hatte den Eichhörnchenbestand bereits beträchtlich ausgedünnt. Nach zwei Jagdtagen hatten die drei Männer trotz ihrer Anstrengungen nicht ein einziges Eichhörnchen vorzuweisen.

Früh am Samstagmorgen setzte Bill Fred und Banks an einem Waldstück ab und fuhr dann die Straße entlang zu einem anderen Waldflecken. Es war kein guter Tag für die Jagd. Frost und Wind hatten die Bäume kahl gemacht und den Boden mit einer knusprigen Schicht spröder Blätter bedeckt. Außerdem hielt wahrscheinlich der kalte Wind die meisten Eichhörnchen in ihren kuscheligen Nestern fest. Bill ging einige Stunden auf Streifzug, ohne einen einzigen buschigen roten Schwanz zu sehen.

Er lief einen Hügel hinunter in ein trockenes Bachbett und stieg dann den Hügel auf der anderen Seite hinauf. Bald kam er an einen Hang, von wo aus man ein Feld überblicken konnte, auf dem die Farmer Weizen ernteten. Der Hang war mit Platanen und Robinien übersät. Da er in diesen Wäldern gejagt hatte, seit er ein kleiner Junge war, wusste er, dass Eichhörnchen Robinien aufgrund ihrer stacheligen Äste mieden und Platanen nicht mochten, weil diese Bäume ballartige Samen tragen, die sie nicht essen können. Sie bevorzugten Rotbuche, Walnuss und Eiche. Ein paar vereinzelte Walnussbäume waren auf dem Hang verstreut, doch waren sie ohne Blätter und Nüsse – da war nichts, was ein Eichhörnchen anzog.

Obwohl Bill wusste, dass es hier nichts zu schießen geben würde, war er müde und benötigte eine Pause. Also streckte er sich auf dem Boden zwischen zwei Platanen aus, um sich vor dem Wind zu schützen und die wärmenden Sonnenstrahlen aufzufangen. Einer der Bäume erinnerte ihn an einen Kompass, weil er vier Hauptarme hatte, die direkt nach Norden, Süden, Osten und Westen zeigten. Er lehnte sich gegen den Stamm seines „Kompass“-Baumes und erwog, ein Nickerchen zu machen, entschied sich jedoch dagegen. Es war 9:30 Uhr und er musste seine Jagdfreunde in einer Stunde abholen. Wenn er einschlief, wachte er vielleicht nicht rechtzeitig auf.

Als er den Farmern so bei der Arbeit zusah, dachte er über die Schriftstelle nach, die ihm in den vergangenen zwei Jahren immer wieder auf dem Herzen gelegen hatte. Jesus sagte: „Wer zu diesem Berge sagen wird: ,Hebe dich empor und werfe dich ins Meer‘ und nicht zweifeln wird in seinem Herzen, sondern glaubt, dass geschieht, was er sagt, dem wird es werden.“ Diese Schriftstelle gab ihm ein Rätsel auf. Warum hatte Jesus das so formuliert? Jesus hatte nicht gesagt: „Wenn ich zu diesem Berge spräche: ,Hebe dich empor …‘“ Jesus sagte: „Wenn ihr zu diesem Berge sprächet …“ Da war noch nicht einmal ein Gebet mit eingeschlossen. Wie war das möglich? Bill fragte sich, ob das eine Sonderverheißung war, die Jesus einzig Seinen Jüngern vor dem Versöhnungswerk gegeben hatte.

„So weit, wie ich weiß“, dachte Bill, „wurden alle Verheißungen der Kraft für die Gemeinde durch das Versöhnungswerk Jesu am Kreuz freigegeben, und sie wurden eingesetzt, als Er der Gemeinde Seinen Heiligen Geist am Tage zu Pfingsten gab. Wenn ich also je über Markus 11: 23 befragt werden sollte, werde ich sagen, dass Jesus Seinen Jüngern jene Kraft vor dem Versöhnungswerk verliehen hatte, wie Er auch Seinen Propheten schon vor dem Versöhnungswerk besondere Kräfte anvertraut hatte.

Von irgendwo in den Zweigen über ihm sprach eine Stimme: „Denkst du, dass es die Propheten waren, die redeten, wenn sie die Zukunft vorhersagten? Hast du nicht gerade erst darüber gepredigt, wie die Propheten so vom Heiligen Geist gesalbt waren, dass es nicht mehr sie waren, die sprachen, sondern Gott, der durch sie sprach?“

Bill dachte: „Ja, Herr, das stimmt.“

Die Stimme fuhr fort: „Auch das wurde im Versöhnungswerk mit eingeschlossen. Wenn irgendein Mensch zu irgendeiner Zeit sich selbst auf solch vollständige Weise Gott ausliefern kann, dass Gott seine Stimme benutzen kann, dann spricht nicht mehr der Mensch, sondern Gott gebraucht ihn. Auf welche Weise siehst du die Visionen während der Gebetsreihe? Denkst du, dass es deine eigene Weisheit ist, die den Menschen ihre Lebensgeschichte mitteilt und was als Nächstes passieren wird? Denkst du, dass es deine Weisheit ist, die dir Einsicht verleiht, wenn du predigst? Was denkst du, passiert, wenn ein Christ in einer unbekannten Sprache spricht und ein anderer sie auslegt?“ „Ich verstehe“, sagte Bill laut. „Eingehüllt in das salbende Blut Jesu Christi, ist es einem Menschen möglich, sich so vollständig dem Geist unterzuordnen, dass nicht mehr er spricht, sondern Gott. Doch wie erklärt das Markus 11: 23?“ „Diese Schriftstelle ist wahr, genau wie jede andere Schriftstelle wahr ist. Wenn du vom Heiligen Geist gesalbt bist, es auszusprechen – was immer du sagst, wird geschehen.“

Mit einem Mal fühlte Bill etwas mit solch einer Macht über sich strömen, dass er sich verängstigt auf die Beine stellte. „Wer hat das gesagt?“, fragte er fordernd, mit den Augen den Hang absuchend. „Mit wem rede ich?“ Niemand war da. Alles, was er hörte, war den Wind, der im trockenen Laub raschelte und die Farmer, die in der Ferne die Ernte einholten. „Herr, bist Du das? Gewöhnlich sehe ich das Licht, wenn Du zu mir sprichst, hier jedoch ist kein Licht.“ Die Stimme sprach erneut, ganz in seiner Nähe. Bill hörte sie deutlicher als er die Farmer im Getreidefeld arbeiten hören konnte. Die Stimme befahl: „Sage, was du willst und es wird dir gegeben werden.“

Er dachte: „Was geht hier vor sich? Verliere ich den Verstand? Ich will kein Fanatiker sein und mich in irgendwas verrennen.“ Er biss sich auf den Finger, bis es weh tat. „Ich schlafe nicht, also kann es kein Traum sein. Es scheint auch keine Vision zu sein. Denn gewöhnlich, wenn die Salbung überreich kommt, folgt eine Vision. Ich werde einfach hier ein Weilchen warten und sehen, ob eine Vision kommt.“

Sein Körper fühlte sich eigenartig taub an, und so lief er ein wenig im Kreis und streckte die Arme. Bald darauf ergoss sich eine tiefe Salbung über ihn wie Honig. Wieder befahl jene Stimme: „Sage, was du willst und es wird dir gegeben werden.“

Bebend fragte Bill: „Herr, ist dies die Veränderung in meinem Dienst, die Du mir angekündigt hast? Hat dies irgendeinen Bezug zu dem kleinen Bau unter dem Zelt, den Du mir vor ein paar Jahren in einer Vision gezeigt hast?“ Die Stimme antwortete: „Ich bestätige die Dinge, die ich tun werde. Sage, was du willst und es wird geschehen.“

„Hier draußen gibt es keine Kranken. Worum soll ich bitten?“ „Du bist auf der Jagd und du brauchst Eichhörnchen, genau wie Abraham einmal einen Widder brauchte.“

„Das stimmt, ich könnte einen Haufen von –“ Seine Zunge hielt inne und er dachte: „Herr, wenn ich etwas Verkehrtes tue, vergib mir bitte. Aber ich werde herausfinden, ob das wirklich Du bist oder nicht.“ Laut sagte er: „Heute werde ich drei junge rote Eichhörnchen schießen.“

„Aus welcher Richtung werden sie kommen?“

Bill nahm einen tiefen Atemzug und dachte: „So weit bin ich gegangen, dann kann ich es genauso gut zu Ende bringen. Aber ich werde mir etwas Unmögliches herausgreifen.“ Indem er sich umschaute, bemerkte er in 50 Meter Entfernung eine Robinie, die etliche abgestorbene Äste hatte. Sie stand am Rand eines Dickichts, in der Nähe, wo die Farmer das Getreide ernteten. Da er wusste, dass er in diesen dornigen Robinienzweigen niemals ein Eichhörnchen sichten würde, zeigte er auf eine bestimmte Stelle und sagte: „Es wird ein rotes Eichhörnchen am Ende dieses nackten Astes sein und ich werde es von hier aus schießen.“

Er hatte seinen Zeigefinger kaum gesenkt, als das Eichhörnchen auch schon dasaß und ihn anblickte. Bill hob das Gewehr zur Schulter und lehnte sich gegen eine Platane, um genauer zielen zu können. Beim Krachen seines .22er Kaliber fiel das Eichhörnchen. Bill ging hin und schaute sich das tote Tier an. Er hatte es genau durchs Auge geschossen und Blut sickerte aus dem Kopf auf die trockenen, gelben Blätter. Er hob es auf. Es fühlte sich warm an. Er legte das tote Tier in seine Jagdtasche und dachte: „Visionen bluten nicht, ich weiß also, dass dies ein echtes Eichhörnchen ist. Vielleicht ist es ja einfach nur so passiert. Herr, wenn Du dies warst, lass es wieder passieren, damit der Teufel keinerlei Raum hat, zu behaupten, es sei ein Zufall gewesen.“

Noch einmal überströmte ihn jene Super-Salbung mit gewaltiger Macht. Er blickte sich im Wald um, bis er einen weiteren unwahrscheinlichen Aufenthaltsort für ein Eichhörnchen sah. 50 Meter weit weg stand eine tote Robinie, an deren Stamm giftige Efeuranken kletterten. Eichhörnchen meiden giftiges Efeu ebenso wie der Mensch. Bill wies auf einen bestimmten Zweig auf dem Baum und sagte: „Es soll dort ein weiteres rotes Eichhörnchen auf jenem Zweig sitzen.“ Als er den Finger senkte, stand es da. Bill rieb sich die Augen und schaute nochmals. Es war noch immer da. Er brachte sein Gewehr in Anschlag und drückte ab. Das Eichhörnchen fiel vom Ast und schlug mit einem Aufprall auf dem Boden auf. Er ging zur Stelle hinüber, drückte mit den Stiefeln die Ranken zur Seite, hob das tote Eichhörnchen auf und stopfte es in seine Jagdtasche.

„Herr, das warst Du“, sagte er freudig. „Jetzt, denke ich, verstehe ich, worum es bei Markus 11: 23 geht. Danke, Herr, dass Du Dein Wort bestätigst. Ich kann es kaum erwarten, den anderen hiervon zu berichten.“

Er machte sich in Richtung der Straße auf den Weg. Die Stimme kam nochmals. „Du sagtest drei Eichhörnchen.“

Bill hielt inne. Das stimmte, er hatte tatsächlich drei gesagt. Er blickte sich nach einer weiteren Stelle um, wo man ein Eichhörnchen platzieren könnte. Er dachte: „Diesmal werde ich es wirklich übertreiben.“ Am Rand des Getreidefeldes stand ein alter Baumstumpf, der von der Sonne schon weißgebleicht war und nur noch einen einzigen, glatten Ast hatte. Bill sagte: „Aus diesem Dickicht wird ein rotes Eichhörnchen hervorkommen, zu dem alten Stumpf hinlaufen, auf den Zweig hinaufgehen und zu dem Farmer dort hinüberblicken.“ Nichts geschah. Er wartete zehn Minuten und noch immer tauchte kein Eichhörnchen auf. Es war schon bald 10:30 Uhr. Er stand auf und reckte sich. „Vater, Du sagtest, im Munde zweier oder dreier Zeugen werde jede Sache bestätigt. Hier in meiner Jagdtasche befinden sich zwei Zeugen, und das reicht mir. Danke, Herr, für diese beiden Eichhörnchen. Jetzt muss ich mich aufmachen, um Banks und Fred zu sehen.“ Er warf sich die Jagdtasche über die Schulter und ging ein paar Schritte in Richtung der Straße. „Aber du hast es bereits ausgesprochen“, erinnerte ihn die Stimme. „Die Schrift sagt: ,Wenn ihr in eurem Herzen nicht zweifelt, sondern glaubt, dass jene Dinge, die ihr sagt, geschehen werden, dann werden sie geschehen.‘ Zweifelst du?“ Bill wandte sich um. „Nein, Herr, ich zweifele Dein Wort nicht an.“ Im selben Moment schoss ein Eichhörnchen aus dem Robiniendickicht, rannte zum Getreidefeld hin, kletterte den Stumpf hoch und hinauf auf den vereinzelten Ast, wo es anhielt und auf den Farmer blickte. Bill legte das Gewehr an, richtete es nach dem Fadenkreuz seines Zielfernrohrs aus und drückte ab. Die Kugel traf das Eichhörnchen ins Auge.

Während er es in seine Jagdtasche steckte, hörte er eine andere Stimme in seinem Kopf flüstern. „Weißt du was, die Wälder sind gerade voll von Eichhörnchen. Das war alles bloß ein Zufall.“

Bill antwortete: „Satan, das werden wir ja sehen.“ Er lief den Hügel zu den beiden Platanen zurück und setzte sich hin, um zu beobachten. Er wartete bis Mittag, ehe er schließlich fort ging und seine Kameraden abholte. In der ganzen Zeit sah er nicht das winzigste Anzeichen eines weiteren Eichhörnchens oder hörte auch nur einen Eichhörnchenschrei.

Obgleich die Eichhörnchensaison in Indiana am 13. Oktober 1959 schloss, blieb die Saison in Kentucky einige Wochen länger geöffnet. In der ersten Novemberwoche fuhren William Branham, Banks Wood und Tony Zabel nach Elkhorn City (Kentucky) hinüber, um einige Tage mit Charlie Cox, dem Schwager von Banks Wood, auf der Jagd zu verbringen.

Elkhorn ist eine kleine Stadt im Osten Kentuckys an den Ausläufern der Appalachenberge. Diese Waldgegend ist eine der besten Jagd- und Angelreviere der Welt und Bill ging dort oft hin, um dem Druck seines Dienstes zu entrinnen. Charlie und Nellie Cox nahmen ihn in ihrem Haus auf dem Lande stets freundlich auf.

Das Wetter jener Novemberwoche war eindeutig mehr auf der Seite der Eichhörnchen als auf der Seite der Jäger. Jeden Tag blies ein kalter Wind. Die Eichhörnchen blieben überwiegend zusammengerollt in ihren Höhlen. Und jedes mutige Eichhörnchen, das sich doch nach draußen wagte, wurde durch das Knacken der Jägerstiefel im trockenen Laub vorgewarnt. Nachdem sie zwei Tage gejagt hatten, war Charlie der einzige in der Gruppe, der ein paar Eichhörnchen geschossen hatte, und zwar mit einer Schrotflinte. Bill legte sein Vertrauen noch immer in sein .22er Kalibergewehr, doch sah es danach aus, als würde er möglicherweise keine Gelegenheit bekommen, es zu benutzen. Am Freitag, dem 6. November, erging es ihm nicht besser. Am späten Nachmittag kam er zwischen den Hügeln an einer bekannten Bodensenke vorbei. Er nannte diesen Ort Waidmanns-Senke, weil er dort einmal 16 Eichhörnchen gesehen hatte, die alle in einem Baum saßen. Er schoss damals trotzdem nur sein Limit und verschonte die übrigen, wie es einem Waidmann zukommt. Jetzt stand er auf dem östlichen Hügel über der Senke und spähte auf das weiter unten gelegene Laub nach Lebenszeichen. Er schaute eine lange Zeit, doch nichts regte sich. Auch auf diesen Bäumen gab es keine Eichhörnchen, so wie überall im Wald. Das Stillstehen ließ ihn frösteln. Die kalte Luft tat seiner Nase, seinen Wangen und Ohren weh. Seine Fingerspitzen schmerzten trotz der Handschuhe und selbst die Zehen kribbelten vor Kälte. Er entschied, dass er für den Tag genug gejagt hatte. Er würde es morgen wieder probieren. Er wandte sich zum Gehen und hatte nur einen oder zwei Schritte getan, als er eine tiefe, volltönende Stimme vernahm. Die Stimme sagte: „Wie viele Eichhörnchen möchtest du heute?“

Bill rieb sich das Kinn und dachte nach: „Charlie wird mich die drei Eichhörnchen, die er geschossen hat, mit nach Hause nehmen lassen, und sechs Eichhörnchen ergeben für meine Familie eine Mahlzeit, wenn ich also nur drei weitere …“

Urplötzlich traf ihn eine übernatürliche Salbung mit solch einer Macht, dass er sich gegen einen Baum lehnen musste, um nicht vornüber zu fallen. Dieselbe Stimme sagte mit Autorität: „Sprich, was du willst, zweifle nicht, und du wirst erhalten, was immer du sagst.“

Bill sagte: „Ich werde meine drei Eichhörnchen bekommen.“ „Von wo werden sie kommen?“

„Eines wird von Westen kommen, eines von Süden und eines von Norden.“ Er sah sich den Wald genau an. Nach ein paar Minuten bemerkte er am Rand der gegenüberliegenden Seite der Senke eine Bewegung. Er legte das Gewehr an der Schulter an und erspähte im Zielfernrohr ein graues Eichhörnchen. Es war wenigstens 90 Meter weit weg, was für jemanden, der sein Gewehr auf 50 Meter eingeschossen hatte, ein Weitschuss war. Bill hob die Mündung leicht über das Ziel hinweg, um die Entfernung mit einzukalkulieren. Als er den Abzug drückte, fiel das Eichhörnchen tot um.

„Eins hätten wir. Ich kann mich gleich nach Süden wenden, denn von dort wird das nächste kommen.“

Lange saß er auf einem umgefallenen Baumstumpf, schaute nach Süden und dachte: „Das wird gewiss passieren, weil ich es unter der Salbung ausgesprochen habe. Wenn das der Heilige Geist war, der zu mir sprach, dann wird es genau so geschehen müssen, wie ich es ausgesprochen habe.“

Nach etwa 15 Minuten sah er ein Eichhörnchen am Fuße einer Buche huschen, von ihm aus gesehen genau südlich. Es war ein leichter Schuss, ungefähr 50 Meter. Er traf das Eichhörnchen genau in ein Auge. Vom Geräusch seines Gewehres aufgeschreckt, schoss ein anderes Eichhörnchen aus derselben Richtung aus einem Dickicht, lief den Hügel hinab und hielt vor einem Stumpf, der sich etwa 40 Meter südwestlich von Bill befand.

„Da ist das dritte Eichhörnchen“, dachte er, und schwang den Lauf seines Gewehres um 45°, bis es nach Südwesten wies. Er zielte nach dem Ohr des Eichhörnchens, weil es ihm seitlich zugewandt war. Als er den Abzug drückte, verfehlte er es. Das Eichhörnchen sprang überrascht auf und rannte zum anderen Ende des Baumstumpfes, wo es anhielt, um an einer Hickorynuss zu nagen.

„Ich muss so sehr zittern, dass ich nicht zielen kann“, dachte er, „aber mir war genauso kalt, als ich das andere Eichhörnchen schoss.“ Er lehnte sich gegen den Baum, um beim Zielen mehr Halt zu haben, und versuchte es erneut. Diesmal schlug die Kugel 10 Zentimeter über dem Kopf des Eichhörnchens ein und sprengte hinter dem Tier Splitter vom Stumpf ab. Das Eichhörnchen lief ungefähr drei Meter und hielt dann inne, um nervös umherzublicken. „Ich muss mir das Zielfernrohr aus der Flucht gehauen haben“, dachte er, als er eine weitere Kugel in das Patronenlager legte. Wenn möglich, mied Bill es, ein Eichhörnchen in die Brust zu schießen, weil sich dort das Fleisch befindet. Er schoss seine Eichhörnchen gerne in den Kopf, vorzugsweise ins Auge. Jetzt führte er das Fadenkreuz seines Zielfernrohrs über die Brust des Eichhörnchens. Sein dritter Schuss wirbelte einen Fußbreit vor dem Eichhörnchen Blätter auseinander. Dieses Mal verschwand das eingeschüchterte Eichhörnchen in ein Dickicht aus Gestrüpp.

Eine Minute lang war Bill ratlos. Bei den 114 Eichhörnchen, die er in jenem Jahr geschossen hatte, waren ihm lediglich fünf Schüsse daneben gegangen, und hier hatte er gerade drei Schüsse nacheinander in den Sand gesetzt. Wie war das möglich? Dann erkannte er, warum. Er hatte gesagt, das nächste Eichhörnchen würde von Norden her kommen. Gott hatte nicht zugelassen, dass er dieses Eichhörnchen tötete, das sich südwestlich von ihm aufgehalten hatte. Mit Blick nach Norden wartete er 15 Minuten, ohne dass etwas geschah. Die Sonne ging unter, im Wald wurde es dunkel. Um vier Uhr entschied er, die beiden Eichhörnchen aufzuheben, die er bereits geschossen hatte, ehe es zu dunkel wurde, sie zu finden. Als er wieder zur Stelle kam, von wo aus er die beiden Eichhörnchen geschossen hatte, entschied er sich, weiter zu gehen, weil er bei sich dachte, dass es schon zu dunkel sei, um an jenem Tag noch ein Eichhörnchen zu schießen. Ehe er zehn weitere Schritte gegangen war, ertönte jene tiefe Stimme: „Geh zurück und hol dir dein drittes Eichhörnchen ab. Du hast bereits gesagt, dass es geschehen würde.“

Er wandte sich zu seiner vorherigen Schießstelle um und sagte: „Herr, ich werde nicht im Geringsten an Dir zweifeln.“ Und genau da sah er sein drittes Eichhörnchen eine weiße Eiche hinaufrennen, etwa 60 Meter exakt nördlich von ihm. Mittlerweile war es so dunkel, dass er das Eichhörnchen – obwohl er das Zielfernrohr benutzte, um den Baum abzusuchen – nicht sehen konnte. Schließlich machte er ein dunkles Knäuel hoch oben in den Zweigen aus und entschied, einen Versuch zu wagen. Nachdem er geschossen hatte, hörte er das Geräusch von kleinen Pfoten, die an Baumrinde entlangstreiften. Dann setzte etwas, Laub aufwirbelnd, auf dem Boden auf. Einen Augenblick später rannte ein Eichhörnchen sieben Meter weiter östlich einen Baum hoch. Bill nahm an, dass es dasselbe Eichhörnchen sei. Er musste es in der weißen Eiche verfehlt haben, so dass es zu diesem anderen Baum hinübergehuscht war. Er zielte auf einen dunklen Flecken auf dem Stamm, wo das Eichhörnchen angehalten hatte und schoss. Diesmal traf die Kugel ihr Ziel: Das Eichhörnchen stürzte senkrecht zu Boden.

Nur um sicher zu gehen, schaute Bill zuerst am Fuße der weißen Eiche nach. Dort lag sein drittes Eichhörnchen, exakt nördlich der Stelle, an welcher er gestanden hatte, als er die Dinge ausgesprochen hatte. „Dies ist wunderbar“, dachte er. „Ich habe um drei Eichhörnchen gebeten, und der Herr hat mir als Zugabe ein weiteres gegeben.“ Doch als er hinging, das vierte Eichhörnchen aufzunehmen, war es nicht da. „Das ist ja komisch. Ich weiß, dass ich es getötet habe.“ Er suchte überall im trockenen Laub, konnte es jedoch nicht finden. Dann bemerkte er zwischen den Wurzeln ein Loch am Fuße des Baumes. Da seine Hand nicht durch die enge Öffnung passte, stieß er mit einem Stock ins Loch hinab. Er konnte innen zwar etwas Loses fühlen, bekam es mit dem Stock jedoch nicht hinaus. „Das ist das Eichhörnchen, also gut. Heute Abend komme ich nicht dran. Ich muss wiederkommen und es morgen holen.“ Er deckte die Öffnung mit einem Stein ab, und ging dann zurück, um seine Freunde am Auto zu treffen. Sie waren beeindruckt, als er mit drei Eichhörnchen aufkreuzte, da keiner von ihnen eins geschossen hatte. Als er ihnen dann die Umstände berichtet hatte, waren sie in höchstes Erstaunen versetzt. An jenem Abend, bevor sie zu Bett gingen, leitete sie Tony Zabel im Gebet. Unter anderem betete Tony: „Herr, Gott, lass Bruder Bill morgen das Eichhörnchen in dem Loch finden, damit wir wissen, dass er uns die Wahrheit sagt.“ Das erschütterte Bill. Tony war ein Diakon in seiner Gemeinde. Als Tonys Frau im Sterben lag und ihre Ärzte sie aufgegeben hatten, hatte Bill gebetet und Gott hatte sie auf wundersame Weise geheilt. Wie konnte Tony ihn anzweifeln?

Am Samstagmorgen sah es draußen so kalt und trostlos aus, wie es schon die ganze Woche über gewesen war. Am Frühstückstisch sagte Tony: „Zumindest ein Eichhörnchen werden wir heute bekommen, nicht wahr, Bruder Bill?“ „Bruder Tony, du hast es einfach nicht verstanden. Als ich unter der Inspiration sprach, sagte ich ,drei Eichhörnchen‘. Das vierte hat damit nichts zu tun.“ „Na, es wird trotzdem dort sein.“

Da sie gegen Mittag nach Jeffersonville abfahren wollten, nahmen sie sich vor, nur bis neun Uhr Vormittags zu jagen. Zwei Stunden war Bill vergeblich in den Wäldern unterwegs, auf der Suche nach einem Fleckchen grauen Pelzes, auf das er schießen konnte. Schließlich gab er auf. Er hatte gerade noch genug Zeit, um auf dem Rückweg zum Auto bei der Waidmanns-Senke vorbeizugehen. Als er sich der Senke näherte, flüsterte eine Stimme in seinem Kopf: „Was, wenn das Eichhörnchen nicht da ist? Dann wird dein eigener Diakon denken, dass du gelogen hast.“

Plötzlich taufte ihn jene Super-Salbung erneut. Eine andere Stimme sagte: „Selbst wenn es jetzt nicht da wäre – sage, dass du es finden wirst, und es wird so geschehen.“

Bill sagte: „Herr, Markus 11: 23 ist Dein Wort, und so nehme ich Dich bei Deinem Wort. Ich werde das Eichhörnchen finden.“

Als er den Baum erreichte, nahm er den Stein vom Loch und vergrößerte die Öffnung mit seinem Jagdmesser. Als er in das Loch griff, fand er anstelle eines toten Eichhörnchens einen Ballen loser Wurzeln. Er fuhr überrascht zurück. „Oh, nein! Wir sollen uns um neun Uhr treffen und hier stehe ich ohne Eichhörnchen da. Was wird Tony denken? Was wird der Rest von ihnen denken?“ Er suchte nochmals im toten Laub am Fuße des Baumes, fand jedoch nichts. „Einen Moment mal“, dachte er. „Als ich sagte, dass ich das vierte Eichhörnchen finden würde, war ich unter derselben Salbung, die die anderen drei hervorgebracht hatte. Wenn dies dazu dienen soll, den Anfang meines neuen Dienstes zu bestätigen, dann muss das vierte Eichhörnchen hier irgendwo sein. Wo ist es also?“

Die Stimme sprach: „Schau unter dem Stück Rinde nach!“

Bill trat ein großes Stück Rinde beiseite. Außer Laub befand sich nichts darunter. „Etwas ist hier komisch“, dachte er. Indem er sich die Stelle näher besah, bemerkte er ein paar graue Haare, die unter den braunen Blättern hervorragten. Er grub tiefer und dort fand er es, sein viertes graues Eichhörnchen. Zählt man die drei roten Eichhörnchen in Indiana dazu, ergab das sieben Eichhörnchen im Ganzen – Gottes Zahl der Vollendung.

Am Mittwochmorgen, dem 11. November 1959, fuhren William Branham, Banks Wood und David Wood zur Farm der Wrights, um für die Gemeinde Abendmahlswein zu besorgen. George und Murle Wright stellten diesen Wein aus Reben her, die sie in ihrem Garten angebaut hatten. Bill gefiel der Gedanke, dass der Wein, den seine Gemeinde beim Abendmahls-Gottesdienst trank, von Menschen hergestellt wurde, die mit dem Heiligen Geist erfüllt waren.

Wie gewöhnlich hieß die Familie Wright ihre Gäste herzlich willkommen und nötigte sie, bis zum Mittagessen zu bleiben. Edith, die Tochter von George und Murle Wright, bat Bill, ein oder zwei Hasen zu schießen, damit ihre Mutter Haseneintopf machen konnte. Bill brachte es nicht übers Herz, Edith abzuweisen. Sie hatte ihm immer leid getan. Sie war 37 Jahre alt und hatte die meiste Zeit ihres Lebens im Rollstuhl verbracht. Seit sie ein Baby war, war sie gelähmt gewesen. Es war jedoch ausgerechnet Ediths Leiden, durch das Bill die Familie Wright erstmals kennenlernte. Im Oktober 1935 hatte er damals eine Erweckungsversammlung im Branham Tabernacle gehalten. Als George Wright von dieser Erweckung hörte, nahm er seine verkrüppelte Tochter zum Gebet zur Gemeinde. Edith hatte über viele Jahre an furchtbaren Schmerzen gelitten. Beim ersten Mal als Bill für sie betete, wurde sie zwar nicht von ihrer Lähmung geheilt, jedoch wichen die Schmerzen von ihr und kehrten nie wieder zurück. Bill schätzte diese Berührung der Gnade Gottes. Dennoch machte es ihm immer zu schaffen, dass Edith nicht vollständig befreit war, insbesondere, da er gesehen hatte, wie viele Leute geheilt wurden, die in einer schlimmeren Lage gewesen waren als sie. Im Laufe der Jahre hatte er viele Stunden mit Fasten und Gebet verbracht, damit Gott ihm eine Vision von Ediths Heilung zeige, doch gab es keinen Weg, eine Vision zu erzwingen. Alles, was er tun konnte, war, bitten – in dem Wissen, dass Gott souverän war und Sein großer Wille und Seine Absichten oftmals in Bereichen verborgen lagen, die den schwachen menschlichen Verstand übersteigen.

Shelby, der Sohn von George und Murle Wright, lieh Banks ein .22er Gewehr (Bill hatte sein eigenes mitgebracht), und so gingen Banks und Bill gemeinsam auf die Hasenjagd. Eine tief hängende Decke grauer Wolken drohte sie zu durchnässen, doch der Regen setzte erst ein, als sie mit der Beute heimkehrten. Während Bill seine Hasen hinter dem Geräteschuppen häutete und säuberte, hörte er das Tuckern eines Traktors, der langsam die Straße entlangfuhr und näher kam. Bald darauf bog ein alter Zwei-Zylinder-Traktor auf den Hof ein, mit Hattie Mosier und ihren beiden Söhnen oben auf den Sitzplätzen. Hattie wohnte etwa eineinhalb Kilometer weit weg. Als sie hörte, dass Bill gerade ihre Eltern besuchte, ließ sie ihre halbfertige Hausarbeit liegen und kam herüber, um sich an der Gemeinschaft zu erfreuen.

Bill freute es, dass Hattie gekommen war, weil er etwas in seiner Tasche hatte, das er ihr geben wollte. Vor kurzem hatte sie dem Baukonto des Branham Tabernacles 20 Dollar gespendet. Da er wusste, wie arm sie war, wollte Bill ihr das Geld zurückgeben. Er erinnerte sich an den Tag im Jahre 1940, als er Hattie Wright mit Walter Mosier verheiratet hatte. Walter starb 1955, als er sich mit einem Trecker überschlug und Hattie blieb mit der Erziehung ihrer beiden Söhne alleine zurück. Sie arbeitete hart, um mit ihrer kleinen, an einem Hang gelegenen Farm ihren Lebensunterhalt zu bestreiten, doch wirtschaftlich gesehen war sie nicht sonderlich erfolgreich. Sie hatte Bill einmal erzählt, dass sie im Jahr ungefähr 200 Dollar netto verdiente, und so wusste er, dass sie die 20 Dollar nötiger hatte als das Branham Tabernacle. Als er in seine Tasche griff, um das Geld zu holen, ging in seinem Inneren ein Kontrolllämpchen an. Der Heilige Geist erinnerte ihn wieder daran, dass Jesus die Witwe nicht daran hinderte, ihren letzten Groschen in den Opferkasten zu legen. Festen Glaubens, dass Gott Hattie Mosier zu Seiner Zeit und auf Seine Weise belohnen würde, ließ Bill das Geld in seiner Tasche.

Neun Leute saßen am Küchentisch der Wrights zum Mittagessen: Banks und David Wood, George, Murle, Shelby und Edith Wright, Orville und Coy Mosier, (Hattie Wrights Söhne, beide Teenager) und Bill. Hattie saß auf einem Strohstuhl neben der Küchenarbeitsplatte. Gegen ein Uhr war Bill mit dem Nachtisch, einem Stück Kirschkuchen mit Sirup, fertig. Er schob seinen Teller von sich und sprach einige Stunden über die Dinge Gottes. Von Zeit zu Zeit stellte ihm jemand eine biblische Frage, die er dann beantwortete. Überwiegend sprach er einfach über seinen Dienst: Wie er begann, wo er heute stand und wohin er eventuell führen könnte. Um 4:30 Uhr kam er schließlich zu Markus 11: 23 und zu den übernatürlichen Ereignissen der vergangenen paar Wochen. Zunächst beschrieb er die Schöpfung der drei roten Eichhörnchen in Indiana; dann berichtete er ihnen über die vier grauen Eichhörnchen, die in Kentucky erschaffen wurden. Bill fragte: „Was könnte geschehen sein? Bruder George, du bist weit über 70 Jahre alt und du hast dein ganzes Leben Eichhörnchen gejagt. Bruder Shelby, du bist ein hervorragender Eichhörnchenjäger, und du auch, Bruder Banks. Hat jemand von euch jemals ein Eichhörnchen in einer Robinie oder einer Platane gesehen?“

Sie alle verneinten.

„Ich genauso wenig, und Eichhörnchen habe ich von Kind auf gejagt. Ich habe hierüber ziemlich viel nachgedacht, und hier ist, wofür ich es halte. In 1. Mose 22 trug Gott dem Abraham auf, seinen Sohn Isaak zum Land Morija hinaufzuführen und ihn als Brandopfer dem Herrn darzubringen. Abraham gehorchte, ungeachtet der Tatsache, dass Gott ihm bereits mitgeteilt hatte, dass Isaak sein Erbe sein würde. Auf dem Gipfel eines Berges baute Abraham einen steinernen Altar und war kurz davor, Isaak zu töten, als der Engel des Herrn ihm wehrte und sprach: ,Jetzt weiß ich, dass du gottesfürchtig bist, weil du mir deinen einzigen Sohn nicht vorenthalten hast.‘ Gewiss hat diese dramatische Begebenheit die größere Geschichte vorgezeichnet, von Gott dem Vater, der Seinen eigenen Sohn Jesus auf Golgatha opfert. Aber Abraham brauchte auf dem Berge Morija dennoch ein Opfer. Als er sich umschaute, sah er einen Widder, der sich in einem Dickicht verfangen hatte. Jetzt will ich euch etwas fragen: Wo kam jener Widder her? Als Abraham den Altar baute, trug er von überall her auf dem Gipfel Steine zusammen und der Widder war zu dem Zeitpunkt nicht da. Wie ist er urplötzlich dorthin gelangt?“

„Hier ist, was ich denke“, fuhr Bill fort, indem er seine eigene Frage beantwortete. „Eine der Eigenschaften Gottes ist Jahwe-Jireh, was bedeutet: ,Der Herr wird ersehen‘. Abraham brauchte ein Opfer, und so sprach Gott den Widder einfach in Existenz. Es war keine Vision. Es war Wirklichkeit. Abraham tötete ihn und das Blut ergoss sich über den Altar.“

„Gott ist derselbe Jahwe-Jireh noch heute. Er versuchte mir Seine Verheißung aus Markus 11: 23 zu erklären. Ich hatte meine Probleme, sie zu verstehen, und so hat Er mir einfach gezeigt, wie sie funktioniert; zuerst in Indiana und dann in Kentucky. Ich benötigte Eichhörnchen, und so schuf Er Eichhörnchen. Sie waren keine Vision. Ich schoss und aß sie. Sie waren echte Eichhörnchen. Wenn Er einen Widder für Abraham in Existenz sprechen kann, kann Er Eichhörnchen für mich in Existenz sprechen, weil Er der Schöpfer von beidem ist.“ Den ganzen Nachmittag über hatte Hattie Mosier am Rande der Gruppe gesessen und still zugehört. Nachdem Bill allen seine Schlussfolgerung mitgeteilt hatte, sagte Hattie: „Bruder Branham, das ist nichts als die Wahrheit.“ Plötzlich flutete der Geist Gottes durch die Küche und stellte Bill auf seine Füße. Sein Körper fühlte sich mit derselben Salbung erfüllt, die er in den Wäldern gespürt hatte. Deutlich hörte er jene selbe Stimme sagen: „Fordere Hattie auf zu bitten, was immer sie haben möchte und dann sprich du es in Existenz.“ „Schwester Hattie“, sagte Bill, „du hast Gunst in den Augen des Herrn erlangt. Weil du die richtige Sache gesagt hast, hat Gott mir aufgetragen, dir zu sagen: ,Bitte, um was du willst, und Er wird es dir geben.‘“

Hattie schlug die Hände vors Gesicht, erstaunt und mehr als nur ein wenig durcheinander. „Bruder Branham, was meinst du?“

„Der Gott des Himmels wird dir zeigen, dass Markus 11: 23 genauso wahr ist, wie der Rest Seiner Schrift. Erbitte irgendetwas, was dein Herz sich wünscht, und Er wird es genau hier und genau jetzt hervorbringen.“ Sie blickte nervös umher. „Worum sollte ich bitten?“

Bill schlug vor: „Du bist arm. Du könntest Gott für genügend Geld bitten, um eine größere Farm zu kaufen oder ein neues Haus zu bauen. Du könntest um etwas bitten, das deinen Eltern hilft. Sie sind alt. Bitte Gott, ihre Jugend zu erneuern. Oder wie steht’s mit deiner Schwester Edith? Sie ist seit 37 Jahren verkrüppelt. Bitte um ihre Heilung und sie wird sie empfangen. Bitte Gott, um was du auch willst, und wenn es nicht genau jetzt passiert, dann glaub mir niemals wieder.“

Hattie bemerkte, dass ihre beiden Söhne Orville und Coy kicherten und sich einander in die Rippen stießen. Das erinnerte sie daran, wonach sie wirklich verlangte. „Bruder Branham, der größte Wunsch meines Lebens ist es, die Errettung meiner beiden Jungen zu sehen.“

Ohne zu zögern, verkündete Bill: „Schwester Hattie, durch das Gebot des Allmächtigen Gottes gebe ich dir die Errettung deiner Kinder im Namen Jesu Christi.“

Als sie den Namen Jesu hörten, sprangen beide Jungen von ihren Stühlen auf und rannten unter Tränen der Buße in die Arme ihrer Mutter. Hattie schrie so laut, dass die Kühe im Stall sie hören konnten – vielleicht sogar die Kühe im Stall ihrer Nachbarn.

Der Regen prasselte anhaltend auf das Dach. Da Hatties Trecker kein Führerhaus hatte, wollte Shelby seine Schwester in seinem Auto nach Hause bringen. Hattie zog es vor, mit ihren Söhnen auf dem Trecker nach Hause zu fahren. Für den Rest jener Woche war sie so guten Mutes, dass ihr war, als schwebe sie auf Wolken. Als der Sonntag kam, kamen Orville und Coy Mosier zum Branham Tabernacle und wurden auf den Namen des Herrn Jesus Christus getauft. Bill stand hinter der Kanzel und berichtete seiner Versammlung über die sieben Male, wo Gott Eichhörnchen erschaffen hatte und über das, was auf der Wright Farm passiert war. Er kam zum Ende als er sagte: „Damit ihr Menschen wisst, dass ich euch die Wahrheit gesagt habe – Schwester Hattie, würdest du aufstehen. Dort ist die kleine Frau, der das Wunder widerfahren ist. Gott ging an all den großen Leuten der Welt vorüber und ließ dies zuallererst einer armen, demütigen Witwe geschehen. Der Grund, weshalb Er sie erwählte, ist, weil Er wusste, dass sie um die rechte Sache bitten würde.“

Hattie Wright Mosier mit ihren Söhnen Orville und Coy Mosier „Jetzt möchte ich meiner kleinen Gemeinde hier etwas sagen, meiner kleinen Herde, die so treu gewesen ist und für mich gebetet hat, während ich um die Welt gereist bin. Ich glaube, dass da eine weitere weltweite Erschütterung kommt. Diese Dinge, von denen ich euch berichtete, sind wahr. Am Tage des Gerichts werde ich euch droben mit derselben Geschichte gegenübertreten, so wahr wie ich hier heute stehe.“

„Ich bin sicher, dass ihr alle sehen könnt, was es ist: Es ist das Kommen einer größeren, tieferen Salbung des Heiligen Geistes. Ich fordere jeden im Namen des Herrn auf: Wenn jener Geist euch trifft, wie er mich getroffen hat, ganz egal, worum ihr bittet, es wird gewährt werden. Wie ihr in jene tiefere Salbung hineinkommt, weiß ich nicht. Alles, was ich weiß, ist, dass nur Gott euch dort hineinnehmen kann. Also lebt so lieblich und demütig und nahe bei Gott wie ihr könnt. Zweifelt Ihn nicht an. Glaubt einfach, dass alles zu eurem Besten zusammenwirkt, und alles sich richtig wenden wird.“

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