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Übernatürlich

Übernatürlich – Buch 5

Die Erkenntnis des Guten und Bösen erklärt

1958

Durch den Frühling und Sommer 1958 hindurch hielt William Branham Glaubensheilungs-Feldzüge von Chattanooga (Tennessee) bis Bangor (Maine). Obgleich der Schwerpunkt seiner meisten Predigten noch immer darauf lag, den Glauben für Heilung aufzubauen, berührte er auch andere Themen. Mindestens sieben Mal predigte er 1958 über die Königin von Saba und benutzte Matthäus 12: 42 als seinen Text: „Die Königin des Südens wird auftreten im Gericht mit diesem Geschlecht und wird es verdammen, denn sie kam von den Enden der Erde, um die Weisheit Salomos zu hören, und siehe, hier ist einer, der größer ist als Salomo!“ Mit der Person, die größer war als Salomo, meinte Jesus natürlich sich selbst. Bill betonte, dass derselbe Jesus Christus in allen seinen Versammlungen gegenwärtig war, die Geheimnisse der Herzen unterschied, die Kranken heilte und andere Wunder tat, so wie Er es vor 2000 Jahren getan hatte, als er auf Erden wandelte.

Obwohl ihn die Glaubensheilungs-Feldzüge sehr in Anspruch nahmen, fand er 1958 dennoch die Zeit, mehr als ein Dutzend Mal im Branham Tabernacle zu predigen. Am letzten September-Wochenende hielt er eine Anzahl von Predigten, die mehr Widerspruch aufwirbelten, als alle anderen Botschaften, die er bis zu jener Zeit gepredigt hatte. Am Samstagabend, dem 27. September, predigte er „Warum sind wir keine Konfession?“ Er wies darauf hin, dass Jesus nie eine Lehranstalt oder eine Konfession begründet hatte. Christliche Organisationen nahmen im Jahr 325 n.Chr. ihren Anfang, als der römische Kaiser Konstantin die römisch-katholische Kirche errichtete. Offenbarung Kapitel 17 spricht über die große Hure, Mutter der Huren, die die Welt von sieben Hügeln aus regiert. Rom wurde auf sieben Hügel errichtet. Die katholische Kirche, mit Hauptsitz in Rom, ist die einzige Institution, auf die diese Beschreibung zutrifft. Doch die römischkatholische Kirche steht in ihren Irrtümern nicht allein. Bill betonte, dass die Bibel sagt, sie sei die Mutter von Huren. Die erste christliche Organisation war die Mutter und jene Mutter hatte Töchter. Diese Töchter sind die anderen christlichen Konfessionen, von denen alle – auf die eine oder andere Weise – die starre Form des Organisationssystems ihrer Mutter übernommen haben. Der grundlegende Fehler in jeder Konfession ist die starre Form, die Trennwände errichtet. Sobald eine Gruppe ihre Glaubensbekenntnisse, ihre Verordnungen und Glaubensgrundsätze festlegt, blockieren sie Gottes Geist der Offenbarung. Die Bibel ist vollkommen, das Bibelverständnis des Menschen jedoch nicht. Falls Gott jemandem ein tieferes Verständnis gibt, können Leute, die an ein konfessionelles Glaubensbekenntnis gebunden sind, es nicht annehmen. Die Hierarchie der Führerschaft innerhalb einer jeden Konfession widersetzt sich dem Geist der Offenbarung, weil jeder danach trachtet, seine eigene Position innerhalb der Hierarchie zu wahren und den bequemen, allgemeinen Status Quo.

Am nächsten Morgen predigte er über die „Taufe des Heiligen Geistes“. Er näherte sich diesem Thema anders als die meisten seiner Zeitgenossen. Er las Epheser 1: 4-6:

Wie er [Gott] uns denn erwählt hat durch denselben, ehe der Welt Grund gelegt war, dass wir sollten sein heilig und unsträflich vor ihm in der Liebe. Und er hat uns verordnet zur Kindschaft gegen sich selbst durch Jesum Christum, nach dem Wohlgefallen seines Willens, zu Lob seiner herrlichen Gnade, durch welche er uns hat angenehm gemacht in dem Geliebten.

„Wer tat das? Er! Vor Grundlegung der Welt, hat Er mich in der Gegenwart Seiner Gnade angenehm gemacht. Ich hatte damit überhaupt nichts zu tun. Ich war ein Sünder, in eine Trinkerfamilie hineingeboren. Ich wuchs auf einem Whiskeyfass auf, und doch kam der Heilige Geist zu mir als ich sieben Jahre alt war und sagte: ,Rühr du keinen Tropfen davon an, und rauche keine Zigarette oder kau Tabak oder treib dich mit Mädchen rum.‘ Was war es? Vor Grundlegung der Welt war es der gute Wille des Vaters, mich auszusenden, Sein Evangelium zu predigen und Seine Schafe zu führen. Gottes großer Name sei für immer gepriesen. Ich bleibe bei Seiner Bibel, ob ich schwimme oder ertrinke, ob ich populär oder unpopulär bin, ob mich irgendjemand liebt oder nicht.“ „Wenn die Methodisten und Baptisten mich fallen lassen, ist das egal. Ich möchte tun, was Ihm wohlgefällt. Selbst die Pfingstler lassen mich langsam fallen, weil ich ihre Lehre nicht glaube, dass das Sprechen in Zungen der Urbeweis für die Taufe mit dem Heiligen Geist ist. Ich glaube nicht, dass das Sprechen in Zungen euch mit dem Heiligen Geist erfüllt, genauso wenig wie ich glaube, dass das Wohnen in einem Königspalast euch zu einem König macht. Das tut es nicht. Du könntest auch ein Diener sein. Seht ihr? Ich glaube, dass ihr den Heiligen Geist durch ein Erlebnis empfangt – nicht durch eine verstandesmäßige Vorstellung von der Schrift, sondern durch ein Erlebnis, das nur du alleine kennst. Wenn du wissen möchtest, ob es der Heilige Geist war oder nicht, beobachte anschließend den Ablauf deines Lebens. Das wird dir sagen, was für eine Art Geist in dich kam.“

Am Sonntagabend, dem 28. September 1958, benannte Bill seine Predigt: „Der Same der Schlange“ – eine kurze Botschaft, die eine seiner aufklärendsten und umstrittensten Lehren säte. Er nahm seinen Bibeltext aus 1. Mose Kapitel 3:

Und die Schlange war listiger denn alle Tiere auf dem Felde, die Gott der Herr gemacht hatte, und sprach zu dem Weibe: Ja, sollte Gott gesagt haben: Ihr sollt nicht essen von allerlei Bäumen im Garten? Da sprach das Weib zu der Schlange: Wir essen von den Früchten der Bäume im Garten, aber von den Früchten des Baumes mitten im Garten hat Gott gesagt: Esset nicht davon, rühret‘s auch nicht an, dass ihr nicht sterbet. Da sprach die Schlange zum Weibe: Ihr werdet mitnichten des Todes sterben. Sondern Gott weiß, dass, welches Tages ihr davon esset, so werden eure Augen aufgetan, und werdet sein wie Gott und wissen, was gut und böse ist. Und das Weib schaute an, dass von dem Baum gut zu essen wäre, und dass er lieblich anzusehen und ein lustiger Baum wäre, weil er klug machte: und sie nahm von der Frucht und aß und gab ihrem Mann auch davon, und er aß. Da wurden ihrer beider Augen aufgetan, und sie wurden gewahr, dass sie nackt waren, und flochten Feigenblätter zusammen und machten sich Schurze.

Bill lehrte, dass die Schlange am Anfang überhaupt kein Reptil war, sondern ein Säugetier. Die Bibel bezeichnet sie als Tier. Die Schlange ging aufrecht wie ein Mensch und war körperlich gebaut wie ein Mensch. Sie war, was die Intelligenz anbetraf, dem Menschen so nahe, dass sie sprechen konnte. Das Wort „listig“ bedeutet „eine wahre Erkenntnis über die Prinzipien des Lebens zu haben“. Im Hebräischen kommen die Worte schlau, clever, listig und nackt alle von demselben Wortstamm. Die verbotene Frucht in der Mitte des Gartens war die fleischliche Erkenntnis der menschlichen Geschlechtlichkeit. Als Eva und Adam diese „Frucht“ „aßen“, erkannten sie plötzlich, dass sie nackt waren. Was in Wirklichkeit im Garten Eden passierte, war, dass Eva mit der Schlange Ehebruch beging und von ihm schwanger wurde. Dann zeigte sie Adam, was sie gelernt hatte, und wurde sofort mit einem zweiten Kind von Adam schwanger. Neun Monate später gebar sie Zwillinge: Kain, welcher der Same der Schlange war, und Abel, welcher der Same Adams war.

Obgleich diese Erklärung eine radikale Abkehr von christlicher Tradition darstellt, weicht sie dennoch nicht von der Bibel ab – geschweige denn vom gesunden Menschenverstand. Mit einem Mal ist die Ursünde der Menschheit dem Reich der Mythen und Legenden enthoben und sockelfest auf die Wirklichkeit der menschlichen Vererbungslehre gestellt. Gemäß dieser Auslegung der Ereignisse, war der Fall des Menschen nicht auf eine so willkürliche Sache wie das Hineinbeißen in einen Apfel gegründet, der auf einem bestimmten Apfelbaum inmitten von hunderten von anderen Apfelbäume gewachsen war. Der Fall war auf der Grundlage von Ehebruch geschehen, einer Handlung, die nie aufgehört hat, eine Sünde in den Augen Gottes zu sein. Deshalb hatte Gott auch zu Eva gesagt: „Viele Mühsal will ich dir bereiten, wenn du Mutter wirst; mit Schmerzen sollst du Kinder gebären …“ Das Urteil, das Gott Eva auferlegte, stand in direktem Bezug zu ihrer Sünde. Bill sagte: „Wenn eine Frau durch das Essen eines Apfels erkennt, dass sie nackt ist, dann wäre es an der Zeit, wieder Äpfel herumzureichen.“

Als Gott die Schlange für ihren Anteil beim Fall des Menschen strafte, sagte Gott: „Weil du solches getan hast, seist du verflucht vor allem Vieh und vor allen Tieren auf dem Felde. Auf deinem Bauche sollst du gehen und Erde essen dein Leben lang.“ Warum hat Gott Vieh erwähnt, als Er die Schlange verfluchte? Gott ordnete die Schlange anderen Säugetieren zu wie Rindern, Löwen und Affen. Danach änderte Er die Schlange von einem Säugetier mit Beinen zu einem Reptil ohne Beine. Deshalb werden Tierkundler das fehlende Bindeglied zwischen dem Menschen und dem Affen nie finden. Die ursprüngliche Schlange ist jenes fehlende Bindeglied, doch Gott hat jene Spezies so vollständig verändert, dass sie sich genetisch nicht mehr mit dem Menschen verbinden kann. Und dennoch besteht die Natur des Tieres unverändert weiter. Dann sagte Gott zur Schlange: „Und ich will Feindschaft setzen zwischen dir und dem Weibe und zwischen deinem Samen und ihrem Samen.“ Die Schlange hatte einen körperlichen Samen bzw. Nachkommen, und dieser Same war Kain und seine Nachkommen. Schauen wir uns Kains Eigenschaften an. Er war genauso religiös wie sein Bruder Abel. Beide Männer bauten Altäre, damit sie Gott anbeten konnten. Kain, dem eine Offenbarung über das wahre Wesen der Sünde fehlte, opferte Früchte auf seinem Altar, wogegen Abel, der eine Offenbarung über das wahre Wesen der Sünde besaß, Blut opferte. Gott nahm Abels Opfer an, lehnte jedoch Kains Opfer ab. Das machte Kain so wütend, dass er seinen Bruder tötete. Mord ist keine Eigenschaft Gottes, sondern eine Eigenschaft des Teufels. Auf diese Weise hat der Teufel das Böse in Gottes Plan hineingeschleust. Das Böse wurde auf dem Weg der Vererbung in das Wesen des Menschen eingeführt, indem die Erbanlagen der ersten Frau mit den Erbanlagen eines Tieres, der ursprünglichen Schlange, kombiniert wurden. Die resultierende tierische Natur ihrer Nachkommen pflanzte sich durch die Geschichte hindurch fort, vermischte sich mit Adams Erbanlagen und schwächte sie, wodurch Feindschaft, Hass, blinde Ereiferung und jede andere schädliche Eigenschaft, die der Menschheit bekannt ist, ihre Verbreitung fand und zahlloses Leid über die Erde brachte.

Bill betonte, dass Gott einen Zweck dabei hatte, dieses alles zuzulassen. Ehe es das Weltall gab, existierte der „Ich bin“. Er war noch nicht Gott, weil Gott ein Gegenstand der Anbetung ist und es nichts Lebendes gab, das dieses große Wesen anbeten konnte. Der „Ich bin“ besaß bestimmte Eigenschaften, die Er ausdrücken wollte. Zum Beispiel war Er ein Erlöser. Doch es war nichts verloren, das Er erlösen konnte. Da Seine Natur ausschließlich gut war, konnte Er das Böse nicht auf direktem Wege erschaffen. Als Er die Welt schuf, gab Er dem ersten Mann und der ersten Frau aus diesem Grund die Fähigkeit, ihren eigenen Weg zu wählen, wissend, dass sie fallen würden. Dann konnte Er sich als Retter offenbaren, was Er in der Gestalt Jesu Christi auch tat. Bill fragte rhetorisch: „Wen gab es zuerst, den Erlöser oder den Sünder? Der Erlöser war zuerst. Wer hat mehr Macht, der Erlöser oder der Sünder? Wenn ein Erlöser die Sünde wegnehmen kann, besitzt er mehr Macht.“

Am Ende der Predigt sagte er: „Ihr Prediger und Brüder, fühlt euch bitte nicht angegriffen, dass ich dies festnagele, so gut ich es nur kann. Dies ist unser Tabernakel und dies ist, wofür wir stehen, und wir wollen es direkt auf das Wort stellen und die Menschen damit aufrütteln. Und dann, falls ihr jemals abweicht, werden wir darauf zurückgreifen und sagen: ,Du wusstest es besser. Hier ist es auf dem Tonband.‘“

„Wir haben noch eine Menge mehr mit euch zu teilen, wozu wir bald kommen werden. Wir glauben an die Taufe auf den Namen des Herrn Jesus Christus. Wir glauben an die Fußwaschung. Wir glauben an das Abendmahl. Wir glauben an das Zweite Kommen Christi – nicht nur ein geistliches Kommen, sondern den sichtbaren, körperlichen Leib des Herrn Jesus, der in Herrlichkeit wiederkommt. Wir glauben an die körperliche Auferstehung der Toten, dass sie einen neuen Leib empfangen. Wir glauben an die Unsterblichkeit der Seele. Wir glauben, dass es nur eine Form des ewigen Lebens gibt, und das ist das Leben, das man von Jesus Christus empfängt. Deshalb glauben wir nicht an eine ewige Sündenstrafe. Wir glauben an eine buchstäbliche Hölle, die mit Feuer und Schwefel brennt, doch wir glauben nicht, dass Menschen dort ewig leiden. Sie mögen für Millionen von Jahren leiden – ich weiß es nicht – aber sie können nicht ewig brennen. Wenn doch, hätten sie ewiges Leben. Ihr seht also, dass es da noch viele Dinge gibt, die gelehrt werden müssen, zu denen wir später kommen werden. Der Herr segne euch.“

Im November 1958 belud William Branham seinen Kombi und machte sich nach Kalifornien auf. Meda und der dreieinhalb Jahre alte Joseph fuhren mit ihm. Miner Arganbright (der in La Crescenta, Kalifornien, nahe Los Angeles wohnte) hatte arrangiert, dass Bill in der Gegend von Los Angeles in einigen verschiedenen Gemeinden jeweils einen Abend predigen konnte. Arganbright wartete jedoch nicht in Südkalifornien auf ihn. Er war nach Tulsa (Oklahoma) geflogen, um einer Konferenz der Geschäftsleute des vollen Evangeliums (fgbmfi) beizuwohnen. Bill sollte seinen Freund in Oklahoma treffen, damit sie zusammen nach Kalifornien weiterfahren konnten.

Bill kam am Samstagnachmittag in Tulsa an und quartierte sich in ein Hotel ein. Miner lud ihn für den Abend zu einem Essen der fgbmfi ein. Bill ging hin, weil er Oral Roberts sprechen hören wollte. Vor dem Essen predigte Roberts über das überreiche Leben, das Jesus Seinen Gläubigen zu geben verheißen hatte. Als Jesus die Fischer anwies, ihre Netze hinab zu lassen, fingen sie so viele Fische, dass ihre Netze sie nicht alle fassen konnten. Roberts sagte: „In Jesus Christus ist die Fülle von allem für jedermann.“

Nach dem Essen sagte Demos Shakarian, der Präsident des fgbmfi: „Ich fühle mich geleitet, William Branham zu bitten, die abschließende Ansprache des Abends zu bringen.“ Diese Ankündigung traf Bill unvorbereitet. Miner hatte ihn vor dem Essen vielen vorgestellt. Bill wusste, dass die meisten von ihnen Millionäre waren und viele waren sogar Multimillionäre. Was konnte er zur Bereicherung ihres Lebens beitragen? In seiner einfachen, demütigen Weise predigte er das Grundgerüst des Evangeliums mit einer solchen Überzeugung, dass Dutzende Menschen ihr Leben Jesus Christus übergaben. Dann bat ihn Demos Shakarian, für die Kranken zu beten. Reiche Menschen werden von manchen Schwierigkeiten des Lebens genauso heimgesucht wie alle anderen. George Gardner hatte sein Vermögen damit gemacht, Oldsmobiles zu verkaufen. Als Hobby flog er ein Flugzeug und war einmal abgestürzt, wobei er sich die Beine gebrochen und die Knie verletzt hatte, so dass er steif ging. Nachdem Bill für ihn in Jesu Namen betete, konnte Gardner so gelenkig gehen wie vor seinem Unfall. In der Zwischenzeit setzte sich eine Frau mit schwerer Arthritis hin, deren Rücken vornüber gebeugt war und deren Oberarme steif am Körperrumpf klebten. Sie fühlte, wie sich ihr Rücken begradigte, und wie sich ihre Arme lösten. Sie fiel auf die Knie, klatschte in die Hände und pries Gott so überschwänglich, dass keiner in ihrer Nähe sie übersehen konnte. An jenem Abend lernten eine handvoll Millionäre, was echte Reichtümer sind. Das größte aller Vermögen ist im Evangelium von Jesus Christus zu finden. Als Bill das Festmahl verließ, ergriff eine wohlhabend gekleidete Frau seine Hand und sagte: „Bruder Branham, Ihre Predigt hat mein Herz mächtig bewegt. Ich dachte zuvor, ich sei ein Christ, doch jetzt sehe ich, was mir fehlte. Von jetzt an will ich dem Herrn Jesus dienen.“

„Vielen Dank“, sagte Bill und fühlte sich dabei klein und unbedeutend. Von Tulsa (Oklahoma) fuhr Bill nach Südkalifornien. Als er in La Crescenta ankam, übernachteten er und seine Frau statt in einem Motel, bei Miner Arganbright Zuhause. Jeden Abend predigte Bill in einer anderen Gemeinde aus der Gegend von Los Angeles.

An einem Abend predigte er für Pastor Smith in der Pisgah Bible Gemeinde. Pisgahs großer Saal war voll und etliche hundert Leute standen draußen und hörten durch offene Fenster zu. Im Anschluss an Bills Predigt sang Pastor Smith mit der Versammlung ein paar Lieder, damit Bill sich ausruhen konnte, bevor er für die Kranken betete. An diesem Abend geschahen zwei Dinge, die Bill nie zuvor erlebt hatte. In der Versammlung sangen einige tausend Leute, jedoch konnte Bill einen weiteren Chor von irgendwo aus der Höhe singen hören. Neugierig geworden, stieg er die Treppe hoch, um nachzusehen, wer auf der Musikerempore sang. Dort war aber kein Chor versammelt, sondern lediglich Zuhörer, die im Saal keinen freien Platz mehr gefunden hatten. Die Stimmen, die er hörte, schienen von noch weiter oben zu kommen. Bill hörte genau hin. Ja, er konnte eindeutig zwei Chöre hören. Die Stimmen des einen Chores drangen von unten zu ihm hinauf, und stellten sich aus einigen tausend Leuten zusammen, die in den Kirchenbänken saßen, Männer- und Frauenstimmen, von denen manche rein und andere unrein sangen. Die Stimmen des zweiten Chores drangen von den hochwölbigen Dachsparren herab. Es klang, als sängen hunderttausend Sopranisten in vollkommener Harmonie. Es war die angenehmste Musik, die er je in seinem Leben gehört hatte. In Hochstimmung versetzt, schritt Bill die Treppe zur Hauptebene hinab. Die Versammlung beendete ihr Lied mit einem klangvollen „Amen“. In die anschließende Stille hinein sprach ein Mann aus dem rückwärtigen Teil des Gebäudes ein halbes Dutzend Worte in einer unbekannten Sprache. Obgleich Bill nie zuvor eine unbekannte Sprache ausgelegt hatte, wusste er plötzlich, was diese eine meinte: „Der Pastor soll das Gebet des Glaubens sprechen.“ Doch er traute sich nicht, es laut auszusprechen. Eine Minute später überkam ihn jene befremdliche Welle der Inspiration erneut, diesmal so stark, dass er seinen Mund zuhalten musste, um sich am Sprechen zu hindern. Es machte nichts aus. Selbst ohne die Auslegung, begann Pastor Smith für die Kranken zu beten. Bill trat mit Freuden zurück und ließ den Pastor das Gebet des Glaubens beten. Sowohl innerhalb als auch außerhalb der Pisgah Gemeinde empfingen hunderte von Menschen an jenem Abend einen Segen von Gott. Bill war einer von ihnen.

An einem Vormittag ein paar Tage später hörte Bill Arganbrights Telefon klingeln. Miner war gerade nicht im Zimmer und so ging Bill ans Telefon. Eine Stimme mit mexikanischem Akzent sagte: „Hallo, Señor. Können Sie mir sagen, ob Bruder Branham sich hier aufhält?“

„Ich bin Bruder Branham.“

„Dem Herrn sei Dank! Ich bin Bruder Duponsta und ich missioniere in Mexiko, auch wenn ich hier in La Crescenta wohne. Ich habe einen vier Monate alten Sohn, der Krebs im Kiefer hat. Ein Chirurg hat versucht, ihn zu entfernen, doch jetzt hat sich der Krebs hinüber auf die Zunge ausgebreitet. Ricky kann nicht mehr schlucken. Mein Arzt sagt, es ist hoffnungslos. Bruder Branham, ich weiß, dass du gewöhnlich auf deinen Reisen niemanden im Krankenhaus besuchst und für ihn betest, aber könntest du mir wohl die Güte erweisen und es dieses eine Mal tun?“

„Bleib mal kurz dran, ich werde Bruder Arganbright holen gehen. Du kannst ihm dann die Wegbeschreibung zum Krankenhaus durchgeben.“ Als Bill Señor Duponsta begegnete, war er überrascht, einen Mexikaner anzutreffen, dessen Haut nicht dunkler war als seine eigene. Auch seine Frau war von heller Hautfarbe, aber das war zu erwarten, denn sie stammte aus Finnland, war blond und hatte blaue Augen. Bill folgte ihnen in Rickys Krankenzimmer. Er hatte in den Jahren, in denen er für kranke und geplagte Menschen betete, schon vieles gesehen, das ihn erschüttert hatte, doch der Zustand dieses Säuglings war einer der mitleiderregendsten Anblicke, die er je gesehen hatte. Ricky lag auf dem Rücken, bis auf die Windel nackt. Eine blaue Narbe verlief entlang den Konturen seines Kiefers von einer Seite des Halses bis zur anderen, dort, wo der Chirurg versucht hatte, den Krebs zu entfernen. Seine schwarze Zunge war derart angeschwollen, dass sie die Luftzufuhr unterband und er nun mittels einer Öffnung in seinem Hals atmete. Der Metalleinsatz, der seine neue Luftversorgung darstellte, verursachte bei jedem Atemzug einen schwachen Pfeifton. Die Öffnung wurde regelmäßig von einer Krankenschwester ausgesaugt, um zu verhindern, dass der Schleim sie verstopfte. Der Arzt hatte Rickys Arme in Schienen festgebunden, damit er sich nicht das Metallrohr herausriss, das in seine Luftröhre eingelassen worden war. Señor Duponsta beugte sich über die Krippe, streichelte Rickys Bauch und sagte: „Papas kleiner Junge.“ Die Stimme seines Vaters wiedererkennend, versuchte Ricky seine eingeschienten Arme zu heben. „Ricky, Papa hat Bruder Branham mitgebracht, um für dich zu beten.“

Bills Herz schmolz in seiner Brust dahin. Er dachte: „Wenn dieser Anblick schon mich traurig macht, wie muss er dann dem Allmächtigen Gott nahe gehen, der die Quelle des Mitleids und Erbarmens ist. Herr Jesus, wenn Du hier stündest, was würdest Du tun?“

In diesem Augenblick geschah etwas Geistliches. Bill vernahm keine hörbare Stimme, und doch hörte er in seinem Kopf (oder seiner Seele) den Heiligen Geist sprechen: „Du hast über Markus 11: 23 gepredigt: ,Wer zu diesem Berge spräche …‘ Ich habe meine Autorität der Gemeinde übertragen. Jetzt warte ich darauf zu sehen, was du damit anfängst.“

Indem er die eine kleine Hand Rickys vorsichtig festhielt, sagte Bill: „Herr Jesus, erhöre das Gebet Deines Knechtes. Durch Glauben stelle ich das Blut Jesu Christi zwischen diesen Krebsdämon und das Leben des Kindes.“ Aus irgendeinem Grund konnte er an nichts anderes denken, das er hätte sagen können. Als Bill das Zimmer verließ, rannte Rickys Vater ihm nach und holte ihn in der Eingangshalle ein. „Bruder Branham, der Herr hat es mir aufs Herz gelegt, dir etwas vom Zehnten zu geben.“ Er reichte Bill einen Umschlag. „Ach, Bruder, nein“, sagte Bill und schüttelte den Kopf. „Ich kann dein Geld nicht annehmen. Nimm es, um die Krankenhauskosten für deinen Sohn zu zahlen.“

„Es sind bloß 50 Dollar, und sie müssen an einen Prediger gehen. Bitte nimm sie.“

„Nun, da ich ein Prediger bin und auch du ein Prediger bist – betrachte es als von mir empfangen und an dich postwendend zurückgegeben.“ Widerwillig steckte Duponsta das Geld zurück in die Tasche. Obgleich Bill lediglich ein kurzes Gebet für Ricky Duponsta gebetet hatte, reichte es aus. Wenige Stunden nachdem Bill das Krankenhaus verlassen hatte, zog sich Rickys Zunge auf ihre normale Größe zusammen. Am nächsten Tag entfernte sein Arzt die Metallöffnung vom Hals. Zur selben Zeit entnahm der Arzt eine Gewebeprobe, die späterhin bestätigte, dass keine krebsartigen Zellen in Rickys Mund verblieben waren. Natürlich rief Rickys Vater Bill an, um ihm vom Wunder zu berichten. Aber das war für Señor Duponsta nicht gut genug. Er und seine Frau fuhren zu Arganbrights Haus, um Bill persönlich zu danken.

Bill belud gerade seinen Ford Kombi für die Heimreise, als der mexikanische Missionar eintraf. Señor Duponsta stieß die Autotür auf, schnellte aus seinem Sitz und rannte auf Bill zu, als befürchtete er, Bill könnte abfahren, ehe er ihn erreichte. Er riss sich den Hut vom Kopf und sagte: „Bruder Branham, Ricky kommt heute aus dem Krankenhaus nach Hause.“

„Dafür bin ich dankbar“, sagte Bill. „Gott ist voller Erbarmen.“ „Hier ist der Zehnte, den ich dir vom Herrn geben soll.“ „Bruder Duponsta, ich habe dir doch gesagt, das Geld für deine Krankenhauskosten zu verwenden.“

„Das habe ich – beziehungsweise, das habe ich versucht. Der Arzt meinte, ich schulde ihm nicht einen Cent, weil er mit Rickys Genesung nichts zu tun gehabt habe. Er sagte, es sei schlicht ein unerklärliches Phänomen, eine Laune der Natur. Du und ich wissen es besser. Also, bitte, Bruder Branham, nimm meinen Zehnten an dich.“ Er reichte die 50 Dollar hin.

Bill dachte: „Das kann ich nicht, Herr, ich nehme das nicht gern.“ Dann entsann er sich, wie Jesus die Witwe ihren letzten Pfennig in den Opferkasten der Synagoge werfen ließ. Widerwillig nahm er das Geld.

Als er nach Jeffersonville zurückkam und seiner Versammlung über das Wunder von Ricky Duponsta berichtete, sagte er: „Ich habe jetzt den Zehnten des Mannes. Ich weiß zwar nicht genau, was ich damit machen werde, aber ich weiß schon jetzt, dass ich es jemandem geben werde, der zur Ehre Gottes arbeitet.“ Dann sagte er: „Die Schatten fallen. Christus erscheint. Deshalb treten Zeichen und Wunder in Erscheinung. Die Gemeinde (wie der große Trabant, der Mond) reflektiert das Licht des Morgensterns, während er am Horizont aufgeht mit ,Heilung unter Seinen Flügeln‘. Wenn Er Heilung austeilt durch den Abglanz Seiner Gegenwart, was wird Er erst tun, wenn Er als Person wiederkommt? Diese sterblichen Leiber von uns werden umgewandelt und Seinem Herrlichkeitsleib gleichgestaltet werden. Bis zu jenem Tag sind wir dankbar für das Sonnenlicht Seiner Gegenwart. Den Sternen gleich, erklimme ich die Schutzwälle der Herrlichkeit und verharre, dort wartend, um in dieser dunklen Stunde Seinem Kommen zuzujubeln.“

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