1957
Banks Wood hatte einen guten Grund, ein Haus direkt neben William Branham zu kaufen. Im Januar 1950 überredete ihn seine Frau Ruby, eine Branham-Versammlung in Louisville (Kentucky) zu besuchen. Banks war in der Zeugen Jehova-Bewegung aufgewachsen, und so hielt er die Vorstellung, dass Jesus Christus heute noch kranke Menschen heilen konnte, für Unsinn. An jenem Abend in Louisville schaute Banks mit Verwunderung zu, wie William Branham die Probleme von Fremden unterschied. Er dachte: „Dies sieht echt aus, doch wie kann ich mich überzeugen, dass die Menschen auch wirklich geheilt werden?“ Dann sah er William Branham für einen Jungen beten, den Kinderlähmung verkrüppelt hatte. Der Junge stieg aus seinem Rollstuhl, rannte die Stufen zur Plattform hinauf und dankte Jesus laut preisend für seine Heilung. Das berührte Banks in seinem Innersten, weil sein eigener kleiner Junge, David, durch Kinderlähmung verkrüppelt war. Banks spürte, dass er über etwas Echtes gestolpert war.
Banks Wood entschied, dass er mehr über diesen ungewöhnlichen Dienst wissen musste, und so besuchten er und seine Frau auch den nächsten Branham-Feldzug, der zufällig auf Ende Januar 1950 fiel und in Houston (Texas) stattfand. Sie saßen an dem Abend in der Zuhörerschaft, als die Feuersäule über William Branhams Haupt fotografiert wurde. Auf dem Heimweg nach Kentucky ging Banks vieles durch den Kopf.
Im August 1950 hielt William Branham einen zweiwöchigen Feldzug in Cleveland (Ohio). An einem Abend waren Banks, Ruby und der kleine David Wood unter den tausenden von Leuten, die in ein großes Zelt strömten. Während er für die Kranken betete, drehte sich William Branham von der Gebetsreihe weg, blickte über die Zuhörerschaft und sagte: „In der letzten Reihe sitzt ein Mann mit seiner Familie. Ihr Name ist Wood, Banks Wood. Sie sind nicht aus dieser Stadt. Sie wohnen in der Nähe von Crestwood (Kentucky). Sie sind Zeuge Jehovas. Sie haben einen Jungen bei sich sitzen, der ein gelähmtes Bein unter sich gezogen hat und Ihre Frau leidet an einem Tumor. So spricht der Herr: ,Sie sind beide geheilt.‘“
Der Evangelist wandte sich wieder der Gebetsreihe zu. Für einen Augenblick starrten Banks und Ruby einander bestürzt an, unschlüssig, was sie tun sollten. Dann fühlte Ruby etwas Kühles durch ihren Körper gehen. Sie berührte ihre Seite, wo der Tumor gewesen war. „Banks“, sagte sie atemlos, „fühl mal. Der Knoten ist weg.“
Er tastete nach der unheilvollen Beule an der Seite seiner Frau. Sie war nicht mehr da. Er sagte zu seinem Sohn: „David, steh auf!“ Noch während David herumrutschte, um zu gehorchen, wurden seine verkrüppelten Beine gerade. Er stellte sich auf zwei feste, funktionstüchtige Beine, und selbstverständlich dachte David Wood nicht daran, sich wieder hinzusetzen. Und es überraschte auch nicht, dass Banks Wood sein Leben Jesus Christus übergab. Er verkaufte sein Haus und seine Baufirma in Kentucky und zog nach Jeffersonville (Indiana), damit er jede Woche zum Gottesdienst im Branham Tabernacle gehen konnte. Nachdem er das Haus direkt neben Bill gekauft hatte, wurden die beiden Nachbarn gute Freunde.
Als Banks Wood Jesus Christus als seinen Herrn und Heiland angenommen hatte, stießen ihn sein Vater, seine Mutter, seine Brüder und seine Schwestern – die alle ergebene Zeugen Jehovas waren – aus der Familie aus. Jahrelang bekam Banks keinen von ihnen zu Gesicht. Dann, an einem Aprilmorgen 1957, tauchte sein Bruder Lyle an seiner Türe auf. Die beiden Brüder setzten sich an den Küchentisch und unterhielten sich.
Schließlich sagte Lyle: „Banks, ich bin hierher gekommen, um zu sehen, ob ich dir wieder ein bisschen Verstand in deinen Dickschädel einreden kann. Mit was für einer Art Fanatismus hast du dich da eingelassen?“
„Dies ist kein Fanatismus, Lyle. Schau dir Davids Beine an.“ „Ach, Unsinn. Unser Papa hat uns erzogen, dass wir auf so etwas nicht reinfallen. Er hat uns immer vor diesen Höllenfeuer-Predigern gewarnt. Ich kann es nicht glauben, dass du in so einen Schlamassel geraten bist. Auf was für einen Quacksalber hörst du überhaupt? Er muss ein geschliffener Redner sein, dass er dich dahin gebracht hat, mit dem Häuserbauen aufzuhören und ihm im ganzen Land hinterher zu reisen, wie du es tust.“
„Nein, er ist kein geschliffener Redner. Tatsächlich spricht er sogar ziemlich schlicht. Doch der Geist Gottes ist mit ihm.“
„Na, wenn ich diesem Branham-Burschen je begegne, werd ich dem ein paar Takte sagen.“
„Da draußen ist er ja, beim Rasenmähen. Ich werde ihn herüber bitten.“ Er trat hinaus und winkte seinem Nachbarn, herüber zu kommen. Als Bill die Küche betrat, stellte Banks seinen Bruder vor. Bill entbot Lyle einen kräftigen Handschlag, doch die Hand, die er schüttelte, war kalt und schlaff. Er setzte sich, um sich bei einer Tasse Kaffee zu unterhalten.
Lyle beäugte Bill argwöhnisch. Im Augenblick sah er nicht unbedingt wie ein Prediger aus. Er trug einen Arbeitsanzug und einen Schlapphut aus Stroh, der ihm tief in den Nacken gerutscht war. Sein Gesicht war voller Bartstoppeln, die ein oder zwei Tage alt sein mochten. Schweiß glitzerte auf seiner kahlen Stirn und tränkte sein weißes T-Shirt unter den Achseln. Im Augenblick sah er eher wie ein tüchtiger Farmer aus als wie ein weltbekannter Evangelist. Lyle sagte: „Sie sind also der Prediger, der Banks auf diese wilde Gänsejagd mitgenommen hat.“
„Nein, das bin ich nicht. Ich bin nur sein Bruder in Christus. Aber das Evangelium predigen, das tue ich.“
Banks berichtete Lyle von einigen Wundern, die er auf Bills Feldzügen gesehen hatte. Lyle hörte ungerührt zu, zeigte keinerlei Interesse. Nachdem Bill Banks Zeugnis zehn Minuten zugehört hatte, sagte er: „Ich nehme an, Sie glauben nichts von alledem, Herr Wood.“
„Gewiss nicht. So etwas wie göttliche Heilung gibt es nicht. Es ist bloß ein Haufen ausgedachten Unsinns, in den Sie meinen Bruder verstrickt haben. Und was diese sogenannten Visionen angeht …“
Während Lyle seine Meinung zum Besten gab, blitzte vor Bills Augen eine Vision auf. Er sagte: „Herr Wood, ich sehe, dass Sie mit einer blonden Frau verheiratet sind und Sie haben zwei blondhaarige Jungen, etwa sechs und acht Jahre alt.“
Lyle warf seinem Bruder einen anklagenden Blick zu.
„Sie denken, dass Banks mir das gesagt hat“, sagte Bill weiter. „Das hat er nicht. Er hat mir nichts über seine Familie erzählt. Doch wenn das Sie nicht überzeugt, dann vielleicht dies: Sie haben Ihre Frau betrogen und dadurch eine Trennung verursacht. Vorgestern Nacht waren Sie bei einer jungen Frau mit rotbraunem Haar. Sie hörten ein Klopfen an der Tür und wollten aufmachen, doch sie hat es Ihnen nicht erlaubt. Also haben Sie sich in ihrem Schlafzimmer verborgen gehalten, während sie aufgemacht hat. Als Sie einen kurzen Blick aus dem Fenster warfen, sahen Sie einen Mann in der Tür stehen mit einem dunklen Anzug und einer roten Krawatte. Das war ein anderer ihrer Liebhaber, und es war nur gut, dass Sie nicht zur Türe sind, denn er hatte eine Schusswaffe in der Hand und hätte ihren Kopf weggeblasen.“
„Wer – wer hat Ihnen das erzählt?“, stotterte Lyle.
„Der Allmächtige Gott hat mir gerade eine Vision des Geschehens gezeigt.“ Lyle war wie benebelt. „Herr Branham, jedes Wort, das Sie sagten, ist die Wahrheit. Ich glaube, ich muss mein Leben demselben Allmächtigen Gott übergeben, der Ihnen dieses Geheimnis mitgeteilt hat.“
Voller Begeisterung fuhr Lyle nach Hause, um seiner Familie von seiner Bekehrung zu berichten. Binnen einer Woche besuchte seine Schwester eine von Bills Versammlungen und auch sie bekehrte sich. Das ließ bei ihrem Vater die Alarmglocken läuten. Er entschied, dass es am Besten sei, diesen Branham persönlich unter die Lupe zu nehmen, damit er seine Familie wieder auf die richtige Bahn bringen konnte.
Als Bill am Montagnachmittag, dem 13. Mai 1957, mit dem Auto in seine Einfahrt einbog, sah er einen älteren Herrn im Garten stehen. Bill ging hin und stellte sich vor.
„Sie sind also Herr Branham“, sagte der Mann barsch. „Ich habe schon viel von Ihnen gehört. Mein Name ist Wood, Jim Wood. Banks und Lyle sind zwei meiner Söhne. Wissen Sie, wo Banks ist?“
„Banks und Ruby gehen um diese Tageszeit normalerweise einkaufen. Warum kommen sie nicht mit rein und erfrischen sich mit einem Glas Wasser.“ Bill brauchte nicht lange, ehe er herausgefunden hatte, dass er und Herr Wood gemeinsame Interessen hatten. Zuerst sprachen sie darüber, dass sie in Kentucky aufgewachsen waren, dann wie viel Spaß die Eichhörnchenjagd und das Bluegill- und Crappieangeln machten. Anstatt sich gleich auf das Thema Jahwe-Gott zu stürzen, lud Bill Jim Wood ein, am nächsten Tag mit ihm zu angeln. Solch ein Ausflug würde ihnen alle Zeit der Welt geben, sich über den Glauben zu unterhalten. Er schlug vor, dass Banks und Lyle auch mitkommen konnten. Jim Wood gefiel der Vorschlag.
In der Nacht regnete es kräftig. Am nächsten Morgen sagte Banks: „Na ich denke, das Angeln können wir uns heute sparen. Die Bäche werden alle trüb sein und die Fische nicht anbeißen.“
„Versuchen können wir’s doch“, sagte Bill. Bis zum Beginn seines nächsten Feldzugs in Saskatoon (Kanada) hatte er noch ein paar Tage frei, und er hatte Ruhe und Entspannung nötig.
Also packten die vier Männer ihre Zelt- und Angelausrüstung in den Kofferraum von Banks Wagen. Banks und sein Vater saßen auf den Vordersitzen, Bill und Lyle hinten. Banks fuhr. Ihr Ziel lag etwa 250 Kilometer ostwärts, nahe dem Dale Hollow See. Bill hatte vor, auf dem See hinter dem Wolf River Damm zu angeln. Diese Gegend war nicht weit entfernt von Burkesville (Kentucky), wo er geboren war. Da einige seiner Verwandten Land an dem See besaßen und ein Boot hatten, das er ausleihen konnte, angelte Bill des Öfteren an dieser Stelle.
Während sie den Ohio nach Kentucky überquerten, betete Bill im Stillen: „Herr, hilf mir zum Herzen dieses aufrichtigen alten Farmers durchzudringen.“ Bald fühlte er sich in eine Vision hineingleiten. Das Auto verschwand und er war auf irgendeine Weise der Zeit voraus und beobachtete, wie die Zukunft ihre Geheimnisse offenbarte. Als die Vision geendet hatte, sagte er: „Herr Wood, auf dass Sie wissen, dass das Evangelium, das ich predige, wahr ist: Heute werden alle Bäche und Seen, an denen wir vorbeikommen, trübe sein, bis wir zu unserem Zielort gelangen. Der See hinter dem Wolf River Damm wird blau und schön sein. Wir werden bis etwa 15:30 Uhr angeln, ohne irgendetwas zu fangen. Dann werden bei mir Welse anbeißen. Ich habe in diesen Wassern zuvor noch nie Welse gefangen, doch heute werde ich eine ganze Reihe von ihnen fangen, zusammen etwa 25 Pfund. Herr Wood, Sie werden direkt neben mir angeln und denselben Haken benutzen, aber nur einen einzigen fangen; und auch Lyle wird einen einzigen fangen. Morgen früh werde ich einen Schuppenfisch fangen. Ich konnte nicht genau sehen, was für einen, doch er wird für seine Art groß ausfallen. Das wird der letzte Fisch sein, den wir auf diesem Ausflug fangen werden. Wir werden den Rest des Tages angeln, ohne dass auch nur einer anbeißt. Das ist ,So spricht der Herr‘.“ Jim Woods verzog einen Mundwinkel zu einem ungläubigen Grinsen. Er schaute zu Banks hinüber und zwinkerte ihm zu. Doch der alte Mann begann sich zu wundern, als sie den letzten Hügel überquerten und auf den Wolf River Damm hinabblickten. Das Wasser im Reservoir hinter dem Damm war so blau und schön, wie nur irgend möglich. Augenscheinlich hatte es in der Gegend oberhalb des Dammes nicht viel geregnet.
Ohne Erfolg angelten sie nach Crappies, Bluegills, Forellen und Barschen. Mitten am Nachmittag wechselte Bill den Haken und hatte sofort einen Wels an der Leine. Im Laufe der nächsten Stunden fing er eine Reihe an Welsen, während Jim und Lyle jeweils einen fingen und Banks keinen einzigen. Gegen 23 Uhr hörten sie mit dem Angeln auf. Keiner erwähnte die Weissagung vom Vormittag, obgleich sie in jedermanns Gedanken war.
Dienstagmorgen zog strahlend die Sonne herauf. Nach einem Frühstück mit gebratenem Wels, nahmen die Fischer ihre Angeln und die Ausrüstungskisten und machten sich zum See auf. Während sie beim Bestücken ihrer Angelhaken waren, erinnerte sie Bill: „Es wird noch ein Fisch anbeißen, und das wird der letzte sein, den wir auf diesem Ausflug fangen werden.“ Bei seinem ersten Wurf angelte Bill einen Schuppenfisch mit rotem Bauch. Er wog etwa ein Pfund, ein beträchtliches Gewicht für diese Fischsorte.
Sie angelten weiter, doch keiner von ihnen fing noch etwas. Alle paar Stunden schlug Banks vor, dass sie aufhörten und nach Hause gingen, da er wusste, wie präzise Bills Visionen waren. Jim Wood wollte bleiben. Er war fest entschlossen, einen weiteren Fisch zu fangen und sie alle zu widerlegen. Der alte Herr ging am Ufer von Stelle zu Stelle, wechselte ständig seine Köder und Techniken, und versuchte, eine Kombination zu finden, die funktionierte. Er angelte den ganzen Nachmittag, den ganzen Abend und sogar nach Einbruch der Dunkelheit bis Mitternacht. Er verspürte nicht einmal ein Anbeißen.
Am frühen Mittwochmorgen bauten sie ihr Lager ab. Bill musste nach Hause, weil er am Donnerstag nach Saskatoon (Kanada) aufbrechen wollte. Als sie das Auto beluden, fragte Banks seinen Vater: „Was hältst du jetzt davon, Papa?“ „Nu-u-un ja“, sprach er gedehnt und fummelte dabei an seiner Angelkiste herum, „wenn jemand Fische sehen kann, ehe er sie fängt – ich denke, dass ist schon ganz o.k.“
Bill sah seinen Anknüpfungspunkt. „Aber ich kann das nicht immer, Herr Wood. Gott hat mir die Vision um Ihretwillen gezeigt. Die Bibel sagt, wenn man im Zweifel ist, ob ein Mensch ein Prophet ist oder ob nicht, dann soll man auf dessen Prophetien acht geben. Wenn seine Weissagungen nicht eintreffen, ist er kein Prophet und man kann ihn ignorieren. Wenn sie jedoch eintreffen, soll man auf ihn hören, weil er das Wort Gottes hat. Ich weiß, dass Herr Russell in der Zeugen Jehova-Bewegung für einen Propheten gehalten wird. Doch Herr Russell hat geweissagt, dass Jesus Christus 1914 wiederkommen würde. Als das nicht geschah, sagte er, dass es ein „geistliches“ Kommen sei. Aber das stimmt nicht, weil Jesus bereits am Tage zu Pfingsten in Gestalt des Heiligen Geistes geistlich auf die Welt zurückgekommen war. Das ist es doch, worum es im Buch der Apostelgeschichte überhaupt geht. Sie sehen also, Herr Russell kann kein Prophet sein.“ Bill fuhr in dieser Weise fort, indem er drei weitere Stellen aufzeigte, wo Russells Prophetien versagt hatten. Jim Wood knetete seinen Unterkiefer nachdenklich. Dann zeigte er mit seinem Daumen über seine Schulter zurück auf den See hin und zitierte den Äthiopier aus Apostelgeschichte 8: 36: „Hier ist Wasser, was hindert mich, getauft zu werden?“
Es gab kein Hindernis, und so wurde er genau dann und dort auf den Namen des Herrn Jesus Christus getauft.
Im Mai 1957 reiste William Branham nordwärts nach Saskatoon (Kanada). Dies war sein erster großer Heilungsfeldzug, der ohne die Unterstützung von Pfingstgemeinden stattfand. Stattdessen unterstützten ihn Presbyterianer, Anglikaner, Baptisten und andere Konfessionen. Die Pfingstgemeinden in Saskatoon lehnten jegliche Kooperation rundweg ab, doch das stellte für Gott kein Hindernis dar. Etliche tausend Menschen füllten das Eisstadion, um Bill sprechen zu hören. Als es Zeit für die Gebetsreihe war, brach sich der Heilige Geist Bahn und bewegte sich auf eindrucksvolle Weise. Am ersten Abend des Feldzuges empfing eine blinde Frau auf wundersame Weise ihr Augenlicht, ein spastischer Junge erlangte augenblicklich sein Koordinationsvermögen, ein weiterer Junge, der nie zuvor in seinem Leben gehört oder einen Laut von sich gegeben hatte, hörte plötzlich den Organisten „Glaube nur“ spielen. Der Junge schrie, was die einzige Weise war, wie er seinen Heiler, Jesus Christus, verherrlichen konnte.
An einem Abend kam ein buckliger Junge durch die Gebetsreihe. Bill legte die Arme um den Jungen und betete für ihn. Dann sagte er: „Wenn du heute Abend nach Hause gehst, lass deine Mutti eine Kordel um deine Brust und über die Erhebung legen. Sie soll dann die Kordel als Maß abschneiden. Wenn die Erhebung morgen Früh nicht um sieben bis acht Zentimeter zusammengeschrumpft ist, bin ich ein falscher Prophet. Bring die Kordel morgen Abend hierher zurück und zeig sie den Leuten.“
Am nächsten Abend kam dieser Junge nach vorne und zeigte allen die Kordel, die seine Mutter genommen hatte, um seine Brust zu messen. Sein Buckel war tatsächlich um etwa acht Zentimeter geschrumpft. Noch verwunderlicher war der Fakt, dass er nun seinen Arm über den Kopf heben konnte. Diese Leistung ist Buckligen gewöhnlich aufgrund der Verformungen in ihren Schultergelenken unmöglich.
Während sich die Leute zum Gebet aufstellten, sagte Bill: „Ich werde nun zwei Bibelstellen miteinander verbinden. Als Jesus dem Nathanael sagte, wo er war, ehe er zu dem Treffen kam, was hat Nathanael da gesagt? Er sagte: ,Rabbi, du bist der Sohn Gottes, du bist der König Israels.‘ So dachte ein Jude, der gerade das Zeichen der Unterscheidung gesehen hatte. Als die samaritische Frau die Unterscheidung gehört hatte, sagte sie: ‚Ich erkenne, dass du ein Prophet bist. Wir Samariter wissen, dass wenn der Messias kommt, wird Er diese Dinge tun.‘ Jesus sagte: ,Ich bin’s, der mit dir spricht.‘ Und auf dieses Zeichen hin ließ sie ihren Wasserkrug stehen und lief, um den Dorfbewohnern zu sagen: ,Kommt! Seht einen Mann, der mir die Dinge gesagt hat, die ich getan habe. Ist dieser nicht der Messias?‘“ „Wenn das das Zeichen des Messias damals war, dann ist es auch heute das Zeichen des Messias. Legt jetzt all eure konfessionellen „Ismen“ beiseite und schaut einfach auf die Wahrheit in der Schrift. Jesus Christus ist von den Toten auferstanden.“
Nach dieser Einleitung brachte ein Ordner die erste Person aus der Gebetsreihe nach vorne. Als die Vision kam, sagte Bill: „Ich weiß, dass diese Frau gläubig ist, weil ihr Geist mich willkommen heißt. Frau, Sie sind die Frau eines Predigers und Sie leiden an einem Tumor in Ihrer Brust. Sie sind nicht aus dieser Stadt. Ich sehe die Westküste und eine große Stadt, wo es einen großen Park gibt. Vancouver (British Columbia), dort ist es. Stimmt das?“ Sie bejahte es. Bill legte ihr eine Hand auf die Schulter und betete: „Allmächtiger Gott, im Namen des Herrn Jesu Christi segne ich diese Frau und bitte in Christi Namen um ihre Heilung, Amen!“
Als nächster in der Reihe war ein Mann. Er sagte: „Ich bin ein Pastor und die Frau, für die Sie gerade gebetet haben, ist meine Ehefrau. Alles, was Sie ihr gesagt haben, ist wahr und ich kann bestätigen, dass wir beide Ihnen völlig fremd sind.“
„Danke, mein Bruder. Du hast etwas mit deiner Schulter verkehrt. Du hattest einen Motorradunfall und deine Schulter ist nie wieder völlig in die richtige Stellung gekommen. Das ist jetzt vorbei. Du kannst frohlockend deines Weges ziehen und gesund sein. Gott segne dich, Amen!“
Zur nächsten Frau in der Reihe sagte er: „Glaube von ganzem Herzen, dass Jesus Christus der Sohn Gottes ist und ich Sein Prophet bin, beziehungsweise Sein Diener. Nun, wenn die Zuhörerschaft mich noch hören kann – ich sehe, dass die Frau über irgendetwas nervös ist. Ich sehe sie in ein kleines Zimmer gehen … es ist ein Badezimmer, und dort ist sie gestürzt und hat sich vor etwa einem Jahr die Brust geprellt. Sie ist deswegen nicht zum Arzt gegangen. Sie hat Gott vertraut. Das ist die Wahrheit. Stimmt’s, Frau? In Ordnung, geh dann auf deinen Platz und sei gesund im Namen des Herrn Jesus Christus.“
Überall im Gebäude fielen die Zweifel von den Gläubigen ab, wie Eis von vereisten Bäumen fällt, wenn das Sonnenlicht ihre Äste erwärmt. Bill sagte zur nächsten Frau in der Reihe: „Frau, ich kenne Sie nicht. Wir sind einander fremd.“ Plötzlich drehte er den Kopf und starrte in die Zuhörerschaft, das Licht des Engels beobachtend. „Etwas ist in der Zuhörerschaft geschehen, irgendwo hat jemand geglaubt.“ Er studierte die Menge eingehend. Dann streckte er den Arm aus. „Es ist die kleine schwarzhaarige Frau da vorne, die über die Schulter einer anderen Frau schaut. Sie leidet an Kopfschmerzen. Sie betete: ,Herr, lass ihn mich aufrufen.‘ Du hast furchtbare Kopfschmerzen. Wenn das stimmt, hebe deine Hand.“ Ihre Hand ging hoch. „In Ordnung. Es ist jetzt vorbei. Du kannst deine Straße ziehen und frohlocken und in Christi Namen gesund sein.“ Der Engel war mit jenem Bereich noch nicht fertig, die Vision ging weiter … „Die Frau hinter dir hat Arthritis und sie hat lange danach verlangt, geheilt zu sein. Das ist wahr, stimmt das? Es stimmt.“ Bill wankte von der Anstrengung, mit der die Visionen an ihm zehrten. „Seht ihr, ihr könntet euer Leben nicht verbergen, selbst wenn ihr es müsstet. Keiner von euch könnte das. Amen! Oh, ich bin froh, dass Er von den Toten auferstand – Jesus Christus ist derselbe gestern, heute und in Ewigkeit.“
Er wandte sich wieder der Frau zu, die auf der Plattform neben ihm wartete. „Frau, Sie sind nicht Ihretwegen hier. Sie sind hier, weil Sie einen geistig behinderten Sohn haben.“ Sie hielt den Atem an. Dann betete er für ihren Sohn. Als Nächste war eine ältere Frau an der Reihe, die ein ziemlich großes Gewächs auf der Nase hatte. Die Vision offenbarte ihre Geschichte. Bill sagte: „Da ist mehr als nur ein einzelnes Gewächs. Sie fallen ab und tauchen an einer anderen Stelle wieder auf. Sie haben momentan eins auf ihrer Brust. Sie sind nicht aus dieser Stadt. Sie kommen aus dem Westen. Sie sind aus Edmonton (Alberta). Ihr Name ist Pearl L-e-n-n-o-x. Frau Pearl Lennox, wenn Sie von ganzem Herzen glauben, werden Sie gesund werden.“
So ging es weiter: Person nach Person, Vision nach Vision, Abend für Abend – stets vollkommen. An seinem letzten Abend in Saskatoon kam die Frau, die am ersten Abend des Feldzuges blind gewesen war, hoch zum Podium und übergab Bill einen Brief, der ihr Zeugnis enthielt – einen Brief, den sie selbst getippt hatte.
Nach dem Glaubensheilungs-Feldzug in Saskatoon hielt William Branham seinen nächsten Feldzug vom 11. bis 14. Juni 1957 in Indianapolis (Indiana). Zerschlagen und erschöpft kehrte er von dort heim. Neben den 15 bis 20 Visionen, die er allabendlich in den Gebetsgottesdiensten sah, hatte er zudem täglich noch 20 bis 30 Visionen während privater Gespräche, die er in seinem Hotelzimmer gewährte. Die Belastung dieser vielen Visionen hatte seine Kraft weitgehend aufgezehrt. Ihm blieben 14 Tage Ruhe, bevor er seinen nächsten Feldzug am 29. Juni in Chicago eröffnen musste, und so fragte er Banks und Lyle Wood, ob sie mit ihm angeln gehen wollten. Das taten sie. Am Abend vor ihrem Angelausflug gingen Bill und Banks nach draußen in Banks’ Garten, um ein paar Würmer als Köder auszubuddeln. Während sie buddelten, kam die elfjährige Rebekah in den Garten gerannt, jedoch nicht, um die Würmer zu sehen. Ihre Unterlippe bebte, als wäre sie kurz davor, loszuheulen. „Papa, ich habe eine alte, arme Miezekatze gefunden, die Gift verschluckt hat; und jetzt ist sie ganz dick geworden und wird sterben. Darf ich sie behalten, bis sie tot ist?“
Bill mochte Katzen nicht besonders und duldete sie nur selten in der Nähe des Hauses. Doch als Rebekah ihn mit ihren traurigen, flehenden Augen ansah, wurde er weich. „Na ja, wenn sie bald stirbt, können wir sie ein wenig behalten, denke ich. Zeig sie mir mal.“
Rebekah rannte fort und kam bald mit der kranken Katze im Karton zurück. Sich daran erinnernd, was geschehen war, als ihr Vater für das sterbende Opossum gebetet hatte, sagte Rebekah: „Papa, kannst du nicht für das Miezekätzchen beten?“
Beim ersten Anblick der Katze wusste Bill, was passieren würde. Er trug Rebekah auf, das Tier über Nacht in den Schuppen zu bringen. Früh am nächsten Morgen rannte Rebekah nach draußen zum Schuppen, um nachzusehen, wie es ihrer Miezekatze ging. Als sie in den Karton guckte, begann sie vor Vergnügen zu kreischen. Die Katze versorgte ein Dutzend kleiner Kätzchen. Während Bill Banks’ Auto mit Zeltausrüstung belud, kam der zweijährige Joseph wackeligen Schritts vom Schuppen, wobei er eines der neugeborenen Kätzchen am Nacken festhielt. „Joseph, du darfst die Mieze so nicht anfassen“, schalt Bill. Vor Schreck kniff Joseph das Kätzchen noch kräftiger, ehe er es fallen ließ. Bill nahm das kleine Kätzchen zum Schuppen zurück und legte es neben seine Mutter. Das Kätzchen wand sich, als sei es ernstlich verletzt. Bill dachte: „Armes, kleines Ding, es kann nichts dafür, dass es eine Katze ist. Ich hoffe, es geht ihm wohl.“
Banks, Lyle und Bill machten sich nach Dale Hollow auf, demselben Ort in Kentucky, wo sie im vergangenen Monat mit Jim Wood geangelt hatten. Als sie Wolf River Damm erreichten, lieh sich Bill ein Boot von seinen Verwandten. Als sie dann draußen auf dem See waren, bestückten die drei Männer ihre Haken mit Würmern und fingen schon bald einige Dutzend kleine Sonnenbarsche, die sie in Stücke schnitten und als Köder für ihre Forellenleinen benutzten. Dann lehnten sie sich zurück und warteten auf die großen Brocken. Ein hellblauer Dunst bedeckte die grünen Appalachenberge rings um sie herum. Der See roch nach Algen, Fisch und Zweizylinder-Motorenöl. Sonnenlicht wärmte Bills Hemd und eine sanfte Brise kühlte sein Gesicht. Beim Betrachten eines Entenpaares, das zwischen Schilf und Seerosen auf und ab wippte, fühlte Bill seine Mattigkeit hinwegwehen, gleich den Blüten der Pusteblumen, die im Winde schwebten.
Während ihr kleines Boot träge am Ufer entlang glitt, unterhielten sich die drei Männer über die Bibel. Sie besprachen die Begebenheit, als Petrus, Jakobus und Johannes zusahen, wie Jesus mit Mose und Elia redete. Jesus begann wie die Sonne zu leuchten. Als Petrus über dieses Erlebnis schrieb, sagte er: „Wir sind Augenzeugen seiner wunderbaren Herrlichkeit gewesen. Denn von Gott dem Vater hat er Ehre und Verherrlichung empfangen, als von der hocherhabenen Herrlichkeit jener Zuruf an ihn erging: ,Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen gefunden habe.‘ Diesen Ruf haben wir ja vom Himmel her erschallen hören, als wir mit ihm auf dem heiligen Berge waren.“ „Weißt du“, sagte Banks, „das ist in etwa, wie ich mich fühle, weil ich das Vorrecht habe, so viel Zeit mit einem heiligen Mann wie dir, Bruder Bill, zu verbringen.“
„Ach, Bruder Banks, sag doch so etwas nicht“, antwortete Bill. „Ich bin kein heiliger Mann. So etwas wie einen heiligen Mann gibt es überhaupt nicht. Es ist bloß ein heiliger Gott, der in einem Menschen wohnt. Und einen heiligen Berg gibt es auch nicht, nur einen heiligen Gott, der den Berg besucht. Ich denke, das ist, was Petrus meinte.“
Sie unterhielten sich darüber, wie ein heiliger Gott in Seinem Volk wohnen konnte. Banks erwähnte eine ältere Frau, von der er wusste, dass der Geist Gottes in ihr wohnte. Als Banks und Lyle noch Jungen gewesen waren, hatte diese alte Dame sie oft in ihr Zuhause eingeladen, wo sie ihnen frischgebackenes Brot zu essen gegeben und ihnen von der Liebe Jesu erzählt hatte. Sie hatten das Brot genommen, doch Jesus da gelassen. Banks sagte: „Diese Frau muss jetzt über 90 sein. Weißt du was, Lyle, sie lebt hier in der Nähe. Wäre es nicht toll, wenn wir bei ihr Zuhause vorbeischauen und ihr sagen, dass wir jetzt beide gläubig sind?“ Als Banks dies sagte, fühlte Bill den Geist Gottes auf sich herabkommen, gleich einem kühlen Sprühnebel in der Nähe eines Wasserfalls. Mit plötzlich aufleuchtender Inspiration sagte er: „So spricht der Herr: ,Ihr werdet bald die Herrlichkeit Gottes sehen, denn da ist ein kleines Tier, das von den Toten auferweckt werden wird.‘“
Als er wieder zu sich kam, wurde ihm bewusst, dass Banks und Lyle ihn vor Verwunderung anstarrten. Banks sagte: „Bruder Bill, hast du das wirklich so gemeint, wie es klang?“
„Was habe ich gesagt?“, fragte Bill, es ehrlich nicht wissend. Nachdem Banks die Weissagung wiederholt hatte, versicherte ihm Bill: „Es wird genau so passieren, wie es gesagt wurde. Es muss, denn es war nicht ich, der es aussprach, es war der Heilige Geist.“
„Was meinst du, was für ein Tier wird das sein?“, fragte Lyle. „Ich weiß es nicht, aber ich könnte raten. Heute Morgen hat mein kleiner Junge ein Kätzchen zu feste gequetscht. Es war nicht tot, als wir losfuhren, doch vielleicht wird es sterben und wenn wir nach Hause kommen, gibt Gott ihm das Leben zurück.“
Sie angelten den ganzen Tag hindurch ohne Erfolg. Die dicken Fische bissen nicht, bis spät am Abend, aber als sie es dann taten, holte jeder der Männer binnen Minuten eine Forelle ein; zusammen wogen die drei Forellen 20 Pfund. Zu dem Zeitpunkt waren ihnen die Köder ausgegangen, so dass sie für diesen Tag Schluss machten.
Am Morgen, nach einem Frühstück mit gebratenen Forellen, stiegen sie in ihr kleines Boot, starteten den Außenmotor und glitten parallel zum Ufer auf dem Wasserreservoir dahin. Sie angelten Bluegills und Sonnenbarsche, um ihren Vorrat an Ködern aufzufüllen, doch zunächst fingen sie nichts. Dann steuerte Bill den Bug des Bootes in eine kleine Bucht. Als er den Antrieb drosselte, stotterte der Motor und erstarb. Er ließ das Boot nahe ans Ufer herantreiben, steckte einen Wurm auf den Haken, warf die Angelleine aus und fühlte bald, wie ein Fisch am Köder nagte. Mit einem Ruck hatte er einen kleinen Bluegill am Haken.
Während sie in der Bucht angelten, unterhielten sie sich über die Macht Gottes. Sie besprachen die Begebenheit, als Jesus zum Fischer Simon sagte: „Fahre hinaus, wo es tief ist, und werft eure Netze zum Fang aus.“ Simon antwortete: „Meister, wir haben die ganze Nacht gearbeitet und nichts gefangen; aber auf dein Wort hin will ich die Netze auswerfen.“ Sobald Petrus sein Netz in den See gelassen hatte, füllte sich sein Netz mit so vielen Fischen, dass es zu reißen begann. Er rief nach seinen Gefährten in einem anderen Boot, ihm zu helfen. Sie füllten beide Boote mit so vielen Fischen, dass die Schiffe zu sinken drohten. Bill sagte, dass er nicht glaube, dass die Fische im See waren, bevor Jesus gesprochen hatte. Er glaubte, dass Gott die Fische tatsächlich auf der Stelle erschaffen hatte.
Käfer huschten auf dem Wasser herum. Die Bluegills und Sonnenbarsche waren hungrig. Immer wieder schwärmten sie an die Oberfläche und schnappten mit ihren Kiefern nach einem Käfer. Da Bluegills ziemlich klein sind, benutzte Bill eine Fliegenangelleine mit einem kleinen 4er Haken. Lyle hingegen benutzte einen großen 12er, denselben Haken, den er für den Forellenfang verwendete. Lyle spießte einen Wurm auf die Hakenspitze auf und warf dann seine Angel aus. In Wirklichkeit schenkte er der Unterhaltung zwischen Banks und Bill mehr Aufmerksamkeit als dem Angeln. Als er einen Zug an seiner Leine spürte, holte Lyle sie ein und war überrascht, als er einen Bluegill vorfand, der den Haken bis in den Magen hinunter geschluckt hatte. „Schaut euch das an“, sagte er, die Leine mit einem handbreiten Fisch am Ende hochhaltend. „Man kann noch nicht einmal den Haken sehen.“
Lyle nahm den Bluegill in die eine Hand, wickelte die Leine um die andere und zog. Man hörte ein Reißen und der Haken kam mitsamt dem Magen und Kiementeilen des Tieres heraus. Lyle pfiff vor Erstaunen und sagte: „Kleiner Fisch, du hast dein letztes Pulver verschossen.“ Nachdem er seinen Haken freibekommen hatte, schmiss er den Fisch über Bord. Einige Augenblicke noch schlugen Flossen und Schwanz des Bluegills hin und her, in dem Versuch wegzuschwimmen, dann drehte er sich auf die Seite und starb. Er schlingerte schlaff und leblos etwa drei Meter vom Boot entfernt, und trieb, von einer sanften Brise und den plätschernden Wellen angestoßen, langsam gen Ufer. „Lyle, das hätte nicht passieren müssen“, sagte Bill. „Du solltest einen kleineren Haken benutzen. Und sobald du dann den Fisch anbeißen fühlst, reiß an deiner Leine. Das wird den Haken im Kiefer verankern.“
„Ach, ich bin bloß ein Bursche vom Land, der nicht viel geangelt hat“, sagte Lyle und stieß einen weiteren Wurm auf seinen 12er Haken. „Auf diese Weise habe ich es immer gemacht.“
Banks und Bill nahmen ihre Unterhaltung über die Macht Gottes wieder auf. Etwa 30 Minuten später erwähnte Bill eine Schriftstelle, die ihm schon immer rätselhaft war. Eines Morgens, als Jesus hungrig war, hielt Er nach Feigen an einem Feigenbaum Ausschau. Als Er keine fand, verfluchte Er den Baum. Gegen Abend waren alle Blätter des Baumes braun geworden. Als die Jünger sich verwunderten, wie schnell der Baum verdorrt war, sagte Jesus: „Habt Glauben an Gott! Wahrlich, ich sage euch: Wer zu dem Berge dort sagt: ,Hebe dich empor und stürze dich ins Meer!‘ und in seinem Herzen nicht zweifelt, sondern glaubt, dass das, was er ausspricht, in Erfüllung geht, dem wird es auch erfüllt werden.“ Während er sprach, beobachtete Bill den kleinen toten Fisch nur unweit vom Ufer sich auf und ab bewegen. Die Brise hatte ihn gegen ein paar Seerosen gedrückt. Dort trieb er auf der Seite, seine Eingeweide waren aus dem grünen Maul getreten, seine arttypischen blauen Kiemen nun weiß geworden. Plötzlich hörte Bill ein seltsames Geräusch. Als er aufblickte, sah er den Engel des Herrn wie ein Feuer auf der Bergseite brennen. In einem Wirbelwind kam er den Berg herab, rauschte über die Baumwipfel und kam geradewegs auf das Boot zu. Dann war der Engel neben ihm und das Tosen des Wirbelwindes erfüllte seine Sinne. Der Engel befahl: „Steh auf!“
Bill stand auf.
Lyle fragte Banks: „Was macht er?“
„Still“, sagte Banks. „Etwas wird passieren.“
Der Engel sagte: „Sprich zu dem Fisch und er wird wieder leben.“ Indem er auf den toten Bluegill zeigte, der bei den Seerosen trieb, sagte Bill: „Kleiner Fisch, Jesus Christus gibt dir dein Leben zurück.“ Augenblicklich verschwand der Engel. Vor den Augen der drei Männer sog der Bluegill seinen Magen ein, warf seinen Körper aufrecht und schwamm ins Wasser hinab, um sich seinem Schwarm anzuschließen.
Lyle fiel rücklings ins Boot. Er stotterte: „Ähh – Bruder Branham – ähh – meinst du, das – ähh – das war für mich, weil ich – ich zu dem Fisch sagte: ,Du hast dein letztes Pulver verschossen‘?“
„Nein, Bruder Lyle, Gott hat nur Seine große Macht gezeigt, und damit die Schriftstellen bestätigt, über die wir uns gerade unterhalten haben.“ „Aber warum?“, fragte Banks. „Du sagst selbst, du hast hunderte von Menschen auf deiner Gebetsliste, einschließlich eine Menge spastischer Kinder. Warum gebraucht Gott Seine Macht, um einen kleinen Fisch aufzuerwecken?“ „Er ist Gott und Er kann tun, was immer Er will. Das ist schriftgemäß. Denk an all die Aussätzigen, die an demselben Tag in Jerusalem waren, als Jesus seine Macht benutzte, um einen Feigenbaum zu verfluchen. Seht ihr? Es zeigt einfach, dass Gott um alles bedacht ist. Wenn Er genügend Interesse an einem kleinen Fisch zeigt, um sein Leben zurückzurufen, dann wird Er ganz gewiss ewiges Leben in all Seine Kinder hinein sprechen.“
Im August flog William Branham wieder nach Norden, diesmal nach Alberta (Kanada) für einen neuntägigen Glaubensheilungs-Feldzug in Edmonton. Die Menschenmengen waren groß, doch der Empfang, den sie ihm bereiteten, war kühl. Bis zum dritten Abend wusste Bill, dass etwas verkehrt war. Der Glaube dieser Kanadier sollte eigentlich aufsteigen wie die Hitze von einem Präriefeuer. Stattdessen schien ihre Einstellung dem kalten Dauerfrost zu gleichen. Als Bill mit dem Predigen zu Ende war, sagte er: „Zwischen hier und wo die Stufe runterführt, seht ihr da das Licht kreiseln? Es ist gerade erst erschienen. Ich glaube, dass dieses Licht dieselbe Feuersäule ist, die die Kinder Israel im Zweiten Buch Mose geführt hat. Später wurde diese Feuersäule Fleisch und wohnte unter uns in Gestalt des Sohnes Gottes, Jesus Christus. Als Er auf Erden war, sagte Jesus: ,Ich bin von Gott ausgegangen und ich gehe zurück zu Gott.‘ Ich glaube, dass Er, als Er zu Gott zurückkehrte, in die Gestalt dieses Lichtes zurückging. Es ist dasselbe Licht, das Paulus auf seinem Wege nach Damaskus mit Blindheit schlug. Paulus fragte: ,Wer bist du, Herr?‘, und das Licht erwiderte: ,Ich bin Jesus …‘ Ich glaube, dass es dasselbe Licht ist, das zum Apostel Petrus in jener Nacht ins Gefängnis kam, die Gefängnistüren öffnete und ihn hinausführte. Ich glaube wahrhaftig, dass der Allmächtige Gott der Schöpfer des Himmels und der Erde ist und Jesus Christus Sein Sohn, der jetzt hier bei uns gegenwärtig ist.“
„Er beantwortet das Gebet der kleinen Frau, die dort drüben sitzt.“ Bill wies auf eine dunkelhaarige Frau, die weit vorne saß. „Sie haben ein Nervenleiden. Der Mann neben Ihnen hat ein Rückenleiden. Sie sind Mann und Frau. Hebt bitte eure Hände, wenn diese Dinge wahr sind.“ Sie hoben beide ihre Hände. „Habt ihr Gebetskarten? Ihr habt keine? Ihr braucht keine. Ihr seid beide geheilt. Jesus Christus macht euch gesund. Amen!“
„Der Mann, der direkt hinter ihnen sitzt, hat ein Gallenblasenleiden. Ihr Name ist Clarence. Sie sind aus einem Ort genannt Grand Prairie. Das stimmt, oder? Ihr Gallenblasenleiden ist vorüber. Sie können nach Hause gehen und gesund sein. Amen!“
„Ihr mögt sagen: ,Bruder Branham, du hast den Namen des Mannes genannt?‘ Hat nicht Jesus Christus, als Er hier in einem Fleischesleib war, Simon gesagt, dass sein Name Simon sei und seines Vaters Namen Jonas, und dass er danach Petrus heißen würde? Jesus ist heute noch derselbe.“
„Dort hängt das Licht über einer Frau. Sie leidet an hohem Blutdruck. Ihr Name ist Frau Fishbrook. Stellen Sie sich hin! Sie sind aus dieser Stadt. Sie wohnen auf der 125th Straße. Ihre Hausnummer ist 13104. Wenn das stimmt, heben Sie bitte die Hand. In Ordnung, Frau Fishbrook, Sie sind geheilt. Jesus Christus macht Sie gesund.“
„Glaubt ihr, dass Seine Gegenwart hier ist? Ich möchte, dass jeder Mann und jede Frau, die zurückgefallen sind oder die Christus gerade angenommen haben, nach vorne kommen, damit ich einen Segen für euch erbitten kann, während die Salbung hier ist.“
Der Organist spielte eine Hymne. Obgleich tausende von Menschen im Saal waren, kam kein einziger nach vorne. Schließlich sagte Bill: „Was ist los mit euch Kanadiern? Ihr werdet so kirchlich, bis ihr Christus ausschließt. Es ist gut, konservativ zu sein, doch seid nicht so steif, dass ihr den Geist hinwegbetrübt. Ihr werdet nie eine Erweckung haben.“
In jenem Moment sah er eine schwarze Welle über die Zuhörerschaft hinweg rollen. Er gab eine Warnung: „Wenn ich der Prophet Gottes bin, spreche ich in Seinem Namen. Es wäre besser, Ihr wäret mit Gott in Ordnung gekommen, denn die Stunde kommt, wenn ihr danach schreien werdet, dies zu finden, und ihr werdet es nicht finden. Das ist ,So spricht der Herr‘. Wenn die Liebe Gottes nicht in euren Herzen ist, seid ihr ein Sünder und auf dem Weg zur Hölle. Das ist ,So spricht der Herr‘. Derselbe Gott, der die Geister unterscheidet und den Menschen ihren Zustand mitteilt, spricht in diesem Augenblick. Ich spreche im Namen Jesu Christi. Flieht zum Altar und tut schnell Buße, bevor Gott das Blatt in eurem Leben wendet und ihr für immer verdammt seid. ,So spricht der Heilige Geist‘, der jetzt in unserer Mitte ist.“
Nach weiteren Aufrufen und weiterem Überreden kamen ein paar bußfertige Seelen nach vorne zum Gebet. Bill fühlte sich schwer enttäuscht. „Freunde, ich habe dies in Jahren nicht geschehen sehen. Ich habe nie zuvor ein solches Gefühl verspürt wie das, was vor nur ein paar Augenblicken über mich gekommen ist, als ich die schwarze Welle durch das Gebäude habe rauschen sehen. Etwas hat mich getroffen. Gott weiß, dass dies die Wahrheit ist. Etwas ist verkehrt.“
Als er am nächsten Morgen erwachte, fühlte er sich noch immer entmutigt. Was war verkehrt? Warum erkannten diese Gläubigen in Edmonton nicht die Gegenwart Jesu Christi in ihrer Mitte und empfingen all die Segnungen, die mit dieser Offenbarung einhergingen? Bill fragte sich, ob das sein Fehler war. Vielleicht stellte er das Evangelium nicht auf die beste Weise vor, wie man es vorstellen könnte.
Er setzte sich im Bett auf, nahm seine Scofield Bibel vom Nachttisch und überflog die Anmerkungen, die er auf den hinteren, unbedruckten Blättern aufgeschrieben hatte. Er las noch einmal von der Vision, die er 1952 an dem Morgen gesehen hatte, als Gott ihn von den tödlichen Amöben geheilt hatte. Er entsann sich, wie eine körperlose Hand auf Josua Kapitel 1, Verse 1 bis 9 gezeigt und nahe gelegt hatte, dass sich diese Verse ebenso sehr auf Bills Dienst bezogen wie auf den Dienst Josuas.
Er schloss die Bibel, legte sie jedoch nicht hin. Stattdessen hielt er sie senkrecht zwischen seinen beiden Handflächen, während er dasaß und grübelte. Bald spürte er den Engel des Herrn in sein Hotelzimmer kommen. Bills Schwermut wandelte sich in Furcht. Er riss die Hände zum Herzen hin und faltete sie zum Gebet in der Erwartung, dass Gott jeden Augenblick zu ihm sprechen würde. Er hatte die Hände kaum von der Bibel genommen, als sich das Buch teilte. Seine Bibel war von den vielen Jahren beständigen Gebrauchs ziemlich abgenutzt. Sie hätte sich an jeder der gut hundert Schriftstellen öffnen können, die er häufig las. Jetzt öffnete sie sich bei Josua Kapitel 1. Bill las:
Niemand soll vor dir standhalten können, solange du lebst: wie ich mit Mose gewesen bin, so will ich auch mit dir sein; ich will dir meine Hilfe nicht entziehen und dich nicht verlassen. Sei mutig und stark! Denn du sollst diesem Volk das Land als Erbe austeilen, dessen Verleihung ich ihren Vätern zugeschworen habe. Ich habe dir also zur Pflicht gemacht: Sei stark und entschlossen! Habe keine Angst und verzage nicht! Denn mit dir ist der Herr, dein Gott, bei allem, was du unternimmst. Seine Furcht legte sich, seine Schwermut schwand und seine Zuversicht kehrte zurück. Gott hatte ihn durch einen Engel berufen und leitete ihn durch Seinen Geist anhand von Visionen. Selbst wenn jede christliche Konfession ihn verwerfen sollte, würde das doch die Tatsache nicht abändern, dass Gott ihn zu dem verordnet hatte, was er gerade tat. Er hatte einmal gedacht, dass es seine einzige Aufgabe war, der Welt eine Gabe der göttlichen Heilung zu bringen. Dann hatte Gott ihm die drei Teile seines Dienstes gezeigt: Die drei „Züge“ an der Angelleine. Die ersten zwei Züge repräsentierten seinen Heilungsdienst, doch der dritte Zug war anders. Der dritte Zug würde den großen Fisch, den Trophäenfisch, fangen. Der dritte Zug würde jene Menschen rufen, die die Braut Jesu Christi sind, und ihnen ein Erbteil im Land zuteilen, von dem Gott geschworen hatte, dass Er es ihnen geben werde. Irgendwo mussten Menschen sein, die es hören würden, die die Wahrheit erkennen und befolgen würden. Jesus sagte: „Die Wahrheit wird euch frei machen.“ Bill schlug die Scofield Bibel vorne auf und fand die Seite, auf der stand, wie die Kettenangaben zu benutzen sind. Er hob den Stift auf und schrieb an den Rand:
Bereits seit längerer Zeit nun schlägt sich mir dieses erste Kapitel aus Josua auf. An diesem Vormittag, 7. August 1957, war ich krank und nervös; und ich schaute mir eine Vision an, die mir gegeben wurde, welche auf dem Notizblatt hinten in diesem Buch geschrieben steht. Dann öffnete ich das Buch. Wieder ging es bei diesem einen Kapitel auf. Teurer Jesus Christus, hilf mir, mutig zu sein zu Deiner Ehre.
Br. Branham.
Indem er die Seiten zu Josua Kapitel 1 zurückblätterte, kritzelte Bill oben auf die Seite:
Ich verspreche, mit Gottes Hilfe, von diesem Tage an mutig zu sein.
7. August 1957.
Im Oktober organisierte Bill seinen gewohnten herbstlichen Jagdausflug oben im Troublesome River Tal in den Colorado Rockies. Bis sie die Stelle ihres Basislagers erreichten, hatte leider jeder in der Gruppe die asiatische Grippe. Wegen der Fieberschmerzen, war keinem von ihnen nach essen zumute, geschweige denn nach jagen. Sie nahmen noch nicht einmal die Gewehre aus ihren Gewehrkoffern. Sie machten schlicht kehrt und fuhren heim. Bill unternahm im November einen weiteren Versuch, Urlaub zu machen. Dieses Mal plante er einen Angelausflug in Zentral Idaho. Mit Packpferden, die seine Ausrüstung trugen, ritt er weit in die Sawtooth Berge hinein und stellte sein Zelt auf einer Wiese auf, nahe dem Fluss Of No Return. Es war eine prächtige Landschaft, übersät mit hohen, rauen Granit- und Schiefergipfeln, umgeben von Tälern mit dicht wachsenden Tannen, Kiefern und Fichten. Dies war die Art Landschaft, die er am meisten liebte. Hier konnte er entspannen. Hier konnte ihn die Außenwelt nicht erreichen – zumindest dachte er das. Als er das Lager hergerichtet hatte, ging er zum Fluss. Von einem Granitbrocken aus warf er seine Fliegenangelleine aufs Wasser hinaus und zog sie mit kurzen Rucks zu sich, wodurch eine Fliege nachgeahmt wurde, die über die Oberfläche glitt; dadurch sollte die Regenbogenforelle verleitet werden anzubeißen. An jenem Tag fing er eine überaus große Forelle. Am nächsten Tag angelte er am selben Teich. Nach ein paar Stunden hörte er das Brummen eines kleinen Flugzeugmotors. Als er hoch schaute, entdeckte er einen Piper Cup den Fluss entlang das Tal herauffliegen. Als es ihn überflog, winkte Bill. Ein kleiner, an einem Fallschirm befestigter Gegenstand fiel vom Flugzeug herunter. Der Gegenstand glitt auf eine nahe Wiese herab. Als er hinüberging, um nachzusehen, entdeckte Bill, dass es eine Blechbüchse mit einer Nachricht für ihn war. Sein Bruder Howard war gerade gestorben. Am nächsten Morgen lud Bill seine Zeltausrüstung auf die Packpferde und kehrte in die Zivilisation zurück. Nach Howards Beerdigung verließ William Branham Jeffersonville für einen kurzen Feldzug in Lakeport, einer Stadt im nördlichen Kalifornien. Die Geschäftsleute des vollen Evangeliums hatten diese Versammlung in einem großen Gebäude des Messegeländes anberaumt. Einige tausend Leute saßen auf metallenen Klappstühlen. An einem Abend predigte Bill über eine Schriftstelle, die ihn seit jüngerer Zeit auf Schritt und Tritt verfolgte.
Jesus gab ihnen zur Antwort: „Habt Glauben an Gott!
Wahrlich ich sage euch: Wer zu dem Berg dort sagt: ,Hebe dich empor und stürze dich ins Meer!‘ und in seinem Herzen nicht zweifelt, sondern glaubt, dass das, was er ausspricht, in Erfüllung geht, dem wird es auch erfüllt werden.
Darum sage ich euch: Bei allem, was ihr im Gebet erbittet – glaubt nur, dass ihr es empfangen habt, so wird es euch zuteil werden.“ Markus 11: 23 rief nach ihm. Er kam davon nicht los. Etwas lag darinnen verborgen, etwas Machtvolles, das er nicht so recht verstand. An diesem Abend in Lakeport hingegen, betonte er Vers 24, wo Jesus seine Jünger ermutigte, Glauben zu haben, wenn sie beteten.
Kurz vor Schluss seiner Predigt schoss ein Fotograf zu seiner Rechten eine Anzahl von Bildern. Als er seinen Farbfilm entwickelte, sah das erste Bild normal aus. Es zeigte William Branham von der rechten Seite, der hinter der Kanzel stand und beim Predigen eine Geste machte. Ein Weidenkorb, randvoll mit Lilien, schmückte die rechte Seite des Podiums, direkt neben einem Einzelmikrofon, das oben auf einem mannshohen Ständer befestigt war. Hinter ihm ragte der rechteckige Metallkasten einer elektrischen Heizung von der Decke herab. Zwei Männer saßen auf Metallklappstühlen hinten auf der Bühne. Neben diesen Männern hing ein Vorhang, der oben von einem einzigen Punkt aus hinabfiel und sich unten ausbreitete, entweder zur Zierde oder um etwas zu verhüllen, dass nicht ohne weiteres wegbewegt werden konnte. Foto 1: Lakeport (Kalifornien)
Im nächsten Foto sah die Bühne wie ein surreales Gemälde aus, das vor Feuerzungen sprühte und mit bernsteinfarbigen Nebelflecken übersät war. Der Engel des Herrn stand zu Bills Rechten und sah wie eine etwa 1,85 Meter hohe Wolke aus. Er stand zwischen dem Evangelisten und den Menschen, die sich auf der linken Seite des Gebäudes zu einer Gebetsreihe aufgestellt hatten. (Bill ließ die Leute aus der Gebetsreihe sich ihm immer von seiner rechten Seite aus nahen, damit sie in der Gegenwart des Engels anhalten und stehen bleiben mussten.) In diesem Bild war der Engel nicht die einzige erstaunliche Gestalt, die sichtbar war. Direkt hinter Bill befand sich der Umriss Jesu (Gesicht, Bart, Hals). Er hatte seine Arme ausgestreckt und Feuerzungen gingen von seinen Händen aus – sieben unterscheidbare Feuersträhnen, die wie Botschafter voranschritten und auf den Mann herzueilten, der gerade predigte. Bills Körper schien in den Schein des übernatürlichen Feuers aufgenommen zu sein. (Als Bill sich dieses Foto später anschaute, sagte er, es erinnere ihn an Begebenheiten, die die Propheten in Hesekiel 1 und Offenbarung 4: 5 beschrieben hatten.)
Foto 2: Lakeport (Kalifornien)
In solch einer Atmosphäre mussten Wunder zwangsläufig geschehen, was sich für die blinde Frau glücklich traf, die jemand an jenem Abend in Lakeport durch die Gebetsreihe führte. Sie war eine amerikanische Indianerin. Ihre Augen sahen vollständig weiß aus. Nicht, dass ihre Iris und Pupillen mit einem Film bedeckt gewesen wären, die Iris waren schlicht nicht vorhanden. Bill sprach eine Minute lang mit ihr, bis er mit ihrem Geist in Verbindung stand. Dann sagte er durch Vision: „Vor neun Jahren hat ein Blutklumpen im Gehirn Sie eine Zeit lang gelähmt. Sie sind größtenteils wiederhergestellt, aber jener Schlag hat Ihre Augen in den Schädel hinaufgezogen und seither sind Sie blind gewesen und haben unaufhörlich gelitten, Tag und Nacht, ohne den geringsten Frieden.“
Bill spürte ein besonderes Maß an Mitleid für diese Frau, weil sie ihn an seine Mutter erinnerte, die eine halbe Cherokee-Indianerin war. Als er in Jesu Namen für sie betete, neigte sich Derjenige, der die Vision gegeben hatte, zu der Frau herab und rührte sie an. Ihre Augen rollten in die richtige Stellung zurück und sie konnte die Welt wieder so sehen, wie sie war – abgesehen vom Schleier ihrer Freudentränen.
Die Hilfe der Person abweisend, die sie dort hingeführt hatte, ging sie selbstständig vom Podium fort.
Das Wunder erweckte den Glauben eines älteren lutherischen Herrn, der hinter Bill auf der Plattform saß. Die Frau dieses Mannes litt an einem blutenden Gewächs, das in den letzten vier Jahren beständig schlimmer geworden war. Mittlerweile konnte seine Frau keine feste Speise mehr essen und war so blutarm geworden, dass ihr Arzt ihr in einer Woche eine Bluttransfusion geben und sie operieren wollte. Der ältere Lutheraner betete im Stillen: „Herr, wenn Du Bruder Branham die Schwierigkeit meiner Frau ausrufen lässt und sie heute Abend heilst, nehme ich die 500 Dollar, die ich für ihre Operation beiseite gelegt habe und gebe sie für die lutherische Kirche, die sie gerade in Ukiah bauen.“
Augenblicklich fuhr Bill herum, zeigte auf den Lutheraner und sagte: „Sie da, Sie haben gerade gebetet, dass wenn Gott ihre Frau heilt, Sie die 500 Dollar für ihre Operation dem Bau einer lutherischen Kirche spenden würden.“ Der ältere Mann war der Ohnmacht nahe, schaffte es aber noch, zu sagen: „Freunde, das ist die Wahrheit.“
„Gott will Ihr Geld nicht“, sagte Bill, „Er will Ihren Glauben. Ihre Frau ist geheilt. Das ist ,So spricht der Herr‘.“
Am nächsten Morgen nahmen dieser Mann und seine 80 Jahre alte Frau an einem Frühstück der Christlichen Geschäftsleute teil. Bill sah zu, wie sie mit Genuss Schinken und Eier verspeiste, als sei sie nur halb so alt.
William Branham war kaum aus Kalifornien wieder heimgekommen, als Frau Bosworth aus Florida anrief, um mitzuteilen, dass ihr Mann im Sterben lag. Bill sagte ihr, er werde sofort runterfahren. Während Meda ihre Koffer umpackte, machte Bill das Auto startklar und schon bald eilten sie südöstlich nach Florida. Als sie das Zimmer im Krankenhaus betraten, hob Fred Bosworth seinen kahlen Kopf vom Kissen und streckte seine knöchrigen Arme aus. Bill umarmte seinen alten Freund und rief aus: „Mein Vater, mein Vater, Wagen Israels und seine Reiter!“, und zitierte damit Elisas letzte Worte an Elia. Fred Bosworth sagte schwach: „Mein Sohn, gedenke deines Auftrags allewege. Du predigst das echte Evangelium.“
Bill ließ sich in einen Stuhl fallen und hielt die Hand seines Freundes. „Ich bin 48 Jahre alt und so müde. Vielleicht ist mein Dienst fast vorbei.“ „Unsinn! Du bist jung. Dein Dienst ist noch nicht einmal im Ansatz das, was er in Zukunft sein wird. Bleib im Werk. Lass diese Pfingstprediger mit ihrem Fanatismus das Wasser nicht trüben. Geh weiter mit der Heilsbotschaft, die du hast. Ich glaube, dass du ein Apostel und Prophet des Herrn unseres Gottes bist.“
„Bruder Bosworth, du hast das Evangelium bereits gepredigt, ehe ich geboren war. Von all den Jahren, was war der größte Moment deines Lebens?“ Fred Bosworth zögerte nicht. „Der größte Moment meines Lebens ist gerade jetzt. Bald wird Der, über den ich all die Jahre gepredigt habe, Der, den ich liebe – Er wird durch diese Türe kommen und ich werde zusammen mit Ihm hinausgehen.“
Bill hatte das Gefühl, als blicke er auf einen Mann vom Format eines Abrahams, Isaaks oder Jakobs. „Bruder Bosworth, wir glauben beide dieselbe Sache. Mit Gottes Gnade werde ich das Evangelium predigen, bis der letzte Atemzug meinen Leib verlässt. Ich werde beim Wort keine Kompromisse machen. Ich werde Jesus Christus so treu bleiben, wie ich es nur kann. Eines Tages werde ich dir in einem besseren Land begegnen, wo wir beide auf ewig jung sein werden.“ Bosworth lächelte schwach: „Du wirst dort sein, Bruder Branham. Mach dir keine Sorgen.“
Einen Monat später fiel Fred Bosworth für zwei Tage in ein Koma. Dann öffnete er plötzlich seine Augen und setzte sich im Bett auf. Er streckte seinen rechten Arm aus und schüttelte ihn in der Luft als schüttele er jemandes Hand. „Bruder Jim, ich hab dich seit deinem Tod nicht mehr gesehen. Du warst einer meiner Bekehrten für den Herrn bei meinen Versammlungen in Joliet (Illinois). Schwester Julie, dich habe ich in meinen Winnipeg-Versammlungen zum Herrn geführt.“ Zwei Stunden grüßte er Menschen (im Zimmer?), die durch seinen Dienst zum Herrn gekommen, aber vor ihm gestorben waren. Schließlich legte er seinen Kopf wieder aufs Kissen und schlief in Jesu Armen ein. Fred Bosworth war 84 Jahre alt … auf seinem Weg in die Ewigkeit.