Blaue Bücher

Übernatürlich

Übernatürlich – Buch 5

Sein Lehrdienst beginnt

1955

Von dem Augenblick an, als ihm im Jahre 1946 ein Engel begegnete, änderte sich William Branhams Leben für immer. Vorbei war es mit seinem abgeschiedenen Kleinstadtdienst. Plötzlich winkte ihn die Welt herbei und flehte schließlich um seine Anwesenheit. Zunächst führten ihn seine Glaubensheilungs-Feldzüge in die südöstlichen Staaten der USA, doch bald bereiste er ganz Nordamerika und schließlich auch Europa, Afrika und Indien, wo er das Evangelium zu Millionen von Menschen predigte. Nach sieben Jahren internationaler Evangelisationsarbeit schätzte er, dass aufgrund seines Predigens 500.000 Menschen Jesus Christus als ihren Retter angenommen hatten. Und es war unmöglich abzuschätzen, wie viele Millionen aufgrund seiner Gebete Heilung empfangen hatten.

Obwohl er Außergewöhnliches erreicht hatte, fühlte er Ende 1954 eine befremdliche Unzufriedenheit. Er hatte gehofft, dass seine übernatürliche Gabe der Unterscheidung kirchliche Mauern einreißen und Christen zu einer tieferen Hingabe für Christus versammeln würde. Nur leicht gestört, floss der breite Strom christlicher Mittelmäßigkeit unvermindert bergab.

Nach reichlicher Überlegung und viel Gebet erkannte William Branham schlussendlich, dass sein Vorgehen übervorsichtig gewesen war. Da seine Glaubensheilungs-Feldzüge überkonfessionelle Menschenmengen anzogen, hatte er stets einfache Predigten gehalten, in der Hoffnung, Kritik zu minimieren und Akzeptanz zu maximieren. Meist hielt er sich an drei Themen: Errettung, Glaube und Heilung in Jesu Namen. Obgleich diese Themen auf der Rangliste der unabdingbaren christlichen Lehren ganz oben standen, repräsentierten sie dennoch lediglich den Anfang des überreichen Lebens in Christus Jesus. Gott hatte für Seine Kinder vorgesehen, weit mehr zu wissen und zu sein. Der Apostel Paulus schalt Christen, die Babys blieben, nur Milch tranken und die feste Speise des Wortes Gottes ablehnten. Paulus schrieb: „Darum wollen wir die Lehre vom Anfang christlichen Lebens jetzt lassen und zur Vollkommenheit schreiten.“ Bill hatte das Gefühl, dass sein Dienst der christlichen Gemeinde helfen konnte, zur Vollkommenheit zu schreiten. Er wusste, um dies zu erreichen, würde er die feste Speise des Wortes Gottes auf seinen Feldzügen predigen müssen, selbst wenn das bedeutete, bei einigen Leuten Anstoß zu erregen. In dem Wissen, dass Gott ihn rief, mehr Lehre zu predigen, warf er sich mit neuem Eifer in seine 1955er Feldzüge. Im Januar predigte er an elf Tagen dreizehn Mal in der Philadelphia Gemeinde in Chicago (Illinois). Pastor Matteson-Boze gab ihm Freiheit, über jedes Thema zu sprechen, das er nur wollte. Bill nutzte diese Freiheit, um etliche lehrmäßige Predigten zu bringen, unter ihnen: „Die sieben zusammengesetzten Namen Jahwes“, „Anfang und Ende der Heilszeit für die Heiden“ und „Das grundlegende Fundament für den Glauben“. Am Dienstagabend erzählte er die geistliche Seite seiner Lebensgeschichte. Er erklärte, wie er als junger Mann verwirrt war, als christliche Prediger ihm sagten, seine Visionen kämen vom Teufel. Bill beschrieb den Nachmittag im Jahre 1946, als er in eine Höhle in den Wäldern geflohen war und Gott gesucht hatte, um Antworten zu erhalten. Irgendwann in der Dunkelheit nach Mitternacht erschien ein Licht in seiner Höhle. Aus der Mitte dieses Lichtes schritt ein Mann hervor. Er war über 1,85 Meter groß und wog mindestens 90 Kilogramm. Sein weißes Gewand setzte sich scharf von seinem dunklen Haar ab, das sein bartloses Gesicht umgab.

Dieser Zuhörerschaft, die bequem in einer warmen Gemeinde Chicagos saß, versuchte Bill den Schrecken zu vermitteln, den er in jenem Augenblick gefühlt hatte. „Ehrlich, Freunde, ich dachte, mein Herz setzt aus. Stellt euch das vor! Versetzt euch selbst dorthin. Ihr würdet dabei genauso fühlen. Nach hunderten und hunderten von Erscheinungen, lähmt es mich noch immer, wenn er sich naht. Manchmal werde ich fast bewusstlos. Und falls ich zu lange beim Gebet für die Kranken verbleibe, würde ich tatsächlich bewusstlos werden.“ „Ich saß also dort und blickte ihn an. Er hatte eine tiefe Stimme und er sagte: ,Fürchte dich nicht. Ich bin aus der Gegenwart des Allmächtigen Gottes gesandt.‘ Als er sprach, erkannte ich die Stimme als diejenige wieder, die seit meinem dritten Lebensjahr zu mir gesprochen hatte. Ich wusste, dass er es war. Er sagte: ,Fürchte dich nicht. Ich bin aus der Gegenwart des Allmächtigen Gottes gesandt, um dir zu sagen, dass deine sonderbare Geburt – (und ihr wisst, was bei meiner Geburt dort oben in der Hütte in Kentucky 1909 geschehen ist. Dasselbe Licht hing über mir, als ich geboren wurde.) – und dein missverstandenes Leben dazu dienten, anzuzeigen, dass du in die ganze Welt gehen und für kranke Menschen beten sollst. Ganz gleich, was sie haben: Wenn du erreichst, dass die Menschen dir glauben und du aufrichtig bist, wenn du betest, wird nichts deinen Gebeten widerstehen, nicht einmal Krebs.‘“

„Ich sagte: ,Ich bin ein armer Mann und ich lebe unter meinen Leuten, die auch arm sind. Ich bin ungebildet. Sie würden nicht auf mich hören.‘“ „Er sagte: ,Wie dem Propheten Mose zwei Zeichen gegeben wurden, um seinen Dienst zu bestätigen, so werden auch dir zwei Gaben gegeben werden, um deinen Dienst zu bestätigen. Eine der Gaben wird ein Zeichen in deiner Hand sein: Wenn du für eine kranke Person betest, halte die rechte Hand der Person mit deiner linken Hand. Dann bleibe einfach ruhig stehen. Von Dämonen verursachte Krankheiten werden eine körperliche Auswirkung auf deinen Leib haben, was es dir ermöglichen wird, sie zu identifizieren. Dann bete. Wenn die Schwellung deine linke Hand verlässt, ist die Krankheit von der Person verschwunden. Erkläre sie für geheilt. Wenn sie nicht verschwindet, bete einfach um eine Segnung und gehe fort‘.“

„Ich sagte: ,Ich fürchte, sie werden mich nicht aufnehmen.‘“ „Er sagte: ,Falls sie nicht auf das erste Zeichen hören werden, wird es geschehen, dass du die Geheimnisse ihrer Herzen wissen wirst. Hierauf werden sie hören.‘“

„Ich sagte: ,Deswegen bin ich ja heute Abend hier. Geistliche haben mir gesagt, dass diese Visionen, die zu mir kommen, verkehrt seien.‘“ „Er sagte: ,Du wurdest für diesen Zweck in die Welt hineingeboren.‘“ Als Bill sein Zeugnis beendet hatte, ließ sich eine unsichtbare Gegenwart neben ihm nieder und überflutete seine Gefühle mit einer heiligen Ehrfurcht so greifbar, dass seine Haut kribbelte. Er wusste, dass der Engel des Herrn neben ihm stand. Dann fühlte er, wie ihn der Engel verließ und über der Zuhörerschaft dahinglitt. Er sah sie nun deutlich, die bernsteinfarbene Feuerkugel, die wie das Blitzlicht einer Kamera leuchtete, das nicht verblassen wollte. Bill beobachtete ihre Bewegung genau, weil er wusste, dass seine Visionen irgendwie mit diesem Licht in Zusammenhang standen. Der Engel hielt über einer farbigen Frau. Bill fühlte ihren Glauben an seiner Gabe ziehen.

„Hier sitzt eine farbige Frau mit erhobenen Händen. Stehen Sie bitte auf, damit die Leute sehen, wer gemeint ist. Ich bin nur ein Mann, aber Jesus Christus ist der Sohn Gottes und Er sandte Seinen Geist, um diese Dinge zu bestätigen. Wenn Gott mir sagen wird, was mit Ihnen verkehrt ist – und Sie wissen, dass es für mich keine Möglichkeit gibt, mit Ihnen in Kontakt zu treten – werden Sie dann von ganzem Herzen glauben?“

Die Frau antwortete: „Ja.“

„Gott segne Sie. Ihr hoher Blutdruck hat Sie verlassen. Das ist, was Sie hatten. Stimmt das? Dann setzen Sie sich. Sie fühlen sich anders, nicht wahr? Ja, das stimmt.“

„Die kleine Frau neben Ihnen, sie leidet an Arthritis und einem Frauenleiden. Stimmt das, Frau? Stehen Sie bitte einen Moment auf, die kleine Frau mit dem roten Kleid. Sie waren dem Engel so nahe, dass die Vision jetzt zu Ihnen gekommen ist. Sie haben Arthritis, Frauenleiden und noch etwas … Sie machen sich Sorgen um ihren Ehemann. Er ist ein Trinker. Er will nicht zur Gemeinde gehen. Wenn das stimmt, heben Sie bitte Ihre Hand.“

Sie bestätigte es mit ihrem erhobenen Arm.

„Gott segne Sie. Gehen Sie nun nach Hause und empfangen Sie ihre Segnung. Sie sind geheilt. Ich sah, wie es licht um Sie wurde.“

Der Engel schwebte zum hinteren Teil des Gemeindesaales. Bill sprach weiter zur Menge, während er danach Ausschau hielt, wo das Licht anhalten würde. „Habt Glauben an Gott! Was haltet ihr alle dort hinten davon. Glaubt ihr? Seid andächtig.“

„Da ist eine Frau mit einem Schal, die dort hinten in der Ecke sitzt. Ich sehe das Licht über ihr hängen. Sie hat ein Herzleiden. Ihr Mann sitzt neben ihr. Er hat einen nervösen Magen. Stimmt das nicht? Heben Sie bitte Ihre Hände, wenn das wahr ist.“

In der hinteren Reihe des Gebäudes hob ein Mann seine Hand. „Sie mit ihrer erhobenen Hand, ich sehe in der Vision, Sie haben die Gewohnheit zu rauchen. Hören sie damit auf! Sie rauchen Zigarren. Das sollten Sie nicht, es macht Sie krank. Stimmt das? Wenn ja, dann winken Sie so mit Ihrer Hand. Das ist, was Ihnen so zusetzt. Es wirkt sich schlecht auf Ihre Nerven aus. Werfen Sie dieses widerliche Zeugs weg und tun Sie es nicht länger und Sie werden gesund sein – und auch das Herzleiden Ihrer Frau wird verschwinden. Glauben Sie das? Stimmt das nicht? Ich kann Sie von hier aus nicht sehen und Sie wissen das, aber Sie haben Zigarren in Ihrer Vordertasche. Das stimmt. Holen Sie die Dinger raus und legen Sie Ihrer Frau die Hand auf. Sagen Sie Gott, dass Sie mit diesem Zeugs fertig sind, und Sie werden beide gesund nach Hause gehen. Gepriesen sei der Name des Herrn Jesus.“

Ein Raunen ging durch die erregte Zuhörerschaft. Bill konnte buchstäblich fühlen, wie sich ihr Glaube hob und aus allen Richtungen an seiner Gabe zog. Er hielt seine Augen fest auf die Feuersäule gerichtet, während sie sich über den Köpfen der Menschen hinwegbewegte. „Habt Glauben an Gott“, sagte er. „Ich kann dies nicht aus mir selbst heraus tun. Es ist nur Seine souveräne Gnade. Glaubt ihr? Ich kann diese Dinge nur sagen, wie Er sie mir zeigt. Erkennt ihr, dass es nicht euer Bruder ist, der dies tut? Es ist euer Glaube, der eine göttliche Gabe betätigt. Ihr steht in Seiner Gegenwart. Einen Augenblick bitte …“ Er beobachtete das Licht, wie es zu ihm zurückglitt. Es hielt über einem alten Mann. „In der Ecke da sehe ich einen farbigen Mann sitzen, schon etwas älter, mit einer Brille. Stehen Sie bitte einen Moment auf. Glauben Sie, dass ich Gottes Diener bin? Sie denken an jemand anderes, nicht wahr? Wenn das stimmt, winken Sie bitte mit der Hand.“

Während der Mann winkte, sagte Bill zur Zuhörerschaft: „Ich sehe das Licht über ihm hängen. Es ist noch nicht in eine Vision übergegangen. Wenn der Allmächtige Gott diesem Mann sagen wird, was seine Schwierigkeit ist – wird der Rest von euch seine Heilung annehmen? Da steht ein Mann fünf Meter von mir entfernt. Ich habe ihn nie zuvor in meinem Leben gesehen. Wenn der Allmächtige Gott offenbaren wird, was bei diesem Mann verkehrt ist, sollte jeder einzelne von euch als gesunde Person von hier weggehen. Was könnte Gott denn noch mehr tun?“

„Mein Herr, bei Ihnen ist nicht viel verkehrt. Sie sind schwach und haben ein kleines Problem mit ihrer Prostata, aber das ist nicht, was Ihnen Sorge bereitet. Ihr Problem ist Ihr Sohn, der sich in einer staatlichen Psychiatrie befindet, weil er eine gespaltene Persönlichkeit hat. Das stimmt, oder? Winken Sie mit Ihrer Hand, wenn das wahr ist. Seht ihr, das ist genau die Wahrheit.“ „Wie viele glauben jetzt, dass Jesus Christus, der Sohn Gottes, hier ist? Lasst uns aufstehen und Lobpreis darbringen und unsere Heilung empfangen.“ Durch das Mikrofon verstärkt, erhob sich Bills Gebet über dem Geräusch der Menge: „Allmächtiger Gott, Urheber des Lebens, Geber jeder guten Gabe, Du bist hier, derselbe Herr Jesus Christus, derselbe gestern, heute und in Ewigkeit. Satan, du hast diese Leute lang genug getäuscht. Ich gebiete dir beim lebendigen Gott – dessen Gegenwart in Gestalt der Feuersäule hier ist – ich gebiete dir im Namen Jesu Christi, diese Menschen zu verlassen und aus ihnen herauszukommen.“

„Hebt jetzt alle eure Hände, preist Gott und empfangt eure Heilung.“ Viele taten es, aber nicht alle.

Nach seinem Januar-Feldzug in Chicago reiste William Branham südwestwärts nach Phoenix (Arizona). Billy Paul Branham, Jack Moore und Young Brown begleiteten ihn. Bill hatte zwölf Abende im Shriner Temple in Phoenix (Arizona) angesetzt, die am Sonntag, dem 20. Februar 1955, beginnen sollten. Am Samstag vor diesen Versammlungen fuhr Bill in die Wüste außerhalb von Phoenix und suchte einen Platz, um zu beten. Etwas machte ihm noch immer zu schaffen. Er wurde oft kritisiert, weil er auf seinen Feldzügen nicht für genügend Menschen persönlich betete. Über die Jahre hatte er hunderte von Briefen erhalten, die klagten: „Während du für fünf Leute betest, hat Oral Roberts bereits für fünfzig gebetet.“ Das stimmte. Oral Roberts legte den Menschen die Hände auf und betete für sie, während sie an ihm vorübergingen. Bill hingegen stellte die Menschen zu einer Reihe auf und rief sie dann einzeln nach vorne, damit er das Bedürfnis jeder Person durch Vision unterscheiden konnte. Diese Methode brauchte nicht nur länger, die Visionen selbst strapazierten seinen Körper zudem schwer und beschränkten die Anzahl an Menschen, die er jeden Abend persönlich berühren konnte. Eine einzige Vision erschöpfte ihn mehr, als wenn er eine Stunde lang mit Hacke und Schaufel einen Graben aushob. Nach fünfzehn Visionen in Folge fühlte er sich so erschöpft, dass er kaum mehr stehen konnte. Wenn er über diesen Punkt hinaus versuchte, weiterzumachen, riskierte er, vor Erschöpfung zusammenzubrechen. Sein Sohn Billy Paul und sein gegenwärtiger Manager, Jack Moore, beobachteten ihn genau, um sicherzugehen, dass er sich nicht übernahm.

Obgleich Bill dieses Phänomen seiner Zuhörerschaft immer wieder erklärte, verstanden viele Leute es immer noch nicht. Selbst seine Mitarbeiter hatten Schwierigkeiten, es zu verstehen. Gordon Lindsay fragte einmal: „Warum kannst du nicht einfach ein oder zwei Leute unterscheiden, dann zurücktreten und für den Rest der Gebetsreihe so beten, wie wir es tun?“ Aus irgendeinem Grund funktionierte seine Gabe der Unterscheidung nicht auf diese Weise. Wenn der Engel während einer Gebetsreihe neben ihm stand, setzten die Visionen einfach ein. Er konnte sie nicht kontrollieren. Oftmals fühlte es sich an, als zögen die Menschen die Unterscheidung durch ihren Glauben praktisch aus ihm heraus.

An diesem bestimmten Samstag in der Wüste außerhalb von Phoenix, kniete Bill im Schatten eines Felsblocks nieder und bat Gott, ihm zu helfen, für mehr Menschen in jeder Versammlung persönlich zu beten. Die Sonne stieg höher, der rote Sand glühte und die Berge in der Ferne verschwammen vor Hitzewellen. Alles, was sich bewegen konnte, suchte Zuflucht im Schatten, wo immer er vorhanden war. Die Pflanzen mussten es durchstehen. Hier war die Wüste mit majestätischen Saguaros, buschigen Chollas, peitschenartigen Ocotillos und vielen weiteren Kakteenarten übersät.

Nach einer Weile spürte Bill den Engel des Herrn sich nahen. Plötzlich verschwand die Wüste. Bill fand sich in einem Auditorium wieder, wo er auf einer Plattform einer Menschenreihe gegenüber stand, die auf Gebet wartete. Hinter sich bemerkte er einen kleinen, kahlköpfigen Mann und einen großen, dünnen Mann, die er beide nicht kannte. Eine kleine Frau, die eine braune Kostümjacke mit passendem Rock trug, ging auf ihn zu. In ihren Armen trug sie, eingewickelt in eine Decke, ein Baby. Sie blieb ein paar Schritte vor ihm stehen, nahe genug, dass Bill ihren hellen Teint, ihre dunklen Augen und ihr schwarzes Haar sehen konnte. Auf ihre Arme herunterblickend, sah er einen winzigen, bleichen Säugling. Es schien, als sei er dem Tode nahe. Nachdem Bill gebetet hatte, heilte Gott das Baby. Dann trat der Engel ins Blickfeld und sagte: „Wenn du dies geschehen siehst, wird sich dein Dienst ändern.“ Jeden Abend in Phoenix erwartete er, dass sich diese Vision erfüllte. Es geschah zwar nicht während dieses Feldzugs, aber dafür etwas anderes Erstaunliches. Am Mittwochabend, dem 23. Februar 1955, war Bill zur Hälfte mit seiner Predigt durch, als er plötzlich eine Vision sah. (Während er predigte, sah er selten Visionen. Gewöhnlich kamen sie unter der Salbung während des Gebetsgottesdienstes.) Er fuhr fort zu predigen, während er beobachtete, wie sich die Vision entfaltete, und fügte sie direkt in seine Predigt ein. Vor ihm blühte der Garten Eden in seiner ganzen Schönheit. Er sah Adam seinen Arm um Eva legen und mit ihr an seiner Seite den Garten verlassen. Die Vision machte deutlich, dass Adam nicht gezwungen war zu gehen, da er nicht wie Eva verführt worden war. Er verließ den Garten bereitwillig, weil er Eva liebte und im Exil bei ihr sein wollte. Beide, Adam und Eva, waren mit Schafsfellen bekleidet, ein Schattenbild auf den Tag, an dem ein Erlöser die Sünden eines jeden Christen bedecken würde. Diese Felle kamen von frisch geschlachteten Schafen, und ließen an Adams Beinen Blutrinnsale herunter laufen. Bill konnte das Schafsfell sogar gegen Adams Schenkel schlagen hören, während er ging.

Dann änderte sich der Schauplatz. Jetzt konnte Bill den zweiten Adam (Jesus Christus, das Lamm Gottes) sehen, der mit gekrümmten Schultern Golgathas Hügel hinaufwankte und Sein Kreuz trug. Sein Gewand war auf dem Rücken mit Blut getränkt und Blut rann Seine Beine hinab. Die Vision machte klar, dass Jesus bereitwillig in Seinen eigenen Tod ging, weil Er Seine Gemeinde, Seine Braut, liebte.

Bill predigte: „Adam war unschuldig. Eva war schuldig. Aber Adam hat Eva so geliebt, dass er trotzdem mit ihr hinausgegangen ist. Das ist ein Typ auf Christus und die Gemeinde. Christus blickte auf Seine Gemeinde und wusste, dass wir verkehrt waren, und doch ist Er mit uns gegangen, um unseren Platz dort als ein Sünder einzunehmen, um für uns zu sterben, um für uns dem Tod den Stachel zu nehmen. Sünder, wie kannst du solch eine unvergleichliche Liebe ablehnen?“

Nachdem die Versammlung zu Ende war, blieben Bill und seine Mitarbeiter bis ein Uhr nachts auf und unterhielten sich über die Vision. Am Donnerstagabend erwähnte er sie vor seinen Zuhörern. Er hatte das Gefühl, dass diese Vision seinen Entschluss bestätigte, mehr Lehre zu predigen.

Während der Freitagabend-Versammlung sagte er: „Wie viele Leute hier im Gebäude haben heute Abend eine Gebetskarte? Lasst mich eure Hände sehen. Na, das ist eine gute, schöne Anzahl. Ich habe vor, für jeden zu beten, der eine Gebets karte hat. Ich kann sie nicht alle durch die Reihe kommen lassen. Wie ihr seht, ist meine Kraft nach ein paar Visionen rasch erschöpft, deshalb kann ich sie so nicht alle erreichen. Meine Versammlungen sind aber nicht darauf gegründet, dass ich mit jeder Person persönlich in Kontakt trete. Sie sind auf der Verherrlichung des Herrn Jesus Christus und Seiner Auferstehung gegründet, durch das Predigen und unter Beweis stellen des Wortes Gottes. Durch das Hören des gepredigten Wortes sollten Menschen glauben, dass der Herr Jesus in Seiner Auferstehungskraft in unserer Mitte weilt und dieselben Dinge tut, die Er tat, als Er hier auf Erden war, als Bestätigung Seiner unvergänglichen Allmacht. Er ist hier unter uns und wird es auch in Ewigkeit sein. Liebe Gläubige, wir werden niemals ohne den Herrn sein. Wir sind mit Ihm in Ewigkeit verbunden. Ist das nicht wunderbar? Jesus sagte: ,Ich werde allezeit bei euch sein ...‘ Meine Versammlungen haben als Prinzip zur Grundlage, dass der Gläubige einfach schauen und leben soll.“ Obwohl dieser Feldzug bis Mittwoch, den 2. März 1955, lief, war für Samstagabend, den 26. Februar, in Phoenix keine Versammlung angesetzt. An jenem Samstag fuhr Bill 150 Kilometer nach Osten, um dort einen Gebetsgottesdienst für die Apachen im San Carlos Indianerreservat zu halten. Das letzte Mal hatte er 1947 in San Carlos gepredigt, zwei Jahre bevor sein zweites Zeichen erschien. Damals hatte er Krankheiten nur durch das Zeichen in seiner Hand unterscheiden können. Als die Versammlung 1947 begonnen hatte, waren die Indianer nicht geneigt gewesen, zum Gebet nach vorne zu kommen in der Annahme, er sei wahrscheinlich ein Schwindler. In einer so eng zusammengewachsenen Gemeinschaft, wie den Apachen, wo jeder jeden kannte, war der Argwohn wie verflogen, nachdem sie zugesehen hatten, wie ein Außenstehender die ersten Kranken zutreffend diagnostiziert hatte. Eifrig formten sie eine Reihe, die Bill bis in die halbe Nacht beim Gebet festhielt. Wunder flossen so ungehindert, wie das Wasser die White Mountains im Frühjahr hinabrauscht. Jetzt, im Jahre 1955, waren die Apachen begeistert, dass sie einen weiteren Glaubensheilungs-Gottesdienst auf ihrem Reservat haben würden. Bill war kaum eingetroffen, als eine alte Frau aus einer Hütte aus Teerpappe herauskam, sich im Garten niederkniete, ihren Kopf neigte und ununterbrochen durch den gesamten Gottesdienst hindurch betete.

Young Brown und Jack Moore begleiteten Bill auf diesem Abstecher, Billy Paul hingegen war in Phoenix zurückgeblieben. Da Billy Paul gewöhnlich die Gebetskarten vor den Versammlungen verteilte, hatte Bill nicht eher an diese Einzelheit gedacht, bis er bereits in San Carlos war. Dann wurde ihm bewusst, dass er keine Gebetskarten hatte, um in der Gebetsreihe Ordnung zu wahren. Glücklicherweise hielten die Apachen auch ohne dieses Hilfsmittel Ordnung. Bill hatte vor, für so viele Menschen zu beten, wie er konnte. Wenn dann seine Kräfte aufgezehrt waren, würden seine Mitarbeiter weiterbeten, bis sie jeden in der Reihe berührt hatten.

Zu Beginn der Gebetsreihe ging eine Mutter mit einem Baby in ihren Armen nach vorne. Die Mutter trug ein traditionelles Apachen-Kleid mit dem knöchellangen Wollrock, in welchem pastellfarbene Muster eingewoben waren. Bill sprach kurz mit ihr, um ihren Geist zu unterscheiden. Ihre Sorge galt ihrem Baby. Seine erste Vision an jenem Abend zeigte, wie grüner Star die Erblindung des Kindes herbeigeführt hatte. Ein einfaches Gebet zu einem Allmächtigen Gott kehrte den Lauf der Natur um. Als Bill einen Finger vor dem Gesicht des Babys bewegte, richteten sich die kleinen Äuglein darauf und folgten der Bewegung. Jenes erste Wunder löste eine Kettenreaktion des Glaubens aus, die sich rasch unter dem ganzen Stamm ausbreitete. Bald hörten die Tauben, Verkrüppelte gingen und zahlreiche Krankheiten beugten sich der Kraft Jesu Christi. Als Bill am Ende seiner Kräfte war, brachte ein Missionar namens Mitchell ein kleines Apachen-Mädchen nach vorne. Bill kniete nieder und stellte ihr eine Frage, aber sie antwortete nicht.

Reverend Mitchell sagte: „Bruder Branham, sie spricht kein Englisch. Sie ist blind.“

Bill winkte mit der Hand vor ihrem Gesicht. Sie zuckte kein bisschen. Er betete für sie und winkte darauf erneut mit der Hand vor ihrem Gesicht. Ihre jungen Augen starrten auf eine dunkle Zukunft, ohne jegliche Reaktion. Als er so auf diese hübsche, kleine Indianerprinzessin schaute, überfiel ihn eine große Traurigkeit. Plötzlich sah er eine merkwürdige Vision. Er sah, wie er die Hand des Mädchens nahm, mit ihr durch den Himmel hinauf flog und wie sie gemeinsam den Thronsaal Gottes betraten. Dort auf dem Thron lag das Blut Jesu. Dieses Blut konnte das Mädchen heilen, wenn sie es nur glauben könnte, aber sie hatte nicht genügend Glauben. Dann kam der sonderbarste Teil. Gott akzeptierte Bills starken Glauben an das Blut Jesu anstelle des winzigen Glaubens des Mädchens. Augenblicklich war er zurück im Indianerreservat neben der kleinen Indianerprinzessin auf den Knien. Er sagte: „Bruder Mitchell, etwas ist geschehen. Es sah aus, als wäre ich mit diesem Kind an der Hand durch die Wolken hinaufgegangen …“ Während er sprach, schwang er seinen Arm gen Himmel. Bei dieser plötzlichen Bewegung riss das Mädchen vor Überraschung ihre Hände vor den Mund. Sie konnte sehen!

Reverend Mitchell nahm das Mädchen sofort zum Arzt des Reservats, der sie untersuchte und das Wunder bestätigte. Inzwischen stand Bill der nächsten Person aus der Reihe gegenüber, einem Mann, der gleichfalls blind war. Als die Vision hervorbrach, sah er, dass dieser Mann der Vater des Mädchens war, das gerade geheilt worden war. An jenem Abend stellte Gottes Gnade auch sein Augenlicht wieder her.

Mittlerweile war Bill so erschöpft, dass sich seine Lippen taub und seine Beine wie Gummi anfühlten. Jack Moore wollte, dass er aufhörte, aber Bill meinte, dass er noch eine Vision ertragen könnte. Eine junge Apachin eilte nach vorne, ein Paar Socken in der einen Hand und die Krawatte eines Mannes in der anderen. Sie reichte Bill diese Gegenstände, der sie in der Meinung entgegennahm, sie wünsche nur, dass er sie festhielt, während er für sie betete. Sie hatte etwas anderes auf dem Herzen, was die Vision auch prompt offenbarte. Bill sagte: „Diese Socken gehören einer Verwandten von Ihnen, die eine Krankheit in ihren Füßen hat und Sie möchten, dass sie geheilt wird, wenn sie die Socken anzieht. Diese Krawatte ist für Ihren Ehemann, der ein Ungläubiger ist. Sie möchten, dass er den Heiligen Geist empfängt, wenn er sie um seinen Hals bindet.“ Die Frau sagte, dies sei genau, was sie wollte. Bill sagte: „Wenn Sie es glauben, können Sie im Namen Jesu haben, worum Sie bitten.“

Später an jenem Abend, auf ihrer Fahrt zurück nach Phoenix, unterhielten sich Young Brown und Jack Moore aufgeregt über die Versammlung bei den Apachen. Young Brown war erstaunt darüber, für wie viele Indianer Bill hatte beten können, ehe ihm die Kräfte ausgingen – etwa 30 Leute, doppelt so viele wie gewöhnlich. Brown fragte sich, wie Bill die Anstrengung der Visionen so lange hatte durchstehen können.

Bill fragte sich dasselbe. Er wusste, dass es die Leute selbst waren, die seine Gabe betätigten. Die Unterscheidung konnte nicht heilen, sie konnte nur Glauben aufbauen, indem sie zeigte, dass Jesus Christus gegenwärtig war, willens und in der Lage, sie zu heilen. Am Anfang hatte ihm der Engel gesagt: „Wenn du erreichst, dass die Menschen dir glauben, wird nichts deinem Gebet widerstehen, nicht einmal Krebs.“ Was eine Person aus seinem Dienst empfing, hing von ihrem Glauben ab. Vielleicht hatten diese Apachen einfach mehr Glauben als die meisten anderen Amerikaner, was wiederum die Anstrengung für ihn verringerte. Er hatte dieselbe Sache unter den Ureinwohnern in Südafrika und in Indien gesehen. Es schien als ob die Betonung der westlichen Kultur von Bildung und verstandesmäßiger Beweisführung, die Menschen oftmals daran hinderte anstatt ihnen zu helfen, das Wort Gottes zu glauben. Während Jack Moore und Young Brown sich über die Versammlung austauschten, dachte Bill über die Frau nach, die gewünscht hatte, dass er über einer Krawatte und ein Paar Socken betete. Etwas an dieser Krawatte und den Socken schien eine Erinnerung in ihm wachzurufen. Als er am nächsten Morgen aufwachte, kreisten seine Gedanken immer noch um jene Socken. Schließlich sagte der Heilige Geist: „Nimm dein Visionenbuch zur Hand.“ Er schlug sein Notizbuch beim letzten Eintrag auf und überflog rückwärts die Aufzeichnungen seiner Visionen, bis er es gefunden hatte. Am 3. Dezember 1954 hatte Gott ihm gegen sieben Uhr morgens in Binghamton (New York) eine Vision über die Versammlung vom gestrigen Abend bei den Apachen gezeigt, vom Anfang bis zum Ende, einschließlich der Frau, die die Krawatte und die Socken hielt.

An jenem Sonntag (27. Februar 1955) sagte Bill in der Gemeinde: „Die heiligste Versammlung, die ich je auf amerikanischem Boden hatte, war gestern Abend im Indianerreservat. Ich bin es gewohnt, vor 15.000 bis 18.000 Menschen zu predigen. Gestern Abend waren es nur etwa 500, aber nie zuvor habe ich in Amerika gesehen, dass der Geist Gottes so ungehindert floss. Bevor er seine Predigt begann, wollte er ein Missverständnis ausräumen. Am Anfang der Woche hatte er gesagt, dass Adam unschuldig war und Eva schuldig. Offensichtlich hatten einige Leute (darunter auch Prediger) Jack Moore angerufen, um nachzufragen, ob Bruder Branham glaube, dass Adam im Garten Eden nicht gesündigt habe. Jetzt versuchte Bill zu erklären, was er gemeint hatte. „Einige von euch haben gedacht, ich hätte gesagt, Adam habe nicht gesündigt. Adam hat gesündigt und wurde verurteilt genau wie Eva. Das Lammfell, das als Erlösungsgewand auf ihm war, zeigte das. Aber Eva tat das Verkehrte, im Glauben sie tue das Richtige. Sie war verführt. Adam war nicht verführt. Er sündigte mit weit geöffneten Augen, genau wissend, was er tat. Mit vollem Bewusstsein stellte er sich zu seiner Frau, weil er sie liebte. Und Jesus, nicht unwissend darüber, was Er tat, nahm Seinen Platz mit dem Sünder ein, der Gemeinde, damit Er die Gemeinde zu sich zurück erlöste. Adam war ein Typ. Durch den ersten Adam sterben alle, durch den zweiten Adam leben alle. Weil Adam Eva liebte, übernahm er bereitwillig ihre Sünde und wurde verurteilt. Weil Christus Seine Gemeinde liebte, nahm Er bereitwillig unsere Sünden auf sich und wurde verurteilt, starb, und wurde zur Hölle gesandt. Das stimmt. Gott hätte Ihn nicht in reinem Zustand zur Hölle geschickt. Er wurde verdammt. Er starb als ein Sünder. Christus hat selbst nie gesündigt, aber Er nahm unsere Sünden auf sich. Und am dritten Tage hat Gott Ihn auferweckt, wodurch Er den Tod überwand und ewiges Leben jedem anbietet, der an Ihn glaubt.“

Bill hoffte, dass diese Erklärung seine früheren Aussagen richtig stellen würde. Es war nicht das erste Mal, dass jemand ihn nicht richtig verstanden hatte. Er erkannte, dass je mehr er „festere“ Lehre brachte, desto mehr würde es solche Missverständnisse geben. Das entmutigte ihn nicht, noch brachte es ihn von seinem neuen Vorsatz ab. Seine Vision über den ersten und zweiten Adam bestätigte seine Überzeugung, dass er berufen war zu lehren wie auch zu evangelisieren. Er wollte seinen von Gott verliehenen Einfluss dazu nutzen, die Menschen fest auf biblische Wahrheit zu gründen. Er fühlte, dass wenn Christen je eine Offenbarung des auferstandenen und in ihrer Mitte weilenden Jesus Christus erfassen könnten, sich alles ändern würde.

Lädt…
Impressum · Legal notice · Datenschutz · Privacy