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Übernatürlich

Übernatürlich – Buch 4

Drei Zeugen

1952

Meda Branham klopfte wieder. „Bill, ist bei dir alles in Ordnung?“ „Ja“, antwortete er, „Komm rein.“

Meda kam mit dem schlafenden Baby im Arm in das Kinderzimmer. „Bill, ist etwas passiert? Vor ein paar Stunden musste ich mit Sarah aufstehen, und als ich auf war, dachte ich, ich schau mal bei dir rein. Aber als ich dann zur Türe kam, hatte ich das starke Empfinden, dass ich sie nicht öffnen sollte. Ich fragte mich, ob vielleicht gerade eine Vision im Gange war und so habe ich mich ins Wohnzimmer gesetzt und Sarah bis eben geschaukelt.“

Bill blickte auf die Uhr. Es war sechs Uhr. Die Vision hatte ihn für mehr als drei Stunden festgehalten! „Ja, Liebling, es war eine Vision. Der Engel des Herrn ist seit drei Uhr heute Morgen hier gewesen. Gott hat mir vergeben und ich werde diese Parasiten überwinden.“

„Oh, Bill“, sagte sie atemlos, „das sind ja wunderschöne Neuigkeiten!“ Ein paar Minuten später legte sich ihre Aufregung etwas und sie fragte: „Bill, könntest du die neurotische Frau aus New Albany heute empfangen? Sie hat mich gebeten, sie beim nächsten Mal anzurufen, wenn die Salbung auf dich kommt.“ „Klar, Schatz. Sag ihr, sie soll gegen zehn Uhr kommen. Als erstes muss ich heute Morgen zur Bank gehen und mich um die Schecknachweise für unsere Einkommen-Steuererklärung kümmern. Ich werde auch Dr. Lukas anrufen und sehen, ob er mich noch einmal untersuchen kann.“

Während Meda ging, um Frau Shane anzurufen, setzte sich Bill und dachte darüber nach, was die Vision bedeuten mochte. Die erste Schriftstelle war leicht, weil sie eine Parallele zu seinem Missgeschick in Südafrika war. Paulus sagte den Seemännern, wenn sie nur auf ihn gehört hätten und den Winter über in Kreta geblieben wären, dann hätten sie ihr Schiff nicht verloren. Offensichtlich hatte auch Paulus Schwierigkeiten mit Leuten gehabt, die nicht glaubten, dass er von Gott geleitet war.

Paulus musste gemeinsam mit den Matrosen unter diesem Fehler leiden, doch durch Gottes Gnade ging kein Leben verloren. Für Bill war die Lektion offensichtlich: Nie wieder würde er den Vorstellungen von Menschen folgen, wenn ihn der Herr einen anderen Weg führte.

Zu verstehen, wie Josua Kapitel 1 auf ihn zutraf, war eine größere Herausforderung. Wie ich mit Mose gewesen bin, also will ich auch mit dir sein. Ich will dich nicht verlassen noch von dir weichen. Hiermit hatte Gott zweifellos Seine Verpflichtung diesem Dienst gegenüber erklärt. Doch was war die besondere Verbindung zwischen seinem Dienst und dem des Josua? Beauftragte Gott ihn, die Gemeinde in ein geistliches verheißenes Land zu führen, so wie Josua Israel in ein natürliches verheißenes Land führte? So hörte es sich an ... denn du sollst diesem Volk das Land austeilen, das ich ihren Vätern geschworen habe, dass ich’s ihnen geben wollte ... Josua führte die Kinder Israel nicht nur in ihrem Kampf um den Besitz Kanaans an. Als die Schlachten vorüber waren, teilte Josua das Land unter den zwölf Stämmen auf und wies ihnen ihr irdisches Erbteil zu. Gemäß dem Apostel Paulus hat Gott der christlichen Gemeinde ein geistliches Erbteil verheißen. Das sage ich aber, liebe Brüder, daß Fleisch und Blut nicht können das Reich Gottes ererben; auch wird das Verwesliche nicht erben das Unverwesliche. Siehe, ich sage euch ein Geheimnis: Wir werden nicht alle entschlafen, wir werden aber alle verwandelt werden; und dasselbe plötzlich, in einem Augenblick, zur Zeit der letzten Posaune. Denn es wird die Posaune schallen, und die Toten werden auferstehen unverweslich, und wir werden verwandelt werden. Denn dies Verwesliche muß anziehen die Unverweslichkeit, und dies Sterbliche muß anziehen die Unsterblichkeit. Bill fragte sich, ob er berufen sei, die Gemeinde aus den Heiden in ihr geistliches Erbteil zu führen.

Was auch immer die Vision sonst noch bedeuten mochte, es war augenscheinlich, dass viele Schlachten vor ihm lagen und Gott ihn ermutigte, kühn vorwärts zu gehen. Siehe, ich habe dir geboten, daß du getrost und freudig seist. Laß dir nicht grauen und entsetze dich nicht; denn der Herr, dein Gott, ist mit dir in allem, was du tun wirst. Bill nahm seinen Kuli zur Hand und schrieb einen kurzen Bericht über die Vision auf das letzte Vorsatzblatt seiner Scofield Bibel, damit er sich immer daran erinnern konnte und es stets bei sich hatte. Während des Frühstücks kam Bills Schwiegermutter vorbei, um sich zu erkundigen: „Ist hier alles in Ordnung? Heute Morgen bin ich zur Spüle gegangen, um den Abwasch vom gestrigen Abend zu erledigen und fühlte, dass der Herr zu mir sagte: ,Geh rüber zu Bills Haus. Etwas ist geschehen.‘“ Nachdem Bill Frau Broy von den wiederholten Besuchen des Engels in den frühen Morgenstunden berichtet hatte, erinnerte sich Bill an etwas, das die Bibel sagt: ... auf daß alle Sache bestehe auf zweier oder dreier Zeugen Mund. Hier war sein zweiter Zeuge, der bestätigte, dass das, was der Engel ihm gesagt hatte, der Wahrheit entsprach. Nach dem Frühstück rief Bill Dr. Lukas an. „Ich hätte heute Vormittag gern eine Untersuchung.“

„Was für eine Untersuchung?“

„Ich habe keine Amöben mehr.“

„Doch, Sie haben sie. Wenn eine Person diese kleinen Teufel einmal bekommt, behält er sie für den Rest seines Lebens.“

„Heute Morgen hat der Herr Jesus etwas für mich getan. Ich möchte, dass Sie mich noch einmal gründlich untersuchen.“

Dr. Lukas zögerte. „Hm – na – ich habe Sie gerade erst vor kurzem untersucht. Ihre Gedärme sind voll von den Parasiten. Wenn Sie eine weitere Untersuchung wünschen, kommen Sie heute Nachmittag vorbei und ich schaue es mir noch einmal an.“

Bill traf bei der Bank ein, als sie gerade geöffnet wurde. Er brauchte nicht lange für seine Erledigung. Auf dem Weg hinaus zur Tür spürte er plötzlich, dass er nicht fortgehen sollte. Er trat in der Eingangshalle auf die Seite und betete still: „Herr, Gott, was möchtest Du, das ich tun soll?“ Er stand einen Augenblick lang dort, seine Brieftasche unter den Arm geklemmt. Dann erklang eine Stimme in seinem Kopf: „Schau nach Bob Denison.“

Bob Denison, einer der Schalterangestellten, war ein langjähriger Bekannter von ihm. Bob stand mit gesenktem Kopf hinter einem der Schalterfenster. Bill ging hinüber und sagte strahlend: „Guten Morgen, Bobby. Wie steht’s denn heute?“ Als Bob den Kopf hob, verschleierten Tränen seine Augen. „Billy, ich weiß nicht, was du davon halten wirst, aber heute Morgen um drei Uhr wachte ich auf und hatte geträumt, ich soll dir von meinem Problem erzählen. Jetzt bist du hier, und so ich hoffe, es macht dir nichts aus.“

„Nein, Bobby, fahr ruhig fort.“

„Fast alle meine Verwandten sind an Krebs gestorben. Und jetzt habe ich alle Symptome davon. Die letzten paar Tage habe ich in Todesangst verbracht.“ Bill nahm Bobs rechte Hand in seine linke und fühlte die pochenden Vibrationen eines Krebsdämons. Bills linke Hand schwoll an und wurde rot. „Bobby, lass uns beten, dass Jesus Christus deinen Körper anrührt.“

Nach nur einem kurzen Gebet erstarben die Vibrationen. Der Krebs war weg. Bill dachte: „Hier ist mein dritter Zeuge.“

Als Bill wieder zu Hause eintraf, war Frau Shane bereits angekommen. Da sie zu nervös war, um selbst zu fahren, hatten zwei ihrer Freunde sie hergebracht. Bill bat sie, im Wohnzimmer zu warten während er mit Frau Shane im Studierzimmer sprach. Ebenfalls eingetroffen war ein Baptist, der Gebet wünschte. Bill war ihm nie zuvor begegnet, doch kannte er ihn vom Namen her, weil dieser Mann früher als Profi Baseball für Louisville (Kentucky) gespielt hatte. Jetzt starb er an Milzkrebs, einem Zustand, gegen den die Medizin kein Mittel hatte. Bill bat ihn, in einem Schlafzimmer zu warten. Als Bill sein Studierzimmer betrat, lief Frau Shane händeringend hin und her. Er setzte sich auf einen Hocker. „Wie geht’s, Frau Shane. Setzen Sie sich doch.“ Sie ließ sich in einen Stuhl fallen und stotterte: „Br – Bruder Branham, ist der Engel des Herrn hier?“

„Ja, Schwester, wir sitzen in seiner Gegenwart.“

„Gut. Jetzt kannst du den bösen Geist aus mir austreiben. Ich fühl mich, als könnte sich jeden Augenblick der Boden auftun und mich verschlingen.“ „Einen Moment, Schwester. Wir müssen acht geben, was wir austreiben. Lass uns erst ein wenig reden.“ Er wollte ihre Gedanken von der Angelegenheit abbringen, damit sie sich beruhigen konnte. „Lass uns beide einen kleinen Ausflug machen –“

„Nein!“, schrie sie. „Ich kann keinen Ausflug machen!“ Ihre Stimme überschlug sich hysterisch.

„Beruhige dich“, beschwichtigte Bill. „Ich sprach von einem Gedankenausflug. Lass uns mal dahin zurückgehen als Gott Mann und Frau schuf und sie in den Garten Eden setzte.“ Er sprach sanft, beruhigte ihre Nerven. Bald sah Bill ein kleines schwarzes Auto durch die Luft zwischen ihnen beiden rasen. Er fragte: „Warst du je in einem Unfall verwickelt?“

„Nein, Bruder Branham. Warum fragst du?“

„Ach, ich habe etwas gesehen.“ Er sprach weiter. Bald kehrte die Vision zurück und enthüllte die hässliche Wahrheit. „Du hast während des letzten Krieges geheiratet und dein Ehemann wurde hinüber nach Frankreich verschifft. Du fühltest dich einsam und da hast du angefangen, dich mit anderen Männern herumzutreiben. Eines Abends bist du in einem schwarzen Auto mit einem blonden Jungen losgezogen und hast dein Ehegelübde gebrochen. Auf dem Rückweg wurde das schwarze Auto beinahe von einem Zug erfasst, als es die Gleise überquerte.“

Frau Shane schrie und brach auf dem Boden zusammen. Meda stürmte ins Zimmer, um nach dem Rechten zu sehen. Gemeinsam halfen Bill und Meda der Frau zurück in einen Sessel. Sie schüttelte sich unkontrolliert und schluchzte: „Bruder Branham, wag es nicht, das jemandem zu erzählen!“ „Schwester, genau da liegt dein Problem. Und es wird nie besser mit dir werden, bis du das in Ordnung gebracht hast. Ich gebe nichts darum, wie oft man für dich betet. Man könnte stampfen und schreien und dich mit 200 Liter Öl salben und es würde nichts bewirken. Solange du Sünde in deinem Leben hast, die du nicht bekannt hast, hat dieser Teufel ein Anrecht, dort zu bleiben. Wenn du gesund werden willst, wirst du diese Sünde deinem Ehemann bekennen müssen und es in Ordnung bringen.“

„Ich habe es bekannt, Bruder Branham. Ich habe es Gott vor langer Zeit bekannt.“ „Du hast nicht gegen Gott gesündigt. Du warst eine verheiratete Frau. Du hast gegen eure Ehegelöbnisse gesündigt.“

„Bruder Branham, ich kann das meinem Mann nicht sagen. Der wird mich verlassen, da bin ich absolut sicher.“

„Schwester, du weißt, dass ich dir die Wahrheit gesagt habe. Keiner außer dir, dem blonden Jungen und Gott weiß von dieser Sünde. Du hast mir erzählt, dass du zehn Jahre lang einen Psychiater aufgesucht hast. Es ist ihm nicht gelungen, dir das zu entlocken. Doch das ist dein Problem. Es liegt ganz tief unten in deinem Unterbewusstsein. Du wirst nie gesund werden, bis du es deinem Ehemann sagst und dein Gewissen reinwäscht.“

„Ich kann es nicht tun“, schluchzte sie. „Ich habe drei Kinder. Es würde unser Heim zerbrechen.“

„Euer Heim wird vielleicht sowieso auseinander brechen, weil dein Geisteszustand nicht viel länger stabil bleiben wird. Es ist das Beste, du holst deinen Mann und sprichst dich aus.“

„Ich – ich kann nicht“, brüllte sie. „Ich kann das einfach nicht.“ Bill stand auf. „Das musst du wissen, Schwester. Ich habe alles getan, was ich kann. Ich habe dir gesagt, was Gott mir gezeigt hat und du weißt, dass es die Wahrheit ist. Alles Übrige liegt an dir. Ich muss jetzt gehen und mich um einen Mann im anderen Zimmer kümmern, der Krebs hat.“

Sie flehte: „Ach, Bruder Branham, verlass mich nicht!“

Plötzlich sah Bill einen Mann neben Frau Shane stehen. Er war groß, hatte adrett gekämmtes schwarzes Haar und trug eine weiße Jacke. Er drehte sich so, dass Bill das Wort Chevrolet, auf dem Rücken aufgedruckt lesen konnte. Bill sagte: „Arbeitet dein Mann nicht für das Chevrolet Unternehmen?“ „Ja“, winselte sie.

„Er ist ein großer Mann mit dunklem, welligem Haar, das er zur Seite kämmt.“ „Ja, das stimmt.“

„Er hat dir dieselbe Sünde zu bekennen.“

Sie schlug die Hände vors Gesicht. „Nein, nicht mein Mann! Er ist Gemeindediakon.“

„Mir ist gleich, wie er sich nach außen gibt, Gott sieht sein Herz. Während des Krieges, als dein Mann in England landete, nahm er sich ein Mädchen und lebte mit ihr. Aber das ist nicht alles. Vor drei Tagen erst ist er mit einer schwarzhaarigen Frau fortgeschlichen, die in seinem Büro arbeitet. Sie trug ein rosa Kleid. In einem grünen Chevrolet, mit Nummernschild aus Indiana, parkten sie unter einer Buche. Und genau dort war er dir gegenüber genauso untreu, wie du es einst ihm gegenüber gewesen bist.“

„Die Frau kenne ich“, schnappte sie. „Und das Auto kenne ich auch.“ „Du rufst am besten deinen Mann an und sprichst die Sachen durch.“ Während Bill zu dem an Krebs erkrankten Mann ging, um für ihn zu beten, rief Frau Shane ihren Mann auf der Arbeit an und bat ihn, sich mit ihr auf der Straße zu treffen. Ihre beiden Freunde fuhren sie zur vereinbarten Stelle und warteten bis ihr Mann vorfuhr. Als sie bei ihrem Ehemann auf dem Vordersitz Platz genommen hatte, sagte sie langsam: „Ich weiß, ich habe dich die letzten zehn Jahre finanziell gebeutelt, weil ich jede Woche zum Psychiater gegangen bin. Aber jetzt denke ich, dass ich zum Grund meiner Schwierigkeit vorgedrungen bin. Ich habe einmal etwas getan, etwas Schlimmes, etwas, das mich seitdem immer verfolgt hat. Ich muss dir sagen, was es ist und hoffe, du vergibst mir.“ Nachdem sie ihre Sünde bekannt hatte, tat ihr Mann sehr entrüstet. Sie fügte hinzu: „Und warst du nicht vor drei Tagen mit einer Sekretärin aus deinem Büro zusammen? Habt ihr beiden nicht einen grünen Chevrolet unter einer Buche abgestellt und dieselbe Sache getan, wie ich?“

Er musterte sie wachsam. „Mit wem hast du dich unterhalten?“ „Ich war gerade bei Bruder Branham. Er hat es mir gesagt.“ Angesichts dieser Offenbarung fiel seine Heuchelei wie ein durchstochener Reifen in sich zusammen. „Liebling, das ist die Wahrheit. Wenn du mir vergibst, vergebe ich dir. Ich werde zur Gemeinde hingehen und als Diakon zurücktreten und du trittst als Sonntagsschullehrerin zurück. Lass uns mit Gott in Ordnung kommen und unsere Kinder in rechter Weise aufziehen.“

Nachdem sie zum Haus der Branhams zurückgefahren waren, gingen sie, die Arme umeinander gelegt, zur Türe. Bill war gerade mit dem Gebet für den Krebskranken fertig. (Der Mann hatte sein Wunder erhalten.) Bill sagte zu den Shanes: „Ich freue mich zu sehen, dass ihr diese Angelegenheit zwischen euch ausgeräumt habt. Jetzt können wir den Namen des Herrn Jesus anrufen und diesen Teufel zwingen, auszufahren.“

Ein paar Minuten später war Frau Shane eine neue Frau.

Später am Nachmittag erschien Bill in der Klinik. So beschäftigt Dr. Lukas auch war, schob er Bill dennoch in seinen Terminplan. „Was hatten Sie da heute Morgen am Telefon gesagt?“

„Ich habe die Amöben nicht mehr.“

„Reverend Branham, Sie erleben wahrscheinlich gerade ein zeitweiliges Abklingen der Symptome. Das passiert manchmal. Wir Mediziner nennen das eine Remission.“

„Nein, Doktor, dies ist nicht vorübergehend. Dies ist dauerhaft. Ich bin absolut geheilt.“

„Haben Sie mir eine Stuhlprobe mitgebracht?“ Dr. Lukas nahm die Probe hinüber ins Labor der Klinik. Bald kam er zurück und sagte: „Ich würde Sie gerne noch weiter untersuchen.“ Nachdem er seine Untersuchung beendet hatte, sagte er: „Reverend Branham, die Amöben sind immer noch da, aber sie sind nicht mehr aktiv. Ich habe noch nie von einem solchen Vorgang gehört und ich habe auch keine Ahnung, was sie in den Schlummerzustand versetzt hat.“ „Ich aber“, sagte Bill zuversichtlich. „Der Herr Jesus hat mich heute Morgen gegen drei Uhr geheilt.“

Der Doktor sagte: „Ich muss Sie drei Monate lang regelmäßig untersuchen, ehe ich entscheiden kann, ob keine Ansteckungsgefahr mehr besteht.“ „Von mir aus können Sie mich jeden Tag untersuchen.“

Als Bill beim Verlassen der Klinik durchs Wartezimmer ging, sah er Dr. Lukas’ Partner in der Türe seines Zimmers stehen und sich mit einer Krankenschwester unterhalten. „Herr Branham“, sagte der Arzt und kam herüber, um seine Hand zu schütteln, „schön, Sie wieder zu sehen.“

In seinen Gedanken betete Bill: „Herr, wenn Du möchtest, dass ich mit ihm über Religion spreche, lass ihn das Thema aufbringen. Ich will es ihm nicht aufdrängen.“

Der Arzt sagte: „Was denken Sie über die Stämme in Afrika? Werden die nicht ständig fortschrittlicher?“

„Ja, ich denke, das werden sie.“

„Es sind ziemlich viele Inder nach Südafrika übergesiedelt worden, nicht wahr.“ „Das stimmt. Die Einwohnerzahl Durbans besteht fast zur Hälfte aus Indern.“ „Ich habe viel darüber gelesen. Es sind Hindus, oder?“

„Viele von ihnen sind Hindus, andere aber Moslems.“

„Diese Inder sind ein Haufen kluger Leute. Tatsächlich denke ich sogar, dass Mahatma Gandhi der gescheiteste Mann war, der je gelebt hat.“ „Jeder Mann hat das Recht auf seine eigene Meinung. Doch ich stimme hier nicht mit Ihnen überein: Ich denke, das war Jesus Christus.“ „Ich wette, Sie hatten keinen großen Erfolg, die Hindus und Moslems dahin zu bekommen, zu Ihrer Religion überzuwechseln, stimmt’s?“

„Oh, doch. Wir hatten ungefähr 30.000 Bekehrte an nur einem Tag.“ „Was!“, platzte es aus dem Arzt heraus, die Zigarette auf den Boden fallen lassend. „Dreißigtausend Bekehrte an einem einzigen Tag?“ „Wenn Sie das anzweifeln, können Sie Sidney Smith, den Bürgermeister Durbans, anrufen und ihn fragen. Sie werden erfahren, dass unsere Schätzung wahrscheinlich noch zu niedrig ist.“

„Sind Sie sicher, dass das Hindus waren?“

„Viele von ihnen waren Hindus. Als sie sahen, wie die Kraft des allmächtigen Gottes sich in ihrer Mitte bewegte, glaubten sie, dass es der Herr Jesus ist, genau wie ich es ihnen gesagt habe. Ich habe hunderte von Hindufrauen gesehen, wie sie sich den roten Flecken von ihrer Stirn wischten, als sie Christus annahmen.“ Das ganze Wartezimmer schien diesem Gespräch zuzuhören. Der Doktor trat die brennende Zigarette aus, die er fallen lassen hatte. Dann klopfte er Bill auf den Rücken und sagte: „Junge, du musst ein Genie sein.“

„Nein, ich habe in der siebten Klasse die Schule abgebrochen. Mein Herr Jesus ist das Genie.“

„Ach, ich weiß nicht“, sagte der Arzt. „Mit so etwas steht man doch ziemlich allein auf weiter Flur.“

„Verzeihen Sie, dass ich so frei zu Ihnen rede, Doktor, aber Sie übersehen etwas. Sie sind ein kluger Mann, voller Wissen. Aber Wissen kann Sie nur bis zu einem bestimmten Punkt bringen. Es gab zwei Bäume im Garten Eden. Einer von ihnen war der Baum der Erkenntnis und der andere war der Baum des Lebens. Als Adam den Baum des Lebens verließ, um Früchte vom Baum der Erkenntnis zu essen, trennte er sich selbst von seinem Schöpfer. Seither hat der Mensch von jenem Baum der Erkenntnis gegessen und der zerstört ihn. Er hat gelernt, wie man Metall herstellt und was hat er geschaffen? Schwerter und Pfeile. Dann entdeckte er das Schießpulver. Nach einer Weile erfand er das Automobil. Das hat mehr Menschen getötet als das Schießpulver. Jetzt hat er sich eine Atombombe angeschafft.“

„Aber wenn der Mensch nichts davon erfunden hätte, würde er dennoch sterben.“ „Nein, nicht wenn er beim Baum des Lebens geblieben wäre. Er hätte für immer gelebt. Der Tod kam, weil er den Baum des Lebens um des Baumes der Erkenntnis willen verließ. Der Mensch kann jedoch trotzdem für immer leben, wenn er zurück zum Baum des Lebens kommt, welcher Jesus Christus ist.“ „Ich weiß nicht so recht“, murmelte der Arzt.

„Ich bin nicht gegen Bildung“, sagte Bill abschließend. „Aber das Problem, das ihr schlauen Köpfe mit eurer Bildung habt, ist, dass ihr versucht, alles zu ergründen. Ihr klettert den Baum der Erkenntnis so hoch hinauf wie ihr nur könnt, doch wenn ihr eine bestimmte Höhe erreicht habt und ihr nicht höher kommen könnt, lehnt ihr alles ab, das ihr nicht verstehen könnt. Der Baum der Erkenntnis ist in Ordnung, aber wenn ihr darauf so hoch geklettert seid, wie ihr könnt, dann solltet ihr auf den Baum des Lebens hinüberspringen und noch höher klettern. Das ist alles, worum es beim Glauben an Gottes Wort eigentlich geht.“

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