1951
Etwa 350 Kilometer südwestlich von Klerksdorp liegt Kimberley, eine ausgedehnte Bergbau-Industriestadt mit 60.000 Einwohnern. William Branham traf am Mittwoch, dem 17. Oktober 1951, in Kimberley ein. Sein Ruf eilte ihm voraus. An seinem ersten Abend in Kimberley betete er für die Kranken in einer Gemeinde mit 500 Sitzplätzen. Bedauerlicherweise wollten zehnmal mehr Menschen hinein.
Am nächsten Morgen sprach Fred Bosworth das National Komitee darauf an, dass man einen größeren Raum für den Heilungsfeldzug beschaffen sollte. Zu seiner Überraschung lehnte das Komitee ab. Sie hatten einem bestimmten Pastor in Kimberley versprochen, die Versammlungen in seiner Gemeinde zu halten, und jetzt meinten sie, sie könnten ihr Versprechen nicht zurücknehmen.
Also versuchte Fred Bosworth mit dem Pastor persönlich ein vernünftiges Wort zu reden. „Schau, Bruder, die Straßen und Felder sind voll von tausenden von kranken Menschen, die Gebet wünschen. Willst du mir da etwa sagen, dass du die Versammlungen dennoch weiterhin in deinem kleinen Gemeindehaus abhalten willst?“
„Man hat mir versprochen, die Versammlungen in meiner Gemeinde abzuhalten“, sagte der Pastor starrsinnig, „also werden wir sie in meiner Gemeinde haben.“
„Lächerlich“, sagte Bosworth kochend. Er kehrte zum Haus zurück, in dem Bill untergebracht war und beklagte sich: „Bruder Branham, hast du je von einem Prediger gehört, der so selbstsüchtig handelt?“
Mit trockener Ironie erwiderte Bill: „Dies ist das ,weit über alle Maßen‘, von dem du letztens gesprochen hast. Bruder Bosworth, siehst du nicht, dass wir außerhalb des Willens des Herrn sind?“
Unverzagt entschloss sich Bosworth, herauszufinden, was er selbst ausrichten konnte. Er hörte sich in Kimberley um und zog schließlich ein örtliches Sportstadion an Land, das tausende von Menschen fasste. Dort hielten sie die Gottesdienste während der nächsten vier Tage.
Als Bill seine Pläne für den Besuch in Südafrika gemacht hatte, hatte er sich vorgestellt, zu dunkelhäutigen Eingeborenen zu predigen. Stattdessen musste er erleben, wie er zu hellhäutigen Afrikanern europäischer Abstammung predigte. Das frustrierte ihn genauso wie der „heilige“ Veranstaltungsplan des National Komitees. Es verlangte ihn danach, zu sehen, wie die eingeborene Bevölkerung ein übernatürliches Evangelium aufnahm, doch dies wurde ihm verwehrt, bis er mehr als 21 Tage in Südafrika verbracht hatte. Schließlich, am Ende seiner Woche in Bloemfontein (150 Kilometer südlich von Kimberley), setzte das National Komitee einen Sonntagmorgen-Gottesdienst unter Nicht-Europäern mit ihm an.
William Branham beim Dienst unter den Farbigen in Afrika. Schon lange vor Tagesanbruch des 28. Oktobers 1951 begannen die Schwarzafrikaner auf dem Sportplatz in Bloemfontein einzutreffen. Als Bill um 10 Uhr vormittags ankam, saßen bereits 12.000 Menschen auf dem Spielfeld – ein Meer von schwarzen Gesichtern. Viele der Frauen trugen weiße oder rote Halstücher. Ern Baxter legte Gottes Plan der Erlösung durch den Glauben an Jesus Christus dar. Als Bill zum Mikrofon schritt, erklärte er die Beziehung zwischen Glauben und Heilung. Dann war es an der Zeit, den Glauben auf den Prüfstand zu stellen. Einer nach dem anderen trat vor den amerikanischen Evangelisten – und einem nach dem anderen sagte er, wer sie seien und was ihre Schwierigkeiten waren. Noch ehe ein dutzend Leute durch die Gebetsreihe gekommen waren, waren diese Farbigen überzeugt, dass Jesus Christus tatsächlich gegenwärtig war. Nach einem einzigen allgemeinen Gebet, wurden hunderte von Afrikanern geheilt. In den darauf folgenden Wochen bewerteten örtliche Pastoren und Missionare die Resultate dieser Versammlung, indem sie Zeugnisse von Heilungen und Wundern sammelten. Die Ergebnisse waren erstaunlich: Blinde Augen öffneten sich, Krebs und alle Arten von Krankheiten heilten, Verkrüppelte genasen. Ein Busfahrer sagte: „Ich habe einen gelähmten Mann in meinen Bus getragen und ihn zum Gottesdienst gefahren, aber als er wiederkam, konnte er selbständig gehen.“Alles in allem schätzten die lokalen Prediger und Missionare, dass eintausend Leute bei diesem einen Branham-Gebetsgottesdienst geheilt wurden. Das war genau das, was Bill in Afrika zu sehen erhofft hatte: Menschen mit unkompliziertem Sinn, die Jesus annahmen, wenn sie Christus auf übernatürliche Weise vor sich sichtbar gemacht sahen. Bill flehte das National Komitee an, mehr Versammlungen für diese Schwarzafrikaner anzusetzen. Das Komitee lehnte jedoch ab, indem es erneut das Argument der Verpflichtungen gegenüber den bereits festgelegten Terminen ins Feld führte. Bill konnte die Starrsinnigkeit und Kurzsichtigkeit dieser konfessionell gebundenen Männer nicht fassen. Sie taten, als sei der Veranstaltungsplan das elfte Gebot.
Die Branham-Gruppe verließ Bloemfontein und fuhr 1.500 Kilometer weiter südlich nach Kapstadt. Hier folgten die Versammlungen einem ähnlichen Muster wie in Bloemfontein: Fünf Tage aufrüttelnde Heilungsgottesdienste und ein Sonntagmorgen für die farbigen Afrikaner.
Bill war bekümmert über die Behandlung, die den Schwarzafrikanern widerfuhr. Die Versammlungen für die weißen Afrikaner wurden in einem riesigen Flugzeughangar auf dem Wingfield Flughafen gehalten. Die Tore des Hangars waren geöffnet und über 10.000 Menschen konnten am Gottesdienst teilnehmen. Die schwarzen Afrikaner dagegen mussten Drill Hall benutzen, ein viel kleineres Gebäude innerhalb der Stadtgrenze. Die farbige Bevölkerung war so begierig, William Branham sprechen zu hören, dass die Leute des nachts um ein Uhr dreißig begannen, sich vor der Drill Hall anzustellen. Um 6 Uhr war die Menge auf 8.000 Seelen angewachsen. Als die Türen sich schließlich um 9 Uhr öffneten, konnten sich bedauerlicherweise nur 3.000 Menschen hineinzwängen. Das kurzsichtige National Komitee hatte nicht einmal für Lautsprecher außerhalb der Halle gesorgt, und so war es den Menschen, die auf der Straße zurückblieben, nicht einmal möglich, zuzuhören.
Bill spürte seinen Frust wie ein Thermometer an einem Sommermorgen ansteigen. Zweifelsohne lag ein Großteil der Schuld für dieses erbärmliche organisatorische Durcheinander auf den Schultern des National Komitees. Bill hatte jedoch das Gefühl, dass auch ihn ein Teil der Schuld traf. Er hatte zugestimmt, wenn auch widerwillig, dem Willen des National Komitees zu folgen, und dass, obwohl er wusste, dass es nicht der Wille des Herrn war. Der Engel hatte ihn gewarnt, dass er dafür würde leiden müssen. Er fragte sich, ob dies es war, was der Engel gemeint hatte. Es war es nicht. Der Feldzug in Kapstadt endete am Montagabend. Am Dienstag fuhren sie mehr als 650 Kilometer entlang der Küste nach Westen und trafen vor Einbruch der Dunkelheit in Port Elizabeth ein. Die erste Versammlung wurde am nächsten Abend, dem 7. November 1951, in einem großen Auditorium, der Feather Market Hall, gehalten. Auch hier hatten die Organisatoren die Erfordernisse drastisch unterschätzt und tausende von Leuten konnten nicht ins Gebäude hinein. Folglich wurde der Glaubensheilungs-Feldzug in Port Elizabeth für den Rest der Woche im Davis Stadion abgehalten, einer Arena, mit reichlichem Platzangebot. Eines Morgens wachte Bill mit stechenden Bauchschmerzen auf. Zunächst tat er es als unbedeutend ab. Als die Schmerzen dann den Tag über anhielten, begann er sich Sorgen zu machen. Was, wenn sein geheimnisvolles Magenleiden wiederkehrte und ihn quälte? Seit vielen Tagen schon spürte er die sich anhäufenden Auswirkungen seines anstrengenden Terminplans. Erschöpfung hatte sein Magenleiden damals im Jahre 1947 ausgelöst. Zu jener Zeit hatte er sich mehr als ein Jahr lang Abend für Abend vorwärts getrieben und für lange Gebetsreihen mit kranken und leidenden Menschen bis in die frühen Morgenstunden hinein gebetet – bis er schlussendlich auf der Plattform zusammengebrochen war. Dann hatte Krankheit ihn gezwungen, seine Feldzüge auszusetzen. Sein Magen war so sauer wie eine Zitrone geworden und an den Komplikationen wäre er fast gestorben. Würde das erneut passieren? Das National Komitee trieb ihn beständig vorwärts, gab ihm keine Zeit auszuruhen. Sie begriffen nicht, wie drastisch die übernatürlichen Visionen seine natürlichen Kräfte aufzehrten.
Schlimmer als seine Erschöpfung war jedoch der zunehmende Schmerz in seinem Bauchbereich. Als sie East London erreichten, das von Port Elizabeth aus 250 Kilometer aufwärts der Küste lag, wusste Bill ganz sicher, dass dieser Schmerz nicht sein alter Feind, das Magenleiden, war. Diese Krämpfe lagen dem Gefühl nach tiefer als sein Magen und der Schmerz stach schärfer als bloße Übelkeit. Als die anderen Mitreisenden ebenfalls begannen krank zu werden, wusste Bill, dass sie es sich während der Reise geholt hatten, möglicherweise durch etwas, das sie gegessen oder getrunken hatten.
Nach fünf Abenden in East London machten sie sich auf nach Durban, das 500 Kilometer weiter oben an der Ostküste Afrikas lag. Auf dem Weg dorthin sah Bill eine Vision über eine farbige Frau, die auf einer Trage lag. Bald kam die Straße nahe an einem typischen Eingeborenendorf vorbei. Bill bat den Fahrer, das Auto anzuhalten. Bill und alle Mitreisenden stiegen aus und gingen gemeinsam ins Dorf. Bill wies auf eine Hütte, die genauso aussah wie alle anderen Hütten um sie herum. „Hier drinnen werden wir eine Frau vorfinden, die auf einem Klappbett liegt. Sie ist schwer an Tuberkulose erkrankt. Sie ist eine gläubige Frau und sie spricht Englisch.“
Als sie die Hütte betraten, lag sie dort, genau wie Bill sie beschrieben hatte. Die Frau erzählte ihnen auf Englisch: „Ich habe seit langem um Heilung gebetet. Jesus hat mir versprochen, dass Er einen Propheten aus einem anderen Land senden wird, um für mich zu beten, und dass ich geheilt werde.“ Der Herr Jesus hielt sein Versprechen.
Sie erreichten Durban am Dienstag, dem 20. November 1951. Bill war vom starken asiatischen Einschlag dieser großen Metropole beeindruckt. Rikschas befuhren die Straßen. Indische Frauen, gekleidet in ihren traditionellen Saris bevölkerten den Marktplatz im Verein mit muslimischen Frauen in schwarzen Gewändern und dunkelhäutigen schwarzafrikanischen Frauen, von denen einige Messingringe an Hals und Handgelenk trugen. Schwarzbärtige Sikhs mit weißen Turbanen auf den Köpfen und langen Messern in den Schärpen vermischten sich mit großen, fast nackten, mit Erde bemalten afrikanischen Stammesmännern, deren gekraustes Haar mit kleinen Knochen geschmückt, und deren Ohrläppchen zu langen, fleischigen Schleifen ausgedehnt waren. Als Bill sich über diese Vielfalt erkundigte, erklärte Reverend Schoeman, dass Durban 440.000 Einwohner habe, von denen 130.000 Schwarzafrikaner, 110.000 europäische Afrikaner wären und 200.000 aus Indien kämen. Ursprünglich waren die Inder als Sklaven herübergebracht worden, um in den Minen zu arbeiten. Sie hielten noch immer an ihrem asiatischen Ursprung fest, einschließlich ihrer Religionen des Hinduismus, des Buddhismus und des Islams.
Die erste Versammlung in Durban wurde am Mittwochabend in der Stadthalle gehalten und war allein auf die weißen Südafrikaner beschränkt. Jene, die nicht ins Gebäude kommen konnten, hörten über Lautsprecher zu, die in den umliegenden Gärten aufgestellt waren. Die Erwartungen schnellten in die Höhe und viele, die in Rollstühlen und auf Tragen kamen, gingen ohne sie fort. Am Donnerstagnachmittag wurde der Gottesdienst in eine riesige Pferderennbahn verlegt, die den Namen Greyville Race Course trug. Über 20.000 Leute saßen auf der überschatteten Haupttribüne und es war noch weiterer Platz vorhanden. Als Bill die Plattform für die Predigt bestieg, sah er mit Erstaunen, dass sich die Zuhörermenge aus Schwarzafrikanern, braunen Indern und Weißen zusammensetzte. Er sagte zu Sidney Smith, dem Bürgermeister von Durban: „Ich dachte, Südafrika hätte Rassengesetze, die uns daran hindern, Weiße und Schwarze in derselben Versammlung zu haben.“
„Die Gesetze zur Rassentrennung gibt es“, erklärte der Bürgermeister, „und wenn Sie genau hinsehen, sind die Rassen auch getrennt. Sehen Sie die ganzen Zäune?“ Jetzt bemerkte Bill die Reihen weißer Palisadenzäune, die die Zuhörermenge durchzogen. „Aber warum verlaufen ein paar der Zäune zwischen Schwarzen?“ „Diese Zäune trennen verschiedene Stämme – Bantu, Swazi, Xhosa, Zulu – es gibt hier über ein Dutzend Stämme und manche von ihnen sind verfeindet.“ „Warum haben wir das nicht auch in anderen Städten tun können?“, fragte Bill. „Dann hätten wir mehr Menschen mit dem Evangelium erreicht.“ „Durban ist der einzige Ort, an dem uns die Regierung die Erlaubnis dazu gegeben hat.“
Jetzt verstand Bill, warum der Engel des Herrn ihm aufgetragen hatte, direkt nach Durban zu gehen und dort zu bleiben, bis er abberufen werde. Ach, hätte er den Anweisungen des Engels doch bloß gehorcht! Wie litt er nun wegen dieses Fehlers. Mittlerweile schmerzte sein Bauch unaufhörlich. Es fühlte sich an, als tobte eine Ratte in seinen Eingeweiden und nagte an seinen Därmen. Er musste das Pult umklammern, um nicht vor Schmerzen vornüber zu fallen – selbst als die Gebetsreihe nach vorne kam, selbst als die Visionen hervorbrachen und er die Geheimnisse der Herzen von Fremden unterschied, selbst als jene Menschen geheilt wurden.
„Himmlischer Vater, vergib mir“, betete Bill leise, während er auf die zahlreichen Übersetzer wartete, seinen letzten Satz in die 15 verschiedenen Sprachen zu übertragen. „Ich bereue meinen Fehler. Jesus, während Du diese anderen heilst, heile bitte auch mich.“
Es kam jedoch keine Vision, die ihm Erleichterung verschafft hätte. Es schien, als hätte Gott den Bedürfnissen Seines Propheten den Rücken gekehrt, während Er nicht das kleinste Bedürfnis unter dem Rest Seines Volkes übersah. Reumütig fühlte Bill, dass er diese Ablehnung verdiente.
Die Zuhörer gerieten vor Aufregung in Bewegung, als bei einem nach dem anderen aus der Gebetsreihe die Schwierigkeiten fehlerlos unterschieden und die Menschen geheilt wurden. Als ein taubstummer indischer Junge zum ersten Mal in seinem Leben hörte und sprach, schwoll der Glaube der Zuhörerschaft bis zum Überfließen an. Bill erhob seine Stimme im Gebet, ermahnte die Verkrüppelten, die Kranken, Tauben und Blinden, ihre Heilung jetzt aus den Händen des auferstandenen Heilands, Jesus Christus, anzunehmen. Noch lange bevor der letzte Übersetzer sein Gebet zu Ende übersetzt hatte, standen Männer und Frauen, alt und jung, aus ihren Rollstühlen auf oder stießen Krücken beiseite. Kinder lösten die Haltevorrichtungen für ihre eisernen Stützgerüste und warfen die Apparate fort.
Erschütternderweise wurde Bill, noch während der Siegesschall anschwoll, vor Schmerzen schluchzend, von der Plattform weggeführt, wobei er auf die Hilfe zweier starker Männer angewiesen war.
Weitere Besucher strömten nach Durban. Der Verkehr in der Stadt verlangsamte sich auf die Geschwindigkeit eines Nilpferdes. Bis Freitagnachmittag verdoppelte sich die Menschenmenge im Greyville Race Course auf über 40.000. Auf der gemeinsamen Fahrt mit Sidney Smith zum Gottesdienst sah Bill viele Farbige auf der Straße, die kleine handgemachte Statuen trugen. Über solchen Götzendienst hatte er in der Bibel gelesen, doch war dies das erste Mal, dass er es mit eigenen Augen sah. „Schauen Sie sich die Leute mit ihren Götzen an“, warf er ein.
Der Bürgermeister sagte: „Manche von denen sind Christen.“ „Christen?“, stieß Bill mit Erstaunen hervor. „Christen mit Götzen?“ „Ja. Hier halten viele Farbige, die Christen sind, noch immer an den Götzen ihrer Vorfahren fest.“
„Das ist komisch. Ich würde gerne zu einem von denen sprechen. Können Sie die Sprache des Mannes dort drüben sprechen?“
Der Bürgermeister fuhr an die Straßenseite, stieg mit seinem Gast aus dem Wagen und beide näherten sich einem stämmigen schwarzen Mann, der fast 2,10 Meter groß war und 130 Kilogramm wiegen mochte. Als Bill näher kam, konnte er sehen, dass der Götze mit getrocknetem Blut bespritzt war. Durch den Bürgermeister fragte Bill den Farbigen: „Sind Sie ein Christ?“ „Aber ja“, erwiderte der Farbige. „Ich bin seit vielen Jahren Christ.“ „Warum tragen Sie den Götzen bei sich?“
„Vor mir hat mein Vater diesen Gott mitgenommen, wo immer er hinging. Eines Tages jagte er alleine in der Steppe, als ein Löwe auf seine Spur geriet. Mein Vater errichtete ein Feuer und betete zu diesem Gott, indem er die Zauberei unseres Hexendoktors benutzte und der Löwe zog ab. Jetzt trage auch ich diesen Gott, wo immer ich hingehe. Wenn der Gott der Missionare mich im Stich lässt, dann wird dieser Gott mich nicht enttäuschen.“
„Ich denke, Sie legen Ihren Glauben in die falsche Sache“, rügte Bill. „Als Jäger bin ich mit den Eigenheiten der Wildnis vertraut. Nicht der Götze hat den Löwen vertrieben, es war das Feuer.“ Der Farbige blickte skeptisch. Bill fragte: „Kommen Sie heute Nachmittag zur Versammlung an der Pferderennbahn?“ „Morgen“, brummte er.
„Gut, dann werden Sie morgen sehen, dass Jesus nie versagt.“ Die drei Gottesdienste, die am Sonntag, dem 25. November 1951, stattfanden, brachen den Besucherrekord auf der Greyville Pferdebahn. Nicht nur die Tribünen waren vollbesetzt, sondern auch das in der Mitte gelegene Feld, wo die verschiedenen Eingeborenenstämme auf dem Boden saßen, durch weiße Palisadenzäune abgetrennt wie Rinderherden. Reverend Bosworth hielt den Morgengottesdienst und Reverend Baxter predigte am Nachmittag. Der Abendgottesdienst war für Bills Predigt und das Gebet für die Kranken reserviert.
Mittlerweile hatte sich Bill daran gewöhnt, durch 15 Übersetzer zu sprechen. Es war ein langsamer Prozess, bei dem er anderthalb Stunden brauchte, um das zu predigen, was normalerweise eine 15-Minuten-Predigt war. Bill sagte etwa: „Jesus Christus ist der Sohn Gottes.“ Der erste Übersetzer machte Geräusche wie ein gackerndes Huhn, der zweite Übersetzer hörte sich an wie ein klappernder Schakal, der dritte Übersetzer hörte sich komplett anders an als die ersten beiden und so ging es die Reihe rund. (In zurückliegenden Jahren hatte Bill sich oft über 1. Korinther 14, 10 Gedanken gemacht, wo Paulus sagt, dass kein Laut ohne Bedeutung sei. Jetzt, nachdem er all diese eigentümlichen Sprachen gehört hatte, erkannte er, was der Missionar Paulus gemeint hatte.) Schließlich war der fünfzehnte Übersetzer mit seinem Satz fertig und Bill fuhr fort: „Jesus kam auf die Erde, um Sünder zu retten.“ Der Ablauf begann von neuem. Während sich die Übersetzer dabei abwechselten, seinen Satz zu wiederholen, ging Bill zum hinteren Bereich der Plattform und fragte Sidney Smith: „Was geht da unten auf dem Rasen vor sich? Ist da ein Kampf?“ Der Bürgermeister hatte den Tumult ebenfalls beobachtet. „Ich weiß es nicht. Ich werde einen Polizisten hinschicken, um nachzusehen.“ Bald kam der Polizist mit der Meldung zurück: „Bruder Branham, eine farbige Frau hat dort in der Menge gerade ein Kind geboren. Sie scheint wohlauf zu sein.“ „Werdet ihr sie nicht hier herausbringen?“
„Das haben wir angeboten, aber sie hat ihr Baby einfach abgeputzt und angefangen, ihm die Brust zu geben und hat gesagt, sie wolle für den Gebetsgottesdienst hier bleiben.“
Solch eine Entschlossenheit überwältigte Bill. Wenn die Erwartungen dieser jungen Mutter das Verlangen der übrigen Leute widerspiegelten, würde es heute in der Tat einen gewaltigen Heilungsgottesdienst geben.
Es waren keine Gebetskarten ausgegeben worden. Stattdessen hatten einige Missionare einfach ein Dutzend kranker Menschen herausgesucht und sie zu einer Gebetsreihe aufgestellt. Die erste Person, die nach vorne trat, war eine Frau indischer Herkunft. Sie war in einen bunten Sari gehüllt und ihre Stirn zierte ein roter Punkt zwischen den Augen – das Kumkum-Symbol, das in der Hindukultur als Zeichen der Schönheit gilt.
Genau wie Jesus es mit der samaritischen Frau getan hatte, sprach Bill kurz mit der Frau, um mit ihrem Geist in Verbindung zu kommen. „Werte Frau, warum kommen Sie als Hindu zu mir, einem Christen, um Hilfe zu suchen? Warum gehen Sie nicht zu Ihren eigenen Priestern?“
„Die können mir nicht helfen“, erwiderte die Frau.
Über ihr entfaltete sich eine Vision, die sie in einem Arztzimmer zeigte, wo sie der Diagnose des Arztes zuhörte. Bill sagte: „Frau, Sie haben Tuberkulose. Ich glaube, wenn Sie Jesus Christus als Ihren persönlichen Retter annehmen, wird Er Sie auch heilen.“
Augenblicklich ließ sich die Frau auf ein Knie nieder, beugte ihr Haupt, nahm ihr langes Gewand und wischte sich den roten Fleck zwischen ihren Augen fort. Bill sah ein Licht um sie herum aufblitzen. „Schwester“, sagte er, „Jesus Christus hat dich gerade geheilt. Gehe deines Weges und diene ihm den Rest deines Lebens.“
Ein vereintes Gemurmel wogte durch die Zuhörerschaft und Bill konnte sehen, wie andere Hindu-Frauen sich auf die Finger spuckten und ihren eigenen roten Fleck wegwischten. Jemand in der Menge schrie: „Krischna!“ Andere Hindus nahmen den Sing-Sang auf. „Krischna, Krischna“, riefen sie, weil sie glaubten, der amerikanische Evangelist hätte den Namen eines ihrer Götter genannt. (Krischna ist eine irdische Form des Hindu-Gottes Vischnu.) Bill hob seine Hand, um sie zum Schweigen zu bringen und erklärte: „Nein, ich habe nie Krischna gesagt, ich sagte Christus“, und sprach den Namen deutlich aus, mit Betonung auf dem „tus“, „Jesus Christus. Ich bin nicht Krischna, ich bin ein Diener Jesu Christi.“
Die nächste Person in der Reihe war eine junge Frau europäischer Herkunft. Sie schien von guter Gesundheit zu sein und während sie näher kam, konnte Bill einen freundlich-einladenden Geist um sie herum spüren. Er sagte: „Ich sehe, du bist eine Christin.“ Sie bejahte es. „Schwester, ich sehe, wie du in eine Gemeinde hineingehst. Du gehörst der Dutch Reformed Church an.“ Dann hielt er bestürzt inne. Etwas war bei dieser Frau anders. Oft sah er in einer Vision ein helles Licht um die Person herum hervorbrechen, was anzeigte, dass die Person geheilt war. In dieser Vision hingegen wurde alles dunkler, wie die länger fallenden Schatten der herannahenden Nacht. „Schwester, vor ein paar Tagen hast du einen Arzt aufgesucht. Dein Mann hat im Flur gewartet, während der Arzt dich untersucht hat. Dein Mann hat schwarzes Haar und einen Schnurrbart und er trug einen grauen Anzug. Der Arzt ist ein grauhaariger Mann mit einer Brille. Der Doktor sagte, dass du eine Zyste am Eierstock hast. Es ist nicht lebensbedrohlich, aber der Arzt will sie dennoch entfernen.“ Die Frau nickte zustimmend. Während Bill sprach, wurde die Vision dunkler um sie herum. Er wollte gerade sagen: „Der Herr segne und heile dich, meine Schwester“, und sie mit etwas Hoffnung von der Plattform gehen lassen, doch noch ehe er dies sagen konnte, verlagerte sich die Vision zu einem Beerdigungszug und er sah die Sargträger ihren Sarg zu Grabe tragen. Da wusste Bill, dass ihr Leben fast vorüber war und er entschied, dass er es ihr genauso gut unmissverständlich mitteilen konnte. „Du bist eine robust aussehende Frau. Bei dir ist nur eine Kleinigkeit nicht in Ordnung, nur diese Zyste am Eierstock. Aber bereite dich auf den Tod vor, denn so spricht der Herr: ,Du wirst nur noch eine kurze Zeit leben.‘“ Die Frau riss die Augen auf, ihr stockte der Atem: „Wie bitte?“ „Das ist wahr, Schwester. Stelle nur sicher, dass dein Herz mit Gott in Ordnung ist.“
Als die Frau die Plattform verließ, führte ein gut gekleideter Weißer einen farbigen Jungen die Stufen hinauf und über die Plattform. Der Mann blieb etwa vier Meter vom amerikanischen Evangelisten entfernt stehen, während der Junge alleine nach vorne ging. Bill warf einen Blick auf den Jungen und sagte: „Jeder kann sehen, dass der Junge schielt. Ich kann ihn nicht heilen, doch Jesus Christus kann es. Vielleicht wird Gott mir etwas zeigen, das den Glauben des Jungen ermutigen wird.“ Er hielt inne und beobachtete wie sich die Vergangenheit des Jungen entfaltete. „Ich sehe eine große, dünne Zulu-Frau, die ein Baby, einen Jungen, in ihren Armen hält. Sie zeigt ihn ihrem Ehemann und er bemerkt, dass der Säugling schielt. Ich weiß, dass die Familie gläubig ist, weil ich sie in der Vision vor einem Kreuz beten sehe.“ Als dies durch den Zulu-Übersetzer wiederholt war, standen die Mutter und der Vater in der Zuhörermenge auf, winkten und riefen, dass es stimme.
Inzwischen hatte der Junge seinen Kopf gebeugt.
Bill sagte: „Ich brauche für den Jungen nicht zu beten, denn er ist bereits geheilt. Du kannst jetzt weiter gehen.“
Der junge Zulu hob den Kopf und grinste. Es stimmte, seine Augen waren jetzt gerade und normal. Der Junge verließ die Plattform, aber der Mann, der ihn heraufgebracht hatte, ging nicht, sondern trat näher und sagte: „Herr Branham, ich möchte einen Augenblick zu Ihnen sprechen.“
Ern Baxter stellte sich ihm in den Weg. „Wir können niemanden mit Bruder Branham sprechen lassen, wenn er unter der Salbung ist.“ „Ich möchte ihm nur eine Frage stellen.“
Bill wandte sich den beiden Männern zu und sagte: „Es ist in Ordnung, Bruder Baxter. Lass den Arzt sprechen.“
„Woher wissen Sie, dass ich Arzt bin?“
Bill ging auf die Frage nicht ein. „Was kann ich für Sie tun, Doktor?“ „Es stimmt, ich bin ein britischer Arzt. Ich habe den Jungen untersucht, bevor er hierher kam und ich habe ihn vor ein paar Augenblicken erneut untersucht. Er schielte und jetzt sind seine Augen gerade ausgerichtet. Wie haben Sie das gemacht? Haben Sie ihn hypnotisiert?“
„Wenn Hypnose schielende Augen ausrichten könnte, dann solltet ihr Ärzte sie anwenden. Aber es war keine Hypnose, es war die Kraft Gottes.“ „Herr Branham, ich bin bloß ein Gemeindemitglied. Aber jetzt, da ich einen Gott gesehen habe, der so greifbar ist, dass Er schielende Augen ausrichten kann, jetzt möchte ich Jesus Christus als meinen Erretter annehmen und ich bin bereit, dies der gesamten Zuhörerschaft zu sagen.“
Ungefähr zehn Minuten waren vergangen, seit die Frau mit der Zyste am Eierstock die Plattform verlassen hatte. Während der britische Arzt zur Menge sprach, kam ein Mann mit einer Nachricht auf die Plattform und sprach aufgeregt auf einen der Übersetzer ein, der daraufhin Bill Bericht erstattete: „Erinnern Sie sich noch an die Frau, von der Sie sagten, sie müsse sich auf den Tod vorbereiten? Sie ist gerade gestorben. Dieser Mann kennt den Ehemann und saß neben ihnen. Als die Frau zurück zu ihrem Platz kam, sagte sie zu ihrem Mann: ,Na, verstehst du das?‘, und noch ehe er antworten konnte, fiel sie auf der Stelle tot zu Boden.“ (Hinterher erfuhren sie, dass sie an einem Schlaganfall gestorben war.) Als letzter kam ein farbiger Mann durch die Gebetsreihe, der so nach vorne gekrümmt war, dass er auf seinen Füßen und Händen ging. Offensichtlich war er geistig zurückgeblieben. Mit einer Kette, die an einem Hundehalsband um seinen Nacken befestigt war, hielt ein Pfleger diesen Buckligen davon ab, umherzustreifen.
„Schaut euch dieses arme Geschöpf an“, sagte Bill mitleidig. „Wenn ich ihm helfen könnte, würde ich es tun. Die Wahrheit ist, ich kann ihm nicht helfen. Aber Jesus Christus kann es. Das Leben dieses Mannes kann nicht verborgen bleiben, da der Engel des Herrn hier ist.“ Als die Vision kam, offenbarte sie etwas Unerwartetes. Bill sagte: „Ich weiß, dass dieser Junge in einem christlichen Elternhaus groß geworden ist, denn ich sehe ein Bild von Jesus an der Wand seiner Hütte hängen. Er wurde in diesem entstellten Zustand geboren. Jetzt im Augenblick ist er jedoch nicht besorgt um sich selbst, er macht sich Sorgen um einen Bruder. Vor vier Jahren hat sich sein jüngerer Bruder verletzt, als er von einem großen gelben Hund oder einer Ziege fiel. Nun ist sein Bruder verkrüppelt und muss beim Gehen Krücken benutzen. So spricht der Herr: ,Dein Bruder ist geheilt.‘“
Im selben Augenblick durchdrang ein Schrei die Luft. Ganz hinten unter den Zuhörern stand ein großer farbiger Mann auf und schwang zwei Krücken über seinem Kopf und schrie in seiner Muttersprache, dass er der Bruder sei und jetzt geheilt wäre.
Die Menge geriet angesichts dieses Wunders außer sich und es dauerte eine Weile, ehe sie sich hinreichend beruhigt hatte, um zuhören zu können. Bill verfolgte die Aufregung geduldig und wandte seine Aufmerksamkeit dann wieder auf den mitleiderregenden Mann, der vornüber gebückt vor ihm war. Ein blauer Schatten erschien in der Luft und offenbarte eine Vision über diesen Mann, in welcher er aufrecht stand und normal ging. Bill sagte zur Zuhörerschaft: „Ihr könnt sehen, dass Jesus Christus den Bruder dieses Mannes geheilt hat. Wenn Gott jetzt diesen entstellten, zurückgebliebenen Mann heilt, wie viele von euch hier werden dann dem Herrn Jesus dienen?“
Schwarze, braune und weiße Hände gingen überall im Stadion hoch. Bill wies den Pfleger an, die Kette vom Nacken des Mannes zu lösen. Der Pfleger schüttelte besorgt, und vielleicht ein wenig furchtvoll, den Kopf. Bill bestand darauf: „Stellen Sie den Mann auf seine Füße und lösen Sie seine Kette. Gott hat ihn befreit.“ Widerwillig folgte der Pfleger, entriegelte die Kette und hob die Schultern des Mannes. Der Mann benötigte nicht viel Hilfe. Sein Rückgrat knackte ein dutzend Mal als es sich begradigte, und schließlich stand er in vollkommener Haltung vor 50.000 Menschen. Bill legte seinen Arm um die nackte Hüfte des Mannes und ging mit ihm zur Kante der Plattform, dann zurück zum Pult. Der Mann lächelte und winkte der Zuhörerschaft zu als Bestätigung, dass sein Verstand auf übernatürliche Weise wiederhergestellt und er völlig geheilt war. Die Menge schien mächtig in Bewegung zu geraten. Seine Chance ergreifend, fragte Bill: „Wie viele von euch werden jetzt Jesus Christus als euren Erretter annehmen?“
Tausend und abertausend Hände gingen hoch. Ern Baxter sagte: „Bruder Branham, ich glaube, die haben dich falsch verstanden. Sie müssen gedacht haben, du fragst, ob sie körperliche Heilung wollen. Es ist besser, du lässt die Frage noch einmal durch die Übersetzer laufen.“
Also sagte Bill ins Mikrofon: „Ich habe euch nicht gefragt, ob ihr körperliche Heilung wollt. Ich fragte, ob ihr Jesus Christus als euren persönlichen Erretter annehmen wollt. Wenn ihr das wollt, stellt euch auf eure Füße.“ Tausende Menschen standen auf. Bill sagte: „Ehe Jesus in euer Herz hineinkommen wird, müsst ihr zuerst euren falschen Göttern abschwören. Ihr, die ihr Götzen mit euch herumschleppt, ich fordere euch auf, sie jetzt zu zerbrechen.“ Eine Staubwolke erhob sich über dem Feld, als Männer und Frauen ihre Lehmgötzen auf den Boden schleuderten. Zuerst betete Bill laut für ihre Errettung, dann sprach er ein generelles Gebet für die Heilung all derjenigen, die krank und leidend waren. Tausende dieser neuen Christen schrien, sie seien geheilt. Am nächsten Tag im Hotel konnte Fred Bosworth gar nicht mehr aufhören, über den Sonntagabend-Gottesdienst zu reden. „Bruder Branham, als die Menschen gingen, warfen sie ihre Krücken, Tragen, Rollstühle und Schienen zu großen Haufen zusammen. Ich stand da und habe geheult wie ein Kind. In all den 40 Jahren, in denen ich das Evangelium gepredigt und für die Kranken gebetet habe, habe ich keine Versammlung gesehen, die an diese heranreicht.“ Der Bürgermeister Sidney Smith sagte: „Bruder Branham, kommen Sie mal herüber und werfen Sie hier einen Blick aus dem Fenster. Diese Laster sind mit Krücken und Dingen beladen, die die Leute gestern Abend zurückgelassen haben.“
Als Bill hinschaute, sah er sieben große Viehtransporter am Hotel vorbeifahren, gefolgt von hunderten von Leuten, die geheilt worden waren – Schwarzafrikaner aller Stämme vereint, nicht länger verfeindet, Arm in Arm, sangen das Leitlied der Branham-Feldzüge: „Glaube nur, glaube nur, alles ist möglich, glaube nur.“ Smith sagte: „Wir schätzen die Besucherzahl von gestern Abend auf 50.000, und auf über 100.000, wenn wir alle drei Gottesdienste am Sonntag zusammenzählen. Gestern müssen etwa 30.000 Menschen ihr Herz Jesus Christus übergeben haben. Und es ist unmöglich festzustellen, wie viele tausende von Menschen geheilt wurden.“
„Und ich war so krank, dass ich kaum stehen konnte“, fügte Bill hinzu. „Wir hätten direkt von Johannesburg nach Durban kommen sollen, wie es uns der Engel aufgetragen hatte. Mittlerweile sollte jedem klar sein, dass es Durban ist, wo der Herr uns haben möchte.“
Unglücklicherweise war das nicht jedem klar. Reverend Schoeman eröffnete, dass Ern Baxter, Bill und Billy Paul am Mittwochmorgen nach Salisbury in Rhodesien fliegen würden.
„Und – und Durban verlassen?“, ereiferte sich Bill bestürzt. „Warum? Hier ist es, wo der Herr sich bewegt.“
Schoeman tischte denselben abgedroschenen Grund auf: „Wir folgen lediglich dem Reiseplan, den wir vor über einem Monat aufgestellt haben. Wir haben euch für zwei Tage in Salisbury eingeplant, dann unten in Pretoria für eine Versammlung, danach drüben in Johannesburg für einen letzten Gottesdienst, bevor ihr nach Hause fliegt. Ich verstehe deine Verärgerung nicht. Du hast deine Versammlung in Durban gehabt wie du es gewünscht hast.“
„Wie weit ist es bis Salisbury, Rhodesien?“
„Eintausenddreihundert Kilometer nördlich von hier.“
Bill konnte den Unverstand dieser Männer kaum fassen. Er wies auf das Offensichtliche hin: „Hier in Durban gibt es 50.000 Menschen, die mich predigen hören möchten. Viele von denen sind kilometerweit gelaufen, um hierhin zu kommen. Tausende von ihnen sind frisch gläubig geworden. Jetzt, urplötzlich, fliegt ihr mich 1.300 Kilometer weit weg – und da fragst du mich, warum ich verärgert bin?“
„Es tut mir leid, Bruder Branham, aber wir haben diesem Bruder in Rhodesien versprochen, dass wir dich dorthin bringen und wir müssen unser Wort halten.“ Da sich Bill zum Diskutieren zu schwach und krank fühlte, gab er nach und beendete die Tour gemäß der Planung des National Komitees. In Salisbury predigte er zu bescheidenen 1.500 Menschen. Die zwei Tage, die er in Rhodesien war, verschwammen in seinen Erinnerungen wie ein schlechter Traum. Dann flog er zurück nach Südafrika, wo er eine Versammlung in Pretoria und zwei weitere in Johannesburg hatte. Während jener letzten Versammlung in Johannesburg war ihm, als würde er sterben. Dennoch hinderten seine eigenen Beschwerden weder die Gabe der Unterscheidung noch die Kraft Gottes. Unter den vielen Visionen an jenem Abend, sah er eine Frau unter den Zuhörern, die blind war. Er zeigte auf sie und ermutigte sie, aufzustehen und ihre Heilung anzunehmen. Sie reagierte nicht. Da stand eine andere Frau in derselben Reihe auf. Bill wandte sich an diese andere Frau und sagte: „Ich weiß, Sie sind ebenfalls blind, aber warum sind Sie aufgestanden? Sie sind eine Jüdin und Sie glauben nicht, dass Jesus der Christus ist. Glauben Sie, dass Jesus Ihnen Ihr Augenlicht erstatten kann?“ Sie nickte ihre Zustimmung. Bill fuhr fort: „Ich kann Ihn nicht bitten, Ihr Heiler zu sein, ehe Er nicht zuerst Ihr Herr und Heiland ist. Wenn Sie Ihn als den Messias annehmen, heben Sie Ihre Hand.“ Sie hob die Hand und ihr Augenlicht kehrte zurück.
Schlussendlich kam die Zeit, dass er Südafrika verlassen musste. Der britische Arzt, der den schielenden Jungen in Durban untersucht hatte, traf Bill am Flughafen in Johannesburg und sagte: „Ich habe das Gefühl, dass Gott mich mit meinen medizinischen Fähigkeiten zum Missionar beruft. Bruder Branham, das verdanke ich alles Ihnen. Danke, dass Sie gekommen sind.“ Dieser Dank konnte mit Hundert mal Tausend multipliziert werden. Aus dem Buschland trafen Berichte ein, dass 1.000 Menschen pro Woche getauft wurden. Gemeinden in ganz Südafrika füllten sich mit Menschen, die frisch erweckt worden waren zu einem echten und lebendigen Gott – einem Gott, den man anfassen konnte. Im Laufe der zehn Wochen in Südafrika hatte William Branhams Team 120 Gottesdienste in 11 Städten gehalten mit einer Gesamtbesucherzahl von etwa 500.000 Menschen. Gott allein konnte den Gesamtsieg zusammenrechnen – aber Bill wusste um den Preis.
Fred Bosworth begleitete den Rest der Branham-Gruppe zum Flughafen, wenngleich er an jenem Tag nicht abflog. Bosworth würde einen weiteren Monat in Südafrika bleiben, um mit Pastoren und Missionaren zusammen zu arbeiten und ihnen zu helfen, die tausende von Neubekehrten in Christus zu gründen. Fred F. Bosworth Während Bill auf die Ankunft seines Flugzeugs wartete, krümmte er sich vor Bauchschmerzen. Er fragte sich ernsthaft, ob er Fred Bosworth jemals wieder sehen würde. Schließlich landete sein Flugzeug und war schon bald abflugbereit. Der Moment des Abschiednehmens war gekommen. Bill umarmte seinen Freund und sagte: „Bruder Bosworth, ich bin 42 Jahre alt und ich denke, meine Tage gehen bald zur Neige. Wie Paulus kann ich sagen, ich habe den guten Kampf gekämpft, ich habe den Lauf vollendet, ich habe den Glauben bewahrt.“ „Unsinn!“, schnaubte Bosworth. „Du bist gerade mal ein Jüngling. Ich habe nicht einmal angefangen zu predigen bis ich 40 Jahre alt war. Jetzt bin ich über 70 und noch immer bei Kräften. Bruder Branham, du hast gerade deine Ausbildung beendet und dein Diplom empfangen.“
Bill stimmte zu, dass er gerade seine Ausbildung beendet hatte, doch war er sich mit dem Diplom nicht so sicher. Er hatte eher das Gefühl, dass er gerade durch seine Abschlussprüfung gefallen war.