Blaue Bücher

Übernatürlich

Übernatürlich – Buch 4

Satan lässt seine Falle zuschnappen

1951

Johannesburg bebte so stark unter der ungeheueren Erschütterung, die William Branhams Dienst auslöste, dass sich geistige Beben über den ganzen südlichen Zipfel Afrikas fortsetzten. Jene, die die ersten Versammlungen besuchten, riefen ihre Familien und Freunde an und berichteten ihnen, was sie sahen. Jeden Abend wurden die Menschenmengen größer. Am Dienstagabend, dem 8. Oktober 1951 (Bills drittem Abend in der Stadt), zwängten sich über 17.000 Menschen in den Maranatha Park, um die Gabe der Unterscheidung zu sehen. Viele, die krank hinein gingen, kamen geheilt heraus. Beinahe jeder ging begeistert von dort fort und verbreitete die Neuigkeit, dass ein Prophet Afrika besuchte, dass Jesus Christus in diesem Propheten dieselben Werke vollbrachte, die Er tat, als Er auf den Straßen von Palästina wandelte und die Kranken, die Verkrüppelten, die Tauben, die Stummen, die Blinden heilte und die Geheimnisse der Herzen offenbarte. Nichts schien unmöglich.

Am Mittwochmorgen lud die South African Medical Association Bill zu einem Frühstück ein. Ihr Sprecher sagte: „Reverend Branham, viele Ärzte in Südafrika sind Christen. Wir sind Ärzte geworden, weil wir Menschen helfen wollten. Am Anfang waren wir Ihnen gegenüber misstrauisch und dachten, Sie würden eventuell die Ansicht der Christlichen Wissenschaft predigen, dass Ärzte und Medizin schlecht seien und gemieden werden sollten. Jetzt aber ist es für uns offensichtlich, dass Sie Ärzte unterstützen. Wir glauben an göttliche Heilung in der Weise, wie Sie es predigen. Reverend Branham, wenngleich Ihre Frist zur Erlangung der Immunisierungskompetenz gegen das Gelbfieber noch nicht vorüber ist, geben wir Ihnen dennoch die Erlaubnis im Land umherzureisen. Nicht nur das, wir öffnen auch die Türen unserer Krankenhäuser und wir werden dafür sorgen, dass jeder unserer Patienten, der in Ihre Versammlungen gehen möchte, dort hinkommt.“

Nach dem Frühstück kam Ern Baxter zu Bill und sagte: „Bruder Branham, ich habe Neuigkeiten für dich. Ich weiß, du möchtest nach Durban, aber anstatt auf direktem Wege von Johannesburg aus dorthin zu gehen, hat das National Komitee eine Reiseroute festgelegt, die uns mehr als 1.500 Kilometer Richtung Süden nach Kapstadt bringen wird und dann die Ostküste entlang nach Durban. Wie hört sich das an?“

„Mir ist das gleich“, sagte Bill, „solange wir nur nach Durban kommen, denn ich fühle mich geleitet, dorthin zu gehen. Wann reisen wir ab?“ „Übermorgen.“

Das kam Bill eigenartig vor, da sie in Johannesburg gerade erst richtig Fuß fassten. Sie hatten nicht nur die Akzeptanz der lokalen medizinischen Gesellschaft, sondern sogar eine günstige Berichterstattung durch die Presse, was Bill nicht immer erhielt. Die Versammlungen verliefen überragend gut. Jeden Abend wuchs die Zahl der Besucher, wie auch die Anzahl der Heilungen und Wunder. Warum sollten sie so schnell fort? Für Bill ergab das keinen Sinn, doch sagte er nichts darüber. Schließlich war er Gast der südafrikanischen Predigergesellschaft und so schien es nur richtig zu sein, dass er es ihnen überließ, die Planungen für ihn zu regeln.

Nach der Versammlung an jenem Abend fiel Bill in einen unruhigen Schlaf. Um ungefähr zwei Uhr morgens weckte Bill ein eigenartiges Kreischen. Er taumelte zum Schlafzimmerfenster, um nachzusehen, welch eine Art von Vogel ein so ungewöhnliches Geräusch von sich gab. Alles, was er sehen konnte, waren Schilfgräser, die sich in einer sanfter Brise hin und her bewegten. Er kehrte ins Bett zurück und versuchte, wieder einzuschlafen, doch vergebens. Mit dem Gedanken, dass lesen ihn schläfrig machen könnte, schaltete er eine Lampe an, setzte sich gegen das Kopfende am Bett und schlug seine Bibel auf. Plötzlich begann seine Haut zu kribbeln und seine Nackenhaare sträubten sich. Er schaute von seiner Bibel auf und sah den Engel des Herrn in der Mitte des Zimmers stehen, dessen weißes Gewand im Schein der elektrischen Lampe leuchtete. Vom offenen Fenster her spielte der Luftzug mit dem langen, dunklen Haar des Engels. Selbst vom Natürlichen her war er mit seiner Größe von 1,85 Metern und seinem Gewicht von mindestens 90 Kilogramm eine eindrucksvolle Gestalt. Was das Übernatürliche anbetraf, war er furchteinflößend und bewirkte, dass sich Bills Brustkorb vor Angst zuschnürte.

Der Engel verschränkte seine Arme über der Brust, blickte Bill streng an und sagte: „Gehe nicht mit den Männern nach Kapstadt hinunter. Bleibe hier in Johannesburg für zwei weitere Versammlungswochen. Morgen wirst du einem Mann begegnen …“

Während der Engel sprach, verschwamm der Raum wie ein mit Wasserfarben frisch gemaltes Bild, auf das klares Wasser gegossen worden war. Als sich die Farben wieder verfestigt hatten, blickte Bill auf einen braungebrannten, kräftigen Mann weißer Hautfarbe im Alter von etwa 50 Jahren. Er hatte kleine Ohren und eine große flache Nase. Schief auf seinem Kopf saß ein Safarihut mit einem Hutband aus Leopardenfell. Die Vision zeigte, wie der Mann einen schockierenden Traum träumte.

Der Engel sagte: „Sein Name ist Sidney Jackson und er betreibt eine Farm im Norden. Er ist ein großer Jäger und er kann dich auf eine Safari mitnehmen. Nach zwei Wochen in Johannesburg musst du die nächsten zehn Tage frei nehmen, um mit Sidney Jackson jagen zu gehen. Dann gehe direkt nach Durban und bleib dort, bis ich dich rufe. Wenn du diese Dinge tust, gebe ich dir das Land.“ „Aber wie überzeuge ich die anderen Männer? Sie haben meine Reiseroute komplett festgelegt.“

„Damit sie verstehen, dass dies der Wille des Herrn ist: Morgen wird dich Reverend Schoeman nach Johannesburg mitnehmen ...“ Der Schauplatz änderte sich und Bill sah eine Straßenecke nahe einem Park. Bunte Blumen tauchten die Böschung eines Baches in Farbe. Eine Eingeborene, gekleidet in violett, stand nahe der Ecke. Der Engel sagte: „Mache Reverend Schoeman darauf aufmerksam. Danach werden sie dich nach Pretoria bringen ...“ Der Schauplatz verlagerte sich hin zu einer Autobahn, an deren Straßenseite eine junge Eingeborene Perlen verkaufte. Ihr Haar war an einer Seite der Stirn abgeschoren, was eine hässliche Narbe freilegte. Während er auf ihre Perlen schaute, hörte Bill einen heiseren Schrei und sah einen seltsamen Vogel über die Straße fliegen. Hier sagte der Engel: „Erinnere Ern Baxter, dass du ihm gesagt hast, dass dies geschehen wird, damit er weiß, dass dies ,So spricht der Herr‘ ist. Wenn du nach Pretoria kommst, wird man dich bitten, für einen Mann zu beten, der glaubt, er habe Krebs in der Hüfte, aber er irrt sich. Er leidet an einem Operationsfehler. Während einer kürzlichen Operation ist dem Chirurgen das Messer ausgerutscht und es hat das Falsche durchtrennt. Bete nicht für diesen Mann, denn er wird sterben.“

Die Vision verschwand um ihn herum und Bill fand sich dort wieder, wo er angefangen hatte: Aufrecht auf dem Bett sitzend, mit dem Rücken gegen das Kopfende gelehnt, die Bibel im Schoß und mit einer Schweißperle, die seine Schläfe hinunterrann. Der Engel des Herrn war fort.

Bill rannte ins Nebenzimmer, um es seinem Manager mitzuteilen. „Bruder Baxter, wach auf. Der Engel des Herrn ist mir gerade begegnet und hat mir gesagt, dass wir dem Terminplan, den das National Komitee aufgesetzt hat, nicht folgen sollen.“ Schlaftrunken nickte Ern Baxter und murmelte: „Das musst du morgen Bruder Schoeman erzählen.“

Am Morgen machte sich Bill auf die Suche nach Reverend Schoeman. Er traf ihn, als er gerade aufbrechen wollte, um eine Besorgung zu machen. Bill bat, mitgehen zu dürfen. Als sie die Besorgung erledigt hatten und auf dem Rückweg zum Anwesen waren, berichtete Bill seinem Gastgeber über den Besuch des Engels in der letzten Nacht. „Du siehst also, Bruder Schoeman, du wirst den Veranstaltungsplan absagen müssen.“

Schoeman fuhr sich mit einer Hand über die kahle Stirn. „Bruder Branham, das kann ich nicht. Alle Termine sind festgemacht und die Vorkehrungen getroffen. Wir brechen morgen früh nach Klerksdorp auf. Wir können nicht einfach grundlos absagen.“

„Aber es gibt einen Grund, einen sehr guten sogar. Der Herr hat mir gesagt, ich solle nicht gehen.“

„Tut mir leid, Bruder Branham, aber wir müssen den Veranstaltungsplan einhalten. Wir haben bereits tausende von Dollar für Anzeigen ausgegeben und die Menschen erwarten, dass du dort sein wirst.“

Bill bestand darauf, dass der Veranstaltungsplan abgesagt wird, aber Schoeman gab nicht nach. Sie argumentierten das Für und Wider hin und her. Schließlich wurde Bill vor Frust still. Im Augenblick kam er keinen Schritt voran, aber er hatte seine Bestätigung noch nicht eingesetzt. Das würde er sich für den Frühstückstisch aufheben.

Als er sein Grundstück erreichte, steuerte Schoeman durch die Pforte und begann, die lange Zufahrt entlangzufahren. Bevor er sein Haus erreichte, fuhr er an einem Mann und einer Frau mittleren Alters vorbei, die in die entgegengesetzte Richtung gingen. Gerade als Schoemans Auto an dem Paar vorbeifuhr, erkannte Bill den Mann. „Bruder Schoeman, halt!“

Verdutzt stieg Schoeman auf die Bremse. Bill sprang hinaus und stellte sich dem Paar vor. „Hallo, ich bin Bruder Branham.“

„Bruder Branham, ich bin hierher gekommen, um dich zu treffen. Ich heiße –“ „Ich weiß“, unterbrach Bill. „Dein Name ist Sidney Jackson. Der Engel des Herrn sagte mir, dass ich auf deine Farm gehen soll, um mich auszuruhen. Er sagte mir auch, dass du mich in einem Traum eine Zigarette hast rauchen sehen, aber ich möchte dir sagen, dass ich keine Zigarette geraucht habe. Der Herr zeigte dir, dass ich Ihm gegenüber ungehorsam sein würde, wenn ich tue, was das National Komitee von mir verlangt. Ich werde dir später mehr darüber erzählen. Warum kommst du nicht und frühstückst mit uns?“

„Herzlich gern“, sagte Jackson mit einem Ausdruck von Verwirrung auf dem Gesicht.

„Gut. Übrigens, Marrion ist mein zweiter Vorname.“

Sidney Jackson mit seiner Frau Sidney Jackson öffnete seinen Mund, als wolle er etwas sagen, war jedoch zu überwältigt, um zu sprechen.

Nach dem Frühstück erklärte Bill: „Ich habe eine Ankündigung zu machen. Wir dürfen dem Veranstaltungsplan nach Klerksdorp und darüber hinaus nicht folgen. Der Herr hat mir gesagt, weitere zwei Wochen hier in Johannesburg zu bleiben, dann zur Farm von Herrn Jackson zu gehen und mit ihm zu jagen, damit ich mich zehn Tage erholen kann. Dann soll ich direkt nach Durban gehen und dort bleiben, bis Er mich ruft. Ich vermute, dass ich einen Monat in Durban sein werde.“ Das war für jeden ein ungemütlicher Augenblick. Ern Baxter sagte: „Bruder Branham, mit mir geht das klar, aber du musst die Zustimmung des National Komitees einholen.“

„Ich habe es Bruder Schoeman gesagt und er ist der Vorsitzende des Komitees, also wissen sie es jetzt.“ Bill wandte sich an Reverend Schoeman und fügte hinzu: „Damit ihr wisst, dass dies die Wahrheit ist: Heute, wenn wir in die Stadt gehen, werden wir eine Eingeborene sehen, die eine violette Hemdbluse anhat.“ Ein ungläubiger Blick huschte über Schoemans Gesicht. „Bruder Branham, ich habe hier mein ganzes Leben verbracht und ich habe noch nie eine Eingeborene gesehen, die in violett gekleidet war.“

„Nun, heute wirst du eine sehen. Sie wird an einem Park stehen, wo es viele Bänke gibt und Leute Blumen verkaufen.“

Schoeman hob eine Augenbraue. „Ich weiß wo dieser Park ist.“ „Wir werden da heute vorbei kommen“, sagte Bill. „Später werden Bruder Baxter und ich nach Pretoria hinüberfahren und wir werden anhalten, um mit einer Eingeborenen zu sprechen, die Perlen verkauft. Die eine Seite ihrer Stirn ist dort kahl geschoren, wo sie eine große Narbe hat. Während wir ein paar ihrer Perlen kaufen, wird ein ulkig aussehender Vogel über die Straße fliegen. Aufgrund dieser Zeichen werdet ihr wissen, dass das, was ich euch sagte, die Wahrheit ist. Der Herr will nicht, dass wir den Veranstaltungsplan nach Süden umsetzen.“ Reverend Schoeman wich aus. „Ich werde mit den anderen Mitgliedern des Komitees sprechen und schauen, was sie sagen.“

Sie waren dann mit anderen Dingen beschäftigt. Um etwa 10 Uhr fragte Herr Schoeman Bill, ob er mit ihm in die Innenstadt fahren wollte. Sie hielten bei Schoemans Büro. Auf ihrem Weg zurück zum Anwesen bemerkte Bill den Park, den er letzte Nacht in der Vision gesehen hatte. Bill tippte Reverend Schoeman an die Schulter und zeigte auf eine Eingeborene, die in violett gekleidet war. Alles was Herr Schoeman sagte, war: „Ach, was verstehst du schon davon.“ Als sie zum Anwesen zurückkamen, traf Bill Justus du Plessis, den Mann, der sein Übersetzer ins Afrikaans während seines restlichen Aufenthaltes in Südafrika sein würde. Du Plessis hatte einen schicken dreiteiligen Geschäftsanzug an. Mit seiner kahlen Stirn und dem schmalen Gesicht sah er Herrn Schoeman ziemlich ähnlich, abgesehen von der Brille und dem Bart. Du Plessis und Schoeman wollten nach Pretoria fahren (das etwa 50 Kilometer von Johannesburg entfernt lag) und für einen sterbenskranken Mann beten. Sie fragten Bill, ob er mitkommen wollte. Natürlich tat er das. Ern Baxter schloss sich ihnen an. Auf der Fahrt erklärte Justus du Plessis seinen amerikanischen Passagieren ein paar Besonderheiten der Eingeborenenkultur in Südafrika. „Gewöhnlich sind dutzende von Händlern entlang dieser Strecke. Sie stellen Buden entlang der Straße auf und hoffen, kleine handgefertigte Dinge an Autofahrer zu verkaufen. Wir werden anhalten und mit einigen von ihnen reden, dann könnt ihr sehen, was sie an Handarbeiten anbieten. Vielleicht wollt ihr etwas als Souvenir mitnehmen.“

Spielerisch boxte Bill seinen Manager in die Seite, erwähnte Justus du Plessis gegenüber jedoch nichts über die Vision der letzten Nacht. Kilometer um Kilometer rollte vorüber und sie kamen an keinem Händler vorbei. „Das ist komisch“, sagte du Plessis. „Normalerweise sind auf diesem Abschnitt ziemlich viele Verkäufer.“ Das Gespräch wandte sich anderen Dingen zu. Nach einigen weiteren Kilometern kamen sie an einem Mädchen vorüber, das mutterseelenallein an einem Stand am Straßenrand saß. Du Plessis war so im Gespräch vertieft, dass er an ihr vorbeifuhr. Fast einen Kilometer später hielt er mit dem Reden lang genug inne, dass Bill die Verkäuferin erwähnen konnte, an der sie vorbeigefahren waren. Du Plessis erinnerte sich seines Versprechens, wendete das Auto und fuhr zurück.

Die Eingeborene verkaufte handgearbeitete Perlen. Sie hatte ein einprägsames Gesicht aufgrund einer Narbe, die eine Seite ihrer Stirn wie mit einer Falte überzog. Ern Baxter schoss von ihr ein Foto. Da hörte er einen heiseren Schrei, drehte sich um und sah wie ein großer, bunter Vogel über die Straße flog. Er sagte: „Schau mal, Bruder Branham. Sieht der Vogel nicht ulkig aus?“ „Das ist ein wilder Pfau“, sagte Schoeman.

Bill zeigte zurück auf das Mädchen mit der Narbe auf der Stirn und fragte seine Begleiter: „Erinnert ihr euch an die Vision, die ich euch heute Morgen erzählt habe?“

Baxter nahm seine Brille ab. Seine Augen hatten sich vor Erstaunen geweitet. „Bruder Branham, dies ist genau, wie du es gesagt hast.“ Bill blickte den Vorsitzenden direkt an und verkündete: „Bruder Schoeman, ich kann dem festgesetzten Terminplan morgen nicht folgen. Es tut mir leid, wenn das mit euren Predigern und deren Plänen nicht übereinstimmt, aber der Herr hat mir aufgetragen, ihn nicht mitzumachen.“

Herr Schoeman ereiferte sich vor Verzweiflung: „Bruder Branham, wir müssen dem folgen.“

„Ach, ihr müsst das vielleicht, aber nicht ich.“ Bill drehte sich um und ging zurück zum Auto.

Ern Baxter holte ihn ein und flüsterte: „Bruder Branham, wenn dies Amerika wäre, hätte ich als dein Manager die Autorität zu sagen: ,Nein, das Veranstaltungsprogramm im Süden machen wir nicht mit.‘ Hier drüben hingegen sind wir vom Wohlwollen dieser Prediger abhängig. Die verstehen nicht, wie dich der Herr durch Visionen führt. Ich bin hundertprozentig auf deiner Seite. Diesen Männern jedoch die Angelegenheit begreiflich zu machen – das ist eine andere Sache.“

„Ob sie es verstehen oder nicht: Ich weiß, was der Herr mir aufgetragen hat, und das beabsichtige ich zu tun.“

Am nächsten Morgen, Freitag dem 12. Oktober 1951, weckte Bill der Leerlauf eines Motors in der Einfahrt. Noch immer im Schlafanzug, ging Bill hinaus in die Eingangshalle, um nachzusehen, was vor sich ging. Mit Erstaunen erfuhr er, dass seine Eskorte angekommen sei, die ihn nach Süden fahren sollte. Justus du Plessis war ebenso überrascht. „Bist du noch nicht abfahrbereit, Bruder Branham?“

„Nein, ich habe nicht einmal gepackt. Ich habe nicht vor, irgendwohin zu fahren.“ „Du hättest aber bereits packen sollen“, sagte Reverend Schoeman. „Wir brechen nach Klerksdorp auf, sobald du fertig bist.“

Bill stand fest zu seinem Beschluss. „Innerhalb der nächsten beiden Wochen werde ich nicht zu packen brauchen und dann werde ich packen, um zur Farm der Jacksons zu gehen und dort Löwen zu jagen. Bis dahin halte ich hier in Johannesburg Versammlungen.“

Schoeman schüttelte den Kopf. „Wir haben die Versammlungen hier bereits geschlossen.“

„Ihr habt die Versammlungen geschlossen?“ Bill war fassungslos. Diese Taktik hatte er nicht vorhergesehen und sie warf ihn aus seiner Deckung. „Das ist ja lächerlich. Der Herr hat uns hier Wohlwollen geschenkt und uns aufgetragen, zu bleiben. Hier ist es, wo wir sein sollen.“

„Jetzt ist es zu spät daran noch irgendetwas zu ändern“, sagte du Plessis. „Alle Leute sind schon nach Hause gegangen. Aber in Klerksdorp haben wir eine neue Menschenmenge auf uns warten.“

„Von welcher Größenordnung ist die Stadt Klerksdorp?“, fragte Bill. „Es ist eine kleine Stadt von etwa 30.000 Menschen“, antwortete Schoeman. Bills Kinnlade klappte vor Erstaunen herunter. Wie kurzsichtig konnten diese Männer sein? „Johannesburg hat 500.000 Menschen“, machte er geltend. „Warum gehen wir dann in ein winziges Örtchen wie Klerksdorp?“ „Wir haben Bruder Fourie versprochen, dass wir dich in seine Stadt bringen werden“, erklärte Reverend Schoeman und fügte eilig hinzu, „aber wir erwarten, dass zwischen zehn- und fünfzehntausend Menschen die Versammlungen besuchen, von denen die meisten aus der umliegenden Region kommen werden.“ Das verschlug Bill umso mehr den Atem. „Wo bringt ihr die denn alle unter? Wie werden die versorgt?“

Die Prediger traten verlegen von einem Fuß auf den anderen und warfen einander beschämte Blicke zu. Dann gab Reverend Schoeman zu: „Wir wissen es nicht, aber wir haben Bruder Fourie versprochen, am 12. Oktober dort zu sein und so müssen wir heute aufbrechen. Da die Versammlungen hier offiziell vorüber sind, kannst du genauso gut mit uns kommen.“

Bill wusste nicht, was er anderes tun sollte. Was nutzte es, in Johannesburg zu bleiben, wenn die Versammlungen jetzt geschlossen waren. Widerwillig ging er in sein Schlafzimmer und packte.

Drei Autos fuhren die 160 Kilometer südwestlich nach Klerksdorp. Ern Baxter, Fred Bosworth, Julius Stadsklev und Billy Paul Branham fuhren im zweiten Wagen. Bill fuhr im ersten Auto zusammen mit Justus du Plessis, Reverend Schoeman und zwei weiteren Mitgliedern des National Komitees. Es war ein schöner, sonniger Tag. Reverend Schoeman, Justus du Plessis und die anderen Komiteemitglieder unterhielten sich lebhaft über die herrlichen Dinge, die sie Gott in Johannesburg hatten tun sehen. Im Gegensatz dazu saß Bill still da. Sein Ungehorsam gegen den Willen des Herrn lastete schwer auf ihm. Im Stillen betete er: „Himmlischer Vater, ich möchte nach Durban gehen, genau wie Du es sagtest, aber ich bin diesen Männern ausgeliefert. Würdest Du mir meinen Ungehorsam vergeben?“

Er fühlte nicht, dass ihm vergeben sei. Kilometer für Kilometer spürte er die Verurteilung schlimmer werden, bis er sie nicht mehr länger aushielt. „Haltet das Auto an!“, befahl er.

Der Fahrer scherte aus und hielt. „Was ist los, Bruder Branham?“ „Weiter kann ich nicht. Bruder Schoeman, du musst mich zurück nach Johannesburg bringen. Der Herr sagt mir, nicht weiter zu gehen.“ Die anderen zwei Autos hatten aufgeholt und hielten hinter dem ersten. Reverend Schoeman ging zum zweiten Auto hinüber und sagte zu Baxter und Bosworth: „Er weigert sich, nach Süden zu fahren. Ihr beiden werdet mit ihm sprechen müssen.“

Ern Baxter und Fred Bosworth stiegen aus und gingen zu Bill. Die anderen Prediger umringten sie. Ern Baxter fragte: „Bruder Branham, was ist los?“ „Bruder Baxter, ich soll eigentlich für zwei weitere Wochen Versammlungen in Johannesburg halten, dann mit Bruder Jackson zehn Tage lang jagen und dann direkt nach Durban gehen. Wenn ich nach Klerksdorp gehe, bin ich dem Herrn ungehorsam.“

Keiner aus der Gruppe glaubte stärker an Bills Dienst als Fred Bosworth, ein 74-jähriger Predigerveteran, der selbst große Glaubensheilungs-Feldzüge in den 20er und 30er Jahren gehalten hatte. Nachdem er 1948 eine von Bills Versammlungen besucht hatte, war Bosworth so beeindruckt gewesen, dass er aus dem Ruhestand zurückgekehrt war, um einer von Bills Managern zu werden. Doch jetzt, gar nicht seiner Art entsprechend, nahm er Partei für die andere Seite. „Bruder Branham, du hast unrecht. Wenn du mit diesen Männern nach Süden gehst, glaube ich, dass du weit über die Maßen mehr sehen wirst, als du erbitten oder erdenken kannst“ – und zitierte damit Epheser 3, 20. Für Bill war das, als hätte man ihm den Verräterdolch zwischen die Rippen gestoßen. „Papa Bosworth, ich bin über dich entsetzt. So viele Male hast du auf der Plattform gestanden und hast gehört, wie ich sagte: ,So spricht der Herr‘ – war es je verkehrt?“

Seine Augen von Bills anklagendem Blick abwendend, murmelte Bosworth: „Diesmal denke ich, dass du falsch liegst.“

Die südafrikanischen Prediger reagierten beleidigt. Ein Mann sagte ärgerlich: „Denkst du nicht, dass Gott auch zu jemand anderem als dir spricht?“ Trocken antwortete Bill: „Korah hatte einmal denselben Gedanken und sagte das gleiche zu Mose, jedoch tat sich die Erde auf und verschlang Korah. Ich weiß nicht, was Gott euch gesagt hat, meine Herren. Das kann ich nicht beurteilen. Alles, was ich weiß, ist, was Er mir gesagt hat.“

„Gott hat uns gesagt, dieses Versammlungsprogramm zu machen“, fuhr ihn der Prediger an.

„Und mir hat Gott gesagt, da nicht mitzumachen“, konterte Bill. Der Streit ging weiter. Schließlich zog Ern Baxter Bill zur Seite und flüsterte: „Bruder Branham, wir sind hier in einer ziemlich ungemütlichen Lage. Wir haben kein eigenes Geld oder sonstige Mittel und müssen diese Angelegenheit deshalb diplomatisch lösen. Ich wünschte, du würdest den Jagdausflug nicht mehr erwähnen, weil die sonst noch glauben werden, du seist in Wahrheit für eine Safari nach Afrika gekommen. Außerdem glaubt die Hälfte der Prediger hier sowieso, dass es sich für einen Christen nicht ziemt zu jagen. Wenn du die Jagd erwähnst, denken sie an die tausende von Menschen, die Gebet wünschen und sie denken, dass du verkehrt bist.“

Bill antwortete in einer Lautstärke, dass die anderen es mitbekommen konnten: „Und wenn ich im Leben nie wieder jagen ginge, das wäre mir völlig gleich. Ich will lediglich das tun, was Gott mir geheißen hat. Bruder Baxter, du hast mich lange genug begleitet, um zu wissen, dass wenn ich eine Vision sehe und dir etwas im Namen des Herrn sage –“

Ern Baxter unterbrach: „Bruder Branham, wenn du einer Vision folgst, werde ich mich nicht länger einmischen. Was immer du zu tun entscheidest – ich werde zu dir stehen.“ Er schaute nervös auf die Predigergruppe hinüber, die beim vordersten Wagen stand. „Aber zumal du immer noch im Schlepptau des National Komitees bist, und der Nachmittag sich neigt, kannst du da nicht mit nach Klerksdorp gehen und für die Menschen dort beten? Danach können wir zurück nach Johannesburg fahren, wenn es das ist, was du willst.“ Eine Ansammlung vereinzelter Robinienbäume überschattete den Ort, an dem die Autobahn verlief. Bill langte hinauf und streifte die Blätter von einem niedrig hängenden Ast, nahm sie in seiner Faust zurück zum Auto und warf sie auf die Füße der Prediger. „In Ordnung“, sagte er mit Tränen in den Augen, „wir werden nach Klerksdorp fahren für die Versammlung heute Abend. Aber merkt euch, so spricht der Herr: ,Von dieser Stunde an sind wir außerhalb des Willens Gottes und es wird nichts als Schwierigkeiten geben, bis wir wieder nach Johannesburg zurückkehren.‘“

Als sie Klerksdorp erreichten, erkannten sie sofort, wie mächtig Bills Feldzug in Johannesburg den Rest Südafrikas aufgerüttelt hatte. Über 10.000 Menschen (europäischer Herkunft) waren in diese kleine Provinzstadt zusammengeströmt und überlasteten die bescheidenen Fähigkeiten des Ortes, ihren Bedürfnissen entsprechen zu können. Aufgeregt kommentierte Bills Fahrer den Blick auf die hunderte von behelfsmäßigen Zelten und kleinen Lagern, die auf den Hügeln und den Feldern aufgeschlagen waren: „Es sieht danach aus, als würden wir heute Abend eine gute Versammlung haben.“ Bill schüttelte den Kopf. Ihm taten die armen Leute leid, die hier im Freien gestrandet waren, dem Wetter hilflos ausgesetzt; viele von ihnen waren zudem krank.

Sie fuhren zum Haus von Pastor P. F. Fourie, wo sie schlafen würden. An jenem Abend eröffnete Bruder Bosworth den Klerksdorp Feldzug. Bevor jedoch Bill Fouries Haus verlassen konnte, um zur Versammlung zu gehen, zog ein tropischer Sturm herauf. Donner dröhnten wie Kanonenschläge, während starker Regen das Gras einebnete. Eilends wurde die Versammlung abgebrochen, doch war es Mitternacht, ehe Baxter, Bosworth, Schoeman und die übrigen Prediger zu Fouries Haus zurückkehren konnten.

„Meine Zeit, wir haben es heute Abend echt versucht“, sagte Fred Bosworth und legte seinen durchnässten Mantel und Hut ab.

„Hab ich euch das nicht vorhergesagt?“, sagte Bill. „Der Herr hat mir gesagt, nicht hierher zu gehen. Ich bin außerhalb Seines Willens. Ich muss zurück nach Johannesburg.“

Die südafrikanischen Prediger waren anderer Meinung. Einer sagte: „Wir können nicht zurück. Wir haben diese Versprechen gegeben und wir müssen sie halten.“ „Außerdem“, fügte ein anderer hinzu, „haben wir diese Stürme immer. Dieser wird heute Nacht vorüberziehen und morgen wird es schön sein.“ Das Gewitter zog tatsächlich während der Nacht vorüber und der Samstagmorgen brach warm, klar und mit guten Aussichten an. Am Abend jedoch, als sie sich anschickten, Bill zur Versammlung zu bringen, brach eine für die Jahreszeit untypische Kältefront ein. Die Temperatur fiel beinahe auf den Gefrierpunkt und der Wind blies mit schauerlicher Kraft. Wieder wurde die Versammlung abgesagt.

„Habe ich euch das nicht gesagt?“, sagte Bill. „Und morgen Abend werden wir ein Erdbeben haben.“

Die Mitglieder des National Komitees schauten einander nervös an. Sie begannen schlussendlich, den Worten dieses ungewöhnlichen Mannes ernste Beachtung zu schenken, der angab, ein Engel habe zu ihm gesprochen. Justus du Plessis fragte: „Meinst du wirklich, wir werden morgen ein Erdbeben haben?“ „Ich weiß nicht ob oder ob nicht“, relativierte Bill. „Ich habe das nur zur Veranschaulichung gesagt. Aber etwas Schlimmes muss passieren, weil wir außerhalb des Willens Gottes sind.“

Frau Fourie stellte Erfrischungen auf den Tisch und setzte sich dann, um der Unterhaltung zuzuhören. Bill lehnte sich in seinem Stuhl vor und sagte, dass er am Nachmittag eine Vision über Frau Fourie gesehen habe, jedoch nicht eher etwas darüber hatte sagen können, bis jeder genauso am Tisch saß, wie die Vision es gezeigt hatte. Er berichtete Frau Fourie über Dinge, die in ihrer Kindheit geschehen waren. Dann sagte er ihr, dass sie ein Herzleiden und Magenbeschwerden habe, die durch Nervosität hervorgerufen wurden, dass sie sich aber nicht zu sorgen brauche, weil Jesus Christus sie geheilt hatte. Ausrufe des Erstaunens sprudelten aus den Mündern der südafrikanischen Prediger hervor. Bill fragte: „Glaubt ihr mir jetzt? Gott hat mir gesagt, zurück nach Johannesburg zu gehen, dort zwei Wochen zu bleiben, dann zu Bruder Jacksons Farm zu gehen, um auszuspannen und von dort aus direkt nach Durban zu gehen. Danach fliege ich dann nach Hause.“

Fred Bosworth sagte: „Bruder Branham, wenn du diese Strecke nimmst, wirst du nicht die Möglichkeit haben, zu so vielen Eingeborenen zu predigen, wie wenn du durch diese kleineren Orte reist.“ (An diesem Punkt der Unterhaltung verhielten sich die afrikanischen Prediger still, wohl wissend, dass der Großteil der Versammlungen, die sie festgesetzt hatten, für den europäischen Teil der Bevölkerung bestimmt war. Bill fand erst später heraus, dass Durban der einzige Ort in Südafrika war, an dem es farbigen Afrikanern gestattet war, dieselben Versammlungen zu besuchen wie die weißen Afrikaner.) Bosworth fuhr fort: „Bruder Branham, wenn du diesem Veranstaltungsprogramm nach Süden folgen wirst, glaube ich immer noch, dass du sehen wirst, wie Gott weit über die Maßen mehr tun wird, als wir erbitten oder erdenken können.“

Indem er eine müde Hand auf die Schulter seines Freundes legte, sagte Bill: „Bruder Bosworth, in so vielen Schlachten wie wir schon zusammen gewesen sind – und jetzt glaubst du mir nicht? Ich sage dir im Namen Jesu, dass wir außerhalb Seines Willens sind und es wird von jetzt an nichts als Schwierigkeiten geben.“ „Dennoch“, sagte Reverend Schoeman, „wir haben uns bereits bestimmten Brüdern gegenüber verpflichtet, deshalb müssen wir diesem festgelegten Programm folgen.“

Da sie sein Argument der übernatürlichen Führung nicht annehmen wollten, versuchte Bill es mit gesundem Menschenverstand. „Betrachtet es doch mal einen Moment unter logischen Gesichtspunkten. In Johannesburg haben wir das Wohlwollen der Zeitungen und der Ärztekammer und dort sind hunderttausende von Menschen, die alle Unterkunft und Verpflegung haben. Hier hingegen liegen die Leute draußen im Freien ohne Verpflegungsmöglichkeiten. Letzte Nacht sind sie beinahe ertrunken und heute Abend sitzen sie da draußen und frieren. Wenn ihr euch das allein vom Natürlichen her anschaut, wäre es da nicht sinnvoller, zurück nach Johannesburg zu gehen?“

Die Prediger tauschten ein Murmeln und Gehüstel untereinander aus, ehe Schoeman erwiderte: „Bruder Branham, wir haben tausende von Dollar in die Bekanntmachungen für diese Tour gesteckt. Wir haben die Gebäude und Grundstücke bereits angemietet. Die Termine sind gesetzt, die Zeiten festgemacht. Die Menschen haben ihre Planungen gemacht und manche sind bereits unterwegs. Wir haben unsere Zusagen gegeben und können von unserem Wort nicht zurücktreten.“

Bill sagte: „Ich habe keinem etwas versprochen und morgen früh fahre ich zurück nach Johannesburg.“

Justus du Plessis fragte: „Was wirst du tun, wenn du da ankommst?“ Da hatten sie ihn. Bill hatte kein Geld und konnte alleine nichts unternehmen. Selbst wenn er also zurück nach Johannesburg ging, bedurfte er der Kooperation eben dieser Männer, die sich solch einem Schritt jetzt entgegen stellten. Er war in einer schrecklichen Klemme. Als er so dasaß und sein Dilemma bedachte, entsann er sich plötzlich der Prophezeiung, die ihm in Shreveport (Louisiana) zuteil geworden war, als der Herr ihn warnte, dass Satan ihm in Südafrika eine Falle auslegen würde. Bill hatte vermutet, die Falle werde etwas mit Zauberern und Dämonen zu tun haben. Aber das war es überhaupt nicht. Hier war die Falle! Genau hier unter seinen gläubigen Brüdern! Die Kiefer ihrer konfessionellen politischen Systeme hatten sich fest um ihn herum geschlossen und hielten ihn eisern zwischen ihren kalten, unnachgiebigen Zähnen fest und verhinderten, dass er tat, was der Herr ihm aufgetragen hatte. Die Situation schien hoffnungslos. Bill warnte seine Schirmherren: „Wie Paulus vor langer Zeit sagte: ,Ihr hättet auf mich hören und nicht aus Kreta ablegen sollen, was all diese Probleme verursacht hat‘. Nun Brüder, Gott hat einen zugelassenen Willen, aber in Seinem zugelassenen Willen zu arbeiten, gefällt mir nicht. Ich will Seinen vollkommenen Willen.“

Den Komitee-Mitgliedern gefiel der Gedanke, dass Gott einen zugelassenen Willen hat. Einer sagte: „Ich denke, dies ist ein Fall, wo es gut ist, im zugelassenen Willen Gottes vorzugehen. Bruder Branham, warum fragst du den Herrn nicht, ob du das kannst?“

Mittlerweile war es zwei Uhr morgens. Sie hatten seit zehn Uhr abends diskutiert. Müde und entmutigt sagte Bill: „In Ordnung, ich werde darüber noch ein einziges Mal beten.“

Billy Paul Branham, der während der vierstündigen Diskussion still zugehört hatte, folgte seinem Vater ins Schlafzimmer und schloss die Tür. Er beobachtete, wie sein Vater den Raum durchquerte und aus dem Fenster auf den Sturmwind blickte, der noch immer tobte. Sein Vater stand mit leicht gebeugten Schultern da und sah aus wie ein geschlagener Mann. Billy Paul durchschritt das Zimmer, legte seinem Vater eine Hand auf die Schulter und sagte: „Papa, hör nicht auf diesen Predigerhaufen. Tue du das, was Gott dir aufträgt.“ „Billy, ich bin fix und fertig. Ich weiß nicht, wie ich das tun kann, was Gott von mir verlangt. Ich habe kein Geld. Selbst wenn ich jetzt nach Johannesburg zurückgehe, sehe ich keinen Weg, wie ich ohne die Kooperation dieser Männer Versammlungen halten könnte. Und du siehst, dass sie nicht kooperieren werden. Wenn ich je in der Klemme gesteckt habe, dann jetzt.“

„Papa, wenn kein anderer im ganzen Land dir beisteht, ich werde zu dir stehen.“ Bill umarmte seinen Sohn. „Bete mit mir, Billy.“

Sie knieten zwischen den beiden Betten und beteten zusammen. Aber bald ergab sich Billy Paul der späten Stunde, kroch ins Bett und schlief ein. Bill dagegen war zu besorgt, um schlafen zu können. Seine Gedanken schossen in der Enge, die ihn gefangen hielt, vor und zurück. Gewissermaßen musste er sich gegen dieselben Leute stellen, die ihn nach Südafrika eingeladen hatten. Wie konnte er sie überzeugen, auf ihn zu hören? Was wäre, wenn er sie nicht überzeugen konnte? Wie konnte er Gottes Willen sowohl in Johannesburg als auch in Durban umsetzen ohne die Kooperation dieser Männer? Sein Dilemma schien unüberwindlich. Seine Gefühle legten sich ihm schwerer und schwerer auf die Seele und entluden sich in einem Strom, der aus seinen Augenwinkeln rann.

Gegen drei Uhr morgens spürte Bill die Gegenwart des Engels des Herrn. Im nächsten Augenblick formte sich ein Licht in der Luft und hob sich dann zur Decke, sodass der Engel des Herrn unter der bernsteinfarbenen Flamme zu stehen kam. Draußen blies der Wind, hob und senkte sich mit wilder Wucht und rüttelte an den Fensterläden. Bill erschauderte vor Furcht. Jedes Mal, wenn er dem Engel des Herrn von Angesicht zu Angesicht begegnete, fühlte er dieselbe lähmende Furcht. An das Übernatürliche hatte er sich nie gewöhnen können. Es war eine Dimension, die man unmöglich verstehen konnte und die seine menschlichen Sinne nur schwer ertrugen. Doch während er noch zitterte, war er dankbar, dass der Engel gekommen war. Vielleicht führte jetzt ein Weg aus der Sackgasse heraus.

Bill fragte: „Wer sind diese Männer und was haben sie vor?“ Der Engel stand mit verschränkten Armen da. Obgleich Bill den Engel nie hatte lächeln sehen, sah sein durchdringender Blick jetzt streng aus. „Gehe weiter mit ihnen mit“, sagte der Engel ernst. „Da du nun einmal mit ihnen losgezogen bist, wird dir jetzt nichts anderes übrig bleiben. Doch denke daran: Wenn du mit ihnen nach Süden gehst, wirst du dafür leiden müssen. Wecke Billy Paul auf und sage ihm, so spricht der Herr: Der morgige Vormittag wird warm und schön anbrechen. Man wird Billy Paul früh zur Sonntagsschule bringen. Da die Versammlungen so stark aufgehalten wurden, wird Ern Baxter Billy Paul zurückschicken, um dich abzuholen, damit du für die Kranken betest. Sei bereit zu gehen. Dein Sohn wird mit einem jungen Mann in einem schwarzen Auto kommen. Auf dem Weg wird er anhalten und einen zweiten jungen Mann mitnehmen. Danach …“ Hier sah Bill zwei Eingeborene, die in der Nähe eines Eukalyptusbaums an einer Brücke standen. Einer der Eingeborenen, gekleidet in einen weißen Safarianzug, hatte seine Hand erhoben und war im Begriff, den anderen mit einem Stock zu schlagen. Der Engel sagte: „Billy Paul wird deine Aufmerksamkeit darauf lenken. Anhand dieses Zeichens wirst du wissen, dass ich dir die Erlaubnis gegeben habe, nach Süden zu gehen. Aber denke daran, du wirst dafür leiden müssen.“

Als er aus der Vision heraus kam, war der Engel fort. Bill weckte seinen Sohn und sagte: „Billy, der Engel des Herrn ist mir gerade begegnet.“ Er berichtete Billy Paul, was der Engel gesagt hatte. Dann eilte er zum Raum, in dem Baxter, Bosworth und Stadsklev schliefen. „Brüder, wacht auf. Ich habe das ,So spricht der Herr‘. Er hat mir die Erlaubnis gegeben, mit euch nach Süden zu gehen, aber ich werde dafür leiden müssen, weil es nicht der vollkommene Wille Gottes ist. Tatsächlich werden unsere Versammlungen nicht so erfolgreich sein, wie sie es hätten sein können, weil wir eigentlich nicht gehen sollten. Morgen früh wird der Sturm vorüber sein …“ Und dann erzählte er ihnen die übrigen Einzelheiten der Vision.

Der Sonntagmorgen zog so klar, windstill und warm herauf, wie es der Engel gesagt hatte. Billy Paul ging mit Ern Baxter und den Mitgliedern des National Komitees zur Sonntagsschule. Schon bald brachten die beiden jungen Männer Billy Paul in einem schwarzen Auto zum Haus zurück, um seinen Vater abzuholen. Bill war bereit. Auf ihrem Weg zurück zum Versammlungsgelände überquerten sie eine schmale Brücke. Dort, neben einem Eukalyptusbaum, standen zwei Eingeborene, von denen einer einen weißen Safarianzug anhatte. Billy Paul zeigte darauf. „Schau, Papa – der Mann hat einen Stock und wird den anderen Mann damit schlagen.“

Bill nickte. „Erinnerst du dich, was ich dir letzte Nacht gesagt habe, Paul? Ich kann nach Süden gehen, werde dafür jedoch leiden.“

Lädt…
Impressum · Legal notice · Datenschutz · Privacy