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Übernatürlich

Übernatürlich – Buch 4

Erschütterungen in Afrika

1951

Sidney Jackson nahm seinen Safarihut ab und wischte sich die Stirn. Heute schien es noch wärmer zu sein als gestern. Es war September 1951, Sommeranfang in Südafrika und Jackson reparierte Bewässerungsgräben in seinem Zitrusanbau. Er ließ seine Schaufel in der Erde stehen und setzte sich rücklings gegen einen Baum. Hier am Berghang konnte er hinaus über das Highveld blicken – dem dünn bewaldeten Grasland, das sich westlich nach Botswana und nördlich nach Rhodesien erstreckte. Östlich von ihm, zwischen seiner Farm und dem Indischen Ozean, verlief das Transvaal Drakensberg, Südafrikas größte Gebirgskette. Obgleich Sidney Jackson in diesem Land sein ganzes Leben verbracht hatte, wurde er dessen dürrer, wilder Schönheit nie müde.

Gedankenverloren streichelte er sein leopardenhäutiges Hutband und dachte an die Safari, auf der er diese besondere Katze geschossen hatte. Jene Unternehmung war größer gewesen als die meisten seiner Safaris. Da er hinter dem König der Tiere hergewesen war, hatte er ein ganzes Eingeborenendorf angeheuert, um den Busch abzuklopfen und die Löwen aus ihrem Versteck im hohen Gras herauszujagen.

Seine Gedanken kehrten wie von selbst zu den schwarzen Eingeborenen, von denen viele seine Freunde waren. Jahrelang hatte er die Transvaal Gegend bereist und teilzeitlich Missionsarbeit geleistet. Mittlerweile sprach er neben Englisch, Holländisch und Afrikaans auch einige Eingeborenendialekte. Er liebte das Buschland und hatte eine tiefe Achtung für die afrikanischen Eingeborenen gewonnen, die dort lebten.

Sidney Jackson schloss die Augen, um für seine eigene Missionsarbeit unter den Eingeborenen zu beten. Bald weitete sich sein Gebet aus, bis es alle Missionare einschloss, die in Südafrika arbeiteten. Während er tiefer hinein drang in den Geist des Herrn, hörte er sich plötzlich „William Marrion Branham“ sagen. Das überraschte ihn. Obgleich er über William Branham gelesen hatte, hatte er nicht an den amerikanischen Evangelisten gedacht. Und wer war Marrion Branham? Er fragte sich, ob Marrion die Frau William Branhams war. Falls ja, was hatten William und Marrion Branham mit Missionaren in Südafrika zu tun? Jackson wusste, dass Gott versuchte, ihm etwas mitzuteilen, doch wusste er im Moment nicht, was das sei.

In der folgenden Nacht träumte er, dass er William Branham auf einem Stadionplatz sitzen und eine Zigarette rauchen sah. Das beunruhigte Jackson. William Branham hatte weltweit den Ruf eines Gottesmannes. Warum hatte er geträumt, dass solch ein gottesfürchtiger Mann etwas so Ungesundes und Unheiliges tat wie rauchen? Was versuchte Gott ihm zu sagen? Wenige Wochen nach seinem Traum las Jackson mit Erstaunen in einer Zeitung, dass William Branham Südafrika im Oktober besuchen würde. Das National Komitee (das sich aus Kirchenführern der drei größten christlichen Glaubensgemeinschaften Südafrikas zusammensetzte: Der Dutch Reformed Church, der English Church und der Apostolic Faith Mission) finanzierte eine zweimonatige Tour, die William Branham durch elf afrikanische Städte führen würde. Die Tour würde am 3. Oktober 1951 in Johannesburg beginnen. Sidney Jackson wusste nicht, was Gott ihm mitteilen wollte, doch er wusste, dass er in Johannesburg sein musste, wenn der berühmte amerikanische Evangelist ankam. Die William Branham Gruppe mit dem National Komitee, das verantwortlich für die Vorbereitungen des Feldzuges in Afrika war.

Vordere Reihe:

A. W. Preller, F. F. Bosworth, A. J. Schoeman, William Branham, W. F. Mullan und W. J. Ern Baxter Hintere Reihe:

H. C. Phillips, E. D. Pettenger, D. Freeman, E. King, G. Vermeulen, J. W. Gillingham, J. H. Saayman, Julius Stadsklev, Billy Paul Branham die Schwierigkeiten begannen für William Branham noch ehe er New York verließ. Als er zum Internationalen Flughafen kam, erfuhr er, dass er und Billy Paul ihren geplanten Flug nicht antreten konnten, da ihre Visa unvollständig waren. Beiden fehlte die vorgeschriebene Gelbfieber-Impfung. Also bestieg der Rest der Gruppe – seine beiden Manager Ern Baxter und Fred Bosworth, sowie Julius Stadsklev, ein zukünftiger Militärgeistlicher – das Flugzeug und flog ihnen nach Südafrika voraus. Bill und sein Sohn erhielten ihre Impfungen in einer Klinik nahe dem Flughafen, mussten jedoch drei weitere Tage in New York warten, ehe sie folgen konnten.

Es war ein stürmischer, turbulenter und ruheloser Flug über den Nordatlantik. Bills Maschine begann am 6. Oktober 1951 um 18:30 Uhr über Johannesburg zu kreisen, aber dichter Nebel und nicht einwandfrei funktionierende Bordinstrumente verzögerten die Landung bis 21 Uhr. Ern Baxter erwartete Bill am Flugsteig in der Ankunft. Neben Baxter stand Reverend A. J. Schoeman, der Vorsitzende des National Komitees, das Bills Reise nach Südafrika genehmigt hatte. Aufgrund vorheriger Absprache mit den Behörden wurde Bill als Erster beim Zoll abgefertigt. Sein Visum war jedoch immer noch nicht gültig, weil seine Gelbfieber-Schutzimpfung zur Bildung der Immunisierungs-Kompetenz eine 12-tägige Wartefrist erforderte, bevor er ins Land durfte. Reverend Schoeman bat die Behörden eine Ausnahme zu machen und erklärte, dass tausende von Menschen zur Zeit darauf warteten, diesen Mann sprechen zu hören. Schließlich kam die South African Medical Association überein, Bill in die Stadt zu lassen, doch verweigerten sie ihm, in den nächsten zehn Tagen in Südafrika herumzureisen.

Sobald sie den Flughafen verlassen hatten, berichtete Ern Baxter, was sich in den letzten drei Tagen ereignet hatte. Als Baxter in Südafrika gelandet war, fand er hunderte von Menschen am Flughafen vor, die darauf warteten, Bill anzutreffen. Natürlich waren sie enttäuscht, als sie erfuhren, dass Bill in New York aufgehalten worden war. Es blieb nichts anderes übrig, als ohne Bill zu starten und so hielten Baxter und Bosworth eine Versammlung in einem der größten Kirchengebäude der Stadt. Es konnte nur einen Bruchteil der Menschen aufnehmen, die gekommen waren und so verlegten sie die Versammlungen zum Maranatha Park Tabernacle, ungefähr 30 Kilometer außerhalb der Stadtgrenzen. Ern Baxter sagte: „Im Durchschnitt kommen 10.000 Zuhörer pro Abend. Bruder Bosworth und ich haben abwechselnd gepredigt und eine Grundlage gelegt für den Glauben an die Verheißungen Gottes über Heilung. Die Menschen sind sehr empfänglich und ich denke, ihr Glaube ist reif. Wir werden heute Abend dort ankommen, wenn die Versammlung fast vorbei ist, aber wenigstens hast du noch die Möglichkeit, die Leute zu grüßen und ein paar Worte an sie zu richten, um sie auf morgen vorzubereiten.“

„Das klingt gut“, sagte Bill matt. Er betrachtete die Gebäude an den gut beleuchteten Straßen. „Ich wusste gar nicht, dass Durban eine so moderne Stadt ist. Ich habe sie mir etwas einfacher vorgestellt.“

„Ah, Bruder Branham, du vertust dich“, sagte Reverend Schoeman, „dies ist nicht Durban, dies ist Johannesburg.“

„Ist das hier nicht Südrhodesien?“, fragte Bill.

„Nein, dies ist Südafrika“, erwiderte Schoeman.

„In welchem Teil Südafrikas liegt dann Südrhodesien?“

„Bruder Branham, in Südafrika gibt es kein Südrhodesien.“ „Ich bin etwas durcheinander. Ich habe meiner Frau gesagt, mir nach Durban, Südrhodesien, Südafrika zu schreiben.“

Reverend Schoeman amüsierte sich. „Bruder Branham, das wäre als würde man einen Brief nach New York, Kanada, schreiben. In Kanada gibt es kein New York. Rhodesien ist ein anderes Land als Südafrika.“

„Wo ist dann Durban?“

„Es ist drüben an der Ostküste, etwa 450 Kilometer südöstlich von hier.“ „Wie viele Meilen sind das?“

„Ungefähr 300.“

„Nun, Durban ist der Ort, zu dem der Herr mich hinschicken will. Wann machen wir uns dahin auf den Weg?“

Schoeman schaute unbehaglich drein. „Äh, du wirst dort schon hinkommen“, sagte er ausweichend. „Mach dir darüber keine Sorgen.“ Dann änderte er das Thema.

Das Maranatha Park Tabernacle war nicht im eigentlichen Sinne ein Auditorium. Tatsächlich war es eine gewaltige Stahlkonstruktion mit offenen Seiten und einem verzinkten Dach, und war früher einmal der Bahnhof Johannesburgs gewesen. Die Apostolic Faith Mission, welche die größte pfingstliche Glaubensgemeinschaft in Südafrika ist, hatte diesen Platz als Konferenzgelände gekauft. Jetzt fand ein Teil der etwa 15.000 zählenden Menge unter dem Dach des Tabernacles Platz.

Die Nationalität dieser Menge gab Bill ein Rätsel auf, weil sie alle europäisch aussahen. „Sind diese alle Afrikaner?“, fragte er. „Ich dachte, Afrikaner seien schwarz.“

„Ja, es sind Afrikaner“, erklärte Schoeman, „genau wie ich ein Afrikaner bin. Die Holländer, Franzosen und die Engländer haben Südafrika kolonisiert. Insgesamt hat Südafrika drei Millionen Menschen europäischer Abstammung und weitere zehn Millionen Nicht-Europäer – nicht nur Eingeborene, sondern auch einen großen Bevölkerungsteil an Einwanderern aus Indien. In unserem Land haben wir Rassentrennung, also werden sich in den meisten deiner Versammlungen die beiden Gruppen nicht mischen. Wir haben aber einige Versammlungen unter den Eingeborenen eingeplant, so wirst du auch zu ihnen predigen können.“

Die Menschen gerieten vor Aufregung in Bewegung, als sie mitbekamen, dass der amerikanische Evangelist angekommen war. Bill bestieg die Plattform und blickte über die große Menschenschar. „Guten Abend, Freunde“, sagte er ins Mikrofon. Reverend Schoeman übersetzte jeden Satz ins Afrikaans, der offiziellen Sprache der Republik Südafrika.

Bill hatte nur fünf Minuten gesprochen, als er einen blauen Bus aus dem Schatten herausrollen und über den Zuhörern durch die Luft rumpeln sah. Der Bus fuhr nahe genug an der Plattform vorbei, dass er den Namen „Durban“ im Anzeigefenster über der Windschutzscheibe lesen konnte. Dann verschwand er aus seinem Blickfeld. Er fuhr mit dem Sprechen fort und berichtete den Zuhörern über seine Reise: „Und daher, Freunde, bin ich heute Abend sehr müde und erschöpft vom Flug.“ Ein paar Minuten später sah er den blauen Bus vom Ende des Gebäudes her erneut durch die Luft fahren. Als er die Mitte des Saales erreicht hatte, hielt er an. Ein Jugendlicher mit Krücken bestieg den Bus. Bill konnte sehen, dass ein Bein des Jungen mindestens 15 Zentimeter kürzer war als das andere. Der Bus setzte seine Fahrt fort. Seine Räder drehten sich dabei bloß ein paar handbreit über den Leuten. Wieder hielt er nahe der Plattform, wo Bill gerade predigte. Die Tür öffnete sich und derselbe Jugendliche stieg aus, diesmal ohne Krücken. Er ging über den Köpfen der Leute hinweg, bis er halb zum hinteren Bereich des Tabernacles gekommen war, dann verschwand er in einem Lichtblitz. Direkt unter diesem Licht saß derselbe Junge in Wirklichkeit. Indem er auf den jungen Mann zeigte, sagte Bill: „Du dort hinten … der Junge mit dem weißen Hemd und den schwarzen Hosenträgern. Kommst du nicht aus Durban?“

Bill war sich nicht sicher, ob der Junge Englisch verstand, doch das tat er, denn er rief zurück: „Ja, ich komme aus Durban.“

„Du bist verkrüppelt, stimmt’s? Eines deiner Beine ist kürzer als das andere und du musst auf Krücken laufen.“

„Das stimmt genau“, rief der Junge.

„Jetzt aber nicht mehr“, sagte Bill. „Du bist geheilt. Jesus Christus hat dich geheilt.“

Eine Welle des Erstaunens rauschte durch die Zuhörerschaft, doch es war noch nichts unmittelbar geschehen. Der Junge war so eingepfercht, dass er seine Beine nicht ausprobieren konnte. Ein paar Männer hoben ihn auf, brachten ihn durch die Menge nach vorne und ließen ihn oben auf der Plattform stehen, wo ihn jeder sehen konnte. Als die Männer ihn losließen, brach dem Jungen der kalte Schweiß aus. Vorsichtig machte er einen Schritt, um sein verkümmertes Bein zu testen. Es hielt. Sein nächster Schritt war etwas gewagter und bald hüpfte er auf der Bühne herum ohne den geringsten Anschein eines Hinkens.

Während die Zuhörerschaft den Herrn pries, brachte Julius Stadsklev die Geschichte des Jungen in Erfahrung. Sein Name war Ernest Blom. Als jüngstes von zehn Kindern war er seit Geburt verkrüppelt und wurde, seit er vier Jahre alt war, von einem Spezialisten betreut. Zwei Jahre trug er eine Beinschiene aus Eisen ohne jegliche erkennbare Besserung. Später hatte der Spezialist eine Operation vorgeschlagen, doch da es keine Erfolgsgarantie gab, lehnte die Familie ab. Als Ernest hörte, dass William Branham in Südafrika sein werde, konnte er es nicht abwarten, bis der Evangelist nach Durban kam. Er überzeugte seine Familie, ihn nach Johannesburg zu bringen. Ernest sagte, dass er ein sonderbares Empfinden erlebte, während William Branham zu ihm sprach, als liefe kaltes Wasser durch seinen Körper. Da wusste er, dass er geheilt war. In der Zwischenzeit forderte Bill die Zuhörer heraus, zu glauben. „Seht ihr, was Glauben an Jesus Christus vermag? Ich bin nicht gegen Ärzte. Ich bin für Ärzte. Gott segne sie. Ärzte sind da, um euch zu helfen. Aber Ärzte behaupten nicht, dass sie heilen, sie erheben lediglich den Anspruch, die Natur zu unterstützen. Gott ist der Heiler. Wenn ihr euch den Arm brecht, kann ein Arzt ihn richten, aber wer ist es, der bewirkt, dass die Knochen wieder zusammenwachsen? Wenn ihr euch in die Hand schneidet, kann ein Arzt es zunähen, aber nur Gott kann bewirken, dass es wieder zusammenwächst. Und wenn ein Arzt nichts mehr für euch tun kann, ist es an der Zeit, im Glauben zum Herrn Jesus Christus aufzuschauen.“

Während er sprach, sah er ein grünes Auto in der Luft oberhalb der Köpfe der Menschen hinwegrasen. Es ging zu schnell in eine Kurve, geriet außer Kontrolle, drehte sich und schlug rückwärts gegen einen Baum. Ein Krankenwagen fuhr vor und eine Rettungsmannschaft holte ein blondes junges Mädchen aus dem Wrack. Bill hörte einen der Retter sagen, dass das Rückgrat des Mädchens an mehreren Stellen gebrochen sei.

Als die Vision geendet hatte, suchte er die Menge nach diesem Mädchen ab, doch konnte er sie nicht finden. Dann blitzte die Feuersäule vor ihm auf und verharrte nur wenige Meter entfernt. Bill ging zur Kante der Plattform und blickte hinunter. Dort lag sie auf ihrem Rücken; ihre Trage war so nahe an der Bühne, dass er sie nicht gesehen hätte, wäre er nicht nach vorne gegangen. Sie sah aus, als sei sie etwa vierzehn Jahre alt. Bill zeigte auf sie und sagte: „Junge Dame, hattest du nicht vor kurzem einen Unfall?“

„Ja“, sie hielt den Atem an, vor Aufregung röteten sich ihre Wangen. „Du warst in einem grünen Auto, das herumgeschleudert und rückwärts auf einen Baum aufgeschlagen ist und du hast dir das Rückgrat an drei Stellen gebrochen.“ Dann sah Bill sie in einer Vision, wie sie mit erhobenen Händen über den Zuhörern lief, Luftsprünge tat und Gott pries. Ohne den geringsten Zweifel sagte er: „Im Namen Jesu Christi, stehe auf, denn so spricht der Herr: ,Du bist geheilt.‘“ Die Mutter des Mädchens, die bei ihrer Tochter saß, sprang auf und widersprach. „Nein, das kann sie nicht. Sie hat sich seit dem Unfall nicht bewegt. Der Arzt hat gesagt, wenn sie sich bewegt, wird es sie umbringen.“ Doch noch während die Mutter protestierte, war ihre Tochter bereits von der Trage aufgestanden und hatte sich auf den Boden gestellt, von wo aus sie einen Freudenschrei ausstieß. Das ließ den Kopf der Mutter herumfahren. Als sie ihre Tochter neben sich stehen sah, fiel die Mutter in Ohnmacht und brach auf derselben Trage zusammen, die ihre Tochter gerade erst freigegeben hatte.

Spontan brachen die Zuhörer in Lobpreis zu Gott aus. Bill spürte, dass es Zeit war, den Gottesdienst mit einem Massengebet für die Kranken zu schließen und bat, dass alle einander die Hände auflegten und für die Menschen um sich herum beteten. Während die Zuhörerschaft mit Eifer betete, sah Bill eine Vision über eine Frau, die von Arthritis geheilt wird. Als die Vision vorüber ging, sah er sie in der Menge und zeigte auf sie. Sie winkte, dass es wahr sei. Er fühlte sich benommen und wäre vor Anstrengung beinahe gestürzt. Vage wurde er sich der starken Arme bewusst, die ihn stützten und ihm aus dem Maranatha Faith Tabernacle hinaushalfen und in ein Auto hinein.

Nach der Versammlung brachte Reverend Schoeman Ern Baxter und Bill auf eine gute Nachtruhe nach Hause. Auf dem Weg sprach Schoeman darüber, wie wunderbar es war, diese Wunder zu sehen und wie aufgeregt er ob der Versammlungen sei. Bill ließ sich nicht täuschen. Er konnte die Skepsis des Mannes so deutlich sehen, wie er die Fährte eines Elefanten im Gras der Savanne erkannte. Diese Skepsis überraschte oder entmutigte ihn nicht. Auf diese Einstellung war er häufig unter gebildeten Christen gestoßen. Sie fragten sich, ob seine Unterscheidung vielleicht irgendein ausgeklügelter Trick sei – möglicherweise Telepathie oder Massenpsychologie, wie z.B. die Verwendung von Suggestion, um Zuhörerschaften zu manipulieren. Gewöhnlich befasste er sich nicht mit Skeptikern. Dieser Mann hingegen stand dem Komitee vor, das für jede seiner Versammlungen in Südafrika verantwortlich war. Falls Reverend Schoeman skeptisch blieb, könnten daraus Schwierigkeiten entstehen.

Obgleich vier Pfingst-Gemeinden die Hauptsponsoren von William Branhams Afrikafeldzug waren – die Apostolic Faith Mission, die Assemblies of God, die Pentecostal Holiness und die Full Gospel Church of God – beteiligten sich auch viele andere Glaubensgemeinschaften in unterschiedlichem Ausmaß. Eine Ausnahme war die Dutch Reformed Church, die nicht an göttliche Heilung glaubte. Ein Ältester der Dutch Reformed Church trotzte der Kritik aus seinen Kreisen und saß an jenem ersten Abend in Johannesburg unter den Zuhörern, von wo aus er den amerikanischen Evangelisten mit kritischem Auge studierte. Als er sah, wie die Unterscheidung die Schwierigkeiten von völlig Fremden offenbarte, war er überzeugt, dass dies ein Wirken Gottes war. Auf seinem Weg nach Hause machte er bei einem Freund Halt, welcher ein Prediger in der Dutch Reformed Church war, um seine Aufregung mit ihm zu teilen. Der Prediger schalt ihn ob seiner Naivität und sagte: „Branham ist vom Teufel inspiriert. Er ist nichts weiter als ein aufpolierter Wahrsager. Halte dich fern von ihm.“

Bekümmert verließ der Älteste das Haus seines Freundes. Nicht weit von der Haustür des Predigers kniete er unter einem Pfirsichbaum nieder und betete: „Gott, ich glaube, dass das, was ich heute Abend gesehen habe, echt ist und ich glaube, dass Bruder Branham uns die Wahrheit sagt, denn niemand außer Dir kann solche Wunder vollbringen. Ich glaube das, aber mein Freund nicht. Wie wichtig ist es, dass auch er dies sieht?“

Plötzlich spürte er eine Hand von hinten seine Schulter packen mit einem Griff, der wie heißes Eisen brannte. Er sprang auf und drehte sich um, um zu sehen, wer ihn berührt hatte. Niemand war da – zumindest niemand, den er zu sehen erwartet hätte. In der Luft hing ein ungefähr dreißig Zentimeter langer senkrechter Lichtstreifen. Während er noch zusah, dehnte sich das Licht aus und teilte sich, und aus den zwei Hälften trat ein großer Mann mit weißem Gewand und dunklem, schulterlangem Haar hervor. Der Älteste hielt den Atem an bis der Mann sprach.

„Geh“, sagte der Mann in weiß, „sage deinem Freund, dass er jenen Mann nicht verdammen soll, denn dies ist die Stunde der Heimsuchung.“ Dann verblich die weißgekleidete Gestalt.

Der Älteste rannte zurück zum Haus seines Freundes, platzte zur Tür hinein und schrie: „Ich habe gerade einen Engel gesehen. Er ist mir draußen begegnet und hat mir aufgetragen, dir zu sagen, dass dies die Stunde unserer Heimsuchung ist. Er hat seine Hand auf meinen Rücken gelegt und das hat mich verbrannt.“ Der Prediger war natürlich skeptisch. Doch als er auf den Rücken seines Freundes blickte, war er wie versteinert, als er den Abdruck einer Männerhand in dem weißen Stoff eingebrannt sah. Das überzeugte ihn.

Am nächsten Morgen trafen die drei Amerikaner ihren Gastgeber in seinem Esszimmer. „Guten Morgen, Bruder Schoeman“, sagte Bill fröhlich, als er sich an den Frühstückstisch setzte. „Heute haben wir wirklich schönes Wetter.“ Herr Schoeman war ein großer, schlanker Mann mit kahler Stirn, einem grauen Schnurrbart und einer Brille mit dicker Kunststofffassung. Er rückte seine Serviette auf dem Schoß zurecht und sagte: „Ja, es ist gutes Wetter. Ihr dürft nicht vergessen, dass dies unser Sommeranfang ist. Unsere Jahreszeiten sind genau entgegengesetzt zu euren.“

Da Bill den Zweifel spürte, der Schoeman noch immer Probleme bereitete, betete er still: „Herr, wenn Du mir nur hilfst, ihn ein wenig aufzurütteln und zu überzeugen, wird das eine Hilfe sein, denn er ist der Vorsitzende des Komitees, das mich hier unterstützt.“

Sie frühstückten und unterhielten sich weiterhin im Plauderton, bis Bill kurz daraufhin die Salbung des Heiligen Geistes spürte. Bald erschien eine Vision. Als beobachtete Bill ein Miniaturschauspiel, konnte er Herrn Schoeman und ein kleines Mädchen sehen, wie sie im Sprechzimmer eines Arztes saßen und dessen Ausführungen folgten. An der Wand hinter ihnen hing ein Kalender, mit dem Datum April 1951.

„Bruder Schoeman, dein kleines Mädchen heißt Andrea, stimmt’s?“ Herr Schoeman ließ vor Überraschung seine Gabel fallen. Sie fiel geräuschvoll gegen seinen Teller und dann auf den Boden. „Ja, Bruder Branham, woher wusstest du das?“

„Vor ungefähr sechs Monaten hast du sie beinahe verloren. Mit ihrem Hals war etwas nicht in Ordnung. Man hat sie operiert und die Mandeln entfernt, aber das war nicht sehr erfolgreich. Seither hat sie große Schwierigkeiten beim Schlucken, nicht wahr?“

„Bruder Branham, das stimmt genau. Hat der Herr dir irgendetwas über ihre Zukunft gezeigt?“

„Ja. Mach dir um sie keine Sorgen. Sie wird ganz gesund werden.“ Schoemans Stuhl schabte über den Boden als er unter den Tisch langte, um an seine Gabel zu kommen. Dann sagte er: „Bruder Branham, ich muss ein Geständnis ablegen. Bis zu diesem Augenblick war ich dir gegenüber ein bisschen skeptisch. Aber jetzt weiß ich, dass es wahr ist, was ich gehört habe.“ Als die Morgenzeitung eintraf, las Schoeman mit Erstaunen von der Geschichte über den Ältesten in der Dutch Reformed Church, der behauptete, ein Engel habe seinen Rücken gestern Nacht berührt. Die Zeitung brachte sogar ein Bild des weißen Hemdes, mit dem eingebrannten Abdruck einer Männerhand auf dem Rücken der Schulter. „Bruder Branham, das musst du lesen.“ „Ich weiß es schon, Bruder Schoeman. Der Herr zeigte mir eine Vision über die ganze Sache. Wenn du das Hemd hierher bringst, wirst du feststellen, dass meine linke Hand haargenau auf den eingebrannten Abdruck passt.“ Reverend Schoeman setzte sich mit der Zeitung in Verbindung und schon bald brachte ein Reporter das Hemd zu ihm nach Hause. Der eingebrannte Umriss einer Hand war deutlich auf dem Rücken des Hemdes sichtbar. Bill legte seine eigene linke Hand über den Abdruck und richtete seine Finger aus, um sie dem Umriss anzupassen. So wie er es behauptet hatte, passte seine Hand haargenau auf den Abdruck.

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