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Übernatürlich

Übernatürlich – Buch 4

Das Hall-Paradox

1951

Da sein Dienst ihn nötigte, wochenlang ohne Unterbrechung zu reisen, gab es stets eine Menge Neuigkeiten auszutauschen, wann immer William Branham vom Evangelisationsfeld nach Hause kam. Meda wurde ganz aufgeregt, als sie hörte, dass endlich ein Termin für Bills bevorstehende Südafrika-Feldzüge festgesetzt worden war. Er würde am 1. Oktober 1951 von New York aus abfliegen.

Bill hegte gemischte Gefühle über diese Reise. In mancher Hinsicht teilte er Medas Aufregung. Dies wäre erst das zweite Mal, dass er Nordamerika verließ. Im Frühjahr 1950 hatten seine Heilungsfeldzüge in Skandinavien große Menschenmengen angezogen und zu erstaunlichen Wundern geführt, einschließlich eines finnischen Jungen, der sein Leben durch die Kraft Jesu Christi zurück erlangt hatte, nachdem er eine halbe Stunde tot gewesen war. Bill erwartete ähnliche Resultate in Südafrika, da Gott ihn ausdrücklich angewiesen hatte, dorthin zu gehen.

Im Januar 1950, als Bill gerade einen Feldzug in Houston (Texas) hielt, erreichte ihn ein Brief von Florence Nightingale Shirlaw, die ihn inständig bat, nach Durban (Südafrika) zu kommen und für sie zu beten. Magenkrebs führte sie schleichend dem Hungertod entgegen. Ihrem Brief hatte Frau Shirlaw ein Flugticket beigelegt und ein Foto von sich, das eine Frau zeigte, die so dünn aussah wie eine ägyptische Mumie. Bill tat es leid, dass er nicht zu ihr fliegen konnte. Es war unmöglich, da er bald zu Versammlungen in Skandinavien abreiste. Ihr Bild erfüllte ihn mit solch einem Mitgefühl, dass er betete: „Gott, wenn Du möchtest, dass ich nach Südafrika gehe, dann heile bitte diese Frau.“ Zu Bills Erstaunen mietete Florence Shirlaw ein Privatflugzeug und flog nach England, um ihn zu treffen. Dort, an einem nebligen Aprilmorgen, heilte Gott sie auf wundersame Weise. Folglich wusste Bill, dass Gott von ihm verlangte, nach Durban (Südafrika) zu gehen und er erwartete, dass Gott in diesem Lande Großes tun würde.

Zugleich war er besorgt. Als er im letzten Herbst in Shreveport (Louisiana) war, fiel der Heilige Geist auf ihn und er prophezeite, dass Satan ihm in Südafrika gerade eine Falle stellte. Bill fragte sich, was das für eine Art Falle sein könnte. Seine Vorstellung beschwor Gedanken über Hexendoktoren herauf, die die Kraft Jesu Christi herausforderten. Das sah nicht gerade nach einer Falle aus. Wartete da in Afrika eine andere Art von Falle auf ihn, eine, die er sich nicht vorstellen konnte? Er wurde unruhig, wenn er nur daran dachte.

Neben den guten Nachrichten hatte Meda auch schlechte mitzuteilen. Bills Freund William Hall lag im Sterben.

„Doch nicht Bruder Hall!“, sagte Bill überrascht. William Hall war sein erster Bekehrter bei einer Erweckungsversammlung gewesen, die er in Milltown (Indiana) vor elf Jahren gehalten hatte. Später wurde der Mann Pastor der Baptistengemeinde in Milltown.

„Ja“, sagte Meda. „Er hat Leberkrebs. Dr. Dillman sagt, er wird nicht mehr lange leben. Man hat ihn nach New Albany gebracht und jetzt liegt er im Haus seiner Schwester. Er hat nach dir verlangt.“

„Nun, dann lass uns jetzt gleich hinfahren und nach ihm sehen.“ Als sie ins Haus traten, war Bill entsetzt, wie dünn und schrecklich sein Freund aussah. Die Haut des Mannes hatte sich orange verfärbt wie ein Kürbis. Bill fragte: „Wie geht es, Bruder Hall?“

William Hall strengte sich an zu sprechen: „Bruder Branham, die Ärzte haben alles getan, was sie tun können. Ich denke, ich bin am Ende meines Weges angekommen, es sei denn, Gott tut ein Wunder.“

Bill betete für seinen alten Freund. Als Bill und Meda hinausgingen, folgte ihnen Frau Hall vor die Tür. Sie fragte: „Bruder Branham, gibt es da nicht noch etwas, das du tun könntest?“

„Es tut mir leid, Schwester Hall, aber das Einzige, das ich tun kann, ist beten.“ Sie ließ ihren Blick in die Ferne schweifen und murmelte: „Vielleicht gibt es einen anderen Arzt …“

„Mit Ärzten ist es in dieser Hinsicht wie mit Predigern“, sagte Bill. „Man muss Vertrauen in sie haben oder sie können einem nicht helfen. Natürlich gibt es noch meinen guten Freund Dr. Sam Adair. Was das Medizinische betrifft, denke ich, ist er der Beste.“

Frau Hall wandte Bill wieder ihre volle Aufmerksamkeit zu. „Ich frage mich, ob dein Freund Dr. Adair meinen Mann wohl untersuchen würde.“ Bill sagte: „Ich werde ihn fragen.“

Als Bill ihn anrief, sagte Dr. Adair: „Billy, ich werde einfach hinüber ins Krankenhaus gehen und die Laborberichte durchlesen. Die sagen mir, was ich wissen muss.“ Später am Vormittag rief Dr. Adair zurück. „Ich habe die Laborberichte gelesen. Der Mann hat Leberkrebs. Diese Art von Krebs kann man nicht operieren, sie ist unheilbar. Er wird sterben.“

„Gibt es da keinen Spezialisten zu dem du ihn schicken könntest?“, fragte Bill. „Wir könnten ihn zu Dr. Abel in Louisville schicken. Er ist einer der besten Krebsspezialisten im Land.“

Nach Strohhalmen greifend, bestellte Frau Hall einen Krankenwagen, um ihren Ehemann über den Ohio in Dr. Abels Klinik zu bringen.

Am selben Abend bekam Bill einen Anruf von einem anderen langjährigen Freund, Pastor Johnson von der Main Street Methodist Church in New Albany, der ihn um einen Gefallen bat. „Bruder Branham, würdest du ein oder zwei Gottesdienste für mich halten? Ich würde mich glücklich schätzen, wenn du zusagst.“

„Ich möchte nicht für die Kranken beten, Bruder Johnson. Solange ich zu Hause bin, versuche ich mich zu erholen und das zu vermeiden, denn wenn die Unterscheidung kommt, laugt mich das völlig aus.“

„Dann komm und predige für mich. Gib mir nur einen Abend. Ich verspreche dir, ich werde dich nicht bitten, für die Kranken zu beten.“ „In Ordnung, Bruder Johnson. An welchem Abend soll ich kommen?“ „Mittwochabend wäre perfekt.“

Da Reverend Johnson diese Versammlung am Mittwochmorgen in seiner Rundfunksendung bekannt gab, drängten sich am Abend über 500 Menschen in den Gemeindesaal der Main Street Methodist Church und ebenso viele standen draußen und wünschten, sie könnten hinein. Da die Kirchenfenster zu hoch waren, als dass die Menschen vom Bürgersteig aus hätten hineinsehen können, stellte ein Diakon Lautsprecher in einigen Fenstern auf, damit sie der Predigt wenigstens zuhören konnten. Als Bill bei der Kirche eintraf, stand die Menge so dicht gedrängt auf den Gehwegen, dass er keine der Türen erreichen konnte. Ein Diakon führte ihn zu der Gasse hinter dem Gebäude, wo ein Mann sich durchs offene Fenster hinabbeugte, ihn bei den Handgelenken griff und hineinhievte. In seiner Predigt an jenem Abend sagte Bill: „Du kommst nicht in die Hölle, weil du dich betrinkst. Du kommst nicht in die Hölle, weil du Zigaretten rauchst oder Tabak kaust. Du kommst nicht in die Hölle, weil du lügst, betrügst oder stiehlst. Du kommst nicht in die Hölle, weil du Ehebruch begehst –“ Plötzlich springt eine ältere Methodistin auf und unterbricht ihn. „Reverend Branham, das lehne ich ab. Das sind Sünden! Wenn man dafür nicht in die Hölle kommt, wofür kommt man dann in die Hölle?“

„Du gehst zur Hölle, weil du das Wort Gottes nicht glaubst. Die einzige Sünde, die Gott verdammt, ist die Sünde des Unglaubens. Diese anderen Dinge sind nur Ausprägungen der Sünde. Du tust sie, weil du nicht glaubst. Das Komische daran ist, dass es möglich ist, ein Leben lang in einer Gemeinde zu sitzen und Gottes Wort dennoch nicht zu glauben. Die Bibel sagt, dass wer an Jesus Christus glaubt und getauft ist, gerettet sein wird, dass jedoch der, der nicht glaubt, bereits verurteilt ist. Jesus sagt: ,Wer mein Wort hört und dem glaubt, der mich gesandt hat, der hat das ewige Leben und kommt nicht in das Gericht.‘ Wenn du wirklich glaubst, dass Jesus Christus der Sohn Gottes ist, wirst du nicht mehr dasselbe Sündenleben führen wie zu der Zeit, bevor du Ihm begegnet bist.“ Als der Gottesdienst endete, sagte Reverend Johnson: „Bruder Branham, ich weiß, ich hatte dir versprochen, dich nicht um Gebet für Kranke zu bitten, aber wir haben eine Sonntagsschullehrerin hier, die Hilfe braucht. Es ist Frau Shane. Eine liebenswürdige Frau, eins meiner treuesten Mitglieder – nur ist sie neurotisch. Sie war die letzten zehn Jahre bei einem Psychiater in Louisville, aber es hat kein bisschen geholfen. Auch haben viele Glaubensheiler für sie gebetet, aber ohne Erfolg. Sie ist noch immer in einem furchtbaren Zustand. Ihre Nerven sind ein Durcheinander. Würdest du ihr einfach nur die Hände auflegen und Gott bitten, sie zu segnen?“

„In Ordnung. Wo finde ich sie?“

„Ich habe ihr gesagt am Ende der Kellertreppe auf uns zu warten.“ Danach zu urteilen wie Reverend Johnson sie beschrieben hatte, erwartete Bill eine Frau vorzufinden, die durch eine Zwangsjacke gebändigt werden musste. Stattdessen traf er auf eine hübsche Frau in den Dreißigern, die auf den ersten Blick ganz normal zu sein schien.

„Hallo, Bruder Branham“, sagte sie.

„Guten Tag. Sind Sie diejenige, für die ich beten soll?“ „Ja. Ich bin Frau Shane.“

„Sie sehen nicht krank aus.“

„Ich bin nicht wirklich krank. Ich weiß nicht, was mit mir los ist. Ich bin nicht Herr meiner selbst. Manchmal frage ich mich, ob ich den Verstand verloren habe.“ Jetzt bemerkte Bill kleine Anzeichen von neurotischem Verhalten an der Frau: Das nervöse Spiel ihrer Finger und das Zucken ihrer Mundwinkel. Bill sagte: „Ich denke nicht, dass du deinen Verstand verloren hast, Schwester. Lass uns deine Schwierigkeit zum Herrn Jesus bringen.“ Er legte ihr die Hände auf und betete für sie, doch nach dem Gebet hatte er keine Gewissheit, dass sie geheilt war.

Zwei Tage später waren Bill und Meda in New Albany beim Einkaufen, als sie Frau Shane auf der Straße trafen. „Geht es dir etwas besser, Schwester?“, fragte Bill.

„Nein, es wird schlimmer mit mir“, stöhnte sie. Ihr Kopf machte kleine vogelartige Zuckungen, während ihre Blicke zwischen verschiedenen Gegenständen auf der Straße hin- und herschossen. Sie schien zu Tode erschrocken, als fürchte sie, jeden Augenblick überfallen zu werden. „Bruder Branham, ich kann New Albany nicht verlassen, weil ich weiß, dass mich sonst etwas zu packen bekommt. Ich glaube echt, dass ich den Verstand verloren habe.“ „Das denke ich nicht, Schwester. Bist du ein Christ, der frei von der Sünde lebt?“ „Ja, ich bin eine geheiligte Methodistin, wiedergeboren. Ich unterrichte eine Sonntagsschulklasse junger Frauen.“

„Na, dann lass uns noch mal für dich beten.“ Bill beugte sein Haupt und betete: „Gott, bitte erbarme Dich dieser armen Frau, im Namen Jesu Christi beten wir. Amen.“ Doch als sie sich verabschiedeten, spürte Bill, dass die Sache noch nicht erledigt war.

Am nächsten Tag wurde Frau Shane von einigen ihrer Freunde in Bills Haus gebracht. Sie wehrte sich heftig und schrie: „Bringt mich nach Hause! Ich darf New Albany nicht verlassen oder ich sterbe.“ Als Bill versuchte, mit ihr zu sprechen, babbelte sie weiter davon, New Albany niemals verlassen zu dürfen oder die Erde könnte sich öffnen und sie verschlingen. Bill betete erneut für sie und sie beruhigte sich, doch machte sich Bill keine Illusionen, dass sie geheilt sei. Etwas, das tief verborgen lag, bereitete ihr Schwierigkeiten. Frau Shane wusste das auch. „Bruder Branham, ich glaube, wenn du für mich betest, wenn die Salbung auf dir ist, werde ich geheilt sein.“ Dann sagte sie zu ihren Freunden: „Das nächste Mal wenn Bruder Branham einen Heilungsfeldzug nahe New Albany hat, will ich hin, selbst wenn ihr mich in eine Zwangsjacke stecken und mich schreiend und tretend dorthin schleifen müsst!“

Später am selben Tag erhielt Bill einen Telefonanruf von Dr. Adair. „Billy, Dr. Abel hat mir seine Einschätzung über deinen Freund mitgeteilt. Es wäre vielleicht das Beste, wenn du es seiner Frau sagst. Herr Hall wird in etwa vier Tagen über Bord gehen.“

„Gibt es nichts, das getan werden kann?“

„Billy, der Krebs ist in der Leber. Du kannst ihm nicht die Leber herausnehmen und ihn am Leben halten. Er stirbt. Ich nehme an, er dürfte bereit sein zu gehen, da er ein Pastor ist.“

„Seine Seele ist mit Gott in Ordnung, aber es ist für mich unerträglich, ihn gehen zu sehen. Er ist erst 55 Jahre alt. Da gibt es noch eine Menge Arbeit, die er für den Herrn tun könnte. Warum Gott ihn nimmt, weiß ich nicht.“ „Ja, das zu verstehen, fällt jedem schwer. Manchmal müssen wir es einfach annehmen.“

Bill und Meda fuhren zu Frau Hall, um es ihr mitzuteilen. Jetzt, da ihre letzte Hoffnung am Felsen der Wirklichkeit zerschellt war, brach sie vor Kummer zusammen. Bill versuchte sie zu trösten. „Schwester Hall, bedenk doch, er ist ein Christ. Er ist bereit zu gehen. Der Apostel Paulus hat den Christen gesagt: ,Wenn diese irdische Hütte aufgelöst wird, haben wir eine, die bereits auf uns wartet.‘ Bruder Hall wird es dort, wohin er geht, weitaus besser haben. Natürlich wird es dir bei deinem Alter und ohne Kinder einsam sein. Doch du musst dir in Erinnerung rufen, dass Gott weiß, was am Besten ist und auch das ausführt, was am Besten ist.“

„Ich weiß einfach nicht, was ich ohne ihn anfangen soll“, klagte sie. „Lass uns hineingehen und noch einmal für ihn beten“, schlug Bill vor. William Hall war nun seit einer Woche zwischen Bewusstlosigkeit und Bewusstsein hin und her geworfen. Zum jetzigen Zeitpunkt war er bewusstlos. Seine orangefarbene Haut sah aus wie Wachs. Bill, Meda und Frau Hall beteten erneut und baten Gott, Erbarmen zu haben und sein Leben zu verschonen. Bevor Bill sich verabschiedete, fragte Frau Hall beinahe flehentlich: „Bruder Branham, hat Gott dir hierüber je ein Wort in einer Vision gesagt?“ „Tut mir leid, Schwester Hall, aber Er hat absolut nichts gesagt. Ich habe von ganzem Herzen gebetet. Vielleicht wird Gott Bruder Hall einfach sterben lassen.“ „Glaubst du, dass er sterben wird?“

„Ja, das glaube ich, weil alles dafür spricht. Es muss wohl im Willen des Herrn sein, aber ich kann das nicht mit Sicherheit sagen.“

Bill und Meda fuhren nach Hause. Wie gewohnt parkten viele Autos entlang der Straße vor seinem Haus. Ein dutzend Fremde warteten darauf, ihn zu sehen. Er betete für jeden Einzelnen. Die letzte Person ging kurz nach Mitternacht. Bill lehnte das Gewehr, mit dem er auf Eichhörnchenjagd zu gehen pflegte, neben die Schlafzimmertür. Auf der Bettkante sitzend, stellte er den Wecker auf vier Uhr morgens. Da es so schwierig war, in seinem eigenen Hause Ruhe zu finden, hatte er vor, früh am Morgen in die Wälder zu gehen, ein paar Stunden zu jagen und sich dann unter einen Baum hinzulegen und ein Nickerchen zu machen. In den Wäldern konnte wenigstens keiner seinen Schlaf stören. Um vier Uhr schellte der Wecker. Halb benommen rollte Bill aus dem Bett und tastete nach seiner Kleidung. Er steckte seine Finger zwischen die Lamellen der Jalousette und schob sie so weit auseinander, dass er einen Blick nach draußen werfen konnte. Manchmal kamen Leute mitten in der Nacht und schliefen in ihren Autos, darauf wartend, dass es Tag würde und er für sie beten konnte. An diesem Tag war die Einfahrt leer und das bedeutete, dass er ohne Verzögerung jagen gehen konnte.

Er nahm seine .22er Büchse, machte das Flurlicht an und schlurfte, sich den Schlaf aus den Augen reibend, in Richtung Badezimmer. Auf halbem Weg zum Bad sah er einen kleinen grünen Apfel, der augenscheinlich an der Wand hing. Bill dachte: „Wozu hängt meine Frau einen schrumpeligen, wurmstichigen Apfel an die Wand?“ Er trat näher, um besser sehen zu können. Auf einmal erkannte er seinen Irrtum. Der Apfel war gar nicht an der Wand befestigt, er hing mitten in der Luft.

Er fiel auf ein Knie nieder, legte sein Gewehr beiseite, zog sich den Hut vom Kopf und sagte: „Was möchte mein himmlischer Vater Seinen Diener wissen lassen?“

Ein weiterer grüner, mit Schorf bedeckter Apfel erschien neben dem ersten ... dann ein weiterer und ein weiterer, bis fünf verschrumpelte grüne Äpfel in einer Traube zusammen schwebten. Während Bill noch mit Erstaunen zusah, fiel ein großer, makelloser gelber Apfel auf diese Traube herab. Bill hörte ein knackendes Geräusch, vergleichbar jenem Geräusch, das entsteht, wenn jemand in ein festes Stück Obst beißt. Mit fünf Happen verschlang der einzelne gelbe Apfel alle fünf grünen Äpfel.

Die Vision verschwand, doch das übernatürliche Licht blieb und kreiselte mit einem wirbelwindähnlichen Geräusch nahe der Decke. Das Licht war keine Vision. Bill sagte wiederum: „Was möchte mein Herr Seinen Diener wissen lassen?“

„Stell dich auf deine Füße“, gebot der Engel. „Geh und sage William Hall – so spricht der Herr: ,Du wirst leben und nicht sterben.‘“

Das Licht verblich.

Jeglicher Gedanke an Eichhörnchenjagd entfiel ihm. Er rannte zurück ins Schlafzimmer und weckte seine Frau, um ihr die gute Neuigkeit mitzuteilen. Sie sagte: „Kann ich da mitkommen?“

Gemeinsam fuhren sie zum Haus hinüber, in welchem William Hall im Sterben lag. Als sie ankamen, spähte die Sonne gerade über die Baumwipfel. Maggie Hall saß müde und ermattet neben dem Bett ihres Mannes und rieb ihm die Hand. „Wie geht es ihm?“, fragte Bill.

„Noch ist er nicht tot, Bruder Branham, aber bald wird er es sein. Warum siehst du so strahlend und vergnügt aus?“

„Schwester Hall, ich habe das ,So spricht der Herr‘ über deinen Ehemann.“ Sie hielt die Luft an. „Ist es gut?“

„Ja, Schwester Hall.“ Dann wandte Bill sich um und sagte: „Bruder Hall, kannst du mich hören?“

Seine Augenlider flatterten und seine dünne Stimme krächzte: „Bin ich noch nicht fort?“

„Nein, und du wirst auch nicht gehen – noch nicht. Ich habe ein Wort vom Herrn für dich. Vor ungefähr zwei Stunden habe ich eine Vision gesehen. Bruder Hall, wie lange bist du krank gewesen?“

Da er zu schwach war, sich daran zu erinnern, rollte William Hall seine Augen in Richtung auf seine Frau und keuchte: „Magg, sag du’s ihm.“ „Es sind jetzt fünf Monate“.

Bill nickte. „Das habe ich mir gedacht. Heute früh habe ich eine Vision gesehen, in welcher ein großer, gelber Apfel fünf kleine, grüne, wurmstichige Äpfel verschlang. Die grünen Äpfel stehen für die Monate, die Bruder Hall krank gewesen ist. Von jetzt an, wird es anfangen, besser mit ihm zu werden. Das ist ,So spricht der Herr‘!“

Als Bill heimkam, rief er seinen Freund Sam Adair an: „Erinnerst du dich an den Mann, von dem du sagtest, er würde in vier Tagen über Bord gehen? Der Herr hat mir gerade gesagt, dass er nicht sterben wird.“

Sam Adair entgegnete. „Das ist unmöglich. Wie soll er mit Leberkrebs am Leben bleiben?“

„Ich weiß es nicht, aber er wird leben, denn der Herr hat es bereits so gesagt.“ „Billy, ich will dich nicht anzweifeln. Ich habe so viele erstaunliche Dinge gesehen, die um dich herum geschehen sind, dass ich eigentlich alles glauben sollte, was du mir erzählst. Aber der alte Doktor in mir muss das erst einmal sehen, bevor er es glaubt.“

„Du wirst es sehen, noch bevor du an hohem Alter stirbst, denn es wird geschehen.“

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