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Übernatürlich

Übernatürlich – Buch 4

Ein Rückblick von 1951 aus

In der Hoffnung ein wenig Ruhe zu bekommen, ehe er seine nächste Serie an Feldzügen in Angriff nahm, kam William Branham an einem warmen Junimorgen 1951 heim nach Jeffersonville (Indiana). Im Juli waren für zwei aufeinanderfolgende Wochen Gottesdienste für ihn angesetzt: Zuerst eine Woche in Toledo (Ohio); dann zwei Abende in Zion (Illinois); darauf vier Abende in Erie (Pennsylvania). Er wusste, das würde anstrengend werden. Da er bereits von seinem letzten Feldzug erschöpft war, war eine Auszeit jetzt wichtig, um seine Gesundheit zu erhalten.

Zeit zu finden, um entspannen und abschalten zu können, war für ihn nicht leicht, nicht einmal zu Hause. Sobald Leute erfuhren, dass er wieder in der Stadt war, klingelten Besucher an seiner Tür und bis zum Mittag war sein Wohnzimmer dann gewöhnlich mit Fremden überfüllt, die eine persönliche Unterredung oder Gebet wünschten. So war es immer gewesen, seit Gott ihm seinen Auftrag im Jahre 1946 gegeben hatte. Gewöhnlich machte Bill dieses beständige Eindringen in seine Privatsphäre nichts aus. Er liebte die Menschen und wollte ihnen helfen. Aber zum jetzigen Zeitpunkt war er zu müde, um irgendjemandem helfen zu können. Wenn er sich heute Zeit für Einzelgespräche nahm, würden ihn die Visionen (und während der Gespräche kamen immer Visionen) entkräften. Meda sagte: „Bill, bevor die Leute sich hier einfinden, lass mich dich irgendwo hinbringen.“

Sie fuhren in die Gegend von Tunnel Mill, 25 Kilometer nordöstlich von Jeffersonville. In diese Waldlandschaft hatte er sich in Zeiten der Not oft zurückgezogen und in der stillen, grünen Wildnis Frieden gefunden. Verborgen zwischen diesen Hügeln befand sich eine Höhle, in die er manchmal ging, um auszuruhen und zu beten. Doch heute war das nicht sein Ziel. Zu seiner geheimen Höhle war es eine anstrengende Kletterei. Bill hatte Meda einmal dorthin genommen, kurz nach ihrer Heirat 1941. Einmal hatte ihr gereicht. Auf ihrem Weg zurück nach Jeffersonville fühlte Bill einen Drang, an einer Stelle zu halten, wo er als Junge zur Schule gegangen war. Er lenkte sein Auto auf eine Wiese und parkte. Rebekah rannte davon, um Wildblumen zu pflücken. Meda ging ihr nach. Bill schlenderte hinüber zum alten Brunnen mit der Pumpe und schöpfte sich, den Pumpenschwengel auf- und abschwingend, einen Schluck Wasser. Das aus nur einem Raum bestehende Schulgebäude hatte einst nicht weit von diesem Brunnen gestanden. Jetzt war von dieser Schule nichts mehr zu sehen, nicht einmal ein Stein, der ihr Fundament angezeigt hätte. Bill lehnte sich gegen einen Holzzaun und ließ seinen Blick über das Tal zu dem Ort schweifen, an dem er aufgewachsen war. Damals war es spärlich besiedelt gewesen, nun übersäten solide gebaute Häuser die Hügellandschaft. Wie unterschieden sie sich doch von der 2-Zimmer-Hütte, in welcher er als Junge gewohnt hatte. Wie drastisch sich die Welt in 30 Jahren verändert hatte!

Bill entsann sich, wie groß ihm die Balken seiner Holzhütte vorgekommen waren, als er ein kleiner Junge war. Hinter der Hütte hatte ein riesiger Apfelbaum gestanden, von dem er einst geglaubt hatte, er würde nie vergehen. Jetzt war er fort. Er erinnerte sich der Waschbank, die sein Vater unter jenem Apfelbaum errichtet hatte und des kaputten Spiegels, der an dem Stamm befestigt war. Wie oft hatte er zugeschaut, wie sein Vater sich unter diesem Apfelbaum rasierte? Charles Branham war ein kleiner, drahtiger Mann mit kräftigen Muskeln gewesen. Wenn er sein Hemd auszog, um sich zu waschen und zu rasieren, spielten seine Muskeln unter der Haut. Bill erinnerte sich wie er gedacht hatte: „Oh! Guck wie stark mein Papa ist! Der wird 100 Jahre alt werden.“ Aber das wurde er nicht. Er starb 1936 im Alter von 52 Jahren, nachdem er sich durch übermäßigen Whiskykonsum zerstört hatte.

Vor der Hütte hatte sich ein Brunnen befunden. Bill dachte an die vielen Male, an denen er den schweren Zedernkübel dorthin getragen hatte, um Wasser zu holen. Es war schwer gewesen, das älteste von zehn Kindern zu sein. Seine Eltern hatten so viel von ihm verlangt. Er hatte seinen Bruder Edward oft dazu bewegen können, im Tausch gegen Süßigkeiten, Hausarbeit für ihn zu machen. Nun war der Brunnen verschwunden, zweifellos von einem Bulldozer zugeschüttet. Auch Edward war nicht mehr.

Beim Gedanken an Edward musste Bill die Tränen zurückhalten. Obwohl Edward ein Jahr jünger gewesen war als er, waren sie zusammen eingeschult worden. Das waren schwierige Jahre gewesen. Seine Familie war so arm gewesen, dass weder er noch Edward ausreichend Kleidung besessen hatten. In jenem Herbst 1917 war Bill ohne Hemd zur Schule gegangen. Als es zu schneien begann, gab ihm eine Nachbarin aus Mitgefühl einen Mantel. In jenem Winter hatte Bill diesen Mantel in der Schule jede Minute anbehalten, damit die anderen Kinder nicht herausbekamen, dass er kein Hemd anhatte. Während der Pause fuhren die anderen Kinder mit ihren gekauften Rodelschlitten. Bill und Edward dagegen bargen eine alte Abwaschschüssel von der Müllkippe und benutzten sie als Schlitten, bis der rostige Boden durchgescheuert war. Zur Mittagszeit gingen sie zum Ohio, um ihr karges Mittagessen zu verspeisen. Sie besaßen nur einen Essbehälter. Diesen stellten sie auf einen Klotz zwischen sich und teilten ihre Bohnen und ihr Maisbrot sorgfältig in gleich große Portionen. Bill erinnerte sich, dass ihre Mutter ihnen einmal ausnahmsweise Popcorn eingepackt hatte. Er hatte sich zeitig aus der Klasse davongestohlen, um mehr als seinen Anteil zu stibitzen. Ach, wie es ihn gereute, seinen Bruder hintergangen zu haben! Das war 1917, während des Ersten Weltkrieges. Das Morgenritual war stets das gleiche gewesen. Nachdem sie die Schulglocke geläutet hatte, trommelte Frau Temple ihre Schüler auf dem Schulhof zusammen und stellte sie in einer Reihe auf, wobei sie eine Weidenrute benutzte, um die Ordnung aufrechtzuerhalten. Nach dem Treuegelöbnis auf die US-Flagge drehten sie sich in Richtung Schulgebäude, legten dem Schüler vor sich eine Hand auf die Schulter und marschierten hinein. Jeder hatte seinen zugewiesenen Platz in dieser Reihe gehabt. Bill konnte sich noch immer an die Reihenfolge erinnern: Der erste war der rothaarige und schnell aufbrausende Roland Hollaway gewesen. Roland hatte einen Mann beim Würfelspiel niedergeschossen und war im Gefängnis gestorben. Danach kam Wilmer. Er geriet in eine Messerstecherei und starb mit durchschnittener Kehle. Und Willis Paul? Er starb an einer Krankheit, die seinen Leib zersetzte. Howard Higgins starb bei der Explosion der Colgate Fabrik. Ralph Fields und Willie Hinkle? – auch sie waren nicht mehr. Nach Willie kam Edward, Bills jüngerer Bruder. Edward hatte in der Reihe immer hinter Bill gestanden und seine Hand auf Bills Schulter gelegt, wenn sie in die Schule hineinmarschierten. (Mit einem Mal wurde Bills bitter-süße Nostalgie mehr bitter als süß. Edward Branham war 1928 in Jeffersonville gestorben, während Bill in Arizona als Rindertreiber gearbeitet hatte. Das war, ehe Bill ein Christ geworden war. Dennoch sagte Edward als er starb: „Sagt Billy, ich werde ihn eines Tages im Himmel wiedersehen.“)

„Oh, Gott“, dachte Bill, „hier bin ich als einziger von ihnen übrig geblieben. Wer bin ich, dass ich noch am Leben bin? Wie wahr ist Dein Wort: Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir. Oh, Herr, ich würde den Rest meines sterblichen Lebens dafür geben, wenn Du mich mit einer Portion Popcorn vor jene Pforten treten ließest und ich sagen könnte: ,Edward, Kumpel, hier ist die Hand voll Popcorn, um die ich dich betrogen habe, als wir noch Jungen waren.‘“ Plötzlich weinte Bill laut heraus: „Oh, Gott, lass die Engel kommen und meine arme, müde Seele holen und mich von hier fortnehmen. Diese Welt ist nicht länger mein Zuhause.“

Dieser Ausbruch brachte Meda an seine Seite. Sie legte ihre Arme um ihn und sagte: „Liebling, du bist hierher gekommen, um dich zu erholen und jetzt stehst du hier und weinst wie ein kleines Kind. Tu das nicht.“

„Schatz“, sagte Bill, „wenn du nur wüsstest, was mir durch den Sinn ging. Ich erinnere mich, wie ich genau dort beim Haus stand, als meine kleine Sharon Rose krank wurde. Direkt danach wurde Hope13krank..Ich kann verstehen, warum Gott Hope nahm, aber ich habe nie verstanden, warum Er Sharon Rose nahm. Sie war nur neun Monate alt.“

Meda schnitt ihm das Wort ab: „Du solltest über solche Dinge nicht nachdenken, Bill. Nicht jetzt.“

Doch ihre Ermahnung kam zu spät. Die Erinnerung hatte bereits eingesetzt … William Branham wurde in einer primitiven Ein-Zimmer-Blockhütte nahe Burkesville (Kentucky) geboren. Seine Mutter Ella war praktisch selbst noch ein Kind – gerade 15 Jahre alt. Sein Vater Charles war 18. Bill kam kurz vor Tagesanbruch am 6. April 1909 zur Welt. Laut denen, die zugegen waren – die Hebamme, ein Nachbar, die Großmutter, Ella und Charles – schoss ein unnatürliches Licht nur wenige Minuten nach seiner Geburt durch das offene Fenster in die Hütte hinein, hing für einen Moment über seinem Bett und verschwand dann hinauf durch das Dach. Es war der erste Hinweis, dass sein Leben dazu bestimmt war, etwas Besonderes zu sein.

1912 zog Charles mit seiner Familie auf eine Farm nahe Jeffersonville (Indiana). 1917, kurz nachdem Bill in die Schule gekommen war, ereignete sich etwas, das ihn dermaßen in Schrecken versetzte, dass es zu einer seiner lebendigsten Kindheitserinnerungen wurde. Es geschah während der Prohibition, als ihn sein Vater gerade Wassereimer einen Hügel hoch zu einer Schwarzbrennerei schleppen ließ, die hinter dem Haus in einem Schuppen versteckt war. Den Hügel zur Hälfte geschafft, setzte sich der 7-jährige Billy unter eine Pappel, um auszuruhen. Bald bemerkte er einen eigenartigen Wirbelwind, der in den oberen Zweigen festsaß – eigenartig deshalb, weil er an einer Stelle blieb. Plötzlich hörte er eine Stimme, die dem Klang nach vom Wirbelwind herkam. Die Stimme sprach: „Trinke oder rauche niemals, und beflecke deinen Leib in keiner Weise! Denn es gibt ein Werk für dich zu tun, wenn du älter wirst.“ Billy ließ die Wassereimer fallen, rannte zum Haus und schrie nach seiner Mutter. Jene Stimme hat er nie vergessen und wenn er versucht hatte, ihr Gebot zu missachten, hatte ihn stets etwas, das sein Verständnis überstieg, daran gehindert. Ungeachtet dieser Erlebnisse wuchs Bill fern von Gott auf. Im Alter von 23 Jahren, als er für die Gasbetriebe von New Albany arbeitete, verlor er durch austretende Gasdämpfe die Besinnung. Dieser Unfall wirkte sich schwerwiegend auf seine Gesundheit aus. Sein Kopf und Magen schmerzten ununterbrochen und er entwickelte starken Astigmatismus. Sein Arzt, auf der Suche nach einer Diagnose, war ratlos. Schließlich entschied er, Bills Blinddarm sei entzündet und müsse entfernt werden.

Unmittelbar im Anschluss an die Operation, während Bill in einem Krankenhauszimmer lag, fühlte er sein Leben entschwinden. Er versuchte nach einer Krankenschwester zu rufen, doch konnte er nur flüstern. Während seine Herzfrequenz fiel, veränderte sich das Zimmer. Ihm war, als gehe er durch einen dunklen, kalten Wald. Der Tod war ihm auf den Fersen. Aus der Ferne hörte er das Geräusch eines nahenden Windes. Mit Schrecken dachte er, der Tod käme, um ihn zu packen. Plötzlich stand er wieder unter jener Pappel aus seiner Kindheit und schaute hinauf auf denselben Wirbelwind, der in ihren Zweigen festsaß. Wieder hörte er jene tiefe Stimme zu ihm sprechen, nur diesmal endeten die Worte anders. Die Stimme sprach: „Trinke oder rauche niemals und beflecke deinen Leib in keiner Weise ... Ich rief dich und du wolltest nicht gehen.“ Bill schrie aus: „Jesus, wenn Du das bist, lass mich auf die Erde zurückkehren und ich werde Dein Evangelium von den Hausdächern und an den Straßenecken predigen. Ich werde jedem von Dir erzählen.“

Im Nu endete die Vision und Bill befand sich wieder in seinem Krankenzimmer. Nach und nach erlangte er seine Gesundheit zurück.

Er wurde Prediger in der Missionary Baptist Church, doch bald fühlte er sich geleitet, eine eigene unabhängige Gemeinde zu gründen. Am Sonntagnachmittag, dem 11. Juni 1933, beendete er eine zweiwöchige Erweckungsversammlung mit der Taufe seiner Bekehrten im Ohio. Mehr als eintausend Menschen schauten vom Ufer aus zu. Nachdem Bill 16 Menschen auf den Namen des Herrn Jesus Christus getauft hatte, erschien plötzlich ein Feuerball in der Luft direkt über ihm und eine Stimme sprach: „Wie Johannes der Täufer dem Ersten Kommen Jesu Christi vorausgesandt wurde, so bist du mit einer Botschaft gesandt, Seinem Zweiten Kommen vorauszugehen.“

Damals verstand Bill nicht, was das bedeutete. Es schien nur ein weiterer Vorfall in einer Reihe an erstaunlichen Ereignissen zu sein, die ihm all sein Leben lang gefolgt waren – nur dass jetzt, da er ein Christ war, diese Erlebnisse zunahmen. Einmal sah er sogar eine Vision vom Herrn Jesus Christus, wie Er in der Luft nur ein paar Fuß über dem Boden stand. Verwirrt von diesen Geschehnissen, suchte er Rat bei anderen Predigern in seiner Gegend. Sie warnten ihn, sich mit solchen Dingen nicht zu befassen und deuteten an, dass der Teufel seinem Verstand einen Streich spiele. Das erschreckte Bill, und jahrelang widerstand er diesem ungewöhnlichen Ruf Gottes in seinem Leben. Dann, im Mai 1946, wurde das Maß von Bills Verwirrung voll. Er zog sich in seine geheime Höhle zurück und gelobte, die Wildnis nicht eher zu verlassen, bis Gott ihm begegnet war und ihm die Bedeutung seines eigenartigen Lebens erklärt hatte. Viele Stunden lang schüttete er seine qualvollen Gefühle im Gebet aus. Dann wurde er still. Obwohl es schon nach Mitternacht war, dachte er nicht im Entferntesten an Schlaf. Bill saß in totaler Dunkelheit, betend, nachdenkend, lauschend. Plötzlich sah er ein Licht, das anschwoll, bis es die enge Höhle ausfüllte. Dann hörte er Schritte. Aus dem Licht trat ein barfüßiger Mann, gekleidet in eine weiße Robe. Der Mann war etwa 1,85 Meter groß und musste mindestens 90 Kilogramm gewogen haben. Dichtes schwarzes Haar hing bis auf seine Schultern herab und umrahmte ein bartloses Gesicht, aus welchem mit ernstem Blick durchdringende Augen schauten.

Bill packte der Schrecken. Dann sagte der Mann: „Fürchte dich nicht“, und Bills gesamte Furcht verschwand. Es war dieselbe tiefe, volltönende Stimme, die Bill aus der Pappel hatte sprechen hören als er noch ein Junge war. Der Mann fuhr fort: „Ich bin aus der Gegenwart des Allmächtigen Gottes gesandt, um dir zu sagen, dass deine sonderbare Geburt und dein missverstandenes Leben dazu dienten, anzuzeigen, dass du eine Gabe der göttlichen Heilung den Völkern der Erde bringen sollst. Wenn du aufrichtig sein wirst, wenn du betest und erreichst, dass die Menschen dir glauben, wird nichts deinem Gebet widerstehen können, nicht einmal Krebs. Du wirst in viele Teile der Erde gehen und für Könige, Herrscher und Machthaber beten. Du wirst zu Menschenmengen auf der ganzen Welt predigen und Tausende werden dich um eines Rates willen aufsuchen. Du musst ihnen sagen, dass ihre Gedanken im Himmel lauter zu hören sind als ihre Worte.“

Bill wandte ein, dass er zu arm und ungebildet sei, um solch eine Leistung vollbringen zu können und argumentierte, dass ihm niemand glauben werde. Der Engel sagte: „Wie dem Propheten Mose zwei Zeichen gegeben wurden als Beweis, dass er von Gott gesandt war, so werden auch dir zwei Zeichen gegeben werden. Erstens, wenn du die rechte Hand einer Person in deine linke nimmst, wird es dir möglich sein, das Vorhandensein jeder durch Keime verursachten Krankheit anhand von Vibrationen festzustellen, die in deiner linken Hand auftreten werden. Dann musst du für die Person beten. Wenn deine Hand wieder normal wird, kannst du die Person für geheilt erklären. Wenn sie es nicht wird, bitte nur um einen Segen und gehe davon. Versuche unter der Salbung Gottes nicht, deine eigenen Gedanken zu denken; es wird dir gegeben, was du sagen sollst. Das zweite Zeichen ist größer als das erste. Wenn du demütig und aufrichtig bleibst, wird es geschehen, dass du in der Lage sein wirst, selbst die Geheimnisse ihrer Herzen durch Vision kundzutun. Dann werden dir die Menschen glauben müssen. Dies wird das Evangelium in Kraft ausweisen und das Zweite Kommen Christi einleiten.“

Zurückgekehrt nach Jeffersonville, berichtete Bill seiner Versammlung vom Besuch des Engels. Ein Gemeindemitglied wiederholte die Geschichte auf der Arbeit. So wurde William Morgan darauf aufmerksam, dessen Frau an Krebs im Sterben lag. Da die Ärzte seine Frau aufgegeben hatten, überlegte sich Herr Morgan, dass er nichts zu verlieren habe, wenn er sie zum Gebet zu Billy Branham brachte.

William Morgan brachte seine bewusstlose Frau auf einer Trage zur Gemeinde. Als Bill ihre rechte Hand in seine linke nahm, spürte er die seltsamsten Empfindungen. Sein Handgelenk und Unterarm kribbelten heftig, als hätte er eine Niedrigstromleitung berührt. Die Vibrationen setzten sich über seinen Arm bis zum Herzen fort. Seine Armbanduhr blieb stehen. Die Haut auf seinem Handrücken wurde rot und zeigte ein Muster von kleinen weißen Beulen. Als er Jesus Christus bat, diese sterbende Frau zu heilen, hörten die Vibrationen auf. Schlagartig wurde Bills Hand wieder normal. Dort erkannte er, dass die Vibrationen vom krebsartigen Leben des Dämons herrührten, der den Körper der Frau zerstörte. Jetzt war der Dämon gewichen. Ohne den geringsten Zweifel verkündete Bill: „Haben Sie keine Angst, denn so spricht der Herr: ,Ihre Frau wird leben‘!“

Margie Morgan erholte sich so schnell, dass ihre höchst erstaunten Ärzte sie binnen ein paar Tagen aus dem Krankenhaus entließen. Völlig gesund ging sie von dort fort.

Die Nachricht über dieses Wunder verbreitete sich in christlichen Kreisen und veranlasste Prediger bis hin nach St. Louis (Missouri) und Shreveport (Louisiana), an Bill zu schreiben und ihn zu bitten, Erweckungsversammlungen in ihrer Gegend abzuhalten. Bill kündigte seine Stelle bei den öffentlichen Versorgungsbetrieben Indianas und trat von seinem Amt als Pastor des Branham Tabernacle in Jeffersonville zurück, damit er vollzeitlich als Evangelist arbeiten konnte.

Er unternahm ausgedehnte Reisen und führte in ganz Amerika und Kanada Glaubensheilungs-Feldzüge durch. Das Zeichen in seiner Hand, im Zusammenwirken mit den nachfolgenden Wundern, zog beständig größere Menschenmengen an. Wann immer Bill von jemandem die rechte Hand ergriff – sofern diese Person unter einer keim- oder virenbedingten Krankheit litt – schwoll seine eigene linke Hand an und wurde rot. Er konnte jede Keim- oder Virenkrankheit am Muster der weißen Beulen identifizieren, das auf seinem geschwollenen linken Handrücken erschien. Die Menschen mussten ihm nicht einmal sagen, welche Krankheit sie hatten; er sagte es ihnen und lag dabei stets richtig. Verschwand die Schwellung in seiner Hand, nachdem er für eine Person gebetet hatte, wusste Bill, dass der Dämon ausgetrieben worden war: Die Person war geheilt.

Zu jeder Versammlung strömten tausende von Menschen in Scharen zusammen, um dieses packende Zeichen Gottes zu sehen und hunderte schrien nach Gebet. Die große Not vor Augen, trieb sich Bill unbarmherzig voran und betete für die Reihen kranker Menschen drei, vier, fünf und manchmal sechs Stunden am Stück – Abend für Abend, Monat für Monat, mit nur wenigen Unterbrechungen. Nach zwei Jahren solch erschöpfender Tätigkeit erlitt er einen Nervenzusammenbruch, der ihn zwang, für sechs Monate vom Predigtdienst zurückzutreten. Als er sich erneut in den Dienst des Herrn hinauswagte, war er ein verständigerer und vorsichtigerer Mann.

1949 erschien das zweite Zeichen in seinem Dienst, genau wie es der Engel gesagt hatte. Bill hielt gerade einen Gebetsgottesdienst in Regina (Saskatchewan). Eine Frau mittleren Alters kam aus der Gebetsreihe nach vorne. Noch ehe Bill ihre Hand für eine Diagnose nehmen konnte, sah er sie in einer Vision als junges Mädchen, sah ihre Schwierigkeit und wusste, weshalb sie zum Gebet gekommen war. Dann sah er ihre Zukunft, eine Zukunft, in der sie gesund war. Von jenem Abend an löste dieses zweite Zeichen – Unterscheidung durch Vision – das erste Zeichen in den Versammlungen ab.

Nicht, dass das Zeichen in seiner Hand ihn je verlassen hätte, keineswegs. Er konnte es jederzeit anwenden, wenn es dienlich schien. Bill hat den Vorfall nie vergessen, der sich 1949 ereignete, als er in Kalifornien Versammlungen hielt. Er befand sich mit Meda in ihrem Hotelzimmer, als einer seiner Freunde, Paul Malicki, ihn anrief und ihn um einen Gefallen bat. „Bruder Branham, meine Frau hat gerade erst ein Kind geboren und jetzt ist sie ernsthaft erkrankt. Ihr Arzt kann nicht feststellen, was ihr fehlt. Kann ich sie zu dir bringen?“ „Klar, Bruder Malicki“, antwortete Bill, „aber du musst sie heute herbringen. Morgen fahre ich nach Catalina.“

Paul Malicki brachte seine Frau sofort hin. Bill konnte auf einen Blick sehen, dass sie eine sehr kranke Frau war. Er sagte: „Schwester Malicki, leg deine Hand auf meine. Wir wollen sehen, ob der Herr uns mitteilt, was es ist.“ Sobald ihre rechte Hand seine linke berührte, sagte Bill: „Ach, es ist Milchbein.“ „Das ist komisch“, sagte sie, „ich scheine keine Symptome eines Blutgerinnsels in meinem Bein zu haben.“

„Warte nur und schau selbst: Es ist ganz sicher Milchbein. Die Gabe versagt nie.“

Frau Malicki schaute auf Bills geschwollenen Handrücken, der mit kleinen weißen Erhebungen gesprenkelt war. „Es ist eine erstaunliche Sache, das zu beobachten, Bruder Branham. Funktioniert das bei jeder Hand, die du berührst?“ „Nein“, antwortete Bill, „es funktioniert nur, wenn mit der Person etwas nicht in Ordnung ist. Schau, was passiert, wenn ich die Hand meiner Frau nehme. Ihr fehlt nichts.“

Bills Handrücken wurde wieder normal, sobald er Frau Malickis Hand losließ. Meda langte hinüber und legte ihre rechte Hand in die linke ihres Ehemanns. Bill war überrascht. „Meda, du hast ein Frauenleiden. Du hast eine Zyste an deinem linken Eierstock.“

„Ich spüre es nicht“, sagte Meda.

„Aber sie ist da, nichtsdestotrotz.“

Zwei Tage später behandelte Frau Malickis Arzt sie wegen eines Blutgerinnsels in ihrem Bein.

Von da an war Bill über die Zyste am Eierstock seiner Frau besorgt. Kurz darauf hatte er Gelegenheit, es überprüfen zu lassen. Am 19. März 1951 brachte er Meda zur Geburt ihres zweiten Kindes, Sarah, ins Krankenhaus. Wie beim ersten Kind, musste auch dieses mit Kaiserschnitt entbunden werden. Während sie auf die Operation vorbereitet wurde, sagte Bill zu Dr. Dillman: „Untersucht dabei gleich ihren linken Eierstock und entfernt die Zyste, wenn ihr sie findet.“ Später berichtete Dr. Dillman: „Mit ihrem Eierstock war alles in Ordnung. Ich habe nichts gefunden.“

Hoffnungsvoll ergriff Bill die rechte Hand seiner Frau mit seiner linken. Unglücklicherweise sah er, wie sein Handrücken rot wurde und anschwoll. Da wusste er, dass die Zyste immer noch da war.

Eine Wolke überschattete die Wiese. Nun kam eine kühle Brise vom Fluss herauf. Meda fröstelte und meinte, es sei an der Zeit, heimzugehen. Bills Blick blieb bewundernd auf dem Gesicht seiner Frau hängen, auf ihren zarten Wangen und ihren sanften Augen. Sie war nur 32 Jahre alt, doch blinkten in ihrem dunklen Haar bereits graue Strähnen. Bill schrieb dieses Ergrauen ihrem Bestreben zu, ihn vor der Öffentlichkeit abzuschirmen, wenn er zu Hause war. Wie sehr er sie doch liebte! Wie furchtbar wäre es, auch sie zu verlieren, wie seine erste Frau Hope. Der Herr würde das sicher niemals zulassen, oder etwa doch?

Bill nahm die kleine Rebekah mit ihrem Strauß wilder Blumen auf den Arm und trug sie zum Auto zurück.

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