1954
Von Griechenland flog William Branham nach Riad, der Hauptstadt Saudi Arabiens, wo er mit Baron von Blomberg an einem Abendessen bei König Saud teilnahm. Saudi Arabien ist ein streng muslimisches Land mit Gesetzen gegen das Christentum, und so konnten dort keine Versammlungen stattfinden. Er flog nach Indien weiter und landete in der vierten Septemberwoche 1954 in Bombay, wo er von dutzenden christlichen Missionaren und Kirchenführern empfangen wurde.
Der Erzbischof der indischen Methodistenkirche sagte zu ihm: „Herr Branham, ich hoffe, Sie kommen nicht als Missionar hierher. Wir wissen mehr über die Bibel als ihr Amerikaner. Schließlich ist sie ein Buch des Ostens. Der Jünger Thomas hat das Evangelium hier vor 1900 Jahren gepredigt. Aber wir haben gehört, dass Gott Ihnen eine Gabe gegeben hat, die die Bibel wieder lebendig macht. Das ist, was wir sehen möchten.“
„Gewiss“, erwiderte Bill. „Ich möchte Ihrem Volk zeigen, dass Jesus Christus derselbe ist, gestern, heute und in Ewigkeit.“
Obwohl man ihm gesagt hatte, dass Bombay von armen Menschen überquoll, war er auf die ununterbrochene Bewegung, die er überall sah, nicht vorbereitet. Menschen drängten sich auf den Gehwegen, überschwemmten die Straßen. Sein Taxi musste sich hupend durchschlängeln, um an ihnen vorbeizukommen. Schwarzes Haar und dunkle Haut bestimmten das Bild. Manche dieser Leute sahen noch schwärzer aus als die Eingeborenen in Afrika. Alle waren dünn und keiner trug Schuhe. Viele Frauen waren von Kopf bis Fuß in den traditionellen Saris gekleidet, während viele Männer lediglich Lendenschurze trugen. Die Vielfalt war überreichlich. Bills Übersetzer wies ihn auf bestimmte ethnische Gruppen hin: Ein schwarzbärtiger Sikh, der einen Turban trug und ein langes Messer in der Schärpe stecken hatte; ein bengalischer mystischer Mönch in einer orangen Robe; ein muslimischer Sufis, der ganz in weiß gekleidet war und einen Spitzbart spazieren trug; ein Tamile aus dem Süden, mit einem Zwergschwein an der Leine, die an einem Loch im Ohr des Schweins befestigt war; ein Fakir, der mit verschränkten Armen und Beinen in Yoga-Pose dasaß; ein parsischer Feueranbeter, der sich vor einem kleinen Altar niederbeugte, den er am Bürgersteig errichtet hatte; ein Jaina mit einer Maske über dem Mund, die verhinderte, dass er unbeabsichtigt ein Insekt verschluckte, was nach seinem Glauben Mord wäre. Außer diesen allen sah Bill unzählige Bettler, Hausierer, Fakire, Mönche und Händler. Hühner, Ziegen und Brahmanenkühe streiften frei umher.
Der Schmutz in den Straßen war ekelerregend. Überall war Müll aufgetürmt, verrottete und stank in der feuchten Hitze und brachte Kakerlaken, Fliegen, Mücken, Ratten, Krankheit und Verzweiflung hervor. Die bis zu zehn Stockwerken hohen Gebäude sahen aus, als würden sie jeden Augenblick zusammenstürzen. Ein Missionar erzählte Bill, dass diese unsoliden Bauten eine der höchsten Menschenkonzentrationen der Erde beherbergten. In einigen Teilen Bombays stieg die Bevölkerungsdichte bis an die 200.000 Menschen pro Quadratkilometer.
Bill war selbst in Armut aufgewachsen und hatte viel Armut unter den Schwarzen im Süden Amerikas und in Afrika gesehen – dennoch, nie hatte er Menschen so mittellos gesehen wie diese Bettler, die ihre Blechdosen in der Hoffnung hinhielten, eine einzige Rupie zu bekommen, um ein halbes Pfund Reis kaufen zu können, das Essen für drei Tage. Ganze Familien, die nirgends eine Bleibe hatten, kampierten an den Straßenseiten. Sie hatten ein Plätzchen auf dem Bürgersteig, den sie als ihren Platz betrachteten und dort schliefen sie, während Fußgänger an ihnen vorbeigingen oder über sie stiegen. Der christliche Missionar erklärte Bill, dass Indien erst vor ein paar wenigen Jahren seine Unabhängigkeit von Großbritannien gewonnen hatte. Der plötzliche Verlust der britischen Unterstützung, hatte das riesige Land bankrott zurückgelassen. Genug Nahrung für die 400.000.000 Menschen zu produzieren, stellte für die indische Regierung eine bedeutende Herausforderung dar. Der Hunger nagte tagtäglich in den Bäuchen von Millionen von Indern. Bill konnte es in ihren Augen sehen, besonders bei den Bettlern – wie beispielsweise dem Leprakranken, der einen Blechbecher zwischen zwei weißen Stumpfen hielt, die einst Hände gewesen waren, oder dem Jungen mit Elefantiasis, der einen riesigen Fuß mitschleifte, der aussah wie ein Baumstumpf.
Nachdem er im Taj Mahal Hotel einquartiert war, wurde Bill zu einem Essen mit dem Bürgermeister Bombays und anderen Regierungsbeamten ausgeführt, unter ihnen Indiens Ministerpräsident Jawaharial Nehru, ein hochgebildeter Mann, der perfekt Englisch sprach. Während des Essens blickte Nehru auf einmal zu seinem Gast herüber und sagte: „Herr Branham, ich glaube, Sie sind krank.“ Bill blickte auf seine Schale mit Schafsfüßen, die man mit Reis zusammen angebraten und mit Olivenöl gewürzt hatte. Es schmeckte so schal, dass er meinte, er müsste sich übergeben. Höflich erwiderte er: „Ich denke, es wird nur das Essen sein. Es ist ein wenig anders als ich es gewohnt bin.“
Nehru war nicht überzeugt. Als Bill zu seinem Hotel zurückkam, traf er Nehrus Leibarzt an, der darauf wartete, ihn zu untersuchen. Alles schien in Ordnung zu sein, bis der Arzt seinen Blutdruck kontrollierte. „Herr Branham, fühlen Sie sich übermäßig müde?“
„Ja, das tue ich. Warum? Was stimmt nicht mit mir?“
„Ihr Blutdruck ist gefährlich niedrig. Tatsächlich ist er so niedrig, dass ich nicht verstehe, wie Sie noch am Leben sind. Ich rate Ihnen, so schnell wie möglich nach Amerika zurückzukehren und ihren Arzt aufzusuchen.“ „Ich habe zwei Versammlungen hier in Bombay“, antwortete er müde, „dann kann ich auf direktem Wege nach Hause.“
Am nächsten Abend brachten ihn seine Sponsoren zu seiner ersten Versammlung in einer riesigen episkopalischen Kirche. Die Regierung ließ einen Feldzug unter freiem Himmel nicht zu, da man nicht für seine Sicherheit garantieren konnte. Im Januar war eine Evangelistin aus Amerika, Frau Dowd, nach Indien gekommen und hatte einige solcher Versammlungen in den Außenbezirken Bombays gehalten. In ihren Bekanntmachungen hatte sie sich als Christin vorgestellt, die göttliche Heilung predigte, jedoch hatte sie zuviel Betonung aufs Geld gelegt. Als sie versuchte, ein Opfer von den mittellosen Menschen aus der Zuhörerschaft einzusammeln, kam es zum Aufruhr. Frau Dowd wurde von einem Backstein getroffen und brach bewusstlos zusammen und zwei Leute wurden erstochen. Die Erinnerung an dieses Fiasko war in den Köpfen der Stadtbeamten noch frisch. (Jetzt verstand Bill, warum der Herr ihm aufgetragen hatte, seine Reise bis zum September aufzuschieben.)
Die episkopalische Kirche, in der er seine Versammlungen halten würde, war riesig. Sie fasste etliche tausend Menschen im Inneren und draußen auf dem Gemeindegelände war genug Platz für noch zwanzigmal so viele. Zusätzlich hatte man viele Häuserblocks weit, entlang jeder Straße nahe der Kirche, Lautsprecher aufgehängt, damit die überzählige Menschenmenge dem Gottesdienst folgen konnte. Hunderte von Pastoren und Missionaren aus Bombay und der Umgebung arbeiteten Hand in Hand, diese Versammlungen bekannt zu machen. Diese Tatsache, in Verbindung mit William Branhams weltweitem Ruf, hatte eine Menschenmenge angezogen, die der Bürgermeister auf etwa 500.000 Männer, Frauen und Kinder schätzte. Es gab keine Möglichkeit, das mit Sicherheit festzustellen, doch wusste Bill, dass zumindest 300.000 Leute dort gewesen sind, denn dies war, was ihm der Engel in einer Vision im Februar 1952 gesagt hatte.
An jenem Abend erklärte Bill seiner Zuhörerschaft, dass Jesus Christus, der Sohn Gottes, heute derselbe ist, der Er vor 1900 Jahren war. Wenn Er also von den Toten auferstand und heute lebt, können wir von Ihm erwarten, dass Er heute in derselben Weise handelt, wie Er es damals getan hat. Als es an der Zeit war für den Gebetsdienst, bat Bill – da es unmöglich war, in solch einer großen Menge Gebetskarten auszuteilen – einige Missionare, ein paar schlimme Fälle auszusuchen und sie in einer Reihe aufzustellen. Einer nach dem anderen kam nach vorne und Bill sagte ihnen, wer sie seien, sagte ihnen was ihre Schwierigkeiten waren und betete für sie. Er konnte ihre Namen nicht aussprechen, und so buchstabierte er sie Buchstabe für Buchstabe und jedes Detail stimmte. Jedoch überzeugte dieses übernatürliche Wissen die Zuhörerschaft nicht, die daran gewohnt war, dass indische Magier unerklärliche Tricks vollführten. Dann brachte eine Mutter ihren jungen Sohn die Stufen hinauf zum Evangelisten. Durch den Übersetzer erklärte sie, dass ihr Sohn taubstumm geboren war. Die riesige Menschenmenge verstummte, wartete, hörte zu. Sie hatten vernommen, wie der amerikanische Evangelist über die Kraft Gottes geprahlt hatte, jetzt würden sie sehen, ob Jesus wirklich tun konnte, was der Amerikaner von Ihm behauptete.
Bill betete: „Herr, Du hast dem christlichen Gläubigen verheißen, dass wenn wir irgendetwas bitten im Namen Deines Sohnes, es ihm gegeben würde, wenn es gemäß Deinem Willen ist. Damit diese Menschen erkennen, dass Du der einzige wahre und lebendige Gott bist, erbitte ich, dass der taubstumme Geist dieses Kind jetzt verlässt, im Namen Jesu Christi.“
Bill trat hinter den Jungen und klatschte in die Hände. Erschrocken machte der Junge einen Satz. Als das Kind sich zu Bill umdrehte, brachte es den ersten Laut hervor, der je über seine Lippen gekommen war, und der vom Mikrofon aufgefangen und zu hunderttausenden von Menschen weiter getragen wurde. In der Zuhörerschaft rumorte es mit lautstarker Erregung, die nicht nachlassen wollte und zwang damit die Versammlung zu einem früheren Ende als geplant. Doch die Bühne war bereitet für ein spektakuläres Finale. Die große Menschenmenge bei diesem Branham-Feldzug hatte unter anderem Neugier bei den Führern der anderen Religionen Indiens geweckt. Sie fragten an, ob sie sich mit dem amerikanischen Evangelisten treffen könnten. Am nächsten Tag brachte man Bill zum Jain Tempel, wo er sich den Fragen einer Gruppe von geistlichen Führern stellte, die mehr als ein Dutzend verschiedener religiöser Sekten Indiens repräsentierten: Hinduismus, Taoismus, Jainismus, Buddhismus, Konfuzianismus, Islam, Brahmanen, Sikhs, Zoroastrians und andere. All diese Männer stellten sich gegen das Christentum und jeder Führer brachte eine Frage oder eine Kritik gegen Bill vor. Ein jainischer Mönch sagte: „Wenn Amerika eine christliche Nation ist, warum haben sie dann eine Atombombe auf Japan geworfen und 100.000 Zivilisten getötet?“ Ein muslimischer Kalif fügte hinzu: „Und warum gestatten sie es ihren Frauen sich in der Öffentlichkeit soweit auszuziehen, bis sie praktisch nackt sind?“ Bill erklärte, dass nicht jeder in Amerika nach den Grundsätzen Jesu Christi lebte. Ein brahmanischer Priester fragte: „Wenn Jesus solch ein heiliger Mann war, warum musste Er dann sterben?“
Bill antwortete: „Jesus war kein gewöhnlicher Mann. Gott selbst kam in der Gestalt Jesu Christi auf die Erde hinab, um für die Sünden des Menschen zu sterben, damit der Mensch ewig leben kann. Die einzige Forderung, die Gott stellte, war, dass der Mensch daran glaubt, was Jesus getan hat.“ Ein buddhistischer Mönch fragte: „Wie kann der Tod Jesu unsere Sünden hinweg nehmen und uns Leben geben?“
Da in Indien viele Insekten schwärmten, verwendete Bill eine Illustration, die diese Männer sich gut vorstellen konnten. „Sünde ist wie eine todbringende Biene. Schlussendlich wird sie jeden Menschen stechen und dadurch den Tod dieses Menschen verursachen. Der Tod ist jedoch im Fleisch, nicht in der Seele. Nachdem eine Biene sticht, lässt sie ihren Stachel zurück, sodass sie nie wieder stechen kann. Gott musste Fleisch werden, um den Stachel des Todes hinwegzunehmen. Das ist, was Jesus tat. Jesus ließ den Tod Ihn stechen, und raubte damit dem Tod seine Macht. Wenn nun ein Mensch daran glauben wird, was Jesus tat, kann er ewig leben. Und Jesus bewies das, indem er von den Toten auferstand.“ Ein Sikh forderte ihn heraus: „Wenn Jesus von den Toten auferstand, warum können wir Ihn dann nicht sehen?“
Bill antwortete: „Ich weiß, dass Jesus Christus euch von christlichen Missionaren in Gestalt von biblischen Lehren, Flugschriften, Schulen, Krankenund Waisenhäusern vorgestellt wurde. Ich unterstütze jedes einzelne dieser Dinge – dennoch ist euch Christus nicht völlig vorgestellt worden. Wenn Sie heute Abend zu meiner Versammlung kommen, werden Sie Jesus Christus in Seiner übernatürlichen Kraft vorgestellt sehen.“
Überraschenderweise kamen sie überein, teilzunehmen.
An jenem Abend benötigte Bills Autokolonne, die von einer Polizei-Eskorte abgeschirmt wurde, zwei Stunden, um sich ihren Weg durch die Menge zu erzwingen und ihn an der episkopalischen Kirche abzusetzen. Innen angelangt, stellte Bill mit Erstaunen fest, dass in den ersten vier Reihen vor dem Podium Polizisten standen. Die erste Reihe hinter diesen Polizisten war mit den religiösen Führern belegt, zu denen Bill vor einigen Stunden im Jain Tempel gesprochen hatte.
Die Kirche war mit vielen tausend Menschen überfüllt. Darüber hinaus drängten sich draußen bis zu einer halben Million Menschen so dicht sie konnten um die Lautsprecher, damit sie den amerikanischen Evangelisten hören konnten. Während der Predigt erklärte Bill, warum Jesus Christus starb und von den Toten auferstand, indem er erneut den Vergleich mit der Biene heranzog, die ihren Stachel verliert, nachdem sie gestochen hat. Am Ende war die Zeit gekommen, dass Jesus Christus sich selbst in Kraft offenbarte. Nachdem einige Menschen durch die Gebetsreihe gekommen waren, die innere Schwierigkeiten hatten, kam ein Mann mit einem äußerlichen Leiden nach vorne, etwas, das von allen gesehen werden konnte. Billy Paul führte einen blinden Mann an der Mauer von Polizisten vorbei und die Stufen hinauf zu seinem Vater. Bill blickte voller Mitgefühl auf diesen abgemagerten Mann, der lediglich mit einem Lendenschurz bekleidet war, und dessen Augen so weiß waren wie Bills Hemd. Bald sah er diesen Mann sich in die Luft erheben und in eine Vision hineinschrumpfen und beständig jünger werden, bis er den Tag erreichte, als er noch sehen konnte. Familienmitglieder erschienen. Dann sah er den Mann die Sonne mit solcher Aufrichtigkeit anbeten, dass er sie jeden Tag beobachtete, bis seine Netzhäute vollständig von den ultravioletten Strahlen der Sonne zerstört waren. Jetzt war er ein Bettler. Die Vision endete ohne Hinweis auf ein Wunder.
Bill sprach zu dem Bettler durch seinen Übersetzer, unterdessen die Lautsprecheranlage seine Worte für Millionen Ohren übertrug. „Sie sind ein verheirateter Mann und Sie haben zwei Kinder, beide sind Jungen. Ihr Name ist – hm –“ Er konnte seinen Namen nicht aussprechen, und so buchstabierte er ihn. „Sie sind ein religiöser Mann und sehr aufrichtig. Sie beten die Sonne an. Vor zwanzig Jahren starrten Sie den ganzen Tag über auf die Sonne und das hatte zur Folge, dass Sie vollständig blind geworden sind. Ist das wahr?“ Der Bettler gab zu, dass dies stimmte. Da die Vision nicht klargemacht hatte, dass der Mann geheilt werden würde, wollte Bill einfach für ihn beten und zum nächsten Fall weitergehen. Plötzlich kehrte die Vision zurück. Da war es! Bill sah sich eine Hand über die Augen des blinden Mannes legen und sah, was als Nächstes geschehen würde. Eine Woge der Zuversicht überflutete ihn. Es gab nicht genug Teufel in der Hölle, um es jetzt noch aufzuhalten. Die Visionen versagten nie, sie konnten nicht versagen, denn sie waren „So spricht der Herr“.
Bill wies auf Bombays religiöse Führer in der ersten Reihe und sagte: „Meine Herren der Religionen Indiens, heute Nachmittag haben Sie mir erzählt, wie großartig Ihre Götter sind und wie bedeutungslos doch der Gott der Christen sei. Jetzt möchte ich Sie fragen: Was können Ihre Götter für diesen Mann tun? Ich weiß, Sie würden sagen, der Mann bete die falsche Sache an und Sie würden versuchen, ihn von Ihrer Meinung zu überzeugen. Ihr Buddhisten würdet einen Buddhisten aus ihm machen, ihr Moslems würdet aus ihm einen Moslem machen. Dasselbe spielt sich bei uns in Amerika ab: Die Methodisten wollen, dass die Katholiken Methodisten werden, die Baptisten wollen, dass alle Methodisten Baptisten werden und die Pfingstler wollen, dass alle Pfingstler werden. Das ist bloß Psychologie: Ihr Denken zu verändern von einer Psychologie zur nächsten. Der Gott jedoch, der diesen Mann geschaffen hat, sollte der nicht auch in der Lage sein, ihm das Augenlicht zu erstatten? Welchen Gott gibt es nun wirklich? Wenn einer der Götter, der hier heute Abend vertreten ist, diesen Mann heilen kann, werdet ihr Menschen dann einverstanden sein, diesen Gott anzubeten und diesen Gott allein? Wenn ihr das wollt, hebt eure Hände.“ Ein Meer von Händen erhob sich, sowohl im als auch außerhalb des Gebäudes. „Meine Herren der Religionen dieser Welt, hier ist Ihre Gelegenheit. Kann einer Ihrer Götter diesem Mann das Augenlicht wiedergeben? Wenn eine Ihrer Religionen echt ist, dann fordere ich Sie auf, jetzt nach vorne zu kommen und es zu beweisen.“
Es wurde so still im Raum wie in einer Bibliothek. Draußen brachten Eltern ihre Kinder zur Ruhe, um nicht zu verpassen, was als Nächstes passieren mochte. Bill fühlte sich wie der Prophet Elia, als er am Berge Karmel gestanden und die 400 Baalspriester zu einem Kräftemessen herausgefordert hatte. Die religiösen Führer Bombays rührten sich nicht. „Eure Priester und Mönche sind ja furchtbar still“, warf Bill ihnen vor. „Warum kommen sie nicht hier hoch und heilen diesen Mann?“ Keiner antwortete. „Weil sie es nicht können, darum. Und ich kann es auch nicht, aber Jesus Christus kann es. Jesus kann diesem Mann nicht nur ewiges Leben geben, Er kann es auch in diesem Augenblick beweisen, indem Er ihm sein Augenlicht zurückerstattet. Er hat mir eine Vision gezeigt, wie es geschah und wenn es nicht geschieht, dann bin ich ein falscher Prophet und ihr habt das Recht, mich aus Indien hinauszuwerfen. Wenn es aber geschieht, seid ihr verpflichtet, den auferstandenen Jesus Christus anzunehmen und Ihm zu glauben. Werdet ihr das tun?“ Wieder gingen überall Arme hoch.
Bill legte eine Hand über die Augen des Bettlers und betete: „Himmlischer Vater, ich weiß, dass Du diesem blinden Mann sein Augenlicht geben wirst, weil Du mir eine Vision darüber gezeigt hast. Ich habe jeden hier versprechen lassen, dass sie Dich als ihren persönlichen Erretter annehmen werden, wenn Du dies tun wirst. Gott, der Du die Himmel und die Erde erschaffen hast und der Du Jesus von den Toten auferweckt hast, mache es jetzt kund, dass Du Gott bist. Das bitte ich im Namen Jesu Christi.“
Sobald er die Hand vom Gesicht des Bettlers wegnahm, schrie der Mann etwas in seiner eigenen Sprache, das die Zuhörer in einen lärmenden und wogenden Orkan verwandelte. Er konnte sehen! Freudig umarmte der Bettler Bill, dann rannte er über die Bühne und umarmte einen Polizisten, dann wandte er sich um und umarmte den Bürgermeister Bombays und schrie unentwegt: „Ich kann sehen! Ich kann sehen!“
Die Polizisten schlossen ihre Reihen enger, um die Zuhörer zurückzuhalten, doch es hatte keinen Zweck. Die Menge schwappte nach vorne wie eine Meereswelle in Richtung Strand – Väter mit Lepra und Mütter mit ihren kranken Kindern, sie alle kämpften, um den amerikanischen Evangelisten zu berühren. Eine Meereswoge konnten die Polizisten nicht stoppen. Hastig zogen sie Bill und Billy Paul zurück in Richtung eines Ausgangs, während verzweifelte Menschen aus anderen Richtungen nach Bill griffen. Er schaffte es gerade so in die Sicherheit eines bereitstehenden Autos, und verlor lediglich seine Schuhe und seine Jackentaschen an die zugreifenden Hände.
Am nächsten Morgen stand Bill vor seinem Hotelzimmerfenster und blickte hinunter auf die Straße. Es sah aus wie ein Ameisenhaufen: Schwarze Köpfe bewegten sich in alle Richtungen, Rikschas schlängelten sich ihren Weg durch die Menge, Hausierer boten ihre Ware feil direkt neben Bettlern, die um eine Gabe flehten, damit sie einen weiteren Tag zu Essen hätten. Die ganze Szenerie bereitete Bill einen solchen Kummer, dass er kein Frühstück essen konnte. Er dachte: „Sie sind Menschen und sie verdienen es, genauso viel essen zu können wie meine Sarah und Becky.“ Er nahm die Orangen und Kräcker, die auf seinem Zimmer waren, ging zur Straße hinunter und gab sie den bedürftigsten Menschen, die er sah. Eine Menge bildete sich um ihn herum, sie streckten ihre Arme aus, bettelten. Als das Essen ausgeteilt war, leerte er seine Taschen, gab jede Rupie weg, die von seinem Missionsgeld noch übrig war. Dann war er blank; und trotzdem bedrängten ihn die Bettler, flehten in Worten, die er nicht verstand. Ihre Gesichter verstand er und die Verzweiflung in diesen Gesichtern krampfte Bill das Herz vor Qual zusammen – insbesondere als er eine junge Mutter sah, deren Gesicht von den Überbleibseln einer Krankheit pockennarbig war. Sie umklammerte mit einem Arm ihr abgemagertes Baby und mit der anderen Hand flehte sie Bill an, ihr etwas zu essen zu geben für ihr hungerndes Kind. Er hatte nichts mehr zu geben. Kranken Herzens und schweren Gemüts ging er auf sein Hotelzimmer zurück. Am selben Nachmittag trat er die Heimreise an.
William Branham bei einer Predigt in Indien