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Übernatürlich

Übernatürlich – Buch 4

Aus Ägypten herausgerufen

1954

William Branham plante, am 23. Februar 1954 erneut nach Übersee zu gehen. Am ersten Januar hatten seine Manager seinen Terminplan jedoch noch immer nicht abgesichert. Feldzüge in Israel und Indien waren fast sicher, doch Südafrika blieb fraglich. Einige Mitglieder des National Komitees schienen die Sache schleifen zu lassen. Dann geschah im Januar etwas Einschneidendes, das Bill veranlasste, seine Pläne zu ändern.

Eines Tages tauchte ein vollbesetztes Auto bei ihm zu Hause auf, dessen Insassen Gebet wünschten. Er ließ sie im Wohnzimmer Platz nehmen, ging dann etwas holen und sah dabei einen weiteren Mann im Eingang stehen. Zunächst nahm er an, es sei jemand von derselben Gruppe, jemand, der einfach etwas langsamer beim Verlassen des Autos gewesen war. Was ihn verwunderte, war, wie sonderbar dieser Mann gekleidet war. Er sah aus wie die indischen Sikhs, die Bill in Durban (Südafrika) gesehen hatte. Sein schwarzes Haar und dunkler Teint standen in scharfem Kontrast zu dem weißen Turban, der um seinen Kopf gewickelt war. Der Mann stand mit gesenktem Kopf im Eingang. Bill ging hin und grüßte ihn herzlich: „Wie geht es Ihnen?“

Der Inder hob den Kopf und sagte: „Bruder Branham, gehe vor September nicht nach Übersee.“

Das war eine unerwartete Erwiderung. Bill wusste nicht, was er sagen sollte. Er wandte sich um, machte eine Handbewegung und sagte: „Möchten Sie nicht hereinkommen?“ Als er zurückschaute, war der Mann fort. Er war einfach verschwunden! Bill stand im Eingang, perplex.

Weitere Autos folgten dem ersten und es war Mitternacht, ehe er an jenem Tag mit dem Gebet für die Menschen zu Ende gekommen war. Er ging gegen ein Uhr zu Bett, wachte jedoch ein paar Stunden später wieder auf, nachdem er geträumt hatte, dass er bis September nicht nach Indien gehen sollte. Er weckte Meda auf und erzählte ihr den Traum. Dann schlief er wieder ein und träumte dasselbe erneut. Am nächsten Morgen rief er einen seiner Manager an und wies ihn an, seine Feldzüge im Ausland, in Übereinstimmung mit der Vision und den Träumen, in den September zu verlegen.

Da seine Reisen nach Afrika, den Mittleren Osten und Asien nun verschoben waren, gingen seine Manager daran, seinen Terminplan mit Feldzügen in Nordamerika aufzufüllen. In den ersten drei Monaten 1954 hielt Bill Versammlungen in Wood River (Illinois), Hot Springs (Arkansas) und Shreveport (Louisiana). Im Anschluss hielt er einen achttägigen Feldzug in Phoenix (Arizona). Dann zog er weiter nach Carlsbad (New Mexico), ehe er wieder gen Osten nach Columbus (Ohio) zurückging, wo er in einer riesigen überdachten Sporthalle eine Versammlung hielt (eine Versammlung, die die Kooperation von 400 Predigern und deren Gemeinden einschloss). Ende März kehrte er nach Hause zurück, um in Louisville (Kentucky) und Jeffersonville (Indiana) Versammlungen zu halten.

Im April nahm Bill sich etwas frei von seiner Arbeit, doch wie gewöhnlich garantierte ihm das keine Ruhe. Kranke und bedürftige Menschen machten ihn zu allen Stunden des Tages ausfindig. An einem Samstagnachmittag, als sich die Zahl der Besucher bis auf wenige gelichtet hatte, sagte Bill zu Meda: „Wenn noch jemand anruft, sag ihnen, sie sollen morgen einfach in die Gemeinde kommen und ich werde dort für sie beten. Ich werde so müde, Schatz, ich kann mich nicht mehr aufrecht halten.“

Nachdem die letzten Besucher gegangen waren, nahm Bill Meda auf eine Spazierfahrt mit. Er hatte kein bestimmtes Ziel im Sinn; er wollte bloß vom Haus fortkommen, um eine Weile entspannen zu können. Südlich von New Albany nahm er eine landschaftlich schöne Straße, die sich um und über ein paar Hügel schlängelte. Die leichte Erhöhung gewährte einen wohltuenden Ausblick auf die umliegende Landschaft, die aus einer Mischung von Weizenfeldern und Waldgebieten bestand. Schließlich kamen sie zu einer Stelle, an der die Straße in Kurven entlang der Kante eines Berghanges verlief.

Als er sein Auto in die erste Biegung steuerte, sah er den Engel des Herrn wie einen weißen Nebel vor seinen Augen. Die Windschutzscheibe wurde komplett weiß. Über fünf bis sechs Kilometer lenkte er sein Auto blindlings durch jede Kurve, während seine Augen zusahen, wie etwas buchstäblich 13.000 Kilometer entfernt geschah. Meda sprach weiterhin mit ihm, während sie die schöne Landschaft jenseits der Berghänge betrachtete. Nach fünf Minuten warf sie einen Blick auf ihren Mann, um zu sehen, warum er ihr nicht antwortete. Als sie seinen glasigen Blick bemerkte, wusste sie augenblicklich, dass er sich in einer Vision verloren hatte. „Bill!“, sagte sie atemlos.

Ins Bewusstsein zurückgerissen, brachte Bill sein Auto am Straßenrand zum Stehen. „Liebling, ich muss sofort für Bruder Bosworth beten. Ich habe gesehen, wie er in Südafrika aus dem Zug gestiegen und zusammengebrochen ist. Ich sah, wie man ihn aufgehoben und auf eine Trage gelegt hat. Jetzt befindet er sich in einem Krankenhaus und ist ernstlich krank. Ich muss sofort für ihn beten.“ Er ging eine kurze Strecke den bewaldeten Hang hinauf, kniete nieder und betete. Am nächsten Abend klingelte nach dem Gottesdienst eines seiner vier Telefone im Haus. Bill nahm ab. Ein Mitarbeiter der Western Union aus Louisville sagte: „Herr Branham, ich habe ein Telegramm für Sie aus Durban (Südafrika). Es ist von Dr. Yeager. Er sagt: ,Bete sofort für Reverend Bosworth; beim Zugverlassen zusammengebrochen; im Krankenhaus; Tod erwartet.‘“

Bis Bill am Montag eine Telefonverbindung nach Durban durchbekam, war Fred Bosworth nicht nur geheilt, sondern hatte das Krankenhaus bereits verlassen, um seine Arbeit fortzuführen.

Seit mehr als einem Monat war Bosworth nun durch Südafrika gereist und hatte versucht, weitere Branham-Feldzüge im Land anzuberaumen. Bislang war es, als versuche man einem Diamanten einen Kratzer einzuritzen. Die meisten Christen in Südafrika wünschten sich, dass William Branham wiederkam und noch weitere Heilungsfeldzüge hielt, doch viele der Gemeindeführer wollten das nicht. Dem National Komitee der südafrikanischen Kirchen oblag die endgültige Entscheidung in der Angelegenheit. Bestimmte mächtige Mitglieder des National Komitees argumentierten, dass Branhams herausstechender Dienst den Einfluss der armen lokalen Pastoren untergrub. Für einen alten Evangelisten-Veteran wie Bosworth roch dies nach einer faulen Ausrede, die ihre Eifersucht verbergen sollte.

Nach wochenlangen Diskussionen schlug das National Komitee William Branhams Anfrage nach einem Visum endgültig ab. Wieder einmal hatte Gemeindepolitik seinem Dienst Schwierigkeiten bereitet. Es würde nicht das letzte Mal sein.

Im September 1954 trat William Branham seine dritte Übersee-Reise an und flog von New York City nach Lissabon (Portugal), wo Baron von Blomberg auf ihn wartete. Baron von Blomberg war ein deutscher Adliger, gut gebildet und weit umhergekommen (er sprach sieben Sprachen). 1950 hatte von Blomberg Bill in Finnland getroffen und war stark beeindruckt gewesen, mit welcher Deutlichkeit die übernatürliche Kraft Christi in Bills Dienst sichtbar gemacht wurde. Da der Baron überall in der Welt seine Beziehungen hatte, einschließlich zu Monarchen und anderen politischen Führern, hatte von Blomberg angeboten, Bills Terminplan auf dieser Reise zusammenzustellen. Im Anschluss an Portugal war vorgesehen, dass Bill Italien, Ägypten und Israel besuchte, dann nach Arabien flog und schließlich nach Indien.

In Lissabon hatte von Blomberg ein Essen mit dem Präsidenten und Mitgliedern seines Kabinetts arrangiert. Jedoch darüber hinaus einen Feldzug in Portugal zu organisieren, war von Blomberg nicht gelungen, weil die römisch-katholische Kirche ihr politisches Gewicht benutzte, um die Anmietung irgendeines größeren Gebäudes zu verhindern. Bill musste sich mit zwei Versammlungen in einer Pfingstgemeinde zufrieden geben, die an Gebirgsausläufen am Stadtrand stand. Diese beiden Versammlungen glühten jedoch vor Wundern und gaben für den Rest der internationalen Reise den Ton vor.

Von Portugal aufbrechend, flogen Bill, Billy Paul und Baron von Blomberg nach Italien weiter. In Rom besuchte Bill das unterirdische Verlies, in welchem der Apostel Paulus aufgrund seines Glaubens inhaftiert gewesen war. Als er in die kalte, trostlose Gefängniszelle blickte, wurde es Bill in Liebe für Paulus weh ums Herz, jenem tapferen Botschafter, der das Evangelium zu den Heiden gebracht hatte. Von der Welt verworfen, sogar von vielen Christen seiner Tage missverstanden, war er während all seiner beschwerlichen Jahre nie ins Straucheln geraten, noch hatte er sich von seinem Auftrag abgewandt. Paulus wusste, dass er den größten Schatz auf Erden bei sich trug: Die gute Nachricht, dass Jesus Christus von den Toten auferstanden ist, um all denen das ewige Leben zu geben, die an Ihn glauben würden, sowohl Juden als auch Heiden. Weil Paulus in seiner Berufung standhaft verblieben war, hatte jeder Christ durch all die Jahrhunderte davon profitiert. Das traf Bill als starke Lektion, die er in seinem eigenen Dienst anwenden konnte.

An seinem zweiten Tag in Rom war vorgesehen, dass er um drei Uhr nachmittags den Papst treffen sollte. Baron von Blomberg unterwies ihn, wie er sich verhalten musste: Wie er sich auf ein Knie niederlassen musste, dann würde der Papst seine Hand ausstrecken und Bill musste den Ring des Papstes küssen und ihn als „Eure Heiligkeit“ oder „Heiliger Vater“ anreden.

Bill schüttelte den Kopf. „Ohne mich. Sag die Audienz ab. Ich nenne jeden Mann ,Reverend‘ oder ,Doktor‘ oder welchen Titel er auch haben will, aber nicht ,Heiliger Vater‘. Jesus sagte: ,Und ihr sollt niemanden unter euch Vater nennen auf Erden.‘ Wenn es zur Anbetung kommt, gibt es nur einen Menschen, den ich anbeten werde und das ist Jesus Christus.“

Anstelle also den Papst zu besuchen, besichtigte Bill die Heimstätte des Papstes. Vatikanstadt ist ein einzigartiger unabhängiger Staat, der sich mitten im Herzen Roms befindet. Obgleich er lediglich 0,40 Quadratkilometer misst, ist er das Regierungszentrum der römisch-katholischen Kirche und sein Einfluss reicht an jedes Land der Welt. Die reiche Pracht des Petersdoms, der vatikanischen Gärten und des päpstlichen Palastes versetzte Bill in Erstaunen. Der in diesen Gebäuden enthaltene Reichtum war atemberaubend. Als er das Vatikanmuseum besuchte, sah er eine prachtvolle, aus drei Kronreifen bestehende Krone, welche die Gerichtsbarkeit des Papstes über Himmel, Fegefeuer und die Hölle symbolisierte. Eine lateinische Inschrift besagte: Vicarius filii dei, was Stellvertreter Christi oder anstelle des Sohnes Gottes bedeutet. Welch ein Kontrast bestand doch zwischen den Reichtümern der Vatikanstadt und der düsteren Gefängniszelle unweit von hier, in welcher der Apostel Paulus die letzten Jahre seines Lebens verbracht hatte. Es war eine beachtliche Lektion, dass Reichtum nicht gleichbedeutend mit Wahrheit ist. Bill dachte: „Das Evangelium glitzert nicht, es glüht.“

In einem Park unweit der Vatikanstadt hielt ein christlicher Evangelist in einem großen Zelt Erweckungsversammlungen. Bill ging hinüber, um zu sehen, was dort gerade geschah. Nachdem Bill sich vorgestellt hatte, trat der lokale Evangelist freundlicherweise beiseite und übergab den Gottesdienst an den weltbekannten Amerikaner. Dort im Schatten der Vatikanstadt predigte Bill das Wort Gottes und betete für die Kranken. Gott sorgte für die Wunder.

Von Rom flog Bill nach Kairo (Ägypten) weiter, wo er einen Tag mit Besichtigungen verbrachte: Er besuchte die Sphinx und die Pyramiden und überzeugte sich selbst, dass der Großen Pyramide der Schlussstein fehlt. Für ihn schien das ein Symbol zu sein, da die Bibel davon spricht, dass Jesus Christus der Schlussstein ist – oder, wie es in der Lutherbibel heißt: Der Eckstein. Es gibt nur ein Bauwerk, bei welchem der Eckstein und der Schlussstein dieselbe Form haben und das ist die Pyramide. Bill glaubte, dass Gott einst im Nebel der frühgeschichtlichen Vorzeit zugelassen hatte, dass diese monumentale Konstruktion als ein Zeugnis Seines großen Planes errichtet worden war, und dass der wirkliche Schlussstein sich bald persönlich und schlussendlich an seinen rechten Platz setzen würde.

An jenem Abend speiste er mit Ägyptens König Farouk. Als Bill am nächsten Morgen auf dem internationalen Flughafen von Kairo auf sein Flugzeug wartete, das ihn nach Jerusalem bringen würde, wuchs seine Aufregung. Bald würde er in Israel stehen, dem Land der biblischen Propheten, dem Geburtsort Jesu, der Heimat der geblendeten Juden, von denen viele noch immer nach ihrem Messias Ausschau hielten. In Jerusalem war für denselben Nachmittag eine Versammlung angesetzt. Obgleich die meisten Juden das Christentum als falsch abtaten, erwartete Lewi Pethrus dennoch, aufgrund der ungewöhnlichen Natur von Bills Dienst, dass an die 5.000 Israelis kommen würden. Bekanntmachungen, die rund um Jerusalem angeschlagen wurden, wiesen auf eine Verbindung zwischen seiner „Gabe der Unterscheidung“ und dem „Zeichen ihres Messias“ hin. Bill glaubte, dass es das perfekte Umfeld für seinen Dienst war. Fromme Juden hielten ihre Propheten in Ehren. Eingebettet im mosaischen Gesetz lagen die beiden Voraussetzungen für einen wahren Propheten: Erstens würde er Visionen sehen und zweitens würde seine Genauigkeit hundertprozentig sein. Bill stellte sich vor, wie es wohl sein würde, wenn er in Jerusalem eine Gebetsreihe aufrief und die Unterscheidung einsetzte. Würden diese Juden nicht unweigerlich das Zeichen ihres eigenen Messias erkennen? Er stellte sich vor, wie die gesamte Zuhörerschaft die Taufe des Heiligen Geistes empfing, genauso wie es die 120 Jünger am Tage zu Pfingsten taten. Falls das geschähe, wäre das Zeitalter der Heiden vorüber. Jesus sagte: „Jerusalem wird zertreten werden von den Heiden, bis daß der Heiden Zeit erfüllet wird.“ Sobald Israel als Nation das Evangelium von Jesus Christus annimmt, wird die Braut Christi aus den Heiden hinweg genommen zu ihrem Bräutigam, während der Rest der Welt in die Qual einer großen Trübsal stürzt. Die Juden werden dann dreieinhalb Jahre haben, um das Evangelium von Jesus Christus zu predigen, ehe die letzte große Schlacht anbricht. Gemäß dem Buch der Offenbarung wird die Sonne über einem Tausendjährigen Reich des Friedens und der Vollkommenheit aufgehen, nachdem sich der Staub auf dem Schlachtfeld von Harmagedon gelegt hat. Bill konnte seine Aufregung kaum bändigen. Heute Nachmittag würde er möglicherweise die wichtigste Predigt seines Lebens halten. Das Flugzeug war gelandet, er hatte jedoch noch 30 Minuten Zeit, um an Bord zu gehen, und so begab er sich zu einem Geschenkladen. Er nahm einen kleinen, aus Ebenholz geschnitzten Elefanten mit echten Elfenbein-Stoßzähnen in die Hand und überlegte, ihn für Doktor Adair zu kaufen, als er jemanden sagen hörte: „Gehe nicht!“

Er schaute sich um, doch keiner schenkte ihm die mindeste Beachtung. „Vielleicht habe ich mir das eingebildet“, dachte er und machte sich zur Kasse auf. Dann hörte er es wiederum klar und deutlich: „Gehe nicht. Dies ist nicht die Stunde.“

Die Stimme des Engels war unverwechselbar, aber er konnte kaum glauben, was er da hörte. Die Versammlungen waren festgelegt. Das Flugzeug wartete. Was mochte es bedeuten? Er verließ die überfüllte Abflughalle und ging hinter einen Hangar, damit er allein sein konnte. Dort betete er: „Himmlischer Vater, in kaum ein paar Stunden werde ich in Palästina vor Deinen geblendeten Kindern stehen. Ich werde diese Juden herausfordern, dem Zeichen ihres Messias zu glauben. Wenn sie erkennen, dass Du es bist, der die Unterscheidung tätigt, werden sie die Taufe des Heiligen Geistes so sicher empfangen, wie nur irgendetwas. Ist das nicht, was Du willst?“

Der Engel des Herrn erschien in der Wüstenluft hängend wie ein hellglänzender weißer Nebelfleck. Bill zuckte gegen den Hangar zurück. Der Heilige Geist sagte: „Bleibe weg aus Palästina. Dies ist nicht dein Platz. Dies ist nicht die Stunde. Der Kelch der Ungerechtigkeit der Heiden ist noch nicht voll. Es muss noch mehr aufgelesen werden.“

Der strahlende Nebelfleck verdunstete hinein in die drückende Wüstenhitze und ließ Bill atemlos zurück. Was sollte er jetzt tun? Es würde nicht leicht werden, seinen Feldzug in Israel so kurzfristig abzusagen. Er könnte sogar bittere Gefühle unter jenen entfachen, die so schwer daran gearbeitet hatten, ihn nach Palästina hineinzubekommen. Seine schmerzhafte Lektion in Südafrika konnte aber nicht vergessen sein. Er war fest entschlossen zu tun, was auch immer der Heilige Geist ihm aufgetragen hatte, ungeachtet der Konsequenzen. Er kehrte zum Terminal zurück und buchte sein Ticket von Jerusalem nach Athen um. Damit musste Baron von Blomberg die unangenehme Aufgabe übernehmen, nach Jerusalem zu fliegen und die heutige Versammlung abzusagen. Der Baron würde wieder in Saudi Arabien zu ihm stoßen, wo Bill zu einem Essen mit dem arabischen König verabredet war.

In Griechenland besuchte Bill den verfallenen Tempel des Ares, dem griechischen Gott des Donners und des Krieges (den Römern bekannt als Mars), wo der Apostel Paulus das Evangelium den Athenern der Antike gepredigt hatte. An jenem Abend studierte Bill im Hotelzimmer seine Bibel und versuchte aus dem, was der Herr ihm in Ägypten gesagt hatte, einen Sinn zu erschließen. Bislang hatte er gedacht, er hätte seinen Dienst verstanden. Offensichtlich hatte er etwas übersehen. Aber was hatte er übersehen?

Der Heilige Geist sagte: „Bleibe weg aus Palästina. Dies ist nicht dein Platz.“ Folglich hatte er sich darin geirrt zu glauben, dass er dem heutigen Israel das Zeichen ihres Messias zeigen konnte. Das war ein unbeabsichtigter Fehler gewesen.

1933 hatte ihm der Engel gesagt: „Wie Johannes der Täufer gesandt war, dem ersten Kommen Jesu Christi vorauszugehen, so bist du mit einer Botschaft gesandt, Seinem zweiten Kommen vorauszugehen.“ Johannes der Täufer stellte den Juden Jesus vor. Dann wies sich Jesus selbst aus, indem Er das Zeichen des Messias hervorbrachte: Die Vergangenheit (und Zukunft) von Menschen zu kennen, denen Er nie zuvor begegnet war und ihre verborgenen Gedanken zu offenbaren. Über die vergangenen fünf Jahre hatte Bill das Zeichen des Messias in seinen Versammlungen demonstriert. Wenn die Salbung herabkam und die Visionen erschienen, konnte er die Vergangenheit, die Zukunft und die verborgenen Gedanken im Sinn der Menschen unterscheiden. Diese Unterscheidung war stets vollkommen, weil nicht er sie tat: Jesus Christus gab jede der Visionen und vollbrachte jedes der Wunder. Bill war wie ein Mikrofon, das in einen elektrischen Verstärker eingestöpselt war. Ein Mikrofon ist still, bis jemand hineinspricht. Gott sprach, und Sein Heiliger Geist verstärkte diese Gabe der Unterscheidung, bis dass Christen sie auf der ganzen Welt hören konnten. Da der Herr Bill mitgeteilt hatte, dass sein Dienst dem Dienst Johannes des Täufers gleichen würde, hatte es nur logisch ausgesehen, dass er nach Israel gehen und dieses Zeichen des Messias den Juden demonstrieren sollte.

Jetzt konnte Bill sehen, dass er eine einfache Tatsache übersehen hatte: Die Bibel spricht nicht von zwei Kommen Jesu Christi, sie spricht von dreien. Das erste Kommen geschah vor annähernd 2.000 Jahren. Um das Jahr 30 n.Chr. stellte Johannes der Täufer Jesus den Juden als ihren Messias, ihren Heiland, vor. Als Israel Jesus verwarf und ihn kreuzigte, gab das dem Rest der Welt (den Heiden) eine Gelegenheit, errettet zu werden. Jesus verhieß, dass Er wiederkommen werde, diesmal zur Gemeinde aus den Heiden, indem Er sich offenbart und Seine Braut aus den Heiden hinaufnimmt, was unter Christen als die Entrückung bekannt ist. Die Bibel sagt, dass Jesus bei diesem zweiten Mal wie ein Dieb in der Nacht kommen werde. Wenn das geschieht, wird niemand etwas darüber wissen, außer Seine Braut. Danach wird Jesus noch ein weiteres Mal wiederkommen für die Juden. Sein drittes Kommen wird die Welt aufschrecken und es werden ihn sehen alle Augen und alle, die ihn durchbohrt haben. Bei diesem Mal werden die Juden Jesus als ihren Messias annehmen.

Wenn es also nicht Bills Platz war, dem heutigen Israel den Messias vorzustellen, wo war sein Platz dann? Er durchforschte die Schrift nach einer Antwort. Der Schlüssel schien in Lukas 1, 17 zu stecken, in der Tatsache, dass es der Geist des Elia war, der Johannes den Täufer trieb. Der „Geist des Elia“ war in Wirklichkeit der Heilige Geist, der durch eine Persönlichkeit wie die des Elia handelte. Für Gott war es unerlässlich, dass Johannes den Geist des Elias hatte, damit Johannes überhaupt die schwierigen Aufgaben erfüllen konnte, die sein Dienst mit sich brachte. Bill schlug wieder 1. Könige 17 auf und las erneut über Elia, damit er Elias Leben und Dienst mit dem des Johannes vergleichen konnte. In 2. Könige 2 las er die Geschichte über Elias letzten Tag auf Erden. Gott erschien als ein brennendes Feuer und nahm ihn in einem Wirbelwind hinweg, während Elisa, der Elias Lehrling war, zuschaute. In jenem Moment fiel ein doppeltes Maß des Geistes Elias auf Elisa, der auf der Stelle Elias Mantel aufnahm, damit auf den Jordan schlug und ausrief: „Wo ist der Gott des Elia“. Der Fluss teilte sich und Elisa ging trockenen Fußes auf die andere Seite. Dort hatte Gott der Menschheit gezeigt, dass der Geist, der Elia inspirierte, auf einen anderen Propheten übertragen werden konnte. Zu seinen Lebzeiten vollführte Elisa genau die doppelte Anzahl an Wundern, die Elia getan hatte, was belegt, dass er in der Tat ein doppeltes Maß des Geistes Elias besaß. Elisa konnte sogar durch Visionen unterscheiden, was er demonstrierte, als er dem König Israels mitteilte, was der König von Syrien in seinem Schlafgemach geredet hatte. Bill schlug Maleachi 3, 19-24 auf, die letzten Worte des Alten Testamentes, und las: „Denn siehe, es kommt ein Tag, der brennen soll wie ein Ofen; da werden alle Verächter und Gottlosen Stroh sein, und der künftige Tag wird sie anzünden, spricht der Herr Zebaoth, und wird ihnen weder Wurzel noch Zweige lassen ... Siehe, ich will euch senden den Propheten Elia, ehe denn da komme der große und schreckliche Tag des Herrn.“ Viele Bibellehrer lehrten, dass Maleachi 3, 23 sich auf Johannes den Täufer bezog, da der Engel Gabriel sagte, Johannes werde den Geist des Elia besitzen und da auch Jesus darauf hingewiesen hatte, dass Johannes Elia war. Aber diese Lehrer waren nicht ganz bis zur vollen Wahrheit gelangt. Es war falsch, anzunehmen, dass sich Maleachi 3, 23 nur auf Johannes den Täufer bezog. Als die Juden Johannes fragten, ob er Elia sei, sagte Johannes ausdrücklich, er sei es nicht. Anstelle dessen wies er sich mit Jesaja 40, 3 aus: „Es ist eine Stimme eines Predigers in der Wüste: Der bereitet dem Herrn den Weg ...“ Jesus wies Johannes mit Maleachi 3, 1 aus: „Siehe, ich will meinen Engel senden, der vor mir her den Weg bereiten soll.“ Auf wen bezog sich Maleachi aber dann, als er prophezeite: „Siehe, ich will euch senden den Propheten Elia, ehe denn da komme der große und schreckliche Tag des Herrn.“? Dies musste eine jener Schriftstellen sein, die mehr als eine Bedeutung besaßen – wie Hosea 11, 1, wo steht: „Da Israel jung war, hatte ich ihn lieb und rief ihn, meinen Sohn, aus Ägypten.“ Hosea bezog sich auf die Zeit, als Gott Mose nach Ägypten sandte, um die Kinder Israel aus der Sklaverei zu retten. Matthäus jedoch sagte, dass Hosea 11, 1 zugleich auch eine Prophezeiung war, die sich erfüllte, als Maria und Joseph – die nach Ägypten geflohen waren, um dem König Herodes zu entkommen – das Jesuskind nach dem Tode Herodes aus Ägypten zurück nach Israel brachten. Maleachi 3, 23 musste ebenso eine mehrfache Bedeutung haben, indem es von mehr als einem Kommen Elias sprach. In Matthäus 17 stellten die Jünger Jesus die Frage: „‚Wie sagen denn die Schriftgelehrten, daß Elia zuerst kommen müsse?‘ Er aber antwortete und sprach zu ihnen: ‚Elia kommt zwar, und wird alle Dinge wiederherstellen. Ich sage euch aber, daß Elia schon gekommen ist, und sie haben ihn nicht erkannt, sondern an ihm getan, was sie wollten. Ebenso wird auch der Sohn des Menschen von ihnen leiden.‘ Da verstanden die Jünger, daß er von Johnannes dem Täufer zu ihnen sprach.“ Als Jesus dies sagte, war Johannes der Täufer bereits tot. Als Jesus also sagte: „Elia kommt zwar, und wird alle Dinge wiederherstellen“, sprach Er von einem zukünftigen Ereignis. Da es drei Kommen Christi geben würde, und da dem ersten Kommen Christi ein Prophet-Botschafter im Geiste des Elia vorangegangen war, folgt daraus logisch, dass sowohl dem zweiten als auch dem dritten Kommen Christi ein Prophet mit dem Geiste Elias vorausgehen wird. Insgesamt würde es fünf Kommen des Geistes Elias geben: Das erste Mal in Elia, das zweite Mal in Elisa, das dritte Mal in Johannes dem Täufer, das vierte Mal in einem Prophet-Botschafter an die Heiden am Ende des Zeitalters der Heiden und das fünfte Mal in einem Propheten an das heutige Israel.

Warum war der Geist des Elia so etwas Besonderes, dass Gott erwählte, ihn wiederholt in Seinem großen Plan zu gebrauchen? Als Bill das Leben Elias und Johannes des Täufers verglich, fand er bemerkenswerte Gemeinsamkeiten. Beide Männer waren raue Einzelgänger, die in der Wildnis lebten und wussten, wie man Härten durchsteht. Beide Männer hatten den Mut gegen die geistliche Verderbtheit um sie herum aufzutreten. Elia schaute dem König Ahab ins Gesicht und sagte: „Du und das Haus deines Vaters haben Unglück über Israel gebracht, indem ihr die Gebote des Herrn verlassen habt und Baal nachgefolgt seid. Wohlan, versammle ganz Israel und die 450 Propheten Baals und Isebels 400 Propheten der Aschera, versammle sie am Berge Karmel zu einem Kräftemessen.“ Johannes blickte auf die Pharisäer und Sadduzäer und sagte: „Ihr Otterngezüchte, wer hat denn euch gewiesen, daß ihr dem künftigen Zorn entrinnen werdet? Sehet zu, tut rechtschaffene Frucht der Buße!“ Weder Elia noch Johannes konnten durch Geld, Macht, Ehre oder Frauen versucht werden. Beide Männer prangerten Unmoral an: Elia verurteilte den Götzendienst der Königin Isebel 83 und Johannes warf König Herodes vor, mit der Frau seines Bruders in Ehebruch zu leben. Beide, Elia und Johannes der Täufer, hatten auch ihre Unzulänglichkeiten. Im Anschluss an seinen Sieg auf dem Berge Karmel floh Elia vor Isebels Zorn und verbarg sich in der Wüste. Während seiner Wanderung wurde er so niedergeschlagen, dass er Gott bat, ihn zu töten. Auch Johannes ging durch trübsinnige Phasen. Als er im Gefängnis saß, wurde er so mutlos, dass er Jesus eine Botschaft sandte und fragte: „Bist du, der da kommen soll, oder sollen wir eines anderen warten?“ Diese Mängel wahrzunehmen, ermutigte Bill. Es zeigte ihm, dass alles, was Elia, Elisa und Johannes der Täufer vollführt hatten, das Ergebnis des Wirkens Gottes durch sie war. Sie konnten sich nicht auf ihre eigene Stärke verlassen. Dies erinnerte ihn daran, wie der Herr dem Paulus sagte: „Laß dir an meiner Gnade genügen; denn meine Kraft ist in den Schwachen mächtig.“ Obgleich Elia und Johannes beides Propheten waren, wurden sie von den meisten religiösen Führern ihrer Zeit verworfen. Zweifellos waren diese Führer auf Elia und Johannes eifersüchtig, weil keiner von ihnen durch die bestehenden religiösen Instanzen gekommen war. Elia, Elisa und Johannes standen mit keiner Organisation in Verbindung. Das verschaffte ihnen die Freiheit, ihre Botschaft zu predigen, ohne sich darüber sorgen zu müssen, was irgendjemand dachte. Und alle drei Männer predigten das Wort Gottes furchtlos, ohne Kompromisse. Das war die Art von Geist, die sich Gott in seinen Propheten wünschte, besonders derjenigen drei Männer, die dazu bestimmt waren, den Kommen Christi vorauszugehen. Nur der Geist Elias war widerstandsfähig genug, dem enormen Druck der Gegenseite zu trotzen und dem Herrn ein Volk zuzurichten, das wohl bereitet ist.

Hinter jenem ägyptischen Flugzeughangar hatte der Heilige Geist zu ihm gesagt: „Dies ist nicht dein Platz. Dies ist nicht die Stunde. Der Kelch der Ungerechtigkeit der Heiden ist noch nicht voll. Es muss noch mehr aufgelesen werden.“ Doch Israels Stunde musste kommen, so sicher wie die Sonne am Morgen aufgeht, um die Dunkelheit zu zerstreuen. Nach der Warnung an Israel über die große endzeitliche Zerstörung, sagte Maleachi 3, 20: „Euch aber, die ihr meinen Namen fürchtet, soll aufgehen die Sonne der Gerechtigkeit und Heil unter ihren Flügeln.“ Offenbarung 1, 7 sagte über Jesus: „Siehe, er kommt mit den Wolken, und es werden ihn sehen alle Augen und die ihn zerstochen haben ...“ (Wobei sich das „die“ auf die Juden bezog.) Sacharia 12, 9-11 weissagte darüber. Der Apostel Paulus sprach darüber in Römer 11, 25-27. Die Juden werden Jesus Christus schlussendlich als ihren Retter annehmen und es wird ein Prophet mit dem Geiste des Elia sein, der Israel wieder den Messias vorstellen wird. Bill glaubte, dass dieser fünfte und letzte Elia einer der beiden Zeugen aus Offenbarung 11, 3-11 sein würde, da einer dieser zwei Zeugen die Macht hatte, es nicht regnen zu lassen und der einzige andere Prophet in der Bibel, der die Macht gehabt hatte, eine Dürre zu verursachen, war Elia. Wenn die Juden schlussendlich ihren Messias annehmen, wird das Zeitalter der Heiden enden. Dann wird der Zorn Gottes auf die Heiden ausgegossen, die Christus abgelehnt haben. So furchtbar das auch klingen mag, muss es dennoch geschehen, ehe Jesus Christus in einem friedvollen und vollkommenen Königreich regieren kann.

Bill wusste nicht, wann das geschehen würde, doch er wusste, dass Gott auf zwei Dinge wartete. Erstens wartete Er darauf, dass sich die Sünden der Heiden auf ein bestimmtes Maß anhäuften. Der Heilige Geist sagte: „Der Kelch der Ungerechtigkeit der Heiden ist noch nicht voll.“ Jesus hatte gesagt: „Jerusalem wird zertreten werden von den Heiden, bis daß der Heiden Zahl erfüllet wird.“ Gott hatte dem Abraham einst etwas Ähnliches über seine Feinde, die Amoriter, gesagt. Er sagte, Er werde die Amoriter nicht richten, ehe ihre Ungerechtigkeit nicht abgeschlossen war. Damals herrschten die Amoriter über große Teile Kanaans (Palästina). Schon in Abrahams Tagen waren die Amoriter ein sündhafter, unmoralischer Kulturkreis gewesen. Als Gott sie dann vernichtete, war die polytheistische Religion der Amoriter über das Maß des bloßen Götzendienstes hinaus verkommen und hatte Wahrsagerei aufgenommen, religiöse Prostitution und Kinderopfer. Bill konnte die heutige nicht-jüdische Welt in dieselbe Richtung gehen sehen, bis hin zur Kinderopferung. War Abtreibung nicht auch eine Form der Kinderopferung? Konnten heutige Regierungen so unmoralisch werden, bis dass sie das Hinschlachten ungeborener Kinder legalisierten?

Die zweite Sache, auf die Gott wartete, war die Errettung aller Seiner Kinder. Wenn Sein letzter Sohn oder Seine letzte Tochter die Taufe des Heiligen Geistes empfängt, in dem Moment wird die Gemeinde aus den Heiden entrückt, das heißt in eine höhere Dimension hinaufgenommen. Dann wird sich die Türe des Heils für die Heiden schließen und sich Offenbarung 22, 11 erfüllen: „Wer böse ist, der sei fernerhin böse, und wer unrein ist, der sei fernerhin unrein; aber wer fromm ist, der sei fernerhin fromm, und wer heilig ist, der sei fernerhin heilig.“

Bill schloss seine Bibel, zufrieden, da er nun, was Israel anbelangte, die schriftgemäße Position seines eigenen Dienstes besser verstand. Zuvor hatte er angenommen, es würde vier Kommen des Geistes Elias geben, jetzt sah er, dass es fünf geben musste. Sein eigener Dienst hatte mit Israel nichts zu tun. Er war berufen, das Evangelium den Heiden zu predigen und das war, was er weiterhin tun würde: Für die Kranken beten, Errettung in Jesu Namen predigen, hier und dort einen finden, der Gehör schenken würde – auflesen, beständig auflesen; Seelen zusammensammeln wie Korn für den Meister; dem Herrn ein wohlbereitetes Volk schaffen.

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