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Übernatürlich

Übernatürlich – Buch 4

Wenn Liebe tätig wird

1953

Im Februar 1953 hielt William Branham einen einwöchigen Heilungsfeldzug in Tallahassee (Florida). Eines Tages, während er, seine Frau und sein Manager in einem Restaurant in der Innenstadt zu Mittag aßen, winkte ihm ein lächelndes sechsjähriges Mädchen durch die Fensterscheibe zu. Er winkte zurück. Bald kam sie ins Restaurant, ihren Vater am Arm hinter sich herziehend. Sie hielten an Bills Tisch und das Mädchen sagte: „Bruder Branham, erinnerst du dich an mich?“ „Nein, ich denke nicht.“

„Als du für mich gebetet hast, hat Gott mein blindes Auge geheilt.“ Ihr Vater erklärte. Letztes Jahr wurde das eine Auge seiner Tochter durch einen Unfall schwer verletzt. Ihr Arzt meinte, sie hätte keinerlei Hoffnung, je wieder auf diesem Auge sehen zu können. Aber der Vater sagte: „Doch, da ist Hoffnung.“ Er nahm seine Tochter aus dem Krankenhaus, richtete ein Bett für sie auf dem Rücksitz seines Autos her und machte sich auf nach Jeffersonville (Indiana). Er hielt nur an, um zu essen oder zu tanken. Sie kamen Sonntagabend in Jeffersonville an und trafen Bill, als er gerade die Gemeinde verließ. Bill betete für das Mädchen und nun war sie geheilt.

„Welches Auge war blind?“, fragte Bill.

„Dieses“, sagte das Mädchen. „Ich meinte dieses.“ Sie wies zuerst auf ein Auge und dann auf das andere. „Weißt du, ich weiß es nicht mehr.“ Ihr Vater lachte und sagte: „Es war dieses.“

Bevor sie ging, übergab das kleine Mädchen Bill einen Umschlag, den er in seine Tasche steckte und den er vergaß, bis er nach Hause kam. Als er ihn öffnete, fand er eine Valentinskarte mit ihrer Unterschrift unter einem wunderschönen Gedicht.

Im Mai 1953 führte Bill einen anstrengenden Glaubensheilungs-Feldzug in Jonesboro (Arkansas) durch, bei welchem er in sechs Tagen sieben Versammlungen hielt. Im Laufe dieser Woche machte sich ein Prediger in Jonesboro in seiner lokalen Radiosendung über göttliche Heilung lustig. Er beschuldigte William Branham nicht nur des Betrugs, sondern forderte zudem die Öffentlichkeit heraus, indem er sprach: „Ich gebe jedem 1000 Dollar, der beweisen kann, dass eine Wunderheilung stattgefunden hat.“ Binnen einer Stunde nach Ende dieser Radiosendung riefen dutzende von Leuten Bills Manager an und stellten sich als Beweis zur Verfügung, falls Bill die Herausforderung des Mannes annehmen würde. Bill sammelte sich ein Sortiment an Fällen zusammen und sagte: „Lasst uns gehen, um die 1000 Dollar einzukassieren.“ Ein Mann brachte seinen Arzt mit, um zu beweisen, dass er einmal an Krebs im Sterben gelegen hatte. Eine andere Frau brachte ihre Nachbarin mit und ihren Arzt, samt ihren medizinischen Berichten, um zu beweisen, dass sie zwanzig Jahre lang an Arthritis leidend im Rollstuhl verbracht hatte.

Nachdem sie den Prediger damit konfrontiert hatten, startete der Mann – ungeachtet all der erdrückenden Beweise – ein Ausweichmanöver: „Oh – hm – ich kann nicht – äh – das Geld ist nicht hier. Es liegt im Hauptquartier unserer Gemeinde in Texas.“

„Dann fliegen wir morgen nach Texas und holen es“, sagte Bill entschieden. „Ich will das Geld in einen Finanztopf für Missionare stecken.“ Leider konnte keiner der Leute, die sein Beweis waren, so kurzfristig mit ihm nach Texas reisen. So schlug der Prediger dieser Gemeinde eine Alternative vor. „Wenn wir zu meiner Zentrale kommen, nehme ich ein Mädchen und schneide mit einer Rasierklinge in ihren Arm. Wenn Sie den Schnitt vor meinen Brüdern heilen können, dann werden sie Ihnen 1000 Dollar geben.“ „Sie leiden an einer schlimmen Form von Geistesschwäche“, sagte Bill mit Abscheu. „Wie kann ein Christ einen derart krankhaften Vorschlag machen? Das hört sich nach derselben Sache an, die man Jesus sagte: ,Wenn du der Sohn Gottes bist, komm vom Kreuz herab und wir werden dir glauben.‘ Das ist der alt-bekannte Schrei des Ungläubigen: ,Jesus, zeige uns ein Zeichen!‘ – wo doch Wunder jeden Tag geschahen, die Pharisäer sich aber nicht blicken ließen, um sie zu sehen. Oder wenn sie dann doch einmal ein Wunder sahen, sagten sie, es käme durch Beelzebub, den Fürsten der Teufel. So ist es stets gewesen. ‚Meister, wir glauben dir, wenn du hingehst, wohin wir es wollen und tust, was wir von dir fordern.‘ Aber die Pharisäer besaßen keine Marionettenfäden, die an Jesus hafteten. Er war frei, den Willen des Vaters zu tun, und ist es auch heute noch.“

Im Juni 1953 reiste Bill nach Connersville (Indiana), wo er neun Versammlungen in eine Woche zwängte. Ausgelaugt von Monaten an Feldzügen im ganzen Land, reservierte er danach den verbleibenden Sommer, um zu Hause bei seiner Familie auszuspannen.

Natürlich kam er zu Hause nie völlig zur Ruhe. Unaufhörlich störten Leute seine Privatsphäre. Bill hatte in seinem Haus auf der Ewing Lane seit fünf Jahren gewohnt und hatte nie eine Mahlzeit bei hochgezogenen Jalousetten gegessen. Häufig standen Fremde in seinem Garten und warteten darauf, ihn zu sehen, um ihm von ihren Problemen zu erzählen, in der Hoffnung auf seinen Rat und sein Gebet. Sie kamen zu jeder Tages- und Nachtzeit. Bill hatte erlebt, dass bis zu30 Autos zeitgleich vor seinem Haus geparkt hatten, manche davon Krankenwagen. Wann immer er in ein Zimmer ging, zog er als Erstes die Jalousetten herunter. Anderenfalls konnte ihn jemand von draußen sehen und entweder ans Fenster klopfen oder einfach ungebeten ins Haus spazieren, um zu ihm zu gelangen.

Bill konnte keinen abweisen, der Gebet wünschte. Er liebte die Menschen und wusste, dass neunundneunzig Prozent dieser Leute in ihren Herzen aufrichtig waren und danach suchten, gesund zu werden oder Frieden in ihrer Seele zu finden. Er konnte abends nicht in dem Wissen einschlafen, dass eine Mutter mit einem kranken Baby auf seinem Rasen kampierte oder ein Mann, der an Krebs starb, in einem Auto in seiner Einfahrt schlief und auf sein Gebet wartete. Er musste tun, was er konnte, um ihnen zu helfen. Wann immer diese Fremden also bei ihm zu Hause auftauchten, betete er für sie in Jesu Namen. Manchen Abend, nachdem er für die letzte Person gebetet hatte, die gekommen war, hatte er nicht einmal mehr genug Kraft, seine Kleidung zu wechseln, ehe er sich ins Bett fallen ließ.

Selbst eine so alltägliche Arbeit wie das Rasenmähen gestaltete sich aufgrund der vielen Besucher schwierig. Jedesmal, wenn er gerade losgelegt hatte, kam jemand vorbei, der Gebet wünschte. Dann zog Bill sich um, unterwies den Neuankömmling und betete mit ihm, zog daraufhin wieder seine Arbeitskleidung an und mähte ein Stück weiter, ehe die nächste Person auftauchte. Tag für Tag kamen so viele Menschen vorbei, die Gebet wünschten, dass Bill mit seinem Rasen nicht fertig wurde. Manchmal schien es eine aussichtslose Schlacht zu sein. Bis er mit seinem Vorgarten durch war, war der Garten hinterm Haus wieder zu einer dichten Wiese angewachsen.

Eines Nachmittags war eine Flaute in der Besucherparade. Bill schlüpfte in seine Arbeitskleidung, eilte in den Garten hinterm Haus und startete seinen Motorrasenmäher. Bald schnitt er eine Bahn durchs dichte Gras so schnell er seine Maschine nur schieben konnte. In der Sommerhitze dauerte es nicht lange, bis sein Hemd durchgeschwitzt war, und so zog er es aus und warf es beiseite.

Ein Vogelhäuschen stand auf einem Pfosten, der am hinteren Zaun angenagelt war. Bill vergaß, dass ein Hornissenschwarm in diesem Häuschen ein Nest errichtet hatte. In seiner Hast, mit dem Rasen fertig zu werden, stieß er den Rasenmäher so fest gegen den Zaun, dass das Vogelhäuschen geschüttelt wurde. Eine wütende Masse von Hornissen schwärmte heraus und sann auf Rache. Binnen Sekunden kreisten sie in der Luft um ihn herum und manche von ihnen landeten auf seiner Haut, bereit, ihre mit Widerhaken versehenen Stachel tief einzustoßen. Bill wusste, dass er in ernsten Schwierigkeiten steckte, da so viele Hornissen einen Mann zu Tode stechen konnten. Dann, plötzlich, verwandelte sich seine Furcht in Liebe. Während er den Mäher weiterschob, sagte er: „Kleine Hornissen, es tut mir leid, dass ich euch gestört habe. Ich weiß, das Stechen ist eure gottgegebene Waffe, um euch selbst zu verteidigen. Aber ich will euch nichts Böses. Ich bin ein Diener Gottes und ich muss diesen Rasen gemäht bekommen, damit ich wieder reingehen und für weitere Kinder Gottes beten kann. Im Namen Jesu Christi, geht zurück in euer Nest. Ich werde euch nicht weiter stören.“

Sofort hob sich die Hornissenwolke und flog geradeswegs zurück zu ihrem Nest. Bill hielt inne, um es mit Verwunderung zu verfolgen. Dies war dieselbe Sache, die er vor Jahren erlebt hatte, als er dem Mörderstier gegenüber gestanden hatte. Liebe hatte ihn erfüllt und den Lauf der Natur verändert. Es war keine menschliche Liebe; dies war etwas Tiefergehendes, Umfassenderes, Völligeres. Dies war, was die Bibel Agape bzw. göttliche Liebe nennt, die vollkommene Liebe Gottes, zum Ausdruck gebracht durch den Menschen. Er fragte sich, ob es dies sei, was der Prophet erlebt hatte, als er in die Grube mit den hungrigen Löwen geworfen wurde. War es Liebe gewesen, die den Löwen wehrte, Daniel aufzufressen? Liebe hatte definitiv die Absicht dieser Hornissen geändert. Er erkannte, dass wenn Liebe tätig wird, Gnade eingreift.

Bill nahm seine Arbeit wieder auf. Gerade als er im Hintergarten mit dem Mähen seines Rasens fertig wurde, fuhren ein paar Autos vor und parkten vor seinem Haus. Es war an der Zeit, hineinzugehen und für weitere der Kinder Gottes zu beten.

Später ging er hin, um nachzusehen, warum seine Töchter weinten. Als er die Küche betrat, fand er Sarah ausgestreckt auf dem Fußboden vor, Rebekah stand am Tisch und Meda war an der Arbeitsplatte und blickte auf eine volle Spüle mit schmutzigem Geschirr hinunter. Alle drei weinten.

Meda blickte ihren Mann an und schluchzte: „Bill, ich werde verrückt. Die Kinder haben seit dem Frühstück keinen Bissen zu essen gehabt. Heute sind so viele Leute im Haus gewesen, dass ich mich noch gar nicht um die Küche kümmern konnte.“

Jetzt wusste Bill, warum seine kleinen Mädchen weinten. Sie hatten nicht nur Hunger, ihre Mutter schuf zudem eine Atmosphäre nervöser Spannung. Er wusste, dass er sie beruhigen konnte, wenn er bloß die rechte Atmosphäre erzeugte … Bill umarmte seine Frau und sagte besänftigend: „Ja, manchmal ist es sehr schlimm. Bedenke aber, dass wir dem Herrn Jesus Christus dienen. Denk nur an heute Vormittag. War das nicht wunderbar mit anzusehen, wie der kleine Junge die Beinstützen abnahm und normal ging?“ In seinem Herzen betete er: „Oh, Herr, hilf mir hierbei. Sende meiner teuren Frau Deine Gegenwart und Deine Liebe.“ Er sagte: „Meda, es wird wahrscheinlich für ein Weilchen keiner mehr kommen. Lass uns etwas zu essen zurecht machen. Ich helfe dir.“ Er rollte die Ärmel hoch und griff eine schmutzige Bratpfanne aus der Spüle. „Oh, nein, das machst du nicht. Du kannst mir vielleicht beim Geschirr spülen helfen, aber kochen kannst du nicht.“

Er lächelte. „Wer kann hier nicht kochen? Soll das heißen, du hättest mich nie Kartoffeln kochen sehen? Ich bin damit groß geworden.“

Einer ihrer Mundwinkel verzog sich zu einem winzigen Lächeln und bald war sie wieder sie selbst, süß und gut gelaunt. Einen Moment später hörten Sarah und Rebekah mit dem Weinen auf. Die Atmosphäre hatte sich verändert.

Unter seinen vielen Besuchern in jenem Sommer war Dr. Morris Reedhead, der zu jener Zeit der Vorsitzende der Sudan Mission war, eines der größten Baptisten-Missionswerke der Welt. Bill führte Dr. Reedhead ins Wohnzimmer und Meda brachte eine Teekanne, die sie auf der Glasscheibe des Kaffeetisches abstellte.

Dr. Reedhead kam sofort auf den Grund seines Besuches zu sprechen. „Bruder Branham, kürzlich habe ich mich mit einem muslimischen Jungen unterhalten, der gerade erst die Hochschule hier in Amerika absolviert hat und zurück nach Indien in seine Heimat geht. Da ich keine Gelegenheit auslassen wollte, den Herrn zu bezeugen, sagte ich ihm: ,Warum sagst du nicht deinem toten Propheten Mohammed ab und nimmst einen auferstandenen Jesus an?‘ Der junge Mann antwortete: ,Guter Mann, was kann Ihr Jesus für mich tun, das mein Mohammed nicht kann?‘ Ich sagte: ,Jesus kann dir ewiges Leben geben.‘ Er antwortete: ,Mohammed hat mir ewiges Leben verheißen, wenn ich dem Koran folge.‘ Ich sagte: ,Jesus kann dir Freude und Frieden geben.‘ Er antwortete: ,Mohammed hat mir bereits Freude und Frieden gegeben. Ich brauche keinen mehr von Jesus.‘ Ich sagte: ,Jesus lebt noch heute. Mohammed ist seit Jahrhunderten tot.‘ Er antwortete: ,Wenn Jesus lebt, dann beweisen Sie es. Wo ist Er?‘ Ich sagte: ,Er lebt in meinem Herzen.‘ Er antwortete: ,Mohammed lebt in meinem Herzen.‘ Inzwischen war ich so durcheinander, dass ich nicht wusste, was ich sagen sollte. Der junge Mann konnte meine Frustration sehen und sagte: ,Sehen Sie, wir Muslime können genauso viel Psychologie herbeizitieren wie ihr Christen. Aus diesem Grund ist der Islam heute die größte Religion in der Welt. Aber eines muss ich zugeben: Euer Jesus hat euch Christen mehr versprochen als unser Mohammed uns versprochen hat. Ich habe in eurer Bibel gelesen, wo Jesus sagt, Er werde mit euch sein, bis ans Ende der Welt und dass ihr die Werke, die Er tat auch tun würdet: Teufel austreiben, die Toten auferwecken, die Kranken heilen und dergleichen. Lassen Sie mich sehen, wie Christen diese gleichen Werke hervorbringen und dann werde ich glauben, dass Jesus lebt.‘ Ich sagte: ,Du beziehst dich auf Markus Kapitel 16. Aber einige dieser Verse wurden zu einem späteren Zeitpunkt hinzugefügt. Sie sind möglicherweise nicht inspiriert.‘ Er sagte: ,Was für einem Buch folgen Sie eigentlich, wenn manches davon inspiriert ist und manches nicht? Der Koran ist komplett inspiriert.‘ Bruder Branham, ich war sprachlos. Ich bin ein christlicher Gelehrter. Ich habe so viele Doktor- und Ehrentitel, dass ich deine Wände damit tapezieren könnte. Aber dieser junge Moslem hatte mich – bei all meiner Theologie – in die Enge getrieben. Ich wechselte das Thema. Späterhin als ich über das Gespräch nachsann, dachte ich an dich und entschied mich, dich aufzusuchen. Was ich wissen möchte, ist: Waren alle meine Bibellehrer falsch?“ „In gewisser Weise ja. Bildung hat seinen Platz. Aber Dr. Reedhead, ewiges Leben kommt nicht durch Bildung, es kommt durch die neue Geburt. Jesus sagt: ‚Ihr müsset von neuem geboren werden.‘“ „Meinst du, dass Jesus als seinen Erretter anzunehmen nicht dasselbe ist wie den Heiligen Geist zu empfangen?“

„Das ist, was Paulus sagte. Er schrieb den Ephesern: ‚Habt ihr den heiligen Geist empfangen, nachdem ihr gläubig geworden seid?‘ Siehst du? Das ist nachdem sie bereits Jesus angenommen hatten.“

„Bruder Branham, ich bin ein Baptist, bin aber trotzdem in Pfingstversammlungen gewesen. Ist da etwas dran an dem Heilig-Geist-Erlebnis, von dem sie sprechen?“

„Dr. Reedhead, es gibt eine Menge Falschheit und Fanatismus dort draußen. Aber das ändert nichts an der Tatsache, dass es ein echtes Heilig-Geist-Erlebnis für den Gläubigen gibt. Der Heilige Geist, der zu Pfingsten fiel, ist derselbe Jesus heute und er gibt dieselbe Art von Kraft.“ Dr. Reedhead sagte: „Ich möchte dich etwas fragen, von Baptist zu Baptist: Abraham glaubte Gott und das wurde ihm zur Gerechtigkeit angerechnet. Was hätte Abraham weiteres tun können, als Gott zu glauben?“ „Das ist wahr“, stimmte Bill zu, „aber Gott gab ihm die Beschneidung als Zeugnis und Bestätigung, dass Er Abrahams Glauben angenommen hat. Ganz gleich, wie sehr du deinen Glauben bekennst: Ehe Gott dir nicht den Heiligen Geist gegeben hat – die Bestätigung, das Siegel Gottes – hat Er deinen Glauben noch nicht anerkannt. Epheser 4: 30 sagt: ‚Und betrübt nicht den heiligen Geist Gottes, mit dem ihr versiegelt seid auf den Tag der Erlösung!‘“

Dr. Reedhead holte tief Luft und fragte: „Wie kann ich den Heiligen Geist empfangen?“

„Das Einzige, das ich weiß, Bruder, ist, denen die Hände aufzulegen, die den Heiligen Geist suchen.“

„Würdest du mir die Hände auflegen und Gott bitten, mir den Heiligen Geist zu geben?“

„Ja, gerne.“

Dr. Reedhead fiel so schnell auf die Knie nieder, und seine Ellbogen landeten mit solcher Wucht auf dem Kaffeetisch, dass in der Glasplatte Sprünge entstanden. Bill kümmerte das nicht, denn dort in seinem Wohnzimmer sah er, wie dieser erfahrene Bibelgelehrte den Heiligen Geist Gottes empfing. William Branham zur Zeit der Aufnahmen des Films Der Prophet des 20. Jahrhunderts im August 1953 erhielt William Branham einen Anruf von Leroy Kopp, dem Pastor des Calvary Temples in Los Angeles. Reverend Kopp hatte einige von Bills Feldzügen in Los Angeles finanziell unterstützt, einschließlich desjenigen, bei welchem der frühere Kongressabgeordnete Upshaw zum ersten Mal seit 66 Jahren ohne Krücken hatte gehen können. Nun bat Reverend Kopp um Erlaubnis, einen Dokumentarfilm über Bill und seinen Dienst zu drehen, den Kopp Der Prophet des 20. Jahrhunderts nennen würde. Bill stimmte zu. So parkten an einem Augustmorgen zwei Lastwagen vor Bills Haus. Auf jedem war an einer Seite zu lesen: Westminster Film Company, Hollywood, California. Bill war erstaunt über die Menge an Ausrüstung, die diese Männer in seinem Haus aufbauten: Lampen, Mikrofone, eine große, kastenförmige Kamera auf einem dreibeinigen Stativ und die sich über den Boden schlängelnden Elektrokabel. Der Produzent wollte Medas Gesicht für den Film schminken, aber Meda hatte in ihrem Leben nie Make up benutzt, und so lehnte sie ab. Der Film setzte damit ein, wie Leroy und Paul Kopp an den imposanten Steinsäulen vorbeigingen, die den Zugang zur Einfahrt begrenzten. Diese Säulen hatten geschwungene steinerne Aufsätze, die wie Adlerschwingen nach hinten gebreitet waren. Als Nächstes hatte die Kamera die Vorderseite von Bills Haus im Blick und zeigte den ungewöhnlichen Eingang, dessen spitzzulaufende Überdachung auf der einen Seite zweimal so lang war wie auf der anderen Seite, was sie aussehen ließ wie eine übergroße, nach vorn gebeugte Sieben. Bill begrüßte beide Männer an der Tür und führte sie in sein Wohnzimmer. Grüne, blumenbedruckte Vorhänge an den Fenstern betonten die dezentgrünen Wände. Über einem steinernen Kamin hing ein Ölgemälde der Blockhütte, in welcher Bill 1909 geboren war. Auf einem Beistelltisch stand ein Abzug der Fotografie aus Houston (Texas), die den Engel des Herrn, wie einen Lichthof brennend, über Bills Kopf zeigte. Die Kopp Brüder saßen auf einer roten Ledercouch. Ihnen schräg gegenüber saß Bill in einem grünen Sessel. Zwischen ihnen stand derselbe Kaffeetisch, den Dr. Reedhead angeknackst hatte, als er die Taufe des Heiligen Geistes gesucht hatte. Die zersprungene Glasplatte war ersetzt worden.

Leroy Kopp eröffnete das Gespräch, indem er Bill über sein Leben und seinen Dienst befragte. Obwohl Bill seit 20 Jahren in der Öffentlichkeit sprach und es ihm nichts ausmachte, vor zehntausenden von Menschen zu sprechen, war er es nicht gewohnt, sich vor laufender Kamera den Fragen von Leuten zu stellen. Er hielt sich strikt an das Drehbuch, als er seine ungewöhnliche Kindheit beschrieb. Er erwähnte, wie im Alter von sieben Jahren ein Engel zu ihm aus einem Wirbelwind gesprochen hatte, und ihm sagte: „Rauche oder trinke niemals und beflecke deinen Leib in keiner Weise. Denn es wird ein Werk für dich zu tun sein, wenn du älter wirst.“ Er beschrieb, wie ihm 1946 derselbe Engel in menschlicher Gestalt begegnete und ihm einen Auftrag gab, eine Gabe der göttlichen Heilung der Welt zu bringen, und ihm zwei Zeichen von Gott verhieß, um seine Berufung zu beweisen: Erstens, die Wunder und Heilungen und zweitens, das Offenbaren der Geheimnisse der Herzen der Menschen. Bill berichtete, wie der Engel biblische Geschichten gebrauchte, um ihm seinen Dienst zu erklären. Wie jene, als Nathanael Jesus begegnete und überrascht war, dass Jesus bereits über ihn Bescheid wusste. Oder die Begebenheit, als Jesus zu einer samaritischen Frau am Jakobsbrunnen sprach und ihre Schwierigkeit wusste, ohne dass sie es ihm erzählt hatte. Sie sagte: „Herr, ich sehe, daß du ein Prophet bist ... Ich weiß, daß der Messias kommt, der Christus genannt wird, wenn jener kommt, wird er uns alles verkündigen. Jesus spricht zu ihr: Ich bin es, der mit dir redet.“ Es war erst nachdem Jesus dieses in ihrem Herzen verborgen liegende Geheimnis offenbarte, dass die samaritische Frau Jesus als den Christus erkannte, den Messias, den verheißenen Retter Israels. An diesem Punkt nahm die Dokumentation eine merkwürdige Wendung. Nach einer betretenen Pause sagte Bill: „Betreff der Feldzüge, die für Israel geplant sind, Bruder Kopp – es wird mir eine Freude sein, unserem Herrn in Israel zu dienen.“

Reverend Kopp fügte hinzu: „Bruder Branham, wir denken, dass viele Juden zum Glauben an Jesus Christus als Messias kommen werden, wenn sie sehen, wie ein Christ die alttestamentliche Prophezeiung aus Joel 2, 28 erfüllt: Wie der Herr in den letzten Tagen Seinen Geist auf alles Fleisch ausgießen wird. Seine Söhne und Töchter werden weissagen … und junge Männer werden Visionen sehen.“

„Ja, Bruder Kopp, ich glaube, mein Dienst wird an den Juden sehr wirksam sein, weil das Neue Testament sagt: ,Die Juden suchen Zeichen und die Griechen suchen Weisheit.‘“ Diese knappen Bemerkungen mögen in der Dokumentation fehl am Platz erscheinen, wenn man ihren Hintergrund nicht kennt. 1950 hatte Bill etliche Versammlungen in Stockholm (Schweden) gehalten. Lewi Pethrus, der Pastor der größten Pfingstgemeinde in Schweden, war so beeindruckt von der Gabe der Unterscheidung in Bills Dienst, dass er vorschlug, dass Bill nach Israel gehen und die Kraft Jesu Christi den Juden zeigen sollte. Bill schenkte dem Vorschlag Beachtung, trieb ihn jedoch nicht voran.

Inzwischen hatte Lewi Pethrus Missionstätigkeiten in Israel begonnen. In den nächsten beiden Jahren verteilte seine Gemeinde eine Million Neue Testamente unter den Juden in Palästina, wobei man sich auf die Neuankommenden konzentrierte. Für die meisten dieser Leute war es das erste Mal, dass sie über Jesus lasen. Viele Juden sagten zu Pethrus: „Wenn Jesus der Messias ist und er noch immer lebt, dann lass uns sehen, wie er das Zeichen des Messias tut und wir werden ihm glauben.“ Wieder hatte Pethrus an William Branham denken müssen.

Im Frühjahr 1953 nahm Pethrus mit Miner Arganbright Kontakt auf, welcher der Vizepräsident der Full Gospel Businessmen Fellowship International 56 (fgbfi) war, und machte den Vorschlag, dass das fgbfi William Branham einen Glaubensheilungs-Feldzug in Israel finanzierte, damit heutige Juden das Zeichen ihres Messias sehen konnten. Gemeinsam traten diese beiden Männer mit ihrem Plan an Bill heran. Miner Arganbright war gerade erst aus Israel zurückgekehrt, wo er viele einreisende Juden angesprochen hatte, während sie gerade aus den Flugzeugen stiegen. Arganbright hatte einen alten Mann gefragt: „Sind Sie hierher gekommen, damit Sie in Israel sterben können?“ Der Jude erwiderte: „Nein, ich komme hierher, um den Messias zu sehen.“

Als Bill diese Geschichte hörte, fing sein Herz Feuer. Er dachte: „Dies wird für meinen Dienst wie geschaffen sein!“ Jetzt im August, während Leroy Kopp den Prophet des 20. Jahrhunderts filmte, arrangierten Pethrus und Arganbright einen Branham-Feldzug in Israel.

Nach Bills Bemerkungen über Israel wechselte der Dokumentarfilm zu seinem Feldzug in der Philadelphia Church in Chicago vom 29. August bis 7. September 1953. Obgleich der Film einen Ausschnitt aus nur einer einzigen Gebetsreihe zeigte, standen die fünf Personen, für die Bill betete, stellvertretend für die Zehntausende, für die er in den vergangenen sieben Jahren gebetet hatte. Zwei Menschen aus der Zuhörerschaft wurde ihr Zustand punktgenau diagnostiziert. Dann betete Bill für eine Frau in der Gebetsreihe, ohne ihre Schwierigkeit zu offenbaren. Die nächste Frau unterschied er als an Blutarmut leidend. Jeder Skeptiker könnte bei sich denken, dass er ihr Problem zutreffend erraten hatte, weil sie so bleich aussah. Doch die Schwierigkeit der letzten Frau wäre unmöglich zu erraten gewesen.

Eine Frau in mittleren Jahren stand vor dem Evangelisten, die Hände nervös ineinander wringend. Bill blickte ihr direkt in die Augen und sagte: „Ich sehe, du bist mir völlig unbekannt. Du kommst aus einer anderen Stadt. Du hast eine Menge Sorgen auf dem Herzen. Zunächst einmal hast Du ein Herzleiden. Stimmt das?“ „Das ist korrekt“, antwortete sie.

„Da ist eine Menge Dunkelheit um dich herum. Ich sehe, wie dich etwas Schwarzes verfolgt. Ach, es ist eine Lüge! (Sie nickte und begann vor Erregung zu zittern.) Jemand hat eine Lüge über dich erzählt, und das war ein Mann, der sich zu göttlicher Heilung bekennt. Er sagte, du seist eine Hexe. Ist das wahr?“ „Ja“, schluchzte sie nickend, während sie ihr Gesicht in ihren Händen begrub. „Und ihr habt einen Aufruhr in deiner Gemeinde deswegen. Ist das nicht wahr? Dein Pastor ist gerade krank. Er hat Kinderlähmung. Stimmt das?“ „Ja.“

„Schwester, gib nichts darum, was die Menschen dir sagen. Sie lügen. Und die einzige Sache, die mit deinem Herzen verkehrt ist, ist der nervöse Zustand, der dein Herz aufwühlt. Geh in Frieden nach Hause und Gott segne dich. Du bist ganz in Ordnung. Du bist keine Hexe.“

Während die Zuhörerschaft den Herrn überschwänglich pries, sagte Bill: „Ich vertraue, dass Gott euch segnet, bis dass ihr nicht länger zweifeln könnt. Es wäre euch eine Sünde, wenn ihr jetzt nicht glaubt. Nachdem Gott Seinen Sohn gesandt und all diese Zeichen getan hat – Seine Bibel gesandt, Seine Prediger gesandt, Seine Gaben gesandt – und ihr glaubt Ihm immer noch nicht? Dann ist da nichts für euch übrig als am Schluss verdammt zu werden.“

„Die einzige Sache, die diese Unterscheidung bewirken soll, ist Gott zu verherrlichen, indem Jesus Christus geoffenbart wird, Welcher, als Er hier auf Erden war, haargenau dieselbe Sache getan hat. Und Er sagte: ,Wenn ich gehe, werde ich wiederkommen. Eine kleine Weile und die Welt sieht mich nicht mehr (das sind die Ungläubigen), doch ihr sollt mich sehen (Wer? Die Gläubigen), denn ich werde mit euch sein, sogar in euch bis zum Ende der Welt.‘ Dann ist es eine Sünde, nicht zu glauben. ,Gehe und sündige hinfort nicht mehr (oder zweifle nicht länger) oder eine schlimmere Sache wird auf dich kommen‘, sagte Jesus. Es gilt entweder zu glauben oder umzukommen.“

„Doch Gott ist geduldig und gnädig. Wenn Menschen Sein Wort nicht annehmen, dann werden Zeichen und Wunder der Gemeinde hinzugefügt wie Jesus Christus es zu tun verheißen hat. Und gemäß meinem aufrichtigen Glauben, glaube ich, dass Gott gerade jetzt mit den Heiden zum Ende kommt und sich in Kürze den Juden zuwenden wird. Die Heiden werden mit ihren Glaubenssatzungen und Dogmen und ihren kalten, formellen Gemeinden zurückgelassen. Die echte Gemeinde wird hinauf genommen in die Entrückung und das Evangelium wird zu den Juden gehen. Amen. Amen heißt: ,So sei es.‘“

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