Blaue Bücher

Übernatürlich

Übernatürlich – Buch 3

In den Rocky Mountains Colorados

1947

Nach Ende seiner Sommer-Feldzüge im Jahre 1947 freute sich William Branham darauf, nach Hause zu kommen, seine Familie zu sehen und eine dringend notwendige Ruhepause einzulegen. Als er nach Jeffersonville hineinfuhr, stellte er fest, dass beide Straßenseiten seines Wohnviertels so mit Autos zugestellt waren, dass er nicht einmal einen Parkplatz finden konnte. Ein Blick auf sein Haus verriet ihm den Grund. Überall waren Menschen – sie drängten sich im Vorgarten und auf den Bürgersteigen, saßen in ihren Autos oder standen auf der Eingangs veranda. All diese Fremden warteten offensichtlich darauf, dass er nach Hause kam. Bill hatte nicht genügend Kraft übrig, um anzuhalten und mit ihnen zu reden. Er fuhr einfach weiter.

Fünf Tage lang blieb er bei einer Familie seiner Gemeinde, während er darüber nachgrübelte und betete, was er tun sollte. Schließlich gingen einige Diakone des Branham Tabernacles hin, redeten mit den Hausbe setzern und erklärten ihnen Bills Bedürfnis nach Ruhe und Privatsphäre. Die Menge zerstreute sich, und Bill fuhr heim.

Es war nun ein gutes Jahr her, seit der Engel des Herrn ihm begegnet war und ihn beauftragt hatte, den Völkern der Welt eine Gabe der göttlichen Heilung zu bringen. Die Ergebnisse dieses Auftrags überflügelten seine kühnsten Träume. Innerhalb eines kurzen Jahres war sein Dienst aus den bescheidensten Anfängen emporgeschnellt, um das Leben zehntausender Menschen in Nordamerika zu beeinflussen. Solch sprunghaftes Wachstum kam nicht ohne einen hohen Preis. Die ungeheuere Belastung eines Jahres beständiger Überanstrengung holte ihn schlussendlich ein. Lange Gebetsnächte, zu wenig Schlaf, der ständige Wechsel von einer Stadt zur anderen – all das trug zu Bills Erschöpfung bei. Und doch schien noch etwas anderes daran beteiligt zu sein, etwas Geistliches, bei dem Bill Schwierigkeiten hatte, es zu verstehen.

Während der Gottesdienste, wenn Bills linke Hand aufgrund der Vibrationen eines Dämons anschwoll, handelte es sich um mehr als nur einer körperlichen Reaktion auf eine Krankheit. Es war ein geistlicher Kampf. Wenngleich die Kraft Jesu Christi sich stets als größer erwies, flohen die Dämonen nicht ohne Kampf. Bill fühlte die Auswirkungen einer jeden Schlacht. Wenn die Krankheitss chwingungen aufhörten, fühlte Bill einen Teil seiner eigenen Kraft dahins chwinden. Am Ende eines jeden Heilungsgottesdienstes wankte er umher und war nahezu bewusstlos. Am folgenden Tag, ungeachtet wieviel Schlaf er bekommen hatte, fühlte er sich immer noch müde. Dann folgte die nächste Gebetsreihe, und Bill verbrachte weitere vier, fünf Stunden im Kampf mit den Dämonen, während er für die Kranken betete. Er hatte keine Gelegenheit, seine Kraft wiederzuerlangen, und sein instabiler Zustand wurde zunehmend schlimmer.

Er wusste, dass er eine Unterbrechung seines harten Zeitplans benötigte. Vielleicht würde er seine Lebenskraft zurückerlangen, wenn er sich ein paar Monate freinahm. Bill verbrachte viel Zeit im September damit, sein neues Heim zu planen. Er kaufte ein Grundstück unter der Adresse 208 Ewing Lane in Jeffersonville und beauftragte einen ortsansässigen Bauunternehmer mit dem Bau.

Bill beantwortete auch seine Post. Er verbrachte viele Tage allein in seiner Höhle im Wald und legte Fürbitte ein für tausende von Gebets anliegen, die sich in seiner Abwesenheit aufgestapelt hatten. Da waren auch hunderte von Briefen von Predigern, die ihn baten, in ihrer Gegend Heilungsversammlungen abzuhalten. Es war klar, dass er nicht alle einplanen konnte. Je mehr Bill darüber betete, desto besser gefiel ihm der Vorschlag, den ihm Gordon Lindsay vor einigen Monaten unter breitet hatte.

Reverend Lindsay hatte angeboten, eine Reise durch den am Pazifik gelegenen Nordwesten zu arrangieren. Er schlug vor, diese Versamm lungen nach einem neuen, kühnen Konzept zu organisieren. Da nach seiner Eins chätzung Bills einzigartiger Dienst bei Christen vieler Glaubensbekenntnisse Anklang finden würde, wollte Reverend Lindsay so viele Konfessionen wie möglich in eine einzige kooperierende Fördergemeinschaft einbinden. Diese Idee reizte Bill, weil er schon immer – seitdem ihm der Engel begegnet war und ihn beauftragt hatte – gehofft hatte, dass sein Dienst dazu beitragen werde, die zersplitterte christliche Gemeinschaft zu vereinen. Er dachte an die Vision, die er 1933 gesehen hatte, als er zwischen zwei Obstplantagen stand und Äpfel und Pflaumen von beiden Plantagen gepflückt hatte. Das war, als der Herr ihm aufgetragen hatte, „das Werk eines Evangelisten zu tun“. Bill hatte darunter immer verstanden, dass er das Evangelium allen Konfessionen predigen und sich nicht an eine bestimmte Gruppe binden sollte. So ließ er Reverend Lindsay gerne eine Reihe von Versammlungen im Nordwesten für die erste Hälfte des Novembers anberaumen.

Im Oktober 1947 nahm Bill Urlaub. Er reiste westwärts nach Colorado, mietete sich Packpferde und ritt hoch hinauf in die Rocky Mountains, um mehrere Wochen zu zelten, zu jagen und Gemeinschaft mit seinem Schöpfer zu haben. Obschon ihn das letzte Jahr in unmittel baren Kontakt zu zehntausenden von Menschen gebracht hatte, blieb er im Herzen ein Mann der Wildnis. Hier, in den Hochtälern und luftigen Berggipfeln der Colorado Rockies, konnte er fern von Menschenmengen und ihren bedrückenden Problemen frei umherwandern. Die frostigen Morgen am Lagerfeuer belebten ihn und die warmen Nachmittage mit ihren in den Kiefern sanft flüsternden Brisen beruhigten seine strapazierten Nerven.

Eines Tages sichtete Bill ein Steinadler-Pärchen auf einem Vorsprung hoch oben an einer Bergseite. Er beobachtete sie durch sein Fernglas und bewunderte ihre wilde Schönheit. Schließlich breiteten sie ihre Schwingen aus, stießen sich vom Felsvorsprung ab, erfassten die Brise und flogen am Kopf der Klippe entlang. Ihre Stärke und Anmut berührten etwas tief in Bills Seele.

An jenem Abend schaute Bill im Schein seines Lagerfeuers das Wort Adler in seiner Bibelkonkordanz nach und folgte dem Verzeichnis durch die Bibel. Eine bestimmte Stelle faszinierte ihn: In 2. Mose 19:4 verg leicht der Herr den Dienst Moses mit den Schwingen eines Adlers. Warum sollte Gott Seinen Propheten mit einem Adler vergleichen? Vielleicht deshalb, weil ein Adler höher fliegen und weiter sehen kann, als irgendein anderes Geschöpf auf Erden. Ja, das war die Berufung aller Propheten Gottes. Der Herr gab ihnen die Fähigkeit, im geistlichen Bereich höher hinaufzugehen und weiter zu sehen als jeder andere, indem er sie sowohl Vergangenheit und Zukunft schauen ließ als auch Wahrheit und Unwahrheit.

Bill hatte Teile der Zukunft gesehen – und diese kurzen Einblicke hatten sich stets erfüllt. Hieß das, dass er mit Mose etwas gemein hatte? Als der Engel ihm in seiner Höhle begegnete, sagte dieser: „Wie dem Propheten Mose zwei Zeichen gegeben wurden, um zu beweisen, dass er von Gott gesandt war, so werden dir zwei Zeichen gegeben werden.“ Bill schlug 2. Mose 3 auf und las nach, wo Gott dem Hirten Mose begegnet war und ihm aufgetragen hatte, den Israeliten eine Botschaft der Befreiung zu bringen, die immer noch in Ägypten versklavt waren. In 2. Mose 4 las Bill:

Da antwortete Mose und sagte: Und wenn sie mir nicht glauben und nicht auf meine Stimme hören sondern sagen:

Der Herr ist dir nicht erschienen.

Da sprach der Herr zu ihm: Was ist das da in deiner Hand? Er sagte: Ein Stab.

Und er [der Herr] sprach: Wirf ihn auf die Erde! Da warf er [Mose] ihn auf die Erde, und er wurde zu einer Schlange, und Mose floh vor ihr. Der Herr aber sprach zu Mose:

Strecke deine Hand aus und fasse sie beim Schwanz! Da streckte er seine Hand aus und ergriff sie, und sie wurde in seiner Hand zum Stab:

Damit sie glauben, daß dir der Herr erschienen ist, der Gott ihrer Väter, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks, der Gott Jakobs.

Und der Herr sprach weiter zu ihm: Stecke deine Hand in deinen Busen! Da steckte er seine Hand in seinen Busen.

Und als er sie herauszog, siehe, da war seine Hand (weiß) von Aussatz, wie Schnee.

Und er [der Herr] sprach: Tu deine Hand wieder in deinen Busen! Da tat er [Mose] seine Hand wieder in seinen Busen. Und als er sie aus seinem Busen herauszog, da war sie wieder wie sein (übriges) Fleisch.

Und es wird geschehen, wenn sie dir nicht glauben und nicht auf die Stimme des ersten Zeichens hören, dann werden sie (doch wegen) der Stimme des zweiten Zeichens glauben.

Offensichtlich wusste Gott, wie zögerlich die Israeliten darin sein würden, zu glauben, dass Mose ein Prophet war, gesandt vom großen „Ich bin“. Jene beiden übernatürlichen Zeichen waren eigens dafür gemacht zu beeindrucken und zu überzeugen. Unverkennbar konnte kein Mensch solche Dinge von sich aus tun. Die Zeichen offenbarten die Kraft Gottes.

Wie Mose hatte Bill ebenso auf seine eigenen Unzulänglichkeiten geschaut, als der Engel sagte, er solle eine Gabe der Göttlichen Heilung zu den Menschen der Welt bringen. Wie Mose waren auch ihm zwei Zeichen verheißen, um seinen Auftrag zu bestätigen. Er blickte herab auf seine linke Hand. Abend für Abend hatte er in den Versammlungen seinen Handrücken beobachtet, wie dieser infolge der Vibrationen der unterschiedlichen Krankheiten angeschwollen war. Nachdem Jesus die Dämonen ausgetrieben hatte, beobachtete Bill, wie seine Hand wieder normal wurde. Es hatte nie versagt. Aber was war mit dem zweiten Zeichen? Der Engel hatte gesagt: „Wenn du demütig und aufrichtig bleibst, wird es geschehen, dass du anhand von Visionen in der Lage sein wirst, die innersten Geheimnisse ihrer Herzen zu erkennen. Dann werden die Menschen dir glauben müssen.“ Was bedeutete das? Wann würde es geschehen?

Bill warf ein weiteres Holzscheit ins Feuer, lehnte sich gegen einen Baum und fragte sich, welch andere Parallelen es zwischen seinem und dem Leben Moses gab. Als Gott Mose gebrauchte, um die Kinder Israel aus der ägyptischen Gefangenschaft zu befreien, offenbarte Er sich in einer Wolke bei Tage und einer Feuersäule bei Nacht. Gewiss hatte sich Gott in unterschiedlichen Formen im Laufe der Geschichte gezeigt, dennoch eine Wolke und eine Feuersäule schienen Seine zwei meistverwendeten Verhüllungsformen zu sein. Tatsächlich war es eine Feuersäule, die Moses Aufmerksamkeit in der Wüste zuerst auf sich gezogen hatte, als er einen brennenden Dornbusch bemerkte, der jedoch nicht verzehrt wurde. Könnte jene Feuersäule derselbe Stern sein, der die Weisen aus Persien nach Bethlehem geführt hatte, wo sie den Säugling König Jesus fanden? 21 Es war eindeutig das blendende Licht, das Saulus von Tarsus zum Apostel Paulus bekehrte. War jene Feuersäule dasselbe Licht, das in der Hütte erschien, als er geboren wurde? War es ebenso derselbe lodernde Stern, der über ihm erschienen war, als er seine ersten Bekehrten im Jahr 1933 taufte? War es das Licht, das in seiner Höhle erschienen war in der Nacht, in welcher der Engel ihm begegnete? Der Engel war aus der Mitte einer Feuersäule herausgetreten. Was genau war die Verbindung zwischen jener Feuersäule und dem Engel des Herrn? Jedes Mal, wenn der Engel ihn in menschlicher Gestalt besuchte, kreiselte das übernatürliche Licht ein paar Handbreit über des Engels Haupt.

Indem er an den Engel des Herrn dachte, fühlte Bill sich plötzlich beun ruhigt. Im ersten Jahr seines Heilungsdienstes hatte der Engel sich ihm häufig gezeigt. Jetzt war es sechs Monate her, seit dem letzten Besuch des Engels. Bill hatte den Engel seit Vandalia (Illinois) nicht mehr gesehen, als der Engel ihn verwarnt hatte, nicht zu viel Betonung auf Wunder zu legen. Bill vermisste die Besuche des Engels. Warum blieb er fern? War noch immer etwas nicht in Ordnung?

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