1947
Wo auch immer William Branham Feldzüge hielt, sah er große Menschenmengen und außergewöhnliche Ergebnisse. Im Juni 1947 verbrachte er zwei weitere Wochen in Jonesboro (Arkansas). Wiederum, wie im vorigen Jahr, strömten Tausende aus dem gesamten Süden in die Stadt. Diesmal versuchte Bill, schonend mit seinen Kräften umzugehen. Anstatt Tag und Nacht für die Kranken zu beten, wie er es im Jahr zuvor getan hatte, schloss er jeden Gottesdienst gegen ein oder zwei Uhr morgens. Dennoch litt er unter anhaltender Erschöpfung. Neben der körperlichen Belastung durch den allabendlichen Kampf gegen die Dämonen konnte er oftmals tagsüber nicht ausreichend Ruhe finden. Entweder ließen ihn seine Nerven keinen Schlaf finden, oder ein Umstand trat ein, der seine sofortige Aufmerksamkeit verlangte.
Eines Vormittags klopfte sein Gastgeber, Pastor Young Brown, an seine Tür und sagte: „Bruder Branham, es tut mir ausgesprochen leid dich zu wecken, aber dies ist ein Notfall. Ich muss mit dir reden.“ „Komm herein, Bruder Brown.“
„Ich bekam heute Morgen einen Anruf von einem Familienvater aus El Dorado (Arkansas). Er heißt Myrick. Offensichtlich ist seine krebs kranke Tochter dem Tode nahe, und er fragt, ob du kommen und für sie beten könntest.“
„Nach El Dorado ist es ein gutes Stück von hier, nicht wahr?“ „Ja, ungefähr 380 Kilometer. Ich habe eine Cessna bereitstehen, die dich hinfliegt, wenn du gewillt bist zu gehen.“
Da er spürte, dass der Heilige Geist es wollte, sagte er: „Gut, in 30 Minuten bin ich fertig.“
Als die Privatmaschine in El Dorado landete, erwartete sie ein Arzt auf dem Rollfeld, um Bill zum Haus der Myricks zu bringen. Auf dem Weg dorthin informierte der Arzt ihn über die Einzelheiten. „Laddie Myrick ist 28 Jahre alt. Bruder Branham, diese arme Frau hat es nicht leicht gehabt. Als kleines Mädchen hat Kinderlähmung sie verkrüppelt, und nun zerstört sie der Krebs. Vor zwei Wochen habe ich ihre Seite geöffnet und einen sechs Pfund schweren Tumor entfernt. Jetzt ist er wieder fast genauso groß. So weit ich es beurteilen kann, gibt es keinerlei Hoffnung für sie.“
Fünfzehn Personen – Eltern, Geschwister, Tanten, Onkel, Kusinen und Vettern – standen auf dem Hof und warteten auf Bill. Nach dem Händeschütteln strömten alle in die Küche. Bill fragte: „Weiß Laddie, was sie hat?“
„Nein“, antwortete der Vater. „Wir haben es ihr nie gesagt. Wir dachten, es sei besser so. Sagen Sie es ihr nicht, Bruder Branham.“ „Das kann ich nicht versprechen.“ Bill sah, dass der Vater die Situation nicht gut handhabte. „Weinen Sie nicht. Das wird nur Ihren Glauben ins Wanken bringen. Sie müssen stark sein und glauben, dass der Herr Jesus Ihre Tochter heilen kann. Sind Sie Christ?“
„Nein, Bruder Branham. Laddie ist der einzige Christ unter uns. Ich denke, wir sind zu schlecht. Vielleicht ist das der Grund, warum Gott sie uns nimmt.“
Bill sah seine Gelegenheit. „Wenn Gott diese junge Frau leben lässt, wird jeder von euch mir versprechen, Buße zu tun über seine Sünden, sein Herz Jesus Christus zu übergeben, sich taufen zu lassen und ein christliches Leben zu leben?“
Ausnahmslos willigten sie ein. Bill ging allein in das Schlafzimmer. Laddie sah bleich und geschwollen aus; in der Tat sah sie aus wie eine Frau, die nur noch Tage zu leben hatte. Bill stellte sich vor. Laddie sagte: „Bruder Branham, ich habe gehört, dass du Menschen sagen kannst, was ihnen fehlt.“
„Ja, durch die Hilfe und Gnade Gottes kann ich das.“
„Bruder Branham, wirst du mir sagen, was mit mir los ist? Niemand will es mir sagen.“
„Ja.“ Mit seiner linken Hand ergriff er ihre rechte Hand und spürte die Krebsschwingungen, stark und tödlich.
„Es ist Krebs“, sagte er, „aber dein Arzt hat mir das bereits gesagt. Er meint, dass deine Zeit in wenigen Tagen abgelaufen ist. Bist du bereit?“ Ein ruhiges, schönes Lächeln legte sich auf ihre geschwollenen Lippen. „Bruder Branham, ich bin bereit. Ich bin Christ, und es steht nichts zwischen meiner Seele und meinem Heiland. Aber ich wünsche mir, dass meine Angehörigen errettet würden. Ich habe versucht, sie zu Christus zu führen, aber ich habe es nicht vermocht.“
Bill tätschelte ihren Handrücken und sagte: „Vielleicht ist dies die Gelegenheit, die du herbeigesehnt hast. Sie alle haben dich so sehr lieb. Jeder von ihnen hat mir versprochen, Gott zu dienen, wenn du geheilt wirst.“
Bill kniete an der Seite ihres Bettes nieder und betete, wobei er Laddies geschwollene Hand immer noch hielt. Nach wenigen Minuten hörten die Krebsv ibrationen auf.
Laddie erschauderte und sagte: „Bruder Branham, ich habe gerade gespürt, wie etwas Kühles durch mich hindurchging. Ich weiß nicht, was passiert ist, aber ich fühle mich verändert. Ich weiß einfach, dass ich wieder gesund werde.“
„Ja, Schwester Laddie“, stimmte Bill zu. „Der Herr Jesus hat das Leben des Krebses getötet.“
Allmählich verbesserte sich Laddie Myricks Zustand. Ihre Familie nannte es ein Wunder – so auch ihre Freunde, Nachbarn und der Arzt. William Branham zog es vor, es eine Heilung zu nennen. Er fand, dass ein Wunder sich von einer Heilung unterschied, obwohl Gott beide wirkt. Bei einer Heilung lenkt Gott die Naturgesetze, um die Gesundheit einer Person wiederherzustellen. Deshalb vollzog sich eine Heilung über einen Zeitraum und in Übereinstimmung mit den Naturgesetzen der Physiologie und der Biochemie. Ein Wunder hingegen geschah augenblicklich und allen Naturgesetzen offenkundig zum Trotz. Als Reverend Shepherd zum Beispiel mit einem großen Krebsgeschwür an der Außenseite seines Halses in die Gebetsreihe in Jonesboro kam, gebot Bill dem Dämon im Namen Jesu, und das Krebsgeschwür wurde augenblicklich weiß, fiel vom Hals herunter, schlug auf der Plattform auf und rollte Bill zwischen die Füße. Herr Shepherd bückte sich, hob es auf und verließ die Plattform frohlockend. Ein paar Tage später kam er nach vorne, um von der heilenden Kraft Jesu Christi zu zeugen, hielt den Krebs hoch, den er in einer Flasche mit Alkohol konserviert hatte, und wies auf die Vertiefung in seinem Hals, in welcher der Krebs gewesen war. Das war eindeutig ein Wunder: Eine wissenschaftliche Unmöglichkeit, und doch war sie wahr. Laddie Myricks Gesundung, so wundersam sie auch schien, nannte Bill eine „Heilung“, weil es mehrere Wochen dauerte, ehe sie vollständig gesund war.
Da das Ergebnis einer Heilung oft dasselbe war wie das eines Wunders, hielt Bill das eine für so gut wie das andere. Doch nicht jeder, der mit ihm arbeitete, war da gleicher Ansicht. Reverend Kidson, der Bills August-Feldzug in Kanada organisierte, glaubte, dass ein paar Wunder zu Beginn jedes Heilungsgottesd ienstes den Glauben eines jeden Anwesenden heben würden. Und so suchte Herr Kidson, sobald die Gebetsreihen gebildet wurden, – zunächst in Saskatoon (Saskatchewan), dann in Edmonton (Alberta) und zuletzt in Calgary – die Reihe nach zwei oder drei schweren Fällen ab, die er dann nach vorne an den Anfang der Reihe stellte. Manchmal war es eine taube Person, oder jemand, der blind war oder der schielte, oder jemand, der arg verkrüppelt war: Jemand, dessen Befreiung für die Zuhörer leicht nachzuvollziehen war und als Wunder bezeichnet werden konnte.
Zu Beginn des Feldzugs in Calgary (Alberta) entschloss sich Reverend Kidson herauszufinden, was wohl geschehen würde, wenn die Gebetsreihe auss chließlich aus Verkrüppelten bestünde. Er gab das am Freitagabend bekannt und warb dafür mit der Bezeichnung „Wunderreihe“. Kidson definierte einen „Verkrüppelten“ als jemand, der eine sichtbare körperliche Behinderung hatte.
Als Bill von der geplanten „Wunderreihe“ hörte, fühlte er sich unbe haglich. Er erinnerte sich an die Ermahnung des Engels. „Du grenzt die Gabe der Heilung zu sehr auf das Vollbringen von Wundern ein.“ Er hatte Gott versprochen, dass er niemals wieder die Menschen herausfordern würde, ihm den schlimmsten Fall zu bringen. Streng genommen hatte er sein Versprechen gehalten: Er selbst machte diese Herausforderung nicht mehr. Dennoch wusste er, dass Bruder Kidson einige der schlimmsten Fälle an den Kopf der Reihen brachte, und Bill hatte nicht wider sprochen. Was genau meinte der Engel mit „eingrenzen“? Während Bill sich fragte, was er tun solle, dachte er daran, wie er ein Ausgestoßener gewesen war, als er noch ein Junge war. Jetzt hatte er Freunde und Leute im ganzen Land, die ihn unterstützten. Bruder Kidson war einer davon. Wenn Bruder Kidson Vertrauen in ihn setzte, sollte er dieses Vertrauen nicht erwidern? Bill entschied sich, die „Wunderreihe“ durchzuziehen und zu sehen, wie es ausging.
An diesem Freitagabend in Calgary (Alberta), muss es eine der erstaun lichsten christlichen Versammlungen gewesen sein seit den Tagen, da Jesus durch Galiläa zog und jede Krankheit und jedes Gebrechen im Volk heilte. Mehr als 600 Menschen stellten sich in die Wunderreihe. Taube Kinder hörten ihre Eltern, schielende Augen wurden gerade, und blinde Augen erblickten das Licht. Die Lahmen gingen wieder, warfen ihre Stöcke und Krücken fort. Menschen, die man auf Tragbahren hereinbrachte, halfen dabei, ihre eigenen Bahren hinauszutragen. Jede Person in der Gebetsreihe empfing ihr Wunder. Wer in der Zuhörerschaft konnte noch daran zweifeln, dass Jesus Christus lebt, nachdem er Zeuge dieses erstaunlichen Schauspiels geworden war?
Ein Fall war ein junger Mann aus der Ukraine namens Bardanuck. Seit seiner Geburt war ein Bein knapp acht Zentimeter kürzer als das andere. Um das auszugleichen, trug er einen Spezialschuh mit einer entsprechend dicken Sohle. Sein Glaube war so groß, dass er ein neues Paar normaler Schuhe mitbrachte, als er zum Gebet nach vorne kam. Er hatte die neuen Schuhe an den Schnürsenkeln zusammengebunden und diese um den Hals gehängt. Nach dem Gebet ging er in den neuen Schuhen davon und ließ das alte Paar auf der Plattform liegen.
Ein anderer Fall betraf einen 33-jährigen Mann, dessen verdorrte Arme und Beine ihn für die meiste Zeit seines Lebens an einen Rollstuhl gefesselt hatten. Seine Mutter brachte ihn zu allen Versammlungen, die Bill in Kanada hielt – zuerst nach Saskatoon, dann nach Edmonton – und versuchte ihn in die Gebetsreihe zu bekommen, jedoch ohne Erfolg. In Calgary ging ihr das Geld aus. Sie dachte schon, sie müsse sich geschlagen geben und nach Hause zurückkehren. Als sie Reverend Kidsons Ankündigung hörte, dass es am Freitagabend eine „Wunderreihe“ geben werde, die nur aus verkrüppelten und behinderten Menschen bestünde, verpfändete sie ihren Ehering, um die ganze Woche bleiben zu können. Jetzt war es Freitagabend, und der junge Mann wartete, bis er zum Gebet an der Reihe war. Nur noch eine Person war vor ihm, ein neun Jahre altes Mädchen, das an Rückgratverkrümmung litt. Donny Branham half dem Mädchen die Stufen zur Plattform hinauf.
Bill legte seine linke Hand auf ihren Oberschenkel und bat den Herrn Jesus, ihr gnädig zu sein. Er fühlte, wie seine Hand heiß wurde; dann schien es, als ob eine Energiewelle ihre Beine herunterschoss. Im nächsten Moment begradigte sich das Rückgrat des Mädchens in einer Serie von Knack-Geräuschen. Während das Publikum in Aufregung und Jubel ausbrach, legte Bill seine Bibel auf den Kopf des Mädchens und ließ sie auf der Plattform vor- und zurückgehen. Sie balancierte die Bibel so gewandt wie ein Zirkusakrobat, ihr Rückgrat war vollständig normal. Jetzt war der junge Mann in dem Rollstuhl an der Reihe. Donny Branham rollte den Querschnittsgelähmten auf die Bühne. Bill warf einen Blick auf die verdorrten Glieder dieses Mannes, und sein Herz wurde von Mitgefühl erfasst. 35 Minuten lang flehte Bill zum Herrn, den Mann aus seinem mitleiderregenden Zustand zu befreien. Schließlich fühlte Bill die bindenden dämonischen Kräfte weichen.
Auch der junge Mann spürte es und strengte sich an, seine Glieder zu bewegen. Ein Arm kam halbwegs hoch, ein Bein wackelte, dann hob sich der zweite Arm höher als der erste. Er wandt sich vor Aufregung als er fühlte, wie neues Leben in seine verdorrten Glieder strömte, doch stand er an jenem Abend nicht aus seinem Rollstuhl auf.
Der nächste Abend war Bills letzter Gottesdienst in Calgary. Jack Moore eröffnete die Versammlung und leitete den Gesang, während Bill in einem Raum abseits der Pattform betete und darauf wartete, sein Leitlied zu hören: „Glaube nur“, welches immer sein Stichwort war, hinauszugehen. An diesem Samstagabend tat Reverend Moore etwas, das er nie zuvor getan hatte und auch nie wieder tun würde: Er enthüllte den verborgenen William Branham, jene Seite des Evangelisten, die das Publikum nie sah, die Jack Moore jedoch sieben Monate lang aufmerksam beobachtet hatte. Moore beschrieb, wie Reverend Branham vor jedem Feldzug tagelang fastete und betete und wie er sich bis an den Rand seiner Kraft verausgabte, wenn er glaubte, er könne jemandem helfen – irgendjemandem. Moore berichtete den Zuhörern, wie achtsam Reverend Branham war, was Geld anbelangte, und wie er es ablehnte, mit der Gabe die Gott ihm gegeben hatte, finanziellen Gewinn herauszuschlagen. Dann beschrieb Moore den Zuhörern, dass Reverend Branham und seine Familie in einem Zweizimmer-Haus wohnten, das keinerlei Installation hatte. Er erzählte, wie schlecht die Türen abgedichtet waren, und wie Meda Branham im Winter Decken zum Schutz gegen den Wind vor die Türen hing, damit ihre Kinder sich keine Lungenentzündung holten. Dann bat Jack Moore die Leute, diesem tapferen, selbstlosen Evangelisten, der ausschließlich für ihr Wohl arbeitete, ein „Liebesopfer“ zu geben. Dieses Opfer sei einzig dazu bestimmt, Reverend Branham ein neues Haus zu kaufen. Die Leute reagierten darauf freigebig aus der Tiefe ihrer Liebe und Wertschätzung heraus.
Als Bill auf die Plattform kam, wusste er nichts davon. Aber er spürte, wie sehr die Menschen mit Glauben erfüllt waren. Bevor er die Gebets reihe eröffnete, bat er den jungen Mann, der am letzten Abend quer schnittsgelähmt an einen Rollstuhl gefesselt gewesen war, nach vorne zu kommen und sein Zeugnis zu geben. Der Mann schritt langsam den Gang hinunter, seinen Rollstuhl vor sich herschiebend. Er erzählte den Zuhörern, wie ein kalter Schauer durch ihn gefahren war, als William Branham für seine Befreiung betete. Obgleich er gestern Abend kaum mehr getan hatte, als mit seinen Gliedern zu zappeln, hatte er heute Morgen selber essen und sich rasieren können. Von dieser Wende angeregt, hatte er fortgefahren, seine Grenzen zu erforschen. Bis zur Mittagszeit konnte er stehen und im Zimmer umherschlurfen, indem er sich an Tischen und Stühlen festhielt. Sein Zustand verbesserte sich stündlich. An jenem Samstagabend kamen über 2.000 Menschen in die Gebetsreihe. Ergriffen und überführt in ihren Herzen, empfingen sie nicht nur Heilung, sondern nahmen auch zu Hunderten ihre Errettung an, indem sie sich von ihren Sünden abwandten, um Jesus Christus als dem lebendigen Gott anzuhangen.
Am nächsten Vormittag war Bill erstaunt, als Jack ihm sagte, was er am vorigen Abend getan und wieviel Geld er für Bill gesammelt hatte, damit er sich ein neues Haus kaufen konnte.
Bills erste Reaktion war, das Opfer abzulehnen. „Ich habe nichts in diese Welt hineingebracht, und es ist sicher, dass ich nichts von ihr mitnehmen werde. Ich habe bereits ein Haus, weshalb brauche ich da ein neues?“ Jack bestand darauf. „Wenn nicht für dich, dann für deine Frau. Es ist nicht fair, sie so zu behandeln, wenn du die Mittel hast, es besser zu machen.“
„Aber ich habe die Mittel nicht.“
„Doch, du hast. Du hast 28.000 Dollar. Sie gehören dir, weil die Menschen sie dir gegeben haben.“
„Bruder Jack, du musst es ihnen zurückgeben!“
„Wie soll ich das jetzt anstellen? Alle sind nach Hause gefahren.“ Bill musste diesem Argument zustimmen. Widerstrebend nahm er das Opfer an.