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Übernatürlich

Übernatürlich – Buch 3

Apachen-Glaube

1947

Als William Branham Mitte März Oakland (Kalifornien)

erreichte, hörte er von Little David Walker, einem „Boy Preacher“, der evangelistische Versammlungen an den gleichen Abenden in der Stadt abhielt, an denen Bill für die Kranken beten würde. Von Neugier gepackt, beendete Bill seine Vers ammlung am ersten Abend schon früh, um Little David predigen zu hören. Bill gefiel, was er hörte. Obwohl Little David nur ein schmächtiger Teenager war, handhabte er das Wort Gottes mit einer Weisheit und Kühnheit, die seinem Alter weit voraus war. Nach dem Gottesdienst stellte Bill sich vor. Im Laufe ihrer Unterhaltung verglichen die beiden Evangelisten die Größenordnung der Zuhörer schaft, die ihre Versammlungen besuchten. Little David hatte bereits einige Abende in Oakland gepredigt, und sein Gebäude war nie mehr als zu einem Drittel gefüllt. (Sein Gebäude bot 7.000 Menschen Platz, seine abendliche Zuhörerschaft betrug jedoch um die 2.500.) Bill dagegen hielt Versammlungen in einem Gebäude mit 3.000 Sitzplätzen, und an seinem ersten Abend zählte die Zuhörerschaft knapp 7.000. Little David schlug vor, dass sie die Gebäude tauschten. Das taten sie dann auch und beide profitierten davon. Bill wollte Little David die Mietd ifferenz zwischen dem größeren und dem kleineren Auditorium zahlen, aber Little David nahm es nicht an und meinte: „Vielleicht kannst du mir eines Tages einen Gefallen tun.“

Zu dieser Zeit flog Jack Moore, der noch immer den Branham-Versammlungen folgte, nach Ashland (Oregon), um seinen Freund Gordon Lindsay zu überreden, mitzukommen und selbst Zeuge dieses außergewöhnlichen Dienstes zu werden. Moore berichtete Lindsay überschwänglich von der Kraft Gottes, die er jeden Abend beobachtete: Die Schwellung in Bills Hand, die Offenbarung der Krankheiten, Blinde, Taube und Lahme befreit und Dämonen im Namen Jesu Christi ausgetrieben. Er überzeugte Lindsay, dass dies es wert war, alles stehen und liegen zu lassen, um es sich anzusehen. Zusammen fuhren sie nach Kalifornien und erreichten rechtzeitig Bills Versammlung in Sacramento.

Der Gottesdienst an jenem Abend erschütterte Gordon Lindsay bis in die Grundfesten seines Glaubens. Lindsay, 41 Jahre alt, war seit 23 Jahren Prediger des Vollen Evangeliums gewesen: Die letzten fünf Jahre als Pastor in Ashland, Oregon, doch davor war er 18 Jahre lang als Evangelist durch die gesamten Vereinigten Staaten und Kanada gereist. Während all jener Jahre hatte er die Kraft des Heiligen Geistes sich nie so greifbar entfalten sehen, wie hier an diesem Abend in Sacramento. Es beflügelte ihn zu einem Glaubenshöhepunkt, den er nie zuvor gekannt hatte. Wie sehr wünschte er sich, diese Erfahrung mit seinen Freunden teilen zu können. Als er an all die Pastoren und Gemeinden dachte, die er landauf, landab kannte, nahm ein Gedanke in seinen Überlegungen Gestalt an. Am nächsten Tag traf sich Gordon Lindsay mit Bill und teilte ihm seine Gedanken mit. Es war der Anfang einer Freundschaft, die für beide weitreichende Konsequenzen haben sollte.

Von Sacramento reiste Bill nach Santa Rosa, Kalifornien. Am Samstag abend hatten die Ordner Mühe, einen jungen Mann abzuhalten, die Gebetsreihe zu umgehen. Sie dachten, er wollte nicht abwarten, bis er an der Reihe war. Die Unruhe, die dadurch aufkam, störte Bill beim Gebet für die Kranken. Er bekam mit, wie der junge Mann zu den Ordnern sagte: „Ich will nicht in die Gebetsreihe. Ich möchte diesem Prediger nur eine Frage stellen.“

Bill ging zum Rand der Plattform und fragte: „Was möchten Sie?“ Der junge Mann fragte: „Wie buchstabieren Sie Ihren Namen?“ Bill empfand es merkwürdig, aus einem solchen Grund soviel Aufhebens zu machen. Er antwortete: „B-R-A-N-H-A-M.“

Der Mann schaute auf ein Stück Papier in seiner Hand, wandte sich dann um und rief aufgeregt in die Menge: „Mutter, das ist es, das ist es!“ Die Mutter kam herbei und erklärte: „Mein Mann und ich sind Evangelisten für die Assemblies of God. Ich habe die Gabe, in Zungen zu reden, und mein Mann hat die Gabe der Auslegung. Vor zweiundzwanzig Jahren betete ich in Zungen, als eine Auslegung durch meinen Mann kam, die von einem Abend wie dem heutigen weissagte. Ich habe es aufgeschrieben, und es lag all die Jahre in einer Truhe. Als ich von Ihren Versammlungen hörte, habe ich die Notiz wieder hervorgeholt, aber wir wollten sicher gehen, dass Sie der Betreffende sind.“

William Branham, wie er unter der Salbung wankt, während er im San Carlos Indianerreservat predigt.

Der junge Mann reichte Bill den Zettel. Dort stand:

So spricht der Herr: „In den letzten Tagen, vor dem Kommen des Herrn, werde ich meinen Diener William Branham die Westküste entlang senden.“

„Vor zweiundzwanzig Jahren!“, dachte Bill. „Das muss 1925 gewesen sein, als ich erst 16 Jahre alt war“. Ein Schauer lief ihm den Rücken hinunter. Hier, in dieser alten Weissagung lag eine weitere Bestätigung, dass sein Dienst von Gott zu etwas Besonderem vorherbestimmt war.

Gegen Ende April 1947 kehrte Bill nach Phoenix zurück, um diesmal eine Versammlung speziell für die spanisch sprachige Bevöl kerung der Stadt zu halten. Es war das erste Mal, dass er einen Gottes dienst durch einen Übersetzer hielt.

Im Laufe des Tages begegnete Bill einem Missionar, der unter den Apachen im San Carlos Indianerreservat arbeitete, 80 Kilometer östlich von Phoenix. Der Missionar hatte drei kranke Indianer mitgebracht, damit sie an den Branham-Versammlungen teilnahmen, in der Hoffnung, dass sie in die Gebetsreihe gelangten und geheilt würden. Der Missionar lud Bill ein, eine Versammlung im Reservat abzuhalten. Bill versprach ihm, dass wenn der Herr jene drei kranken Indianer heute Abend heilte, er eine Versammlung für die Apachen halten werde.

An jenem Abend machte Bill eine kühne Herausforderung. Mittlerweile war er dermaßen von der Bereitschaft Jesu Christi überzeugt, Menschen zu heilen, dass Bills eigener Glaube kaum Grenzen kannte. (Hatte ihm nicht der Engel gesagt, dass wenn er aufrichtig sein werde und erreichen könnte, dass die Menschen ihm glaubten, dass nichts seinem Gebet widerstehen würde?) Nach all den Wundern, die er im letzten Jahr gesehen hatte, fürchtete Bill sich nicht, die schwersten Fälle, die er finden konnte, in Angriff zu nehmen. Tatsächlich hieß er sie sogar willkommen, weil er meinte, sie seien ein um so größerer Beweis dafür, dass Gott alles tun kann. Jetzt, vor den spanisch sprechenden Leuten, sagte er: „Bringt mir jemand, der verkrüppelt oder leidend ist, bringt mir den schwersten Fall, den ihr finden könnt. Ich versichere euch, dass diese Person geheilt wird, bevor ich das Gebet beende.“

Jemand brachte ein verkrüppeltes mexikanisches Mädchen nach vorne, die noch nie zuvor in ihrem Leben gelaufen war. Sie sah furchtbar entstellt aus: Sie hatte einen stark gekrümmten Rücken und ihre Beine hingen verkümmert und nutzlos herab. Unerschrocken und ohne Zweifel begann Bill für die Befreiung des Mädchens zu beten. Fünf Minuten vergingen ohne Änderung ... dann zehn Minuten ... dann fünfzehn. Bill war nicht beunruhigt. Er wusste, dass Gott es tun würde. Wie lange es dauern würde, war unwichtig. Zwanzig Minuten vergingen ... dann dreißig. Bill fuhr fort, Gott sanft zu bitten, dieses Mädchen aus ihrem Gefängnis zu befreien. Eine Stunde verging ... dann eineinhalb Stunden. Die Menschen in der Zuhörerschaft wurden unruhig, während sie versuch ten, an derselben Zuversicht festzuhalten, die der schmale Mann auf der Plattform zu besitzen schien. Nach einer Stunde und fünfundvierzig Minuten des Gebets schrie die kleine Mexikanerin auf. Ihr Rücken knackte, als sie ihr Rückgrat zum ersten Mal in ihrem Leben gerade aufrichtete. Die Zuhörerschaft wurde unbändig vor Erleichterung und Aufregung, als dieses einst verkrüppelte Mädchen auf ihren spindel dürren Beinen stand und an Bills Hand von der Plattform ging. Daraufhin drängten sich die Leute in eine Gebetsreihe, um selbst an die Reihe zu kommen. Mittels eines Übersetzers betete Bill zehn weitere Stunden für die kranken und bedürftigen spanisch sprechenden Menschen. Viele Wunder ges chahen. Unter den Hunderten, die Heilung erlangten, waren auch die drei Apachen, die der Missionar aus dem Reservat mitgebracht hatte.

Bill hielt Wort und reiste ein paar Tage später für einen eintägigen Heilungsg ottesdienst ostwärts ins Indianerreservat San Carlos. Die kleine Holzkirche konnte den vielen Hunderten Indianern, die zusammen strömten, um Bill predigen zu hören, keinen ausreichenden Platz bieten, und so baute der Missionar ein Mikrofon und einen Verstärker für mehrere Außenlautsprecher auf. Familien breiteten ihre Decken auf dem Boden aus und setzten sich hin, um zuzuhören. Als Bill zu predigen begann, ging gerade die Sonne unter. Eine Apachin diente ihm als Dolmetscherin.

Aufgrund seiner lebenslangen Liebe für den amerikanischen Westen hatte Bill viel über die missliche Lage der Indianer gelesen und darüber nachgedacht. Vielleicht war es der Schuss indianischen Blutes in seinen eigenen Adern, der ihm jetzt so viel Einfühlungsvermögen gab. An diesem Abend, während er sein Herz seinen roten Brüdern und Schwestern öffnete, erlebte er seine Predigt intensiver als sonst. Er sagte den Indianern, wie leid es ihm tue, in welcher Weise ihre Vorfahren von dem weißen Mann behandelt worden waren. Noch heute wurden die Interessen der Indianer nicht immer von der Regierung der Vereinigten Staaten beachtet. „Es gibt Einen, der euch immer ein faires Geschäft bietet“, sagte er ihnen, „und das ist der Herr Jesus Christus.“ Nach der Predigt bat er diejenigen, die ein Gebetsanliegen hatten, eine Gebetsreihe zu seiner Rechten zu bilden. Nicht ein Indianer stand auf. Irritiert fragte Bill seine Dolmetscherin, was verkehrt sei. Sie wusste es nicht, vermutete aber, dass sie ihm nicht trauten.

Der Missionar ging zur Missionsstation zurück und brachte einige seiner Helfer mit, die einwilligten, zum Gebet zu kommen. Zuerst kam eine Indianerin, die ein Baby auf dem Rücken angeschnallt hatte. Die Frau sprach kein Englisch. Sobald Bill ihre rechte Hand in seine Linke nahm, spürte er das Pochen einer dämonischen Vibration. Sein Handrücken rötete sich und weiße Beulen bewegten sich über die Haut. Bill sagte in das Mikrofon hinein: „Frau, Sie leiden an einer Geschlechtskrankheit.“ Die Frau sah ihn überrascht an, und die Frage stand ihr deutlich ins Gesicht geschrieben: „Woher wusstest du das?“ Dann gab sie zu, dass seine Aussage stimmte.

Noch immer ihre Hand haltend, erklärte Bill seinen Zuhörern die Gabe der göttlichen Heilung, indem er beschrieb, wie das Zeichen in seiner Hand die Vibrationen einer jeglichen Krankheit aufgriff, die durch Keime verursacht wurde. Bill beugte sein Haupt, schloss die Augen und bat Jesus Christus, die Frau von ihrem Leiden zu befreien. Als er die Augen öffnete, war seine linke Hand wieder normal. Die Apachen konnten es auch sehen. Sie war geheilt. Ein Raunen der Verwunderung lief durch die Reihen der Skeptiker.

Als Nächstes brachte eine Mutter ihre Tochter nach vorne. Bill nahm die Hand des Mädchens, wandte sich an seine Dolmetscherin und sagte: „Ich weiß nicht, was mit ihr verkehrt ist. Es ist keine durch Keime verursachte Krankheit, weil ich neben dem Leben des Kindes keine Reaktion fühlen kann, die das Vorhandensein eines weiteren Lebenskeims anzeigt.“ Da die Mutter kein Englisch sprach, musste die Dolmetscherin sie fragen, was mit ihrer Tochter verkehrt war. Dann erklärte die Dolmetscherin Bill: „Sie ist taub und stumm. Fieber vor vielen Jahren macht sie so.“ Bill nahm das Mädchen in die Arme und betete: „Herr Jesus, bitte tue etwas, damit diese Menschen es verstehen.“

Als er sein Gebet beendete, wusste er, dass das Mädchen geheilt war. Er forderte sie auf, etwas zu sagen. Das Mädchen murmelte ein paar unverständliche Laute. Bill sagte entschuldigend: „Oh, sie wird schon nach und nach besser sprechen.“

Lächelnd sagte die Dolmetscherin: „Sie spricht jetzt schon recht gut.“ Dann brachte eine andere Mutter ihren kleinen Sohn nach vorn. Bill nahm ihn bei der Hand, konnte jedoch keine Vibrationen spüren. Als er fragte, was das Problem des Jungen sei, packte die Mutter ihren Sohn beim Schopfe und zog seinen Kopf nach hinten, sodass sein Schielen sichtbar wurde. Wann immer Bill ein schielendes Kind sah, erinnerte er sich an seine Tochter Sharon Rose, wie sie vor Schmerzen geschielt hatte, als sie mit Gehirnhautentzündung im Sterben lag. Bill bat die Zuhörer die Häupter zu beugen. Dann nahm er den Jungen so in die Arme, dass das Gesicht des Jungen von der Zuhörerschaft abgewandt war. Mit all der Aufrichtigkeit seines Herzens bat Bill Gott um die Befreiung des Kindes. Als er fühlte, dass der Heilige Geist den Jungen geheilt hatte, bat Bill die Indianer, ihre Köpfe zu heben. Ohne sich zu vergewissern, drehte Bill den Jungen herum, sodass er in die Menge blickte. Die Apachen raunten ihre Anerkennung. Die Augen des Jungen schauten geradeaus, vollkommen ausgerichtet. Mittels der Dolmets cherin bat Bill den Jungen, seine Heilung vorzuführen durch das Umherrollen seiner Augen. Das überzeugte alle. Staub wirbelte auf, als Hunderte von Apachen aufstanden und mit wildem Ansturm eine Gebetsreihe zu Bills Rechten bildeten.

Bill erstaunte der einfache Glaube der Apachen. Als die Indianer das Übernatürliche in ihrer Mitte geschehen sahen, öffneten sie ihre Herzen dafür und ernteten den Gewinn. Eine bucklige alte Frau humpelte auf Krücken, aus Besenstielen gefertigt, nach vorn. Ihr Haar war mit Leder streifen geschmückt, und ihre braune Haut über die Jahre von Wind und Sonne gezeichnet. Als sie Bill ansah, liefen Tränen ihr faltiges Gesicht herunter. Bill spürte ihren Glauben, ihren Respekt und ihre Liebe. Noch ehe er für sie beten konnte, richtete sie sich auf und reichte ihm ihre Krücken. Dann schritt sie ohne Hilfe von der Plattform.

Die ganze Nacht hindurch betete Bill für eine lange Reihe von Apachen. Bei Tagesanbruch bemerkte er, dass viele der Indianer, die durch die Gebetsreihe kamen, von ihrer Hüfte abwärts nass waren. Er befragte die Dolmetscherin, die es ihm erklärte: „Zuerst dachten sie, du ein Schwindler. Als sie sehen, Augen von Junge gerade werden, gehen viele kilometerweit ... durch den Fluss ... holen Verwandte ... bringen sie zum Gebet.“ Zwei Indianer, die beide nass bis zur Hüfte waren, trugen einen alten Mann auf einer Trage aus grob behauenem Bauholz nach vorn. Die Nacht war kühl. Bill fragte den ersten Indianer: „Hast du keine Angst, dass du dir eine Lungene ntzündung holst?“

Der Mann antwortete: „Jesus Christus wird für mich sorgen. Ich habe meinen Vater gebracht. Ich glaube, Jesus wird ihn heilen.“ Bill legte dem alten Mann die Hände auf und betete: „Möge der Herr Jesus dich heilen und gesund machen.“ Die beiden jungen Männer trugen den alten Mann von der Plattform. Nachdem Bill für einige weitere Leute gebetet hatte, hörte er jemanden rufen. Als Bill aufblickte, sah er den alten Mann aus eigener Kraft stehen, laut rufen und die Trage in die Luft halten.

Am nächsten Morgen fragte der Apachenhäuptling Bill, ob er gern jage. Bill wusste, dass die Indianer ihr Reservat abgesteckt hatten, um Nicht-Indianer von der Jagd auf Apachen-Besitz auszuschließen, und so betrachtete er die Einladung als Ehre. „Ja, ich liebe die Jagd.“ Sie stiegen auf Ponys und ritten eine Bergs chlucht hinauf. Die Jagd war großartig. Wilde Truthähne flogen so zahlreich vorbei, dass Bill sie mit bloßen Händen hätte fangen können, wenn er es gewollt hätte – obwohl er es vorzog, ein Gewehr zu benutzen.

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