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Übernatürlich

Übernatürlich – Buch 3

Ablehnung eines Schecks über 1,5 Millionen Dollar

1947

Nachdem William Branham nach Jeffersonville zurück gekehrt war, stellte er fest, dass ihm eine Menge neuer Verpflichtungen entstanden waren. Aus den gesamten Vereinigten Staaten und Kanada trafen Briefe ein. Zu Anfang mühten sich Bill und Meda ab, diese Post selbst zu beantworten. Jeden Tag stellte der Postbote eine weitere, riesige Tüte voller Briefe auf der Veranda ab, und bald erkannte Bill, dass es zu viel Arbeit für ihn war. Er mietete ein kleines Büro und stellte Herrn und Frau Cox als Sekretäre ein, die beide Mitglieder seiner Gemeinde waren. Mit ihrer Hilfe sortierte Bill die Post in zwei Stapel. Der erste und größere Teil der Briefe kam von Leuten, die ihre Probleme und Nöte beschrieben und ihn baten, für sie zu beten. Bill betrachtete diese Anliegen einfach als einen weiteren Teil seines Auftrags und betete ernstlich über jedes einzelne von ihnen. Der zweite Stapel kam von Predigern, die ihn einluden, Heilungsfeldzüge in ihrer Gegend abzuhalten. Bill legte diese Einladungen beiseite und betete darüber, wo Gott ihn als Nächstes hinsenden wollte.

Schließlich legte er eine Reiseroute fest, durch die er bis Mitte 1947 beschäftigt sein würde. Da in den nördlichen Staaten noch Schnee lag, wollte er zunächst durch die Südstaaten reisen, beginnend in Louisiana, dann westwärts nach Texas, Arizona und Kalifornien. Im späten Frühjahr würde er einige Monate in der Nähe seines Wohnorts verbringen, ehe er sich dann nordwärts nach Saskatchewan und Alberta in Kanada wandte. Obgleich noch nicht völlig von seiner Erschöpfung wiederhergestellt, konnte Bill es nicht erwarten, an das Werk zurückzukehren, zu dem ihn der Herr berufen hatte. Er begann in Shreveport (Louisiana), wo er laut Terminplan fünf Gottesdienste für Reverend Jack Moore halten sollte, dem Pastor einer unabhängigen Pfingstgemeinde, die unter dem Namen „Life Tabernacle“ bekannt war. Als Reverend Moore Bill zum ersten Gottesdienst in seine Gemeinde mitnahm, war Moore überrascht, sein großes Gotteshaus so überfüllt mit Fremden zu sehen, dass er und sein Gast Schwierigkeiten hatten hineinzukommen. Bloße Mundpropaganda hatte ganze Familien aus ganz Louisiana und Arkansas hierher gezogen. Jack Moore entschied, dass sie mehr Platz benötigten, und mietete für den zweiten Abend eine Schulaula. Nach nur zwei Gottesdiensten in der Aula entschloss er sich jedoch, die Versammlungen wieder in das „Life Tabernacle“ zu verlegen, weil die Menschen sich schon so früh einfanden, dass sie den Schulbetrieb störten.

Dies war eine Woche, wie sie Jack Moore noch nie zuvor erlebt hatte: Fünf Abende voller Wunder. Später schrieb er darüber: „Zurück blieben Menschen, demütig und milde gestimmt, weil sie wussten, dass Jesus von Nazareth auf unserem Weg in Seinem Diener vorübergezogen war ... Ja, die Tage der Bibel waren wiedergekehrt. Hier war ein Mann, der das praktizierte, was wir predigten. Ich sage dies nicht, um irgend einen Menschen zu erheben, sondern um allein zu unterstreichen, dass unsere tiefe Wertschätzung für unseren Bruder [William Branham] auf die Tatsache zurückzuführen ist, dass sein Dienst uns unseren geliebten Herrn [Jesus] näherbrachte und uns besser mit Seinen lebendigen Taten, Seiner Persönlichkeit und Seiner Gottheit vertraut machte als alles andere zuvor ... “ In dem Gefühl, dass er mehr über diesen außergewöhnlichen Dienst erfahren musste, überließ Jack Moore seine Gemeinde in den Händen eines der Pastoren, damit er mit William Branham bis zum Ende des Jahres mitreisen konnte.

Im Anschluss an Louisiana flog Bill nach Texas, wo er an 15 aufeinander folgenden Abenden Versammlungen in Houston abhielt, bevor er nach Texarkana und San Antonio reiste. Während des ersten Abends in San Antonio geschah etwas, das Bill bis ins Mark erschütterte. Der Gottesdienst begann, der Gesangsleiter stellte Bill dem Publikum vor, und die Menge wartete andächtig und erwartungsvoll. Als Bill über die Plattform auf die Kanzel zuschritt, stand ein Mann auf, der auf der Plattform saß, und sprach in einer unbekannten Sprache. Die unverständlichen Worte feuerte er laut und schnell wie ein Maschineng ewehr hervor. Nachdem er geendet hatte, blieb das Publikum ruhig. Ein anderer Mann stand im hinteren Teil des Auditoriums auf und verkündigte laut: „So spricht der Herr: Der Mann, der über die Plattform schreitet, geht mit einem Dienst voran, der von Gott, dem Allmächtigen, verordnet wurde. Wie Johannes der Täufer gesandt wurde, dem Ersten Kommen Jesu Christi vorauszugehen, so ist dieser Mann gesandt, Seinem Zweiten Kommen vorauszugehen.“ Bill wurde es schwindelig zumute, und er fühlte sich so schwach, dass seine Knie nachgaben. Er klammerte sich an die Kanzel, um sich abzustützen, während er ins Mikrofon sprach: „Sie dort hinten, der Sie gerade eine Weissagung gebracht haben – kennen Sie diesen Mann hier auf der Plattform, der in Zungen geredet hat?“

Der Mann, der hinten stand, sah aus wie ein Cowboy. „Nein, ich kenne ihn nicht.“

„Wissen Sie etwas über mich?“

„Ich habe heute zum ersten Mal von Ihnen gehört.“

„Wie kommt es, dass Sie heute Abend hier sind?“

„Die Leute, für die ich arbeite, wollten zu den Versammlungen kommen, und sie haben mich gebeten mitzukommen, also kam ich.“

Bill wandte sich zu dem Mann hinter ihm auf der Plattform, der in Zungen geredet hatte und fragte: „Kennen Sie den Mann, der die Weissagung gegeben hat?“

„Nein.“

„Warum sind Sie heute Abend hier?“

„Ich bin Kaufmann hier am Ort. Ich habe in der Zeitung von einem ‚Göttlichen Heiler‘ gelesen, und so bin ich gekommen, um zu sehen, was es damit auf sich hat.

Weil Bill sich mit 1. Korinther 12 bis 14 eingehend befasst hatte, wusste er, dass die „Auslegung der Zungen“ als eine der Gaben des Heiligen Geistes aufgeführt ist. Bill hatte lange Zeit die Vermutung gehabt, dass vieles, was die Pfingstler als „Zungen“ bezeichneten, nichts weiter als Begeisterung, Fanatismus und fleischliche Gesinnung war. Diese „Auslegung“ passte in keine der drei Kategorien. Sie hörte sich echt an, weil dieser Fremde wiederholt hatte, was Bill an jenem Tag im Jahr 1933 gehört hatte, als er im Ohio taufte und der Stern oben erschien. Das war 14 Jahre her! Bill war verwundert und fragte sich, ob es mit seinem Dienst mehr auf sich hatte, als nur für Kranke zu beten.

Im Anschluss an Texas reiste Bill nach Phoenix (Arizona). Stress machte ihm beständig zu schaffen. Seine Erschöpfung schien auf mehr zurückzuführen zu sein als nur auf das stundenlange Stehen und zu wenig Schlaf. Wenn Bill für die Kranken betete, fühlte er tatsächlich die dämonischen Kräfte, die er bekämpfte. Es ermüdete ihn so sehr, wie das Ausheben eines Grabens in steinigem Boden mit Schaufel und Spitzhacke. Immer, wenn Bill die rechte Hand eines Patienten in seine linke nahm und dadurch auslöste, dass die Krankheit zu seinem Herzen hinauf vibrierte, fühlte er einen Teil seiner eigenen Kraft entschwinden – Kraft, die er durch den Schlaf einer ganzen Nacht nicht wiedergewann.

Er lernte über Dämonen, indem er das, was er in der Bibel las, mit dem verglich, was er selbst erlebte, während er für die Kranken betete. Er las im Neuen Testament, wie Dämonen, die aus einer Person herausgetrieben wurden, sich nach einem neuen Wirt umschauten. Er beobachtete dasselbe Phänomen in seinen Versammlungen. Während eine Person auf der Plattform von Geistesk rankheit befreit wurde, war es möglich, dass ein ehrfurchtsloser Ungläubiger im Publikum dieselbe Krankheit bekam. Er erinnerte sich an eine Gruppe von Leuten, die in Jonesboro respektlos gewesen war. Sie spotteten und machten Katzenlaute, als Bill gerade für einen Mann betete, der in einem epileptischen Anfall auf dem Boden lag und um sich schlug. (Epileptiker bekamen immer einen Anfall, wenn sie in die Nähe des Engels des Herrn kamen.) Nachdem Bill gebetet hatte, wurde der Mann normal, aber die gesamte Gruppe ehrfurchtsloser Skeptiker fiel in epileptische Anfälle. (Er erfuhr später, dass es ein Prediger und 28 Mitglieder seiner Gemeinde waren, die an jenem Abend Epilepsie bekamen.) Diese Erfahrung lehrte Bill Vorsicht. Wann immer er Widerspenstigkeit wahrnahm, bat er die Zuhörerschaft, die Häupter zu beugen und mit ihm zu beten. Er stellte fest, dass selbst Ungläubige in seinen Versammlungen sicher waren, wenn sie sich respektvoll verhielten.

Eines Abends in Phoenix kam ein Kind durch die Gebetsreihe. Bill nahm die Hand des Mädchens und spürte die verräterischen Vibrationen der Epilepsie. Das Kind bekam einen Anfall, fiel auf die Plattform und schlug unkontrolliert um sich. Das Publikum hielt den Atem an. Bill blieb ruhig und bat jeden, sein Haupt zu beugen. Als er seinen eigenen Kopf beugte, um zu beten, nahm er eine Unterbrechung des Glaubensstroms wahr. Er blickte wieder über die Menge und entdeckte einen Mann, der seinen Kopf nicht gebeugt hatte. Bill sprach ins Mikrofon: „Dort ist ein Mann zu meiner Rechten mit erhobenem Kopf. Selbst wenn Sie nicht glauben, bitte beugen Sie Ihr Haupt und seien Sie andächtig. Diese dämonischen Mächte können von einer Person zur anderen gehen.“

Der Mann senkte sein Haupt nicht. Einer der Ordner ging zu ihm hinüber und sprach mit ihm, dann kam er auf die Plattform und sagte zu Bill: „Das ist Herr K- ein Mann des öffentlichen Lebens in Phoenix. Er sagt, mit diesem Zeug hat es nichts auf sich, außer einer guten Portion Psychologie. Er besteht darauf, dass er seinen Kopf nicht beugen muss.“ Bill sprach wiederum in das Mikrofon: „Ich habe Sie darum gebeten. Das ist alles, was ich tun kann.“ Er wandte sich wieder dem Kind zu, das sich auf dem Boden krümmte und einen Kehllaut ausstieß. Bill betete: „Gott, lass dieses unschuldige Kind nicht leiden wegen des Unglaubens dieses Mannes. Segne das Kind und befreie es.“

Das Mädchen beruhigte sich und öffnete schon bald die Augen. Ihr Begleiter eilte nach vorn, um ihr aufzuhelfen, und gemeinsam stiegen sie die Plattform herunter und priesen Gott.

Herr K- lächelte überlegen, als wolle er sagen, er habe sich durchgesetzt – er hatte seinen Kopf nicht beugen müssen. Leider sollte es ein kurz lebiger Triumph sein.

An Bills letztem Abend in Phoenix versprach er der Menge, er würde versuchen, für jeden im Gebäude zu beten, der Gebet wünschte. Das wäre unmöglich gewesen, wenn er die Hand jeder Person nehmen sollte, damit die Vibrationen jede einzelne Krankheit offenbaren konnten. Heute Abend versuchte er etwas anderes. Er nannte es eine schnelle Gebetsreihe. Die Leute in der Gebetsreihe bewegten sich konstant schrittweise nach vorne, und Bill legte ihnen einfach die Hand auf die Schulter und bat den Herrn Jesus, sie zu heilen, während sie langsam vorübergingen. Viele Wunder geschahen an jenem Abend, obwohl das vielleicht erstaunlichste an Haddie Waldorf geschah, einer Frau, die infolge von Herz-, Leber- und Dickdarmkrebs im Sterben lag. Ihre Ärzte hatten sie aufgegeben. Jetzt versuchte sie verzweifelt, zu diesem Mann vorzudringen, der behauptete, ein Engel stehe neben ihm, wenn er für die Kranken bete. Haddies Ehemann und ein Assistenzarzt aus dem Krankenhaus trugen sie auf einer Trage in die Versammlung. Während sie in der Gebetsreihe warteten, fühlte sie, wie das Leben langsam aus ihr wich. Sie sagte ihrem Ehemann: „Selbst wenn ich sterbe, tragt mich dennoch durch.“ Sie waren noch ein gutes Stück weit hinten. Während die Reihe sich zentimeterweise vorschob, fiel sie in Bewusstlosigkeit. Bald hob und senkte sich ihr Brustkorb nicht mehr. Der Arzt fühlte nach Haddies Puls und konnte ihn nicht mehr finden, so zog er die Decke über ihr Gesicht. Herr Waldorf behielt mit grimmiger Entschlossenheit den Platz in der Reihe. Es dauerte eine Stunde, ehe Herr Waldorf seine Frau nach vorne in die Reihe gebracht hatte. Jemand informierte Bill, dass eine Leiche vorbeigebracht wurde. Bill hielt die Reihe an, damit er für diesen Fall länger beten konnte. Als er die Frau berührte, fühlte sie sich kalt an. Als Bill Gott bat, Haddie Waldorf das Leben wiederzugeben, strömte nicht nur Odem in ihre Lungen zurück, sondern sie setzte sich auch bald auf und später am Abend ging sie tatsächlich eigenständig aus dem Gebäude. Jene lange Gebetsreihe in Phoenix floss über an Heilungen und Wundern. Obwohl Bill seine Gebete so kurz wie möglich hielt, brauchte er dennoch bis drei Uhr morgens, um alle Kranken zu berühren, die vorbeigingen. Nach Jack Moores Schätzung betete Bill an diesem einen Abend im Februar 1947 für 2.500 Menschen.

Im März arbeitete sich Bill seinen Weg an der kalifornischen Küste entlang. Seine erste Versammlung in Los Angeles in der großen Kirche im Monterey Park war derart überfüllt, dass die kooperierenden Gemeinden die Versammlungen unverzüglich ins Municipal Auditorium in Long Beach verlegten. Am zweiten Abend des Feldzugs kamen drei Männer und eine junge Frau durch die Gebetsreihe, die eine bewusstlose Frau auf einer Trage brachten.

Bill ergriff die kraftlose rechte Hand der Patientin und fühlte eine bekannte Vibration. „Es ist Krebs“, sagte er.

Die junge Frau antwortete: „Das ist richtig. Sie heißt Melikian. Dies hier ist ihr Arzt, und ich bin ihre Tochter. Vor kurzem wurden ihr in St. Louis beide Brüste abgenommen, um die weitere Ausbreitung zu verhindern, aber es hat nichts genutzt. Nun ist Gott ihre einzige Hoffnung.“ Bill beugte sein Haupt und bat Gott um ein Wunder. Die Vibrationen in seiner Hand verschwanden. Er wollte sie gerade für geheilt erklären, als ein merkwürdiges Gefühl über ihn kam, und er sagte ohne nachzudenken: „So spricht der Herr: In drei Tagen wird diese Frau in den Straßen geschäften einkaufen.“

Der Arzt, der offensichtlich mitgekommen war, um der Familie einen Gefallen zu tun, protestierte entrüstet: „Allein der Gedanke, Reverend Branham! Diese Frau liegt ganz offensichtlich im Sterben. Wie können Sie ihren Angehörigen nur solch trügerische Hoffnung machen?“ Ruhig erwiderte Bill: „Doktor, wenn diese Frau nicht gesund ist und in drei Tagen durch die Straßen geht, können Sie ein Schild auf meinen Rücken hängen, auf dem steht, ich sei ein falscher Prophet, und Sie können mich auf der Motorhaube Ihres Autos durch die Stadt fahren.“

Gegen Ende der Woche erwachte Bill aus tiefem Erschöpfungsschlaf durch heftiges Klopfen an seiner Hotelzimmertür. Auf dem Flur stand der Gemeindeo rdner, der beauftragt war, Bills Privatsphäre zu schützen. Hinter ihm standen zwei gut gekleidete Fremde. „Es tut mir sehr leid dich zu stören, Bruder Branham, aber diese beiden Herren müssen dich dringend sprechen. Ich weiß, dass du Ruhe benötigst, aber ihr Anliegen ist so ungewöhnlich, dass ich dachte ... “

„Kommen Sie herein. Was kann ich für Sie tun?“

Die beiden Männer traten ein, und der Wortführer kam gleich zur Sache. „Wir sind Bevollmächtigte von Herrn Melikian.“

„Melikian?“ wiederholte Bill und versuchte, sich daran zu erinnern, wo er diesen Namen schon einmal gehört hatte.

„Herr Melikian betreibt die Mission Bell Winery. Seine Frau wurde Anfang der Woche in Ihrer Versammlung von Krebs geheilt.“ Jetzt erinnerte sich Bill an die bewusstlose Frau auf der Trage. „Wie geht es ihr?“

„Bruder Branham, ihre Genesung hat alle erstaunt, besonders ihren Arzt. Am Tage, nachdem Sie für sie gebetet hatten, erlangte sie ihr Bewusstsein und setzte sich im Bett auf. Am dritten Tag ging sie mit ihrer Tochter einkaufen, genau wie Sie es vorausgesagt hatten. Herr Melikian ist so dankbar, dass er uns geschickt hat, um Ihnen diesen Scheck über 1,5 Millionen Dollar zu überreichen.“

Der Mann hielt den Scheck hin. Bill rührte sich nicht. Der Mann sagte: „Herr Branham, dies ist kein Scherz. Der Scheck ist einwandfrei und ausgestellt auf Ihren Namen.“ Er reichte das Papier herüber. Bill nahm den Scheck jedoch nicht. Er dachte an seine Familie, wie sie in einer Zwei-Zimmer-Hütte in Jeffersonville lebte, dachte an seine Frau, die das Wasser einen halben Häuserblock entfernt holte und dann das Spülwasser nach draußen trug, weil das Haus über keine Wasserinstallation verfügte. Er dachte daran, wie kalt und zugig das Haus im Winter war und wie Meda Lumpen um die Türen und Fenster stopfte, damit der kalte Wind nicht hineinblies. Es wäre wunderbar, seiner Familie etwas Besseres zu geben, und doch ...

So viele Jahre hatte Bill darum gerungen, seine Berufung im Herrn zu verstehen. Als er im Jahr 1937 aus dem Willen Gottes herausgetreten war, musste er so schrecklich leiden, dass ihn jetzt nicht einmal 1,5 Millionen Dollar in Versuchung führen konnten, von seinen Überzeugungen abzu weichen. Nicht er hatte Frau Melikian vom Krebs geheilt, der Herr Jesus Christus hatte sie geheilt. Wie konnte er da eine Belohnung annehmen für etwas, das er nicht getan hatte? Und davon abgesehen hatte Bill drei Fallstricke erkannt, die Männer oft scheitern ließen, nachdem sie einen guten Anfang im Dienst Gottes gemacht hatten: Geld, Ansehen und Frauen. Jeder Prediger, der mit einer dieser Versuchungen liebäugelte, riskierte es, auszurutschen und abzustürzen. Bill hatte längst fest beschlossen, sich von allen dreien fernzuhalten, ungeachtet, was es ihn auch kosten mochte.

„Meine Herren“, sagte er mit fester Stimme. „Ich will nicht einmal einen Blick auf diesen Scheck werfen. Teilen Sie Herrn Melikian mit, dass ich sein Ansinnen schätze, aber ich kann sein Geld nicht annehmen.“

Nach seiner letzten Gebetsreihe in Long Beach, Kalifornien, die um zwei Uhr morgens endete, schwankte Bill taub und benommen zu einem wartenden Auto. Jack Moore und Young Brown fuhren Bill eine Stunde lang durch die Stadt, redeten mit ihm und versuchten ihn zu einer Erwiderung zu bewegen. Sie kurbelten seine Seitenscheibe herunter, damit ihm der Regen ins Gesicht spritzte. Schließlich kam Bill so weit zu sich, dass er verlangte, ins Bett gehen zu können. Sie fuhren ihn zu seinem Hotel. Als sie aus dem Aufzug in einen kleinen Warteraum traten, drängte eine Anzahl von Leuten vorwärts, riefen Bills Namen und wollten mit ihm sprechen. Moore und Brown schoben ihn durch die Menge, als eine Frau vor Bill zu Boden fiel und sich an seinem Hosenbein festklammerte. Jack Moore griff nach ihr, um sie wegzuziehen, doch Bill winkte ihm ab und sagte: „Lass uns zumindest ihre Geschichte anhören.“ Selbst mit dieser Zusicherung ließ die Frau Bills Hosenbein nicht los. In ihren Augen spiegelte sich ihre Verzweiflung. „Bruder Branham, ich bin Frau K-. Mein Mann und ich besuchten Ihre Versammlungen in Phoenix. Als Sie für das epileptische Kind beteten, weigerte sich mein Mann, seinen Kopf zu beugen. Am nächsten Tag hatte er ein komisches Gefühl an seinem ganzen Körper. Er dachte, es sei nur seine Einbildung, die ihm einen Streich spiele. Zwei Tage später fand ihn die Polizei, wie er ziellos in der Stadtmitte von Phoenix umherstreifte. Sein Verstand hat einen Knacks bekommen. Er weiß nicht, wer er ist oder was er tut.“ Jetzt bemerkte Bill einen Mann abseits der Gruppe. Sein Blick war leer, sein Gesicht eingefallen, sein Haar und seine Kleidung zerzaust, seine Wangen mit einem stoppeligen Bart bedeckt. „Ist das Ihr Mann?“, fragte er. „Ja, Bruder Branham“, jammerte Frau K-. „Ich habe jeden Abend versucht, ihn in die Gebetsreihe zu bekommen, habe es aber nie geschafft. Jetzt bin ich verzweifelt. Irgendetwas muss unternommen werden. Er isst nicht. Selbst Wasser muss ich ihm gewaltsam einflößen.“ Sie ließ ihre Stirn auf Bills Schuhe sinken.

Bill wandte sich an Jack Moore und sagte: „Bitte bring Herrn K- in mein Zimmer, damit wir ungestört sind.“

Jack Moore nahm Herrn K- an die Hand, der sich so leicht führen ließ, als wäre er ein willenloses Kind. Bill versuchte zu folgen, doch Frau K- ließ sein Bein nicht los und ließ sich auch nicht dazu bewegen, ihren Griff zu lockern. Schließlich hoben Moore und Brown Bill hoch und trugen ihn in sein Zimmer – Frau K- hinter sich herschleifend. Nachdem sie die Tür verschlossen hatten, konnten sie sie endlich überreden, Bills Bein freizugeben.

„Schwester“, sagte Bill, „vor ungefähr einem Jahr ist mir ein Engel des Herrn erschienen und hat mir gesagt, ich solle den Völkern der Welt eine Gabe der Heilung bringen. Er sagte mir, dass wenn ich aufrichtig sein werde und erreiche, dass die Menschen mir glauben, dann könnte nichts meinem Gebet widerstehen. Ich habe erlebt, dass das wahr ist: Es gibt kein Leiden, wie schlimm es auch sei, das nicht geheilt wird, wenn ich lange genug für die Person bete. Glauben Sie mir?“

„Ja, Bruder Branham, das tue ich.“

Herr K- stand ganz still, er blinzelte nicht mal. Seine Augen starrten ausdruckslos vor sich hin. Als Bill auf ihn zuging, zuckte er zurück und knurrte wie ein Tier. Aus Sicherheitsgründen hielten Moore und Brown Herrn K-s Arme fest, während Bill ihm die Hände auflegte und betete. Der Sieg kam nicht leicht, 45 Minuten lang rang Bill mit dem Dämon der Geisteskrankheit. Schließlich blinzelte Herr K- und schaute im Zimmer umher mit dem Gebaren eines Mannes, der gerade an einem unerwarteten Ort aufgewacht ist und sich fragt, wo er sei und warum. Nachdem seine Frau es ihm erklärt hatte, schlang Herr K- seine Arme um Bills Hals und drückte ihn wie einen lang verlorenen Bruder. Er verließ das Hotel mit einem Verstand so scharf wie eh und je – jetzt jedoch dem Evangelium Jesu Christi sehr wohlgesonnen.

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