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Übernatürlich

Übernatürlich – Buch 3

Freunde und Feinde

1950

Im JUni 1950 hatte William Branham einen Heilungsfeldzug in Lubbock, Texas, als wiederum ein Mann ihn öffentlich angriff. Der Herausgeber einer Tageszeitung druckte einen vernichtenden Artikel, in welchem er Bill beschuldigte, mit einem Koffer voll psychologischer Tricks Jagd auf leichtgläubige Christen zu machen.

Gordon Lindsay war aufgebracht. „Hast du diesen Artikel gelesen, Bruder Branham? Die sagen hier, du nimmst in den Versammlungen so viel Geld ein, dass es zweier starker Männer bedarf, um es heraus zuschleppen. Der Artikel ist voll solcher Lügen. Es macht mich wütend. Bruder Branham, warum rufst du nicht Feuer vom Himmel herunter und verbrennst den Platz?“

Bill war amüsiert. „Ach, Bruder Lindsay, meine Zeit! Es scheint, dass Jakobus und Johannes dasselbe auch einmal tun wollten, als eine Stadt den Herrn ablehnte. Jesus sagte zu ihnen: ,Wisst ihr nicht, welches Geistes Kinder ihr seid? Der Menschensohn ist nicht gekommen, um Menschenleben zu vernichten, sondern um sie zu retten‘.“ „Ich sprach nicht von den Menschen, ich sprach von der Druckerpresse, die diesen Müll ausspuckt.“

„Bruder Lindsay, ich versuche einfach, solche Dinge zu ignorieren. Und im Übrigen würde ich nie so etwas Drastisches tun, es sei denn, der Herr trüge mir ausdrücklich auf, es zu tun.“

Das stellte Lindsay nicht zufrieden. „Was wir heute brauchen, sind Propheten wie Elia. Er musste nicht erst eine Vision haben, bevor er etwas unternahm. Er stampfte den Berg Karmel hinauf, baute einen Altar und forderte all die Baal-Priester heraus: ,Kommt hier herauf, und wir werden unter Beweis stellen, wer Gott ist‘. Elia schritt auf und ab und spottete über Baal, verhöhnte die Männer, indem er sagte: ,Nun kommt schon, lasst mal sehen, was Baal kann‘. Die falschen Propheten Baals standen ziemlich lächerlich da, als das Feuer vom Himmel fiel und Elias Opfer, Wasser und alles andere verzehrte. Elia wusste ohne Vision, wo er stand. Solche Propheten brauchen wir heute.“

„Einen Augenblick, Bruder Lindsay“, entgegnete Bill. „Du bist ein guter Lehrer, aber du übersiehst einen wichtigen Punkt. Als Elia alles ausgeführt hatte – den Stier zerstückelt, ihn auf den Altar gelegt und das Wasser darüber gegossen –, sagte er: ,Herr, ich habe dies alles auf Dein Wort hin getan‘. Siehst du, der Herr hatte ihm zuerst eine Vision gezeigt. So ist das bei Propheten, es ist immer durch Visionen. Selbst Jesus, der Gott-Prophet, sagte: ,Ich tue nur, was der Vater mir zeigt zu tun‘.“ Widerwillig erkannte Lindsay den Punkt an und murmelte: „Dennoch hätte ich heute gern mehr Propheten vom Schlage Elias unter uns.“ Ein paar Wochen später hielt Bill einen dreitätigen Feldzug in Harlingen, Texas, einer kleinen Stadt, 35 Kilometer nördlich der mexikanischen Grenze. Am ersten Abend schienen die Zuhörer bedrückt zu sein. Es waren viele Leute in der Versammlung (etwa 4.000 Menschen füllten das Auditorium), die aber nicht die freudige Erregung und Erwartung hatten, der Bill andernorts begegnet war. Glücklicherweise hinderte diese matte Stimmung Bill nicht an der Ausübung der Gabe auf der Plattform. Doch bewegte sich der Engel des Herrn nicht in die Zuhörerschaft hinaus, wie er es so oft tat.

Am nächsten Nachmittag erhielt Bill einen Anruf von seinem Manager, während er gerade in seinem Hotelzimmer betete. „Bruder Branham, ich bin auf dem Sprung, in die Stadt zum Mittagessen zu gehen. Willst du nicht doch mitk ommen?“

„Nein danke, Bruder Baxter, nicht heute. Ich faste noch vor dem Herrn.“ „Gut. Können wir uns in ein paar Minuten in der Empfangshalle treffen? Es gibt etwas, das ich vor dem Gottesdienst heute Abend mit dir durch sprechen muss.“

„Natürlich, ich bin gleich unten.“

In der Empfangshalle umriss Ern Baxter sein Anliegen. „Das Opfer gestern Abend war sehr dürftig, und jetzt fehlen uns die Mittel für die Betriebskosten dieses Feldzugs.“

„Um wie viel?“, fragte Bill.

„Wir brauchen gut 900 Dollar, um auszugleichen.“

„Ich frage mich, welchen Grund das hat“, grübelte Bill. „Eine Besucher zahl dieser Größe würde doch spielend soviel geben.“

„Ich hab mich das auch gefragt, und so sprach ich mit einem örtlichen Pastor. Offensichtlich sind in den letzten paar Monaten mehrere Evan gelisten durch Harlingen gekommen und haben ‚Heilungsgottesdienste‘ gehalten, und die haben die Schafe ganz schön geschoren.“ Jetzt verstand Bill die gestrige Stimmung unter den Zuhörern. „Ich denke, ich kann denen keinen Vorwurf machen, dass sie mir gegenüber argwöhnisch waren.“

„Bruder Branham, du solltest mir erlauben, selbst einen Spendenaufruf zu machen, oder wir stehen am Ende mit roten Zahlen da.“ Bill dachte an sein Versprechen dem Herrn gegenüber – dass er ein Evangelist bleiben werde, solange der Herr für seine Bedürfnisse sorgte, damit er nie um Geld betteln musste. „Nichts da! Nein, das machst du nicht. Bruder Baxter. Falls du jemals in einer meiner Versammlungen einen Aufruf um Geld machst, wird das der Tag sein, an dem du und ich uns die Hände als Brüder schütteln und ich allein weitergehe. Nein, es wird in meinen Versammlungen keinerlei Aufrufe um Geld geben. Gott besitzt das Vieh auf tausend Hügeln, alles gehört Ihm, ich gehöre Ihm. Er wird für mich sorgen.“

„Na gut, Bruder Branham, wenn du so darüber denkst, werde ich Geld nicht erwähnen.“

Auf dem Weg zurück in sein Hotelzimmer vernahm Bill ein herzzer reißendes Schluchzen. Er schaute sich um und sah zwei junge Mädchen, die sich in den Armen lagen und weinten, als wären sie zum Tode verur teilt. Bill ging hinüber und fragte sie: „Was ist denn los?“ Eines der Mädchen hielt die Luft an. „Huch, Bruder Branham, du bist’s!“

„Ich sehe, ihr kennt mich. Kann ich irgendwie helfen?“

Dasselbe Mädchen übernahm das Reden. „Bruder Branham, es ist meine Freundin hier. Sie hat psychische Probleme, und sie wird in eine Nervenheilanstalt kommen, wenn Gott nicht ein Wunder tut. Ich war in deinen Versammlungen in Lubbock. Als ich den Heiligen Geist dort wirken sah, wusste ich, dass Gott meine Freundin heilen könnte, wenn ich sie nur in eine Gebetsreihe bekäme, sodass du für sie beten könntest. Also brachte ich meine Freundin hierher nach Harlingen. Aber gestern Abend konnte ich für sie nicht einmal eine Gebetskarte besorgen und ich fürchte, dass wir den ganzen Weg umsonst gefahren sind.“ Lubbock lag im schmalen texanischen Landfortsatz, beinahe 1.500 Kilo meter entfernt. Bill konnte sehen, dass dieses Mädchen einen gewaltigen Glauben aufgebracht hatte, ihre Freundin den ganzen Weg bis hinunter nach Harlingen zu bringen. „Nun denn, Schwester, wenn du deine Freundin jeden Abend früh zu den Versammlungen bringst, vielleicht kannst du dann – “ Er brach ab. Eine Vision hatte sich zwischen ihnen geformt, und er beobachtete, wie sie sich abspielte. Es war nicht flach wie ein Fernsehbildschirm, sondern dreidimensional wie ein Hologramm. „Junge Dame, deine Mutter ist Invalide, und du gehörst zur Methodisten Kirche, stimmt’s?“

Das Mädchen schlug die Hände vor den Mund und sagte atemlos: „Ja!“ „Ihr seid in einem gelben Zweisitzer hierher gefahren. Auf dem Weg hierher hast du und dieses andere Mädchen gerade gelacht, als du in eine scharfe Kurve kamst. Du gerietest an den Straßenrand, der halb Beton und halb Asphalt war, und du hättest dich mit dem Auto fast überschlagen.“ „Bruder Branham, das ist die Wahrheit!“

„Und dies ist auch die Wahrheit: So spricht der Herr: ,Deine Freundin ist geheilt‘!“ Beide Mädchen kreischten in jugendlichem Begei sterungstaumel.

An jenem Abend kam Reverend Baxter nach dem Gottesdienst zu Bill und sagte: „Bruder Branham, schau, hier ist ein Briefumschlag in der Opferschale, kein Name drauf, und neun 100 Dollar-Scheine darin. Das ist genau die Summe unserer offenen Rechnungen. Bruder Branham, du hattest recht. Gott wird für uns sorgen. Wirst du mir verzeihen, dass ich jemals einen Aufruf für Geld machen wollte?“

„Sicher, Bruder Baxter. Das ist nur eine Lektion in Sachen Gottver trauen.“ Bill sagte es dort nicht sofort, aber er wusste, wer das Geld gegeben hatte. Gott hatte ihm eine Vision über das Mädchen von Lubbock gezeigt, wie es einen unbeschrifteten Umschlag in die Opfer schale legte.

Am nächsten Morgen schaute Ern Baxter zu Bill ins Zimmer, um sich nach ihm zu erkundigen. „Wirst du heute Morgen etwas essen, Bruder Branham?“

„Noch nicht, Bruder Baxter. Ich faste noch.“

„Das ist heute der dritte Tag, an dem du nichts gegessen hast. Sei vorsichtig, dass du dieses Fasten nicht überziehst. Du benötigst deine körperliche Kraft.“

„Ich brauche meine geistliche Kraft genauso. Ich werde aufpassen, aber ich fühle mich geleitet, dies zu tun, als ob etwas auf mich zukommt und ich geistlich gewappnet sein muss.“

„Gut, ich werde heute Abend wieder fragen.“ Während Baxter aus der Tür ging, drehte er sich um und sagte: „Übrigens, erinnerst du dich noch an die beiden Mädchen, für die du gestern Nachmittag im Hotel gebetet hast? Diese Mädchen sind so voller Begeisterung, dass sie jedem den sie find en können erzählen, dass Jesus das eine Mädchen von Geistes krankheit geheilt hat. Heute früh haben sie es jedem in der Eingangshalle erzählt, und dann sah ich, wie sie sich auf den Weg machten und beim Gehen Leute anhielten. Ich weiß nicht, wie viel Gutes dabei herauskommt. Keiner kennt sie hier, und niemand weiß, ob das Mädchen jemals in dem schrecklichen Zustand war oder nicht.“

Bill lächelte. „Dennoch ist es das, was ich sehen möchte: Menschen, die willig sind zu bezeugen, dass Jesus sie geheilt hat.“

Später am Nachmittag klopfte Reverend Baxter erneut an Bills Türe. Diesmal schien er beunruhigt zu sein.

„Was ist los, Bruder Baxter?“

Der große Mann ließ sich in einen Stuhl fallen und beugte sich vor. Seine Arme ruhten auf seinen gespreizten Knien, und er hielt seinen Hut zwischen den Beinen. „Bruder Branham, ich fürchte, wir haben ein ziemliches Problem. Heute Nachmittag bekam ich mehrere Anrufe von einigen der örtlichen Pastoren, die unsere Versammlungen hier finanziell unterstützen. Offenbar hat jemand eine Flugschrift gedruckt, die dich völlig durch den Dreck zieht. Wer auch immer es getan hat, hat dieses Pamphlet überall in der Stadt verteilt, indem er es unter die Scheibenwischer der parkenden Autos gesteckt hat. Nach dem, was man hört, sind tausende davon verbreitet worden.“

„Na ja, es ist nicht das erste Mal, dass ich öffentlich kritisiert werde. Was steht in der Flugschrift?“

„Ich habe sie selbst nicht gelesen, doch besagt sie offenbar, dass du eine große Bühnenschau inszenierst, dass du psychische Tricks anwendest, um das Publikum zu verführen, und dass die Menschen, deren Probleme du unters cheidest, eingeschleust sind. Sie klagt dich an, wie Simon der Zauberer aus dem Buch der Apostelgeschichte hauptsächlich an Geld interessiert zu sein. Und das Schlimmste daran ist, dass die Flugschrift behauptet, gedruckt worden zu sein vom – er hielt um eines drama tischen Effekts willen inne – „Federal Bureau of Investigation.“ Bill stieß einen Pfiff aus. „Das ist eine neue Masche.“

„Ja, sie besagt auch, dass das FBI dich heute Abend auf der Plattform als Betrüger entlarven wird. Bruder Branham, was werden wir tun?“ „Ich glaube, wir sollten einfach weitermachen wie immer und es in den Händen des Herrn lassen. Er hat gestern Abend für uns gesorgt, oder etwa nicht? Er wird auch heute Abend für uns sorgen.“

Baxters dicke Hände umschlossen seinen Hut fester. „Wenn ich daran denke, dass ein Kerl dich beschuldigt, nur am Geld der Menschen interessiert zu sein – Ich habe gesehen, wie der Texaner dir einen Scheck über 25.000 Dollar ausgehändigt hat, und du ihn auf der Stelle vor seinen Augen zerrissen hast.“

„Erinnerst du dich, als ein Millionär mir einen Scheck über 1.500.000 Dollar schickte? Ich habe mich geweigert, ihn anzunehmen. Überall im Land haben Menschen mir Häuser geben wollen. Erst kürzlich bot sich ein Mann an, mir einen neuen Cadillac zu kaufen. Ich habe solche Angebote stets ausgeschlagen. Ich möchte das Vertrauen der Menschen, nicht ihr Geld.“ Das erweckte Baxters Neugierde. „Ich kann verstehen, dass du Häuser und Geld ausschlägst, aber warum einen Cadillac ablehnen? Ich weiß, was du jetzt fährst, und du brauchst ein neues Auto.“ „Ich bin nicht gegen neue Autos, aber Cadillacs sind zu teuer. Wie könnte ich unten durch Arkansas in einem Cadillac fahren und manche dieser armen Arkansas-Mütter essen Speck und Maisbrot zum Frühstück, ihre Hände ganz wund vom Baumwollpflücken, Frauen, die in meine Versammlungen kommen und einen schwer verdienten Dollar ins Opfer legen – und da soll ich in einem Cadillac fahren? Niemals! Nein, nie! Das werde ich nie tun. Ich möchte wie die Menschen sein, für die ich bete.“ „Das macht Sinn. Sag mal, ich gehe jetzt in die Stadt, um etwas zu essen. Bist du soweit, dein Fasten zu beenden?“

„Ja, ich werde mitgehen.“

Als sie die Cafeteria betraten, beugte sich Reverend Baxter vor und flüsterte: „Ich sehe ein paar deiner Freunde hier. Dort sind die Wilbanks. Sie werden wahrscheinlich kommen und mit dir sprechen wollen.“ „Ich hoffe nicht. Du weißt, was passiert, wenn die Salbung auf mir ist: Gott wird anfangen, Dinge zu offenbaren, und ich möchte nicht schon erschöpft sein, bevor die Versammlung beginnt.“

Die beiden Männer setzten sich und nahmen ihr Abendessen ein. Als sie sich bereit machten, zu gehen – wie hätte es anders sein können – standen Herr und Frau Wilbanks auf, um ihre Rechnung zur selben Zeit zu bezahlen. Sie trafen sich an der Registrierkasse. Herr Wilbanks sagte: „Bruder Branham, lass mich dir die Hand schütteln.“

Bill nahm die ausgestreckte Hand des Mannes und wollte gerade etwas sagen, als Ern Baxter sich einschaltete und sagte: „Schau, Bruder Wilbanks, du solltest jetzt nicht mit ihm reden. Er bereitet sich auf die Versammlung heute Abend vor.“

„Wir verstehen.“

Als Bill und Ern Baxter begannen, die Straße hinunter zu gehen, hörte Bill eine innere Stimme zu ihm sprechen, die sagte: „Dreh dich um und steige zu den Wilbanks ins Auto.“

Bill schüttelte den Kopf und dachte, er müsse Hirngespinste hören. „Ist das nicht ein schöner Abend, Bruder Baxter?“

„Ja, wirklich.“

Plötzlich fühlte Bill seine Beine erstarren. Er versuchte zu gehen, doch seine Beine bewegten sich nicht.

Baxter drehte sich irritiert nach ihm um. „Was ist los?“ „Bruder Baxter, wir müssen zurückgehen und zu den Wilbanks ins Auto steigen.“

„Bruder Branham, das können wir nicht.“

„Es ist der Geist des Herrn.“

„Dann ist es etwas anderes.“

Die Wilbanks freuten sich, sie mitnehmen zu können. Weil Bill mit dem Auto fuhr, kam er eher am Hotel an, als wenn er gelaufen wäre. Ern Baxter ging in das Gebäude, doch Bill hielt auf halber Höhe der Treppe an. Er hörte jene Stimme wieder, die sagte: „Gehe zurück und sprich mit den Wilbanks.“ Bill gehorchte. „Bruder Wilbanks, ich hoffe, es ist alles in Ordnung in deiner Familie.“

„Ja, bei uns ist absolut alles in Ordnung.“

„Das ist seltsam. Etwas sagt mir, hier zu bleiben, und ich weiß nicht warum.“

Nachdem er ein paar Minuten geplaudert hatte, wandte Bill sich um, um ins Hotel zu gehen, hielt jedoch inne, als er ein teures Auto in seine Richtung kommen sah. Er erkannte das Auto, es gehörte Herrn Reece. Das Auto rollte neben einer großen Palme an den Bordstein, ein paar Autos von Bill entfernt. Der Chauffeur stieg aus, ging zur Beifahrertür und half Herrn Reece aus dem Wagen. Herr Reece sah genauso hinfällig aus, wie das letzte Mal, als Bill ihn im März in Carlsbad, New Mexico, gesehen hatte.

Jetzt wusste Bill, worum es hier ging. Dort stand die Palme, die er in seiner Vision gesehen hatte, dort stand sein Freund, bekleidet mit braunem Anzug und Krawatte. Alles an seinem Platz.

Als Herr Reece Bill sah, blickte er sofort hoch zur Palme. Dann, ohne dass ein Wort zwischen ihnen gefallen war, hob er beide Arme hoch in die Luft und rief: „Ehre sei Gott! Ich bin geheilt!“ Er stampfte mit den Füßen auf, winkte mit seinen Armen und schrie und sprang. Jetzt sah er kein bisschen mehr wie der schwache alte Mann aus, der noch vor ein paar Minuten Hilfe beim Aussteigen aus dem Wagen benötigt hatte. Auf Bills Weg zurück zu seinem Zimmer fing ihn Reverend Baxter auf dem Flur ab. „Bruder Branham, diese beiden Mädchen packen gerade, um abzufahren. Sie sind wegen irgendetwas ganz durcheinander. Es wäre gut, du würdest hingehen und mit ihnen reden.“

„Selbstverständlich. In welchem Zimmer sind sie?“

Bill fand die Zimmernummer und klopfte. Das Mädchen, das von Lubbock hergefahren war, öffnete die Tür. „Oh, Bruder Branham“, sagte sie schniefend, ihre Tränen trocknend „es tut mir leid, dass wir dir all diese Schwierigkeiten bereitet haben.“

„Schwierigkeiten? Aber Schwester, welche Schwierigkeiten habt ihr mir gemacht?“

„Wir haben dir das FBI auf den Hals gehetzt. Ich glaube, wir haben heute in der Stadt zu viel Zeugnis abgelegt. Jetzt wird das FBI dich auf der Plattform bloßstellen.“

„Wenn ich etwas Verkehrtes tue, dann sollte ich bloßgestellt werden.“ „Hast du denn keine Angst, heute Abend dort rüber zu gehen? Das FBI wird dort sein.“

„Angst? Ganz sicher nicht. Warum sollte ich mich fürchten, wenn ich genau das tue, wofür mich Gott hierher gesandt hat? Es sind außerdem schon vorher FBI Agenten in meine Versammlungen gekommen, und oftmals wurden sie gerettet – wie Captain Al Ferrar in Tacoma (Washington). Vielleicht wird es dieser Mann ja auch. Auf jeden Fall solltet ihr beiden heute Abend einfach in die Versammlung kommen und dem Herrn im Kampf zusehen. Er ist derjenige, der in dieser Schlacht kämpft, nicht ich.“

Wieder in seinem eigenen Zimmer, kniete sich Bill an der Seite des Bettes nieder und betete: „Himmlischer Vater, was hat es mit dieser Sache auf sich?“

Nach ein paar Minuten kam eine Vision. Dann wusste es Bill ...

Hinter der Bühne stolperte Bill über seinen Manager, der mit dem Gebäudeverwalter sprach. Ern Baxter hielt eines der verleum derischen Flugblätter in seiner Hand.

„Reverend Branham“, sagte der Verwalter, „es ist eine Schande, was die über Sie in dem Handzettel geschrieben haben.“

Baxter stimmte zu. „Wenn ich daran denke, dass die dich einen Schwindler nennen – und meine eigene Tochter wurde gestern Abend in der Versammlung geheilt.“

Der Verwalter sagte: „Heute Abend hat jemand diese Flugblätter bei allen Autos auf dem Parkplatz an die Scheiben gesteckt. Ich habe zehn mexikanische Kinder angeheuert, sie abzunehmen.“

„Bedauerlicherweise wurden heute auch hunderte überall in der Stadt verteilt“, fügte Baxter hinzu. „Wahrscheinlich haben es sowieso schon alle gelesen.“ Baxter zerknüllte die Flugschrift in seiner Faust. „So ein abscheulicher Blödsinn – die Polizei sollte den Kerl schnappen, der das getan hat.“

„Lass es gut sein“, sagte Bill. „Bedenke, es gibt höhere Gesetze als die irdischen. Der Herr wird sich darum kümmern. Denke daran, was Jesus gesagt hat: ‚ ... wer aber gegen den heiligen Geist spricht, dem wird es weder in dieser Weltzeit noch in der künftigen vergeben werden‘.“ Der Verwalter sagte „Und dennoch: Wenn ich den Kerl nur zu fassen bekäme, würde ich ... “

„Machen Sie sich darüber keine Gedanken“, sagte Bill. „Gott wird ihn zur rechten Zeit zu fassen bekommen.“

Die Versammlung sang „Glaube nur“. Bill trat auf die Plattform hinaus. Er wusste, womit die Leute den Kopf voll hatten, und so kam er gleich zur Sache. „Ich habe hier ein kleines Flugblatt. Darin steht, ich sei wie Simon der Zauberer aus dem Buch der Apostelgeschichte, was heißt, dass ich nur am Geld der Menschen interessiert sei. Ich vermute, die meisten von Ihnen werden das gelesen haben. Ich schätze, es wurden heute Tausende davon in der Stadt verteilt. Weiter wird darin behauptet, dass das FBI mich heute Abend auf der Plattform bloßstellen wird. Nun denn, ich bin bereit bloßgestellt zu werden. Ich habe sogar meinen Manager nach hinten ins Gebäude geschickt, damit er nicht irgendwie einschreitet. Also, ihr FBI Agenten könnt jetzt alle nach vorne kommen und mich bloßstellen.“

Eine angespannte Stille legte sich auf die Zuhörer. Bill wartete. Niemand rührte sich. Bill sagte: „Vielleicht sind sie noch nicht da. Ich werde ihnen noch ein wenig mehr Zeit geben. Ist jemand hier, der hochkommen und ein Lied singen kann?“ Nachdem ein Mann ein Solo gesungen hatte, sagte Bill: „Ich warte auf das FBI. Wo seid ihr? Gemäß diesem Pamphlet hier werdet ihr heute Abend nach vorne kommen und mich entlarven. Wenn ich etwas im Gegensatz zur Bibel getan oder gegen die Gesetze dieses Landes verstoßen habe, dann möchte ich entlarvt werden. Also, lasst es uns anpacken.“

Bill wartete und suchte die Besuchermenge mit Adleraugen ab. In seinem Hotelzimmer hatte ihm der Herr zuvor gezeigt, wer die Täter waren, aber er hatte sie noch nicht im Publikum entdeckt. Er fing eine Bewegung aus dem Augenwinkel auf. Bill drehte sich und sah einen dunklen Schatten, gleich einer Wolke mit unscharfen Konturen, über den Köpfen der Menschen treiben. Er warf einen Blick auf die Gesichter unter der Wolke. Nein, keiner dieser Menschen war in der Vision. Der Schatten hob sich und bewegte sich hinauf auf den ersten Rang, bis er über zwei Männern verblieb, die in der ersten Reihe des Ranges saßen. Bill konnte ihre Gesichter deutlich sehen. Es waren die aus der Vision.

„Freunde, es sind keine FBI Agenten hier. Was hat das FBI mit dem Predigen des Evangeliums zu tun? Nein, das FBI ist nicht hier, um mich bloßzustellen – und doch wird es eine Bloßstellung geben. Die beiden Burschen, die die Schmähschrift gedruckt haben, sitzen in der vordersten Reihe des ersten Ranges dort oben. Einer in einem blauen Anzug, der andere gleich neben ihm in einem grauen. Es sind keine FBI Agenten, sondern abgefallene Prediger. Der Herr zeigte mir heute Nachmittag beide in einer Vision.“

Alle Köpfe unter den Zuhörern drehten sich nach ihnen um. Die beiden Ränkeschmiede wurden rot und drückten sich tief hinunter in ihre Sitze.

„Ducken Sie sich nicht“, sagte Bill ins Mikrofon. „Jetzt ist Ihre Gelegen heit, aufzustehen und mich zu entlarven.“ Die beiden Männer wanden sich, konnten aber nicht tiefer rutschen. Bill verstärkte seinen Gegen angriff. „Sie haben gesagt, ich sei Simon der Zauberer und sei nur am Geld der Leute interessiert. Warum kommen Sie dann nicht für einen Test hier auf die Plattform herunter? Wenn ich Simon der Zauberer bin und Sie heilige Männer Gottes sind, dann kann Gott mich mit dem Tode schlagen. Wenn ich aber ein Mann Gottes bin und Sie beide verkehrt, dann kann Gott Sie mit dem Tode schlagen. Kommen Sie doch nun herunter und lasst uns feststellen, auf wen es zutrifft.“ Die Männer standen auf und eilten zum Ausgang. „Ich sehe, sie verlassen ihre Sitze. Vielleicht kommen sie hier nach unten. Lasst uns einfach ein Lied singen, während wir warten.“

Als die Zuhörer etliche Strophen eines Liedes zu Ende gesungen hatten, war es klar, dass die beiden Männer nicht die Absicht hatten, Bills Herausforderung anzunehmen. „Es sieht so aus, als hätten die beiden das Gebäude verlassen. Damit ist das erledigt. Freunde, Ihr wisst, dass ich nicht hinter eurem Geld her bin. Wenn nicht die Kosten der Versammlungen wären, würde ich meinen Manager überhaupt kein Opfer einsammeln lassen. Und wenn alle Kosten gedeckt sind und noch etwas übrig ist, geht es in die Mission. Was mich angeht, ich nehme nur ein kleines wöchentliches Gehalt. Fragt meinen Manager, fragt jeden, der mich gut kennt. Seht, ich möchte nicht euer Geld, ich möchte euer Vertrauen.“

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