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Übernatürlich

Übernatürlich – Buch 3

Toter Junge aufgrund einer Vision auferweckt

1950

William Branham landete am 14. April 1950 in Helsinki. Eine Anzahl von Predigern war versammelt, um ihn zu begrüßen, eins chließ lich Pastor Manninen, der Bill die erste Einladung geschickt hatte, und Frau May Isaacson, eine Finnisch-Amerikanerin, die Bills Übersetzerin sein würde.

Die Versammlungen begannen noch am gleichen Abend im größten Auditorium Helsinkis, der Messuhalli-Halle, die 25.000 Menschen Platz bot. Am ersten Abend kamen nur 7.000. Die Gabe der Unterscheidung hinterließ jedoch bei den Anwesenden einen solch tiefen Eindruck, dass sich die Besucherzahl durch Mund-zu-Mund-Propaganda am nächsten Abend verdreifacht hatte.

Bill staunte, wie anders Finnland im Vergleich zu Amerika war. Seit dem Zweiten Weltkrieg waren fünf Jahre vergangen, doch die finnische Wirtschaft hatte sich noch nicht erholt. Viele Menschen lebten an der Armutsgrenze. Selbst jene Finnen, die Geld hatten, konnten sich nicht viel von ihrem Reichtum kaufen. Die wichtigsten Handelsartikel waren teuer und Luxusartikel rar. Obwohl 20.000 Menschen die Messuhalli-Halle füllten, zählte Bill lediglich zehn parkende Autos. Die Leute kamen zu Fuß oder auf Fahrrädern.

Bedauerlicherweise mussten die Versammlungen in Helsinki für fünf Tage unterbrochen werden, weil die Messuhalli-Halle während dieser Zeit für eine andere Veranstaltung reserviert worden war. Während dieser Unterbrechung brachte eine klapprige alte Dampflokomotive die Branham-Gruppe 360 Kilometer weiter nördlich nach Kuopio, einer anderen finnischen Großstadt, nicht weit vom Polarkreis. Am Freitag, den 21. April, Bills zweitem Tag in Kuopio, luden ihn die örtlichen Prediger, die seinen Feldzug finanziell trugen, zu einem Prediger-Mittagessen in ein Restaurant auf den Berg Puijo ein. Aufgrund des starken geistlichen Kampfes, den er am Abend zuvor in seiner ersten Versammlung in Kuopio durchfochten hatte, fastete Bill, um seinen Leib für den heutigen Abend in engere geistliche Gemeinschaft mit Gott zu bringen. Durch seine Übersetzerin, May Isaacson, hörte Bill zu und unterhielt sich mit den 30 Predigern, die um die lange Tafel herum saßen. Der oberste Stadtdirektor von Kuopio war auch da, zusammen mit anderen hohen Stadtbeamten.

Gordon Lindsay drängte: „Komm schon, Bruder Branham, iss etwas.“ „Nein, Bruder Lindsay, ich möchte vor sechs Uhr nichts essen. Doch ich will dies sagen: Etwas ist im Begriff zu geschehen. Ich weiß nicht was es ist, aber ich kann es in meinem Geiste spüren. Etwas Übernatürliches wird geschehen.“

Das Mittagessen endete um drei Uhr. Bevor sie sich auf den Weg nach Kuopio machten, stiegen Bill und einige andere Prediger auf einen Beobachtungsturm, um die umliegende Landschaft aus der Vogel perspektive zu betrachten. Außer der nahe gelegenen Stadt konnten sie zahlreiche Seen und einen Kiefernwald sehen, der sich bis zum dunstigen Horizont erstreckte. Als er nach unten schaute, sah Bill einen Tumult am Fuß des Berges Puijo. Ein Auto schien im Graben zu liegen. Menschen rannten aus allen Richtungen auf das Auto zu, doch Bill war zu weit weg, um zu sehen, was passiert war. Von seinem Standort aus sahen die Menschen wie Ameisen aus, die um ein Spielzeug herumschwärmten. Es waren nur zwei Autos auf der Spitze des Puijo Berges. Die meisten der Prediger waren mit Pferdedroschken gekommen. Bill stieg mit Gordon Lindsay, Jack Moore, May Isaacson und dem finnischen Pastor Vilho Soininen in eines der Autos. Sie brauchten fast 20 Minuten, um die schmale, geschlungene Straße zum Fuß des Hügels hinunterzufahren. Als sie die Stelle des Tumults erreichten, war das Auto fort, das Bill im Graben gesehen hatte. Am Straßenrand stand eine Menge um eine kleine Gestalt, die schlaff im Gras lag.

„Es sieht so aus, als hätte es hier einen Unfall gegeben“, sagte Pastor Soininen. „Vielleicht können wir helfen.“ Vilho Soininen hielt und stieg aus dem Auto, um zu erfahren, was passiert war. Frau Isaacson folgte ihm. Als die beiden zurückkamen, erzählte Frau Isaacson die Geschichte. Zwei kleine Jungen wurden von einem Auto angefahren, während sie auf dem Weg von der Schule nach Hause waren. Weil es so wenig Autos in Finnland gibt, hatten die Jungen die Straße ohne zu schauen sorglos überquert. Ein 1938er Ford, der mit überhöhter Geschwindigkeit den Hügel herabkam, überraschte sie. Die Jungen sprangen auseinander, einer schoss nach Süden, der andere nach Norden. In dem Versuch ihnen auszuweichen, lenkte der Fahrer das Auto nach Norden und wollte bremsen. Unglücklicherweise verfehlte sein Fuß das Bremspedal, und er drückte stattdessen das Gaspedal durch.

Die beiden Jungen hatten keine Chance. Der Junge, der nach Süden lief, wurde vom Front-Kotflügel getroffen und so über die Straße geschleudert, dass er mit dem Kopf gegen einen Baum schlug. Obwohl ernstlich verletzt, lebte er noch und wurde eilends im Auto zum nächsten Krankenhaus gebracht. Der zweite Junge, der nach Norden lief, hatte nicht so viel Glück. Das ausweichende Auto traf ihn so, dass er unter das Fahrzeug geriet, vom Hinterreifen erfasst und hoch in die Luft geschleudert wurde. Er war sofort tot.

Nach finnischem Recht mussten die Eltern zuvor die Erlaubnis erteilen, ehe Beamte den toten Jungen bergen durften. Jemand war unterwegs, um sie von ihrer Arbeit auf den Feldern zu holen. Jetzt stand die Menge herum und wartete, dass die Eltern eintrafen.

Lindsay und Moore stiegen aus, um einen Blick auf den Jungen zu werfen. Sie kamen erschüttert zum Auto zurück. Jack Moore sagte: „Ich habe noch nie jemand so zerquetscht gesehen. Ich muss immerzu denken: Was wäre, wenn das mein Junge wäre? Bruder Branham, du solltest dir das anschauen.“

Bill dachte an seinen eigenen Sohn, Billy Paul, der jetzt 14 Jahre alt war. Was wäre, wenn ein Telegramm über den Ozean käme, dass er in einem Autounfall zermalmt worden sei? Dieser Gedanke machte Bill bewusst, was diese arme finnische Mutter fühlen wird, wenn sie vom Feld kommt und ihren teuren Sohn kalt und steif mit einer Jacke über dem Gesicht im Gras liegen sieht. Bill stieg aus dem Auto und ging zu der Gruppe hinüber, die sich bei dem toten Jungen angesammelt hatte. Als ihn die Menge sah, fingen sie an, untereinander zu flüstern.

Frau Isaacson sagte zu Bill: „Ist das nicht schrecklich? Diese Leute sagen: „Hier der Wundertäter aus Amerika. Ich bin mal gespannt, was der mit diesem Fall machen wird‘?“

Bill schob die Bemerkung als unwichtig beiseite. „Sie verstehen das nicht, das ist alles.“

Eine Anzahl Frauen, gekleidet mit langen, dicken Röcken und schweren Arbeitsstiefeln, wehklagten in Trauer. Einer der Männer kniete nieder und nahm die Jacke weg, die den toten Jungen wie ein Tuch bedeckte. Das Kind sah aus, als sei es acht bis zehn Jahre alt. Sein Gesicht war gequetscht und blutig. Sein Mund stand offen und seine Zunge hing heraus. Seine Augen waren in den Höhlen weit zurückgedreht, sodass man fast nur das Weiße sehen konnte. Er trug eine typisch finnische Tracht: Hosen, die bis auf halbe Wadenhöhe reichten, und dicke weiße, geriffelte Strümpfe. Durch den Unfall war ein Schuh gänzlich von seinem Fuß gerissen, und jetzt sah man die Zehen durch ein Loch seiner Socke.

Es war ein mitleiderregender Anblick, besonders für Lindsay und Moore, die beide kleine Söhne hatten. Gordon Lindsay schluchzte heftig. Bills Kehle war wie zugeschnürt. Er drehte sich um und begann zum Auto zurückzugehen. Plötzlich fühlte er eine Hand nach seiner Schulter fassen. Er blieb stehen und drehte sich um, um zu sehen, wer es sei. Seltsamerweise stand niemand nahe genug, um ihn anzufassen. Er drehte sich wieder zum Auto und machte einen weiteren Schritt. Wieder hielt ihn jene unsichtbare Hand zurück. Als Bill auf das Unfallopfer zurückschaute, ließ die unsichtbare Hand los. Jetzt vernahm Bill ein pfeifendes Geräusch, einem Wirbelwind ähnlich. Der Engel des Herrn war nahe. Bill erkannte, dass dieser Unfall etwas bedeuten musste. Er blickte wieder auf den toten Jungen. Irgend etwas kam ihm bekannt vor. Bill wandte sich an Frau Isaacson. „Frage die Prediger, ob dieser Junge gestern Abend in der Gebetsreihe war.“ Nein, keiner der Prediger erkannte den Jungen. „Ich habe diesen Jungen irgendwo gesehen, aber ich kann mich nicht entsinnen, wo.“ Während Bill noch sein Gedächtnis durchforstete, fiel sein Blick auf sich überlappende Steinschichten. Es traf ihn wie ein Blitz. Zitternd vor Aufregung rief er seinen Begleitern zu: „Bruder Moore, Bruder Lindsay, erinnert ihr euch an die Vision, von der ich euch in Amerika erzählt habe? Die über einen Jungen, der von den Toten auferweckt werden würde? Öffnet bitte eure Bibel und lest mir vor, was darüber auf dem Vorsatzblatt geschrieben steht.“

Jack Moore schlug seine Bibel auf und las rasch, was er zwei Jahre zuvor niedergeschrieben hatte: „Braunes Haar ... braune Augen ... zwischen acht und zehn Jahre alt ... ärmlich mit fremdländischer Kleidung bekleidet ... durch Unfall entstellt ... ein Land mit sich überlappenden Steinen und Nadelhölzern – Bruder Branham, dies hier passt eindeutig auf die Beschreibung.“

„Das ist er“, bekräftigte Bill. Sein Herz schlug heftig vor Aufregung, als er sich an den Ausgang der Vision erinnerte. „Und so spricht der Herr: ,Dieser Junge wird wieder lebendig werden‘.“

Gordon Lindsay schnappte ungläubig nach Luft. „Willst du mir etwa sagen, dass dieses zerschundene Kind wieder atmen wird? Wie könnte das geschehen?“

Bill spürte eine Woge der Zuversicht. Es spielte keine Rolle, dass der Junge seit einer halben Stunde tot war, die Visionen hatten nie versagt. Kühn verkündete Bill: „Wenn dieser Junge nicht in den nächsten paar Minuten wieder lebendig ist, könnt ihr mir ein Plakat auf den Rücken heften, auf dem steht, ich sei ein falscher Prophet. Versucht nun die Frauen zu beruhigen.“

Während Frau Isaacson die ortsansässigen Frauen beruhigte, kniete Bill bei dem toten Jungen nieder, sorgsam bestrebt, alles genauso zu tun, wie er es in der Vision gesehen hatte. Er betete: „Himmlischer Vater, ich denke daran, wie Dein Sohn Jesus Seinen Jüngern sagte: ,Heilt die Kranken, weckt Tote auf, macht Aussätzige rein, treibt böse Geister aus; umsonst habt ihr’s empfangen, umsonst sollt ihr’s auch weitergeben‘! Vor über zwei Jahren zeigtest Du mir diesen Augenblick in einer Vision. Auf der Grundlage Deines Wortes handelnd, sowohl Deines geschriebenen als auch Deines gesprochenen Wortes durch Vision, sage ich zum Tod: ,Du kannst dieses Kind nicht länger halten. Gib es frei. Im Namen Jesu Christi‘.“

Irgendwo auf jener geheimnisvollen Reise jenseits dieses Lebens hielt eine Seele inne und wandte sich um. Die Brust des Jungen hob sich, als sich seine Lungen mit Luft füllten. Seine Augenlider flackerten, dann öffneten sie sich, um aufs Neue die Welt zu betrachten. Er hob seinen Kopf.

Das verwandelte die Trauer der Frauen in schrille Schreie des Erstaunens. Ein paar Minuten später richtete der Junge sich für eine Untersuchung auf. Nicht ein Knochen in seinem Körper war gebrochen. Abgesehen von ein paar oberflächlichen Kratzern und blauen Flecken schien der Junge in guter Verfassung zu sein.

Die Nachricht über dieses Wunder breitete sich über die Provinz Kuopio wie ein Waldbrand aus, der alles entzündete, was auf seinem Wege war. An diesem Abend war das Auditorium in Kuopio bis auf den letzten Platz gefüllt. Leuchtend klar brannte der Glaube, und Wunder geschahen reichlich. Am nächsten Abend wollten so viele Menschen ins Auditorium, dass der große Bau sie nicht aufnehmen konnte. Die Türen mussten früh geschlossen werden, und Tausende blieben auf der Straße, ohne hinein zu können. Die finnische Regierung berief sogar ihre nationalen Sicherheitskräfte, um die öffentliche Ordnung aufrecht zu erhalten.

Nach dem Gottesdienst wollte Bill gerade sein Hotel betreten, als ein junges finnisches Paar, das vor der Eingangstür gewartet hatte, auf ihn zustürzte und so schnell auf Finnisch drauflosredete, dass selbst Frau Isaacson sie nicht verstehen konnte. Sie benahmen sich wie rasend, besonders die junge Frau, die sich an Bill klammerte, als hinge ein Leben von ihrem Griff ab. Lindsay, Baxter und Moore mussten Bill buch stäblich von diesen beiden stürmischen Menschen losziehen, um ihn sicher ins Hotel zu bekommen. Bill verlor beinahe seinen Mantel. Frau Isaacson blieb zurück, um zu erfahren, was das Paar wollte. Zehn Minuten später kam sie nach oben und berichtete. „Es sind die Mutter und der Vater des zweiten kleinen Jungen, der vor ein paar Tagen an dem Unfall beteiligt war. Ihr Sohn ist noch immer im Koma, und die Ärzte glauben nicht, dass er überlebt. Die Eltern möchten, dass du hinüber ins Krankenhaus gehst und für ihn betest.“

„Das können wir keinesfalls zulassen, Bruder Branham“, sagte Ern Baxter. „Das ist immer unser Grundsatz gewesen, seitdem Bruder Bosworth und ich deine Versammlungen organisieren. Wenn du hingehst und für einen im Krankenhaus betest, werden die Zeitungen die Geschichte bringen, und du wirst mit Anfragen von verzweifelten Menschen überhäuft, die dich bitten, dass du für sie im Krankenhaus oder zu Hause betest. Da du unmöglich zu allen gehen kannst, wird das Verstimmung hervorrufen und die Versammlungen beeinträchtigen. Nein, so leid mir diese arme junge Mutter auch tut, ich denke, dass unser Vorgehen vernünftig ist: Sie müssen die Kranken und Leidenden in die Versammlung bringen, wo jeder die gleiche Chance hat.“

Traurig stimmte Bill zu, fügte aber hinzu: „Ich möchte zumindest mit ihnen reden und es erklären. Holt sie rauf.“

Die Mutter und der Vater waren Mitte zwanzig. Ihre abgetragene Kleidung zeigte ihre Armut. Die Mutter, immer noch weinend und ungehalten, sprudelte ihr Anliegen heraus. Frau Isaacson übersetzte: „Kommen Sie und heilen Sie unseren Jungen. Er ist noch immer bewusstlos, und der Arzt sagt, er stirbt.“

Bill antwortete: „Es tut mir leid, aber ich kann Ihren Jungen nicht heilen.“

„Sie haben den anderen Jungen geheilt.“

„Nein, Jesus Christus heilte den anderen Jungen, nicht ich. Ich hatte damit nichts zu tun. Vor mehr als zwei Jahren zeigte Gott mir eine Vision, dass der andere Junge von den Toten zurückgeholt werden würde. Ihren Sohn hat Er mir überhaupt nicht gezeigt.“

„Dann sehen Sie eine Vision über unseren Sohn!“

Bill schüttelte den Kopf. „Ich kann eine Vision nicht sehen, wann es mir beliebt. Ich sehe sie nur, wenn Gott es mir gestattet. Doch ich werde für Ihren Sohn beten, dass Gott ihn heilt. Dennoch, ob er geheilt wird oder nicht, das liegt ausschließlich bei Gott und an Ihrem Glauben. Sind Sie beide Christen?“

Da keiner von ihnen Christ war, erklärte Bill das Evangelium in einfachen Worten. „Wissen Sie, Sie erwarten eine Menge, indem Sie Gott bitten, Ihren Sohn zu heilen, wenn Sie selbst Ihr Leben Ihm nicht übergeben haben. Stellen Sie sich das so vor: Wenn Ihr Sohn stirbt, wird Gott ihn in den Himmel holen, weil er so jung ist; er ist noch nicht verantwortlich für sein Leben. Wenn Sie dann als Sünder sterben, werden Sie ihn nie wieder sehen. Wenn Sie aber Jesus Christus als Ihren Erretter annehmen, dann werden Sie ihn eines Tages im Himmel wiedersehen, selbst wenn Ihr Sohn sterben sollte, weil dorthin die Christen gehen, wenn sie sterben. Warum übergeben Sie Ihr Leben nicht gerade jetzt Jesus Christus? Sobald Sie Christen sind, können Sie mit Zuversicht zu Gott kommen und Ihn bitten, Ihren Sohn zu heilen. Vielleicht wird Gott ihn verschonen.“ Für diese jungen Eltern hörte sich das wie ein Handel an, bei dem sie nichts verlieren konnten.

Sie knieten alle nieder, und Bill führte das Paar in einem einfachen Gebet, in dem sie Jesus Christus darum baten, Herr in ihrem Leben zu werden. Sobald sie das Gebet beendet hatten, sprang die Mutter auf und stammelte hysterisch: „Sehen Sie jetzt eine Vision für unseren Sohn!“ „Ich habe Ihnen bereits gesagt, ich kann Gott nicht dazu bewegen, mir eine Vision zu zeigen. Wenn Er es nicht tut, dann tut Er es nicht. Wenn Er es tut, werde ich es Ihnen sofort mitteilen. Hinterlassen Sie eine Telefon nummer, unter der ich Sie erreichen kann.“

Das war der verzweifelten Mutter nicht genug. Am nächsten Tag, Sonntag, den 23. April, rief sie alle 15 Minuten im Hotel an und fragte Frau Isaacson: „Hat er schon eine Vision gehabt?“

DIe Neuigkeit der Auferweckung des toten Jungen gelangte über jeden See und Fluss in Nordfinnland, bis sie selbst die Lappland Siedlungen erreichte. Ein anhaltender Strom von Menschen kam von allen Ecken der Provinz in die Stadt Kuopio. Mit jedem weiteren Tag füllte sich das Auditorium immer früher. Jene, die nicht in das Gebäude gelangen konnten, verharrten draußen auf den Straßen. Wenn es für Bill an der Zeit war, sich dort einzufinden, stellte er fest, dass er ohne Hilfe nicht einmal bis auf drei Häuserblocks entfernt an das Gebäude herank am. Der Stadtrat sandte eine Garde der nationalen Sicherheitskräfte zu seiner Unterstützung. Diese Männer formten einen menschlichen Keil um den Evangelisten herum. Mit ihren Schwertern himmelwärts gerichtet, marschierten sie vorwärts. Die Menge teilte sich und hielt respektvoll Abstand.

Die Wachmannschaft brachte Bill in den Keller des Auditoriums und schloss die Tür hinter ihm zu. Der größte Teil der Garde blieb draußen, während vier Wachleute – zwei vor und zwei hinter ihm – bei Bill blieben, um dafür zu sorgen, dass er es bis zur Plattform schaffte. Der große Kellerbereich war leer bis auf einige Leute, die vor den öffent lichen Toiletten anstanden. Musik drang vom darüber gelegenen Hauptsaal herunter – finnische Lieder, gesungen in einer Moll-Tonart. Da Bill wusste, dass er bald sprechen sollte, ging er zielstrebig quer durch den Keller auf das Treppenhaus zu. Er war noch nicht weit gekommen, als sich die Tür der Damentoiletten öffnete und ein verkrüppeltes Mädchen auf Krücken herausschlurfte. Sie war ungefähr zehn Jahre alt. Ihr Haar hing ausgefranst über ihre Schultern. Es sah aus, als hätte sie sich selbst die Haare mit der Schere gestutzt. Ihr Kleid hing ab den Knien in Fetzen herunter. Bill starrte auf ihre Krücken. Ihr Gebrechen war das Schlimmste, das er je bei einem Kind gesehen hatte, das noch in der Lage war sich fortzubewegen. Das eine Bein stand stark und gesund da, das andere war schlaff und nutzlos, einige Zentimeter zu kurz, und wurde durch einen Schuh mit dicker Sohle abgestützt. Es war in schwere Stützen eingepackt, die mit drehbaren Gelenken an einem Metallrahmen um ihre Taille eingehängt waren. Da war noch etwas anderes, das Bill nicht zuordnen konnte: An der Spitze ihres Spezials chuhs war eine Kordel angebracht, die über ihre Schulter gespannt und an der Stütze hinter ihrem Rücken befestigt war.

Sobald das Mädchen sah, wie Bill sie beobachtete, senkte sie ihren Kopf, und eine Träne rann ihr über die Wange und glitzerte unter dem harten elektrischen Deckenlicht. Bill war überzeugt, dass dieses Mädchen wusste, wer er war, und er hatte den starken Eindruck, dass sie zu ihm kommen wollte, aber fürchtete, dass dies unschicklich sei.

Die Soldaten, die Bill vorangingen, hielten inne und drehten sich um, um festzustellen, warum er stehen geblieben war. Die beiden Soldaten hinter ihm stießen ihn leicht an, um weiterzugehen. Da keiner seiner vier Beschützer Englisch sprach, signalisierte Bill mit Kopf und Händen, dass er einen Augenblick warten wollte. Als das Mädchen wieder aufblickte, winkte Bill ihr zu kommen. Sie humpelte auf ihn zu. Jetzt konnte Bill den Zweck jener Kordel erkennen, die zwischen ihrer Schulter und ihrem Schuh gespannt war. Zuerst setzte sie beide Krücken vor sich, dann beugte sie sich zwischen die Krücken herab und hob dann ihre Schultern, wodurch ihr schlimmes Bein nach vorne geschwungen wurde. Es sah unbeholfen aus, aber es funktionierte. Bills Herz schmolz vor Mitgefühl.

Als das verkrüppelte Mädchen Bill erreichte, ergriff sie den Jacken aufschlag seines Anzugs, hob ihn vors Gesicht, küsste ihn und ließ ihn dann los. Tränen flossen aus ihren blauen Augen. Sie beugte ihren Kopf, nahm ihren abgerissenen Rock auf und schaffte es, einen unbeholfenen Knicks zu machen und dabei „Danke“ auf finnisch zu sagen. Bill sah einen Schatten über ihrem Kopf, welcher zu einem Bild desselben Mädchens wurde, das auf zwei gesunden Beinen durch die Luft ging. „Liebling“, sagte er aufgeregt, „du kannst diese Schienen jetzt abnehmen. Gott hat dich geheilt.“

Natürlich verstand sie kein Englisch, und da keiner da war, der übersetzen konnte, bedeuteten ihr seine Worte nichts. Die Wachleute hinter ihm entschieden, dass er sich zu viel Zeit nahm und schoben ihn in Richtung Treppe. Unfähig noch etwas zu tun, dachte Bill: „Oh Gott, sicher wird sie es eines Tages verstehen.“

An jenem Abend, als die rauen Lappländer die Gabe der Unterschei dung sahen, mussten Hunderte von Kranken erst gar nicht in die Nähe der Gebetsreihe kommen, um geheilt zu werden. Von der Plattform aus sah Bill sie ihre Krücken wegwerfen und aus ihren Rollstühlen aufstehen. Nachdem Bill mit zwei Stapeln Gebetskarten fertig war, legte sein Bruder Howard ihm die Hand auf die Schulter und warnte: „Das dürfte für heute Abend genug sein. Du hast noch eine Menge von Gottesdiensten vor dir auf dieser Reise, und wir wollen nicht, dass du dich verausgabst.“

„Ich hab noch etwas Kraft, Howard. Lass uns noch zehn weitere Gebets karten aufrufen, von Nummer 45 an.“

Während Howard die letzten zehn Leute zum Gebet einreihte, wandte Bill der Menge den Rücken zu und trank ein Glas Wasser. Er hörte ein klimperndes und ratterndes Geräusch hinter sich. Er drehte sich um und sah dasselbe verkrüppelte Mädchen, zu der er zuvor im Kellergeschoss gesprochen hatte. Jetzt arbeitete sie sich die Stufen zur Plattform hinauf. Ihre Nummer war die 45.

Bills Herz sprang vor Freude. Er wandte sich an Frau Isaacson und sagte: „Ich möchte, dass Sie meine Worte genau wiederholen, auch wenn Sie nicht verstehen warum.“ Als das Mädchen auf ihn zuhumpelte, lächelte es. Einer ihrer vorderen Zähne fehlte. Bill sagte: „Du bist das Mädchen, das ich vor dem Gottesdienst unten getroffen habe, stimmt’s?“ „Ja“, antwortete sie. „Mein Name ist Veera Ihalainen. Ich bin eine Kriegs waise. Meine Eltern wurden von den Russen getötet. Jetzt lebe ich in einem Zelt hier in Kuopio. Glaubst du, Jesus wird mich heilen?“ „Liebling, Jesus Christus hat dich bereits geheilt. Er heilte dich unten vor dem Gottesdienst. Setz dich dort hinüber und lass dir von jemand helfen, die Schienen abzunehmen. Dann lass mich dich sehen.“ Während ein finnischer Prediger Veeras Schienen löste, begann Bill mit dem nächsten Kranken zu sprechen. Plötzlich durchdrang ein Schrei die Luft, und hier kam Veera barfuß hüpfend, bollernd über die hölzerne Plattform gerannt, eine Krücke in der einen und ihre Schienen in der anderen Hand haltend. Bill stimmte mit seiner eigenen Stimme in den harmonischen Lobpreis ein, der sich aus der Zuhörerschaft erhob. Nach dem Gottesdienst half Howard Bill, zurück ins Hotel zu kommen. Während sie durch die Eingangshalle gingen, plauderte Howard ein wenig und versuchte, seinen Bruder damit aus der Salbung zurück in die Wirklichkeit zu bringen. „Erinnerst du dich Bill, als wir in Prince Albert waren und du ein paar von diesen furchtbaren kanadischen Bonbons gegessen hast?“

„Hmmm.“

„Wenn du dachtest, dass die scheußlich waren, dann solltest du dieses finnische Zeug mal probieren. Ich vermute, dass Zucker – wie alles andere auch – rar ist, und da behelfen sie sich mit Stärke. Hier, probier mal ein paar.“ Howard legte zwei harte Bonbons in die Hand seines Bruders, doch Bill aß sie nicht.

Sie verließen den Fahrstuhl und gingen an dem einzigen Telefon auf dieser Etage des Hotels vorbei. Es war eins der altmodischen Modelle, bei dem ein glockenförmiges Mikrofon fest an einem hölzernen Kasten angebracht war, mit einer Wählscheibe und einer Hörmuschel am Ende der Schnur, die wie eine Glocke aussah.

„Weißt du“, erwähnte Frau Isaacson, „dieser zweite Junge aus dem Unfall ist immer noch im Koma. Den ganzen Tag über hat mich seine Mutter alle 15 Minuten angerufen, um zu erfahren, ob du schon eine Vision gehabt hast. Wenn sie Morgen so weitermacht, werd ich verrückt.“ Frau Isaacson schloss die Tür zu ihrem Zimmer auf.

„Der Herr hat mir noch nichts über ihn gezeigt“, sagte Bill, während er die Tür zu seinem eigenen Zimmer aufschloss und hineinging. Bill legte seine Bibel und die beiden Bonbons auf einen antiken Tisch mit Marmorplatte und ging zum Fenster. Er blickte ostwärts in Richtung Russland. Obgleich es fast Mitternacht war, sah der Himmel eher wie die Abenddämmerung zu Hause in Indiana aus. Es war draußen noch hell genug, um Zeitung zu lesen. Dies war das Land der Mitternachtssonne: So nahe am Polarkreis gelegen, dass der Lauf der Sonne im April nur kurz hinter den Horizont tauchte, ehe er seinen aufsteigenden Bogen für den nächsten Tag begann. Die Straßen waren voller Menschen, die vom Auditorium kamen und miteinander sprachen. Ohne Zweifel unterhielten sie sich angeregt über die großen Dinge, deren Zeuge sie heute Abend in der Versammlung gewesen waren. Dann beobachtete Bill mit Erstaunen, wie eine Gruppe finnischer Soldaten eine Gruppe russischer Soldaten umarmte. Er dachte: „Etwas, das einen Finnen dazu bringt, seinen Arm um einen Russen zu legen, wird jeden Krieg auf Erden beenden. Jesus Christus ist die Antwort, jawohl.“

Bill erhob seine Hände in Anbetung: „Himmlischer Vater, Du bist so wunderbar. Wie liebe ich Dich um der Heilung willen an dieser verkrüppelten Waise heute Abend. Oh großer Gott, wie wunderbar bist Du. Eines Tages wirst Du die östlichen Wolken dort drüben durch brechen und wiederkommen, diesmal in Herrlichkeit. Tausende von Finnen werden ins ewige Leben eintreten aufgrund der Entscheidung, die sie heute Abend getroffen haben. Oh, Jesus Christus, mein Herr und mein Meister, wie sehr verehre ich Dich, wie sehr schätze ich es, für Dich zu arbeiten.“

Ein Geräusch klirrte hinter ihm. Bill drehte sich um und war erschreckt, den Engel des Herrn zu sehen, der neben dem antiken Tisch stand. Der Engel sah so aus, wie immer: Groß, bartlos, dunkler Teint, mit schwarzem Haar, das um seine Schultern fiel, gekleidet mit einer weißen Robe, die seine bloßen Füße nicht ganz bedeckte. Sein Gesichtsausdruck schien – wie stets – streng. Über dem Engel kreiste das immergegenwärtige Licht. Der Engel verschränkte seine Arme vor seiner breiten Brust. Auf dem Tisch neben ihm stand eine dünnwandige Vase, die dort vorher nicht war. Das Geräusch, das Bill gehört hatte, musste der Engel verursacht haben, als er die Vase auf die Marmorfläche des Tisches gestellt hatte. Zwei gelbe Narzissen ragten aus der Vase, eine nach Norden und eine nach Süden. Der Engel schaute auf die Blumen und fragte: „Was sind diese?“

„Für mich sehen sie wie Osterblumen aus“, erwiderte Bill. „Diese beiden Blumen versinnbildlichen die beiden Jungen aus dem Unfall vor drei Tagen. Der Junge, der nach Norden fiel, starb auf der Straße, doch wurde ihm sein Leben zurückgegeben. Der Junge, der nach Süden fiel, stirbt gerade jetzt.“

Bill beobachtete, wie die Blume, die sich nach Norden neigte, rasch in sich zusammensank, bis ihre Blätter den Tisch berührten, während die zweite Blume, die sich nach Süden neigte, langsam sank, gleich dem Sekundenzeiger einer Uhr, der mit jedem Ticken etwas tiefer fällt. Der Engel fragte: „Was hat dir dein Bruder gegeben?“

„Zwei Bonbons.“

„Iss sie!“

Die beiden Bonbons lagen jeweils auf einer Seite der Vase, in einer Flucht mit den Blumen. Bill nahm das nördliche Stück und schob es sich in den Mund. Es schmeckte gut. Während er auf dem Bonbon kaute, sprang die Narzisse, die flach auf dem Tisch lag, plötzlich in ihrem Gefäß senkrecht auf. Aber die südliche Blume sank weiterhin in gleichblei benden zunehmenden Schritten – tick, tick, tick, tick.

„Iss jetzt den anderen Bonbon“, gebot der Engel.

Bill warf sich den zweiten Bonbon in den Mund und begann zu kauen. Er schmeckte so schal und nach Stärke, dass Bill ihn zurück in seine Hand spuckte.

Der Engel warnte: „Wenn du diesen Bonbon nicht isst, wird der andere Junge sterben.“

Mittlerweile hatte die südliche Narzisse fast die Tischplatte erreicht. Bill schob sich das zweite Bonbon zurück in den Mund. Es schmeckte abscheulich, aber er kaute es dennoch auf. Als er es hinunterschluckte, schoss die sinkende Blume genauso senkrecht auf wie ihre Begleiterin. Seinen Kopf leicht neigend, nahm der Engel die Blumenvase und verflüchtigte sich hinauf in das kreisende Licht über ihm, bis beide verschwunden waren. Einige Minuten stand Bill regungslos da und fühlte sich ringsum taub. Schließlich stolperte er auf den Flur und rief: „Schwester Isaacson, schnell!“

Frau Isaacson riss ihre Tür auf und eilte in den Flur. „Bruder Branham, was ist los? Was ist passiert?“

„Der Engel des Herrn ist mir gerade in meinem Zimmer erschienen und gab mir das Wort für den zweiten Jungen aus dem Unfall. Ich möchte, dass du die junge Mutter anrufst und ihr sagst: So spricht der Herr: ,Ihr Sohn wird leben‘!“

Frau Isaacson rannte ans Ende des Flurs und wählte die Hotelver mittlung, um sich mit den Eltern verbinden zu lassen. Frau Isaacson sprach kurz auf Finnisch, hörte zu, und legte auf. „Das war ein Baby sitter. Das Paar ist vor ungefähr einer halben Stunde zum Krankenhaus gefahren. Anscheinend haben sie einen Anruf bekommen, dass ihr Sohn im Sterben liegt.“

„Alles klar“, sagte Bill, „dann rufen wir das Krankenhaus an. Ich habe ihr gesagt, dass ich sie anrufe, sobald Gott mir etwas zeigt.“ Wieder rief Frau Isaacson die Vermittlung an, die sie mit dem Kran kenhaus verband. Bald sprach sie mit der jungen Mutter auf Finnisch: „Bruder Branham sagt: ,So spricht der Herr, dein Sohn wird leben‘!“ Frau Isaacson hörte eine Weile zu und schaute Bill dann mit einem überraschten Lächeln an. „Die Mutter sagt, dass sie es weiß. Als sie zum Krankenhaus kamen, sank der Herzschlag ihres Sohnes rapide. Sie standen ringsum und warteten auf seinen letzten Atemzug, als vor ungefähr fünf Minuten sein Puls plötzlich wieder so stark wie gewöhnlich pochte. Dann öffnete er die Augen und sprach mit ihnen. Er ist bei klarem Verstand und scheint wohlauf zu sein. Die Ärzte sind erstaunt. Sie sagen, wenn er wirklich so gesund ist, wie es den Anschein hat, kann er am Morgen nach Hause.“

Bill nickte zufrieden. „Sag ihr, wie wir uns für den Jungen freuen. Und erinnere sie daran, dass weder ich es war noch die Vision, die ihren Sohn geheilt hat. Es war ihr Glaube an den Herrn Jesus Christus, der es vollbracht hat.“

Im Anschluss an Finnland zog die Branham-Gruppe ins benachbarte Schweden, dann weiter nach Norwegen. An seinem zweiten Tag in Norwegen wurde Bill um fünf Uhr morgens schlagartig wach. Dort stand der Engel des Herrn und beobachtete ihn. Der Engel hatte seine Arme wie üblich verschränkt. Über ihm kreiste das übernatürliche Licht, das ein unheimliches Leuchten auf die Wände des Hotelzimmers warf. „Ziehe deine Kleidung an“, ordnete der Engel an. Dann verschmolz der Engel mit dem Licht über ihm, und beide verschwanden. Bill zog seine Kleider an und wartete. Nichts weiter geschah. „Worum ging es hier?“, grübelte er. „Ich frage mich, was der Herr will, das ich tun soll.“

Da er keine weiteren Anweisungen erhalten hatte, entschied er sich, einen Morgenspaziergang zu machen und darüber zu beten. Fünf Kilo meter lang schlenderte er durch die norwegische Stadt und kam unten an einem Fluss aus. Bill machte es sich unter einem Baum gemütlich, entspannte sich und betete, während die Sonne stetig höher über den Horizont kletterte. Um neun Uhr wurde er nervös und dachte daran, wie sich die anderen Sorgen machen würden, wenn sie bemerkten, dass er nicht in seinem Zimmer war. In diesem Moment hörte er den Engel flüstern: „Erhebe dich und gehe zurück!“

Bill ging etwa einen Kilometer, als er den Engel klar vernehmbar sagen hörte: „Biege nach rechts ab.“ Bill bog nach rechts ab. Nach ein paar Häuserblocks sagte der Engel: „Biege nach links ab.“ Bill gehorchte und fragte sich, wohin ihn der Herr wohl führte. Dann sah Bill den Norweger, der am Vorabend in der Versammlung sein Übersetzer gewesen war. Auch der Mann sah Bill und kam herüber, um seine Hand zu schütteln. Er sagte: „Bruder Branham, dies ist seltsam. Ich – “

„Einen Augenblick“, unterbrach Bill. Eine Vision formte sich zwischen ihnen, die das Problem des Mannes zeigte. Dann sah Bill sich selbst am Ende der Versammlung des gestrigen Abends. In der Vision beobachtete er sich, wie er seinen Kopf neigte, seine Augen schloss und die Zuhörer im Gebet leitete. Nun sah Bill etwas geschehen, das er am Vorabend nicht bemerkt hatte. Nachdem die Vision zu Ende war, sagte Bill zu dem Mann auf der Straße: „Du bist erst vor kurzem aus dem Krankenhaus gekommen, nicht wahr?“

„Aber ja. Woher wusstest du das?“

„Du hast nur eine Niere und machst dir Sorgen, dass du sie verlieren wirst.“

„Das stimmt. Ich war gestern nicht gut zuwege. Das Einzige, was ich gestern gemacht habe, war, am Abend auf die Plattform zu gehen und für dich zu übersetzen.“

Bill nickte. „Vor ungefähr drei oder vier Jahren solltest du etwas für den Herrn tun, und du hast es nicht getan. Stimmt das nicht?“ Jeder Gesichtszug des Mannes drückte sein Erstaunen aus. „Bruder Branham, das ist die Wahrheit.“

„Danach hattest du eine Operation, und eine Niere wurde dir entfernt. Und seither ist es auf die andere Niere übergegangen, und das hat dir Sorgen bereitet. Als ich gestern Abend in der Versammlung betete, hast du da nicht leicht das Ende meiner Anzugjacke ergriffen und gebetet: ‚Bitte, Herr Jesus, heile mich‘?“

Der Mann hob eine Hand gen Himmel. „Das stimmt, Bruder Branham. Ich habe Gott auch gebeten, es zu bestätigen, falls ich wirklich geheilt sei. Vor etwa einer halben Stunde hatte ich dieses eigenartige Gefühl, ich sollte hier herunterkommen und auf der Straße warten. Und hier laufe ich geradewegs in dich hinein! Jetzt weiß ich sicher, dass Jesus Christus mich geheilt hat.“

Als Bill zurück ins Hotel kam, waren Lindsay, Moore, Baxter und der gastgebende norwegische Pastor fertig fürs Frühstück. Zusammen gingen sie in die Innenstadt und hielten kurz an, um in ein Schaufenster zu sehen, ehe sie in das Restaurant gingen.

Sich an alle wendend, sagte Bill: „So spricht der Herr: Es wird ein Mann aus einem Gebäude heraustreten und uns anhalten. Er wird einen dunklen Anzug tragen und einen hellen Hut. Er wird mich bitten, nach oben zu gehen und für seine kranke Frau zu beten. Nur werde ich es nicht tun können, weil es ihre Zeit ist zu gehen.“

Jack Moore fragte: „Wann wird das passieren?“

„Wahrscheinlich bevor wir zum Hotel zurückgehen“, antwortete Bill, „weil die Vision es deutlich machte, dass es heute Vormittag war.“ Nach dem Frühstück schlenderten die fünf Männer gemählich an den Schaufenstern entlang zurück zum Hotel. Plötzlich stürzte ein Mann aus einem der Geschäfte heraus, ganz aufgeregt, sie zu sehen. Durch die Übersetzung des norwegischen Pastors erfuhren sie, dass dieser Mann in der Wohnung über seinem Geschäft wohnte und dass seine Frau dort oben todkrank im Bett lag. Der Geschäftsinhaber flehte, dass „der große amerikanische Evangelist“ nach oben ginge und für seine Frau bete. Bill hasste es, seine Bitte abzuschlagen, aber er musste Nein sagen. Er wusste, er hatte den Visionen zu gehorchen, ob ihm gefiel, was er sah, oder nicht. Dies war der schwere Preis, der mit seiner Gabe und Berufung einherging.

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