1948–1949
Das zweite zeichen veränderte William Branhams Dienst drastisch. Zusätzlich zum Zeichen in seiner Hand konnte Bill von nun an auf Geheimnisse schauen, die tief im Herzen einer Person lagen. Diese zweite Gabe – Unters cheidung durch Vision – verblüffte jeden, der mit ihr in Berührung kam, einschließlich Bill. Obwohl er Visionen gesehen hatte, seit er ein Kind gewesen war, hatte er sie nie zuvor in solchem Ausmaß und mit solch unmittelbarem Zweck erfahren. Versammlung nach Versammlung, Abend für Abend, Fremder um Fremder, Krankheit um Krankheit, Geheimnis nach Geheimnis: Nichts blieb verborgen, das Gott geoffenbart wissen wollte. Das Zeichen in seiner Hand war immer noch wirksam, wenn er es betätigen wollte. Aber diese neue Gabe, die keine Beschränkungen zu haben schien, war weitaus erfolgreicher, den Glauben der Gläubigen zu jenem Punkt zu heben, an dem sie ihre Heilung annehmen konnten.
Weil sich dieses neue Phänomen so gründlich von allem unterschied, was die Menschen zuvor gesehen hatten, versuchte Bill oft, es der Zuhörerschaft zu erklären, indem er sagte: „Viele von euch träumen. Ein Traum findet in eurem Unterbewusstsein statt, während euer Bewusstsein schläft. Aber ein Seher ist anders: Ein Seher hat ein Unterbewusstsein, das zu seinem Bewusstsein parallel läuft, sodass er eine Vision sieht, während er wach ist.“
Tatsächlich war es einfacher, die Gabe zu zeigen, als sie zu erklären. Wenn die Zuhörer die Unterscheidung durch Vision sahen, erkannten viele Menschen, dass solch unfehlbare Genauigkeit menschlich unmöglich war. Bill erklärte, dass Jesus Christus in der Form des Heiligen Geistes gegenwärtig sei und sich selbst durch eine Gabe offenbarte, die von einem Engel ausgeübt wurde. Diese Erklärung überzeugte nicht alle. Manche Leute dachten, Bill benutze Psychologie, um das Publikum hinters Licht zu führen. Andere vermuteten, dass er bei den Gebetskarten einen Trick anwandte. Auf der Rückseite der Karten waren einige Linien, damit der Kranke seinen Namen, seine Adresse und den Grund aufschreiben konnte, warum er in die Gebetsreihe kam. Diese Informationen konnten dann von den örtlichen Pastoren, die die Versammlungen unterstützten, genutzt werden, um sich um diese Menschen zu kümmern. Bill bekam diese Karten nie zu Gesicht. Ein Ordner sammelte sie ein, wenn die Gebetsreihe an der Seite des Versammlungsraums zusammengestellt wurde. Dennoch dachten einige Skeptiker, dass der Ordner die Gebetskarten läse und Bill die Informationen durch Telepathie übermittle. Dieses Argument entbehrte der Logik: Nicht jeder schrieb sein Problem auf die Rückseite der Gebetskarte, noch konnte Telepathie erklären, wie Bill die persönlichen Geheimnisse der Kranken offenbaren konnte. Manche Leute spekulierten, dass Bill Gedanken lesen könne, doch selbst Gedankenlesen konnte nicht erklären, woher Bill die Zukunft kannte. Dennoch verharrten die Skeptiker in ihrer Ablehnung.
Nach Regina (Saskatchewan) hielt Bill einen Feldzug in Windsor (Ontario). Am ersten Abend nahmen mehr als 8.000 Menschen teil. Schon fast am Ende der Gebetsreihe kam ein junger Mann an die Reihe und sagte: „Reverend Branham, ich möchte geheilt werden.“ Bill war von der Belastung des abendlichen Kampfes schon ganz benommen, und seine Sehkraft hatte nachgelassen. Doch so weit er sehen konnte, sah der junge Mann vor ihm kräftig und gesund aus. Bill nahm die Hand des Mannes. Sie vibrierte nicht. „Sie haben keine von Keimen verursachte Krankheit.“
„Oh doch, das habe ich“, entgegnete der junge Mann. „Fragen Sie den Ordner dort unten, der meine Gebetskarte genommen hat.“
Bill schüttelte den Kopf. „Was Sie auf Ihre Gebetskarte geschrieben haben, interessiert mich nicht. Ich hätte es in meiner Hand gefühlt, wenn Sie krank wären. Sie sind kein kranker Mann.“
Der junge Mann blieb dabei: „Ich bin ein kranker Mann. Ich habe Tuberkulose. Es steht auf meiner Karte.“
„Sie mögen es einmal gehabt haben, aber jetzt nicht mehr. Vielleicht hat Ihr Glaube Sie geheilt, während Sie im Publikum saßen.“ Der Mann steckte seine Hände in die Taschen, ging näher an das Mikrofon heran und höhnte: „Auf diese Tour läuft das also! Glaube, als ich im Publikum saß – ich wusste doch, dass an der Sache hier etwas faul ist.“
Für einen Augenblick lang war Bill durcheinander. Dann breitete eine Vision die ganze Sache vor ihm aus, als würde sich ein Theatervorhang vor ihm teilen. Seinen Blick auf den Schwindler gerichtet, sagte Bill: „Sie gehören der Church of Christ an. Sie sind ein Prediger in dieser Gemeinde.“
Der Ausdruck des Mannes wechselte vom Entlarver zum Entlarvten. Er wollte es leugnen, doch Bill unterbrach ihn: „Unterstehen Sie sich, vor Gott noch weiter zu lügen. Gestern Abend saßen Sie mit zwei weiteren Leuten an einem Tisch. Ein Mann mit einem blauen Anzug saß Ihnen gegenüber, und zu Ihrer Rechten saß eine Frau, die ein grünes Kleid anhatte. Sie legte einen grünen Schal auf den Tisch. Ich sehe, wie ein Stück davon über die Tischkante hängt. Sie haben zu ihnen gesagt, dass Sie sich eine Gebetskarte besorgen und darauf schreiben werden, dass Sie Tuberkulose haben. Sie glaubten, ich benutze Telepathie, und wollten mich als Schwindler bloßstellen.“
Im Publikum sprang ein Mann auf und rief: „Das ist die Wahrheit. Ich war der Mann, der bei ihm saß.“
Plötzlich schien Bill keine Kontrolle über seine Stimme zu haben. Er hörte sich selbst sagen: „Die Krankheit, die du auf deine Gebetskarte geschrieben hast, wird nun für den Rest deines Lebens auf dir sein.“ Der junge Mann fiel zu Boden und ergriff Bills Hosenaufschlag. „Reverend Branham, ich habe ehrlich geglaubt, es sei nur inszeniert. Besteht für mich irgendeine Hoffnung auf Vergebung?“
„Das ist zwischen Ihnen und Gott, nicht zwischen Ihnen und mir.“
Obgleich Bill nicht genau verstand, wie die Visionen zustande kamen, entdeckte er doch ein Muster, das ihm zu erkennen half, was er erwarten konnte. Wenn der Engel des Herrn in eine Versammlung herabkam, spürte Bill in aller Deutlichkeit eine heilige Gegenwart, die ihn erschaudern ließ, als wäre die Luft mit elektrischer Energie aufgeladen. Oft sah Bill den Engel des Herrn in seinen Versammlungen wie eine Lichtblase aussehend, die einige Fuß von ihm entfernt in der Luft schwebte. Der Engel stand immer auf Bills rechter Seite. Während die Menschen in der Gebetsreihe nach vorne gingen, spürten auch sie die Gegenwart des Engels in ihrer Nähe. Oft veränderte sich ihr Ausdruck, viele zappelten nervös, und manche traten sogar einen Schritt zurück. Der einfache Vorgang, mit einer Person in der Gegenwart des Engels des Herrn zu sprechen, brachte eine Vision hervor. Bill nannte dies „mit dem Geist einer Person Verbindung aufnehmen.“ Während sie sprachen, hielt Bill seine Augen auf die Person gerichtet, bis er sie schrumpfen und zugleich in die Luft gehoben sah. Die Vision unterschied sich von einem Traum. Zum einen, weil er wach war, und zum anderen, weil er tatsächlich dort zu sein schien. Er hatte Schwierigkeiten, diese Erfahrung zu beschreiben. Er sagte, es sei, als ob man an zwei Orten gleichzeitig war. Auf der einen Ebene wusste er, dass er noch immer in einem Auditorium war und zu einer großen Menschenmenge sprach. Und doch war er zur selben Zeit vielleicht 40 Jahre in der Vergangenheit und beobachtete, wie etwas im Leben eines anderen geschah. Es war, als stünde man in einer anderen Welt ... oder in einer anderen Dimension. Während die Vision ihre Geschichte entfaltete, konnte er weiter zu der Menge sprechen. Tatsächlich konnte er gar nicht aufhören zu reden. Während einer Vision schien er keine Kontrolle über seine Stimme zu haben. Es war, als spräche der Herr Jesus durch ihn und benutze seine Stimmbänder, um zu beschreiben, was in der Vision geschah. Er beobachtete zum Beispiel eine Sünde im Leben eines Kranken oder einen Unfall oder irgendeinen relevanten Vorfall – wie eine Operation oder einen Arztbesuch. Wenn die Menge still blieb, konnte Bill sogar hören, was der Arzt im Behandlungszimmer sagte. Dann wiederholte es Bill, damit alle es mitbekamen. Nie verfehlte es die Wahrheit. Das verlangte nach Beachtung.
Viele Personen, die in der Gebetsreihe warteten, überlegten sich: Hier steht ein Fremder und beschreibt Dinge aus dem Leben von Menschen, die er unmöglich wissen konnte – selbst bis hin zu deren Namen und Adressen einschließlich der Gebete, die sie allein in ihrem Schlafzimmer gebetet hatten. Menschlich ist das unmöglich. Und doch höre ich, wie er es wiederholt tut, und anscheinend ohne Fehler. Etwas jenseits des Gewöhnlichen geht hier vor sich – etwas, das ich nicht verstehe. Könnte es (wie dieser Mann es beansprucht) die übernatürliche Gegenwart des Herrn Jesus Christus sein, Der beweist, dass Er Gott ist und Der zeigt, dass Er an uns interessiert ist? Wenn Bruder Branham mir etwas Wahres über mein eigenes Leben sagen kann, dann werde ich wissen, dass Jesus Christus hier ist, um mir zu helfen.
Eine Person musste nicht in der Gebetsreihe sein, um an der Unter scheidung teilzuhaben. Manchmal folgte das übernatürliche Licht einer Person die Plattform hinunter und bewegte sich unter die Zuhörer, bis es über jemandem verharrte, der mit großem Glauben betete. Dann entfaltete sich über jener Person eine Vision, und Bill beschrieb, was er sah. Er konnte sich der Gebetsreihe nicht eher zuwenden, bis der Engel des Herrn zur Plattform zurückkehrte.
Nachdem eine Vision geendet hatte, vergaß Bill viel von dem, was er gesehen und gehört hatte – gleich einem Traum, der mit dem Erwachen schnell verblasst. Manchmal erinnerte er sich an ein paar Einzelheiten, manchmal vergaß er alles. Dennoch wusste er, dass was immer er unter der Salbung ausgesprochen hatte wahr war. Nach manchen Visionen sagte er zu dem Kranken: „Was immer auch gesagt wurde, es traf zu, nicht wahr? Natürlich, es ist jetzt von mir gegangen, aber was immer gesagt wurde, es ist genauso gewesen, wie es gesagt wurde – Stimmt das?“ Um der Zuhörer willen gab Bill den Personen oft die Gelegenheit, die Behauptungen zu bestätigen oder abzustreiten. Sie bestätigten die Vision immer.
Die Salbung beherrschte Bill nur während der eigentlichen Vision. Zwischen den Visionen trat die Salbung zurück. Hätte sie das nicht getan, hätte Bill nicht länger als 15 Minuten stehen können, ehe er zusammengebrochen wäre. Jede neue Vision schwächte ihn mehr. Es bedurfte nur 15 oder 20 Visionen, um Bill vor Erschöpfung wanken zu lassen. Seine Manager, Fred Bosworth und Ern Baxter, kannten die Gegebenheiten und beobachteten Bill aufmerksam. Wenn sie entschieden, dass er genügend Belastungen für den Abend ausgesetzt gewesen war, nahmen sie ihn aus dem Gottesdienst heraus.
Wenn Bill von der Plattform ging, verließ ihn gewöhnlich die Salbung. Dies hörte sich für ihn an wie ein pulsierender Wind, der in die Ferne entschwand. Mittlerweile fühlte Bill sich so müde, dass er oftmals nicht wusste, wo er war oder was gerade geschah. Manchmal war er so dahin, dass er nicht wusste, ob er allein ging oder ob jemand ihn trug. Schließlich erkannte er dann, dass er eine Versammlung verlassen hatte. Er wollte nie sofort über sie reden. Oft fühlte er sich entleert, vermisste jene besondere Nähe zu dem wunderbaren Jesus Christus. Oftmals saß er in seinem Hotelzimmer und las eine Stunde oder länger seine Bibel in dem Versuch, sich zu entspannen und sich zu lösen. Später kamen dann Ern Baxter oder Fred Bosworth vorbei, um nach ihm zu sehen. Bill fragte dann „Was ist heute Abend geschehen, Brüder? Undeutlich kann ich mich an einzelne Leute erinnern, für die ich gebetet habe, und ich erinnere mich an einige wenige Visionen, aber das ist alles.“
„Oh, Bruder Branham, es war eine wunderbare Versammlung ... “ Dann erzählte ihm einer der Manager darüber.
In der Stille seines Hotelzimmers verglich Bill seine neue Gabe der Unterscheidung sorgsam mit dem Musterplan der Bibel. Sie stimmte genau mit dem überein was der Engel angekündigt hatte. Er las in Johannes 5:19: „Der Sohn vermag von sich selber aus nichts zu tun, als was er den Vater tun sieht“, was bedeutete, dass Jesus eine Vision über jedes Wunder sah, bevor es geschah. Und warum nicht? Für den Allmächtigen Gott sind Zukunft und Vergangenheit so klar wie der gegenwärtige Augenblick. Als Jesus einen Ort benötigte, um das Passahmahl zu essen, sandte er Petrus und Johannes voraus mit der Anweisung: „Gehet in die Stadt; da wird euch ein Mann begegnen, der einen Krug mit Wasser trägt; folgt ihm nach, und wo er eingeht, da sagt zu dem Hausherrn: Der Meister läßt fragen: Wo ist der Speisesaal für mich, in dem ich das Passahlamm mit meinen Jüngern essen kann? Dann wird er euch ein geräumiges Obergemach zeigen, das mit Tischpolstern ausgestattet ist und schon bereit steht; dort richtet für uns zu.“ Woher wusste Jesus, dass der richtige Mann einen Krug voll Wassers jene bestimmte Straße hinuntertragen würde zu genau jener Zeit des Tages? Er wusste es, weil er es bereits gesehen hatte. Er sah die Zukunft – durch Vision.
Als Philippus seinen Bruder Nathanael zum Meister brachte, warf Jesus einen einzigen Blick auf Nathanael und sagte: „Siehe da, in Wahrheit ein Israelit, in dem kein Falsch ist.“ Das versetzte Nathanael in Erstaunen, und er fragte: „Woher kennst du mich?“ Jesus antwortete: „Noch ehe Philippus dich rief, als du unter dem Feigenbaum warst, habe ich dich gesehen.“ Hier erkannte Bill wiederum, dass Jesus eine Vision über Nathanael sah, wie dieser unter einem Feigenbaum saß. Wo auch immer Bill in das Leben seines Meisters schaute, sah er Jesus, geleitet durch Visionen. Ohne Zweifel gaben diese Visionen Jesus Christus einige Seiner durchdringenden Einsichten, insofern Er die Gedanken anderer wahrnehmen konnte. Das erste Kapitel des Johannes Evangeliums verkündet, dass Jesus das „fleischgewordene Wort Gottes“ sei. Hebräer Kapitel vier, fügt den Gedanken hinzu, dass vollkommene Unterscheidung durch Jesus Christus, das Wort, komme. „Denn lebendig ist das Wort Gottes und wirkungskräftig und schärfer als jedes zweischneidige Schwert, es dringt hindurch, bis es Seele und Geist scheidet ... Und es gibt nichts Geschaffenes, das sich vor ihm verbergen könnte, nein, alles liegt entblößt und aufgedeckt vor den Augen dessen ... “ Die Handlungen des Meisters schienen stets mit Visionen verknüpft zu sein, wie beispielsweise als Jesus sagte, Er müsse durch Samaria gehen. Dies lag weitab vom Weg seines Reiseziels, aber Er hatte eine Vision gesehen, die erfüllt werden musste. Er traf eine Frau an einem Brunnen und sprach mit ihr lange genug, um mit ihrem Geist Verbindung aufzunehmen. Dann sagte Er: „Geh hin, rufe deinen Mann und komm dann wieder hierher!“ Als sie beteuerte, sie habe keinen Mann, drang Jesus direkt ins Mark ihres Problems. „Du hast mit Recht gesagt: Ich habe keinen Mann; denn fünf Männer hast du gehabt, und der, den du jetzt hast, ist nicht dein Ehemann.“ Darüber erstaunt, dass ein Fremder ihre Vergangenheit kannte, sprudelte die Frau hervor: „Herr, ich sehe, du bist ein Prophet ... Ich weiß, dass der Messias kommt, den man Christus nennt; wenn der kommt, wird er uns über alles Auskunft geben.“ Jesus sagte schlicht: „Ich bin’s, der mit dir redet.“ Und die Frau glaubte. Da war er – der Schlüssel, nach dem Bill Ausschau gehalten hatte. Eine Vision hatte Jesus zu jenem Ort geführt, an jenem Tag, zu jener Stunde, um jener bestimmten samaritischen Frau zu begegnen, damit Er ihre Schwierigkeiten offenlegen konnte. Natürlich liebte Jesus ihre Seele. (Wie Jesus sagte „Denn der Menschensohn ist gekommen, das Verlorene zu suchen und zu retten.“) Die Samariterin glaubte Jesus, nachdem Er ihre vergangenen Sünden unterschieden hatte. Sie erkannte in dem Mann Jesus sowohl das Zeichen eines Propheten als auch das Zeichen des Messias. In Wirklichkeit waren beide Zeichen dasselbe, weil die Gabe in den Propheten ein Schattenbild auf das Kommen der großen Gabe war, Jesus Christus, dem Heiland der Menschheit. Es war der Geist Christi in den Propheten, der die Wunder wirkte. Jetzt erkannte Bill, dass dies der Schlüssel zum Verständnis seines eigenen Dienstes war – Unterscheidung durch Vision war das Zeichen des Messias.
Als die Neuigkeit von der Genesung William Branhams sich verbreitete, strömten Briefe aus ganz Amerika in sein Büro – Briefe voller Zeugnisse, Gebetsanliegen und Einladungen. Manche Leute adressierten ihre Briefe einfach nur an William Branham, Jeffersonville (Indiana). Die Briefe kamen stets an. Aber Bills Adresse war kein Geheimnis. Dank des Zugangs zur Öffentlichkeit, den Bill allmonatlich durch die Zeitschrift The Voice of Healing erhielt, erfuhren Hunderttausende seine Geschäftsadresse, die sich Zeit seines Dienstes nie änderte, außer dass später eine Postleitzahl hinzugefügt wurde.
Branham Campaigns P.O. Box 325 Jeffersonville, Indiana 47131 (USA) Schließlich bekam er eine Flut von Briefen, durchschnittlich eintausend Briefe pro Tag. Die meisten kamen von Menschen, die um Gebet baten. Bill wünschte, er könnte jede Bitte persönlich beantworten, aber das war nicht möglich. Es waren einfach zu viele Briefe. Auf der anderen Seite erschien es ihm nicht richtig, die ganze Last seinem Sekretär zu übertragen. Diese Menschen schrieben ihm und baten um sein Gebet. Was konnte er tun?
Bill fand seine Antwort in Apostelgeschichte, Kapitel 19, Vers 11 und 12: „Auch ungewöhnliche Wunder ließ Gott durch die Hände des Paulus geschehen, sodass man sogar Schweißtücher oder Schürzen, die er an seinem Leibe getragen hatte, zu den Kranken brachte, worauf dann die Krankheiten von ihnen wichen und die bösen Geister ausfuhren.“ Bill glaubte, dass Paulus dieser Gedanke wohl beim Lesen der Schrift stelle kam, wo Elisa seinen Stab seinem Diener gab und ihm auftrug, diesen auf den toten Sohn der Sunamitin zu legen. Ungeachtet ihrer Bezugsquelle brachte die Inspiration des Paulus Resultate hervor. Bill wusste: Da dies vor neunzehnh undert Jahren gewirkt hatte, würde es auch heute wirken. Schließlich waren die Heilungen nicht durch den Apostel Paulus gekommen. Sie waren durch den eigenen Glauben der Menschen an den Herrn Jesus Christus hervorgekommen. Die Tücher waren nur etwas Greifbares, auf das die Gläubigen ihren Glauben richten konnten. Jesus Christus war damals der Heiler, genau wie Er es heute ist.
Jetzt wusste Bill, was er für jene Tausende tun konnte, die um Gebet baten. Wie Paulus konnte auch er über kleine Stoffteile beten, und das Gebetstuch konnte sein Stellvertreter sein. Er beabsichtigte, Taschen tücher in Massen zu kaufen, doch als er erfuhr, dass sie zehn Cent pro Stück kosten würden, verwarf er den Gedanken als unwirtschaftlich. Da er sie kostenlos versenden würde, wollte er seine Kosten so niedrig wie möglich halten. Eine zeitlang verwendete er Betttücher und schnitt sie zum Versenden in kleine Stücke. Schließlich stieß er auf Band. Er kaufte Band auf großen Rollen, hunderte von Metern auf einmal. Wenn er zwischen Verpflichtungen nach Hause kam, verbrachte er Stunden damit, das Band in cirka zehn Zentimeter lange Streifen zu schneiden und über jedem Stück zu beten, während er zuschnitt. Später versandte sein Sekretär die Gebetstücher zusammen mit Anweisungen, wie man göttliche Heilung durch Glauben an Gottes Wort empfängt. Bill schlug vor, dass die Leute ihr Gebetstuch in ihre Bibel bei Apostelgeschichte Kapitel 19 legten. So würde das Gebetstuch leicht neben einer glaubens stärkenden Schriftstelle zu finden sein, wenn Krankh eit oder Unglück ihre Familie befiel.
Bald trafen Briefe ein mit Zeugnissen über Heilungen und Wunder, die im Zusammenhang mit den Gebetstüchern standen. Gelegentlich sah Bill sogar die Resultate. Ein packendes Zeugnis kam von einer Frau, die im Baumwoll-Anbaugebiet um Camden (Arkansas) wohnte. Während sie eine Kerosin-Lampe reinigte, rutschte ihr der Glaszylinder aus der Hand, zersprang auf dem Tisch und schnitt ihr in die Arterie im Arm. Sie verband den Schnitt mit einem Kissenbezug, die Blutung hörte jedoch nicht auf. Sie versuchte, ein Bettlaken darum zu wickeln. Das Blut pochte unaufhörlich weiter heraus. Ihr Ehemann arbeitete in Camden, ihr nächster Nachbar wohnte drei Kilometer entfernt, sie hatte kein Telefon und kein Auto – und sie wurde von Sekunde zu Sekunde schwächer. Sie wusste, dass sie gleich sterben würde, wenn nicht ... Plötzlich fiel ihr das Gebetstuch ein. Sie schlug die Bibel in Apostelgeschichte 19 auf, ergriff das Stoffstück und legte es auf ihre Wunde. Sofort stoppte die Blutung. An jenem Nachmittag ging sie drei Kilometer eine aufgeweichte Straße entlang, um einen Greyhound Bus nach Little Rock (Arkansas) zu erreichen, das 160 Kilometer entfernt lag und wo Bill eine Versammlung hielt. Noch mit Schlamm an ihren Stiefeln kam sie in den Gottesdienst herein, Jesus für solch ein Wunder laut preisend. Bill sah den Schnitt am Arm der Frau und das Gebetstuch, das sie benutzt hatte. Nicht ein Tropfen Blut hatte das Gebetstuch befleckt. Gott ehrte ihren einfachen Glauben.
Diese neue Gabe, das Unterscheiden durch Vision, versagte nie darin, exakt zu sein. Sie hinterließ Zuhörer, die von der Kraft Gottes überwältigt waren. Bei den Leuten, die glaubten, dass Jesus Christus tatsächlich auf der Bühne gegenwärtig war und die Unterscheidung betätigte, stieg der Glaube hoch genug, um zu glauben, dass alle Dinge möglich sind.
Als Bill seine erste Veranstaltung in Beaumont (Texas) hielt, füllte sich die große Stadthalle mit Menschen. Während Bill darauf wartete, dass die dritte Person der Gebetsreihe nach vorne kam, sah er zwei Männer einen Kranken auf einer Trage den Gang hinunter in Richtung des Orchestergrabens tragen. Eine Decke lag auf dem Kranken. Bill sah das rotangelaufene Gesicht des Mannes. Plötzlich formte sich eine Vision über der Trage, eine Vision über einen Mann, der hinter einer Kanzel predigte.
Indem er auf die Bahre zeigte, sagte Bill: „Sie sind ein Prediger des Evangeliums.“
Der Mann hob seinen Kopf. „Ja, woher wussten Sie das?“
Bill antwortete nicht sofort, weil er beobachtete wie sich etwas in der Vision entfaltete. Dann sagte er: „Ja, Sie sind ein Prediger. Und vor etwa vier Jahren befahl Gott Ihnen, etwas zu tun, aber Sie taten es nicht. Seitdem hatten Sie nichts als Schwierigkeiten – und jetzt sind Sie im Krankenhaus wegen einer Knochentransplantation in Ihrem Bein.“ Der Mann mit dem roten Gesicht schrie auf: „Jesus, sei mir gnädig!“ Und im selben Augenblick heilte ihn der Herr.
Bill schaute die Wand entlang, um zu sehen, wer der Nächste sei. Donny Branham half einer jungen Frau die Stufen zur Bühne hinauf. Als er zu dem Mann mit dem roten Gesicht hinüberschaute, der gerade geheilt worden war, sah Bill, dass der Engel noch immer über der Trage hing. Bill beobachtete ihn aufmerksam. Bald bewegte sich das Licht auf den Orchestergraben zu, in dem dutzende von Menschen in Rollstühlen saßen und auf Bahren lagen. Weil er wusste, dass jede Vision durch dieses Licht kommen musste, heftete Bill seine Augen fest auf den Engel des Herrn. Bald verharrte es über einem anderen Mann, der auf einer Bahre lag. Augenblicklich ging die Lichtkugel in einer Vision auf. Bill sah einen Bohrturm weit draußen in der texanischen Prärie. Ein Arbeiter hoch oben auf dem Turm zog einen doppelten Knoten in einem Seil fest, damit er einen schweren Gegenstand mit Hilfe eines Flaschenzugs heben konnte. Bill sah, wie er daneben trat und senkrecht in die Tiefe stürzte. „Sie, dort unten auf der Bahre.“ Bill zeigte auf ihn. „Sie haben auf den Ölfeldern gearbeitet, nicht wahr? Sie waren ein Monteur.“ „Jawohl“, rief der Mann herüber. „Das stimmt.“
„Vor ungefähr vier Jahren stürzten Sie ab. Man brachte Sie ins Kranken haus, und ein großer, dunkelhaariger Mann war Ihr Arzt. Ihre Frau ist blond, und Sie haben zwei kleine Kinder. Ich sehe Sie alle zusammen im Krankenhaus mit dem Arzt sprechen. Er konnte nichts für Sie tun, und seither sind Sie von der Taille abwärts gelähmt.“
Der Mann antwortete: „Reverend Branham, ich weiß nicht, woher Sie das wissen, aber es ist alles wahr. Was muss ich tun?“
In diesem Moment sah Bill denselben Mann in einem braunen Anzug in der Luft über den Köpfen der Menschen gehen und sagen: „Preis dem Herrn! Preis dem Herrn!“ Mit dieser Vision immer noch im Blickfeld, erklärte Bill: „Jesus Christus hat Sie geheilt. Stehen Sie auf.“ Ungeachtet der vierjährigen Lähmung stand er auf, balancierte einen Moment auf zitternden Beinen und ging dann den Gang entlang, Jesus Christus als seinen Heiler preisend. Die Menge brach in Anbetung aus. Bill heftete seinen Blick weiterhin auf das übernatürliche Feuer. Es bewegte sich innerhalb des Orchestergrabens und verharrte dann über einer jungen Frau, die an einen Rollstuhl gefesselt war. Als die Vision begann, sah Bill eine andere Frau, die der Frau im Rollstuhl ähnlich sah, sich aber doch genügend von ihr unterschied, dass Bill wusste, es war nicht dieselbe Person. In der Vision hielt diese andere Frau ein spastisches, neugeborenes Baby, das in eine blaue Decke mit weißem Besatz gewickelt war. Dann schien die Vision sich in zwei Richtungen zu verästeln: Ein Teil wies auf eine ältere Frau unter den Zuhörern, ein paar Sitzreihen von der Frau im Rollstuhl entfernt. Bill erkannte in dieser älteren Frau die junge Mutter in seiner Vision. Nun verstand er. Auf die Frau im Rollstuhl zeigend, sagte er: „Junge Frau, sind Sie nicht als Spastikerin geboren?“ Die Versammlung wurde sofort ruhig genug, um zu hören, wie sich dieses neue Drama entfaltete.
„Ja, das bin ich“, erwiderte sie.
„Ich sehe eine Vision, in der Ihre Mutter Sie in einer blauen Decke hielt, als Sie vor 25 Jahren ein Säugling waren. Sie sind seit den letzten 17 Jahren im Rollstuhl. Dort drüben sitzt Ihre Mutter, ungefähr vier Reihen weiter hinten. Frau, ist das nicht Ihre Tochter?“ „Ja“, bestätigte die ältere Frau.
„Kommen Sie bitte und stellen Sie sich zu Ihrer Tochter.“ Während die Mutter sich durch die Reihe zum Hauptgang hindurch drängte, fragte ihre Tochter im Rollstuhl: „Bruder Branham, was muss ich tun? Bin ich geheilt?“
„Schwester, alles was ich weiß, ist das, was ich in der Vision gesehen habe. Es ist jetzt von mir gegangen. Ich kann nichts sagen als das, was Er mir aufträgt zu sagen.“
Da er die Feuersäule nicht mehr im Publikum sehen konnte, wandte Bill seine Aufmerksamkeit wieder der Gebetsreihe zu. Die nächste Person stand schon neben ihm. Sie war eine schöne junge Frau, Anfang zwanzig, mit langem dunklen Haar, das weit über ihre Schultern herunterhing. Sie sah aus wie eine Heilige Gottes. „Guten Abend, Schwester.“ Er nahm ihre rechte Hand in seine linke. „Ich fühle einen tauben Geist, aber die Vibrationen sind nicht sehr stark. Kannst du mich hören, Schwester?“ „Ja, das kann ich. Ich bin auf einem Ohr taub. Das bin ich schon seit vielen Jahren.“
„Das erklärt es. Glaubst du, dass Jesus dich heilen wird, wenn du Ihn darum bittest?“
„Das glaube ich von ganzem Herzen.“
Bill senkte den Kopf und bat um die Heilung der Frau. Es war ein ruhiges Gebet, so wie er immer betete. Er wusste, dass Gott nicht auf laute Gefühlsa usbrüche antwortete; Er antwortete auf den Glauben an Sein Wort. Diesmal wich der Dämon nicht. Bill fühlte noch immer die Vibrationen, die wie eine Schwachstrom-Leitung pulsierten. Er betete erneut. Das Muster der weißen Beulen, das Taubheit anzeigte, bewegte sich weiterhin über seiner geschwollenen Hand.
„Hier stimmt etwas nicht. Der taube Geist will nicht weichen.“ Bill schaute der jungen Frau in die Augen. Plötzlich schien sie zurück über die Plattform zu schwirren, und an ihrer Stelle strahlte die Vision eines jungen Mädchens mit geflochtenem Haar. Bill sprach, während er die Vision sich entfalten sah. „Als du 14 Jahre alt warst, trugst du dein Haar in langen Zöpfen, die am Ende mit kariertem Band zusammengehalten wurden. Das war ungefähr die Zeit, als du einen falschen Weg einge schlagen hast. Du bekamst ein Kind von einem Mann, bevor du verheiratet warst.“
Die Frau vergrub ihr Gesicht in ihren Händen. „Das stimmt, Bruder Branham.“
„Du hast einen Mann geheiratet, den du nicht liebtest, und hast ihn verlassen. Dann bist du in einen religiösen Kult hineingeraten, und sie brachten dich dazu, einen anderen Mann zu heiraten, den du auch nicht liebtest. So hast du auch den verlassen. Und jetzt bist du wieder mit einem anderen Mann verheiratet.“
Sie schluchzte: „Jedes Wort davon ist die Wahrheit.“
Bill fuhr fort: „Du warst einst eine Christin, und du bist von Gott abgefallen.“
„Das stimmt“, hauchte sie und taumelte, als würde sie in Ohnmacht fallen. Plötzlich schrie sie auf. Gott hatte nicht nur ihre Sünden vergeben, Er hatte ihr auch das Gehör in ihrem tauben Ohr zurückerstattet. Während die Menge Gott anbetete, glitt Bills Aufmerksamkeit wieder zum Orchestergraben, wo die Mutter nun neben ihrer spastisch gelähmten Tochter stand. Er sah das Licht in der Luft über ihnen. Einen Augenblick später sah er eine Vision von der spastisch gelähmten Tochter, wie sie sich aus ihrem Rollstuhl erhob. Es musste eine Vision sein, weil sie ein anderes Kleid trug. Er beobachtete wie sie über den Köpfen der Menschen ging und rief „Dank sei Gott! Dank sei Gott!“, bis die Vision verblich. Bill zeigte auf die spastische Frau. „Schwester, Jesus Christus, der Sohn Gottes, hat deine Gebete erhört und dich geheilt. Stehe auf.“ Das tat sie. Ihre Mutter half ihr aus dem Rollstuhl heraus und wollte ihren Arm stützen, doch die Tochter, nun nicht länger spastisch gelähmt, machte sich vom Griff der Mutter los, damit sie alleine gehen konnte. Die Zuhörer erhoben sich wie ein Mann. Die Kraft Gottes durchflutete den Saal und heilte jeden, der glaubte. Bill beobachtete, wie einige ihre Krückstöcke und Krücken fortwarfen und wie andere aus ihren Roll stühlen aufstanden. Man konnte unmöglich sagen, wie viel Hunderte außerdem von äußerlich nicht sichtbaren Leiden geheilt wurden. Bill musste nicht einmal die Gebetsreihe fortführen. Es schien niemand im Gebäude übrig zu sein, für den gebetet werden musste. „Dies“, dachte er, „ist genau, wie es sein sollte.“
Wunder wie diese unterstrichen die Tatsache, dass die Menschen nicht durch die Gebetsreihe kommen mussten, um Heilung zu empfangen. Sie mussten Glauben haben an die Verheißungen Gottes. Deswegen wollte Bill, dass sein Leitlied in jeder Versammlung gespielt wurde:
Glaube nur, glaube nur, Alles ist möglich, glaube nur Jesus ist hier, Jesus ist hier, Alles ist möglich, Jesus ist hier „Denkt daran“, sagte Bill gewöhnlich zu seinem Publikum, „diese Gaben können euch nicht heilen. Es ist euer Glaube in die Verheißungen Gottes, der die Heilung geschehen lässt. Was diese Gaben tun können, ist, euch erkennen zu helfen, dass der übernatürliche Gott hier ist, um seine Verheißungen zu halten. Freunde, ich glaube, die apostolischen Tage wiederholen sich vor unseren Augen. Ich glaube, dass das Kommen Jesu Christi herannaht. Ich glaube an das buchstäbliche, körperliche Zweite Kommen Christi. Ich glaube, wir haben nur noch kurze Zeit zu wirken. Und ich glaube, dass diese universelle Erweckung, die das Land heute mit solcher Macht durchflutet, eine übernatürliche Bestätigung der Botschaft ist: Wie es war in den Tagen Noahs – die Nationen waren in Sünde versunken und bestimmt für die Vernichtung, und Noah predigte sein fanatisches Evangelium und rief die Menschen in eine Arche der Sicherheit. Ich glaube, dass das Evangelium vom Sohne Gottes, kund getan durch den Heiligen Geist, das Land heute durchflutet und Menschen in eine Arche der Sicherheit ruft, die Jesus Christus, der Herr ist.“