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Übernatürlich

Übernatürlich – Buch 3

Zerbrochen und genesen

1948

Im Anschluss an Phoenix (Arizona) hielt William Branham Heilungsfeldzüge in Pensacola (Florida), Kansas City (Kansas), Sedalia (Missouri) und Elgin (Illinois). In jeder Stadt erzählte er den Menschenmengen von seiner Vision über einen Jungen, der von den Toten auferweckt wird und sagte: „Schreibt es auf das Vorsatzblatt eurer Bibel, damit ihr glaubt, dass ich euch die Wahrheit gesagt habe, wenn es geschieht.“

Sein Gesundheitszustand verschlechterte sich kontinuierlich. Im Laufe der Gebetsg ottesdienste hatte er Schwierigkeiten, das Gleichgewicht zu halten. Es fiel ihm auch schwer, nach jeder Versammlung einzuschlafen – und wenn er dann doch einschlief, hatte er Schwierigkeiten, zum nächsten Gottesdienst aufzuw achen. Er hatte beständig Kopfschmerzen und manchmal zitterte er am ganzen Körper. Sein Magen war übersäuert, und er vertrug nichts, gleich was er auch aß. Manchmal vernebelten sich seine Gedankengänge, und er konnte keinen klaren Gedanken fassen. Er fühlte sich wie ein Wrack.

Am Donnerstag, den 13. Mai 1948, eröffnete er einen fünftägigen Heilungs feldzug in Tacoma (Washington). Sechstausend Menschen füllten das Eisstadion, sodass es voll ausgelastet war. Jeden Abend bewegte sich die lange Gebetsreihe langsam vorwärts, während Bill das Zeichen in seiner Hand gebrauchte, um die Krankheiten der Menschen zu erkennen und ihren Glauben soweit aufzubauen, dass sie Christi Heilungskraft annehmen konnten. Ruby Dillard war unter jenen, die nach vorne kamen. Damals würgte sich Ruby an einem krebsartigen Tumor zu Tode, der sich in ihrem Rachen befand. Später schrieb sie in The Voice of Healing: „Obgleich meine Kehle schmerzte, als der Krebs wich, hatte ich seither keine Probleme mehr.“ Hunderte von Menschen vom Tacoma-Feldzug hatten Zeugnisse, die genauso erstaunlich waren.

Am Ende des Montagabend-Gottesdienstes stand Bill wieder auf der Kippe zum völligen Zusammenbruch. Er wankte rückwärts von der Gebetsreihe weg und wäre gefallen, wenn nicht zwei Männer ihn aufgefangen hätten. Als diese ihn hinaustrugen, bat Bill sie inständig, ihn noch „Auf Wiedersehen“ sagen zu lassen. Gordon Lindsay gab seinen Abschiedsgruß an die Zuhörerschaft weiter, ohne dessen tiefere Bedeutung zu diesem Zeitpunkt zu erahnen.

Am nächsten Tag rief Bill sein Mitarbeiter-Team zusammen – Jack Moore, Gordon Lindsay, Ern Baxter und Fred Bosworth – und teilte ihnen mit, dass Eugene (Oregon) vorläufig seine letzte Versammlung sein würde. Alle seine anderen Verpflichtungen müssten abgesagt werden. Verständlicherweise fragten die vier Prediger, wie lange er dem Missionsfeld fernbleiben werde. Bill sagte ihnen, dass er es nicht wisse. Es könnten nur ein paar Monate sein oder auch mehr als ein Jahr. Bei sich selbst war er jedoch nicht so optimistisch. Mittlerweile waren seine Kräfte so weit geschwunden, dass er sich fragte, ob er jemals wieder für die Kranken würde beten können.

Besonders für Gordon Lindsay war diese Neuigkeit ein schwerer Schlag. Lindsay hatte nicht nur sein Amt als Pastor seiner Gemeinde in Ashland (Oregon) aufgegeben, um den Branham-Feldzügen zu folgen, sondern hatte darüber hinaus seine Anstrengung und Planung auf die Zeitschrift The Voice of Healing verwandt, eine Zeitschrift, die plötzlich keinem Zweck mehr diente. Nach vielem Ringen im Gebet erkannte Lindsay, dass er mit The Voice of Healing zu weit gekommen war, als dass er sie jetzt zurückziehen konnte. Die beiden ersten Ausgaben waren bereits gedruckt. Er entschied sich, seine privaten Ersparnisse zu verwenden, um mit der Herausgabe fortzufahren. Was sollte aber jetzt im Mittelp unkt der Zeitschrift stehen? Vielleicht brauchte er nichts weiter, als einem anderen Dienst zu folgen.

Und es gab keinen Mangel an Kandidaten, aus denen ausgewählt werden konnte. William Branhams kometenhafter Aufstieg auf die nationale Bühne im Jahr 1946 hatte sowohl das öffentliche Bewusstsein über die Heilungskraft Gottes geschärft als auch andere inspiriert, Bills Fußstapfen zu folgen. Dutzende von Heilungsdiensten schossen 1947 in die Höhe, und zu dieser Zeit im Jahre 1948 wurde die Liste beständig länger. In einigen Ausgaben der The Voice of Healing spielte William Freeman die Hauptrolle, ein junger Mann, der mittelmäßigen Erfolg beim Gebet für die Kranken hatte. Doch Gordon Lindsay spürte, wenn The Voice of Healing ohne den einflussreichen Namen William Branhams überleben wollte, durfte sie sich nicht darauf beschränken, von nur einem Einzigen zu berichten, sondern musste eine große Bandbreite an Heilungs- und Befreiungs-Predigtdiensten umfassen. „Schließlich“, dachte Lindsay, „wie oft habe ich Bruder Branham selbst sagen hören ‚Jesus Christus ist der einzige Heiler‘.“

Inzwischen lag Bill zu Hause danieder, krank und deprimiert. Tag für Tag warf er sich im Bett hin und her, während sein Magen aufgewühlt war, wie ein Bottich mit brennender Säure. Wann immer er versuchte zu essen, kam heißes öliges Wasser seine Speiseröhre herauf und brannte in seinem Mund. Sein Gewicht sank auf fast 45 Kilogramm, seine Augen lagen tief in ihren Höhlen, und sein Gesicht war hager und bleich. Wenn er stand, pochte es in seinem Kopf, und die Beine konnten ihn kaum tragen. Ihm war zum Sterben zumute.

Ärzte konnten ihm nicht helfen. Sie bezeichneten seine Krankheit als „nervöse Erschöpfung“, hervorgerufen durch Überarbeitung, und verschrieben ihm viel Bettruhe. Doch nachdem er die Anweisungen der Ärzte zwei Monate befolgt hatte, fühlte er sich immer noch todkrank. Zum Herrn rief er im Gebet – zu Jesus, seinem Leben; zu Jesus, seiner Liebe; zu Jesus, seiner einzigen Hoffnung. Er bettelte um seine Heilung Tag für Tag – und trotz alldem wurde es nicht besser mit Bill. Er brütete. Wie viele Tausende von Heilungen und Wundern hatte er in seinen Versammlungen beobachtet? Der Herr hatte sie geheilt. Warum heilte der Herr nicht ihn? Es schien nicht fair zu sein.

Schließlich erkannte Bill die Antwort: Der Herr brachte ihm gerade etwas Wichtiges bei. Wenn Bill auf die letzten beiden Jahre seines Dienstes zurückb lickte, war er beschämt von der Art und Weise, wie er sich über die Grenzen des gesunden Menschenverstandes hinweg vorwärts getrieben hatte. Jonesboro war ein extremes Beispiel, wo er an acht aufeinander folgenden Tagen und Nächten hinter dem Podium geblieben war, um für die Kranken zu beten. Doch insgesamt hatte er sich eher dadurch geschadet, dass er es zur Gewohnheit werden ließ, die Gebetsreihen bis ein oder zwei Uhr morgens laufen zu lassen. Eigentlich hatte er schon immer vermutet, dass er einen Fehler machte. Doch sein Herz fühlte mit all den geschlagenen Menschen mit, weil er wusste, dass für viele von ihnen Leben oder Tod von seinen Gebeten abhing. Und so hatte er sich vorwärts getrieben – und vorwärts, und vorwärts, und vorwärts. Jetzt zahlte er den Preis dafür.

Er hatte sich das selbst zugefügt, und jetzt wollte Gott, dass er seine Lektion lernte. Bill erkannte, dass, nur weil Gott ihm eine Gabe der Heilung gegeben hatte, dies nicht bedeutete, dass Gott von ihm erwartete, die gesamte Last auf seinen Schultern zu tragen. Er las in 2. Mose 19 wie Mose, mit der Sorge um zwei Millionen Israeliten in der Wüste Sinai betraut, sich selbst aufrieb, indem er versuchte die Probleme des Volkes ganz allein zu handhaben. Jethro, sein Schwiegervater, drängte Mose, die Last unter anderen tüchtigen Männern des Lagers aufzuteilen. In 4. Mose 11 las Bill, wie Gott von dem Geist nahm, der auf Mose war und ihn auf 70 Älteste austeilte, sodass sie Mose helfen konnten, die Last zu tragen.

Als Bill durch die letzte Ausgabe von The Voice of Healing blätterte, staunte er, wie viele Männer und Frauen nun Heilungsfeldzüge überall in den Vereinigten Staaten und Kanada hielten: William Freeman, Oral Roberts, Jack Coe, Tommy Osborn, A.A. Allen, W.V. Grant und viele mehr. Manche dieser Leute kannte er persönlich, weil sie in seinen Versammlungen gesessen und seine Hand geschüttelt hatten; wie Tommy Osborn, ein junger Prediger, der in der Versammlung in Portland (Oregon) gesessen hatte, als der Wahnsinnige damit gedroht hatte, jeden Knochen in Bills Körper zu brechen.

Aber es war nicht das Mitansehen, wie der wuchtige, 115 Kilogramm schwere Mann bewusstlos auf den Boden stürzte, das den jungen Osborn inspirierte. Es war das Mitverfolgen, wie Bill seine Hände einem taubstummen Mädchen auflegte und ruhig sagte: „Du tauber und stummer Geist, ich gebiete dir im Namen Jesu: Verlasse das Kind!“ Als Bill mit seinen Fingern schnippte, konnte das Mädchen hören. Dann sprach es. Das entfachte ein Feuer in Tommy Osborns Seele, seinen eigenen unabhängigen Dienst zu beginnen – einen Dienst, der nun einen Weg der Errettung und Heilung durch des Teufels Territorium brannte und Herzen zum Glauben an Christus entflammte.

Ein weiterer Name, den Bill wiedererkannte, war Oral Roberts. Bill war diesem jungen Mann erstmals im vergangenen Sommer in Tulsa (Oklahoma) begegnet. Damals hatte der 32-jährige Roberts gerade seinen eigenen, unabhängigen Befreiungsdienst begonnen, und war sich noch immer nicht sicher, in welche Richtung er sich bewegen sollte. Nachdem er eine von Bills Versammlungen besucht hatte und Zeuge der Heilungsk raft Jesu Christi wurde, beschloss Oral Roberts, dass er göttliche Heilung in seinem Dienst auch betonen sollte. Bill traf Oral Roberts in Kansas City im Frühling wieder und war überrascht, wie sehr der Mann in zehn Monaten gereift war. Roberts strahlte nun Vertrauen und Führungsqualitäten aus. Aufgrund seiner natürlichen Begabung, sich publikumswirksam darstellen zu können, wuchs sein Dienst Monat um Monat. Roberts hatte auch einen Sinn fürs Geschäftliche. Um die Gesamtkosten seiner Feldzüge zu senken, kaufte er sich ein eigenes Zelt. Neben seinem eigenen Radioprogramm druckte er seine eigene Zeitschrift, genannt Healing Waters. Diese beiden Unternehmungen erweiterten sein Einfluss gebiet und vergrößerten die Grundlage seiner finanziellen Unterstützung.

Beeindruckt von der Aufrichtigkeit und dem Unternehmungsgeist Oral Roberts, zog Bill manchen Trost aus dem Wissen, dass er auf diesen kühnen jungen Prediger Einfluß ausgeübt hatte. Indem er durch die Seiten der Voice of Healing blätterte, erkannte Bill, dass sein eigener Dienst praktisch jeden dieser Männer und Frauen entweder direkt oder indirekt beeinflusst hatte. Als er 1946 erstmals aufgebrochen war, hielt nicht ein einziger Prediger in Amerika große Feldzüge oder predigte göttliche Heilung. Jetzt schienen sie überall zu sein – und jeder predigte eine Variation von Bills Leitthema, dass Jesus Christus derselbe ist, gestern, heute und in Ewigkeit. Das sollte ihn nicht wundern. War das nicht, was ihm der Engel des Herrn in der Höhle gesagt hatte? „Du bist gesandt, eine Gabe der göttlichen Heilung den Völkern der Welt zu bringen.“ Damals hatte Bill vermutet, er sollte diese Gabe persönlich übergeben. Jetzt konnte er sehen, dass er nur der Funke einer weltweiten Erweckung war. Sein 24-monatiger Dienst hatte in zehntausenden Herzen heiliges Feuer entfacht, und nun breitete der Wind des Heiligen Geistes die Erweckungsflammen in jede Richtung aus.

Bedeutete dies, dass Gott mit ihm fertig war? Nein, das konnte nicht sein. Der Engel hatte ihm gesagt, dass ihm zwei Zeichen gegeben würden, um zu bestätigen, dass er von Gott gesandt war. Bisher hatte er nur eins gesehen – das Zeichen in seiner Hand. Was war mit dem zweiten Zeichen? Der Engel hatte ihm gesagt, dass wenn er aufrichtig sein würde, es geschehen werde, dass er die verborgenen Geheimnisse der Herzen der Menschen erkennen könne. Bill hatte keine Vorstellung davon, was das bedeuten mochte, aber er wusste, dass es bisher nicht eingetreten war. Zudem war die Vision über den Jungen nicht erfüllt, der von den Toten auferweckt wurde. Gott war bestimmt noch nicht fertig mit ihm, es sei denn – und er betete, dass dies nicht zutraf – es sei denn, er hatte Gottes Plan für sein Leben ruiniert, indem er seine Lebenskraft vergeudet hatte.

Am 15. September 1948 besuchte Bill die Mayo Clinic in Rochester (Minnesota), in der Hoffnung, dass die dortigen Ärzte ihm helfen konnten. Drei Tage lang unterzog ihn ein Team von Spezialisten jeder erdenklichen Unters uchung, die einen Hinweis ergeben konnte. An seinem letzten Morgen in Rochester erwachte Bill mit bangen Gefühlen. In ein paar Stunden würde er zur Klinik hinübergehen und den Abschlussbericht zu seinem Gesundheitszustand bekommen. Würde es Hoffnung für ihn geben? Oder war er am Ende? Er saß auf der Bettkante und betete: „Teurer Jesus, Menschen mit allen Arten von Nervenzusammenbrüchen sind in meine Versammlungen gekommen, und Du hast sie geheilt. Warum heilst Du nicht auch mich? Über die Jahre hast Du mir Visionen von Heilungen anderer Menschen gezeigt, aber Du hast mir nie eine über meine eigene gezeigt. Ich werde von Kindesbeinen an immer wieder von dieser schrecklichen Nervosität geplagt. Jetzt ist meine Kraft so weit geschwunden, dass ich mich schier kaum noch aufraffen kann, Deinem Wort für meine Heilung zu glauben. Was wird aus mir werden?“

Sobald er sein Gebet beendet hatte, fühlte er sich in eine Vision fallen. Das Hotelzimmer verschwand. Bill schien in einer bewaldeten Niederung zu sein. Vor sich sah er einen sieben Jahre alten Jungen neben einem alten toten Baumstumpf stehen. Wo hatte Bill dieses Gesicht schon mal gesehen? Plötzlich wusste er es – der Junge sah genauso aus, wie er selbst in dem Alter ausgesehen hatte. Wahrhaftig, das war ja er selbst! Auf einmal bemerkte Bill ein pelziges Wesen in ein Loch des Baum stumpfs huschen. Bill sagte zu dem Jungen: „Lass mich dir zeigen, wie man das Eichhörnchen da heraus bekommt.“ Er nahm einen Ast und schlug damit von allen Seiten auf den Baumstamm. Dies war ein alter Jagdtrick, um ein Eichhörnchen aus einem hohlen Baumstamm herauszuscheuchen. Es funktionierte, aber das Tier, das aus dem Baum stamm herauskletterte, sah eher wie ein Wiesel aus, wenn auch nicht exakt. Es hatte einen langen, dünnen, schwarzen Körper, einen schmalen Kopf und winzige, perlartige, schwarze Augen. Es sah bösartig und bissig aus.

„Pass auf“, warnte Bill den Jungen „bleib von dem alten Stamm weg. Man weiß nie, wie gefährlich das Tier sein kann.“ Bill drehte sich um, um zu sehen, ob der Junge sich an die Warnung hielt. Der Junge – er selbst als kleiner Junge – war nicht mehr da.

Bill drehte sich wieder zu dem Baum um. Das Tier knurrte und spannte den Körper, als wollte es angreifen. Bill hatte kein Gewehr; alles, was er an Waffen bei sich trug, war ein kleines Jagdmesser, das an seinem Gürtel hing. Nervös dachte er: „Wenn das Eichhörnchen mich angreift, wird mir das Messer nicht viel nutzen. Ich bin wirklich verwundbar.“ Von rechts hinter ihm hörte Bill den Engel des Herrn sagen: „Denke daran, es ist nur sechs Zoll lang.“

Bill griff nach seinem Messer. Aber noch bevor er die Klinge aus der Scheide ziehen konnte, sprang das Tier und landete auf seiner Schulter. Bill stach auf das Wesen ein, aber das „Eichhörnchen“ war zu flink. Es schoss so schnell von Schulter zu Schulter, dass Bill es nicht einmal streifen konnte. Bill öffnete den Mund, um etwas zu sagen. Blitzschnell fuhr das Tier in seinen Mund und die Kehle hinunter. Bill konnte fühlen, wie es in seinem Magen umhersprang und ihn völlig in Stücke riss. Bill warf seine Hände nach oben und rief aus: „Oh, Gott, sei mir gnädig!“ Als er aus seiner Vision erwachte, hörte er die Stimme des Engels, jene rätselhafte Zeile wiederholen: „Denke daran, es ist nur sechs Zoll lang.“ Bebend sank Bill auf das Bett zurück. Meda bewegte sich, wachte aber nicht auf. Lange Zeit lag Bill da und dachte über die Vision nach. Das komisch aussehende Eichhörnchen musste sich auf seinen nervösen Zustand beziehen, der seinen Magen mit solch einer Wucht angreifen konnte, dass er das Gefühl hatte, er sterbe. Aber für was stand der 7-jährige Junge? Bill erinnerte sich, dass er sieben Jahre als war, als ihn der erste nervöse Anfall traf. Sieben – das war sein Alter, als er erkannte, wie viele Dinge in seinem Leben verkehrt waren: Sein Vater trank, seine Familie war arm, er war ein Außenseiter in der Schule, und um all dem noch die Krone aufzusetzen, sah er Dinge, die andere nicht sehen konnten. Kein Wunder, dass er nervös und melancholisch geworden war. Diese Vision begann, Sinn zu machen.

Plötzlich erkannte er ein Muster. Dieser nervöse Zustand kam regelmäßig ungefähr alle sieben Jahre auf ihn zurück. Er traf ihn zum zweiten Mal, als er 14 war, nachdem sein Cousin ihm versehentlich mit dem Gewehr in die Beine geschossen hatte. Bettlägerig litt er während jenes Winters über Monate hinweg an nervöser Depression. Ungefähr sieben Jahre später war er Gasdämpfen aus einer Erdgasleitung ausgesetzt, die solch schwere Magenprobleme auslösten, dass er beinahe gestorben wäre. Fünf Monate lang lebte er von Backpflaumensaft und Gerstensuppe. Er wäre verhungert, hätte der Herr ihn nicht geheilt. Sieben Jahre später starben Hope und Sharon Rose. Dieser Schicksalsschlag hatte eine verheerende Auswirkung auf ihn und machte ihn zu solch einem Nervenbündel, dass er versuchte, sich zu töten.

Langsam hatte ihn der Herr Jesus wieder zurecht gebracht, und über die nächste Spanne an Jahren hinweg blieben seine Nerven stabil und machten ihm nicht mehr zu schaffen, als was man normal nennen würde. Dann kam der Auftrag des Engels, und während der letzten beiden Jahre hatte Bill sich an die Grenzen seiner menschlichen Belastbarkeit getrieben. Schlussendlich hatte sein Körper rebelliert und ihn in dieses Loch der nervösen Erschöpfung gestoßen.

Noch immer über die Vision nachdenkend, betrachtete er als Nächstes das kleine Messer. Während dieser letzten Untersuchungswoche hatte ein Arzt ein mögliches Heilverfahren vorgeschlagen: Einige der Nerven zu seinem Magen zu durchtrennen. Das Messer in dieser Vision musste das Skalpell des Chirurgen symbolisieren und verdeutlichte Bill, dass eine Operation gegen diesen Feind nutzlos war.

Was aber war mit den Worten des Engels: „Denke daran, es ist nur sechs Zoll lang.“ Könnte das bedeuten, dass er an diesem Magenleiden nur sechs Monate leiden würde? Falls das zuträfe, würde Gott ihn bald heilen, weil es fast sechs Monate her war, seit dieser Krankheitsab schnitt begann. Sein Geist schwang sich voller Hoffnung auf. Doch ein ernüchternder Gedanke brachte ihn auf den Boden zurück. Nichts in der Vision deutete an, dass das seltsam aussehende Eichhörnchen starb. Bedeutete es, dass dies Problem in sieben Jahren wiederkehrte? Würde er diese Attacken in regelmäßigen Abständen für den Rest seines Lebens erleiden müssen? Ach, wenn er nur eine Vision sehen könnte, in der dieses Eichhörnchen starb! Dann wüsste er, dass es gänzlich vorbei wäre.

Ein paar Stunden später saß Bill in einem Sprechzimmer der Mayo Clinic und hörte aufmerksam zu, wie ein älterer Arzt die Ergebnisse der Untersuchungen erklärte. „Junger Mann, es tut mir leid, Ihnen dies sagen zu müssen, aber Ihren Zustand haben Sie geerbt. Wie viele Iren liebte Ihr Vater seinen Whisky. Ihre Mutter ist Halbindianerin, und wir wissen, dass Indianer den Alkohol nicht vertragen. Das Zusammenlegen dieser beiden Erbanlagen hat Ihnen diese nervöse Verfassung beschert. Sie werden nie gesund werden. Ihre Nerven greifen Ihren Magen an, und dies bewirkt, dass Ihnen das Essen wieder hochkommt. Es gibt dafür kein Heilmittel, es gibt nichts, das wir tun können. Sie werden das Problem für den Rest Ihres Lebens haben.“

Als Bill wieder zurück in Jeffersonville war, kam seine Mutter vorbei, um zu erfahren, was die Klinikärzte gesagt hatten. Bills Äußerung war: „Ich wäre jetzt ein entmutigter Mann, wenn der Herr mir nicht in jener Vision Hoffnung gegeben hätte.“

Ella Branham nickte: „Billy, es ist interessant, dass du diese Vision am Donnerstagmorgen hattest, denn früh am selben Morgen hatte ich einen seltsamen Traum über dich.“

Bill wusste, dass seine Mutter fast nie träumte. Doch bei den wenigen Malen, wo sie es getan hatte, schienen ihre Träume immer eine geistliche Bedeutung zu haben – wie zu der Zeit, die auf Bills Bekehrung folgte, als sie träumte, dass sie ihn auf einer weißen Wolke stehend zu der ganzen Welt predigen sah.

Ella fuhr fort: „Ich träumte, dass du krank auf der Veranda lagst, halbtot mit deinen Magenproblemen, wie üblich. Du bautest ein Haus auf einem Hügel weit im Westen. Dann sah ich – “

„Mutter“, unterbrach Bill, „lass es mich zu Ende erzählen. Nachdem du mich dort hast krank liegen sehen, sahst du sechs weiße Tauben aus dem Himmel herunter fliegen in der Form eines „S“. Sie landeten auf meiner Brust. Diejenige, die meinem Kopf am nächsten war, gurrte und rieb ihren Kopf fortwährend gegen meine Wange, als versuchte sie mir etwas zu sagen. Sie schien betrübt zu sein. Dann rief ich: ‚Preis dem Herrn‘, gerade bevor du aufwachtest.“

„Das stimmt. Woher weißt du das?“

„Mutter, du weißt, dass wann immer mir jemand einen Traum erzählt, der eine geistliche Bedeutung hat, der Herr mir den gleichen Traum zugleich mit der Auslegung zeigt. Das ist nicht anders als in der Bibel. Erinnerst du dich, wie König Nebukadnezar wegen eines Albtraums beunruhigt war und wissen wollte, was er bedeutet? Das Problem war, dass er sich nicht erinnern konnte, wovon der Albtraum handelte. Also zeigte der Herr dem Daniel denselben Traum, und Daniel erinnerte den König daran, was es war. Dies bewies Nebukadnezar, dass Daniels Auslegung von Gott kam.“

„Und, Billy, was bedeutet mein Traum?“

„Der Herr gab dir diesen Traum zur selben Zeit, als Er mir die Vision gab. Sie sind miteinander verbunden. Das komisch aussehende Eichhörnchen steht für meinen nervösen Zustand, welcher etwa alle sieben Jahre über mich kommt. Das Tier, das mich angriff, war sechs Zoll lang, und du sahst sechs Tauben. Das bedeutet, dass ich nach jedem Magenleiden geheilt werde ... für eine Zeitlang. Biblisch gesehen ist die sechs eine unvollständige Zahl. Gott ist vollendet in sieben. Eines Tages werde ich das seltsam aussehende Eichhörnchen sterben sehen. Dann werde ich eine siebte Taube sehen und der Kampf wird vorüber sein.“

Zwei Tage später saß Bill auf der Veranda und las ein Buch von Fred Bosworth, genannt Christian Confession. Er legte das Buch weg, nahm seine Bibel und öffnete sie aufs Geratewohl. Die Seiten teilten sich bei Josua, Kapitel eins. Bill las: „Nur sei recht stark und mutig ... Denn mit dir ist der Herr, dein Gott, wo immer du gehst.“

Plötzlich wusste er, dass dies sein Bekenntnis sein musste. Dann hörte er eine innere Stimme ihm zuflüstern: „Ich bin der Herr, der dich heilt.“ Freudig ging Bill ins Haus, umarmte seine Frau und sagte: „Liebling, Gott hat mich gerade geheilt.“

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