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Übernatürlich

Übernatürlich – Buch 3

Die Bosworth-Verbindung

1948

Mitte Januar 1948 erhielt William Branham einen Telefonruf von Little David Walker, dem Teenager Prediger, den er vor zehn Monaten in Long Beach (Kalifornien) getroffen hatte.

„Hallo Bruder Branham, ich rufe aus Miami (Florida) an. Ich habe gerad e eine zweiwöchige Evangelisation hier begonnen, aber es klappt nicht.“ „Ach, woran liegt es denn?“

„Ich habe ein Zelt, das ca. 2.500 Menschen fasst, aber bisher kommen jeden Abend nur eine Hand voll Leute. Es ist beschämend.“ „Das ist komisch.“ Weil er wusste, wie gewandt der Junge predigen konnte, überraschte es Bill, dass Little Davids Versammlungen so schwach besucht wurden.

„Hast du eine Ahnung, was die Leute fernhält?“

„Ich denke, es ist Neid und Argwohn unter den Gemeindeleitern hier unten. Sobald sie hörten, dass ich komme, hatte jede Gemeinde in der Stadt urplötzlich ihren eigenen „Boy Prediger“. Man glaubt es nicht, aber jeden Tag annoncieren zwei volle Seiten in der Stadtzeitung von Miami all die „Boy Prediger“, die ihre Erweckung halten. Sie befürchten wohl, dass sie einige ihrer Leute verlieren, wenn sie kommen, um mich zu hören.“ „Das ist ein Armutszeugnis“, sagte Bill. Er wusste, wie kleinliche Eifer süchteleien Gemeindeführer plagen konnten. „Es ist schade, dass Christen nicht enger in der Liebe Christi zusammenrücken können.“ „Ja, das stimmt.“ Little David schwieg einen Moment und kam dann zum Grund seines Anrufs: „Bruder Branham, könntest du nach Miami kommen und mir aushelfen?“

Bill erinnerte sich an jene Märznacht in Long Beach, als ihm dieser „Boy“ Evangelist einen Gefallen getan hatte.

„Gewiss, ich komme.“

Bill nahm den nächsten Zug Richtung Süden und stellte sich auf die lange Reise ein. Während der Fahrt durch Tennessee spürte er den Engel des Herrn sich nahen. Bills Nackenhaare kribbelten vor Furcht. Ungeachtet der vielen Male, die er diesem Engel in den vergangenen 21 Monaten begegnet war, konnte sich Bill einfach nicht an seine übernatürliche Gegenwart gewöhnen. Sein Schrecken milderte sich, als er fühlte, wie er in eine Vision glitt. Das Stimmengewirr der Passagiere verebbte und das Rattern der Zugräder hörte auf. Bald war der Waggon vollständig verschwunden ...

Er fand sich in einer hügeligen Landschaft wieder, die mit hohen Zedern bewachsen und mit Felsen übersät war, die sich in langen Scheiben überlappten. Seine Aufmerksamkeit wurde auf einen 8- bis 10-jährigen Jungen gelenkt, der zusammengekrümmt und regungslos am Straßen rand lag. Es sah aus, als sei der Junge tot. Bill ging nahe genug heran, um die Gesichtszüge des Jungen zu betrachten: Eine flache Nase, braune Augen und braunes zottiges Haar, wie von ungeübter Hand geschnitten. Er war schäbig und fremdländisch gekleidet: Kniestrümpfe und Knickerbocker mit großen metallenen Knöpfen weit oben an seiner Taille. Es musste ein Unfall passiert sein, denn das Gesicht des Jungen war aufgeschürft und entstellt, und seine Kleidung war zerrissen. Ein Schuh war noch immer um den Fuß geschnürt, der andere fehlte. Bill konnte kein Lebenszeichen erkennen.

Während Bill dort stand und sich fragte, was das alles bedeutete, kam der Engel des Herrn an seine rechte Seite heran. Der Engel fragte: „Kann der Junge leben?“

Bill antwortete: „Ich weiß es nicht.“

Nun trat der Engel ins Blickfeld, zeigte Bill, wie er sich über die leblose Gestalt niederknien und wie er seine Hände über den Jungen legen sollte, wenn er für ihn betete. Im Nu füllten sich die Lungen des Jungen mit Luft, und er setzte sich auf. An dieser Stelle endete die Vision. Plötzlich befand sich Bill wieder in dem Zug, der durch Tennessee rollte. Schon bald nach seiner Ankunft in Miami zeigte ihm Little David die Morgenzeitung. Eine Annonce war in der oberen Ecke einer Seite eingerahmt, die ankündigte, dass Reverend Willima Branham kommen und an fünf Tagen Heilungsversammlungen in der Stadt halten werde. Der Rest der Seite war mit größeren, auffälligeren Annoncen ausg efüllt, die andere Heilungsversammlungen in lokalen Gemeinden ankündigten. Little David seufzte. „Es begann einen Tag, nachdem ich die erste Anzeige über dein Kommen aufgegeben hatte. Sobald sie die gelesen hatten, haben alle Konfessionen der Stadt plötzlich jemanden gefunden, der in ihrer Gemeinde göttliche Heilung predigt.“

„Ich wünschte, sie wüssten, dass wir nicht hier sind, um eine neue Gruppe zu gründen“, kommentierte Bill. „Wir sind nur hier, ihnen zu helfen, die Sache Christi zu unterstützen.“

Trotz dieser Versuche lokaler Gemeinden, seine Ankündigung zu untergraben, hatte der Name William Branham eine eigene Anziehungs kraft entwickelt. Als Bill an jenem Abend zu seiner ersten Versammlung kam, fand er das Zelt halb gefüllt mit neugierigen Zuschauern vor. Bill grüßte die Leute. Dann, bevor er das Thema Heilung ansprach, schilderte er die Vision, die er gesehen hatte, als er durch Tennessee reiste. Bill forderte die Menge auf: „Schreibt es auf das Vorsatzblatt eurer Bibel und dann gebt acht und seht selbst: Der Junge wird durch die Kraft Jesu Christi von den Toten auferweckt werden. Ich weiß nicht, wo und wann es geschieht, aber es wird geschehen, denn es ist ‚so spricht der Herr‘. Und nachdem es geschehen ist, werden wir es in der neuen Zeitschrift veröffentlichen, die Bruder Lindsay herausgeben wird.“

Gordon Lindsay war noch immer überwältigt von den vielfältigen Möglichkeiten in Bills einzigartigem Dienst, für welchen er bereits seine Fähigkeiten als Organisator eingesetzt hatte. Er schlug vor, dass Bill einen vollzeitlichen Assistenten gebrauchen könnte, der die Versamm lungen anberaumte und sich um die vielen Details einer Veranstaltung kümmerte, damit es Bill möglich war, sich ganz auf das Gebet für die Kranken zu konzentrieren. Der Erfolg der von Lindsay organisierten Pazifik-Nordwest-Tour bewies, wie wertvoll diese Idee war. Lindsay wollte diese Aufgabe jedoch nicht selbst übernehmen, zumindest nicht vollzeitlich. Er hatte ein anderes ehrgeiziges Ziel.

Gordon Lindsay war im Begriff, eine Zeitschrift ins Leben zu rufen, die das offizielle Sprachorgan der Branham-Feldzüge werden sollte und die sowohl Artikel über zurückliegende Versammlungen drucken als auch bevorstehende ankündigen sollte. Außerdem würden die Zeugnisse all jener veröffentlicht, die geheilt worden waren. Lindsay gedachte, seine Zeitschrift The Voice of Healing zu nennen. Sobald Bill dieser Idee zugestimmt hatte, hatte Lindsay begonnen, auf die Herausgabe hinzuarbeiten. Die erste Monatsausgabe von The Voice of Healing wurde in etwa zwei Monaten erwartet.

An diesem ersten Abend in Miami kamen ungefähr einhundert Leute durch die Gebetsreihe. Der Glaube wuchs, als die Zuhörerschaft sah, wie Bill durch die Gabe in seiner Hand Krankheiten offenbarte. Die meisten Fälle wurden geheilt, und manche herausragende Wunder geschahen, einschließlich der Wunder an zwei blindgeborenen Jungen, die beide ihr Augenlicht empfingen. Ein Bericht über diese beiden Wunder kam durch die Morgenzeitung in Umlauf. Das entfachte das Interesse eines lokalen Radiosenders, und beide Jungen wurden für ein Life-Interview ins Studio eingeladen. Mit unerschrockenem Eifer zeugten diese beiden Kinder von der Heilungskraft Jesu Christi. Das entzündete das öffentliche Interesse – bei manchen Neugier, bei manchen Begeisterung und bei anderen Skepsis.

Ein ganz bestimmter Radiohörer hatte von allen drei Dingen ein bisschen. Reverend Fred Bosworth kannte die Heilungskraft Christi aus erster Hand und hatte in den vergangenen 40 Jahren selbst immer wieder über das Thema gepredigt. In den 20er Jahren hatte Bosworth große Erweckungsversammlungen in dutzenden von amerikanischen Städten abgehalten und Sünder überzeugt, Buße zu tun und Christen aufgefordert, Gott für die Heilung ihrer Leiden zu glauben. Seine kraftvolle Art und seine methodische Darstellung erwiesen sich als so erfolgreich, dass nach einer Versammlung 1924 in Ottawa (Kanada) schätzungsweise 12.000 Menschen Errettung in der Gnade Jesu suchten. Dann beeinträchtigte die große Weltwirtschaftskrise seinen evangelistischen Dienst. Während die Einkommen in den 30er Jahren dahinschwanden, wurde es zunehmend schwieriger, diese großen Erweckungsfeldzüge zu finanzieren. Fred Bosworth zog sich vom Evangelisationsfeld zurück und wurde ein Pionier der Radio-Evangelisation, indem er den Sender National-Radio Revival Missionary Crusade gründete. Er verfasste auch zwei Bücher, Christian Confession und Christ the Healer. Später setzte er sich zur Ruhe und zog nach Florida.

Jetzt, mit 71, war Fred Bosworth seit mehreren Jahren nicht mehr im aktiven Predigtdienst. Er dachte, dass alles, was er sich vom Leben noch wünschte, eine Aufeinanderfolge träger, sorgenfreier Tage wäre. Als er diese beiden Jungen im Radio hörte, wie sie ihr Zeugnis gaben, erweckte das sein Interesse. Blind geboren? Und jetzt konnten sie sehen? Über die Jahre hatte Fred Bosworth viele Wunder gesehen – dass Stumme redeten, Taube hörten, Krüppel gingen und Krebs verschwand. In der Tat hatte er über 200.000 schriftliche Zeugnisse von Menschen erhalten, die unter seinem Dienst geheilt worden waren. Doch nie hatte er gesehen oder gehört, dass Menschen, die blind geboren waren, ihr Augenlicht empfingen. Wer war dieser William Branham? War er ein Betrüger? Oder bewegte sich der Geist Gottes in einer Weise, wie er es noch nie zuvor gesehen hatte? Bosworth war neugierig und – das musste er zugeben – ein wenig aufgeregt. Vielleicht sollte er es sich ansehen.

Reverend Fred Bosworth stand nicht allein mit seinem Wunsch, der Sache auf den Grund zu gehen. Die restliche Woche kamen mehr Menschen zu Bills Versammlungen, als in das Zelt hineinpassten. Viele drehten sich um und gingen nach Hause, aber weitere Tausende standen außen vor dem Zelt und hofften auf eine Gelegenheit, in die Gebetsreihe zu gelangen. Bei so vielen Menschen, die Gebet wünschten, entschloss sich Bill, die Gabe der Unterscheidung in seiner Hand nicht zu benutzen. Es ging zu langsam. Stattdessen ließ er die Leute in einer „schnellen Reihe“ an sich vorbeigehen, wobei er einfach seine Hände auf sie legte und ein kurzes Gebet sprach, während sie vorüberzogen. Am letzten Abend dieser Miami-Erweckung, ehe der Gottesdienst begann, kam Little David zu Bill und sagte: „Da draußen ist ein Vater, der einen Aufruhr verursacht. Sein Sohn ist heute Morgen in einem Bewässerungsgraben ertrunken. Der Vater ist die ganze Woche über in den Versammlungen gewesen und hörte dich die Vision über einen kleinen Jungen erzählen, der von den Toten auferweckt wird. Jetzt fragt er sich, ob jene Vision seinen Sohn betraf. Er hat in dieser Woche genügend Wunder gesehen, um zu glauben, dass es geschehen könnte, und er übergibt seinen Sohn dem Bestatter nicht, ehe du ihn gesehen hast.“

„Das mache ich gern, ich schaue ihn mir an“, sagte Bill. Er ging zu dem trauernden Vater, und es bedurfte nur eines Blickes, um Bescheid zu wissen. Er sagte dem Vater: „Es tut mir leid, aber dies ist er nicht. Der Junge, den ich in der Vision sah, hatte zottiges braunes Haar und war dem Anschein nach ungefähr acht bis zehn Jahre alt. Ihr Sohn hat ordentlich geschnittenes schwarzes Haar und kann nicht mehr als fünf Jahre alt sein. Und Ihr Sohn ist zu gut gekleidet. Der Junge in der Vision war richtig ärmlich angezogen. Außerdem ist Ihr Sohn ertrunken. Der Junge, den ich in der Vision sah, war ganz zerschunden, als hätte er einen Unfall gehabt. Es tut mir leid, aber alles, was ich hier tun kann ist, für den Trost der Familie zu beten.“

An jenem letzten Abend in Miami gab es so viele Menschen, die nach einer Berührung von Gott verlangten, dass Bill vier Gebetsreihen neben einander anordnete, damit sowohl er als auch Little David gleichzeitig für die Menschen beten konnten: Er auf der einen Seite der Reihe und Little David auf der anderen. Inmitten der Masse und dem Zerren von Hunderten, die sich um ihn drängten, bemerkte Bill ein mitleiderregendes junges Mädchen, dem eine ältere Frau durch die Gebetsreihe half. Das Mädchen kämpfte sich vorwärts mit schweren Schienen an ihren Beinen, die bis hinauf an ihre Taille reichten. Bill nahm sich die Zeit, die Hand des Mädchens zu ergreifen als sie vorbeig ing und spürte die dämonischen Vibrationen der Kinderlähmung. Er erkannte auch, dass das Mädchen noch nicht ausreichend Glauben besaß, um geheilt zu werden. Bill zog das Mädchen beiseite und sagte: „Liebes, stell dich hier gleich hinter mich und bete, dass Gott deinen Glauben mehrt.“ Das verkrüp pelte Mädchen tat, wie ihr geheißen, und hielt sich an Bills Anzugjacke fest, während sie ihr Haupt neigte und betete. Bill wandte seine Aufmerksamkeit wieder der Gebetsreihe zu. Nach einer Weile spürte er den Glauben des Mädchens wie einen anschwellenden Herzschlag – bum-bum, bum-bum, bum-bum. Er drehte sich um und sagte, „Nun, Schatz, im Namen des Herrn Jesus Christus gebiete ich diesem Dämon, der dich gebunden hält: Satan, komm aus ihr heraus.“ Er sah die ältere Frau an, die neben dem Mädchen stand und forderte sie auf: „Helfen Sie ihr, die Schienen abzunehmen.“

Der Frau stand das Entsetzen im Gesicht geschrieben: „Aber, Bruder Branham, sie kann nicht allein stehen!“

„Zweifeln Sie nicht. Tun Sie nur, was Ihnen gesagt wurde.“ Die Frau schluckte schwer, offensichtlich besorgt. Aber sie löste die Schienen dennoch. Bald durchdrang ein schriller Schrei den Lärm der Menge. Bill wandte sich – und sah das einstmals verkrüppelte Mädchen, ihre Beinschienen über ihrem Kopfe tragend, auf der Plattform vor- und zurückschreiten, so anmutig, wie nur irgendein Kind je gegangen ist. Das war ein Wunder, das niemand im Zelt übersehen konnte. Der Glaube der Menschen schoss in die Höhe, und sie berührten Bill eifrig, während sie vorübergingen. So schnell er konnte, betete Bill für so viele wie möglich. Ein paar Minuten später spürte er einen weiteren besonderen Glaubenszug. Er blickte umher und suchte, woher es kam. Dann fand er die Stelle. Bill ging ans Mikrofon und sagte: „Sie dort hinten, auf dem vierten Platz vom Gang aus, der Mann in dem weißen Hemd. Ich kann Ihren Glauben von hier oben spüren. Stehen Sie auf. Jesus Christus hat Sie geheilt.

Der Mann stand auf und hob gleichzeitig seine Arme bis über den Kopf. Doch sobald seine Arme voll ausgestreckt waren, zog er sie mit einem Ruck herunter und starrte überrascht auf einen seiner Arme. Dann schrie er. Das ließ die Frau neben ihm aus ihrem Sitz auffahren. Sie schaute auf den Arm des Mannes, und auch sie zeigte ihre Überraschung, indem sie ihre Arme in die Luft warf und aufgeregt schrie.

Bill richtete seine Aufmerksamkeit wieder auf die Gebetsreihe. Fred Bosworth stand auf und bahnte sich seinen Weg zum hinteren Teil des Zeltes. Als der Mann, der gerade geheilt worden war, sich schluss endlich beruhigt hatte, fragte Bosworth ihn: „Verzeihung, ich bin ein Prediger des Evangeliums. Macht es Ihnen etwas aus, mir zu erzählen, was geschehen ist?“

Der Mann streckte seine Hand aus. „Schauen Sie sich das an!“ „Das sieht für mich wie eine ganz normale Hand aus“, sagte Bosworth. „Sie ist normal! Das ist ja das Wunder. Vor ein paar Jahren fiel ich vom Pferd und stürzte auf diese Hand. Seitdem ist sie verkrüppelt und unbrauchbar gewesen – bis jetzt!“ Er bewegte seine Finger energisch, um zu veranschaulichen, wie gut sie funktionierten.

Bosworth fragte: „Warum sind Sie nicht durch die Gebetsreihe gegangen wie die anderen?“

„Ich bin heute Abend als Kritiker gekommen. Je länger ich zusah, desto mehr glaubte ich, dass Gott Wunder vollbringen kann. Als ich sah, wie das Mädchen ihre Schienen abnahm, wusste ich, dass Gott auch meine verdorrte Hand heilen kann.“

Bosworth schlängelte sich seinen Weg nach vorne, erlangte Bills Aufmerksamkeit und sagte: „Reverend Branham, ich bin ein Prediger des Evangeliums, und ich möchte Ihnen eine Frage stellen. Woher wussten Sie, dass der Mann dort hinten genug Glauben hatte, geheilt zu werden?“ „Mit einem Mal fühlte ich mich geschwächt“, erklärte Bill. „Ich wusste, irgendjemandes Glaube zog fest an der Gabe, und so begann ich umherzusehen. Es war, als würde mein ganzes Blickfeld auf diesen Mann verengt.“

Fred Bosworth klatschte vor Erstaunen in die Hände. „Das ist exakt, was mit Jesus geschah, als die Frau mit dem Blutfluss Sein Gewand berührt hatte. Er sagte, dass Er gespürt hatte, wie Kraft von Ihm ausgegangen war. Darf ich ein paar Worte an die Zuhörer richten?“

„Aber bitte.“

Bosworth ging zum Mikrofon und teilte allen das Wunder mit und fügte hinzu: „Das beweist, dass Jesus Christus derselbe ist, gestern, heute und in Ewigkeit. Die Gabe, die in Jesus Christus war, ist wie der gesamte Atlantische Ozean, der hier draußen gegen den Strand schlägt. Die Gabe, die in unserem Bruder ist, wäre vergleichbar mit einem Löffel Wasser, der diesem Ozean entnommen ist. Aber dieselben Stoffe und Mineralien, die im Ozean sind, sind auch in dem Löffel Wasser.“

Am nächsten Abend aßen Fred Bosworth und Bill zusammen im Hotel. Bosworth erzählte Bill von einigen Wundern, die er in seinem 40-jährigen Dienst gesehen hatte. „Doch in all den Jahren“, hob er hervor, „habe ich nichts gesehen, das mit der Versammlung von gestern Abend vergleichbar gewesen wäre.“

So teilte Bill dem älteren Prediger mit, wie der Engel des Herrn ihm 1946 begegnet war und ihn beauftragt hatte, eine Gabe der göttlichen Heilung den Völkern der Welt zu bringen. Er erklärte das Zeichen in seiner Hand, wie er viele Krankheiten anhand der Schwingungen erkennen konnte, die vom dämonischen Leben der Krankheit verursacht wurden, was seine Hand anschwellen und ein Muster weißer Beulen auf seinem Handrücken entstehen ließ.

Plötzlich vergaß Fred Bosworth seinen Ruhestand. „Bruder Branham, kannst du meine Erfahrung irgendwie gebrauchen? Ich würde gerne mit dir reisen und dir aushelfen, wo immer ich kann.“

„Bruder Bosworth, es wäre mir eine Ehre, deine Gesellschaft zu haben. Ich bete gerade darum, einen Manager zu bekommen.“

Sie verließen das Hotel und spazierten am Strand entlang und sprachen über das Zweite Kommen Christi. Die Sonne ging hinter dem Strandhotel unter. Schäumende Wellen erreichten die Füße der beiden Männer. Bill bemerkte Bosworths federnden Schritt, der sich sehr von seinem eigenen schleppenden Gang unterschied. Bill fühlte sich erschöpft, und das, obwohl er heute lange ausgeschlafen hatte. Es schien, als könnte er kaum seinen Fuß aus dem Sand heben. Er fragte: „Bruder Bosworth, wie alt bist du?“

„Einundsiebzig.“

„Wann hast du dich am kräftigsten gefühlt?“

„Genau jetzt, Bruder Branham. Ich bin einfach nur ein Kind, das in einem alten Haus wohnt.“

Bill beneidete solche Lebenskraft. Hier war er, 38 Jahre alt, beinahe tot vor Erschöpfung. Was zog ihn so tief herunter?

Im März war für Bill wieder ein Heilungsfeldzug in Phoenix einge plant, diesmal für eine Woche. Am Tag seiner Ankunft in der Stadt, erwähnte er seine chronische Erschöpfung dem Prediger gegenüber, der diese Versammlungen finanzierte.

„Bruder Branham“, sagte der Prediger, „dein Problem ist, dass du zu aufrichtig bist. Nachdem du für die Kinder Gottes gebetet hast, solltest du sie einfach vergessen. Schließlich ist es Gottes Sache, ob Leute ihre Heilung annehmen oder nicht.“

„Ich wusste gar nicht, dass ich zu aufrichtig beim Werk des Herrn sein kann“, bemerkte Bill. „Ich dachte, je aufrichtiger ich sei, desto besser könne Gott mich gebrauchen.“

„Wenn du dieses Tempo beibehältst“, warnte der Pfarrer, „wirst du einen Nervenzusammenbruch bekommen.“

Bill fuhr hinaus in die Wüste, um zu beten. „Himmlischer Vater, wie kommt es, dass ich so schwach werde? Andere Prediger haben dieses Problem nicht. Bruder Bosworth erzählte mir, er habe ein Tempo wie das meine jahrelang beibehalten, und es hat ihm nie etwas ausgemacht. Vielleicht hat er mehr des Heiligen Geistes als ich. Wenn das mein Problem ist, Herr, gib mir mehr vom Heiligen Geist, dass ich es besser durchhalten kann.“ Er hielt inne und starrte über die Weite der Wüste, die mit Prickly Pear-Kakteen, Palo Verde und Mesquite Bäumen übersät war. In der Ferne ragten raue Berge scharf aus dem flachen Wüstengrund empor. Während Bill lauschte, schien es, als hörte er Gott zu sich sprechen – nicht hörbar, sondern in seinen Gedanken: „Jene Männer verlassen sich auf ihren eigenen Glauben und predigen durch ihre Worte. Deine Kraft wird aufgezehrt durch eine übernatürliche Gabe.“

Plötzlich wurden ihm bestimmte Schriftstellen lebendig. Er erinnerte sich, wie der Prophet Daniel eine Vision sah und dadurch viele Tage körperlich geschwächt war. Bill erinnerte sich auch an Fred Bosworths Bemerkung über die Frau, die geheilt wurde, als sie den Saum des Gewandes Jesu berührt hatte. Jesus sagte, dass er gespürt hatte, wie Kraft von ihm ausgegangen war. An jenem Nachmittag, als Bill die Wüste verließ, schwankte sein Körper noch immer am Rande eines Zusammen bruchs, aber zumindest verstand er jetzt, warum.

Während seines zweiten Abends in Phoenix, als sich die Gebetsreihe ihrem Ende nahte, nahm Bill die Hand einer schwergewichtigen Frau. Zunächst konnte er die Schwingungen, die er spürte, nicht interpretieren. „Sie haben entweder Krebs oder ein Frauenleiden; beide schlagen fast gleich an. Einen Augenblick ... es ist ein Frauenleiden. Stimmt das? Es ist schon fast Krebs. Ihr Leben war nicht auf Rosen gebettet. Nein, Sie hatten eine Menge Mühsal. Aber heute Abend kann Jesus Christus Ihre Lasten nehmen, wenn Sie es glauben.“

Der Nächste in der Reihe war ein gut gekleideter Mann mittleren Alters. Bill nahm die Hand des Mannes. „Herr, ich fühle keine Vibrationen. Was auch immer Ihre Schwierigkeit ist, sie ist nicht durch Keime verursacht.“

Der Mann weinte. „Bruder Branham, ich glaube, ich habe die Rolle eines Heuchlers gespielt, indem ich in die Gebetsreihe kam, obwohl ich nicht krank bin. Aber ich sah keine andere Möglichkeit, zu Ihnen zu gelangen. Ich hörte, Sie sind ein mittelloser Mann. Ich möchte Ihnen eine kleine Spende geben.“ Er hielt einen Scheck hin.

Bill schob den Scheck sanft beiseite. „Ich nehme keine Opfergaben an.“ „Schauen Sie, ich möchte nur meine Dankbarkeit dem Herrn gegenüber zeigen. Gestern Abend habe ich meine Frau in einem Rollstuhl durch die Gebetsreihe gebracht. Nachdem Sie für sie gebetet hatten, konnte sie zum ersten Mal seit 16 Jahren gehen.“

„Aber ich habe sie nicht geheilt“, sagte Bill nachdrücklich. „Jesus Christus hat sie geheilt.“

„Ich bin im Ölgeschäft in Texas und habe diesen Scheck über 25.000 Dollar auf Ihren Namen ausgestellt ... “

Bill nahm den Scheck aus den Händen des Mannes, riss ihn entzwei, legte die Hälften übereinander, und riss diese nochmals entzwei. Dann gab er ihm die Papierstücke zurück.

„Ich will Ihr Geld nicht. Was ich will, ist, dass Ihr Glaube fest auf Jesus Christus gegründet ist.“

Die letzte Person, für die an jenem Abend gebetet werden sollte, war eine Frau, die mühsam herangehumpelt kam. Ihr Ehemann stützte sie, als sie sich die Stufen hinaufmühte, wo Bill auf sie wartete.

Bill sagte, als er die Hand der Frau ergriff: „Ich spüre keine Vibrationen in Ihnen.“

„Ich habe Arthritis“, sagte die Frau.

„Das erklärt es“, erwiderte Bill. „Die Vibrationen kommen von Keimen. Ich kann Ihr Problem nicht fühlen, weil Arthritis durch Säure verursacht wird. Dennoch, Jesus Christus kann Sie befreien, wenn Sie glauben, dass Er es kann. Die Gabe, die Er mir gab, heilt nicht. Die Gabe ist dazu da, den Glauben der Menschen zu stärken. Jesus Christus ist der einzige Heiler.“ Als Bill für die Frau betete, wurden ihre Augen glasig, und ihre Muskeln entspannten sich, als wäre sie in Trance gefallen. Während der gastgebende Prediger zum Mikrofon ging, um die Versammlung zu schließen, stand die Frau wie benommen da, ihre Augen auf Bill geheftet, während dieser vom Podium und durch eine Nebentür hinausschwankte. Ein paar Tage später wünschte der Ehemann dieser Frau, Bill im Hotel zu sprechen. Bill ließ ihn eintreten.

„Bruder Branham, Sie sind mir nie begegnet, aber Sie haben meine Frau am Anfang der Woche in der Gebetsreihe getroffen. Sie hatte Arthritis, und sie war die letzte Person, für die Sie an jenem Abend gebetet haben.“

„Ja, ich erinnere mich. Wie geht es ihr?“

„Mit ihrer Arthritis scheint es besser zu werden, aber irgend etwas anderes stimmt nicht. Sie spricht, als würde sie fantasieren.“ „Wie meinen Sie das?“

„Nachdem Sie für sie gebetet hatten, war sie in Trance, bis wir zu Hause waren. Am nächsten Morgen fragte sie mich: ‚Wer war der andere Mann, der mit Bruder Branham mitkam, als er für mich betete?‘ Und ich sagte: ‚Da war kein anderer Mann‘. Sie erwiderte: ‚O doch, da war einer. Es war ein großer Mann mit dunkler Haut und schwarzem Haar, das bis fast an seine Schultern reichte‘. Bruder Branham, wovon redet sie? Sie waren völlig allein auf der Plattform.“

Bill wusste, dass sie den Engel des Herrn gesehen hatte, wollte das aber noch nicht sagen. „Sind Sie oder Ihre Frau schon vorher in meinen Versammlungen gewesen, oder haben Sie mich meine Geschichte erzählen hören?“

„Nein, wir haben nie von Ihnen gehört, erst jetzt in dieser Woche.“ „Ich verstehe. Erzählen Sie mir mehr von dem ‚anderen Mann‘, den Ihre Frau mit mir auf der Plattform gesehen hat. Was hat er gemacht?“ Bills Besucher wurde unruhig, als wäre er besorgt, seine Geschichte würde unglaubwürdig klingen.

„Sie sagte, sie sah diesen Mann auf Sie herunterschauen, während Sie für sie beteten. Als Sie fertig waren, schaute dieser Mann meine Frau an und sagte: ‚Sie sind gekommen auf der Suche nach Heilung. Machen Sie sich keine Sorgen – Bruder Branhams Gebet wird erhört, und Sie werden geheilt werden‘. Dann sah der Mann wieder Sie an und sagte zu meiner Frau: ‚Sieht Bruder Branham nicht schmächtig und gebrechlich aus? Aber er wird nach einer Weile wieder bei Kräften sein‘. Dann, als Sie gingen, beobachtete sie diesen Mann, wie er geradeswegs mit Ihnen zur Nebentür hinausging. Bruder Branham, ich war auch da. Ich weiß, dass Sie und meine Frau die Einzigen waren, die dort standen. Was halten Sie von all dem?“

Sachlich erklärte Bill: „Das ist der Engel des Herrn, der mir erscheint. Ich bin froh, dass Sie gekommen sind und mir das erzählt haben. Ich bin so müde und ausgelaugt – es tut gut zu wissen, dass ich nach einer kurzen Zeit wieder in Ordnung sein werde.“

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