1936
Als wolle er sein schlechtes Gewissen beruhigen, vermehrte William Branham seine evangelistischen Tätigkeiten in der Gegend um Jeffersonville. Davon überzeugt, dass seine Lebensgeschichte andere inspirieren könnte Gott zu vertrauen, schrieb Bill einige seiner persönlichen Erfahrungen nieder und ließ sie in einer 15-seitigen Broschüre drucken. Er entnahm den Titel aus Hebräer 13, Vers 8: „Jesus Christus, derselbe gestern, heute und in Ewigkeit“ und unterzeichnete sein Werk mit „von Rev. Wm. (Billy) Branham.“
Im Vorwort schrieb er:
„Dieses Buch ist geschrieben worden, damit jeder, der es liest, weiß, dass Jesus Christus noch heute Menschen rettet und heilt. Es ist mein fester Glaube, dass Er bald wieder erscheinen wird. Dieses Buch erzählt, wie Er einen armen Jungen auserwählte und ihn zum Predigtdienst rief, wie der Junge eine Zeit lang vor Ihm davonlief und sich dann mit seinem ganzen Herzen Ihm zuwandte.“
Auf der nächsten Seite ließ Bill ein Gebet folgen:
„Oh Vater im Himmel, bitte segne jeden, der dieses Buch liest! Lass sie wissen, dass Du bald eine machtvolle Gemeinde rufen wirst, wie wir es nie zuvor gesehen haben! Wir glauben Dir noch heute. Schaffe ein Sehnen in jedem Herzen und, oh gerechter Gott, hilf Deinem demütigen Diener, Deine Botschaft weiterzugeben!
Ich weiß, dass Du mich im Schilfrohr verstecktest, wie Du es mit Mose zu einem bestimmten Zweck getan hast.
Vater, so hilf mir, Deinen Namen zu verherrlichen! Ich bitte dies in Jesu Namen. Amen.“
Die folgenden sieben Seiten beleuchten die Höhepunkte in Bills unge wöhnlichem Leben, beginnend wie seine Mutter und er im Schneesturm gestorben wären, wenn nicht ein Nachbar eingegriffen hätte. Er erzählte von der Stimme, die aus den Zweigen eines Baumes zu ihm gesprochen hatte, als er sieben Jahre alt gewesen war und die ihm sagte: „Trinke oder rauche niemals und beflecke deinen Leib in keiner Weise. Denn es wird ein Werk für dich zu tun sein, wenn du älter wirst.“ Dann erwähnte er seine Reise nach Arizona im Jahr 1927 und berichtete, wie der Tod seines Bruders Edward ihn nach Hause zurückgeführt und ihn gezwungen hatte, über das nachzudenken, was jenseits dieses Lebens lag. Er schrieb darüber, wie er während seiner Arbeit für das öffentliche Versorgungsunternehmen eine Gasvergiftung erlitten hatte und von der anschließenden Operation und der Vision eines Kreuzes aus Licht, das ihn zu Gott gebracht hatte. Dann beschrieb er seine eigene übernatürliche Heilung von einem Magenleiden und schwerem Astigmatismus, seine Berufung zum Predigtdienst und schließlich den Feuerball, der über seinem Haupt erschienen war, als er 1933 im Ohio taufte.
Er schloß das Büchlein mit folgenden Worten:
„Lieber Leser, wenn ich in diesem Buch nur Raum hätte von den zahlreichen Dingen zu erzählen, die geschehen sind!
Davon, wie unser Gemeindehaus gebaut wurde und wie viele mächtige Erweckungsvers ammlungen wir abgehalten haben. Menschen sind von nah und fern gekommen, um geheilt zu werden. Aber dieses Buch darf nicht zu umfang reich werden, damit es zu einem geringen Preis, für jeden erschwinglich, verkauft werden kann. Diese Dinge sollen Sie erkennen lassen, dass Jesus Christus immer noch derselbe ist, der Er gestern war und heute ist und in Ewigkeit sein wird, und dass Sie Ihm glauben sollten und gerettet werden. Sollten unsere Erweckungsversammlungen in Ihrer Nähe stattfinden, besuchen Sie diese bitte, wenn möglich.“
Es folgten zwei Seiten mit Zeugnissen von Menschen, die auf übernatürliche Weise aufgrund von Bills Gebeten geheilt worden waren, einschließlich der Zeugnisse von Herrn Merrill und Frau Der Ohanion, den ersten beiden Menschen, die Bill in Visionen geheilt werden sah, bevor es geschah.
Herr Merrill schrieb:
„Ich lag im Krankenhaus in New Albany, Indiana, als ich von Bruder Branham hörte. Ich war von einem Auto ange fahren worden. Nahezu all meine Rippen waren gebrochen, mein Rücken verrenkt. Medizinisch gesehen war ich ein hoffnungsloser Fall.
Bruder Branham betete für mich und augenblicklich waren meine Rippen wieder an ihrem Platz und mein Rücken in Ordnung. Der Arzt konnte es nicht begreifen. Ich stand auf, zog meine Kleidung an, ging nach Hause und zur Arbeit.
Preis Gott für Seine Heilungskraft.“
William H. Merrill 1034 Clark Straße New Albany (Indiana)
Frau Der Ohanion schrieb:
„Ich war seit Jahren verkrüppelt, lange Zeit ans Bett gefesselt. Meine Glieder waren verformt, sodass ich nicht gehen konnte. Der Arzt sagte, ich werde niemals wieder gehen können. Ich hörte von Bruder Branham und wie Gott seine Gebete erhörte. Und so rief ich ihn. Er und ein anderer junger Mann namens DeArk kamen und beteten für mich.
Sofort waren meine Glieder geheilt. Ich konnte wieder laufen. Ich kann immer noch laufen. Das alles geschah vor vier Jahren. Ich preise Gott für Seine wunderbare Macht.
Frau Mary Der Ohanion 2223 East Oak Straße New Albany (Indiana)
Das Büchlein endete mit einer zweiseitigen Predigt über die Kraft Jesu Christi, die heute noch heilt. Bill schrieb:
„Viele, die die Bibel lesen, sagen: „Wenn ich doch nur in der Zeit der Bibel gelebt hätte, dann würde ich zu Jesus gehen und Er würde mir helfen.“ Freund, Er ist heute hier, um dir zu helfen, genauso wie in jenen Tagen. Glaube nur dem Heiligen Geist, Er ist der Zeuge Jesu. Bitte, glaube Ihm, gerade wo du bist und du wirst geheilt werden.“
Bills Gemeindemitglieder verteilten Kopien der Broschüre Jesus Christus, derselbe gestern, heute und in Ewigkeit an ihre Freunde und Verwandte, die diese wiederum an ihre Freunde und Nachbarn weiterverteilten. So fand dieses unauffällige Büchlein schon bald seinen Weg in zahlreiche abgelegene Orte und bewirkte dort einige aufsehenerregende Wunder ...
Später im Sommer des Jahres 1936 wollten Bill und Hope nach Fort Wayne, Indiana, um Hopes Vater zu besuchen. Bill hatte es mit der Abfahrt eilig, denn er könnte, wenn sie rechtzeitig dort ankämen, am Samstag noch am Abendgottesdienst im Redigar Tabernacle teilnehmen, einer Gemeinde, die er immer gern besuchte, wenn er in Fort Wayne war.
„Hope, du wirst nicht etwa noch baden, bevor wir fahren, oder?“ Bill sah nervös auf seine Uhr.
„Es wird nicht lange dauern. Aber Bill, wenn wir heute Abend zur Gemeinde gehen, werde ich neue Strumpfhosen brauchen. Kannst du, während ich mich fertig mache, nicht schnell zu J.C. Penney gehen und mir welche kaufen?“
„Wenn wir dann eher fahren können.“
„Ja sicher. Hier sind 60 Cent. Aber achte darauf, dass du Chiffon bekommst, nicht die aus Rayon! Und achte darauf, dass es formgerechte sind! Kannst du dir das merken?“
„Klar, formgerechte Strumpfhosen aus Chiffon.“
Chiffon war reine Seide, anschmiegsam und luxuriös. Obgleich dreimal teurer als Rayon, wurde Chiffon von allen Frauen bevorzugt, die elegant und modern sein wollten. Rayon dagegen wurde häufig von älterer Frauen gewählt, die mehr Wert auf Sparsamkeit und Nützlichkeit legten als auf Aussehen. Bill Branham wusste wenig über die Mode der Damenwelt und hatte Schwierigkeiten, sich den Unterschied zwischen Chiffon und Rayon zu merken. Um sicherzustellen, dass er nichts vergaß, wiederholte er auf dem Weg zum Laden immer wieder: „Chiffon ... Chiffon ... Chiffon ... “ Jemand grüßte im Vorbeigehen und er antwortete „Hallo“, und fuhr fort, immer wieder „Chiffon ... Chiffon ... Chiffon ... “ vor sich herzusagen.
Dann traf er Orville Spon, einen alten Anglerfreund. Orville sagte: „Billy, wusstest du, dass die Barsche drüben auf der anderen Seite an der letzten Anlegers telle gut anbeißen? Einige von ihnen sind so lang.“ Orville zeigte mit den Händen die Größe an.
Bill pfiff vor Bewunderung. Die beiden Männer diskutierten dann noch einige Minuten über Köder und Angelmethoden. Als Bill weiterging, hatte er vergessen, was für Strumpfhosen er kaufen sollte. Was sollte er jetzt tun? Es wäre ihm peinlich, nach Hause zurückzugehen und Hope zu sagen, dass er es vergessen hatte. Außerdem würde es viel zu lange dauern. Da fiel ihm Thelma Ford ein, eine Freundin, die in einem nahegelegenen Einkaufsladen arbeitete. Sie würde ihm wahrscheinlich sagen können, was er wissen musste.
Als er durch die Tür kam, hielt Bill in der Sportabteilung an, um sein Lieblingsg ewehr, eine .22er Kaliber Büchse, auf dem Ständer zu bewundern. Es war eine wunderschöne Waffe, perfekt für die Eichhörn chenjagd. Bill wollte sie schon seit länger als einem Jahr kaufen. Aber sie kostete $17,00 – und er konnte nicht einmal die $3,00 für die Anzahlung zusammenkratzen. Nun, vielleicht eines Tages ...
Thelma Ford kam herüber. „Hallo, Billy. Kann ich dir helfen?“ „Hallo, Thelma. Hope hat mich gebeten, ihr ein Paar Socken zu kaufen.“ Thelma rümpfte die Nase. „Aber Billy, Hope will keine Socken.“ „Ja doch, sie möchte formgerechte.“
„Ach, du sprichst von Strumpfhosen. Welche möchte sie denn?“ Bill, der sich töricht vorkam und nicht vorhatte, seine Unwissenheit noch deutlicher zu zeigen, beschloss, sich mit einem Bluff zu retten. „Welche Sorten hast du denn?“
„Wir haben alles von Rayon bis ...“
„Das war es, was sie wollte. Rayon. Wieviel kosten sie?“ „20 Cent .“
„Dann nehme ich gleich zwei.“
Selbstgefällig ging Bill nach Hause und neckte Hope: „Ihr Frauen prahlt immer, welch gute Einkäufer ihr doch seid. Und du fährst über den Fluss hinüber nach Louisville und jagst den ganzen Tag nach Schnäppchen, während ich einfach in unsere Innenstadt gehe und mit dem Geld, das du mir für ein Paar gegeben hast, gleich zwei Paar Socken kaufe und sogar noch etwas Geld übrig behalte.“
„Hast du denn auch Chiffon gekauft?“
„Ja, hab ich.“ Chiffon, Rayon – für ihn hörte sich das alles gleich an. Hope nahm die Tüte und blickte hinein. Sie lächelte. „Ja, Bill, da hast du ja ein richtiges Schnäppchen gemacht.“
Als sie spät am Nachmittag in Fort Wayne ankamen, war Bill ein wenig verärgert, als Hope ihm sagte, sie müsse noch in einen Kaufladen, bevor sie zur Gemeinde gingen. Bill hielt an und Hope eilte hinein. Ein paar Minuten später kam sie mit einer kleinen Papiertüte zurück. Sie sagte ihm nicht, was sie gekauft hatte, und da Bills Gedanken nur damit beschäftigt waren, so schnell wie möglich zum Redigar Tabernacle zu kommen, fragte er sie auch nicht danach. Bill ahnte nicht, wie bald ihn der unbeabsichtigte Fehler dieses Morgens heimsuchen würde.
Der Glanz der Sonne überstrahlte Bills Leben als seine Tochter am 27. Oktober 1936 geboren wurde. Sie nannten sie Sharon Rose – eine Umkehrung der „Rose Sharons“, eine der poetischen Bezeichnungen Jesu Christi. Sharon Rose war ein wunderschönes Baby und Bill liebte sie mehr als den warmen Sonnenschein an einem klaren Herbsttag. Er wusste nicht, dass Sharons Geburt für viele Jahre der letzte Freudenstrahl der Glückseligkeit in seinem Leben sein sollte.
Die dunklen Wolken zogen sich bereits im November zusammen. Zunächst starb Bills Schwägerin. Dann wurde einer seiner Brüder, der 17 Jahre alte Charles Edward Branham jr., getötet. An einem Samstag abend fuhr Charlie per Anhalter auf dem äußeren Trittbrett des Autos eines Betrunkenen mit. Das Auto streifte einen Strommasten, wodurch Charlie heruntergerissen wurde und sich das Genick brach. Bill predigte zu diesem Zeitpunkt gerade in der Gemeinde. Einer seiner Brüder überbrachte ihm die Nachricht. Sofort beendete Bill den Gottesdienst, aber als er im Krankenhaus ankam, war Charlie bereits tot. Bills Vater traf der Tod des jungen Charlie besonders hart. Noch immer bei schlechter Gesundheit und hoffnungslos verarmt, begann Charles Branham sn. über sein eigenes Leben nachzudenken – sowohl über seine Vergangenh eit als auch über seine Zukunft. Eines Morgens sah Bill ihn weinend auf einem Pflug sitzen. Bill fragte ihn: „Was ist los, Vater?“ „Du wirst es jetzt nicht verstehen, Billy, aber eines Tages wirst du es. Ich möchte meine alte Heimat wiedersehen. Ich bin jetzt 52 Jahre alt und seit gut 25 Jahren nicht mehr dort gewesen.“
„Wenn du dorthin möchtest, Vater, gebe ich dir das Geld für die Fahrt.“ Und ein letztes Mal besuchte Charles seinen Geburtsort in der Nähe von Burkesville, Kentucky. Als er nach Jeffersonville zurückkehrte, saß er in einer Schänke und dachte darüber nach, wie er sein Leben durch Alkohol ruiniert hatte. Ein Mann bot ihm einen Drink an. Schlechten Gewissens, aber unfähig sich zu beherrschen, nahm er an. Als die hellb raune Flüssigkeit sein Glas füllte, sagte Charles: „Schaut Jungs, ich habe einen Sohn, der heute Abend auf der Kanzel steht. Dieser Junge ist richtig und ich bin verkehrt. Lasst diesen Drink kein schlechtes Licht auf meinen Sohn werfen!“ Als er das Glas an die Lippen setzte, zitterte seine Hand so stark, dass der größte Teil des Whiskeys auf sein Kinn floss. Die Männer hänselten ihn. Charles brach zusammen und weinte, dann nahm er seinen Hut und ging.
Zwei Wochen später, am 30. November 1936, erlitt Charles Branham einen schweren Herzanfall. Er lebte noch, als Bill sein Bett erreichte. Bill barg den Kopf seines Vaters in seinen Armen. Das schwarze, gelockte Haar begann gerade an den Schläfen zu ergrauen. Bill dachte: „Zu seinen grauen Haaren habe ich meinen Teil beigetragen. Wieviel Herzeleid habe ich ihm bereitet.“ Er sah auf die Hand seines Vaters, an welcher ein Finger fehlte, seit diese in einen Reisswolf geraten war, und dachte Ella und Charles Branham mit Deloris und Donny, zwei ihrer zehn Kinder daran, wie hart dieser Mann gearbeitet hatte, um seine zehn Kinder großzuziehen. Bill gab nichts darum, was andere über Charles Branham dachten; dieser Mann war sein Vater, und er liebte ihn.
Charles sah auf in die Augen seines ältesten Sohnes. „Billy“, flüsterte er, „ich war verkehrt.“
„Daddy, es ist nicht zu spät, sich zu ändern.“
Und dort, am Sterbebett seines Vaters, führte Bill ihn zum Herrn allen Lebens, Jesus Christus. Innerhalb der nächsten Stunde ging Charles Branham seinem Schöpfer zu begegnen. In jenem Augenblick sah Bill einen weißgekleideten Engel vor sich stehen. In seinem Kummer wusste Bill zumindest, dass die Seele seines Vaters in Christus geborgen war.
Das nächste Unglück begann eine Woche vor Weihnachten, als Bills Kinder eine Erkältung bekamen. Schon bald schniefte und hustete auch Hope. Draußen herrschten Minustemperaturen. Hope legte Decken vor die Türschwellen und Handtücher auf die Fensterbretter, um Zugluft zu verhindern. Das half ein wenig, aber da das Haus nur unzulänglich isoliert war, schaffte es der Ofen nicht, die beiden Räume warm zu bekommen.
Im Jahr 1936 fiel der erste Weihnachtstag auf einen Freitag. Am Tag vor Weihnachten fuhr Hope mit einer Freundin hinüber nach Louisville, Kentucky, um in letzter Minute noch einige Geschenke für ihre Kinder zu kaufen. Bill ging wie üblich zur Arbeit. Während seiner Mittagspause eröffnete er ein Konto für Sharon Rose, und zahlte 80 Cent ein – sein Weihnachtsgeschenk für seine zwei Monate alte Tochter. Dann brachte er ein Weihnachtsgeschenk zur Praxis seines Freundes aus Kindheitstagen, Sam Adair, der erst vor kurzem von der medizinischen Fakultät zurück gekehrt war, um eine eigene Arztpraxis in Jeffersonville zu eröffnen. Am Spätnachmittag bekam Bill einen dringenden Anruf. Während ihres Einkaufs in Louisville war Hope auf der Straße ohnmächtig geworden. Jetzt war sie zu Hause im Bett und brauchte dringend seine Pflege. Bill eilte zu ihr und fand Hope fest in Decken eingewickelt und unkontrolliert zitternd vor. Er berührte ihre Stirn. Ihre Haut fühlte sich an wie Feuer. Bill rief Sam Adair, der sofort herüber kam. Doktor Adair schob ein Thermometer unter Hopes Zunge. Er hörte mit dem Stethoskop den Brustkorb ab und sein Blick wurde ernst. Dann überprüfte er die Queck silbersäule. „Du liebe Zeit, sie hat über 40 Grad Fieber. Bill, es ist ernst. Sie hat eine Lungene ntzündung. Du musst ihr die ganze Nacht über Orangensaft geben! Sorg dafür, dass sie heute Nacht mindestens acht Liter trinkt, um das Fieber zu brechen!“
Bill saß die ganze Nacht hindurch an Hopes Bett und gab ihr alle paar Minuten einen Schluck Orangensaft zu trinken. Bis zum Weihnachts morgen war das Fieber um einige Grad zurückgegangen.
Frau Brumbach kam vorbei, um nach ihrer Tochter zu schauen und war entsetzt über den kalten, zugigen Raum. „William, die Heizung hier im Haus reicht nicht aus, um Hope warm zu halten. Ich werde sie mit zu mir nehmen.“
Bill sagte: „Ich will erst Doktor Adair fragen, ob sie transportfähig ist.“ „Adair? Den würde ich gar nichts fragen. Der Junge hat nicht mal genug Verstand, um bei Regen ins Haus zu gehen. Ich werde Dr. Lawrence rufen, um nach ihr zu sehen.“ Und sie ging davon.
Bill rief Dr. Adair an, der ihm riet: „Bill, transportiere sie ja nicht. Wenn du Hope jetzt bei dem frostigen Wetter nach draußen nimmst, wird es sie umbringen.”
„Aber Doktor, ihre Mutter wird es trotzdem tun.“
„Dann trete ich den Fall sofort ab. Bill, ich liebe dich wie einen Bruder, du weißt das. Aber ich kann unter diesen Umständen die Verantwortung für Hope nicht übernehmen. Ich muss den Fall Dr. Lawrence übergeben.“ „Doktor, du weißt in wen ich Vertrauen habe.“
Innerlich aufgewühlt ging Bill hinüber zur Gemeinde, kniete nieder und betete: „Herr, ich liebe meine Frau. Bitte habe Erbarmen mit ihr und heile sie! Wirst Du das tun, Herr?“
Bill sah eine schwarze Decke vor seinen Augen herunterfallen, gleich einem Vorhang, der eine Theateraufführung beendet. Er rang nach Luft vor Schrecken über diese Vision. Dann, während er noch schaute, sah er, wie schiefergraue Wolken die Sonne verdeckten. Sintflutartige Regen fälle gingen über das Land nieder und ließen den Ohio ansteigen, bis schließlich die Deiche, die Jeffersonville schützten, nachgaben und den tiefergelegenen Teil der Stadt überfluteten. Er sah einen Mann mit einer Messlatte in seiner Hand aus dem Himmel herabsteigen und die Höhe des Wassers oberhalb der Spring Straße auf 22 Fuß messen. Die Vision beunruhigte Bill. Bisher war jeder Einblick, den er von der Zukunft erhalten hatte, wahr geworden. Er erzählte die Vision überall in der Stadt, in der Hoffnung, dass Menschen aufmerken und Vorsichtsmaßnahmen ergreifen würden, sodass Leben gerettet werden konnte. Aber diejenigen, denen er von der Vision berichtete, kicherten, lächelten oder brachen in schallendes Gelächter aus. Selbst manche Mitglieder seiner eigenen Gemeinde waren skeptisch – wie der ältere Jim Wiseheart, der sagte: „Billy, die schlimmste Flut, die wir jemals hatten, war 1884 und selbst damals stand das Wasser nur ungefähr 15 Zentimeter über der Spring Straße.“
Bill wiederholte die Vision. „Ich sah einen Mann aus dem Himmel herabkommen, eine Messlatte nehmen, diese bei der Spring Straße auf den Grund stoßen und hörte ihn sagen: „22 Fuß!“
Jim Wiseheart spottete: „Ach Billy, du bist nur aufgeregt.“ „Ich bin nicht aufgeregt. Es ist: So spricht der Herr! Und darüber hinaus hat mir derselbe Gott, der mir gesagt hat, dass eine Flut kommen wird, einen schwarzen Vorhang gezeigt, der zwischen Ihn und mich gekommen ist. Irgende twas hat uns voneinander getrennt. Er hört mich nicht, wenn ich für meine Frau bete. Ich befürchte, sie wird nicht wieder gesund.“