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Übernatürlich

Übernatürlich – Buch 2

Sein zukünftiges Gotteshaus

1933

Von den Hunderten von Menschen, die an William Branhams erstem evangelistischen Feldzug im Juni 1933 teilgenommen hatten, kehrten die meisten wieder in ihre eigene Heimatgemeinde zurück, nachdem die abendlichen Versammlungen im Zelt zu Ende gegangen waren. Aber einige hatten sich erstmals für Christus entschieden und gehörten vorher keiner Gemeinde an. Viele dieser Menschen besuchten nun Bills sonntägliche Gottesdienste. Die gemietete Masonic Halle war schon bald zu klein, um der Menge bequem Platz zu bieten, sodass Bill gezwungen war nach einem anderen Gebäude zu suchen.

Auf der Ecke 8th/Penn Straße in Jeffersonville, nicht weit von dem Ort entfernt, an dem er mit seiner Familie wohnte, führte die Straße um einen kleinen, seichten Teich herum, der mit Seerosen bewachsen war. Auf seinem Weg von der Masonic Halle nach Hause kniete Bill im Gestrüpp am Teichrand nieder, um über dieses unvorhergesehene Problem zu beten. „Herr, was soll ich tun? Wo soll diese Gemeinde nach Deinem Willen hin?“

Er blickte auf die runden, grünen Seerosenblätter, die wie eine Anzahl Teller auf dem Wasser schwammen. Wie wunderschön die Blüten waren, einige rosafarben, andere weiß. Seerosen erstaunten ihn: Wie sie aus Schmutz und Schlamm am Boden eines Teiches beginnen konnten, sich ihren Weg hinauf zum Sonnenlicht zu bahnen, um am Ende so rein und anmutig vollendet zu sein. Sie erinnerten Bill an sein eigenes Leben, das sich erst vor kurzem aus dem Schmutz der Sünde zu dem Sonnenlicht der Liebe Jesu Christi erhoben hatte. Wie wunderbar war der Herr, dass Er ein solches Wunder vollbringen konnte. Dann kam es ihm wie eine Offenbarung, pfeilschnell vom Throne Gottes gesandt: Hier würde sein Gemeindehaus stehen, genau hier, wo sich der Seerosenteich befand. Bill stand auf und schritt durch das Schilf am Rande des Teiches. Sein Herz schlug vor Aufregung. Ja, das wäre perfekt, er könnte bauen ...

Zweifel befielen ihn, noch ehe die Offenbarung richtig gegriffen hatte. Wie konnte er dieses Grundstück kaufen und ein Gemeindehaus darauf bauen, wo er doch kaum sich selbst, seine Mutter, seine Brüder und seine Schwester ernähren konnte? Er war ein armer Mann, predigte einer Gemeinde mit armen Leuten während einer der schlimmsten Wirtschaftskrisen, die dieses Land jemals erlebt hatte. Viele der Männer in seiner Gemeinde waren arbeitslos. Die Finanzierung eines Neubaus glich einem unwirklichen Traum. Und dennoch, wenn dies wirklich eine von Gott gegebene Offenbarung war, dann würde es irgendwie einen Weg geben ...

Bill sprach mit den Mitgliedern seiner Gemeinde darüber. Und erstaun licherweise war die Gemeinde in der Lage durch Zusammenlegen der mageren Einkünfte die Anzahlung aufzubringen. Baupläne wurden entworfen, ein Kredit aufgenommen und der Teich trockengelegt – alles nur eine Angeleg enheit von Wochen. Im Juli wurde das Fundament gegossen und die ersten Betonblöcke wurden auf der Baustelle ange liefert. Bevor die zweite Schicht Betonb löcke hochgemauert wurde, wollte Bill eine kurze Einweihungszeremonie abhalten, während der er selbst den Eckstein auf das rechteckige Fundament legte. Am Morgen der Feierlichkeit wachte Bill gegen sechs Uhr morgens auf. Draußen sangen Vögel ihre Sopranmelodien, während Bienen in Tenorstimmen dazu summten. Die Geißblattranken unter seinem Fenster im zweiten Stock füllten das Zimmer mit dem Wohlgeruch des Sommers. Bill lag lange Zeit im Bett, die Hände hinter dem Kopf verschränkt, trunken von der Freude des Augenblicks, und dachte: „Oh großer Gott, wie wunderbar Du doch bist. Vor einer kleinen Weile war es noch dunkel. Nun ist die Sonne aufgegangen und die ganze Natur jubiliert. Und bald wird die geistliche Welt, die dunkel und kalt vor Sünde ist, ebenfalls frohlocken, denn der Sohn der Gerechtigkeit wird sich erheben mit Heilung unter Seinen Flügeln.“

Als er so dalag, verlangte eine innere Stimme, dass er aufstehen möge. Bill erhob sich und schaute zum Fenster. Plötzlich spürte er eine undefinierbare Gegenwart im Raum, einem Druck ähnlich – aber kein böser, bedrohlicher Druck. Diese Gegenwart bewirkte in ihm eine heilige Ehrfurcht, als wäre der Herr selbst ihm nahe gekommen. Bill suchte die drei Wände in seinem Blickfeld mit den Augen ab. Der Raum schien leer zu sein. Er drehte sich, um hinter sich zu schauen und war augenblicklich in eine Vision eingetaucht.

Er fand sich am Ufer des Jordans stehend, wo Johannes der Täufer Jesus getauft hatte. Bill predigte einer Menschenmenge das Evangelium, als er hinter sich ein Grunzen und Quieken hörte. Er drehte sich herum und sah einen großen Schweinestall, der direkt am Fluss gebaut war. Er war mit Schweinen gefüllt und der Gestank war durchdringend. Bill bemerkte: „Dieser Ort ist beschmutzt. Das sollte niemals sein. Dieses ist heiliger Boden, auf dem Jesus selbst gewandelt ist.“

Dann erschien der Engel des Herrn und entführte Bill von diesem Ort und setzte ihn an der Ecke 8th/Penn Straße in Jeffersonville ab. Auf dem Grundstück, auf dem einstmals ein Seerosenteich gewesen war, stand jetzt ein großes Gebäude aus Betonblöcken mit einem Schild über der Eingangstür: „Branham Tabernacle“. Der Engel trug ihn hinein. Bill wollte seinen Augen kaum trauen. Das Gebäude war überfüllt von Menschen. Nicht nur jeder Platz war besetzt, sondern auch in den Gängen und entlang den Wänden standen und saßen Menschen. Am anderen Ende des Raumes hingen drei Kreuze, eins auf der Vorderseite der Kanzel und je eins zu beiden Seiten. In seiner Vision begab sich Bill zu einem Platz hinter der Kanzel und sprach: „Oh, dies ist wunderbar, dies ist herrlich. Wie gut Du bist, Gott, mir dieses Gotteshaus zu schenken.“ Dann sprach der Engel des Herrn: „Aber dies ist nicht dein Gotteshaus.“ „Aber sicher ist das mein Gotteshaus“, protestierte Bill. Der Engel wiederholte: „Nein. Komm und sieh!“ Der Engel hob Bill hoch und setzte ihn wieder ab, diesmal unter der ausgedehnten Weite eines klaren, blauen Himmels. Der Engel sagte: „Das wird dein Gotteshaus sein!“

Bill schaute umher und fand sich in einem Obstgarten wieder. Etwa sieben Meter hohe Obstbäume standen in zwei geradlinigen Reihen und bildeten eine Allee mit einem allein stehenden großen Baum am Ende der Allee, der so platziert war, dass ein gleichmäßiger Abstand zu beiden Seiten gewahrt wurde.

Die eine Reihe schien aus lauter Apfel-, die andere Seite aus Pflaumen bäumen zu bestehen. Merkwürdigerweise waren ihre Wurzeln in großen grünen Kübeln eingepflanzt. Sowohl zu seiner Linken als auch zu seiner Rechten stand ein leerer Kübel in die Reihe der Bäume eingereiht. Eine Stimme aus dem Himmel donnerte: „Die Ernte ist reif, doch der Arbeiter sind wenige.“

Bill fragte: „Herr, was kann ich tun?“ Während er noch schaute, glichen die Bäume plötzlich den Kirchenstühlen in der Vision seines Gottes hauses, und die drei Bäume am Ende des Ganges nahmen die Form von drei Kreuzen an. Bill fragte: „Was bedeutet das? Und was ist mit den leeren Kübeln?“

Der Engel antwortete: „Du sollst in diese zwei Kübel pflanzen!“ Bill stand in der Mitte zwischen den beiden Baumreihen. Er brach einen Zweig von einem Apfelbaum ab und steckte ihn in den leeren Kübel dieser Reihe. Dann brach er einen Zweig von einem Pflaumenbaum ab und steckte ihn in den leeren Kübel auf jener Seite. Sofort wuchsen aus diesen Kübeln Bäume, die erst aufhörten zu wachsen, als sie die Höhe der anderen Bäume des Obstgartens erreicht hatten.

Als Nächstes schüttelte ein starker Wind die Bäume und eine Stimme sagte: „Du hast wohl getan. Halte deine Hände auf und ernte!“ Bill hielt beide Hände auf. In die eine Hand fiel ein großer, gelber Apfel, fest und reif, in die andere Hand fiel eine große, gelbe Pflaume, weich und reif. Die Stimme sagte: „Iss die Früchte! Sie sind schmackhaft.“ Bill nahm einen Bissen von der einen Frucht, dann von der anderen. Sie waren beide süß, saftig und köstlich. Die Stimme wiederholte: „Die Ernte ist reif, doch der Arbeiter sind wenige.“

Nun bemerkte Bill, dass der große Baum am Ende des Ganges, der immer noch die Form eines Kreuzes hatte, sowohl Äpfel als auch Pflaumen in seinen Zweigen trug. Bill rannte den Gang hinab, warf sich am Baum nieder und fragte: „Herr, was kann ich tun?“

Der auffrischende Wind schüttelte den Baum so stark, dass Äpfel und Pflaumen wie Regentropfen auf Bill hernieder fielen. Die Stimme sagte dreimal: „Wenn du aus dieser Vision heraus kommst, lies 2. Timotheus 4!“

Dann befand sich Bill wieder in seinem Schlafzimmer.

Die Sonne war am Morgenhimmel schon etwas höher gestiegen, was anzeigte, dass einige Zeit vergangen war, während er sich in der Vision befunden hatte.

Bill ergriff seine Bibel und schlug 2. Timotheus auf. Er las das vierte Kapitel langsam, dachte über jedes einzelne Wort nach und versuchte es mit der Vision zu verbinden.

„ ... predige das Wort, stehe bereit zu gelegener und ungelegener Zeit; überführe, weise zurecht, ermahne mit aller Langmut und Lehre! Denn es wird eine Zeit sein, da sie die gesunde Lehre nicht ertragen, sondern nach ihren eigenen Begierden sich selbst Lehrer aufhäufen werden, weil es ihnen in den Ohren kitzelt; und sie werden die Ohren von der Wahrheit abkehren und sich zu den Fabeln hinwenden. Du aber sei nüchtern in allem, ertrage Leid, tu das Werk eines Evangelisten, vollbringe deinen Dienst!“

Bill riss diese Seite aus seiner Bibel heraus und nahm sie mit sich zu der Einweihungs-Zeremonie an der Ecke 8th/Penn Straße. Da es ein Werktag war, konnten nur etwa 50 Leute seiner Gemeinde anwesend sein – die meisten von ihnen Frauen und Kinder. Während Major Ulrey von den Volunteers of America die Kapelle in einem forschen Marsch leitete, setzte Bill den Eckstein fest an seinen Platz in den nassen Zement. Es war eine symbolische Geste. Weil das Neue Testament Jesus Christus als den Eckstein Seiner universellen Gemeinde bezeichnet, erklärte Bill, als er den Eckstein auf das Fundament seines Gebäudes legte, dass diese Gemeinde den Grundsätzen des Hauptecksteins Gottes – Jesus Christus – geweiht sei.

Dann füllten die Menschen Münzen, kleine Andenken und aufgeschriebene Gebetsbitten in eine kleine Blechbüchse und setzten diese Büchse in den hohlen Eckstein. Bill steuerte die Seite der Bibel bei, die er an diesem Morgen aus seiner Bibel gerissen hatte – die Seite, welche die prophetischen Worte enthielt: „Du aber sei nüchtern in allem, ertrage Leid, tu das Werk eines Evangelisten, vollbringe deinen Dienst!“ Branham Tabernacle an der Ecke 8th/Penn Straße in Jeffersonville, Indiana (1933)

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