1946
Die Nachricht von Margie Morgans Heilung machte schnell die Runde von Freund zu Nachbar und bahnte sich auf verschlungenen Pfaden ihren Weg, bis sie schließlich den Mississippi überschritt. Schon bald erhielt Bill ein Telegramm von Reverend Robert Daugherty aus St. Louis (Missouri), der Bill bat zu ihm zu kommen und für seine Tochter Betty zu beten, die an einer unbekannten Krankheit litt. Bill, der darin die Hand Gottes erkannte, teilte seiner Gemeinde mit, dass er gehen würde, sobald er genügend Geld für die Reise gespart hatte. Seine Gemeinde war ebenfalls der Meinung, dass dies im Willen Gottes war. Sie warfen ihre Ersparnisse zusammen und sammelten die $11,00 gleich ein, die für die Fahrkarte erforderlich waren. Bill lieh sich einen Anzug von einem seiner Brüder und nahm den Nachtzug nach Missouri.
Als der Zug am nächsten Morgen in den Bahnhof von St. Louis einfuhr, wartete Robert Daugherty bereits auf ihn. Er sah müde aus. „Bruder Branham, hast du etwas vom Herrn gehört?“
„Nein, Bruder Daugherty. Wie geht es deiner kleinen Tochter?“ Seine Schultern waren gebeugt und seine Stimme klang entmutigt vor Niedergeschlagenheit. „Es geht ihr wirklich schlecht. Komm, ich bringe dich zu ihr!“
Auf dem Weg zu ihr erklärte er: „Meine Tochter leidet bereits seit drei Monaten daran. Die Ärzte sind ratlos. Ihr beständiges Zittern lässt vermuten, dass es sich um das Nervenleiden Veitstanz handelt, aber sie zeigt auch andere Symptome, die nicht zu dieser Diagnose passen. Nichts, was die Ärzte getan haben, hat geholfen. Ich habe für sie gebetet und gebetet, meine Familie hat für sie gebetet, meine Gemeinde hat für sie gebetet und andere Prediger in der Stadt haben für sie gefastet und gebetet. Aber es geht ihr immer noch nicht besser.“
Als sie im Haus ankamen, traf Bill Frau Daugherty. Sie sah ermattet aus, die Augenlider und ihre Mundwinkel hingen herunter. Woche um Woche hatte diese Mutter am Bett ihrer kranken Tochter gewacht. Die kleine, lockenköpfige Betty Daugherty selbst litt unaufhörlich und sah mitleiderregend aus. Ihre Unterlippe war geschwollen und blutrot an den Stellen, wo sie sich in ihrem Schmerz auf die Lippe gebissen hatte. Sie warf sich ständig auf ihren Bettlaken hin und her. Das arme Kind hatte so lange gejammert und geschrien, bis ihre Stimme versagte, dennoch versuchte sie zu weinen.
Bill kniete neben dem Bett und nahm die rechte Hand des Mädchens in seine linke. Es überraschte ihn, dass er keine Vibrationen spüren konnte. Der Engel hatte gesagt, dass er die Krankheit in seiner linken Hand würde fühlen können, und genau das war bei Margie Morgan eingetreten. Warum konnte er sie hier nicht fühlen? Dann erinnerte sich Bill: Der Engel hatte gesagt, dass er nur dann die Vibrationen in seiner Hand fühlen könne, wenn das Leiden von einem dämonischen Leben, einem Keim, verursacht wurde. Das bedeutete, dass Betty Daugherty nicht an einer Krankheit litt. Was peinigte sie aber dann?
Bill betete für das leidende Mädchen ohne unmittelbare Ergebnisse. Da er nicht wusste, was er noch tun sollte, schlug Bill vor, dass er und Reverend Daugherty hinunter zur Gemeinde gehen sollten, um dort fortzufahren, Gott ihr Anliegen zu bringen. Dort, in der Stille des Altarraumes, rangen die beiden Männer drei Stunden lang im Gebet und baten den Allmächtigen Gott, sich über Betty Daugherty zu erbarmen. Bevor sie aufhörten, betete Bill: „Himmlischer Vater, wenn Du das kleine Mädchen gesund werden lässt, verspreche ich Dir, dass ich in den Dienst hinausgehen werde, zu dem Du mich berufen hast. Und ich verspreche Dir noch einmal, dass ich so lange auf dem Feld bleibe, wie Du für meine Bedürfnisse sorgst, denn ich will niemals bei Menschen um Geld betteln müssen.“
Als sie zum Haus zurückkehrten, hatte sich an Betty Daughertys Zustand nichts geändert. Bill saß auf der Couch im Wohnzimmer und betete still. Ständig kamen und gingen Menschen. Nach mehreren Stunden ging Bill nach draußen, um sich die Beine zu vertreten, verweilte aber beständig im Gebet, während er Straße um Straße weiterwanderte.
Als er wiederkam, traf er Großvater Daugherty auf der Veranda und der fragte ihn: „Hat der Herr dir schon etwas gezeigt, Bruder Branham?“ Traurig erwiderte Bill: „Noch nicht.“ Er ging zurück nach drinnen und setzte sich auf die Couch. Und während er aus dem Fenster schaute, veränderte sich das Zimmer. Er sah das Bett des Mädchens, sah Menschen um das Bett versammelt, sah sich selbst etwas mit dem Mädchen tun. Was war es? Noch bevor er es erkannte, verschwand die Vision und er fand sich auf der Couch im Wohnzimmer wieder. Bill wurde klar, was geschehen war. Der Großvater war zurück ins Haus gekommen und hatte damit die Vision vorzeitig abgebrochen.
Der Großvater fragte: „Kann ich dir etwas bringen, Bruder Branham?“ „Nein, danke.“ Bill stand auf und ging zur Eingangstür. „Entschuldige mich bitte, ich muss eine Weile allein sein.“ Er ging nach draußen und setzte sich in Robert Daughertys Auto, wo er Gott darum bat die Vision zurückkehren zu lassen. Schon bald nahmen seine Ohren das rhythmische Geräusch eines Wirbelwindes wahr. Er blickte auf und sah die gleiche Feuersäule, die über dem Engel in der Höhle pulsiert hatte. Jetzt befand sie sich nur knapp über der Motorhaube des Autos.
Die Vision kam unverzüglich: Bill sah ein kleines Mädchen vor dem Haus der Daughertys auf einer schrägen Kellertür spielen, sah sie auf dem obersten Teil der Tür auf- und abspringen, sah sie ausrutschen und in einem Haufen Gerümpel landen. Dann sah Bill, worin ihr Problem bestand und sah, was er tun musste, um ihr zu helfen. Bill riss die Autotür auf, schritt die Einfahrt hinauf und in das Haus. „Bruder Daugherty, hast du Vertrauen in mich als einen Diener Gottes?“
„Ja, Bruder Branham.“
„Ich habe das „so spricht der Herr“ für deine Tochter. Aber ihr müsst exakt das tun, was ich euch sage. Zunächst möchte ich, dass jeder mit Ausnahme der Familie das Haus verlässt.“ Nachdem die zahlreichen Freunde das Haus verlassen hatten, sagte Bill zu der Mutter: „Schwester Daugherty, vor zwei Tagen hast du einen weißen Eimer gekauft und unter das Spülbecken in der Speisekammer gestellt. Du hast bis jetzt noch kein Wasser hineingetan.“
„Bruder Branham, das stimmt. Woher wusstest du das?“
„Gehe in die Küche und hole ihn, fülle ihn mit Wasser und bringe ihn hierher, zusammen mit einem weißen Tuch!“ Als sie zurückkehrte, kniete sich Bill am Bett des Kindes nieder und sagte: „Ich möchte, dass der Großvater auf der einen und der Vater auf der anderen Seite neben mir niederknien! Während ich das Gebet des Herrn spreche, möchte ich, dass die Mutter das Tuch nass macht, es auswringt und mit dem Tuch über das Gesicht des Kindes wischt, dann über ihre Hände und, während ich zum Schluss komme, auch über ihre Füße!“ Bill beugte sein Haupt und begann: „Unser Vater, der du bist im Himmel: Geheiligt werde dein Name! Dein Reich komme! Dein Wille geschehe wie im Himmel, so auch auf der Erde! ... “ Sobald er das Gebet beendet hatte, nahm Bills Stimme den Ton unbedingter Autorität an, und er erklärte: „So spricht der Herr, Betty Daugherty wird geheilt werden. Sie fiel von der Kellertür und dabei sprang ein Rückenwirbel heraus. Drück den Wirbel wieder hinein an seinen Platz und sie wird gesund werden.“
Robert Daugherty drehte seine Tochter auf den Bauch und begann ihr Rückgrat abzutasten. Und richtig, ein Wirbel stand merklich hervor. Mit starken Händen drückte er fest und schnell auf genau die Stelle und der Wirbel sprang wieder hinein. Sofort hörte Betty Daugherty auf zu stöhnen und sich herumzuwerfen. Bald saß sie lächelnd aufrecht im Bett. Im Laufe des Tages gingen Bill und Betty in die örtliche Getränke halle und tranken zusammen einen Milchshake.
Einige Wochen später saß Bill am späten Nachmittag auf seiner Veranda, als die Familie Daugherty vorfuhr. Betty sprang zuerst aus dem Wagen. Ihre blonden Locken flogen, als sie auf Bill zurannte und ihn umarmte. Robert Daugherty setzte sich auf die Veranda und fragte Bill, ob er sich überlegen würde, zwecks einer Erweckungs- und Heilungsversammlung für eine Woche nach St. Louis zurückzukehren. Bill musste nicht lange über das Angebot nachdenken. Er dachte an die Vision, die er im März gesehen hatte, als er im Westen stand und einen großen Berg Brot des Lebens austeilte. St. Louis lag westlich von Jeffersonville. Vielleicht würde diese Erweckungsv ersammlung diese Vision erfüllen. Aber selbst wenn nicht, war Bill der Ansicht, dass er sein Versprechen Gott gegenüber erfüllen und vollzeitlich in seinen neuen Dienst eintreten müsse.
Am nächsten Tag kündigte er seine Stelle bei dem öffentlichen Versorgungsunternehmen Indianas und seine Stelle als Wildhüter des Bundesstaates Indiana. Am Sonntag erzählte Bill seiner Gemeinde von den kommenden Erweckungsv ersammlungen in St. Louis. Er erläuterte sein Vers prechen das er Gott gegeben hatte. Wenn Betty Daugherty geheilt würde, würde er auf das Evangelisationsfeld hinausgehen und dort so lange bleiben, wie Gott für seine finanziellen Bedürfnisse sorgte, sodass er niemals Menschen um Geld bitten müsste. Dann hielt Bill im Branham Tabernacle seine letzte Predigt für viele Jahre. Sein Thema war der kleine David, der den Riesen Goliath, den Krieger der Philister, besiegt hatte. Es schien ihm ein passender Text zu sein, da Bill, ebenso wie der junge David, gegenüber seinen Feinden nur unzureichend ausgestattet war. Er war mittellos, ein Kleinstadtprediger, der im Glauben auszog, um einige Riesen des Bösen in der Welt zu bekämpfen: Krankheit, Schmerz und geistliche Unkenntnis. Aber er machte sich keine Sorgen über seinen Mangel an Qualifikationen und Mitteln, denn er wusste, dass Gott mit ihm war. „Und mit Gott sind alle Dinge möglich“, wie die Geschichte von David und Goliath bewies. Margie Morgan und einige weitere Gemeindemitglieder begleiteten Bill und Meda nach St. Louis. Robert Daugherty mietete ein Zelt in Zirkusgröße und machte die Erweckungsversammlungen in der ganzen Stadt bekannt.
Am ersten Abend kamen nur ein paar Dutzend Menschen zu der Erweckung. Bill erzählte ihnen, wie ein Engel ihm begegnet war und ihm den Auftrag von Gott übermittelt hatte, eine Gabe der göttlichen Heilung den Menschen der Welt zu bringen. Dann bat er Margie Morgan auf die Bühne zu kommen und ihr Zeugnis zu geben – und welch ein herausragendes Zeugnis das war. Vor anderthalb Monaten hatte sich Margie vor Schmerzen im Delirium im Bett hin- und hergeworfen. Ihre Stunden schienen gezählt. Der Krebs hatte ihren Körper hoffnungslos zerstört. Und Gott tat ein Wunder. Jetzt fühlte sie sich so stark und gesund wie nie zuvor im Leben. Anschließend hüpfte Betty Daugherty nach vorne. Sie sah so gesund und kräftig aus, wie ein 7-jähriges Mädchen es nur sein kann. Vor dem Hintergrund dieser beiden Zeugnisse hielt Bill eine kurze Predigt, in welcher er die Menschen ermutigte Gottes Verheißungen hinsichtlich der Heilung absoluten Glauben zu schenken. Dann rief er die Kranken nach vorne. Achtzehn Menschen kamen zum Gebet.
Eine der ersten, für die Bill betete, war eine 70-jährige Frau, die einen Verband um den Kopf trug. Sie hatte auch ein Gewächs in der Größe eines Golfballs auf der Nasenspitze. Bill nahm die rechte Hand der Frau in seine linke und schon wurde Bills Hand feuerrot und begann anzuschwellen. Er konnte die von der Frau ausgehenden Vibrationen in seiner Hand und von dort den Arm hinauf bis in sein Herz aufsteigen fühlen. Er betrachtete die weißen Beulen, die auf dem Rücken seiner angeschwollenen, roten Hand zu sehen waren. Sie bewegten sich in dem gleichen Muster, das er gesehen hatte, als er Margie Morgans Hand genommen hatte. „Es ist Krebs, nicht wahr?“, fragte er.
Die Frau bestätigte es. Nachdem Bill im Namen Jesu Christi für ihre Heilung gebetet hatte, hörte das Pochen in seinem Arm auf, die Schwellung ging zurück und sein Arm kehrte in den normalen Zustand zurück. Bill verkündete, dass sie geheilt sei, selbst wenn der Krebs noch deutlich auf ihrer Nase zu sehen war.
Dann wandte sich Bill einem alten Mann zu, der schwer auf einen Stock gestützt nach vorne gehumpelt war. Der Mann berichtete Bill, dass er bereits seit vielen Jahren verkrüppelt sei. Als Bill die Hand des Mannes ergriff, spürte er keinerlei Vibrationen; also beanspruchte er Gottes Verheißung aus Jakobus 5:14-15: „Ist jemand unter euch krank, so lasse er die Ältesten der Gemeinde zu sich kommen; diese sollen dann über ihm beten, nachdem sie ihn im Namen des Herrn mit Öl gesalbt haben; alsdann wird das gläubige Gebet dem Kranken helfen, und der Herr wird ihn aufrichten.“ Bill berührte die Stirn des Mannes mit einem Tropfen Olivenöl, während er Jesus Christus bat ihn zu heilen. Noch bevor Bill das Gebet beendet hatte, warf der Mann seinen Stock weg und marschierte so gesund und fit von der Bühne, als sei er 20 Jahre jünger. Bill nahm den weggeworfenen Stock auf und hing ihn an das Gestänge über der Plattform, auf der er stand.
Und so verging der Abend mit einer Heilung nach der anderen. An diesem Abend empfingen zwei Taube ihr Gehör und ein Blinder wurde sehend. Natürlich war nicht jede Heilung sichtbar, aber jeder, der zum Gebet nach vorne kam, behauptete, dass etwas Übernatürliches mit ihm geschehen sei, nachdem Bill gebetet hatte. Die Menge ging freudig erregt nach Hause.
Die Nachricht dieser spektakulären Heilungen verbreitete sich schnell durch Mundpropaganda in der Umgebung und am folgenden Abend war jeder Sitz im Zelt belegt. Für den nächsten Abend wurden weitere Stühle herbeigeschafft, aber trotzdem mussten viele Besucher stehen. Und so ging es für den Rest der Woche weiter. Das Zelt war nicht groß genug, um all die Menschen, die hineinwollten, zu fassen. Aber diejenigen, die nicht hineinkamen, gingen nicht nach Hause. Sie drängten sich um den Eingang, um Bill predigen zu hören, in der Hoffnung, dass sie später ebenfalls die Gelegenheit haben würden, zum Gebet nach vorne zu kommen.
Und all die Heilungen! Bill hatte noch nie zuvor so viele Heilungen und Wunder in einer einzigen Woche erlebt. Menschen wurden vom Schielen befreit, von Arthritis, Brüchen, Tuberkulose, Diabetes, Herzproblemen, Kinderlähmung, Tumoren, Krebs, Nervenstörungen, Magenproblemen und dergleichen mehr.
Diejenigen, die krank waren, konnte Bill durch das Zeichen an seiner Hand identifizieren. Er begann ein grundlegendes Verständnis zu entwickeln für das, was die Gabe in seiner Hand ermöglichte. Offen sichtlich vibrierte das Leben jeder durch Keime verursachten Krankheit in einer ihr eigenen Frequenz. Sein linker Arm reagierte physisch auf diese Vibrationen. Die weißen Beulen, die auf seinem Handrücken auftauchten, interessierten ihn am stärksten. Das Muster der Beulen schien bei jeder Krankheit ein anderes zu sein. Wenn er sich die Bedeutung jedes einzelnen Musters einprägte, sollte er in der Lage sein, jede Krankheit zu bestimmen, die durch eine dämonische Gegenwart in Form von Viren oder Bakterien verursacht wurde. Und in der Tat bekam er eine Menge Übung.
Am Samstag wurde ein 93 Jahre alter Mann mit einem langen, weißen Bart zu ihm nach vorne getragen. Er hatte ein Holzbein und ein Glasauge, aber sein Gebetsanliegen bezog sich auf sein Gehör. Er war vollständig taub. Nachdem er mit Öl gesalbt und im Namen Jesu für ihn gebetet worden war, konnte der Mann sogar ein Flüstern hören. Sonntagabend wurde ein 65 Jahre alter, farbiger Prediger nach vorne geführt. Dieser Mann war seit zwanzig Jahren blind. Bill richtete eine Taschenlampe auf sein Gesicht, ohne dass auch nur seine Augenlider zuckten. Er betete für den Mann, salbte ihn mit Öl und rief den Namen des Herrn an. Dann hielt Bill seine eigene Hand vor das Gesicht des Mannes und fragte: „Können Sie meine Hand sehen?“
Der Mann zitterte vor Aufregung: „Ja! Ja, ich kann etwas sehen. Es ist trüb und verschwommen.“
„Das ist meine Hand“, sagte Bill. „Halten Sie den Blick auf sie gerichtet und sagen Sie mir, wenn Sie sie nicht mehr sehen können.“ Bill ging rückwärts und hielt seine Hand in der gleichen Position auf Augenhöhe. Als er den Rand der mehr als 12 Meter langen Plattform erreicht hatte, schaute der Mann plötzlich auf und rief: „Preis sei dem Herrn! Ich kann die Lichter zählen! Und ich kann die Querbalken sehen, an denen sie hängen.“
Am Montagmorgen kamen mehrere Prediger der Stadt zu Bill in sein Hotelz immer und baten ihn darum, seine Versammlungen um eine weitere Woche zu verlängern. Bill sagte, er werde darüber beten und es sie dann wissen lassen. Als die Prediger gegangen waren, knieten Bill und Meda nieder und baten Gott um Führung. Nachdem sie eine Weile gebetet hatten und sie beide still geworden waren, fühlte sich Meda geleitet, aus ihrer Bibel zu lesen. Sie öffnete sie an einer beliebigen Stelle und begann aus Jesaja 42 zu lesen.
„Siehe da, mein Knecht, an dem ich festhalte, mein Erwählter, an dem mein Herz Wohlgefallen hat: Ich habe meinen Geist auf ihn gelegt, damit er das Recht zu den Völkern hinaustrage ... Ich, der Herr, habe dich berufen in Gerechtigkeit und dich bei der Hand gefasst und habe dich behütet und dich zum Volksbund gemacht, zum Licht für die Völker, um blinde Augen zu öffnen, um Gefangene aus dem Kerker hinauszuführen und aus Gefängnissen die, welche in der Finsternis sitzen.“ Bill fühlte, dass dies die Antwort war. Hatte er nicht in dieser letzten Woche gesehen, wie Gefangene befreit, wie die Augen der Blinden geöffnet wurden. Er rief die Prediger von St. Louis zusammen und sagte ihnen, dass er eine weitere Woche mit der Heilungserweckung fortfahren werde.
An diesem Abend predigte er in einem vollen Zelt und betete bis ein Uhr morgens für die Kranken. Weiterhin wurden Gefangene befreit – von Nebenhöhlene ntzündungen, Gallensteinen, Drüsenkrankheiten, Sehstörungen, hohem Blutdruck, Arthritis und Krebs. Nichts schien dem Glauben der Menschen an die Kraft Jesu Christi widerstehen zu können. Ein Mann hatte seit 29 Jahren einen gelähmten Arm. Nach dem Gebet konnte er ihn über dem Kopf schwingen. Eine verkrüppelte Frau, die hereingetragen werden musste, konnte aus eigener Kraft das Zelt verlassen. Ein Mann, der an Knochenschwund im rechten Bein litt, ging und stampfte mit seinem ehemals kranken Fuß auf, ohne den geringsten Schmerz zu verspüren. Eine Frau, die ein kleines Kind auf dem Arm hielt, erzählte Bill, dass das Baby seine Augen noch niemals geöffnet hatte. Bill betete im Namen Jesu Christi und die Augen öffneten sich. An einem Abend brachte ein 11-jähriges Mädchen mit dem Namen Evangeline Getty einen kleinen Jungen nach vorne, der taub war. Als Bill ihre Geschichte gehört hatte, ließ er sie die Geschichte noch einmal in das Mikrofon wiederholen. Evangeline sagte, dass Bobbys Eltern nicht an Gott glaubten. Sie aber glaubte an Ihn, und sie hatte gesehen, was Gott tun kann. Deshalb hatte sie ihren Freund Bobby zur Versammlung gebracht, damit er geheilt werden könne. Bill salbte Bobby mit Öl und betete für ihn im Namen Jesu. Bobbys Gehör wurde wiederhergestellt. Und das war nicht das einzige taube Kind, das geheilt wurde. Eines Nachts, gegen 0:30 Uhr, machte sich Bill gerade bereit den Gebetsgottesdienst zu schließen, als ein Mann laut rufend in das Zelt gestürzt kam. „Bruder Branham, warte! Schließ den Gottesdienst noch nicht!“ Der Mann führte ein 12 Jahre altes Mädchen nach vorne. Er erklärte: „Ich bin ein Prediger aus dem Norden von Illinois. Freunde haben mich angerufen und mir erzählt, wie der Herr Jesus Christus deine Gebete erhört. Ich bin den ganzen Tag gefahren, damit du für meine Tochter beten kannst. Sie hat noch nie in ihrem Leben einen Ton gehört. Sie wurde taub geboren.“ Bill salbte das Mädchen mit einem Tropfen Olivenöl, wandte seine Augen gen Himmel und betete leise: „Bitte, teurer Gott, erstatte diesem Kind das Gehör im Namen Jesu Christi.“
Das Mädchen sprang auf, als ob es sich erschreckt hätte. Sie warf die Hände hoch an die Ohren und rannte zu ihrem Vater. Sie konnte hören. Zu Beginn jedes Abendgottesdienstes kamen immer einige Menschen nach vorne, für die bereits während dieser Erweckung gebetet wurde, um von ihrer Heilung zu berichten, wie die alte Frau, die Krebs an der Nasenspitze gehabt hatte. In derselben Nacht, in der für sie gebetet worden war, war der Krebs abgefallen und hatte eine Vertiefung dort hinterlassen, wo das Gewächs gewesen war. Eine andere ältere Frau zeigte, wie gut ihre Hände nun funktionierten und erklärte, dass ihre Hände in den letzten zwei Jahren nach einer missglückten Operation verkrüppelt und unbrauchbar gewesen waren. Ein Mann, der sich zuvor wegen seiner rheumatischen Arthritis kaum hatte bewegen können, demonstrierte, wie uneingeschränkt er seine Gliedmaßen jetzt bewegen konnte. Eine jüngere Frau berichtete, wie sie sich ihren linken Fuß durch einen Bruch des Mittelfußknochens verletzt hatte, der seitdem unter der Haut hoch stand. Die Ärzte konnten nichts für sie tun. Aber 15 Minuten nach Bills Gebet fühlte sie, wie der Fuß kalt wurde. Als sie nach unten blickte, sah sie mit Erstaunen, dass die Schwellung abgeklungen und der Knochen in die richtige Stellung zurückgegangen war.
An den letzten Abenden der Erweckung drängten sich so viele Menschen zum Gebet um die Plattform, dass Bill sich kaum von einer Person zur anderen bewegen konnte. Mit großer Mühe gelang es ihm, für jeden zu beten, der Gebet wünschte, was bedeutete, dass die Gottesdienste bis zwei Uhr morgens andauerten. Wenn er nachts fertig war, fühlte er sich so schwach, dass Reverend Daugherty ihm zu seinem Wagen helfen musste. Zusätzlich zu dieser anstrengenden Arbeit nahm Reverend Daugherty Bill tagsüber mit auf Hausbesuche, wo er für diejenigen betete, die zu krank waren, um die abendlichen Gottesdienste zu besuchen. Schließlich endete seine erste Heilungserweckung und ließ Bill erwartungsvoll in die Zukunft blicken. Im Glauben war er in seinen neuen evangelistischen Dienst eingetreten, und Gott segnete! Während der letzten elf Tage hatte Bill mehr als 1.000 Menschen berührt und für sie gebetet. Gefangene waren aus ihren Gefängnissen befreit worden, aber es hatte seinen Preis. Körperlich war Bill aufgezehrt. Aber er war zufrieden, denn er wusste, dass er versucht hatte sein Bestes zu geben, um die Sache Christi zu fördern. Leider hatte er in St. Louis ein Muster für seine Kampagnen festgelegt, das ihn in den nächsten zwei Jahren fast völlig zugrunde richten sollte.