1946
Nachdem William Branham seiner Frau vom Auftrag des Engels berichtet hatte, besuchte er umgehend seinen früheren Pastor. Dr. Roy Davis war in der Zwischenzeit zum Bischof aller Missiona rischen Baptistenkirchen in diesem Teil Indianas ernannt worden. Obwohl Bill und Dr. Davis in der Vergangenh eit einige Unstimmigkeiten miteinander ausgetragen hatten, achtete Bill das Urteil des älteren Mannes und betrachtete ihn als seinen Vorsteher. Und jetzt brauchte Bill mehr als jemals zuvor in seinem Leben einen guten Rat. Der Engel hatte ihm das fantastische Bild eines weltweiten Dienstes ausgemalt, ihm jedoch keinen Anhaltspunkt gegeben, wo er beginnen oder in welche Richtung er sich aufmachen sollte. Vielleicht wollte der Herr, dass er im Rahmen der Missionarischen Baptistenkirche begann. Wenn das der Fall war, konnte Dr. Davis ihm helfen zu beginnen. Im Arbeitszimmer des Bischofs beschrieb Bill seine frühere Qual und Niedergeschlagenheit angesichts des Gedankens, dass der Teufel möglicher weise sein Leben beeinflusste. Er berichtete, wie gestern ein Ahornbaum auf ihn zuzustürzen schien und wie er beschlossen hatte, in die Wälder zu gehen und nicht wieder herauszukommen, bis Gott ihm begegnet wäre und ihn von seiner Qual befreit hätte. Er erzählte Dr. Davis von dem wirbelnden Feuerball in der Höhle und dem Engel, der vor ihn trat. Er beschrieb das Gesicht des Engels und begann dann mitzuteilen, was der Engel ihm gesagt hatte – wie er für Könige und Herrscher beten werde und wie Menschen aus der ganzen Welt ihn um Rat aufsuchen werden. An diesem Punkt unterbrach ihn Dr. Davis und äußerte schroff sein Urteil: „Billy, was hast du an jenem Abend gegessen? Du hattest offen sichtlich einen Albtraum.“
Bill empfand, als habe man ihn geschlagen. „Dr. Davis, das schätze ich überhaupt nicht.“
Der ältere Mann hob seinen Arm und wischte die Bemerkung beiseite. „Ach, geh nach Haus und vergiss das alles, Billy! Das ist nur wieder eine deiner Halluzinationen. Du hast ganz einfach eine lebhafte Fantasie.“ „Dr. Davis, du magst mir sagen, ich soll das alles vergessen, aber Gott hat etwas tief in meinem Herzen verankert. Wenn ihr mich nicht haben wollt, gibt es andere da draußen, die mich wollen. Ich bin Gott gegen über verpflichtet in die Welt hinauszugehen und zu predigen.“ Als er sah, wie ernst der junge Mann seine Geschichte über den Besuch eines Engels zu nehmen schien, versuchte Dr. Davis mit ihm zu argumentieren. „Billy, du willst mir also sagen, dass du in die Welt hinausgehen und Tausende für Christus gewinnen wirst – du, mit deinen sieben Schuljahren?“
„Das ist es, was Er mir gesagt hat, und das ist es, was ich glaube.“ „Wie wirst du das tun?“
„Das weiß ich nicht. Ich hatte gehofft, dass du ein paar hilfreiche Vorschläge für mich hättest.“
Dr. Davis lachte in sich hinein. „Mein Vorschlag ist, dass du nach Hause gehst und dich einmal gründlich ausschläfst. Vielleicht bist du etwas vernünftiger, wenn du wieder wach wirst. Glaubst du wirklich, du könntest einer gebildeten Welt mit solch einer Theologie über göttliche Heilung gegenübertreten?“
„Es ist nicht meine göttliche Heilung“, entgegnete Bill. „Es ist Gottes Verheißung. Er war derjenige, der mir diesen Auftrag gab.“ Dr. Davis war nicht beeindruckt. „Glaubst du wirklich, dass dir Leute glauben werden?“
„Das ist nicht meine Sache“, sagte Bill unerschrocken. „Meine Sache ist es, dem Worte Gottes treu zu bleiben.“
„Billy, wenn du so etwas predigst, wirst du zu den Pfosten predigen, die das Dach deiner Gemeinde tragen.“
„Ich werde dann eben den Pfosten Gottes Wort predigen, denn Gott vermag aus diesen Pfosten dem Abraham Kinder zu erwecken. Wenn Gott mich aussendet, wird es jemanden dort draußen geben, der es glauben wird.“ Bill verließ Dr. Davis Haus immer noch fest entschlossen und bereit dem Auftrag des Engels zu folgen, ungeachtet der Folgen oder Schwierig keiten. Und doch hatte der Spott des Bischofs einen winzigen Splitter des Zweifels in seinem Herzen hinterlassen, der ihm den Rest der Woche zu schaffen machte. Schließlich sah das alles wirklich nach einem absurden Traum aus. Wie könnte er – der einfache Billy Branham – den Menschen der Welt eine Gabe der göttlichen Heilung bringen? Vom Verstand her betrachtet, schien es wahrhaft unwahrscheinlich.
Am Freitagnachmittag ging Bill zur Masons Drogerie in der Spring Straße, um seinen wöchentlichen Gehaltsscheck von $28,00 einzulösen und einige Babyfläschchen und Schnuller zu holen, damit die sechs Wochen alte Rebekah beginnen konnte Tee zu trinken. Bill war gerade von der Arbeit nach Hause gekommen und trug noch die Uniform des Wildhüters. Als er sich dem Geschäft näherte, hielt ein Bus aus Louisville an der Haltestelle. Die Fahrgäste stiegen aus und gingen zielstrebig weiter; ein Mann jedoch blieb unschlüssig stehen. Er setzte seinen Koffer auf dem Bürgersteig ab und sah sich um, als sei er verblüfft hier zu sein. Als sein Auge auf Bill fiel, starrte der Mann ihn mit einem seltsamen Gesichtsausdruck an.
Bill ging in die Masons Drogerie und vergaß angesichts seiner Besorgung schnell den merkwürdigen Mann draußen. Als er den Laden wieder verließ, sah er, dass der Mann seinen Koffer aufgenommen hatte und sich der Masons Drogerie näherte. Der Mann erblickte Bill erneut und hielt inne, wobei er Bill mit dem gleichen verwirrten Ausdruck ansah. Einen Augenblick dachte Bill, dass der Mann ihn ausrauben wollte. Dann jedoch wurde ihm bewusst, dass das lächerlich war, denn es war helllichter Tag auf einer belebten Kreuzung und Bill trug ganz offen eine Waffe an seinem Gürtel.
Bill wandte sich, um die Straße hinaufzugehen. Plötzlich fühlte er, wie eine Hand seine Schulter berührte. Er drehte sich um und sah, dass es der rätselhafte Fremde war.
„Entschuldigen Sie!“, sagte der Mann. „Sind Sie ein Beamter?“ „Ich bin Angestellter der Umweltbehörde“, antwortete Bill. „Ich arbeite als Wildhüter für den Staat Indiana.“
Der Mann sprach zögernd, als ob er sich selbst nicht ganz sicher sei. „Ich – äh – ich suche eine – eine bestimmte Person. Vielleicht könnten Sie mir helfen. Kennen Sie sich – äh – vielleicht hier aus?“ „Ich habe praktisch mein ganzes Leben hier verbracht“, antwortete Bill. „Wen suchen Sie denn?“
Jetzt nahm das Gesicht des Mannes wieder einen seltsamen Ausdruck der Verwirrung an. „Ich bin mir nicht ganz sicher. Sie denken vielleicht, ich sei verrückt, aber lassen Sie mich Ihnen meine Geschichte erzählen. Ich lebe in Paducah (Kentucky), ungefähr 300 Kilometer flussabwärts. Seit ungefähr zwei Jahren verschlechtert sich mein Gesundheitszustand. Anfang der Woche hatte ich einen Traum, in dem ich einen großen, strahlenden Engel aus dem Himmel herabsteigen sah, der mir auftrug, nach Jeffersonville, Indiana, zu gehen und jemanden mit dem Namen Branham zu bitten, für mich zu beten. Kennen Sie hier jemanden mit dem Namen Branham?“
Bills Herz pochte vor Aufregung so stark, dass er das Gefühl hatte, es werde gleich aus seiner Brust herausspringen. Er sagte: „Meine Mutter hat eine kleine Pension hier um die Ecke, ihr Name ist Branham.“ „Oh, sie ist eine Branham. Ist das dann auch Ihr Name?“
„Bruder“, sagte Bill, während er dem Fremden den Arm um die Schulter legte, „Anfang der Woche stand ich in einer Höhle, als ein starkes Licht hereinschien und ein Engel mir befahl, auszugehen und für die Kranken zu beten.“
Der Mann brach zusammen und weinte. Bill nahm seinen Hut ab und sie knieten gemeinsam an der Straßenecke nieder und baten Gott dem Mann seine Gesundheit zurückzugeben. Als Bill sein Gebet beendete und die Augen wieder öffnete, sah er, dass Passanten stehen geblieben waren. Männer standen still, die Hüte respektvoll in der Hand haltend, und Frauen hielten ihre Kinder ruhig. Bill hatte das Gefühl, als ob die Nadel Gottes in seine Haut gefahren war und für immer den kleinen Splitter des Zweifels geschickt aus seinem Herzen entfernt hatte. Jetzt war er sicher, dass Gott ihn sandte. Wenn Gott ihn aussandte, würde Er ihm auch einen Weg bahnen!
Als Bill an diesem Sonntag seine Gemeinde betrat, hörte er als Erstes, dass seine Gemeinde ein neues Lied sang. Und ihm gefiel, was er da hörte. (Es war dazu bestimmt, sein Leitgesang zu werden.) Der Rhythmus folgte einem einfachen, aber schönen Muster. Während Bill zuhörte, wie die Menschen den Refrain mit seinen zahlreichen Variationen wiederholten, spürte er die Gegenwart des Engels des Herrn näherkommen, so als ob auch dem Engel dieses Lied gefiel.
Glaube nur, glaube nur, alles ist möglich, glaube nur ...
Jesus ist hier, Jesus ist hier, alles ist möglich, denn Jesus ist hier ...
Jetzt glaube ich, jetzt glaube ich, alles ist möglich, denn jetzt glaube ich ...
An diesem Sonntag stand Bill vor seiner Gemeinde und teilte ihr kühn, ohne den Funken eines Zweifels in seinem Herzen, all das mit, was der Engel ihm gesagt hatte. Er sagte: „Tausende Menschen werden aus allen Teilen des Landes kommen. Sie werden zahlreicher sein als ihr. Ihr werdet keinen Platz mehr bekommen, es sei denn, ihr seid aufrichtig vor Gott und kommt früh.“
Seine Gemeinde glaubte ihm, einschließlich eines Mannes mit dem Namen Charlie McDowell. Am Montag verblitzte sich Charlie die Augen beim Schweißen. Sein Arzt versicherte ihm, dass seine Blindheit nur vorübergehend sei und nur acht bis zehn Tage anhalten würde. Aber Charlie rief Bill trotzdem zu sich, um für ihn zu beten. Am nächsten Morgen sah Charlie wieder gut genug, um an seine Arbeit zurückzukehren.
Sein Chef, Herr Morgan, der überrascht war, Charlie schon wieder bei der Arbeit zu sehen, befragte ihn diesbezüglich. Charlie erklärte ihm, dass Jesus das Gebet seines Pastors erhört habe.
Herr Morgan sagte: „Ich frage mich, ob die Gebete deines Pastors auch meiner Frau helfen würden. Sie liegt hier drüben im Baptisten Krankenhaus und stirbt an Krebs.“
Charlie antwortete: „Ich weiß es nicht. Warum bringen Sie sie nicht am Mittwochabend zur Gemeinde, dann werden wir sehen, ob es hilft.“ Frau Margie Morgan, die seit 21 Jahren Krankens chwester war, lag seit mehreren Monaten mit Krebs im Sterben. Sie hatte zahlreiche Strahlenbehandlungen über sich ergehen lassen, alle jedoch ohne Erfolg. Die Ärzte hatten sie einem chirurgischen Eingriff unterzogen und festgestellt, dass der Krebs von der Brust ausgehend ihren ganzen Körper zerstörte. Der Krebs war so bösartig, dass er sich mit stählernem Griff um ihre Eingeweide geschlungen hatte. Die Ärzte nähten sie wieder zu und gaben die einzig mögliche Prognose: Ein hoffnungsloser Fall. Am Mittwoch ließ Herr Morgan seine Frau auf einer Trage zum Abend gottesdienst in die Gemeinde bringen. Sie war kaum bei Bewusstsein. Bill sah mitleidsvoll auf die dahinsiechende Frau. Sie fantasierte vor sich hin und zuckte vor Schmerzen. Bill nahm ihre rechte Hand in seine linke, wie der Engel es ihm befohlen hatte. Sein Handgelenk und sein Unterarm begannen zu kribbeln. Seine Hand schwoll langsam an und verfärbte sich tiefrötlich. Kleine, weiße Beulen erschienen in einem Muster auf seinem Handrücken. Er konnte Vibrationen seinen Arm hochlaufen spüren, die sich durch seine Schultern fortsetzten und über seine Brust geradewegs zu seinem Herzen vordrangen.
Bill schaute den Ehemann an und fragte: „Was hat die Frau?“ „Sie stirbt an Krebs“, sagte Herr Morgan. „Können Sie ihr helfen?“ Bill dachte an die Worte des Engels: „Wenn du aufrichtig sein wirst und erreichst, dass die Menschen dir glauben, wird nichts deinem Gebet widerstehen, nicht einmal Krebs.“ Er sah Herrn Morgan in die Augen. „Ich glaube, dass Gott sie heilen kann. Die Frage ist: Glauben Sie es?“ „Ja!“, erwiderte Herr Morgan.
Bill schloss die Augen und bat um die Heilung der Frau im Namen Jesu Christi. Plötzlich hörte das Pochen in seinem linken Arm auf. Bill öffnete die Augen und sah verwundert, dass seine linke Hand jetzt wieder genauso normal aussah wie seine rechte. Im gleichen Moment sah er eine Vision von Frau Morgan in der Tracht einer Krankenschwester, wie sie für Patienten in einem Krankenhaus sorgte. Bill stand auf und erklärte: „Haben Sie keine Angst, denn so spricht der Herr: Ihre Frau wird leben!“
Margie Morgans Arzt, der sie zur Gemeinde begleitet hatte, protestierte. „Entschuldigen Sie, Reverend Branham, aber der Krebs presst ihre Därme so stark zusammen, dass wir ihr nicht einmal einen Einlauf machen können.“
„Mir ist es gleich, welche Probleme sie hat. Ich habe sie in einer Vision gesehen, wie sie sich im Krankenhaus wieder um Patienten kümmert. Jener Mann, der mir in den Wäldern begegnet ist, sagte, was auch immer ich sehen würde, das sollte ich genauso sagen, und es würde so sein. Und ich glaube ihm!“
Am nächsten Tag war Margie Morgan bei vollem Bewusstsein und klarem Verstand. Am Freitag waren bereits Appetit und auch ein wenig Kraft zurückg ekehrt. Am Samstag lief sie zum größten Erstaunen ihrer Ärzte durch die Flure und bat inständig darum, nach Hause entlassen zu werden.