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Übernatürlich

Übernatürlich – Buch 1

Seine letzte Chance

1930–1932

Als William Branham das Alter von 20 Jahren erreichte, stolperte er ganz zufällig über eine Möglichkeit, etwas zusätzliches Geld zu verdienen. Eines Tages lieh er sich ein Motorrad der Marke Harley-Davidson. Als er eine Kiesstraße herunter raste, verlor er die Kontrolle über die Maschine und rutschte vor einem Trainingslager für Boxer in den Straßengraben. Einige Männer hatten den Unfall beobachtet und rannten über die Straße, um zu sehen, ob er sich verletzt hatte. Glücklicherweise war Billy nicht ernsthaft verletzt; aber er war so arg mitgenommen, dass er nicht sofort wieder aufstehen und weiterfahren konnte. Deshalb luden ihn die Männer ein, mit ihnen hineinzugehen und sich einige Kämpfe anzuschauen, bis er sich wieder besser fühlte. Gerade in dem Augenblick, als Billy den Raum betrat, öffnete einer der Trainer mit dem Namen George „Six-Second“ Smith die Tür eines Vogelkäfigs. Ein Kanarienvogel flog heraus und schoss so schnell im Raum herum, dass Smith ihn nicht mehr zu fassen bekam. Als der Vogel jedoch an Billys Kopf vorbei flog, schnappte Billy ihn mitten im Flug aus der Luft. „Six-Second“ Smith pfiff vor Bewunderung. „Ich habe in meinem ganzen Leben noch nie so schnelle Hände gesehen. Junger Mann, haben Sie jemals daran gedacht, sich als Preisboxer zu versuchen?“ Diese lässige Bemerkung führte dazu, dass Billy ernsthaft anfing, sich Gedanken über eine Karriere als Preisboxer zu machen, und schon bald verbrachte er einen großen Teil seiner Freizeit damit, für diesen Sport zu trainieren: Er lief 12 bis15 Kilometer pro Tag, und tauchte dann im Trainingslager auf, wo er auf einen Schlagball einschlagen würde, bis ihn ein Boxer einlud, im Ring mit ihm zu kämpfen. Als er Billy beim Training beobachtete, zeigte sich „Six-Second“ Smith schon bald von Billys Ents chlossenheit noch stärker beeindruckt als von seiner Geschwindig keit. Der Trainer verbrachte zahlreiche Stunden mit Billy und lehrte ihn präzise Beinarbeit, die Handbewegungen und, als wichtigstes Element, wie er Schläge von einem anderen Boxer einstecken konnte, ohne gleich k.o. zu gehen.

George Smith hatte seinen Spitznamen erhalten, nachdem er seinen Gegner im ersten Profikampf nach genau sechs Sekunden k.o. geschlagen hatte. Smith war ungefähr acht Jahre älter als Billy, ungefähr fünfunddreißig Pfund schwerer und der raueste Mann, den Billy jemals getroffen hatte. Als Billy das erste Mal mit seinem Trainer in den Ring stieg, schlug „Six-Second“ ihn gnadenlos zusammen. Einmal traf Smith Billy so hart, dass er über die Ringbegrenzung hinaus flog und in den Klappstühlen außerhalb des Ringes landete. Billy brauchte lange, bevor er aufstehen konnte. Als er schließlich wieder zu Atem kam, sagte er: „Six, warum springst du so hart mit mir um?“

Smith lachte und sagte: „Diese Art des Trainings bringt dir am meisten.“ „Bitte? Wie das denn? Du hättest mich fast umgebracht.“

„Schau, Billy, es ist egal, wie fit du körperlich bist. Jedesmal, wenn du getroffen wirst, versetzt es deinem Organismus einen Schock und unterbricht kurzfristig den Blutkreislauf zum Herzen. Beim Boxen musst du lernen, einen harten Schlag einzustecken und gleich wieder da zu sein. Wenn dein Körper nicht daran gewöhnt ist, sofort wieder zurückzukommen, wirst du liegen bleiben und ausgezählt werden. Aber wenn du daran gewöhnt bist, dann kommst du schnell wieder hoch, selbst wenn du niedergeschlagen wurdest. Und genau das trainiere ich. Vielleicht magst du mich jetzt nicht, aber im Wettkampf wirst du mich schätzen lernen.“

Billy kletterte wieder in den Ring zurück und machte weiter. Schließlich hatte er so viel Kontrolle über sich gewonnen, dass „Six-Second“ Smith ihm hart genug in den Magen schlagen konnte, um ihn in die Seile zu werfen, und es machte ihm nicht das Geringste aus; er war bereit, weiter zu kämpfen. Sobald er acht bis zehn Runden im Training überstehen konnte, begann er, in der Amateur-Boxvereinigung „Golden Gloves“ zu kämpfen.

Billy blühte im Ring auf. Ob im Training oder im Preiskampf, er gab immer sein Bestes. Das Boxen setzte seine Emotionen frei. Ärger und William Branham Verwirrung, die sich so lang in ihm aufgestaut hatten, ließen seine Arme wie Flintenschüsse vorschnellen. Seine Schnelligkeit und seine Entschlossenheit führten ihn von Sieg zu Sieg. Jeder Triumph rief neues Lob hervor, und Billys Selbstvertrauen erreichte ungeahnte Höhen. Niemals zuvor hatte er eine solche Anerkennung, eine solche Akzeptanz erfahren. Er begann, sich wichtig vorzukommen.

Als Amateurboxer verlor er nie einen Kampf. Nach einem Jahr bei den „Golden Gloves“ wechselte er ins Profilager. Er gewann fünfzehn Profikämpfe in Folge, einschließlich einer regionalen Meisterschaft im Bantamgewicht, in welcher Boxer aus drei Bundesstaaten in den Ring stiegen. Mittlerweile glaubte er, er sei unbesiegbar. Dann traf er eines Tages auf einen ebenbürtigen Gegner.

Er sollte gegen Bill Pritchard kämpfen, einem Preiskämpfer aus West Virginia. Der Kampf fand in Evansville, Indiana, statt. Billy Branham fuhr mit seinem Freund Howard McLean, einem Boxer im Weltergewicht, der ebenfalls an diesem Abend einen Kampf hatte, nach Evansville. Sie aßen um drei Uhr nachmittags und gingen dann in die Arena, sodass sie sich noch ein wenig ausruhen konnten, bevor ihre Hände für den Kampf bandagiert wurden. Billy trug einen blauen Anzug. Er zog einen Kamm aus seiner Tasche und ließ ihn durch sein dichtes, dunkles Haar gleiten.

Howard sah zu seinem Kameraden hinüber und pfiff leise: „Weißt du was, Billy, du siehst aus wie ein kleiner Baptistenprediger.“ Billy lief vor Ärger rot an. Er war immer ein wenig empfindlich und in seinen Ohren klang das Wort Prediger genau so schlimm wie „Weichling“. „Moment mal, Howard. Das hättest du besser mit einem Lächeln gesagt ... “ Billy spreizte seine Beine und hob seine Fäuste. Auch wenn Howard 30 Pfund schwerer war als er, war Billy bereit, es mit ihm aufzunehmen. Aber Howard lachte nur und behauptete, es wäre nur ein Scherz gewesen, sodass Billy die Fäuste sinken ließ.

An diesem Abend im Boxring war Billy überrascht von der Stärke und Schnelligkeit seines Gegners. Pritchard schlug mit einer Wut auf ihn ein, der Billy nichts entgegenzusetzen hatte. Zum ersten Mal in seiner Boxkarriere war sich Billy seiner selbst nicht sicher. Zu Anfang des Kampfes, als Billy zum ersten Mal spürte, dass er Probleme bekam, hoffte er noch, dass er Pritchard ein Unentschieden abringen könnte. Aber im Laufe des Kampfes musste Billy wiederholt Schläge einstecken, und er begann, sich zu fragen, ob Pritchard ihn umbringen würde. Gegen Ende des Kampfes, als Billy sich zwischen den Runden auf seinem Hocker ausruhte, sah er zur Decke und betete still: „Oh Gott, wenn Du mich hier lebend rausbringst, verspreche ich Dir, dass ich mit dem Boxen aufhöre.“

Nach diesem Abend stieg Billy nie wieder in den Ring.

Eines Tages im Herbst des Jahres 1931 reparierte Billy Gasuhren in den Gaswerken von New Albany. Während er die Leitungen nach undichten Stellen überprüfte, atmete er Gasdämpfe ein und fiel besinnungslos zu Boden. Die Nachwirkungen dieses Unfalls machten ihm beständig zu schaffen. Sein Kopf schmerzte und er sah verschwommen; auch hatte er Schwierigkeiten beim Essen. Sein Magen war über säuert und schmerzte, wann immer er Nahrung aufnahm, und die Verdauungssäfte stiegen in seiner Kehle hoch und brannten in seinem Mund. Sein Arbeitgeber, die Versorgungsbetriebe von Indiana, bezahlte ihm den Besuch bei mehreren Spezialisten in Louisville (Kentucky), doch die Ärzte hatten Schwierigkeiten, die Ursache seines Leidens zu bestimmen. Nach wiederholten Untersuchungen vermuteten sie schließlich eine Blinddarmentzündung. Das überraschte Billy, denn die Schmerzen waren eindeutig in seinem Magen, nicht an der Seite. Doch die Spezialisten überzeugten ihn, dass die Gasvergiftung lediglich die Diagnose erschwert und die Symptome der Blinddarmentzündung verdeckt hätte. Sie bestanden darauf, dass der Blinddarm entzündet sei und entfernt werden müsse.

Widerwillig stimmte Billy der Operation zu, jedoch nur unter der Bedingung, dass es unter örtlicher Betäubung geschehe. Er hatte schreckliche Erinnerungen an die Operation im Alter von 14 Jahren, als seine Beine durch die Schrotkugeln zerschossen gewesen waren. Damals war er beinahe nicht mehr aus der Narkose erwacht, und er konnte niemals das schreckliche Erlebnis vergessen, bei dem er durch die Regionen der verlorenen, umherirrenden Seelen getrieben war – die Dunkelheit, der Nebel, die Einsamkeit, und diese hässlichen Fratzen! Er wollte diesen Ort niemals wieder sehen.

Nervös und verängstigt wollte Billy, dass während der Operation jemand bei ihm war, der beten konnte, und so bat er den Prediger der örtlichen Baptistengemeinde darum, ihm beizustehen.

Der Blinddarm wurde erfolgreich entfernt, und Billy wurde aus dem Operationssaal gerollt. Während er bei vollem Bewusstsein im Krankenhausbett lag, spürte er, dass sein Puls von Minute zu Minute schwächer wurde. Er versuchte, mit der Krankenschwester Kontakt aufzunehmen, doch seine Stimme war nur noch ein Flüstern und seine Arme zu schwach um sich zu bewegen. Sein Atem wurde flacher, sein Herzschlag immer langsamer, bis das Herz kaum noch schlug. Er dachte: „Ist das der Tod? Verlasse ich diese Welt?“

Das Licht im Raum wurde dunkler, die Wände verschwammen und nahmen die schattigen Umrisse von Bäumen an. Er schien in einem kalten, dunklen Wald zu sein. Irgendwo in der Ferne hörte er den Wind wehen. Das schwache Geräusch nahm langsam an Lautstärke zu und näherte sich ihm. Billy geriet in Panik. „Das war’s! Das ist der Tod, der mich holen kommt!“ Er versuchte zu beten, aber er konnte keine Worte finden. Der Wind kam immer näher, bis die Äste der Bäume um ihn herum von der Kraft des Windes geschüttelt wurden. Dann änderte sich alles: Die dunklen Wälder verschwanden plötzlich und Billy fand sich im Schatten einer riesigen Silberpappel wieder. Es war derselbe Baum, den er gemieden hatte, seit er ihm als Junge so viel Angst eingejagt hatte. Die Luft fühlte sich statisch aufgeladen und niederdrückend an, wie an einem Tag mit einer Luftfeuchtigkeit von 99 Prozent. Das Geräusch der raschelnden Blätter ließ Billy nach oben blicken. Er sah den gleichen Wirbelwind in den oberen Zweigen, hörte die gleiche tiefe Stimme sagen: „Trinke oder rauche niemals, und beflecke deinen Leib in keiner Weise! Ich rief dich, und du wolltest nicht gehen.“

Billys Gedanken kehrten zurück zu dem Tag vor so vielen Jahren, an dem diese Stimme gesagt hatte: „Denn es wird ein Werk für dich zu tun sein, wenn du älter wirst.“ Nun wiederholte die Stimme ihre Anklage: „Ich rief dich, und du wolltest nicht gehen.“

Billy fühlte eine schreckliche Angst in sich aufsteigen. Hatte er den Sinn seines Lebens verfehlt? War es zu spät? Außer sich vor Verzweiflung sagte er laut: „Wer hat da gerufen? Wer bist du? Und was wolltest du, dass ich tun sollte?“

Die Stimme wiederholte zum dritten Mal: „Ich rief dich, und du wolltest nicht gehen.“

Billy schrie auf: „Jesus, wenn Du das bist, lass mich zurück auf die Erde, und ich werde Dein Evangelium von den Hausdächern und an den Straßenecken predigen. Ich werde jedem davon erzählen.“ Und augenblicklich lag Billy wieder in seinem Krankenhausbett. Sein Herzschlag war stark und seine Atemzüge tief. Er würde leben. Der Chirurg, der an seinem Bett stand, war sichtlich überrascht zu sehen, wie Billys Wangen wieder Farbe bekamen und er seine Kraft so schnell wiedergewann. Er wandte sich an Charles und Ella Branham und bemerkte: „Ich bin kein Kirchgänger. Meine Praxis ist so groß, dass ich dazu gar keine Zeit habe. Aber ich weiß, dass Gott diesen Jungen besucht hat.“

Notgedrungen kehrte Billy zur Arbeit zurück, sobald seine Nähte der Belastung standhalten konnten. Doch bedauerlicherweise hatte die Operation keine der ursprünglichen Symptome behoben. Im Winter 1931/32 verschlechterte sich sein Zustand zusehends. Sein Magen verweigerte fast jegliche Nahrungsaufnahme, sodass er gezwungen war, von Gerstenwasser und Pflaumensaft zu leben – und selbst dies hielt er nur schlecht bei sich. Seine Augen erkrankten an Astigmatismus, sodass er ohne eine dicke Brille nicht mehr sehen konnte. Sobald er die Brille abnahm, zitterte sein Kopf so sehr, dass ein Friseur ihm nicht einmal das Haar schneiden konnte.

Die Spezialisten in Louisville wussten sich keinen Rat. Nach einer Reihe von Untersuchungen sagte ein Arzt: „Herr Branham, ich fürchte, Ihr Zustand ist hoffnungslos. Ihr Magen ist ein einziger großer entzündeter Knoten. Sie werden zeit Lebens eine strenge Diät mit Flüssignahrung einhalten müssen. Vergessen Sie das niemals, denn ein einziger Bissen fester Nahrung wird Sie umbringen.“

Billy kehrte nach Hause zurück, krank und deprimiert. Aber zumindest lebte er. Er war jetzt fest entschlossen, Gott zu finden, damit er sein Versprechen einhalten konnte. Er begann, ernstlich in der Bibel zu lesen. Je mehr er las, desto mehr Zuversicht gewann er. In der Tat: Er konnte sich mit einigen der Begebenheiten, von denen er las, identifizieren – zum Beispiel mit den Stellen, wo Männer und Frauen die Stimme Gottes direkt zu sich sprechen hörten. Könnte es sein, dass es Gott war, der aus der Pappel mit ihm gesprochen hatte, als er noch ein Junge war? Er hatte es schon immer vermutet, aber er war niemals völlig davon überzeugt, bis er las, wie Gott aus einem Wirbelwind heraus mit Hiob sprach. Das überzeugte ihn. Dann, als er sich in das Leben Jesu, des Petrus und Paulus vertiefte, brannte Billy Branham vor Aufregung.

Hier fanden sich Erklärungen für diese seltsamen, tranceartigen Zustände, die er selbst erlebt hatte, wo er, obwohl hellwach, sich plötzlich irgendwo anders befand und Dinge beobachtete, die ebenso real waren, wie die Schuhe an seinen Füßen. Die Bibel nannte es Visionen. Vielleicht war sein Leben gar nicht so seltsam. Vielleicht war es nur Gott, der mit ihm verhandelte.

Billy begann, verschiedene Kirchen in seiner Gegend zu besuchen, und fragte, wie er Gott begegnen könne. Aber anstatt eine allgemeine Übereinstimmung und einen klaren Weg zu finden, wurde er mit widersprüchlichen Meinungen konfrontiert, die seine Verwirrung nur vergrößerten. Die Baptistengemeinde wollte, dass er seinen Namen in das Kirchenbuch eintrug, und gaben ihm einen Aufnahmebogen mit. Die Lutheraner wollten, dass er am Konfirmationsunterricht teilnahm. Die Katholiken sagten, er müsse anerkennen, dass der Papst der höchste Vertreter Gottes auf Erden sei, und jeden Sonntag zur Messe gehen. Die Adventisten sagten ihm, dass er den Samstag als Sabbat halten müsse. Jede Kirche dachte, sie hätte im Gegensatz zu allen anderen das Monopol auf die Wahrheit.

Billy wusste nicht, was er tun sollte. Er hatte keine Ahnung, wo er Gott finden konnte. Dann dachte er: „Nun, ich habe Ihn in der Natur gesehen. Ich werde einfach in den Wäldern mit Ihm sprechen.“

Er wanderte zu einem seiner Lieblingsorte für die Jagd, aber auch das half ihm nicht. Er wusste nicht, was er sagen sollte und kam sich albern vor zu reden, obwohl scheinbar keiner da war, um zuzuhören. Dann hatte er einen Einfall. Warum sollte er Gott nicht einen Brief schreiben? Es schien ein guter Plan zu sein, also schrieb er:

Sehr geehrter Herr, ich weiß, Sie kommen diesen Weg entlang, weil ich hier sitze und Eichhörnchen jage und weiß, dass Sie hier vorbeikommen. Ich brauche Sie. Würden Sie einmal kommen und mit mir reden? Ich möchte Ihnen etwas mitteilen.

Billy Branham Er befestigte den Brief an einem Baum und ging nach Hause, in der Absicht, später zurückzukehren, um zu sehen, ob sich etwas Positives aus dem Brief ergeben hätte. Aber am nächsten Tag kamen ihm Zweifel und er dachte: „Einen Augenblick mal. Ich habe niemals jemand hier draußen in den Wäldern gesehen. Und überhaupt, wenn Gott überall ist, sollte ich Ihn in der Stadt genauso gut erreichen können wie auf dem Land. Aber das führt mich zurück zu meinem ursprünglichen Problem. Ich möchte mit Gott reden, aber ich weiß nicht, wie ich das anstellen soll.“

So ging er in den alten Schuppen hinter dem Haus und schloss die Tür. Im Innern des Schuppens tropfte die Feuchtigkeit des Regens der vergangenen Nacht. Billy ignorierte die feuchte Erde und kniete sich neben einen alten Ford Modell T hin. Seine Gedanken konzentrierten sich ganz auf sein Ziel, unbedingt mit seinem Schöpfer zu sprechen. Er murmelte: „Nun, wie soll ich das machen? Ich habe Bilder von betenden Menschen gesehen, und ich glaube, sie halten die Hände so.“ Er legte seine Hände flach vor sich zusammen, in der klassischen Gebetshaltung. „Nun, und was soll ich jetzt sagen? Es muss einen Weg geben, es richtig zu machen, und ich weiß nicht, welchen.“ Er beschloss, dass die einzige Möglichkeit darin bestand, es einfach zu versuchen. „Sehr geehrter Herr, ich wünschte, Sie kämen und sprächen nur einen einzigen Augenblick mit mir. Ich möchte Ihnen sagen, wie schlecht ich bin.“ Er hielt inne, um zu lauschen. Im Schuppen blieb es absolut ruhig. „Vielleicht hätte ich meine Hände so falten sollen.“ Er verschränkte die Finger und versuchte es noch einmal: „Sehr geehrter Herr, ich weiß nicht genau, wie ich es machen soll, aber ich bin sicher, Sie werden das verstehen. Würden Sie mir helfen?“ Er hielt wiederum inne, um zu lauschen – nichts. Jetzt brach seine Selbstbeherrschung völlig zusammen. Tränen stiegen in seinen Augen auf, als er sagte: „Herr, selbst wenn Sie nicht mit mir sprechen, werde ich dennoch mit Ihnen sprechen. Gott, ich bin zu nichts nütze. Ich schäme mich meiner. Mir tut es leid, dass ich Sie all die Jahre vernachlässigt habe. Aber jetzt brauche ich Sie. Bitte, kommen Sie und sprechen Sie mit mir.“

Plötzlich fühlte sich sein Körper seltsam an. Als er seine Augen öffnete und den Kopf hob, rann ihm ein Angstschauer über den Rücken. Vor ihm schwebte ein strahlendes, bernsteinfarbenes Licht, das ein perfektes Kreuz in der Luft bildete. Aus den Tiefen dieser Kraft kam eine Stimme, die in einer Sprache redete, die Billy bisher noch nie gehört hatte. Dann verschwand es.

Billy blieb auf seinen Knien, atem- und gefühllos, unfähig, sich zu bewegen. Schließlich brachte er genug Kraft auf, um zu sagen: „Herr, ich verstehe Ihre Sprache nicht, doch ich glaube, dass ich irgendwo dort dem Kreuze hinzugerechnet sein sollte ... und meine Sünden sollten darinnen liegen. Wenn Sie auch mir Vergebung schenken, dann kommen Sie noch einmal zurück und sprechen Sie noch einmal in Ihrer Sprache. Selbst wenn Sie meine Sprache nicht sprechen, werde ich es daran erkennen.“

Das Kreuz erschien noch einmal, von Wärme und Licht erstrahlend. Billy schloss seine Augen und streckte seine Arme aus. Er empfand ein eigenartiges Gefühl, als ob warme Regentropfen auf seinen Körper fielen. Mit einem Mal fühlte er sich friedlich und frei, als ob ihm eine Zentnerlast von seinen Schultern genommen wäre. Als er seine Augen öffnete, war das Licht verschwunden.

Mit überströmenden Gefühlen rannte Billy aus dem Schuppen hinaus und stürzte ins Haus. Erschreckt fragte seine Mutter: „Billy, was ist los? Bist du nervös?“

„Nein, Mama. Etwas Wunderbares ist passiert.“

„Was denn?“

„Ich weiß es nicht, aber ich fühle mich so wohl!“

Er stürzte wieder nach draußen und suchte nach einem Ventil für seine Freude. Hinter dem Haus verliefen Eisenbahnschienen. Billy kroch den Eisenbahndamm hinauf und rannte die Schienen entlang, blieb von Zeit zu Zeit stehen und sprang in die Höhe, schlug mit den Fäusten in die Luft und übte sich im Schattenboxen, um seinen Gefühlen freien Lauf zu lassen. Endlich, nach solch langer Zeit, hatte er Gott im Kreuze Jesu Christi gefunden.

Ein paar Tage später sagte Ella: „Billy, ich habe letzte Nacht von dir geträumt. Ich habe gesehen, wie du auf einer weißen Wolke standest und der ganzen Welt gepredigt hast.“

Dies mutete Billy sehr seltsam an, denn seine Mutter träumte fast nie.

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