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Übernatürlich

Übernatürlich – Buch 1

Die erste Prüfung des Glaubens

1932

Im Herbst des Jahres 1932 las William Branham in einer Seiten straße in New Albany Stromzähler ab, als ein Auto heranfuhr und direkt hinter seinem Reparatur-Lkw parkte. Die Autotür öffnete sich, und ein schönes Mädchen stieg aus. Ihr schwarzes Haar glänzte im Sonnenlicht, und es schien, als ob ihre dunklen Augen von einem inneren Feuer sprühten. Ein Blick in ihre Richtung, und dahin war Billys Entschluss, für immer Junggeselle zu bleiben.

Das Mädchen strich sich die Falten ihres Kleides glatt, ergriff ein Paket auf dem Autositz und machte Anstalten, davonzugehen. Billy begann zu schwitzen. Wenn er nicht sofort etwas sagte, würde er sie vielleicht nie wieder sehen. Er sprang ins kalte Wasser. „Wie geht’s, schönes Wetter heute, nicht wahr?“

Das Mädchen drehte sich um und lächelte. „Schön? Es ist fantastisch!“ Sie hob ihre Hände und drehte sich im Kreis. „Schauen Sie sich nur die Ahornbäume an, ganz in Orange und Rot. Die sehen absolut atem beraubend aus.“

„Ja, ich denke, sie sind – äh – atemberaubend.“ Und er dachte gleich zeitig, dass sie es war, die so atemberaubend war. „Mein Name ist Billy Branham. Ich arbeite für die Versorgungsbetriebe und habe gerade diese Zähler geprüft.“

Sie streckte ihre Hand aus. „Nett, dich kennen zu lernen, Billy. Ich bin Hope Brumbach. Vielleicht hast du von meinem Vater gehört, Charlie Brumbach? Er ist Werkmeister unten bei der Eisenbahn.“

„Nein, ich glaube nicht, dass ich ihn kenne. Wohnst du hier in der Gegend?“ „In dem Haus dort drüben.“ Sie deutete auf ein Haus oberhalb der Straße.

Billy fand seine Fortschritte beachtlich. Er kannte nicht nur ihren Namen, sondern wusste auch schon, wo sie wohnte. Aber das war noch nicht genug. Er stellte Hope immer weitere Fragen und versuchte, einen Grund zu finden, sie wiederzusehen. Während er so bohrte, erfuhr er, dass sie eine Christin war und die örtliche Missionarische Baptistengemeinde auf der Watt Street in Jeffersonville besuchte. Das war sein „Fuß in der Tür“. „Weißt du, ich bin erst seit ein paar Wochen Christ, und ich gehe zu keiner bestimmten Kirche – vielleicht werde ich diesen Sonntag in deine Gemeinde kommen und sehen, wie es mir gefällt.“

„Ich werde dir einen Platz freihalten“, lächelte sie.

Als Billy am nächsten Sonntag in der Gemeinde erschien, wartete bereits ein freier Platz neben Hope auf ihn. Nach dem Gottesdienst Hope (Brumbach) Branham sprach sie noch eine Weile mit ihm, bevor sie nach Hause ging. Mit ihrer Lebendigkeit und Freundlichkeit interessierte ihn diese 19-Jährige wie keine andere Frau, die ihm je begegnet war. Es war etwas Erfrischendes in ihrer Freude und ihrer Unschuld. Wie ein Magnet zog sie ihn wieder und wieder zur Gemeinde auf der Watt Street, bis er zum regelmäßigen Besucher wurde.

Billy gab zu, dass der Grund dafür, dass er diese Baptistengemeinde wählte, einzig und allein die Tatsache war, dass Hope Brumbach dorthin ging. Er entwickelte jedoch schon bald eine tiefe Achtung für den Pastor. Dr. Roy Davis predigte, dass Gott nicht besser war, als Sein Wort, und dass ein Christ nicht besser war, als sein Glaube an das Wort Gottes – eine Aussage, die Billy als absolute Wahrheit empfand. Dr. Davis forderte seine Gemeinde ständig dazu auf, das Wort Gottes von ganzem Herzen zu glauben und das Wort im täglichen Leben umzusetzen. Darüber hinaus schien der Pastor auch das zu leben, was er predigte. Eines Morgens erzählte Dr. Davis im Gottesdienst, wie er als junger Mann miterlebt hatte, dass ein Ungläubiger durch das Land zog, und in jeder Kirche aufstand und den christlichen Glauben einer ernsthaften Prüfung unterzog. Dr. Davis hörte ihn in einer großen Versammlung in Memphis (Tennessee). Der Mann las aus Markus 16:17-18, wo Jesus sagt: „Denen aber, die zum Glauben gekommen sind, werden diese Wunderzeichen folgen: In meinem Namen werden sie böse Geister austreiben, in neuen Zungen reden, werden Schlangen aufheben, und wenn sie etwas Todbringendes trinken, wird es ihnen nicht schaden; Kranken werden sie die Hände auflegen, und sie werden gesund werden.“ Dann setzte der Ungläubige eine Flasche mit Schwefelsäure auf das Podium und forderte das Publikum heraus. „Und von allen hier, die angeblich Christen sind, hat Jesus gesagt, dass, wenn ihr glaubt, ihr etwas Tödliches trinken könnt, und es wird euch nicht schaden. Nun, wenn dies das Wort Gottes ist, dann trinkt diese Schwefelsäure.“ Er wiederholte diese Herausforderung mehrmals, kritisierte die Christen ob ihres mangelnden Glaubens und spottete über die Idee eines Gottes an sich.

Der junge Dr. Davis sagte zu einem alten Methodisten-Bischof, der neben ihm saß: „Wenn dieser Ungläubige die Herausforderung noch ein einziges Mal wiederholt, dann werde ich raufgehen und es trinken.“ Der Bischof versuchte, ihn davon abzubringen. „Bei diesem Mann sind nur die Sicherungen durchgebrannt. Lass ihn in Ruhe, mein Sohn. Die Bibel sagt: ‚Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht versuchen‘.“ Aber Davis war wild entschlossen. „Nein, ich werde ihn nicht in Ruhe lassen. Und wenn ich auf der Stelle tot umfiele: Ich werde in den Himmel eingehen, Gottes Wort glaubend.“

Der Ungläubige lachte, als die Christen in ihren Sitzen hin und her rutschten. „Was ist los mit euch Kerlen dahinten, die ihr glaubt, Gott sei real? Stellt euch diesem Test.“

Dr. Davis ging zum Podium hinauf, drehte sich um und sprach zu dem Publikum von ungefähr 3.000 Menschen. „Ich bin 25 Jahre alt. Ich bin ein Prediger des Evangeliums. Ich weiß, dass mein Gott in der Lage ist, mich vor dieser Schwefelsäure zu retten, aber selbst wenn er es nicht tut, werde ich diesen Ungläubigen doch nicht hier stehen und Gottes Wort in Frage stellen lassen.“ Er griff nach der Schwefelsäure und trank die Flasche leer, ohne die geringste Wirkung zu spüren. Dann predigte er das Evangelium mit solcher Überzeugung, sodass 1.500 Menschen ihr Leben Jesus Christus neu weihten.

Während Billy diese Geschichte hörte, dachte er, dass der Methodisten-Bischof mehr Verstand gezeigt hatte als der junge Dr. Davis. Warum sollte irgendjemand Gott beweisen müssen? Hatte Jesus nicht über die ungläubigen Pharisäer gesagt: „Lasst sie in Ruhe! Wenn ein Blinder einen Blinden führt, dann fallen sie beide in die Grube.“ Aber selbst, wenn Billy Dr. Davis’ Vorgehen nicht billigte, bewunderte er dennoch den Glauben des Pastors.

Die Begegnung mit einem Mann von so tiefer Überzeugung inspirierte Billy, dem Wort Gottes größte Aufmerksamkeit zu schenken. Der erste Chorus, den Billy im Gottesdienst lernte, lautete: „Zu sein wie Jesus, zu sein wie Jesus, auf Erden verlangt es mich, zu sein wie Er. Auf meiner Lebensreise von der Erd’ bis in die Herrlichkeit erbitt’ ich nur zu sein wie Er.“ Das wurde Billy zu einem beständigen Herzensgebet: „Jesus, hilf mir, zu sein wie Du.“ Nachdem Billy das Neue Testament zum zweiten Mal gelesen hatte, erkannte er, dass er sich taufen lassen musste. Er las in Matthäus 28:19-20, wo Jesus Petrus und den anderen Jüngern befahl: „Darum gehet hin und macht alle Völker zu meinen Jüngern: Tauft sie auf den Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes und lehrt sie alles halten, was ich euch geboten habe.“ Dann las er in der Apostelgeschichte 2:38, wo Petrus einige Wochen später den Menschen gebot: „Und lasst euch ein jeder auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung eurer Sünden taufen.“ Billy war der Ansicht, dass wenn es jemand gab, der wusste was Jesus gemeint hatte, als Er Seinen großen Missionsbefehl gab, so waren es Petrus und der Rest der Jünger. Also bat Billy Dr. Davis darum, ihn genau so zu taufen, wie die Apostel in der Apostelgeschichte getauft hatten. Auch wenn dies im Gegensatz zur Lehre der Baptistengemeinde stand, kam Dr. Davis dieser Bitte nach, und Billy wurde auf den Namen des Herrn Jesus Christus getauft. Monate waren vergangen seit seinem Unfall bei den New Albany Gaswerken. Billys Gesundheitszustand hatte sich aber nicht verbessert, sondern war im Gegenteil immer schlechter geworden. Jetzt zitterte sein Kopf selbst dann, wenn er seine dicke Brille trug – ohne diese war er fast blind. Sein Magen schmerzte fast ständig, trotz der strengen Gerstenwasser- und Pflaumensaft-Diät. Und was besonders alarmierend war: Er konnte fühlen, wie seine Energie und seine Kraft aufgrund seiner unausgewogenen Ernährung langsam dahinschwanden.

Aber jetzt hatte er eine neue Medizin: Den Glauben. Er las die Stelle, an der Jesus sagt: „Und alles, um was ihr im Gebet bittet, werdet ihr empfangen, wenn ihr Glauben habt.“ Dann las er in Jakobus 5:14-15: „Ist jemand unter euch krank, so lasse er die Ältesten der Gemeinde zu sich kommen; diese sollen dann über ihm beten, nachdem sie ihn im Namen des Herrn mit Öl gesalbt haben; alsdann wird das gläubige Gebet den Kranken retten, und der Herr wird ihn aufrichten.“ Das war seine Antwort. Sofort nachdem er das gelesen hatte, lief Billy zu Dr. Davis’ Haus und bat den Ältesten, ihn mit Öl zu salben und für ihn zu beten. Dann ging er jubelnd nach Hause und nahm seine Heilung in Anspruch.

An diesem Abend legte Billy beim Essen die Bibel auf den Tisch, verkündete seine Heilung und erklärte, dass er von nun an essen werde wie alle anderen.

Seine Mutter war darüber völlig entsetzt und warnte: „Billy, mir macht es nichts aus, wenn du religiös geworden bist, aber du weißt doch, was der Arzt gesagt hat: Ein Bissen fester Nahrung wird dich das Leben kosten.“ Billy antwortete: „Ich weiß auch, was Gott gesagt hat, und Er sagt, ich bin geheilt! Können wir beten?“ Nie zuvor war am Tisch der Branhams ein Gebet gesprochen worden. Charles wusste nicht, was er tun sollte und rutschte nur auf seinem Stuhl hin und her. Ella bedachte ihren Sohn mit einem hilflosen, sorgenvollen Blick, dann brach sie in Tränen aus. Billy senkte den Kopf und betete: „Gott, falls ich sterbe, komme ich nach Hause, Dir vertrauend. Dein Wort sagt: Ich bin geheilt. Ich muss entweder beachten, was der Arzt gesagt hat, oder was Du gesagt hast. Ich habe dem Wort des Arztes ein Jahr lang geglaubt, und mir geht es nicht besser, ganz im Gegenteil. Ich werde die Worte des Arztes nicht mehr befolgen. Ich werde jetzt das beachten, was Du gesagt hast. Bitte segne uns diese Speise. Ich bitte darum im Namen Deines Sohnes, Jesus Christus. Amen.“

Billy schob sein Glas Pflaumensaft zur Seite und nahm sich Bohnen, Zwiebeln und Maisbrot. Sobald der erste Bissen seinen Magen erreichte, kam er wieder hoch. Er hielt seine Hand auf die Lippen gepresst, um alles im Mund zu behalten und schluckte es dann wieder herunter. Sofort kam es wieder hoch. Er schluckte es noch einmal hinunter. Immer und immer wieder protestierte sein Magen gegen die ungewohnte feste Nahrung. Er musste würgen, weil Magensäure hochkam und seine Kehle und den Mund füllten. Aber Billy weigerte sich, seinem Magen Beachtung zu schenken. Er konzentrierte seine Gedanken darauf, was Gott darüber gesagt hatte, und nicht darauf, was er fühlte; und er schluckte den gleichen Bissen Bohnen immer wieder hinunter, bis er schließlich unten blieb. Dann aß er von den Zwiebeln.

Nach dem Essen schloss sich Billy in seinem Zimmer ein. Sein Magen schmerzte derart, dass ihm die Tränen in die Augen stiegen. In regel mäßigen Abständen musste er aufstoßen, und Magensäure kam hoch. Schwach sang er einen einfachen Chorus, den er in der Gemeinde gelernt hatte: „Ich kann, ich will, ich glaube; ich kann, ich will, ich glaube; ich kann, ich will, ich glaube, dass Jesus mich jetzt heilt.“ Er brach auf seinem Bett zusammen. Fast flüsternd, sagte er: „Herr, ich nehme Dich bei Deinem Wort.“

Seine Mutter klopfte: „Wie fühlst du dich, Billy?“

„Mir geht es gut.“

„Ich habe den Arzt angerufen. Er sagt, du wirst sterben.“ Billy schluckte die Magensäure in seinem Mund herunter. „Ich werde nicht sterben, Mama. Ich fühle mich wunderbar“ – dabei meinte er nicht das Empfinden seines Körpers, sondern sprach von seinem Gefühl der Verheißung Gottes gegenüber.

Am nächsten Morgen stand der Topf mit Bohnen immer noch auf dem Ofen. Ella drehte sich um, als ihr Sohn in die Küche kam. „Was möchtest du zum Frühstück, Billy?“

„Ich möchte etwas Bohnen und Maisbrot.“

Tage vergingen, und er litt noch immer. Jede Mahlzeit war ein physischer Kampf: Sein Magen rebellierte mit saurem Protest und ihm war schwindelig. Aber was den Bereich seines Glaubens betraf, kämpfte und schwankte er nicht. Er wiederholte immer wieder die Worte Jesu: „Wenn du glauben kannst, alles ist möglich, dem der da glaubt.“ Das war sein Anker, und trotz aller gegenteiligen Symptome bezeugte er immer wieder, dass Jesus Christus ihn geheilt hat.

Er las auch die Ermahnung des Apostel Paulus: „Bleibt niemand etwas schuldig, außer dass ihr einander liebt.“ Bei diesen Worten brannte ein Gefühl der Schuld in seinem Herzen. Gegenwärtig hatte er Schulden in Höhe von 2000 Dollar für Arztrechnungen, die während seiner Operation angefallen waren. Nachdem er darüber gebetet hatte, wurde ihm klar, dass Gott den Christen nicht verbot, Schulden zu machen, sondern dass Gott ihnen sagte, die Schulden so bald wie möglich zurückzuzahlen und nicht unnötig lange stehen zu lassen. Billy schuldete dem Apotheker Herrn Mason 300 Dollar, einem mitfühlenden Mann, der Billy niemals seine Medizin verweigert hatte, auch wenn er wusste, wie arm die Branhams waren.

Billy ging zur Apotheke und sagte: „Herr Mason, ich schulde Ihnen Geld, und ich werde die Schulden zurückzahlen. Ich bin immer noch schrecklich schwach von der Operation, aber ich versuche zu arbeiten. Ich habe Arbeit bei den Versorgungsbetrieben von Indiana, und ich verdiene 20 Cent pro Stunde. Von diesem Geld werde ich versuchen, ihnen mit jeder Lohnabrechnung etwas zurückzuzahlen. Ich bin jetzt Christ, und meine erste Pflicht besteht Gott gegenüber. Ich schulde Ihm zuerst meinen Zehnten. Danach besteht meine Pflicht darin, meine Schulden zurückzuzahlen. Ich habe im Augenblick nicht viel Geld – mein Vater ist kränklich und ich unterstütze meine Mutter, sieben Brüder und eine Schwester. Aber ich werde versuchen, mindestens 25 Cent an jedem Zahltag zurückzuzahlen. Und wenn ich nicht einmal die 25 Cent bezahlen kann, werde ich vorbeikommen und es Ihnen sagen.“ Aus Tagen wurden Wochen und Billy litt noch immer. Aber während der folgenden Monate verbesserte sich sein Zustand Schritt für Schritt, bis er schließlich alles ohne Schwierigkeiten essen konnte. Sein Augenleiden – Astigmatismus – verbesserte sich ebenfalls, bis er keine Brille mehr benötigte. Als er dann abschließend seine Augen überprüfen ließ, bescheinigte man ihm perfekte Sehkraft auf beiden Augen. Er sprudelte über vor Glück, und sein Vertrauen in die Verheißungen Gottes schwang sich empor in neue Höhen.

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