Generation

Morris Ungren

Geboren: 11. August 1919

Wohnort: Southhaven, Mississippi

Ein Sänger, der in zahlreichen Versammlungen auf Wunsch von William Branham sang. Pastor des Grace Tabernacles.

Zum ersten Mal sah ich Bruder Branham in seinem Dienst 1950 in Camden, Arkansas. Wir gehörten damals der Baptistengemeinde an und ich hatte von ihm gehört und auch ein Tonband von ihm gehört und gedacht: „Dies ist anders.“ Ich glaube, auf einem der Tonbänder sprach er über den Schlangensamen und das erregte meine Neugier. Ich wollte ihn hören und meine Mutter bestärkte mich darin hinzufahren, so fuhren meine Frau, Vivian, und ich nach Camden.

Ehe er auf das Podium kam, bat mich jemand nach vorne zu kommen und zu singen. So sang ich „Down From His Glory“ [Herab aus Seiner Herrlichkeit. A.d.Ü]. Dann saß ich dort auf dem Podium mit einer Anzahl von Predigern, die ich nicht kannte. Ich fragte jemanden in der Nähe, wer einige dieser Menschen seien und ich erfuhr, dass F.F. Bosworth und seine Familie da war, gemeinsam mit Raymond T. Richey und seiner Familie. Dies war kurz nachdem das Bild mit der Feuersäule in Houston aufgenommen worden war, daher nehme ich an, dass das einer der Gründe gewesen sein mag, der so viele in den Gottesdienst geführt hatte. Gordon Lindsay kam und sprach ungefähr eine halbe Stunde lang und dann kam Bruder Branham.

Sein Bruder Howard brachte ihn zum Podium und als er anfing zu sprechen, war das Erste, das Allererste, was er tat, dem Hausmeister zu danken! Ich dachte: „Welch eine Art von Predigeretikette ist denn das, wo das Podium voller Prediger sitzt!“

Er sprach etwa 15 Minuten lang und man musste beinahe die Hand ans Ohr legen, denn er sprach sehr sanft. Während der Gebetsreihe nahm er vier oder fünf Leute bei der Hand und sagte ihnen, was mit ihnen verkehrt war. Dann zeigte er mit dem Finger auf eine Person vor uns. Es war eine Frau und er sagte: „Dame, du brauchst keine Gebetskarte. Du hast in der Küche vor der Spüle gestanden und Geschirr gewaschen.“ Er sagte ihr die Farbe der Schürze, die sie angehabt hatte und sagte: „Du hast eine Tasse fallen lassen und sie ist kaputt gegangen.“ Und er sagte ihr, wie nervös sie war. Ihre Hände gingen in die Höhe und sie sagte, es sei wahr. Wir fühlten es natürlich auch.

Als ich anfing dies zusammenzureimen, erkannte ich, dass er ein Seher war. Ich konnte feststellen, dass er etwas sah und was er sah, war wahr, denn ich sah die Reaktion der Frau. Daher war er für mich zunächst ein Seher und später begann ich zu erkennen, dass er ein Prophet war. Aber gleich da war ich überzeugt, und habe meine Meinung nie im Geringsten geändert, dass er ein Seher war. So begannen wir anhand der Berichte der Zeitschrift Voice of Healing [Stimme der Heilung, A.d.Ü.], seinem Dienst zu folgen.

Eines der Dinge, die ich an Bruder Branham feststellte, war dies: Wenn du etwas auf dem Herzen hattest, hatte er immer eine Antwort. Er hatte einfach eine besondere Art, in der er die Antwort in seine Predigt einfließen ließ, und er schaute dich an, während er es sagte und du wusstest, es war genau für dich. Es war eine Antwort, die du haben wolltest und gleichzeitig war es ein Teil der Predigt. Ich bin sicher, andere Leute erlebten das auch so, aber es ist eine der Besonderheiten, die mir auffiel.

Ich sprach mit ihm über die große Pyramide, denn ich hatte mich viel damit befasst und in den 40er Jahren Bücher dazu gesammelt, lange bevor ich Bruder Branham kannte. Ich hatte oft Vorträge darüber gehalten. Ich erzählte ihm, dass sein Geburtstag mit der Großen Stufe der Pyramide übereinstimmte, denn sie bemessen sie mit 2,5 cm pro Jahr. In der Versammlung sagte er, dass er nach einer Stadt Ausschau halte, und die Stadt, nach der er Ausschau hielt, sei die Braut. Bruder Branham hat auch gelehrt, dass die Braut das Neue Jerusalem ist.

Das zweite Gespräch mit Bruder Branham hatte ich 1964 in Phoenix, Arizona. Er traf sich mit meinem Bruder Robert, seiner Frau Millie und mir in seinem Motelzimmer. Er hatte gerade erst vor ungefähr 3000 Menschen auf der Konferenz der Geschäftsleute des vollen Evangeliums im Ramada Inn gesprochen. Er sprach über die Taufe mit dem Heiligen Geist und ich sah, wie Prediger einfach den Kopf schüttelten über die Auslegung, die er dazu gab. Er lehrte, das Manna deines Zeitalters anzunehmen, ist die Taufe mit dem Heiligen Geist zu empfangen, und dass das Reden in Zungen nicht der Beweis dafür sei. Sie haben es nicht begriffen.

Oft hat Bruder Branham mich gebeten zu singen, ehe er zur Kanzel kam. Ich habe so viel in Konzerten gesungen, dass ich nie nervös war, wenn ich für ihn sang. Einmal sang ich im Tabernakel ein Solo aus Händels „Messiah“, die Eröffnungsarie „Tröste mich“. Billy Paul äußerte sich lobend dazu, aber viele in der Versammlung waren nicht an klassische Musik gewöhnt. Doch ich empfand, dass es so zum Dienst passte, da es die Prophetie aus Jesaja 40, betreffend Johannes dem Täufer, ist.

Ich sang immer Lieder, die mit der Schrift zu tun hatten und Bruder Branham wusste das. Im Juni 1964 sang ich „Down From His Glory“ im Tabernakel in Jeffersonville. Die Gemeinde war brechend voll, die Menschen saßen auf den Fensterbänken und viele standen draußen. Ich stand auf, um zu singen und sofort setzte sich jemand auf meinen Platz. Ich sah das, daher ging ich gleich, nachdem ich gesungen hatte, durch die Hintertür in Richtung Taufbecken. Bruder Branham wartete dort in dem Seitenzimmer und er hatte sein Notizbuch offen. Er sagte: „Worüber du gesungen hast, darüber werde ich heute Morgen predigen.“ Er predigte Die Enthüllung Gottes und er zeigte mir seine Notizen. Er verwendete kleine Zeichen, eine Art Kurzschrift, die ihm helfen sollte, am Thema zu bleiben.

Ich werde euch davon erzählen, als wir einmal in der Blue Boar Cafeteria waren, wo so viele nach dem Gottesdienst zusammenkamen. Bruder Branham kam zu mir herüber, wo ich allein stand und nahm meine Hand. Es sah so aus, als verdunkle sich sein Gesicht und er sagte: „Die Tiefe ruft der Tiefe zu“. Etwa da begann etwas sich durch meinen Arm zu bewegen und durch meinen Körper. Ich empfand eine merkwürdige Wärme und das Gefühl von Leichtigkeit, das durch mich strömte und ich weiß, es war dieser Engel, der Christus ist. Ich erkannte später, dass ich von einem Magengeschwür geheilt worden war, denn ich habe nach dieser Begebenheit nie wieder Schwierigkeiten damit gehabt. Ich glaube auch, dass ich mit dem Heiligen Geist getauft wurde, denn mein Leben veränderte sich.

Ein anderes Mal, ich wohnte in Tulsa, Oklahoma, wo ich Vorsitzender der Tulsa Bibelschule war, ein Amt, das ich ein paar Jahre lang innehatte. Eines Tages erhielt ich einen Anruf und es war Bruder Branham, der für mich beten wollte. Ich hatte das, was sie eine Gewebewassersucht nennen, die meinen Körper anschwellen ließ, manchmal die Fingerkuppen oder die Zehen oder meine Lippen. Es wurde besser, aber später kam es wieder. Als er jenes Mal für mich betete, sagte er mir, dass zwei Schatten mir mein Leben lang folgten und versuchten, mich niederzudrücken, und es das sei, worum es hier ging. Er sprach im Bereich der geistlichen Dinge, die ich nicht so verstehe, wie er es tat, aber er sagte es so.

Bruder Branham tat nichts, um dich praktisch zu dirigieren, da wir einen freien Willen besitzen. Doch wusste er offensichtlich, dass ich Reisen nach Übersee unternehmen würde und er hat mich so ein wenig auf seine eigene Art darauf vorbereitet, ohne direkt zu sagen, was ich tun soll. Er sagte mir auch, ich solle das Singen nicht aufgeben und fortfahren, die Lade zu tragen. Nur Leviten tragen die Lade, daher bedeutete das, dass ich einen Dienst habe.

Bruder Branham sagte mir auch, dass ich der Pastor hier in Memphis sei. Einige andere haben versucht, Gemeinden in dieser Gegend zu gründen, aber sie sind auf der Strecke geblieben.

Er hatte auch eine Art, dich zu durchschauen. Er konnte hineindringen und deinen Charakter an die Oberfläche bringen. Er beurteilte die Leute nicht nach ihrem Namen, aber durch die Augen Gottes sah er die Natur eines jeden, und er konnte diese Natur in ein oder zwei Worte zusammenfassen. Es hängt alles damit zusammen, ein Prophet zu sein.

Am Ostersonntag 1965 sprach Bruder Branham im Tabernakel. Billy Paul kam zum Podium, ehe der Gottesdienst begann und sagte, dass Bruder Branham die gesamte Ungren Familie in seinem Büro sehen möchte. Nun, wir saßen in der gesamten Zuhörerschaft verstreut und waren ungefähr 15 oder 20, die sich in sein Büro drängten. Er hatte eine Vision gehabt, und er wollte sie uns übermitteln. In dieser Vision sah er eine Silberplatte, die mein Vater hielt und darauf standen alle unsere Namen und die Namen der Enkel und so weiter, alle auf kleine Karten geschrieben. Er sagte, dass mein Vater zu ihm gesagt hatte: „Bruder Branham, ich gebe sie alle dir.“

Er sagte, dass er diese Vision ein paar Mal gehabt hatte und er sie uns deswegen erzählen wollte. Mir ist nicht bekannt, dass er jemals sonst noch eine ganze Familie so zusammenrief, aber er tat es mit unserer Familie. Bruder Branham sagte auch dies, dass die Familien der Gläubigen in Stämmen fortlaufen, wie die gute Linie eines Stammbaums von Pferden oder Rindern verläuft.

Meine Mutter war eine Person großen Glaubens. Mein Vater war ein ruhiger Mann, der nie viel sagte und er kam später zur Botschaft als meine Mutter. Einmal waren sie mit Bruder Branham essen und er sagte zu Vater: „Bruder Ungren, ich sah dich und Schwester Ungren Hand in Hand im Tausendjährigen Reich spazieren gehen.“ Vater sagte: „Ach, sie wird mich nicht haben wollen.“ (Das war Vater, er war einfach so). Aber Bruder Branham sagte: „Oh doch, das wird sie!“

Das letzte Mal sprach ich im August 1965 mit Bruder Branham. Es war bei einem seiner letzten Gottesdienste in Jeffersonville und nach dem Gottesdienst fuhren wir die Utica Pike Street herunter und ich sah seinen sandfarbenen Kombiwagen vor einem Selbstbedienungsladen parken. Schwester Meda war hineingelaufen, um etwas zu kaufen. Ich parkte und ging hinüber zur Fahrerseite und fing an mit Bruder Branham zu sprechen. Dann, plötzlich, war ich auf der Beifahrerseite und Bruder Branham sank tief in seinem Sitz hinunter und eine Dunkelheit war über sein Gesicht gekommen. Da wusste ich, dass Gott davorstand, mir etwas mitzuteilen. Eine Sache, die er sagte, war: „Wenn die Rinder muhen, singen sie.“ Und wieder sagte er mir, dass ich fortfahren solle zu singen und die Lade zu tragen.

Die Sache ist die, dass ich nicht um den Wagen herum auf die andere Seite gegangen war. Erst danach dachte ich: „Wie bin ich da hingekommen?“ Erst nachdem es vorbei war, erkannte ich, dass Gott mich dahin versetzt hatte. Er wollte mich auf der rechten Seite des Propheten haben. Die linke Seite ist keine gute Seite, wenn es zu den Dingen Gottes kommt, wisst ihr. Aber Er hat mich dort hinüberbewegt. Das hat Er auch mit Philippus getan und ich glaube, dass alles, was in der Bibel geschehen ist, auf die eine oder andere Art in dem Dienst dieses Propheten geschehen ist.

Wo immer ich hingehe, möchten die Menschen, dass ich von Bruder Branham erzähle. Sie haben das Gefühl, dass ich ein enger Kamerad von ihm war. Ich war nicht so eng mit ihm, aber unsere Pfade haben sich oft gekreuzt und er hatte immer etwas Bedeutendes zu sagen.

Bruder Branham war ein Nasiräer insofern, als er nicht rauchen oder trinken durfte, und er war abgesondert wie ein Nasiräer. Ich schaue auf all die Ereignisse in seinem Leben und sie alle sprechen von seinem Amt und seiner Berufung. Er hatte diese tiefsitzenden Augen, die dich erforschen und durchschauen. Ich denke, er war eine einfache Person und um nur von seiner eigenen Natur zu sprechen, denke ich, sein Naturell war eher schwermütig. Ich glaube, er konnte die Dinge sehr stark innerlich erfassen und war eine sehr empfindsame Person. Er war dafür geschaffen, geistlich empfindsam zu sein. Er lebte beständig in zwei Welten und meist in der anderen Welt, was schwer zu begreifen ist, aber wir erhielten flüchtige Blicke davon. Es lag eine Aufrichtigkeit in ihm, die sehr beeindruckend war. Er brauchte nicht versuchen, demütig zu sein, es war einfach Teil von ihm.

Das, was ihn völlig von jedem anderen unterschied, war die Salbung des Geistes, die auf ihm war. Menschen reagieren gefühlsstark darauf.

Manchmal denkt man: „Nur als ein Mann, ein Gefäß; hat Gott einen Mann gesehen, durch den Er dies tun konnte, oder hat Er einen Mann zubereitet, um es durch ihn zu wirken?“ Wahrscheinlich trifft beides zu.

„Generation – Erinnerungen an das Leben eines Propheten“ · © 2006 Believers International · Deutsche Ausgabe: Gemeinde Krefeld-Uerdingen, aus dem Amerikanischen von Rahel Skau · mit Erlaubnis; darf nur kostenlos weitergegeben werden

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